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Rezensionen von Renate Geissler:

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Sozialdrama

Alles über Heather

Der Autor erzählt distanziert ein konstruiertes klischeehaftes Sozialdrama . Ein unterhaltsames Buch,das mich aber nicht "gepackt" hat.

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Sozialdrama

Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:

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Resonanz als Schlüsselbegriff zum Verständnis eines guten Lebens

Resonanz

Nach Rosa ist dem Kapitalismus der Moderne ein stetiger Steigerungszwang eingeschrieben, der zahlreiche Probleme und Pathologien mit sich bringt (vgl. auch sein Buch: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstruktur in der Moderne). Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma sieht der Autor in einer Neuausrichtung dessen, was herkömmlich unter Lebensqualität verstanden wird.

Diese wird nämlich normalerweise ressourcenorientiert definiert, was in sogenannten Entwicklungsländern sicher eine gewisse Berechtigung hat. Problematisch ist der Optimierungsprozess an Ressourcen jedoch dort, wo er praktisch ziellos und unabschließbar wird und mit einem ständigen Vergleichen mit anderen Gesellschaftsmitgliedern einhergeht.

Rosa vertritt deshalb ein Konzept von Lebensqualität, bei dem es auf die Art der Weltbeziehung ankommt. Die Frage, was ein gutes Leben sei, könne nicht allein mit einem Blick auf die Ressourcenausstattung oder in Bezug auf ein bloßes Gefühl subjektiven Wohlbefindens beantwortet werden, sondern müsse danach beurteilt werden, inwieweit das Leben von gelingenden (d. h. resonanzhaften) oder misslingenden (d. h. entfremdenden) Weltbeziehungen geprägt ist.

Unter Resonanz versteht Rosa einerseits eine Erfahrung der Selbstwirksamkeit, wenn also durch mein Handeln eine bestimmte Wirkung bzw. Resonanz in der 'Welt' erzeugt wird; andererseits sind mit Resonanzerfahrungen auch das persönliche Berührt- und Ergriffenwerden gemeint. Beide Facetten dieser Weltbeziehung lassen sich jedoch nicht einfach planen – sie sind in gewisser Weise unverfügbar. Das mag für den Aspekt des Berührtwerdens verständlich sein, aber für den Aspekt der Selbstwirksamkeit leuchtet dies nicht unmittelbar ein. Deshalb unterscheidet Rosa eine Form der Selbstwirksamkeit, die eine bestimmte Resonanz erzeugt und damit – als Weltbeziehung – gleichsam etwas 'zum Klingen' bringt, von jener Form der Selbstwirksamkeit, die einseitig auf Beherrschung und damit auf eine verdinglichte Weltbeziehung ausgerichtet ist.

Das einseitige Steigerungsprogramm an Ressourcen in der Moderne könnte dann als (vergeblicher) Versuch verstanden werden, die Sehnsucht nach resonanten Weltbeziehungen durch erweiterte Selbstwirksamkeitserfahrungen zu stillen. Denn dabei kommt es zu einer Verwechslung von echten, resonanten Weltbeziehungen mit stummen, auf Verfügbarmachung orientierten Selbstwirksamkeitserfahrungen. „Resonanz bleibt das Versprechen der Moderne, Entfremdung aber ist ihre Realität.“ (Cover)

Entfremdung und Resonanz werden jedoch bei Rosa nicht einfach als absolute Gegensätze aufgefasst, sondern sie stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander. Erst auf dem Hintergrund einer schweigenden Welt können Momente tiefer Resonanzerfahrung gleichsam als Versprechen einer gelingenden Weltbeziehung aufblitzen (vgl. S. 317).

Mit dem vorliegenden Buch setzt Hartmut Rosa die Gedanken seiner Beschleunigungstheorie auf überzeugende Weise fort, weshalb der Kernthese seines neuen Buches ohne Einschränkung zugestimmt werden kann: „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.“ (S. 13)

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Resonanz als Schlüsselbegriff zum Verständnis eines guten Lebens

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Resonanz als Schlüsselbegriff zum Verständnis eines guten Lebens

Resonanz

Nach Rosa ist dem Kapitalismus der Moderne ein stetiger Steigerungszwang eingeschrieben, der zahlreiche Probleme und Pathologien mit sich bringt (vgl. auch sein Buch: Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstruktur in der Moderne). Einen möglichen Ausweg aus diesem Dilemma sieht der Autor in einer Neuausrichtung dessen, was herkömmlich unter Lebensqualität verstanden wird.

