Kunden em pfehlungen
Rezensionen von heinoko:
Leider hinter den Erwartungen zurückgeblieben
Erzähl ich von früher... von Christina Herr
Das Anliegen der Autorin ist, wie sie selbst im Vorwort schreibt, die eigenen Erinnerungen „aufzuwecken“. Das Buch soll ermutigen, von diesen Erinnerungen zu erzählen, wem auch immer, und damit ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen.
Die einzelnen Kapitel sind zeitlich und thematisch eingeteilt, wie z.
B. Kindheit und Jugend, Leben in der Familie, Kriegsjahre usw. Innerhalb dieser Kapitel finden sich einige sehr schön und passend ausgewählte Geschichten, erzählt von Astrid Lindgren zum Beispiel oder Erich Kästner. Der Rest des Buches ist angefüllt mit privaten Erinnerungsfetzen und persönlichen kurzen Geschichtchen.
Was gut ist an diesem Buch und was ganz im Sinne der Autorin funktioniert: Es werden beim Lesen eigene Erinnerungen wach, einzelne Bilder tauchen auf und man beginnt tatsächlich davon zu erzählen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man mit diesem Buch überall dort, wo ältere Menschen zusammenkommen, interessante und lebendige Gesprächsrunden anstoßen kann, das Buch also quasi einzusetzen als Arbeitsmaterial für Menschen, die sich mit Senioren beschäftigen.
Lesend hat mich das Buch allerdings sehr enttäuscht. Es kommen nur wenige Erinnernde zu Wort, die Beiträge sind sprachlich dürftig, wirken meist farblos nüchtern bis hölzern. Die Geschichten bleiben aufgrund der knappen und trockenen Schilderungen für den Leser nicht wirklich greifbar. Man atmet geradezu auf, wenn man auf einen Beitrag stößt, der gekonnt geschrieben ist – um dann festzustellen, dass hier Astrid Lindgren erzählt… Es hätte dem Buch gut getan, wenn die Autorin mehr Mühe darauf verwendet hätte, zum einen viel mehr und unterschiedliche Menschen zu befragen, mehr Erinnerungen zu sammeln, denn erst die Vielfalt bringt das Leben in seiner gesamten Bandbreite näher, und diese Erinnerungen dann vor allem sprachlich so zu überarbeiten, dass sie den Leser emotional erreichen.
Rezensionen von PFIFF:
Frauen entlarven einen Spion
Halali von Noll Ingrid
Eine Großmutter erzählt ihrer Enkelin von ihrer Zeit als junge Frau in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts, wo sie mit einer Freundin als Sekretärin in einem Amt arbeitet.
Die Tante der Freundin vermietet Zimmer in ihrer geräumigen Villa an alleinstehende Herren, unter anderem an einen Bürokollegen der beiden, Burkhard Jäger.
Zufällig beobachten die beiden ein seltsames Treffen Jägers mit einem mysteriösen Mann und die Übergabe eines Päckchens. Sie schleichen sich in sein Zimmer un d finden ein Kuvert mit viel Geld. Sofort vermuten sie, dass Jäger ein Spion ist und verfolgen ihn.
Es komm zu einer Konfrontation, die für Jäger tödlich endet. Die beiden jungen Frauen wurden beobachtet und werden nun erpresst, die Nachfolge Jägers zu übernehmen, was gar nicht so unangenehm ist, weil lukrativ. Doch die Skrupel bringen die beiden Neospioninnen dazu, die Unterlagen zu fälschen, damit kein Schaden frü das Amt entsteht.
Viele Zufälle helfen den beiden, sich heil aus der Affäre zu ziehen.
Köstlich, amüsant und mit viel schwarzem Humor, wie gewohnt bei Ingrid Noll.
