Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Atmosphärisch
Unbarmherziges Land von Chris Offutt
Chris Offuts Kentucky-Krimi ist mehr als der Untertitel suggeriert, da es viel mehr um die handelnden Figuren geht als um einen Kriminalfall. Andererseits ist der Untertitel doch treffend, da Kentucky als wichtiges Element eingesetzt wird.
Hier ist es streckenweise karg, und nicht nur die Landschaft.
Die Mentalität der Menschen ist eine besondere.
Eine große Stärke des Romans ist der Protagonist, der Ermittler bei der Army ist und seiner Schwester zur Hilfe eilt, die als Polizistin ein einem Mordfall ermittelt.
Mick ist eine ehrliche Haut, aber auch oft abwesend. Daher läuft es in seiner Ehe nicht so gut. Seine Frau ist Schwanger, aber nicht von ihm.
Die familiären Probleme nehmen einen großen Platz in der Handlung ein. Das hat gut funktioniert, da auch die rasanteren Szenen nicht zu kurz kommen.
Der Roman ist also gut ausgewogen und gut durchkomponiert.
Ensemblefilm als Hörbuch
3 1/2 Stunden,2 Audio-CD, 2 MP3 von Robert Krause
Im Hörbuch von Robert Krause, dass ein weitreichendes Ereignis am 13. August 1961 betrachtet, treten eine ganze Reihe von Figuren auf. Daher ist es sinnvoll, dass die Sprecher Tanja Fornaro und Robert Frank das unter sich aufteilen.
Dieser 13.August ist der Tag, an dem die DDR die Grenzen zur BRD schließt.
Robert Krause schreibt Drehbücher. Auch Dreieinhalb Stunden basiert auf einem Drehbuch. Das merkt man auch diesem Hörbuch an, denn die Figuren werden filmsszenisch entwickelt, das bedeutet auch eine gewisse eindimensionalität. Sie nehmen die ihnen zugewissenen Rollen ein und mehr wird von ihnen anfangs auch nicht erwartet. Später gewinnen die Figuren durch ihre Emotionalität.
Erzähltechnisch wird schnell zwischen den Figuren gewechselt und damit gibt es immer wieder verschiedene Perspektiven.
Zu den Reisenden, die bald schon in einem inneren Konflikt stehe, gehören das Ehepaar Marlis und Gert, Rudolf, seine Verlobte Ingrid und deren Sohn Hans, die Sängerin Carla und ihre aus 3 jungen Männern bestehende Band.
Weitere Reisende und auch die Lokführerin Edith Salzmann werden betrachtet.
Außerdem gibt es einen innerlich getriebenen, westdeutschen Kommissar, der den Zug besteigt, um zu ermitteln.
Alles in allem erinnert das an große Ensemblefilme vergangener Zeiten (Hotel International, Mord im Orienexpress, etc.)
Die Sprecherleistung würde ich als ordentlich einstufen.
Dias Hörbuch war unterhaltsam und das Thema vermochte zu interessieren.
Brave Girl, quiet girl
Der Mut kommt auf kleinen Füßen von Catherine Ryan Hyde
Die Geschichte einer Mutter, die ihre 2jährige Tochter verliert und der jungen Molly, die das Kind findet.
Ein Autodieb stiehlt ein Auto, in dem sich ein 2jähriges Kind befindet, das er einfach aussetzt. Dort findet die knapp 16jährige Molly, die von ihren Eltern rausgeworfen wurde, das Kind und kümmert sich um sie.
Der amerikanische Alltag in L.A. ist so, dass es viele Menschen nicht einfach habe. Brooke kommt als alleinerziehende kaum über die Runden und muss bei ihrer mürrischen Mutter wohnen.
Und Molly lebte auf der Straße. Nach dem Vorfall mit dem Kind kommt sie bei einer Pflegefamilie unter, aber da wird sie nur ausgenutzt und sie läuft weg.
Doch Brooke und Molly kommen sich in ihren jeweiligen Situationen langsam näher und die Begegnung wird ihr Leben verändern.
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Molly und Brooke hin und her.
Dem Buch fehlt es wirklich nicht an Pathos und es wird oft emotional.
