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Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Ein tolles Buch

Das Universum in deiner Hand von Christophe Galfard

Christophe Galfard nimmt den interessierten Leser auf eine Reise durch Zeit und Raum mit. Mit ihm durchqueren wir die Weiten des Weltraums und begegnen Schwarzen Löchern, Roten Riesen, Weißen Zwergen und dringen in bislang unbekannte Galaxien ein, ohne an die Grenzen des Universums zu stoßen.

In sieben großen Kapiteln plus Vorwort und Epilog erzählt der Autor in einer, für einen Wissenschaftler eher unüblich, poetischen und anschaulichen Sprache, über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Universums.

Nicht alles ist leicht vorstellbar.

• Vorwort
• Der Kosmos
• Das Weltall verstehen
• Schnell
• Eintauchen in die Quantenwelt
• Zum Ursprung in Zeit und Raum
• Rätsel tun sich auf
• Einen Schritt weiter
• Epilog

Das Buch startet mit zwei Versprechen:

„..erstens: Das Buch enthält nur eine einzige Gleichung. Hier ist sie: E=mc²
zweitens: das Buch wird niemanden überfordern"

Und ja, Galfard hält sein Versprechen. In teilweise kurzen Kapiteln wird uns der Stoff eindrücklich vermittelt. An anderer Stelle wiederholt er „.. Du erinnerst dich, …“ zum besseren Verständnis bereits Gesagtes.

Stellenweise wirkt das Buch wie ein Jugendbuch bzw. wie ein Auszug aus der Science Fiction-Literatur (Ich habe immer darauf gewartet, dass Mr. Spock doch noch um die Ecke linst.). Vermutlich liegt das daran, dass Galfard den Leser direkt mit eine freundlichen „du“ anspricht. So kann man sich bei der Reise in das Universum an der Hand genommen, fühlen. Man dünkt sich immer mitten Geschehen, pirscht sich an die Sonne und/oder andere Himmelskörper an und kann nur staunen.
„Gute SF ist besser als schlechte Wissenschaft" (brit. Astronom Sir Martin Rees/S. 69). Ja, dem kann ich beipflichten.

Man merkt, dass der geniale Stephen Hawking Galfards Doktorvater ist. Der Erzählstil ist ähnlich. Diese Bemerkung soll Christophe Galfards Buch jetzt nicht herabsetzen, denn ich habe gehörigen Respekt vor Wissenschaftler, die sperrige Themen gut aufbereiten und Nicht-Fachleuten amüsant und interessant darreichen. Insider von Astrophysik werden vermutlich zu anderen Werken greifen, mir hat es jedoch gut gefallen.

Die Aufmachung des Buches ist gediegen und sehr schön gestaltet. Es lässt sich daher mehrmals zur Hand nehmen, ohne dass die Seiten davonfliegen. Davonfliegen sollst nämlich nur „du“ – in die Weiten des Weltalls.

Fazit:

Ein unterhaltsames und informatives Werk, das in keiner Schulbibliothek fehlen sollte. Es ist auch für Erwachsene, die sich bislang wenig mit den komplexen Zusammenhängen des Universums beschäftigt haben, eine Bereicherung. Eine gewisse Aufmerksamkeit beim Lesen ist allerdings erforderlich. Gerne gebe ich 5 Sterne.

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Ein tolles Buch

Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Eine großartige Biografie

Die amerikanische Prinzessin von Christophe Galfard

Vorliegendes Buch ist die Biografie von Allen Tews (1872-1955). Allen wird als Kind einer Einwandererfamilie geboren und lebt in bescheidenen Verhältnissen. Mit knapp 18 wird sie vom Millionärssohn Tod Hostetter schwanger und die beiden heiraten heimlich. Die Hoffnung, in Tods Familie liebevolle oder mindestens geachtete Aufnahme zu finden, erfüllt sich nicht.

Tod ist ein Spieler und als er mit nur 32 Jahren stirbt, steht Allene mit zwei ihrer drei Kinder alleine da. Das dritte Kind ist schon in jungen Jahren gestorben.
Allene bleibt wenig anderes über als erneut zu heiraten. Doch auch dieser Ehemann entpuppt sich als spielsüchtig und Allene lässt sich in Paris scheiden.