Rezensionen von PFIFF:
3 Frauen, 3 Kulturen, 3 Kontinente, verknüpft durch den Haarzopf
Der Zopf von Colombani Laetitia
Das Schicksal dreier Frauen auf drei verschiedenen Kontinenten, aus drei verschiedenen Kulturkreisen, drei verschiedenen Gesellschaftsschichten, drei verschiedenen Berufen, verbindet der Zopf, das menschliche Haar, das aus einem indischen Tempel an eine sizlianische Manufaktur für Perücken verkauft wird und schließlich in Kanada landet, um einer krebskranken Frau wieder Selbstbewußtsein zu schenken.
Die Verflechtung der drei Schicksale ist wunderbar beschrieben. Die Inderin, eine Unberührbare aus der untersten Kaste, möchte für ihre Tochter ein besseres Leben und bricht aus aus ihrem bedrückenden, erniedrigenden Umfeld, ohne Rücksicht auf ihren Ehemann.
Die junge Sizilianerin kämpft um das Weiterbestehen des Familienbetriebs und erhält unerwartete Hilfe von ihrem indischen Freund.
Die alleinerziehende kanadische Rechtanwältin kämpft sich durch in einer Männerdomäne, von ihrem Ehemann im Stich gelassen, den neidischen Kolleginnen gemobt, ihrer Krankheit in die Defensive geworfen.
Das Opfer der indischen Frau, das Durchhaltevermögen und die Liebe zu einem Inder der Sizilianerin gipfeln in der Produktion einer Perücke, die der vom Schicksal gebeutelten Kanadierin wieder auf die Sprünge hilft, ihr wieder Lebenswillen gibt.
Eine wunderbare Geschichte über Opfer, Lebenswillen, Liebe und den ewigen Kampf der Frauen, egal in welcher Kultur und Lebenslage.
Rezensionen von MelE:
Absolut gelungen "Innere Werte zählen vielfach"
DUMPLIN' von Julie Murphy
"Dumplin" ist ein außergewöhnliches Jugendbuch, welches mir sehr zugesagt hat. Es zeigt auf, dass wir Menschen uns oft sehr oberflächlich verhalten und dabei innere Werte außer Acht lassen. Anhand von Dumplin (Übersetzt "Knödel") zeigt sich ganz deutlich, wie schwer junge Mädchen es haben, die leicht übergewichtig sind oder eben auch sehr übergewichtig sind.
Dies fängt direkt bei dem Klammottenkauf an und hört damit auf, dass diese Mädchen bei einem Miss Teen Blue Sonnet - Schönheitswettbewerb eigentlich hätten ausgeschlossen werden müssen. Wer aber legt fest was Schönheit ist? Es ist unsere Gesellschaft, die Menschen mit Übergewicht nicht als Schön wahrnehmen und das sollte nachdenklich stimmen.Mir gefällt der leise Unterton in "Dumplin - Go Big or go Home", denn es zeigt ganz deutlich auf, wie wenig wertschätzend Dumplin mit sich selbst umgeht, da sie täglich durch ihre Mutter geprägt wurde. Diese war selbst übergewichtig und erhält ihr Gewicht nur durch Selbstgeißelung durch übermäßigen Sport und Verzicht. Ich musste direkt an diverse TV Formate denken in denen auch nur die weiterkommen oder ein Foto erhalten, die fast schon mager zu nennen sind und mir daher auch nicht attraktiv erscheinen, wobei ich anmerken möchte, dass ich damit nicht die jungen Mädchen meine die von Natur aus schlank sind, sondern lediglich die, die einem Schönheitsideal unterliegen. Diese jungen Frauen sind zum teil nur auf ihr Aussehen zu beschränken, denn besonders liebenswert erscheint es mir nicht. Mir schmeckt es einfach viel zu gut, als dass ich darauf bedacht bin auf alles zu verzichten, was eine höhere Kalorienzahl hat.Dumplins Mutter hat natürlich durch ihre eigenen Erfahrungen ein Weltbild, bzw. eine Weltanschauung um sich errichtet, in der ihre Tochter eigentlich nicht passt. Es macht mich regelrecht sauer, denn der Umgang, den sie mit Willowdean pflegt nervt und ist auch oft sehr herablassend. Natürlich ist die Tatsache seine Schwester durch einen Herzinfarkt zu verlieren schmerzhaft, dennoch ist es wichtig seine Tochter zu lieben und nicht beherrschen, bzw. beeinflussen zu wollen. Dumplins Mama ist selbst Schönheitskönigin des Miss Teen Blue Sonnet - Schönheitswettbewerb und sitzt nun im Komitee seit vielen Jahren. Sie ist es, die Dumplin am meisten Steine in den Weg wirft, diese aber nicht ins Stolpern bringt.
