Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Freundschaft
Einer fehlt von Thommie Bayer
Thommie Bayers Roman hat einen altmodischen Charme. Es geht um 3 Männer, die sich als junge Studenten in den siebziger Jahren kennen lernten und über Jahrzehnte Freunde blieben.
Die Protagonisten Paul, Georg und Schubert sind sympathisch, aber auch etwas zu idealistisch gestaltet. Sie eint die Liebe zu Kunst und Kultur und sie ergänzen sich ganz gut.
Ich wünschte, der Roman wäre weniger betulich gestaltet. Passagenweise war es bieder. Dennoch habe ich es nicht bereut, den Roman gelesen zu haben.
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternen!
Chrrrp
Ein Vogel namens Schopenhauer von Tom Diesbrock
Das Buch ist in Italien angesiedelt und erzählt von der Freundschaft zwischen einem Mann und einen Vogel. Einer der seltenen Waldrapp ist bei dem Rentner Matteo im Garten gelandet, da er einen verletzten Flügel hat.
Matteo, ein Philosoph, freut sich über den Besuch, beschließt dann den Vogel nach Bayern in Deutschland zu bringen.
Denn dort gibt es das Projekt, die fast schon ausgestorbenen Waldrappe wieder anzusiedeln.
Diese Fahrt hat Matteo mit dem Fahrrad geplant und es sind hunderte von Kilometern. Eine lange Reise, mit einigen Begegnungen, und auch Erinnerungen. Zwischendurch telefoniert er immer wieder mit seiner sympathischen Nachbarin Leyla. Auch dadurch lernt man als Leser Matteo besser kennen.
Das Buch wird umworben als Buch für Leser von Carsten Henn und Fredrick Backman und das ist gar nicht so falsch.
Matteo ist einem Mann namens Ove nicht unähnlich und der Schreibstil ist so zugänglich wie der von Henn.
Ein Vogel namens Schopenhauer ist ein harmonisches Lesevergnügen. Zwar harmlos, aber empfehlenswert für unbeschwerliche Lesestunden.
Lyrik auf hohen Niveau
Such nach dem Namen des Windes von Olga Martynova
Die Bachmannpreisträgerin Olga Martynowa schreibt neben Prosa auch Lyrik und das auf hohen Niveau.
Erklären kann ich ihre Gedichte nicht so ohne weiteres. Sie sind komplex und anspruchsvoll. Man muss sich auf sie einlassen und die Motive auf sich wirken lassen. Viele Zitate ergänzen die Gedichte.
Martynowas Sprache ist präzise, ihre Themen einfallsreich und vielfältig.
Das Buch hat sieben Abschnitte und obwohl es unterschiedliche Stimmungen gibt, ist da eine beeindruckende Geschlossenheit.
Briana und Jacob
Yours Truly von Abby Jimenez
Der Roman ist stark im Plot und in der Figurenführung.
Es ist fast unmöglich, Briana und Jacob nicht zu mögen. Briana ist eine beliebte Oberärztin in einem Krankenhaus und bewirbt sich dort auf die Leitung. Als Jacob neu im Krankenhaus als Arzt anfängt, wittert sie Konkurrenz. Doch Jacob hat nur gewechselt, um sich von einer gescheiterten Beziehung zu erholen.
Die ersten Treffen zwischen Briana und Jacob verlaufen holprig, doch auch sofort gibt es viel Wortwitz, was ich als Leser sehr schätze.
Es gibz aber auch ein paar Passagen mit Briefwechseln, die sprachlich nicht so gelungen fand.
Auch wird ein beliebter Romankniff im Romancegenre verwendet, den ich abgedroschen finde. Briana soll Jacobs Freundin spielen, damit er die Hochzeit seiner Exfreundin besser übersteht. Klar, dass sich Briana und Jacob näher kommen.
Abby Jimenez ist eine erfolgreiche US-Amerikanische Schriftstellerin, die ich bisher noch nicht kannte.
Das Buch ist in erster Linie für Fans von Liebesromanen gemacht und hat doch mit Organtransplantation ein wichtiges Thema integriert.
Pittsburgh, 1995
Wintersturm von John Vercher
Die Handlung ist in Pittsburgh 1995 angesiedelt und packend gestaltet.
Es war eine brisante Zeit und John Vercher vermittelt die Stimmung der Zeit.
Dem Autor gelingt es, mehrere nahezu gleichwertig wichtige Figuren in die Handlung einzubauen.
Da ist der junge Bobby, so hellhäutig, dass er als Weißer angesehen wird, seine Mutter Isabel und der Mediziner Robert.
Außerdem Bobbys Freund, der aus dem Knast entlassene Aaron, der einem Mann erschlagen hat.
Die Beziehungen all dieser Figuren zueinander sind zum Teil kompliziert, jedenfalls sehr geschickt vom Autor zusammengefügt.
Der Roman ist characterdriven im positiven Sinne.
Briefe an die kommenden Generationen – Band 3
Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht von Gabriele von Arnim
Dieses Buch von Gabriele von Arnim, deren letzte Bücher wie z.B. Der Trost der Schönheit mich schon beeindruckten, ist Band 3 der Reihe Briefe an die kommenden Generationen.