Erst mit Anson, dem dritten Ehemann findet sie so etwas wie Glück. Ansom ist ihre große Liebe und ist ihren Kindern Greta und Teddy ein liebevoller Vater. Teddy wird Kampfpilot im Ersten Weltkrieg und wird über Frankreich abgeschossen und getötet. Greta, mit Zwillingen schwanger, stirbt 1918 an der Spanischen Grippe. Als Anson 1927 stirbt, ist Allene ganz alleine. Diesmal ist sie allerdings finanziell unabhängig.

Mit Ehemann Nr. 4, dem verarmten Henry/Heinrich XXXIII, Prinz Reuß, wird sie zur „amerikanischen Prinzessin“, doch Glanz und Glamour halten nicht lange. Die Familie rümpft zwar die Nase über die reiche amerikanische Witwe, ihr Geld nehmen sie gerne und werfen es zum Fenster hinaus. Henrys Tochter lehnt Allene brüsk ab, nur Sohn Heiner hat mir seiner Stiefmutter leidlich Kontakt. In späteren Jahren wird er sie nach Strich und faden ausnützen. Allene lässt sich das gefallen, ist Heiner doch so etwas Ähnliches wie der Rest einer Familie.

Mit Ehemann Nr. 5, einem noch ärmeren russischen Adeligen, hat sie auch kein Glück. Paul von Kotzbue dient möglicherweise nur der Aufrechterhaltung einer Fassade.

Der einzige Lichtblick ist der Kontakt zum niederländischen Königshaus. Sie spielt Postillon d’amour zwischen der nicht mehr ganz so jungen Prinzessin Juliana und Bernhard zu Lippe-Biesterfeld, für den Allene so etwas wie eine (Wahl)Tante ist. Das Paar heiratet und Allen ist eine von fünf Taufpatinnen ihrer ersten Tochter, der späteren niederländischen Königin Beatrix. Eine späte Genugtuung den hochnäsigen Hostetters und Preuss‘ gegenüber.

Die letzten Lebensjahre verbringt Allene Tews einsam in ihrem Haus an der Côte Azur.

Meine Meinung:

Annejet van der Zijl, einer angesehen niederländischen Autorin und Historikerin, gelingt eine einfühlsame Biografie. Manchmal erscheint Allene ein wenig distanziert, doch dies ist auf Grund ihrer Herkunft und ihrer Erziehung plausibel. Streng, reduziert und vorausblickend, hat Allene wenig Zeit für Gefühlsduselei. Es ist auch nicht die Zeit dafür. Geboren und aufgewachsen in der Viktorianischen Zeit, verbirgt sie ihre Gefühle, obwohl sie bestimmt vom Tod ihrer Kinder getroffen sein muss.
Ihr eiserner Wille und das Motto „Courage all the time. - Nie den Mut verlieren!“ lassen Allene die Schicksalsschläge überwinden.

Das Buch selbst ist in einer gediegenen Aufmachung erschienen. Eine Menge privater Fotos ergänzen die Lebensgeschichte der „Amerikanischen Prinzessin“. Schön sind auch die vielen Zitate und die ausführlichen Quellen am Ende des Buches.

Fazit:

Eine tolle Biografie einer faszinierenden Persönlichkeit. Gerne gebe ich 5 Sterne.

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Eine großartige Biografie

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Ein Reiseführer auf den Spuren von Gustav Klimt

Auf den Spuren von: Gustav Klimt von Gregor Auenhammer

Anlässlich des 100. Todestages von Gustav Klimt erscheinen einige Bücher, die sich mit dem großen Künstler als Mensch und Maler sowie mit seinem Werk beschäftigen.

Dieses Buch von Gregor Auenhammer widmet sich den Spuren, die Gustav Klimt in Wien hinterlassen hat.