Zwar ist die Handlung dick aufgetragen, aber es liest sich wirklich fesselnd.
eine neue Ikone der Literatur
Was fehlt dir von Sigrid Nunez
Die beiden letzten in Deutsch erschienen Bücher von Sigrid Nunez (Der Freund und Sempre Susan) waren faszinierend. Ihh neuer Roman „Was fehlt dir“ ist nicht so einfach fassbar. Nüchtern und sachlich erzählt. wirft er einen Blick auf die Gesellschaft der zeitgenössischen USA, dazu mit einem leicht ironischen Unterton und überwiegend handlungsarm.
Das die Erzählerin leicht stachelig und schwer greifbar ist, macht aber auch einen Teild es Reizes an dem Roman aus.
Sigrid Nunez ist einmalig darin, einserseits prägnant zu schreiben, andererseits Abschweifungen, z.B. Gedanken über einen Dokumentarfilm oder über die Malerin Carrington, nicht zu scheuen. Außerdem gibt es einige literarische Zitate und Verweise, wie auf David Foster Wallace und Ingeborg Bachmann.
Sigrid Nunez, die einst für Susan Sontag arbeitete, ist inzwsichen selbst auf dem Weg zur erzählerischen Ikone, die ich sogar mit Joan Didion vergleichen würde.
Zwischen Berlin und Paris
Was fehlt dir von Sigrid Nunez
Revolution Morgen 12 Uhr ist ein Buch mit einem ungewöhnlichen Titel (der einem Grafitti entspricht, dass der Protagonist am Bahnhof sieht) und es ist auch ein gediegener Roman. Im Jahr 2018 lässt sich der an Deprsssionen sowie an Angst- und Panikattacken leidende Student Sean in eine Berliner Psychiatrie einweisen.
Er ist 24 Jahre alt und vielleicht ist es der große Altersunterschied, dass ich zu der Figur nicht richtig durchdringen kann. Man spürt, dass er sehr sensibel ist. Er hat britische wie französische Wurzeln. Neben Berlin ist Paris sein Sehnsuchtsort.
Ich finde schwer Zugang zu ihm, obwohl ich es mag, dass er sich soviel Gedanken macht. Davon zeigen auch die den Kapiteln vorangestellten Zeilen über jeweils einen Begriff.
Man erfährt ein wenig von seinem Zustand und seinem Klinikaiufenthalt, am meisten aber von seinen Kontakten zu anderen Leuten.
Phasenweise kann das Buch herunterziehen. Das Ende ist positiv, was ich sehr schätze. Aber über das gesamte Punkt gesehen, weiß ich nicht so Recht, was jetzt damit machen. Es lässt mich streckenweise ratlos.
Also kein schlechter Roman, aber für mich auch kein Highlight.
Porträt einer Familie in heutigen Zeiten
Die Wütenden und die Schuldigen von John von Düffel
John von Düffel hat wieder einen Familienroman geschrieben. Stellenweise erinnert er mich an seinen früheren Erfolg Houweland.
Der Roman ist ganz in der Gegenwart angelegt, also auch zu Zeiten von Cotona und Quarantäne.
Die Familie setzt sich zusammen aus Richard, der schwer erkrankt ist, seine Tochter Maria und deren Kinder Jakob und Selma.
Auffällig das fehlen vom Sohn Holger, doch das wird erst gegen Ende thematisiert.
Die Situation ist angespannt, besonders die junge Selma leidet darunter.
Die im Blickpunkt stehenden Figuren wechseln mit den Kapiteln und zeigen so ein Gesamtbild des emotionalen Zustandes einer Familie aus verschiedenen Perspektiven. das ist sehr gut gemacht.
Zwar ist fraglich, wie stellvertretend diese Familie für den Querschnitt der Deutschen sein soll oder kann, aber immerhin hat von Düffel sein Familienporträt kompakt gehalten.
Neuanfang
Sophies Café von John von Düffel
Der Roman erzählt von einer Frau, die jahrelang durch die Ehehölle geht und dann einen Neuianfang wagt.
Zuerst muss hier eine Warnung ausgesprochen werden. Die ersten Seiten sind von erschreckender Brutalität. Die schwangere Gabriella wird von ihrem gewalttätigen Ehemann so schlimm verprügelt, dass sie sogar das Baby verliert.
Das wird ausführlich und detalliert geschicldert und vielleicht kann das nicht jede Leserin oder Leser ertragen.
Erst dann kommen entspanntere Abschnitte. Gabriella nennet sich jetzt Leah. Sie ist nach Rivertown, South Carolina geflüchtet und kommt bei der warmherzigen Sophie unter. Und sie lernt Crowley kennen, der sich für sie interessiert.