Willowdean ist stärker als sie selbst glaubt und entwickelt sich zu einer echten Schönheit. Dies geschieht tatsächlich nicht durch Abnehmen, sondern daran, dass sie kämpft. Kämpft dafür gesehen zu werden. Endlich wahrgenommen zu werden als echte Schönheit, die lediglich ein paar Pfunde zu viel hat. Na und? Sie ist mir sehr sympathisch, obwohl ihre Selbstzweifel mitunter so weit gehen, dass sie nicht wahrnimmt, dass sie auch mit Speckröllchen geliebt werden kann. Fast verpasst sie so ihre erste große Liebe.
Ellen ihre beste Freundin nimmt irgendwann Abstand und lässt sich von anderen so sehr beeinflussen, dass die jahrelange Freundschaft von Willowdean und ihr zerstört scheint. Letztendlich scharrt Willowdean nun andere Personen um sich für die sie eine Vorbildfunktion übernimmt.
"Dumplin"ist ein Roman, der sich zu lesen lohnte. Innere Werte zählen tatsächlich vielfach und nicht das, was direkt vor Augen ist. Wir Menschen haben noch so viel zu lernen. Vielleicht benötigt es solch einen Roman, welcher der Auffassung ist, sich selbst schätzen zu lernen mit all den kleinen und großen Defiziten die nicht dem Schönheitsideal der Gesellschaft entsprechen? Absolute Leseempfehlung
Rezensionen von Sheena01:
Gut gemachter, spannender Thriller!
DUMPLIN' von Julie Murphy
Inhalt:
Aufgrund von Parallelen einiger Mordfälle in New York zum Londoner „Ragdoll“-Fall, wird Chief Inspector Emily Baxter, welche an der Aufklärung des Ragdoll-Falles maßgeblich beteiligt war, zu Rate gezogen. Man vermutet einen Trittbrett-Fahrer, der den spektakulären Fall aus London kopiert, der Druck von Seiten der Medien auf die ermittelnden New Yorker Beamten wächst, zumal man sich mit einer äußerst brutalen und perfiden Mordserie –abwechselnd in London und in New York - konfrontiert sieht.
Wer steckt als Drahtzieher hinter diesen Morden? Wird es dem Ermittlerteam gelingen, ihn rechtzeitig zur Strecke zu bringen?
Handlung:
In einem kurzen Prolog, wird das Ende in groben Zügen vorweggenommen, auch wird dabei auf den ersten Fall Bezug genommen, und ein wenig gespoilert, wenn man diesen noch nicht gelesen hat. Danach macht die Geschichte einen Zeitsprung von fünf Wochen in die Vergangenheit, zum eigentlichen Beginn der aktuellen Mordserie: hier wird bei jedem Mord auch eine zweite Leiche gefunden, nämlich die des jeweiligen Täters. Es stellt sich die Frage, wie man diese Fälle lösen soll, wenn der Killer jeweils frei Haus „mitgeliefert“ wird? Wo setzt man an, wie lässt sich diese mysteriöse Serie stoppen?
Schreibstil:
Eins vorweg: dieses Buch ist keine leichte Kost, was Brutalität und Grausamkeiten anbelangt! Der Autor versucht auch jene Leser zu berücksichtigen, welchen den Vorgängerband noch nicht kennen, und versorgt diese mit wichtigen Details dazu, damit zum Verständnis der aktuellen Geschichte dieser nicht unbedingt gelesen werden muss. Auf diese Weise wird man immer wieder mit kleinen Häppchen zum Ragdoll-Fall „gefüttert“, welcher untrennbar mit diesem Fall zusammenhängt. Dabei bedient sich der Autor eines relativ einfachen Satzbaus, wodurch das Ganze sehr leicht und flüssig gelesen werden kann.