Gleich zu Beginn muss gesagt werden, dass es die Stadt bislang nicht der Mühe Wert gefunden hat, seinem wohl bekanntesten bildenden Künstler ein Denkmal zu setzen …

Wir folgen dem Autor durch bekannte und weniger bekannte Gassen und Grätzel (Viertel) der Stadt, um dem Künstler näher zu kommen.

Doch zwei Weltkriege und ein nicht sehr sorgfältiger Umgang mit historischer Bausubstanz, hinterlassen Lücken in der Spurensuche. Nur an wenigen Häusern, in denen Klimt gewohnt hat, erinnert eine angebrachte Widmung daran. Gut bekannt und der Öffentlichkeit zugänglich ist die sogenannte „Klimtvilla“, die ursprünglich ein Gartenpavillon war, in dem Klimt von 1911-1918 sein Atelier hatte.

Über viele Häuser, die mit Klimt in Verbindung stehen, kann der Autor Anekdoten erzählen. So zum Beispiel über das Haus „Casa Piccola“ am Fuße der Mariahilfer Straße. 1809 war es ein kleines windschiefes Häuschen mitten im Niemandsland der Exerzierplätze der Vorstadt. Heute bzw. zu Klimts Zeiten, ist es ein monumentales Gebäude. Bis 1938 war der Couture-Salon der Schwestern Flöge hier untergebracht.

Ein Streifzug durch die Museen darf natürlich auch nicht fehlen: Vom Museum für Angewandte Kunst (MAK) über das Belvedere, das Leopold-Museum, das Kunsthistorische Museum (KHM) bis hin zum Wien-Museum ist alles vertreten, was in Wien Werke von Gustav Klimt besitzt.

Auch die unsägliche Rolle, die die Republik Österreich bei der Restitution der von den Nazis geraubten Kunstwerke gespielt hat wird angesprochen.

Meine Meinung:

Autor Gregor Auenhammer nimmt den Leser auf einige Spaziergänge durch Wien mit. Mit einigen durchaus launigen Kommentaren übt er Kritik an der Stadtverwaltung, die ihren berühmten Sohn ziemlich stiefmütterlich behandelt. Allerdings übernehmen die vielen Souvenirläden, die Klimt und seine Motive in allen möglichen (und unmöglichen) die Vermarktung. Damit ist der Künstler omnipräsent, fast schon aufdringlich. Das ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte, denn Klimt war ein Gegner der Kommerzialisierung der Kunst.

Als Ergänzung zu diversen Stadtführern ist das Buch gut geeignet, auch wenn ich mir eine größere Schrift gewünscht hätte. Gut gefällt mir, dass die Spurensuch mit öffentlichen Verkehrsmitteln angetreten wird. Zu Fuß oder mit der Tramway, lassen sich viele kleine Details gut erwandern.

Was aber wirklich fehlt, ist ein Stadtplan oder zumindest eine schematische Darstellung der Spaziergänge. Ortsunkundige verlieren sonst leicht den Überblick über Straßen und Bezirk.

Auch ein Verzeichnis der diversen Museen wäre sehr nützlich. Man kann leider nicht davon ausgehen, dass Einheimische alle Klimt-Sammlungen auch nur dem Namen nach kennen.

Fazit:

Eine gute Ergänzung zu bereits vorhandenen Büchern über Gustav Klimt. Die kleinen Mängel (siehe oben) kosten einen Stern, daher nur 4 Sterne.

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Ein Reiseführer auf den Spuren von Gustav Klimt

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Ein fesselnder Krimi

Polivka hat einen Traum von Stefan Slupetzky

Stephan Slupetzky hat mit seinem Bezirksinspektor Polivka einen unbestechlichen, sturen, grantelnden, aber dennoch liebenswerten Polizisten geschaffen.

Zu einem unklaren Todesfall in einem Zug gerufen, vermutet er recht bald einen Mord, zumal es eine Zeugin gibt, die er aus der Zugstoilette befreit.

Doch bevor sie noch ausgiebig befragt werden kann, verschwindet sie plötzlich. Kennt sie den Mörder?
Als Polivka und sein Kollege Hammel auf mehrere ähnliche Todesfälle in Europas Zügen stoßen, wissen sie noch nicht, in welches Hornissennest sie da stechen, zumal ihnen die weiteren Ermittlungen untersagt werden. Doch es wäre nicht Slupetzky, wenn er seine Protagonisten nicht unerlaubterweise ermitteln ließe.

