Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
witzig und melancholisch zugleich
Schwätzer von Sven Pfizenmaier
Sven Pfizenmaiers zweiter Roman „Schwätzer“ erzählt von 2 Freunden, Meikel und Eddi, in Berlin.
Die Figuren sind etwas älter als die Jugendlichen aus Pfizenmaiers ersten Buch. Beide haben schon einiges durchgemacht, waren sogar drogensüchtig, sind jetzt jedoch clean.
Gemeinsam gehen sie auf Meteoritenjagd in Brandburg, damit Eddi vom Geld seine Wohnung behalten kann.
Eine weitere Figur ist Farina und damit ein zusätzlicher Handlungsstrang. Im zweiten teil kommt ein icherzähler hinzu. Der Roman wird gut gefüllt und erhält eine Dichte.
Viele Kapitel sind brillant und versprühen eine besondere Stimmung.
Es ist eine irrwitzige Handlung, die Pfizenmaier spielerisch gestaltet.
Der Autor verfügt über viel Wortwitz und überzeugt außerdem durch gut ausformulierte Beschreibungen sowie ausgezeichneten Dialogen.
8 Leute
Nach uns der Himmel von Simone Buchholz
Nach uns der Himmel von Simone Buchholz ist kein Krimi. Das sollte man erwähnen, da die Autorin vor allen als Krimiautorin sehr bekannt geworden ist.
Es beginnt mit einem Flug mit schwierigen Landeversuch. Die Passagiere fühlen sich ein wenig wie aus der Welt gefallen. 8 Leute stehen im Mittelpunkt: Vincent, Heidi, Annike, Benedikt, Elizabeth, Claudius, Sara, Mark
Mystische Elemente kommen hinzu.
Man denkt an die Serie Lost, aber damit hat dieses Buch wenig zu tun.
Ein anfangs rätselhafter zweiter Handlungsstrang, angesiedelt in L.A., kommt hinzu.
Simone Buchholz macht viel in Sachen Figurenentwicklung und doch bleibt das Gefühl, man hätte noch mehr aus den Figuren machen können. Es fehlt die letzte Tiefe. Vielleicht sind es zu viele.
Und um mit positiven Worten abzuschließen: Das Buch ist sehr schön aufgemacht. Das gilt vor allen auch für das Cover mit den erhabenen Stellen an den Positionen der Fenster.
Midlifekrise
Das Fest von Lucy Fricke
Das Fest von Lucy Fricke ist ein gut gemachtes Hörbuch, aber leider kaufe ich der Autorin die Hauptfigur Jakob nicht so ganz ab. Er wirkt lethargisch, aber vielleicht auch durch die Vortragsweise der Sprecherin auch ein wenig putzig. Auch die Nebenfiguren, denen der Protagonist durch das Buch begegnet, erscheinen mir zu eindimensional.
Die typische männliche Midlifekrise wird hier ein wenig auf die Schippe genommen und das ist auch okay, aber eigentlich erwarte ich von Literatur mehr.
Von diesem Kritikpunkt abgesehen, weckt der Text schließlich doch Interesse und Sympathie für die Figuren und das relativ kurze Hörbuch ist trotz ein paar Passagen mit Längen schnell durchgehört.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Die Farben des Winters von Hiltrud Baier
Hiltrud Baiers Roman zeichnet sich durch einen warmen Ton aus, dem eine Spur Melancholie beigemischt ist.
Das ergibt sich auch aus der Tatsache, dass die Protagonistin Nova als Kind einen Teil ihrer Famile und ihre zweite Heimat Lappland verlor. Sie ist halb deutsche, halb Schwedin.
Zur Beerdigung ihres Vaters kehrt sie nach langer Zeit zurück.
Der Schauplatz der Handlung ist reizvoll. Novas Vater hatte Rentiere. Man erfährt auch von der Kultur der Samen.
Hiltrud Baier gelingt es, gute Detailbeschreibungen einzubringen. Die Handlung wird überlagert davon, herauszufinden, was damals passiert ist. Nova ist auf den Spuren der Vergangenheit. Das hält auch die Leser bei der Stange. Ein lesenswerter Roman.
Alexithymie
Mandel von Won-pyung Sohn
Hier gibt es eine vorher noch nicht übersetzte koreanische Schriftstellerin zu entdecken. Won-Pyung Sohn.
Der Roman beschreibt das Leben eines Jungen, der Alexithymie hat und somit Gefühle nicht wahrnehmen oder empfinden kann. Er versucht mit seinem Zustand umzugehen und zu verstehen. Dabei setzt er sich mit einem gewalttätigen Mitschüler auseinander und mit einer Schulfreundin.
Auf die Handlung möchte ich sonst nicht eingehen, aber es wird nie langweilig.
Es wird aus der Perspektive des Jungen erzählt.
Das gibt ein ungewöhnliches, interessantes Leseerlebnis.
Monolog
Spargel in Afrika von Corinna Antelmann
Spargel in Afrika ist eine intensive Erzählung eines Mannes über den Besuch des sterbenden Vaters im Altersheim. Die Erzählung ist gekennzeichnet durch seine Erzählart, dem Monolog. Da es den Stoff auch als Theaterstück gibt, liest man den Text auch so und er entfaltet seine Stärken.
Ein wenig überraschend ist ie Überbetonung des kulinarischen.
Immer wieder geht es um die Essvorlieben des Vaters, der ein Genußmensch war.