Charaktere:
Hauptfigur ist die bereits im Vorgängerband in Erscheinung tretende Emily Baxter, Ihres Zeichens Detective Chief Inspector bei der Londoner Behörde. Obwohl sie durch den Ragdoll-Fall zu Ruhm und Ehre bei den Ermittlern gelangt ist, ist sie dadurch zwar abgebrüht und hart im Nehmen, weist jedoch im sozialen Gefüge Defizite auf. Die Brutalität des Ragdoll-Falles, in dem sie auch persönlich involviert war, hat bei ihr nicht nur optisch Spuren hinterlassen, auch seelisch hat sie daran nach wir vor, schwer zu knabbern, da sie erst wieder Vertrauen zu ihrer Umgebung finden muss. Nicht zuletzt leidet darunter auch ihre Beziehung zu ihrem Lebensgefährten Thomas, der für Baxter eine Engelsgeduld aufbringt. Der einzige, dem sie blind vertraut, ist ihr alter Freund Edmunds, der immer loyal zu ihr steht, und auf dessen Rat sie immer wieder gerne zurückgreift. Dem neu zusammengestellten Ermittlungsteam gehören auch der durchaus sympathisch dargestellte Special Agent Damien Rouche von der CIA und die zum Teil recht zickige Special Agent Elliot Curtis vom FBI an. Dieses recht ungleiche Trio wächst aber mit der Zeit zu einem recht kompakten Team zusammen, wobei jeder von ihnen im Laufe des Hangman-Falls mit den Dämonen seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird.
Cover:
Dieses Cover mit dem auffälligen, roten Kreuzknoten, der sich je nach Lichteinfall vor die silberne Schrift des Titels und des Autors schiebt und sich fast schon plastisch von dieser abhebt, ist sehr gelungen und ein echter Blickfang!
Autor:
Daniel Cole wurde 1983 geboren. Bevor er mit dem Schreiben begann, hat er als Sanitäter, Tierschützer und Seeretter gearbeitet. Cole lebt in Bournemouth in Südengland. Seine Romane sind mittlerweile in 35 Ländern erschienen.
Meinung:
Ich kenne den ersten Band bisher nur teilweise, daher hatte ich anfangs einige Probleme damit, in die Geschichte hineinzufinden, da mir einfach das nötige Hintergrundwissen fehlte. Danach ging es allerdings Schlag auf Schlag, die Ereignisse überstürzten sich geradezu, sodass die Spannung stetig aufrecht gehalten wurde, bis es letztendlich zu einem fulminanten Showdown kam, wobei der Leser teilweise sehr geschickt in die Irre geführt wurde und es am Schluss zu einem wirklich unerwartetem Ende kam.
Persönliche Kritikpunkte:
In einem Prolog das Ende eines Romans vorwegzunehmen, und teilweise bereits die Lösung zu verraten, finde ich persönlich eine sehr unglücklich gewählte Art, einen Thriller zu beginnen, zumal sie den Buch einiges an Spannung stielt. Ob es wirklich so eine gute Idee ist, den Leser mit Details aus dem ersten Buch zu versorgen, mag dahingestellt bleiben. Auf der einen Seite sind diese als Hintergrundwissen essentiell, jedoch fehlt denjenigen, welchen den ersten Band noch nicht gelesen hatten dadurch vielleicht die Motivation, diesen nachträglich zu lesen. Denn dieser wird hier gehörig gespoilert! Nach dem eigentlichen Roman richtet sich der Autor in einigen Zeilen direkt an seine Leser, und erklärt darin, dass der erste Band für das Verständnis davor nicht zwingend gelesen werden muss, da er in „Hangman“ darauf Bezug nimmt. Warum diese Zeilen erst nachträglich angefügt werden und nicht als einleitende Worte zu Beginn, entzieht sich jedoch meinem Verständnis. Ich persönlich fände es zielführender, als Einleitung darauf hinzuweisen, den ersten Band zu lesen, als die Lösung des ersten Falls im zweiten Band preiszugeben!
