Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
dicht und emotional, aber auch lakonisch erzählt
Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker
In diesem Roman über ein Familiendrama mit langjährigen Auswirkungen ist man als Leser sofort drin, denn die Handlung ist dicht und emotional.
Es gibt Motive eines Neo-Western.
Die Figuren mag ich auf Anhieb, besonders Walk, aber auch die dreizehnjährige Duchess, die sich immer betont abgebrüht gibt.
Der Polizist Walk, ein Jugendfreund ihrer Mutter sieht öfter nach ihr und ihrem Bruder Robin, denn die Mutter Star ist eher lebensuntüchtig. Das ist nicht einfach für die Kinder, die bei den Alkoholexzessen der Mutter am meisten leiden müssen.
Dann wird auch noch der Mann aus dem Gefängnis entlassen, der vor 30 jahren als Jugendlicher den Tod von Stars Schwester verursacht hat.
Wald versucht, seinen alten Freund zu unterstützen.
Die ganze Situation ist spannnungsgeladen. Man spürt, wie das ganze bald eskalieren wird,
Mich beeindruckt an dem Roman die Lakonie, die manche Figuren und die Dialoge ausstrahlen. Es ist überhaupt ein sehr lesenswertes Buch.
Das Buch lebt auch von der unglaublich schönen Umgebung, Cape Haven in Kaliformien. Da kann ich nur empfehlen, mal nach Bildern zu googeln.
Von Exil und Heimat
Und immer wieder aufbrechen von Tatjana Kruse
Sisonke Msimangs Buch ist kein Roman sondern ein bewegendes Memoir, in der sie die Stationen ihrer Kindheit und Jugend schildert. Das wird durch den Oriiginaltitel noch besser verdeutlicht: Always Another Country: A memoir of exile and home.
Sisonkes Vater war aktiv im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika, Sisonke wird im Exil geboren und die Familie zieht oft um, z.
B. nach Sambia, Kenia, Kanada, Äthiopien.
Viele Szenen sind intensiv geschildert. Der Vater ist ein starke Persönlichkeit und verlangt auch von seiner Tochter Mut und Widerstand, wenn sie rassistisch angegangen wird. Eine eindrucksvolle Passage zeigt, wie Sisonke auf dem Spielplatz von einem anderen Kind Affe genannt wird.
Schließlich wird Nelson Mandela befreit und die Familie kann wieder nach Südafrika, für Sisonke ist es die erste Begegnung mit dem Land.
Schließlich geht sie für das College in die USA. Als Leser teilt man ihre Erfahrungen.
Auch ihre Erwachsenenjahre sind sehr interessant.
Das Buch hat Kraft durch Sisonkes gute Beobachtungsgabe und dem gelungenen, passenden Erzählton. Sisonke Msimang hat hohe erzählerisch Qualitäten.
Koreanisches Sozialdrama
Vertraute Welt von Hwang Sok-Yong
Vertraute Welt von Hwang Sok-Yong ist im Original schon von 2011 und weniger opulent gestaltet als sein historischer Roman Die Lotusblüte.
Aber auch hier gibt es viel Atmosphäre und intensive Sprachbilder.
Wer in dem Vorort von Seoul nahe der großen Müllhalde lebt, befindet sich im sozialen Abseits.
Die Kinder und Jugendliche, die hier aufwachsen, haben wenig Perspektiven.
Manche versuchen, von den Funden auf der Blumeninsel, wie die giftige Müllhalde genannt, zu leben. Eine ganz eigene Hierarchie bestimmt hier das Leben. Das Leben als Müllsammler ist hart.
Die Stärke des Romans ist, dass die Jugendlichen Glubschaug und Glatzfleck im Mittelpunkt stehen. Das gemeinsame Schicksal macht sie zu Brüder.
Hwang Sok-Yong hat ein packendes Sozialdrama geschrieben.
Heleens Monolog
Die Beichte einer Nacht von Marianne Philips
Die Beichte einer Nacht ist ein Buch aus den Niederlanden, dass schon älter ist.