Corinna Antelmann hat eine Erzählung geschaffen, die man nicht so schnell vergisst.
Die Wirkung der Bücher
Die Abende in der Buchhandlung Morisaki − Roman (Bücherliebe in Tokio 2) von Satoshi Yagisawa
Wenn ein Buch wie Die Tage in der Buchhandlung Morisaki so gut und erfolgreich war, fragt man sich, ob eine Fortsetzung wirklich erforderlich ist. Die Angst, der Nachfolger könnte im Vergleich absacken, ist groß.
Aber Die Abende in der Buchhandlung Morisaki hält das Niveau und die Qualität.
Wieder dreht sich alles um Onkel Satorus Antiquariat seltener Japanischer Bücher , erzählt von Takako.
Sie ist eine eigenwillige Figur, in den Dialogen fast schon patzig. Aber Satoru und Tante Momoko sind auch Originale und liebenswerte Figuren. Ein wenig bedeckter ist Takakos neuer Freund Wada, der plant einen Roman mit Schauplatz der Buchhandlung zu schreiben. Ist er vielleicht ein verkappter Alter Ego des Autors.
Im letzten Drittel des Buches steht die Krebserkrankung der Tante im Vordergrund und wie die anderen damit fertig werden.
Das Buch wird aber nicht von einem Thema beherrscht, was ich gut finde. Sehr stark wird immer wieder die Wirkung der Bücher ausgearbeitet.
Satoshi Yagisawa ist ein interessanter Autor. Da hofft man auf weitere Bücher!
Eine WG, die zueinandersteht
Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan
Wohnverwandtschaften ist ein sympathischer Roman, der eine große Leichtigkeit ausstrahlt, aber auch sehr geschickt komponiert wurde. Er erzählt die Geschichte einer WG von 4 Leuten: Die junge Zahnärztin Constanze, die nach einer Trennung als Neue zur WG kommt. Dann Murat, der gerne kocht und sich um alle kümmert.
Anke, die Schauspielerin, die zurzeit keine Aufträge mehr bekommt und der Jörg, Ende 60, dem die Wohnung gehört.
Sie verstehen sich gut. Später wird mit dem Hund Alien noch ein fünftes Mitglied die WG ergänzen. Dann zeigen sich bei Jörg erste Anzeichen von Demenz, er vergisst immer mehr. Doch das schweißt die Wohngemeinschaft noch mehr zusammen, sie werden umso mehr zu einer kleinen Familie. Aber einfach ist es nicht.
Das zeigt Isabel Bogdan eindringlich, aber unverkrampft. Mal hat jeder der vier sein eigenes Kapitel, dann gibt es auch Kapitel mit zwei oder allen zusammen. Das ist gelungen.
Als Leser fühlt man sich fast wie einer von ihnen und so gut in einem Roman mitgenommen zu werden, ist eine Qualität.
Brüder
Intermezzo von Sally Rooney
Sally Rooneys neuer Roman erzählt von 2 Brüdern, die sehr unterschiedlich sind und nach dem Tod des Vaters an einem Wendepunkt im Leben stehen.
Ihr desolater Gemütszustand überträgt sich auf den Leser und die ersten 100 Seiten empfand ich als unglaublich öde. Das kannte ich aus den vorherigen Büchern der Autorin nicht.
Dann hat man sich eingelesen und erkennt, wie gut Sally Rooney die emotionale Seite ihrer Protagonisten beleuchtet.
Das gilt meiner Meinung nach aber weniger für die weiblichen Figuren. Nicht zuletzt deswegen bleiben die Beziehungen zu verhalten. Eigentlich traurig und es bleibt wenig Optimismus. Aber das scheint mir doch nur Sally Rooneys Weltbild, dem ich mich nicht anschließen will.
Leider bleibt eine Distanz zu den Figuren, die nicht zu überwinden ist. Ich halte die Figuren auch für nicht ganz glaubwürdig. Peter ein Macho, Ivan ein schachspielender Nerd. Über diese Klischees kommen sie meistens nicht hinaus. Erst spät im Buch brechen ihre Rollen gelegentlich.
Durch die stockende Erzählweise und dem schlechten Lesetempo kommt man nur schwer voran und das Lesen wird zur Qual.
Das Ende halte ich dann für wenig zufriedenstellend.
Haddock Hall
Mit goldenem Löffel von Jane Crilly
Die Autorin Jane Crilly lässt die Leser in einer vergangenen Zeit schwelgen, indem sie die breit angelegte Geschichte einer Familie auf dem Landsitz Haddock Hall in mehreren Generationen erzählt.
Da sind Archie und Mary und ihren Söhnen George und Clay.
1901 lernt Gorge Lilian auf einem Sommerball kennen.
Sie heiraten und 1903 werden ihre Zwillinge Edmund und Wilson geboren. Der sensible Wilson ist Icherzähler.
Archie und Mary sterben 1906 bei einem Unfall. 1919 stirbt auch Lilian völlig überraschend.
Dann kehrt Clay aus Afrika zurück und bringt Elise mit, die alle fasziniert. Bald dreht sich alles um sie. Jeder ist in sie verliebt, selbst der Hund und der Butler. Ganz besonders aber Wilson, der sich nur mit ihr lebendig fühlt.
Wer Nostalgie und das Genre mag, ist bei diesem Roman genau richtig.