Zudem fand ich einige Textpassagen ein wenig verwirrend, was allerdings auf eine mangelhafte bzw. fehlerhafte Übersetzung zurückzuführen ist.
Fazit:
Ein durchaus lesenswerter und spannender Thriller, der jedoch leider sehr viel über den ersten Band verrät, falls man diesen davor noch nicht gelesen haben sollte!
Rezensionen von jiskett:
Interessante, komplexe Handlung
DUMPLIN' von Julie Murphy
"Der Mond des Vergessens" erzählt eine ziemlich komplexe Geschichte. Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme damit, der Handlung richtig zu folgen; man begleitet verschiedene Charaktere, die alle irgendwie miteinander verbunden sind, was den Überblick trotz des Namensregisters am Ende des Buches erschwert.
Nach einer Weile hatte ich mich aber gut eingelesen und danach war es spannend, zu verfolgen, was mit den Figuren passiert. Sehr gefallen hat mir, dass alle Protagonisten ihre ganz eigene Motivation und Ziele haben, die oft im Widerspruch zu einander stehen, sodass man als Leser nicht einfach sagen kann, dass eine Seite recht oder unrecht hat. Natürlich gab es Personen, die mir sympathischer waren als andere, aber sie waren alle recht vielschichtig und zumeist interessant.
Die Handlung ist stark von unterschiedlichen Konflikten, Kämpfen und auch Gewalt geprägt. Der Autor scheut sich dabei nicht, die Brutalität und Grausamkeit darzustellen, mit der gegen Menschen, die den Charakteren im Weg standen, vorgegangen wurde. Es gab ein paar Szenen, die ich wirklich abschreckend fand und es ist mir schwer gefallen, sie zu lesen. Sie haben allerdings wirklich demonstriert, wie ernst die Lage war und dass die Personen sich nicht scheuten, alles zu tun, um ihr Ziel zu erreichen. Zudem wird die Spannung erhöht, da man sich als Leser nicht sicher sein kann, wer verschont werden und ob es Opfer geben wird.
Neben den gut ausgearbeiteten Figuren und einer interessanten Handlung hat mich auch das World Building überzeugt, da die Welt, die Durfee erschaffen hat, sehr facettenreich ist. Die Geschichte selbst war zwischendurch ein bisschen zäh, doch insgesamt fand ich sie fesselnd und packend und durch die ganzen geheimnisvollen Vorgänge bin ich neugierig, wie es weiter geht. Auf den zweiten Band bin ich schon gespannt.
Rezensionen von Gaby 2707:
Ein neuer "Ermittler" aus dem Bayerischen Wald
Eiskalter Hund von Oliver Kern
Lebensmittelkontrolleur Fellinger wird Anfang Juni zum Restaurant Peking gerufen, da mit der schwatrzen Soße etwas nicht in Ordnung sein soll. Mit der Soße scheint soweit alles in Ordnung zu sein, aber im Kühlraum hängt ein Hund an der Kette von der Decke. Als Fellinger heraus findet, dass das Frauchen des Hundes, die reiche Helga Poschinger verschwunden ist, beginnt sich sein Spürsinn zu regen.
Und da er ja viel lieber bei der Kriminalpolizei gelandet wäre, als bei der Lebensmittelüberwachung, und seine Freunde von der Polizei ihn nicht ernst nehmen, beginnt er selbst zu ermitteln...