Diese wird nämlich normalerweise ressourcenorientiert definiert, was in sogenannten Entwicklungsländern sicher eine gewisse Berechtigung hat. Problematisch ist der Optimierungsprozess an Ressourcen jedoch dort, wo er praktisch ziellos und unabschließbar wird und mit einem ständigen Vergleichen mit anderen Gesellschaftsmitgliedern einhergeht.

Rosa vertritt deshalb ein Konzept von Lebensqualität, bei dem es auf die Art der Weltbeziehung ankommt. Die Frage, was ein gutes Leben sei, könne nicht allein mit einem Blick auf die Ressourcenausstattung oder in Bezug auf ein bloßes Gefühl subjektiven Wohlbefindens beantwortet werden, sondern müsse danach beurteilt werden, inwieweit das Leben von gelingenden (d. h. resonanzhaften) oder misslingenden (d. h. entfremdenden) Weltbeziehungen geprägt ist.

Unter Resonanz versteht Rosa einerseits eine Erfahrung der Selbstwirksamkeit, wenn also durch mein Handeln eine bestimmte Wirkung bzw. Resonanz in der 'Welt' erzeugt wird; andererseits sind mit Resonanzerfahrungen auch das persönliche Berührt- und Ergriffenwerden gemeint. Beide Facetten dieser Weltbeziehung lassen sich jedoch nicht einfach planen – sie sind in gewisser Weise unverfügbar. Das mag für den Aspekt des Berührtwerdens verständlich sein, aber für den Aspekt der Selbstwirksamkeit leuchtet dies nicht unmittelbar ein. Deshalb unterscheidet Rosa eine Form der Selbstwirksamkeit, die eine bestimmte Resonanz erzeugt und damit – als Weltbeziehung – gleichsam etwas 'zum Klingen' bringt, von jener Form der Selbstwirksamkeit, die einseitig auf Beherrschung und damit auf eine verdinglichte Weltbeziehung ausgerichtet ist.

Das einseitige Steigerungsprogramm an Ressourcen in der Moderne könnte dann als (vergeblicher) Versuch verstanden werden, die Sehnsucht nach resonanten Weltbeziehungen durch erweiterte Selbstwirksamkeitserfahrungen zu stillen. Denn dabei kommt es zu einer Verwechslung von echten, resonanten Weltbeziehungen mit stummen, auf Verfügbarmachung orientierten Selbstwirksamkeitserfahrungen. „Resonanz bleibt das Versprechen der Moderne, Entfremdung aber ist ihre Realität.“ (Cover)

Entfremdung und Resonanz werden jedoch bei Rosa nicht einfach als absolute Gegensätze aufgefasst, sondern sie stehen in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander. Erst auf dem Hintergrund einer schweigenden Welt können Momente tiefer Resonanzerfahrung gleichsam als Versprechen einer gelingenden Weltbeziehung aufblitzen (vgl. S. 317).

Mit dem vorliegenden Buch setzt Hartmut Rosa die Gedanken seiner Beschleunigungstheorie auf überzeugende Weise fort, weshalb der Kernthese seines neuen Buches ohne Einschränkung zugestimmt werden kann: „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.“ (S. 13)

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Resonanz als Schlüsselbegriff zum Verständnis eines guten Lebens

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Wenn Gewinn wichtiger wird als Expertise

Die bezifferte Welt

„Geld regiert die Welt“ - und zwar so sehr, dass finanzielle Erwägungen immer stärker sachkundigen Urteilen vorgezogen werden. Das hat zur Folge, dass das Wissen von Expert_innen erst dann Gehör findet, wenn es durch das Nadelöhr einer nach finanziellem Gewinn orientierten Wirtschaft gelangt ist.

Im Zweifelsfall verlässt man sich oft lieber auf kurzfristig erzielbare Gewinne und vernachlässigt die Warnhinweise sachkundiger Berater_innen.

Die Erkenntnis, dass die Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche unvermindert fortschreitet, ist nicht wirklich neu. Am ehesten könnte die Gefahr zunehmenden Wissensverlusts durch einseitige Orientierung am finanziellen Gewinn hervorgehoben werden, den Crouch in seinem Buch betont.