Der Roman ist als Monolog gestaltet. Die in einer Nervenanstalt sitzende Patientin Heleen spricht zur Nachtschwester aber eigentlich mehr zu sich selbst. Sie ist aufgewühlt und erzählt ihre ganze Lebensgeschichte schon ab Kindheit.
Das war eine schwierige Kindheit und Jugend in einer kinderreichen Familie. Auch als sie von zu Hause wegging war es nicht einfach, aber sie kann sich durchsetzen und steigt beruflich auf. Als sie heiratet nimmt sie nach dem Tod ihrer Mutter ihre kleine Schwester zu sich.
Durch die Form entsteht ein eigenständiger Ton und man ist als Leser dicht an der Figur. Das ist aif die Dauer aber auch nicht einfach.
Man spürt eigentlich kaum, dass das Buch schon von 1930 stammt.
Den Roman gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Anna-Lena Zühlke. Das ist eine gute Alternative, da die Erzählstimme durch eine Sprecherin hervorragend übertragen werden kann.
Marianne Philips war mir bisher unbekannt, aber sie ist eine Entdeckung wert.
Krimi in Kalifornien der fünfziger Jahre
In Aufruhr von Inga Vesper
nga Vesper hat mit „In Aufruhr“ einen intelligenten, lesenswerten Roman geschrieben.
Es gibt einen Krimiplot, aber der dient in erster Linie dazu ein Gesellschafts- und Zeitporträt Kaliforniens, USA in den fünfziger Jahren zu zeigen.
Die Ehefrau und junge Mutter Joyce ist verschwunden, nur ein großer Blutfleck im Haus ist verblieben.
Ihre schwarze Putzfrau Ruby findet ihn und wird zu Anfang erst einmal verhaftet, doch der ermittelnde Police-Detective Mick setzt sich für sie ein.
Die Perspektiven wechseln in den Kapitel zwischen den Protagoniste Joyce, Ruby und Mick, der den Fall untersucht.
Das ist eine gute Konstellation und funktioniert erzählerisch ausgezeichnet.
Dadurch werden auch die unterschiedlichen Lebensumstände und -bedingungen deutlich gezeigt.
Mick und Ruby tasten sich an die Hintergründe des Falls heran, aber richtig dramatisch wird es nicht. Die Handlung ist nicht unbedingt reißerisch spannungsorientiert angeleg. Das sollte sich der Leser bewusst sein. Sehr wohl gibt es aber Rätsel und dunkle Geheimnisse von Relevanz.
Mich hat das Buch sehr angesprochen.
Familientreffen in Norwegen
Erwachsene Menschen von Marie Aubert
Der Roman ist aus dem Norwegischen übersetzt und strahlt schon vom Cover eine gewisse Ruhe aus. Doch bald merkt man, dass es gewisse Spannungen im Hintergrund gibt.
Die 40jährige Ida reist zu einem Familientreffen an und dort treten unterschiedliche Empfindlichkeiten zu Tage. Insbesondere mit ihrer Schwester Marthe kommt es zum Konflikt.
Marthe und ihr Mann Kristoffer bekommen ein Kind und die alleinstehende Ida fühlt sich zurückgesetzt. So war es auch in ihrer gemeinsamen Kindheit und Jugend schon manchmal gewesen. Ida beschließt, Marthes Glück empfindlich zu stören.
Marie Auberts Stil und der Persönlichkeit ihrer zwiespältige Protagonistin Ida sprechen mich sofrot an. Auch die Art, wie sie die Figuren anlegt. Es wird genau gezeigt, wie Empfindungen und Wahrnehmungen entstehen.
Der Roman hat Witz und eine leicht ironische Schärfe, die ich schätze.
Moonlight Bay Romanze
Erwachsene Menschen von Marie Aubert
Der Plot hat eine gewisse Komik, obwohl er natürlich auch einem Genre-Schema folgt. Leider etwas zu starr.
Es gibt viel Kleinstadtcharme.Es gibt ein paar Beschreibungen der kanadischen Landschaft, aber das hätte für meinen Geschmack noch detaillierter sein können.