Meine Meinung:

Obwohl der Autor Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen und Vorkommnissen als Zufall beschreibt, kann ich als Österreicherin einige Personen unzweifelhaft identifizieren. Ich verrate jetzt nicht, wen – da ist selberlesen angesagt.
Slupetzkys Schreibstil ist angenehm flüssig und bisweilen bissig. Gut gefallen mir die häufigen Dialoge im Wiener Dialekt.
Die Geschichte ist vielschichtig und spannend. Slupetzky spinnt seinen Krimi subtil mit und über politischen Filz und Korruption in Österreich und Brüssel. Wenn die eine oder andere Machenschaft nicht wahr wäre, so wäre sie doch gut erfunden.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi über Lobbying und politische Machenschaften. Gerne gebe ich 5 Sterne.

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Ein fesselnder Krimi

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Gekonnt erzählt

Die Rückkehr der Störche von Gabrielle C. J. Couillez

Autorin Gabrielle Couillez nimmt ihre Leser in das nach den Napoleonischen Befreiungskriegen verarmte Heidelberg mit. Wir lernen Karl Friedrich Schimper (1803-1867) und seinen Bruder Georg Heinrich Wilhelm Schimper (1804-1878) kennen. Beide Brüder sind bekannte deutsche Naturforscher. Doch bis es dazu kommt, gibt es viele Hindernisse zu überwinden und Entbehrungen zu meistern.

Dieser historische Roman handelt davon.

Das Buch setzt zu Silvester 1817 ein. Wir dürfen Wilhelm, wie er genannt wird, auf der Reise in den schaukelnden und unbequemen Postkutschen begleiten. Es ist die Zeit des Biedermeiers und erstmals dürfen Adelige einem Beruf (bislang war ja neben Grundherr nur Soldat oder Geistlicher möglich) nachgehen. Wilhelm wird Drechsler und trägt durch sein schon früh ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein zum Unterhalt der verarmten Mutter und seines verschwenderischen Bruders bei. Die Eltern sind geschieden, der Vater verschollen. Ständig sieht er sich Geldforderungen von Mutter und Karl gegenüber und tritt deshalb in das Badische Kavallerieregiment ein, das ihm einen bescheidenen, aber regelmäßigen Sold garantiert.

Anders als Bruder Karl wird Wilhelm erst spät mit einem Studium beginnen dürfen/können, da er ja als einziger Geld verdient. Wilhelm wird als geradliniger, strebsamer Mensch beschrieben, der sich von seiner Familie ständig schikanieren lassen muss.

Einen kleinen Fehler hat der gute Wilhelm natürlich auch: Er liebt alle Frauen und stolpert auf der Suche nach der Richtigen von einer Liebschaft in die andere. Lange Zeit geht sein sorgloser Umgang gut, bis er zuletzt doch ungewollt Vater wird. Doch mit Geld (das eigentlich seiner Forschungsreise dienen sollte), lässt sich das auch planieren.
Richtig gefährlich wird sein Drang nach der holden Weiblichkeit erst, als er in flagranti erwischt wird …

Meine Meinung:

Die Autorin schafft es, die komplexen Zusammenhänge der damaligen Zeit gut darzustellen. Sie flicht Auszüge aus dem Originalschriftverkehr der beiden Schimper-Brüder gekonnt in die Geschichte ein. Hier hätte ich mir allerdings gewünscht, dass dies dem Leser deutlich(er) zur Kenntnis gebracht wird.
Der badische Dialekt ist manchmal nicht leicht zu verstehen. Vor allem Karl, spricht selten hochdeutsch. Es scheint, dass Wilhelm der intelligentere der beiden Brüder ist. Doch Karl, als dem älteren, steht die akademische Laufbahn zu. Hier gilt wie in adeligen Häusern üblich, das Recht der Primogenitur, auch, wenn es keinen Besitz zu vererben gibt.