Oliver Kern hat so einen einerseits weichen, andererseits bissigen Humor, der meine Mundwinkel oft nach oben gezogen hat. Er versteht es sehr gut, die bayerische Mentalität und viele Kleschees in kurzen knappen schnörkellosen Sätzen durch Fellinger, an den Leser zu bringen. Er pflanzt mir Bilder in meinen Kopf, die ich nur schwer wieder raus bekomme. Durch viele dialektische Auswürfe bin ich mittendrin im Bayerischen Wald, komme aber auch mit dem chinesischen und dem tschechischen Wortschatz in Berührung. Die kleine Übersetzungshilfe am Schluss der Geschichte hätte ich persönlich nicht gebraucht, hilft aber Nichtbayern beim Verständnis sicher weiter.
Dass Fellinger die Geschichte in der Ich-Form erzählt, hat mir sehr gut gefallen und lässt mich noch näher am Geschehen dransein und teilnehmen. Flotte Sprüche und interessante Vergleich hat der Herr Lebensmittelkontrolleur reichlich im Repertoir.
Ich habe mit Berti Fellinger einen neuen Ermittler kennenlernen dürfen, dem ich zutraue, noch weitere Fälle ohne seine Freunde bei der Polizei lösen zu können. Urig, grantelnt, geradeaus, mit einem Hang zu gutem Essen war er mir sofort sympathisch. Auch die anderen Prtagonisten, manche etwas schräg, andere einfach menschlich, kann ich mir gut vorstellen und hatte meinen Spaß mit ihnen. Die Gesichter der Restaurant- oder Gaststättenbesitzer, wenn Fellinger reinkommt, die erst die Starre fallen lassen, wenn er wieder geht, oder privat dort ist, kann ich mir gut vorstellen. Auch da habe ich ab und an schmunzeln müssen.
Wer eine superspannende Krimilektüre mit Mord und Totschlag sucht, der wird hier nicht fündig werden. Wer aber einen gut ausgedachten Fall mit Humor, Wortwitz und Spannung lösen möchte, der ist hier genau richtig. Ich hatte wundervolle unterhaltsame Lesestunden, die ich gerne bei einem neuen Fall für Berti Felinger wiederholen würde.
4,5 von 5 Punkten lasse ich dafür gerne hier.
Rezensionen von Gaby 2707:
Sturmflut auf der Hallig Langeneß
Eiskalter Hund von Oliver Kern
Britta Tjaden vom Landesamt für Küstenschutz wird von den Halligbewohnern der kleinen Hallig Langeneß angefeindet. Um den Untergang der Halligen wegen des immer weiter steigendes Meeresspiegels zu verhindern, muss eine Menge Geld ausgegeben werden, auch von den Halligbewohnern. Den Aufbau der Halligen bezahlt das Land, den Abriss und Neubau der Häuser sollen die Bewohner selbst stemmen.
An diesem Abend, an dem die Gemüter hochkochen, schlägt wieder einmal eine Sturmflut zu. Und am nächsten Morgen wird Britta Tjaden vermisst und die Naturschutzaktivistin Beeke Klock tot aufgefunden.
Kuno Knudsen und Arne Zander von der Kripo Wattenmeer, die auf der Hallig drei ruhige Tage verbringen wollten, reißen sich nicht darum, diese mit Mordermittlungen zu verbringen. Kuno selbst hat keine schönen Erinnerungern an die Hallig, die ihm einen Cold Case beschert hat: das Verschwinden der jungen Dänin Asta von vor 7 Jahren ist bis heute nicht geklärt.
Ich fiebere den Büchern von Ulrike Busch schon immer entgegen und nun war es wieder soweit. Kuno und Arne sind wieder da. Auch diesen neuen Fall kann man sehr gut lesen, ohne die anderen Bücher zu kennen. Sollte man sich aber nicht entgehen lassen.
Ich bin sofort mittendrin in diesem Kriminalfall und die beiden Kommissare sind mir schon gute Bekannte geworden, die auch diesmal ihre freie Zeit sausen lassen um das Verschwinden von Britta Tjarden und den Tod von Beeke Klock aufzuklären.