Crouch bezieht sich bei seinen Ausführungen vor allem auf Beispiele aus England, weshalb nicht alles einfach auf andere Länder übertragen werden kann. Sein Verdienst ist es aber, jene bislang noch wenig beachteten Einseitigkeiten in der neoliberalen Entwicklung westlicher Gesellschaften aufgezeigt zu haben, die deutlich machen, 'wohin die Reise geht', wenn Bildung, soziale Absicherung und ganz allgemein die öffentliche Daseinsvorsorge nach dem Modell neoliberaler, in Kennziffern messbarer Geschäftstätigkeiten umorganisiert werden.

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Gut gemeint, aber …

Menschenrechte von Manfred Nowak

Der Autor weist in seinem Buch auf die Bedeutung der Menschenrechte für die Überwindung der Ungleichheit in vielen Gesellschaften hin.

Bei der Lektüre kann leicht der Eindruck entstehen, als würde es bereits genügen, die Regierungen an ihre - z. T. vor Jahrzehnten - eingegangenen Verpflichtungen bei der Unterzeichnung von Menschenrechtsdeklarationen zu erinnern, damit sie ihre Politik wieder stärker an der Einhaltung dieser Menschenrechte ausrichten.

Aber die politische Wirklichkeit ist bekanntlich viel komplexer: Hier handeln ja nicht nur Juristen, die sich idealerweise an das geltende Recht halten wollen, sondern verschiedenste Interessengruppen versuchen auf das politische Geschehen Einfluss zu nehmen - und es wäre naiv zu glauben, dass für jede Interessengruppe die Einhaltung von Menschenrechten oberste Priorität habe.

Die Sphären von Politik und Wirtschaft sind heute - sowohl inhaltlich als auch personell - oft so stark verflochten, dass die Rede von einer 'Postdemokratie' (Colin Crouch) durchaus eine gewisse Berechtigung hat.

Der Hinweis auf die Bedeutung der Menschenrechte bei der politischen Gestaltung des Zusammenlebens mag ein zusätzliches Argument sein, das zu berücksichtigen ist - konkretes politisches Handeln wird aber auch in Zukunft nicht nur durch Berufung auf unterzeichnete Menschenrechtsdeklarationen geprägt sein, sondern ebenso im Spannungsfeld von Interessengegensätzen und Machtansprüchen augetragen werden. Mindestens ebenso wichtig wie vergangene Verpflichtungen zur Einhaltung von Menschenrechten dürften daher die aktuell in einer Gesellschaft verbreiteten Werteinstellungen für das politische Handeln sein.

Letztlich wird es entscheidend sein, wie es gelingt, menschenrechtliche Grundsätze in aktuellen gesellschaftlichen Werteinstellungen zu verankern. Dabei wird man sich die Suche nach dem, was den Menschenrechten zugrundeliegt - worin nämlich die Menschenwürde besteht - nicht ersparen können. Leider geht der Autor auf diese wichtige Frage nicht ein. Der Hinweis auf John Locke und sein philosophisches Konzept eines 'Gesellschaftsvertrags', bei dem freie Individuen ihre Souveränität einem Staat abgeben, um im Gegenzug dafür Sicherheit zu erhalten, kann nicht die Menschenwürde begründen, sondern versucht nur im Nachhinein die Entstehung des modernen Staates als Akt freier Individuen zu rekonstruieren. Das mag zwar die Legitimität des modernen Staates mit seinem Gewaltmonopol erklären, aber historisch gesehen kann es natürlich kaum die Entstehung der Staaten, geschweige denn die Menschenwürde begründen.

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Wohlwollender - und vielleicht zu optimistischer - Blick auf die Generation Y

Menschenrechte von Manfred Nowak

Die beiden Autoren versuchen in ihrem Buch die Handlungsweisen und Einstellungen der 'Generation Y' (Jahrgänge 1985 bis 2000) vor dem Hintergrund der größeren gesellschaftlichen Entwicklungen zu deuten und zu verstehen. Dadurch wird vieles von dem erst wirklich verständlich, was das Verhalten heutiger Jugendlicher prägt.

So werden manche weit verbreiteten Vorurteile - wie z. B. die 'bequemen Nesthocker' - entkräftet, indem die Verhaltensweisen der 'Generation Y' in einen größeren Deutungshorizont gestellt werden.