Ich habe mich gut unterhalten, obwohl ich manchmal ob der manipulierenden, alkoholkranken Mutter und des leichtsinnigen Bruders, ziemlich wütend auf die beiden war.
Da die Autorin eine Fortsetzung in Aussicht stellt, bin ich schon sehr gespannt, wie sie das zukünftige Leben der beiden Schimper-Brüder in Szene setzen wird. Vor allem Wilhelms Lebenslauf birgt noch einige Überraschungen.

Fazit:

Eine gekonnt erzählte Geschichte, die mir gut gefallen hat. Gerne vergebe ich 4 Sterne.

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Gekonnt erzählt

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Penibel recherchiert - grandios erzählt

1918 - Die Welt im Fieber von Laura Spinney

1918 steht die Welt im Bann des vierten Kriegsjahres. Die Vergeudung von Menschen und Maschinen hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß angenommen. Da betritt eine weitere Katastrophe die ohnehin verwüstete Weltbühne: Eine Pandemie ungeahnter Größe breitet sich in drei großen und einer kleinen Welle aus.

Die britische Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney heftet sich in ihrem Buch an die Fersen des Virus. In acht Kapiteln sowie einer ausführlichen Einleitung und einem ebensolchen Nachwort, versucht sie die Wege und Umwege der Krankheit nachzuzeichnen. Denn, obwohl „Spanische Grippe“ genannt hat die tödliche Krankheit vermutlich ihren Ausgang in Asien.

Sie folgt den Truppenbewegungen zwischen den verschiedenen Kriegsschauplätzen, entdeckt dabei, dass es aufgrund der strengen Zensur die jeweils andere Seite nichts von den tausenden Toten erfährt. Dass als die Ausbreitung der Krankheit doch durchsickert, die Krieg führenden Staaten der Meinung sind, es handle sich um „chemische Kampfstoffe“. Ja, es ging so weit, dass man glaubte die Fa. Bayer hätte das Aspirin, für Nichtdeutsche vergiftet.
Doch nicht nur unter den Soldaten, die auf engstem Raum mit Geflügel und Schweinen (als Verpflegung) zusammenleben, sondern auch unter der Zivilbevölkerung bricht die Krankheit aus. In ihre Heimat (oder was davon übriggeblieben ist) zurückkehrende Soldaten, ohnehin krank an Körper und Seele, verbreiten das Virus. Heute weiß man, dass es sich um ein Virus handelt, Anfang des 20. Jahrhunderts kennt man gerade einmal Bakterien. Viren sind zu klein, um in den gängigen Filtern in den Laboratorien hängenzubleiben.

Die Hilflosigkeit der Ärzte, ob der hohen Mortalitätsrate ihrer Patienten ruft natürlich alle möglichen Wunderheiler und Quacksalber auf den Plan. Als entdeckt wird, dass Syphiliskranke nicht oder nur leicht erkranken, nehmen die Menschen Quecksilber haltige Präparate ein und vergiften sich damit. Der „gute, alte“ Aderlass feiert eine fröhliche Renaissance.

Keine Weltgegend wird verschont. Es gibt Infektionsraten von 30-35% der Weltbevölkerung. In Alaska sterben mehr als 40% der Einwohner. In Indien, China, den USA und auch nach Südamerika wird die Grippe eingeschleppt. Einzig Australien wird verschont, weil man einen restriktiven „cordon sanitaire“ rund um die Insel einrichtet. Neuseeland folgt dem Beispiel nicht, und verzeichnet ebenfalls zehntausende Tote.

Die Durchsicht der penibel aufgezeichneten Krankenakte enthüllt, dass nicht bei Alten oder Säuglingen die größte Mortalitätsrate zu verzeichnen ist, sondern bei den 20- bis 40-jährigen. So stirbt eine ganze Generation weg und nicht nur das, sie kann sich nicht, bzw. nur unzureichend fortpflanzen. So fallen defacto zwei Generationen aus.

