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Rezensionen von yellowdog:

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Emotionaler Familienroman

Vaterländer von Sabin Tambrea

Der Schauspieler Sabin Tambrea hat ein Buch über seine Familie, die aus Rumänien stammt, geschrieben. Es ist daher ein sehr emotionales Buch.
Zentral sind da die Ereignisse um den Vater, der als Musiker nach Deutschland flüchtet. Das Empfinden des kleinen Sohnes, seiner Schwester und der Mutter, die dann dem Vater folgen.

Und schließlich Rückblicke durch Aufzeichnungen um die Verfolgung des Großvaters durch die Securitate.

Manchmal ist man skeptisch, ob bei Schauspielern, wenn sie anfangen Bücher zu schreiben, wirklich literarisches Können ausreicht, aber Sabin Tambrea (der übrigens auch schon einen Roman vorher geschrieben hatte) versteigt sich nicht, erzählt geradlinig und spannend. Sein Stil ermöglicht dem Leser Teilnahme.
Es ist ein großer Familienroman, aber ob es wirklich so wenig Konflikte innerhalb der Familie gab, ist fraglich, wen auch nicht entscheidend.

Sabin Tambrea teilt die Schilderungen in lange Kapitel ein und ermöglich so ein gutes Leseerlebnis. Die Empfindungen werden für die Leser spürbar und man erfährt viel vom Leben in Rumänien unter Ceausescu.

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Emotionaler Familienroman
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Die Füchsin

Es sind nur wir von Martin Peichl

Neben der Rahmenhandlung um Mascha und dem Icherzähler gibt es dazwischen immer wieder Überlegungen und Reflexionen über diverse Details. Das sind oft ungewöhnliche Abschnitte, die einen als Leser stutzen und überlegen lassen.

Der Protagonist ist verstört. Oft erinnert er sich an seinen Freund Paul, der sich umbrachte, hat Sorgen um seine Mutter oder denkt an seine Exfreundin Sophia.

Doch die Beziehung zu Mascha ist ihm wichtig.
Er hat Mascha in einem Birdwatching-Verein kennen gelernt. Sie lebt zurückgezogen in einem Bunker. Leitmotivhaft begleitet eine Füchsin Mascha.

Der Text deutet die Auswirkungen eines problematischen Gesellschaftszustand an.

Es sind nur wir ist ein sorgfältig gemachter, verhaltener, manchmal auch stimmungsvoller Roman!

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Die Füchsin
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Durch die Zeiten gerauscht

Zeitpfade von Anne Michaels

Zeitpfade der kanadischen Schriftstellerin Anne Michaels überzeugt durch einen eleganten Stil, der poetische Momente hat und die schwebende Atmosphäre der Vergangenheit transportieren kann.

Anne Michaels folgt keiner konventionellen Handlung, aber sie zeigt mehrere Generationen einer Familie
Der Roman deckt einen großen Zeitraum ab, beginnend 1917 auf einem Schlachtfeld des ersten Weltkriegs, dann die Rückkehr des verletzten Soldat John zu seiner späteren Frau Helena.

Er widmet sich der Fotografie. Ein geheimnisvolles Element kommt hinzu, als in den Fotos, die John macht, verstorbene zu sehen sind. Es sind die Angehörigen der Menschen, die John fotografierte. Ein Element, dass leider nicht komplett verfängt.

Mehrere Generationen werden noch gezeigt. Die Tochter Anna, die Enkelin Mara, ihr Freund Alan und weitere Figuren, die nicht sofort zuordenbar sind. Zudem wird sehr in den Zeiten vor- und zurück gesprungen. Dadurch wird es bald etwas zu fragmentarisch, auch wenn fast alle Passagen stark geschrieben sind.

Zeitpfade ist ein Roman, der abseitig der Lesekonventionen etwas wagt und den Leser dabei fordert.

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Die italienische Tochter

Kassandra in Mogadischu von Igiaba Scego

Kassandra in Mogadischu ist ein Buch, dass sehr von seiner Erzählperspektive geprägt ist.
Die Erzählerin schreibt Briefe an ihre Nichte Soraya. Zunächst denkt man als Leser sogar, man würde persönlich angesprochen. Ehrlich gesagt, hatte ich keinen Briefroman erwartet. Das ist nicht meine bevorzugte Erzählform, doch mit der Zeit kommt man besser rein.

Man erfährt etwas von Somalia. Die Heimat der Erzählerin ist Rom, auch wenn sie afrikanische Wurzeln hat. Und doch traumatisiert sie, was ab 1991 schreckliches im Bürgerkrieg in Somalia passiert. Es ist auch ein Buch über ihre Familie.
Ich bin der Erzählerin mit Interesse durch das Buch gefolgt.

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Geth und Olwen

Die Unmöglichkeit von Liebe von Francesca Reece

Der Roman erzählt die Geschichte von Geth und Olwen im ländlichen Wales.
Die Autorin arbeitet geschickt mit zwei Zeitebenen. Gegenwart ist 2016/2017, rückblickend dann ab 1987 über die neunziger Jahre, als die Protagonisten noch jung waren. Zwischendurch geht es dann noch mehrfach ins Jahr 1980.