Detailgenau beschriebene Protagonisten wie Rasmus Raab, der sich einen äußerst ungewöhnlichen Wohntraum erfüllt hat, Paul Tjadenn, der das Casino und junge Frauen mehr liebt, als seine Britta oder Mario Meier, der mit Schmetterlingsnetz und Botanikbüchern über die Hallig schleicht – lassen Bilder in meinem Kopf entstehen. Genauso wie die Landschaftsbeschreibungen, bei denen ich die Warften mit den wegen der Sturmflut verrammelten Fenstern, die kleine Lorenbahn und das tosende Meer direkt vor Augen habe. Die Ruhe und Beschaulichkeit ist für kurze Zeit dahin und ich meine die Unruhe der Menschen, besonders von Brittas Schwester Tilda, spüren zu können. Bei den Vernehmungen der Halligbewohner tritt die Redeunlust sehr deutlich zutage. Da tun mir die Kommissare fast schon leid. Und natürlich schafft es auch der nervige Lokalreporter Friedrich Fliegenfischer wieder auf die Insel.
Die Geschichte selbst hat mir vor Augen geführt, dass auch das Leben auf einer so beschaulichen Hallig nicht immer einfach ist, und mit welchen Naturgewalten die Bewohner gerade auch wegen der Klimaerwärmung zu kämpfen haben. Es kommt aber auch sehr gut heraus, dass die meisten Menschen, die dort leben nicht woanders leben möchten, als auf ihrer Hallig.
Ein spannender Fall, der mich auch diesmal das Buch nicht aus der Hand hat legen lassen. Interessante Charaktäre, einige Wendungen und die Aufklärung, die ich so nicht erwartet hatte, machen das Lesen auch bei diesem Buch zu einem Erlebnis, dass ich jedem nur empfehlen kann.
Rezensionen von rewa:
Auch kurze Thriller haben ihren Reiz
Vertraust du dir? von Damaris Trompell
Sechs kurze Thriller findet man in dem Buch ,,Vertraust du dir?´´ von Damaris Trompell. Ihre Kurzgeschichten sind ihre erste Veröffentlichung und ich kann sagen, dass einiges an Potenzial vorhanden ist.
1. Auge um Auge: Eine Reise nach Australien wird für eine Backpackerin zu einer Reise ohne Wiederkehr.
Hier spielt die Autorin geschickt mit dem Leser, indem man bis zum Schluss auf der falschen Spur ist.
2. Die Therapie: Wie verhält man sich, wenn man seinen Therapeuten tot in der Praxis auf findet und merkt, dass der Mörder auch noch hier ist? Eine interessante Geschichte, wenn man einen verängstigten Menschen begleitet, der auf Mördersuche ist.
3. Das Haus am Stadtrand: Eine Frau, die sich in ihrem Haus verbarrikadiert und auf den Kampf mit ihrem Mörder wartet. Eine spannende Geschichte, wo man nicht genau weiß, ob man das Verhalten der jungen Frau nach vollziehen kann.
4. Letzte Seefahrt: Eine Frau und ihre furchtbaren Kindheitserinnerungen. Eine berührende Geschichte, wo 2-3 Sätze mehr zur Erklärung der Handlung gut getan hätten.
5. Der Stalker: Angie lässt sich mit dem neuen Nachbarn Phillip ein und wird von ihm daraufhin gestalkt. Aber warum behauptet die Polizei, dass dieser Nachbar gar nicht existiert? Eine gut gelungene Geschichte, die dem Leser nach dem Ende sicher noch unter die Haut gehen wird.
6. Verlass mich nicht: Wenn der geliebte Partner stirbt, dann kann es passieren, dass das seelische Gleichgewicht mörderisch aus den Fugen gerät. Die Geschichte ist im Vergleich zu den vorherigen recht blutig, aber es passt für die verwirrenden Gedanken der Mörderin.
Die junge Autorin hat sechs interessante und spannende Geschichten geschrieben. Da zumeist ein eher offenes Ende zu finden ist, kann jeder selbst entscheiden, wie es weiter gehen könnte. Ein blutig aussehendes Cover und ein ,,gefährlicher´´ Titel, schaffen schon im Vorfeld ein mulmiges Gefühl.