Laura Spinney betrachtet die Pandemie auch noch unter einen anderen Aspekt: Hat die verheerende Krankheit den Ersten Weltkriegs nachhaltig beeinflusst? Wäre der Ausgang ein anderer gewesen, hätten die Amerikaner nicht grippekranke Soldaten nach Europa verlegt? Wären die von den Siegermächten diktierten Bedingungen bei den Friedensverhandlungen weniger hart ausgefallen, wenn Woodrow Wilson nicht ebenfalls von der Grippe geschwächt, dem französischen Verhandler Clemenceau Einhalt gebieten hätte können?

Man geht heute davon aus, dass die weltweite Pandemie zwischen 50 - 100 Millionen Menschenleben gekostet.

Fazit:

Penibel recherchiert und eindringlich geschildert, gibt dieses Buch einen guten Einblick über den Einfluss der „Spanischen Grippe“. Gerne gebe ich hierfür eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Ein rundum gelungenes Werk

Die Spanische Grippe von Laura Spinney

Autor Harald Salfeller ist Mediziner und das merkt in seinem Buch über die Spanische Grippe, jener Pandemie, die zwischen 1918 und 1920 in drei großen Wellen über den Erdball gerast ist und bis zu 100 Millionen Tote gefordert hat.

Der Autor hat einen hohen Aufwand bei seinen Recherchen betrieben und untermauert seine Thesen mit einer Fülle von Zitaten und Bildmaterial.

Dabei erklärt er medizinische Gegebenheiten ohne die den Fachleuten oft anhaftende Überheblichkeit in ihr eigenes Wissen. Er erklärt, analysiert und gibt Beispiele.

Der Mediziner Salfellner spricht auch die Hilflosigkeit der Ärzte an. Niemand weiß, woher die tödliche Pandemie wirklich kommt. Spanien ist es nämlich nicht. Der eine oder andere genaue Beobachter entdeckt Zusammenhänge mit Menschenansammlungen, mit der engen Symbiose Vögel – Schweine – Menschen. Wird die Krankheit durch Haustiere verursacht und verbreitet? Es entstehen krude Gerüchte. Eines davon besagt, „den Soldaten fehle der Verkehr mit dem weiblichen Geschlecht, so käme es zum Rückstau pathogener Stoffe.“ S. 58).
Es gibt kein wirksames Heilmittel. Wie auch, man kennt ja die Erreger nicht, nur Bakterien, die ein Vielfaches größer als Viren sind. Das ruft natürlich alle möglichen Wunderheiler und Quacksalber auf den Plan. Als entdeckt wird, dass Syphiliskranke nicht oder nur leicht erkranken, nehmen die Menschen Quecksilber haltige Präparate ein und vergiften sich damit. Der „gute, alte“ Aderlass feiert eine fröhliche Renaissance.

Wir erfahren einiges über Einzelschicksale und die Bedeutung dieser Pandemie, die nicht alte oder junge Menschen getötet hat, sondern und vor allem Männer und Frauen zwischen 20 und 40. Was dieser Ausfall einer ganzen Generation bedeutet, die weder eine Familie gründen noch ihren Beitrag zur Volkswirtschaft ihres Landes beitragen konnte, wird ebenfalls angerissen.

Mich persönlich hat die Akribie mit der Salfellner die Archive nach aussagekräftigen Fotos durchstöbert hat, beeindruckt. Es sterben ja nicht nur namenlose Massen, sondern auch bekannte Schauspieler, Dichter wie Edmond Rostand oder Maler Egon Schiele. Auch Woodrow Wilson erkrankt während der Friedensverhandlungen zum Ersten Weltkrieg an der Spanischen Grippe. So gibt es die gewagte (?) Hypothese, dass er geschwächt durch die Krankheit, seine maßvollen Bedingungen für einen Friedenschluss mit den Mittelmächten, dem französischen Premier Clemenceau nicht durchsetzen konnte.


Fazit:

Ein rundum gelungenes Werk, das sich durch die sorgfältige Recherchearbeit auszeichnet. Dafür vergebe ich eine unbedingte Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Ein rundum gelungenes Werk

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Leider ein Flop

Anteil des Redens an der Affenwerdung des Menschen von Daniel H. Rapoport

Das Buch wird als “witzig, ungewöhnlich und provokant” vorgestellt.