Bei allem Wohlwollen, das die Autoren der heutigen Jugend entgegenbringen, bleibt doch kritisch anzumerken, dass sie der 'Generation Y' womöglich zu viel Einfluss auf den gesellschaftlichen Wandel zutrauen bzw. zurechnen. Insofern ist m. E. auch der Titel des Buches zu plakativ geraten.

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Schwer verdauliche Lektüre

Enlivenment. Eine Kultur des Lebens von Andreas Weber

Der Autor bringt in seinem Essay einige wichtige und gute Gedanken zu Papier, leider aber in einer wenig verständlichen Sprache.

Er wendet sich gegen die üblichen Dualismen von Mensch und Natur, Mensch und Tier, Körper und Geist, etc. Seine Kritik gegenüber der ökonomischen Mainstreamtheorie - wie sie z.

B. im Neoliberalismus vertreten wird - ist gut gelungen und auch nachvollziehbar. Ob das wirtschaftliche Konzept der Allmende aber in allen Bereichen eine realistische Alternative zum Kapitalismus ist, sei dahingestellt.

Auch die wissenschaftstheoretische Position, die der Autor einnimmt, dürfte nicht leicht auf allgemeine Zustimmung stoßen:
Natürlich kann man mit Recht behaupten, dass wissenschaftliche Objektivität mehr sein muss als bloße Überprüfbarkeit und eine möglichst neutrale Haltung gegenüber dem Untersuchungsgegenstand. Es ist ja längst Konsens, dass es eine unparteiliche Objektivität in diesem Sinn nicht geben kann. Aber - diesen Eindruck könnte man bei der schwierigen Lektüre gewinnen - die Lebendigkeit als letztgültigen Maßstab für die Erkenntnis zu machen, wird vermutlich auch nicht konsensfähig sein, zumindest nicht in allen Bereichen.

Unverständlich ist für mich der Sprachduktus des Essays. Wieso kann man viele gute Gedanken, die sich zweifellos in dem Büchlein finden lassen, nicht einfacher sagen? Ich habe noch selten einen sprachlich so gekünstelten Text gelesen - schade!

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Inspirierend und originell

Enlivenment. Eine Kultur des Lebens von Andreas Weber

Eine sehr gute Zusammenstellung von Gedanken zu David Steindl-Rasts Lebensthema der Dankbarkeit.
Dabei wird deutlich, dass Dankbarkeit mehr meint, als bloß eine gesellschaftliche Konvention oder Höflichkeit, sondern in ihr kommt eine bestimmte Haltung zum Leben insgesamt zum Ausdruck, die als genuine - und religionsübergreifende - spirituelle Praxis angesehen werden kann.

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Polemische Abrechnung mit neueren Lehr- und Lernmethoden

Lehrerdämmerung von Türcke Christoph

Eines ist dem Autor sicher gelungen: Er wird mit seiner Streitschrift polarisieren.

Die scharfe Kritik an manchen Auswüchsen, auf die im Buch aufmerksam gemacht wird, ist durchaus berechtigt. So darf mit Recht angezweifelt werden, ob die Gegenüberstellung von „totem“ bzw. „trägem“ Wissen einerseits und „Kompetenz“ andererseits immer gerechtfertigt ist.

Auch ist die Kritik an der Tendenz, die Lehrperson immer stärker als bloß bei Bedarf abrufbare(n) „Lernbegleiter/in“ zu konzeptualisieren ebenso verständlich. Trotzdem scheint mir die Praxis des Lehrens und Lernens noch nicht in dem Maße von „Verfallserscheinungen“ geprägt, wie sie der Autor in seinen Ausführungen skizziert.

Am meisten überzeugt hat mich sein Konzept der „gemeinsamen Jetztzeit“, die als Basis für ein fruchtbares Lernen unverzichtbar ist.

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Empirische Studie mit bekannten begrifflichen Mängeln

Lehrerdämmerung von Türcke Christoph

Die beiden Autoren verorten sich im Disput um die Säkularisierungsfrage auf die Seite der Säkularisierungstheoretiker, auch wenn sie das Phänomen der Säkularisierung durch eine „multi-paradigmatische“ Perspektive gegenüber zu vereinfachten Verfallstheorien von Religion etwas differenzieren wollen.

Positiv hervorzuheben ist jedenfalls der Umstand, dass die Studie international vergleichend angelegt ist und zahlreiche empirische Daten enthält.