Diesen Plotverlauf gab es schon in vielen Büchern und manchmal kommt mir der Verdacht, diese Elemente werden zu kalkuliert eingesetzt.
Es fehlt mir ein psychologischer Unterbau, der eine gewalttätige Situation erläutert.
Was bleibt ist ein routiniert gemachter Roman des Genres, der auf bewährten Kleinstadtcharme, Freundschaft und Liebe setzt. Bewährte Zutaten, die auch hier funktionieren.
dicht und emotional, aber auch lakonisch erzählt
Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker
In diesem Roman über ein Familiendrama mit langjährigen Auswirkungen ist man als Leser sofort drin, denn die Handlung ist dicht und emotional.
Es gibt Motive eines Neo-Western.
Die Figuren mag ich auf Anhieb, besonders Walk, aber auch die dreizehnjährige Duchess, die sich immer betont abgebrüht gibt.
Der Polizist Walk, ein Jugendfreund ihrer Mutter sieht öfter nach ihr und ihrem Bruder Robin, denn die Mutter Star ist eher lebensuntüchtig. Das ist nicht einfach für die Kinder, die bei den Alkoholexzessen der Mutter am meisten leiden müssen.
Dann wird auch noch der Mann aus dem Gefängnis entlassen, der vor 30 jahren als Jugendlicher den Tod von Stars Schwester verursacht hat.
Wald versucht, seinen alten Freund zu unterstützen.
Die ganze Situation ist spannnungsgeladen. Man spürt, wie das ganze bald eskalieren wird,
Mich beeindruckt an dem Roman die Lakonie, die manche Figuren und die Dialoge ausstrahlen. Es ist überhaupt ein sehr lesenswertes Buch.
Das Buch lebt auch von der unglaublich schönen Umgebung, Cape Haven in Kaliformien. Da kann ich nur empfehlen, mal nach Bildern zu googeln.
Von Exil und Heimat
Und immer wieder aufbrechen von Tatjana Kruse
Sisonke Msimangs Buch ist kein Roman sondern ein bewegendes Memoir, in der sie die Stationen ihrer Kindheit und Jugend schildert. Das wird durch den Oriiginaltitel noch besser verdeutlicht: Always Another Country: A memoir of exile and home.
Sisonkes Vater war aktiv im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, Sisonke wird im Exil geboren und die Familie zieht oft um, z.
B. nach Sambia, Kenia, Kanada, Äthiopien.
Viele Szenen sind intensiv geschildert. Der Vater ist ein starke Persönlichkeit und verlangt auch von seiner Tochter Mut und Widerstand, wenn sie rassistisch angegangen wird. Eine eindrucksvolle Passage zeigt, wie Sisonke auf dem Spielplatz von einem anderen Kind Affe genannt wird.
Schließlich wird Nelson Mandela befreit und die Familie kann wieder nach Südafrika, für Sisonke ist es die erste Begegnung mit dem Land.
Schließlich geht sie für das College in die USA. Als Leser teilt man ihre Erfahrungen.
Auch ihre Erwachsenenjahre sind sehr interessant.
Das Buch hat Kraft durch Sisonkes gute Beobachtungsgabe und dem gelungenen, passenden Erzählton. Sisonke Msimang hat hohe erzählerisch Qualitäten.
Koreanisches Sozialdrama
Vertraute Welt von Hwang Sok-Yong
Vertraute Welt von Hwang Sok-Yong ist im Original schon von 2011 und weniger opulent gestaltet als sein historischer Roman Die Lotusblüte.
Aber auch hier gibt es viel Atmosphäre und intensive Sprachbilder.
Wer in dem Vorort von Seoul nahe der großen Müllhalde lebt, befindet sich im sozialen Abseits.
Die Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen, haben wenig Perspektiven.
Manche versuchen, von den Funden auf der Blumeninsel, wie die giftige Müllhalde genannt, zu leben. Eine ganz eigene Hierarchie bestimmt hier das Leben. Das Leben als Müllsammler ist hart.
Die Stärke des Romans ist, dass die Jugendlichen Glubschaug und Glatzfleck im Mittelpunkt stehen. Das gemeinsame Schicksal macht sie zu Brüder.
Hwang Sok-Yong hat ein packendes Sozialdrama geschrieben.