Da haben meine Augen geleuchtet, weil ich gerne humorvolle Bücher über den Umgang mit der Sprache lese. Ich hatte mir so etwas ähnliches wie Sebastian Sicks Bücher über die falsche Verwendung des Dativs (als Genetiv-Eratz nämlich) oder Stilblüten usw.

, vorgestellt.

Allerdings bin ich schwer enttäuscht worden. Das Buch ist nicht “witzig”, “ungewöhnlich” vielleicht, da es das Wort “eigentlich” zur Ikone erhebt. Provoziert habe ich mich höchstens durch die nichtssagenden Sätze voller Worthülsen, gefühlt.

Der Autor, ein promovierter Chemiker, schwafelt 256 Seiten durch den Äther.

Ich hoffe, Daniel Rapoport ist ein besserer Chemiker, ein wortgewandter und witziger Autor ist er nämlich nicht.

Fazit:

Für mich ein Flop, keine Leseempfehlung und nur ein Stern (keiner geht ja leider nicht)

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Es ist nie zu spät, neu zu beginnen

Alte Geschichten von Elfriede Hammerl

Autorin Elfriede Hammerl ist vielen Lesern auch als Kolumnistin in verschiedenen Magazinen bekannt, wo sie mit bissigem Schreibstil zu gesellschaftspolitischen Themen kritische Kommentare schreibt.

Dieses Buch ist ein wenig anders. Auf den ersten Blick erscheint es nicht so spritzig oder humorvoll.

In neun Geschichten lässt sie unterschiedliche Frauen über deren Leben Bilanz ziehen. Manchmal aus Sicht der Ehefrau, der Geliebten, Tochter oder einfach der alten einsamen Frau, die von ihren Pflegerinnen abhängig ist und ihrer eigenen Persönlichkeit beraubt wird.

Es sind Geschichten, die das Leben von Frauen so schreibt. Geschichten voll Wehmut über verlorenen Gelegenheiten, voll Zorn auf sich selbst (weil die wenigen Gelegenheiten verpasst wurden) und auf den Ehemann oder Liebhaber, der seine Bedürfnisse ÜBER jene seiner Frau stellt. Es sind Geschichten, in denen die „liebe Familie“ ihre Mütter oder Großmütter als Selbstbedienungsladen ihrer eigenen Wünsche sehen.

Fazit:

Es ist nie zu spät, etwas zu ändern und STOPP zu sagen. Gerne gebe ich 4 Sterne.

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Es ist nie zu spät, neu zu beginnen

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Der geplatzte Traum von Milena

Frau Einstein von Benedict Marie

Marie Benedict nimmt sich in ihrem Roman einer großen Wissenschaftlerin und Frau an, einer Frau, der vom Leben nichts geschenkt wurde, die sich alles hart erarbeiten musste:
Mileva Maric, besser bekannt als „Erste Frau Einstein“.

Das Buch ist ein Roman, der sich eng an die Stationen von Milevas Leben anschmiegt, aber keine Biografie.

Wir erfahren aus dem Mund der Ich-Erzählerin Mileva ihren Werdegang.
Wir erleben mit wie aus dem kleinen, wegen eines Hüftleidens hinkenden Mädchen eine an Mathematik und Physik interessiert junge Frau wird, die allen Widerständen zum Trotz an der ETH Zürich studiert. Auch hier, werden ihr Steine in den Weg gelegt. Als sie dort Albert Einstein kennenlernt, scheint eine Partnerschaft auf Augenhöhe möglich. Aus dem ersehnten Abschluss des Studiums wird nichts, weil sie bei der Diplomprüfung schwanger antritt und durchfällt.
Das scheint der Anfang vom Ende der Beziehung zu Einstein gewesen sein. Er findet tausend Ausreden, um eine Hochzeit zu vermeiden. Das gemeinsame Kind, Lieserl, wird er nie sehen. Im Roman stirbt das Mädchen, das bei Milevas Eltern aufwächst, an Scharlach.
Milevas Traum als gleichberechtigte Partnerin bei Einsteins Arbeiten teilzuhaben, zerplatzt. Sie darf wohl seine Arbeiten Korrektur lesen, die Berechnungen anstelle (in Mathematik ist nach wie wesentlich besser als Albert), doch ihre Urheberschaft bei den wissenschaftlichen Aufsätzen unterschlägt er. Einstein gibt Maric‘ Erkenntnisse als seine eigenen aus. Er degradiert sie, wie viele Wissenschaftler vor und nach ihm, zu Hausfrau und Mutter.
Als er dann noch fremdgeht und sie dafür verantwortlich macht, geht die Ehe endgültig zu Ende. Nur wegen der beiden Söhne bleibt sie vorerst bei ihm.