Ein erheblicher und leider häufig anzutreffender Mangel ist auch in dieser Studie die begriffliche Konzeption von Religion. Zwar wird niemand, der unvoreingenommen die empirischen Daten zur Kenntnis nimmt, bestreiten, dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang an kirchlich verfasster Religiosität gekommen ist. Während aber Indikatoren wie Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft oder Kirchgang noch relativ einfach erhoben und über einen längeren Zeitraum verglichen werden können, ist dies bei einem scheinbar so einfachen Begriff wie „Gott“ schon problematischer. Es wird jedoch in der Regel als selbstverständlich angenommen, dass Befragte, wenn sie angeben, sie glauben (oder glauben nicht) an „Gott“, immer dasselbe meinen.

Bei vielen die religiöse Praxis betreffenden Fragen wird vorausgesetzt, dass ohnehin klar ist, was gemeint ist. Auch wenn die Fragebögen vorher getestet und evaluiert wurden, wird dabei in der Regel oft vergessen, dass sich hinter den Fragestellungen eine bestimmte religiöse Auffassung verbirgt, die ungewollt zu verzerrenden Effekten führen kann. Ein Beispiel: Wenn nach der Gebetspraxis gefragt wird, scheint es naheliegend zu sein, unter „Gebet“ entweder ein vorformuliertes Gebet wie das Vaterunser oder ein persönliches Gebet zu verstehen, und dann zu fragen, wie oft bzw. regelmäßig man betet. Auf die Idee, dass auch Schweigen, Staunen, Danken, das Anzünden einer Kerze, etc. Formen des Gebetes sein können, kommt man erst gar nicht: Das gilt sowohl für jene, die den Fragebogen erstellt haben wie auch meist für die Befragten. Was nicht durch den Fragebogen erhoben wird, wird also – unabsichtlich – unterschlagen, weshalb vieles, was empirisch erhoben wurde, nur auf der Oberfläche kirchlich verfasster Religiosität verbleibt.

Ein weiterer Schwachpunkt der Fragebögen liegt in manchen Fragestellungen begründet, die zu irritierenden Schlussfolgerungen verleiten. So z. B. wenn die Autoren folgern, dass nicht nur der Gottesglaube, sondern auch andere „christliche Glaubensvorstellungen“ von Rückgangstendenzen erfasst werden – wie etwa der Glaube an die Abstammung des Menschen von Adam und Eva. Auf den Gedanken, dass es sich hier um eine Fehlinterpretation der Bibel handelt, kommen die Autoren erst gar nicht. Ähnliches ließe sich zu anderen abgefragten Items feststellen, etwa zum Glauben an die „Jungfrauengeburt“: Glauben die Verfasser des Fragebogens und die beiden Autoren allen Ernstes, dass alle Befragten darunter dasselbe verstehen? Während es sich für die einen vorwiegend um ein gynäkologisches Wunder handeln mag, sehen es andere als eine spirituell-symbolische Aussage. Wie kann man aber solche Unterschiede einfach ignorieren und die zustimmenden oder ablehnenden Antworten dann einfach in einen Topf werfen?

Leider zeigen die beiden Autoren im religiösen Bereich auch sonst einige Wissens- und Verstehenslücken, so wenn sie etwa behaupten, dass das Abendmahl im Katholizismus – im Gegensatz zur Evangelischen Kirche – „magisch“ verstanden werde (Kap. 4.2, Abschnitt 3), oder wenn sie formulieren, im Abendmahl würden die Teilnehmer den „Körper“ (statt den Leib) des auferstandenen Christus zu sich nehmen (Kap. 2.3.2).

Wenn die Autoren Religion zu Recht als Gleichzeitigkeit von Immanenz und Transzendenz verstehen, so handelt es sich doch um eine unzulässige Verkürzung, wenn die Vermittlung des Jenseitigen nur kultisch „durch Symbole, Rituale, Ikonen, Altäre, heilige Schriften, Prozessionen oder charismatische Personen“ (Kap. 14, Abschnitt 2.2.3) verstanden wird. Denn der gemessene Rückgang in der kultischen Dimension bedeutet nicht automatisch, dass es auch zu einem Rückgang in der Erfahrung von Transzendenz in der Immanenz kommen muss. So weist z. B. jede menschliche Erfahrung, wenn sie dankbar angenommen wird, über sich hinaus auf eine transzendente Dimension. Die Frage ist nur: Wie misst man solche religiösen Erfahrungen? Wahrscheinlich kaum durch quantitative Methoden.

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