Mir persönlich war das zu viel. Es wurde zu sprunghaft, aber das ist Geschmackssache.
Geth und Olwen hatten eine Liebesbeziehung, aber dann trennten sich ihre Wege. Während der erste Teil des Buches Geth mehr im Blickpunkt stand, kommt im zweiten Teil Olwens Perspektive mehr zum Tragen.
Im Gegenwartshandlungsstrang treffen sie sich wieder und alte Gefühle kommen wieder hoch.
Die Figuren sind nicht schlecht gemacht. Man kann sie verstehen.
Nach „Ein französischer Sommer“ ist „Die Unmöglichkeit von Liebe“ eine kleine Steigerung.

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Verspielt, aber sorgfältig

Der Zauberberg, die ganze Geschichte von Norman Ohler

Norman Ohler schafft eine Rahmenhandlung mit autofiktionalen Ansatz. Ein Autor ist mit Tochter und deren Freundinnen in Davos und liest dort Thomas Manns Meisterwerk Der Zauberberg.

Darin eingebettet ist die Entstehungsgeschichte des Zauberbergs mit Thomas und Katia Mann als Hauptfiguren.

Prinzipiell ist das alles bekannt, aber der Autor geht so spielerisch mit dem Stoff um, dass es Spaß macht.

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Notizen zur Trauer

Trauer ist das Glück, geliebt zu haben von Chimamanda Ngozi Adichie

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ist eine äußerst interessante Autorin, die auf hohen Niveau schreibt. Berühmt ihr Roman Americanah.
In diesem 80 Seiten umfassenden Essay schreibt sie vom Tod ihres Vaters in Nigeria, während sie in den USA lebt. Und da es die Zeit des Lockdowns ist, kann sie nicht zu ihm.

In 30 kurzen Kapiteln erzählt sich auch das Leben ihres Vaters. Ein bemerkenswerter Mann.
So gesehen ist wohl dieser Text ihre Art des Abschiednehmens.

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konzentrierter Text, leicht überfrachtet

Nur nachts ist es hell von Judith W. Taschler

Die Österreichische Schriftstellerin Judith W.Taschler hat mit Nur Nachts ist es hell ein sehr konzentriertes Buch geschrieben. 1973 erzählt eine Frau ihr Leben. Überwiegend spielt es in Wien. Elizabeth wächst in Mühlviertel auf, heiratet dann Georg, der im ersten Weltkrieg einen Arm verlor und wurde nachdem sie zunächst Krankenschwester war Ärztin.

Nach fühlt sie sich ihren Bruder Eugen, der in die USA ausgewandert war, dann aber zurückkehrte.
Elizabeths Erzählung springt gelegentlich. Es gibt jedenfalls viele Fakten und Details, die man als Leser erst einmal verarbeiten muss. Ehrlich gesagt, halte ich das Buch für überfrachtet. Doch man ist durch Taschlers Erzählart auch so tief in die Handlung reingezogen, dass sich allmählich ein Gesamtbild ergibt.
Da Elizabeth alleinige Erzählerin ist, bleibt man nah an ihr dran.
Einzige Ausnahme sind die geschickt von der Autorin eingebundenen Briefe von Eugen, in der er seine Zeit in Boston berichtet.

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Glühend heißer Boden

Juli, August, September von Olga Grjasnowa

Juli, August, September heißt der neue Roman der Schriftstellerin Olga Grjasnowa , die durch „Der Russe ist einer der Birken liebt“ so bekannt wurde. Das neue Buch hat vergleichbare sprachliche Qualitäten, unterscheidet sich aber durch die Protagonistin Lou, die Ende 30 ist, ein Kind hat und mit einem Konzertpianisten verheiratet ist.

Sie hat russisch-Aserbaidschanische Wurzeln, definiert sich aber inzwischen als Deutsche. Auch ihre jüdische Identität beschäftigt sie. Neben der Frage der Identität ist auch eine Beschreibung des Zustands, in der sie sich im Jahr 2023 befindet. Ihre Ehe ist leicht erkaltet, ihre berufliche Situation liegt auf Eis und ihr Plan, ein Buch zu schreiben stockt ebenfalls.

Das Buch hat anfangs wenig Handlung. In der zweiten Buchhälfte wird ein historischer Kontext hinzugefügt, den ich nicht ganz so zwingend fand.
Das Buch ist aber keineswegs schwach. Dazu hat es zu viele gut Passagen.

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Eine Beziehung

Die vorletzte Frau von Katja Oskamp

Katja Oskamp, die mit Marzahn, mon amour schon so sehr überzeugte, schreibt ein weiteres mal über ihr eigens Leben. Im Mittelpunkt steht die langjährige Beziehung einer Frau und einem Mann, dem Schweizer Tosch.
Obwohl die Beziehung sehr eng ist, leben sie nicht zusammen. Tosch hält auf Distanz, denn er ist ein erfolgreicher Schriftsteller und das Schreiben ist ihm das wichtigste.

Die Erzählerin ist auch Schriftstellerin, wenn auch weniger bekannt. Sie hat mit Paula eine Tochter.
Die Passagen mit den dreien zusammen sind fast anrührend.
Später bekommt Tosch Krebs, aber sie hält zu ihm, pflegt ihn. Dennoch weiß man schon früh, dass die Trennung noch folgen wird.

Die Art der Beziehung ist interessant dargestellt. Teilweise ist sie ungleich, manchmal fast toxisch, dann gibt es aber auch Momente von Zuneigung und Verbundenheit.
Es gibt viele Kapitel, manche sind kurz. Auffällig ist, dass die Autorin einen ganz eigenständigen Ton gefunden hat. Dazu gehört auch ein leicht spöttischer Humor, dem es auch nicht an Selbstironie mangelt.

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Eine Beziehung