Im Prinzip ist es ein Essay von 80 Seiten über Probleme der heutigen und zukünftigen Welt. Ob das Buch die kommenden Generationen wirklich erreicht, bezweifle ich fast.
Zu viele Zitate aus Literatur und Philosophie, z.B. Camus, die viele heute nicht mehr gut kennen, die ältere aber doch beeinflussten. Deren Werk und Wirkung sollte nicht verloren gehen.
Mich hat der Text überzeugt. Gabriele von Arnim ist eine wundervolle Schriftstellerin.
Harter Stoff von JCO
Babysitter von Joyce Carol Oates
Ein neuer Roman der großen amerikanischen Schriftstellerin Joyce Carol Oates ist fast immer etwas besonders. Babysitter ist ein verstörender, auch spannender Roman und gleichzeitig ein Porträt einer bestimmten Zeit in den USA. Es sind die siebziger in der näheren Umgebung von Detroit. Eine gefährliche Zeit mit Rassenunruhen, die die weiße Mittelschicht ängstigte und es geht ein Serienmörder um, genannt Babysitter, da er Kinder entführt, foltert und tötet.
Beim Lesen musste ich mehrfach an den Film Summer of Sam denken, der zeitlich und thematisch nahe liegt.
Die Spannungen der Zeit sind greifbar.
Im Mittelpunkt steht Hannah, eine verheiratet Frau und Mutter kleiner Kinder, die sich auf eine gefährliche Affäre einlässt. Anhand ihrer Position schafft Joyce Carol Oates eine subtile Gesellschaftskritik.
Es ist ein Roman, der eine soghafte Wirkung entfaltet. Die erste Romanhälfte habe ich am Stück gelesen und war völlig gefesselt.
Ich denke, Joyce Carol Oates ist trotz ihrer Erfolge beinahe noch eine unterschätzte Autorin.
Western mit Niveau
Letztes Gefecht am Saber River von Elmore Leonard
Letztes Gefecht am Saber River von Krimi-Legende Elmore Leonard ist ein Western, geschrieben mit den Mitteln des Genre, aber sehr sorgfältig und es ist wirklich ein Buch mit Niveau. Elmore Leonard konnte einfach schreiben und so ist dieser Roman von 1959 auch heute noch gut lesbar.
Das Buch wurde aus dem Englischen von Florian Grimm übersetzt-
Der Roman ist charaktergetrieben und nicht sehr actionreich, vom Finale angesehen.
Es wird viel geredet und die Dialoge sind gut gemacht.
Es wird eine Zeit getroffen, gegen Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs. Der Protagonist Cable hat für die Konföderierten gekämpft. Verwundet kehrt er zurück und zieht mit Frau und Kinders in seine ehemalige Heimat. Da gibt es Konflikte, doch Cable bleibt standhaft. Seine Geradlinigkeit zeichnet ihn aus. Damit steht er für einen Typ, der typisch ist für einen Helden des amerikanischen Westerns.
Wer gerne Western liest ist hier richtig.
Der Roman wurde auch verfilmt. Den Film würde ich gerne einmal sehen.
Ein Bericht
Nachtblaue Blumen von Alexander Kamber
Das Buch handelt von Frauen, die wegen angeblicher Hysterie in einem Sanatorium behandelt wurden. Es ist 1890 und die Behandlungsmethoden sind mehr als fragwürdig, z.B. Hypnose.
Dieses Thema wurde schon öfter in der Literatur beschrieben. Der Autor Alexander Kamber verfügt über die Sensibilität, die Gefühlswelt seiner Protagonistin zu erfassen.
Sie ist 16 und Waise.
Ihre Berichtsform funktioniert für das Buch. Mit Cleo, mit der sie sich im Sanatorium befreundet, gibt es eine weitere interessant Figur. Das Buch lässt einen als Leser nicht unberührt.
Es ist ein kurzer, aber lesenswerter Roman.
Neo Noir in Tel Aviv
Lockvogel von Daria Shualy
Der Lockvogel ist ein eigenwilliger Roman einer neuen Autorin aus Israel. Daria Shualy! Wohl ein Name, den man sich merken muss.
Ebenso eigenwillig wie bemerkenswert ist die toughe Protagonistin Masi, die auf der Suche nach einer verschwundenen Frau in Tel Aviv ist.
Es ist ein Kriminalroman, dann aber auch mehr, denn das Verhalten der Figuren ist mehr im Mittelpunkt als die eigentliche Ermittlung.
Manche sprechen bei diesem Buch von Neo Noir. Das ist ja eigentlich ein Begriff aus der Welt des Films, aber doch scheint er hier interessanterweise zu passen. Überhaupt hat das Buch einige filmhafte Passagen und Momente.
Ich muss sagen, ich hatte meine Probleme mit dem Stil, aber ich erkenne die Qualität.
Das Buch ist atmosphärisch! Die Hitze in Tel Aviv vermag man beim Lesen zu spüren.