Alleine der Vertrag, den er Mileva vorlegt, dass sie zwar für in kochen, waschen und putzen, aber ihn nicht ansprechen darf, zeigt, dass Einstein trotz oder wegen seines Genies ein großer Soziopath gewesen muss.
Eine späte Genugtuung ist, dass sie, wie im scheidungsvertrag von 1919 festgelegt, das Preisgeld für den 1921 an Albert Einstein verliehenen Nobelpreis erhält. Ohne ihre Ideen, Thesen und Arbeiten wäre die Relativitätstheorie nicht zu dem geworden, was sie heute ist.

Meine Meinung:

Im Gegensatz zu vielen anderen ist mir der Name Mileva Maric, also Einsteins erster Frau, bekannt. Auch die Grundzüge ihres Lebens sind mir vertraut. Sie unterscheiden sich nur wenig von
den Biografien von Frauen, die Wissenschaftlerinnen waren und später an der Seite ihrer (Ehe)Männer verkümmerten. Deren Leistungen denen ihrer Männer/Freunde/Arbeitskollegen in nichts nachstanden, aber von den anderen vereinnahmt wurden. Man sehe sich nur das Ehepaar Clara Immerwahr und Fritz Haber an: Sie ist ebenso wie Mileva die begabtere. Doch mit ihrer Heirat gibt sie nicht nur ihren Namen auf, sondern neben der Wissenschaft gleich auch ihre Persönlichkeit. Sie wird von Fritz Haber mehrmals in Irrenanstalten gesteckt und mit den damals üblichen Torturen gequält, bis sie sich, angesichts des Chlorgaseinsatzes in Ypern (Flandern) während des Ersten Weltkrieges mit der Dienstwaffe ihres Mannes erschießt.

Marie Curie, die Mileva bewundert und in Paris kennenlernt, ist hier die rühmliche und seltene Ausnahme. Ihr Mann Pierre hat sie immer unterstützt.

Marie Benedict hat einen angenehmen Schreibstil und die Ich-Form aus Milevas Sicht lässt einen mitfiebern, mitleiden und mit ihr zornig sein. Manchmal hat es mir schier die Sprache verschlagen ob Einsteins Unverfrorenheit.
Der Beginn von Milevas Leben hätte meiner Ansicht nach ein wenig gestrafft werden können. Auf mich wirkt es ein wenig ungleichgewichtig. Aber, vielleicht spiegelt es wirklich den Aufstieg der hoffnungsfrohen, wissbegierigen jungen Mileva wieder, deren Leben kurz nach sie Albert Einsteins Werben nachgegeben hat, eine stetige Abwärtsspirale erfährt.

Die vielen Lücken in Mileva Malic‘ Biografie füllt die Autorin behutsam mit ihrer eigenen Fantasie. Über die Geburt von Lieserl ist nicht wirklich viel bekannt. Es könnte sich aber genauso zugetragen haben.

Der Roman macht mich ziemlich wütend. Ist Einstein der Erfolg, der auf der Basis von Mileva Theorien ruht, zu Kopf gestiegen? Was treibt ihn an, so mit seiner Partnerin umzugehen? Ist es der Neid, weil sie doch genialer ist als er? Wir werden es nicht erfahren.

Fazit:

Ein eindrucksvoller Roman über eine Frau, die leider in Vergessenheit geraten ist, bevor sie zur Berühmtheit wurde. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Der geplatzte Traum von Milena