Eve Abbott erbt das Inn ihrer Tante Lucille und möchte es eigentlich schnell verkaufen, aber irgendwie erwarten alle Einwohner von Moonflower Bay, dass sie das Mermaid Inn wieder eröffnet.
Dann gibt es noch die Vergangenheit mit ihrem Jugendfreund Sawyer Collins, der jetzt Polizeichef ist. Vor 10 Jahren haben sie sich getrennt. Die Gefühle der beiden zueinander sind noch lebendig.
Tatsächlich reagieren sie so, als wäre alles erst kurz her. Dabei sollte man denken, dass sich in 10 Jahren viel verändert. In dem Punkt ist der Roman vielleicht nicht sehr realistisch.
Sie beginnen langsam wieder Freunde und vielleicht mehr zu werden. Zusammen mit Sawyers jüngerer Schwester Clare, die er praktisch alleine groß gezoen hat, werden sie fast eine kleine Familie. Doch da ist auch noch Eves geplante Abreise nach Toronto.
Jenny Holiday zeigt sowohl Eves als auch Sawyers Gefühlswelt.
Fazit: Es ist ein konventioneller, perfekt gestalteter Roman für Freunde des Genres.
Überfrachteter Kurzroman
Jagdtrophäen und Liebe, damit begann es von Uwe Schramm
Der Kurzroman verspricht vom Cover- und Klappentext so einiges, ist aber leider thematisch überfrachtet. Erschwerend kommt hinzu, dass die einzlenen Themen nicht wirklich literarisch verarbeitet sondern mehr als Bericht hintereinander aufgereiht werden.
Meine Hoffnung, dass die afrikanische Natur- und Tierwelt auch eine Rolle spielen würde, wie es in Uwe Schramms früheren Buch Sana der Fall war, hat sich leider nicht erfüllt.
Mit den Dialogen gibt es auch Probleme. Wie die Figuren miteinander sprechen ist nicht eealistisch. Es kommt mir so vor, als könnte sich der Autor nicht in die Gefühlswelt seiner Figuren einfühlen.
Der Autor sollte sich überlegen, ob er nicht eine erweiterte Fassung herausbringen kann, um der Themenflut gerecht zu werden.
Harlem Renaissance
Die Hochzeit von Dorothy West
In letzter Zeit werden häufig ältere Romane neuentdeckt. Manche sind echte Perlen, andere eher überflüssig. Die Hochzeit von der Bostoner Autorin Dorothy West ist irgendwo dazwischen. Zu den Figuren blieb leider eine Distanz.
Thematisch ist der Roman relevant und auch mit einigen guten Passagen versehen, doch kommt es mir literarisch sehr zurückhaltend vor und konnte mich nicht begeistern.
Es ist nicht unbedingt James Baldwin-Niveau.
Zu loben sind aber die Detalilliertheit und die präzisen Beschreibungen.
Hunde-Episoden
Meine Jahre mit den Hunden von Susanna Maria Rossmann
Der Untertitel „Aus dem Leben einer Hundesitterin“ verrät schon, dass das Buch aus eigenen Erfahru.ngen schöpft. Es sind einige kurze Episoden, in der die Autorin Susanna Maria Rossmann immer wieder verschiedene Hunde in Pflege nimmt. Zum Teil dann, wenn die Besitzer in Urlaub fliegen und den Hund nicht mitnehmen können, manchmal auch aus anderen Gründen.
Die einzelnen Geschichten zeigen verschiedene Erlebnisse dar, denn kein Hund ist wie der andere.
Da gibt es den furchtlosen Rottweiler oder einen schon alten, kranken Hund.
Es gibt kleine und große, einmal auch eine gestörte Hündin, aber überwiegend sympathische Hunde.
Auf eine relevante Rahmenhandlung wird verzichtet, so sind die Hunde immer im Mittelpunkt. Es gibt detaillierte Berichte über die Umstände und Eigenheiten der Hunde.
Potentielle Leser dieses Buches sollten also auch wirklich an Hunden interessiert sein.