Für die ersten Schreibversuche würde ich 5 Sterne vergeben. Da es aber zu einigen Rechtschreib- und Grammatikfehlern gekommen ist, gibt es 1 Stern als Abzug. Mich persönlich würden diese nicht stören, aber da es Leser gibt, die sehr wohl darauf achten, muss ich es hier erwähnen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
"Alle Menschen san ma zwider,..."
Vertraust du dir? von Damaris Trompell
Schauplatz Wien-Josefstadt/Traditionscafé Hummel:
Erwin Horak, seines Zeichen Lehrer für Mathe und Physik im nahen Piaristen-Gymnasium verbringt jeden Abend im Hummel um sein Abendessen zu genießen und Zeitung zu lesen. Wobei genießen wohl der falsche Ausdruck ist, denn Horak ist alles andere denn ein Genussmensch.
Er ist ein Misanthrop wie er im Buche steht. Er kann nichts und niemanden leiden, hasst Störungen, seinen Beruf, die Schüler, die Kollegen, die Nachbarn, Autos und vor allem gurrende Tauben.
Einzig mit Kurt, einem Latein-Professor, spielt er seit Jahrzehnten einmal wöchentlich Karten im Hummel. Doch gepflegt konversiert wird hier auch nicht: Kurze, knappe Worte – das muss reichen.
Erwins Leben ändert sich, als Kurt in den Ruhestand geht und mit seiner Frau Resi einen neuen Lebensabschnitt beginnen will. Das wäre an sich schon eine einschneidende Änderung in Erwins gleichförmiges Leben, denn nun fürchtet er den Schulbeginn noch mehr. Was soll er ohne Kurt?
Doch eine viel schwerwiegendere Änderung schneit ihm in Form der Trafikantin Elfriede an den Kaffeehaustisch.
Sie lässt sich von Erwins ruppigen Gehabe nicht abschrecken und setzt sich täglich an seinen Tisch. Zu Beginn ist die Konversation einseitig, doch scheint Erwin,die freche Person nicht aus dem Kopf zu gehen.
Meine Meinung:
Die Autorin hat hier eine wirklich nette Geschichte erzählt. Wie oft begegnen wir Menschen, die ruppig und grob erscheinen? Oft vermuten wir schlechtes Benehmen dahinter. Meistens haben wir weder die Zeit noch das Animo sich mit solchen Mitmenschen länger als nötig zu beschäftigen. Wenn man allerdings versucht, hinter die grobe Fassade zu blicken, kann sich ein verletzlicher und netter Mensch verstecken.
Wie singt schon Kurt Sowinetz in einem seiner Chanson? „Alle Menschen san ma zwider, ..“
Mir hat das Lokalkolorit des achten Wiener Gemeindebezirks (=Josefstadt) sehr gut gefallen. Der kleine Bezirk hat wenig Grünflächen, dafür mehr Kaffeehäuser und wirkt im Sommer besonders heißt. Die Verkehrsader Josefstädter Straße ist fast immer verstopft. Autos, Straßenbahn, Autobus und Radfahrer duellieren sich regelrecht um die Vorfahrt. Ja, genauso kenne ich die Josefstadt!
Ein besonderes Highlight ist natürlich das Café Hummel, in dem man seit längerer Zeit nun doch nicht mehr rauchen darf, aber umso mehr exzellente Speisen zu sich nehmen kann.
Sprachlich hat mir das Geplänkel zwischen Erwin und Elfriede sehr gut gefallen. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Erwin und Elfriede, Kurt und Resi oder auch die Kellner Klaus und Peter sowie die alte Dame Josefine haben ihre Ecken und Kanten und sind in ihrer schrulligen Art liebenswert.
Fazit:
Ein gekonnter Blick mit Augenzwinkern auf eine echte Wiener Spezies: Den Grantscherm. Gerne gebe ich für dieses nette Buch 5 Sterne.







