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Rezensionen von Bellis-Perennis:

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Ein ansprechender Serienauftakt

Echo der Toten von Beate Sauer

Im strengen Winter des Jahres 1947 wird in der Eifel der Schwarzmarkthändler Jupp Küppers erschlagen. Einziger Zeuge ist der kleine Peter Asmuss, der mit seiner Mutter als Flüchtling nun hier lebt. Peter spricht seit seiner Beobachtung kein einziges Wort. Die englische Militärpolizei, in Person von Lieutnant Richard Davies,soll den Fall aufklären.

Er fordert eine englisch sprechende, weibliche Polizistin an und bekommt Friederike Matthée, eine junge Frau, die mit ihrer Mutter aus ihrer ostpreußischen Heimat geflohen ist, zugeteilt. Als Tochter eines Gutsbesitzers muss sie nun, als eine der ersten weiblichen Polizistinnen Kölns, sich selbst und ihre kranke Mutter durchbringen.

Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig, weil nicht klar ist, wer aller noch dem Nazi-Regime nachtrauert. Friederike schafft es, den kleinen Jungen zum Sprechen zu bringen. Noch bevor die beiden Entscheidendes herausfinden, wird ein Pfarrer ermordet, der mit dem ersten Mordopferbefreundet war.


Meine Meinung:

Beate Sauer zeichnet ein authentisches Abbild der rauen Wirklichkeit im britisch besetzten Nachkriegsdeutschland gelungen. Sowohl die tristen Lebensumstände zwischen den Ruinen als auch die Ressentiments Fremden und Juden gegenüber sind gut getroffen. Wenn die Vermieterin meint, dass Friederike und ihre Mutter ihrer Albträume wegen in die Irrenanstalt gehörten, anstatt „ordentlichen“ Deutschen die Wohnmöglichkeit zu nehmen, hat sich mit dem verlorenen Krieg wenig in den Köpfen der meisten Menschen geändert.
Der Argwohn der Displaced Persons in den Lagern der deutschen Polizei gegenüber ist berechtigt, wie das Ende des Krimis beweist.

Die Autorin hat gewissenhaft recherchiert. Die Person Richard Davies steht für viele Emigranten bzw. deren Söhne, die als „German Legion“ an der Befreiung Deutschlands und Österreichs von den Nazis mitgeholfen haben.
Eindringlich, jedoch ohne Pathos sind die Zweifel und Rachegefühle von Richard dargestellt. Ich habe gleich zu Beginn an so eine Verbindung gedacht – und recht behalten.

Der Schreibstil ist elegant und sehr gewählt. Ich konnte hier die Gutsherrentochter gut heraushören. Dass Friederike unsicher wirkt, hat nicht nur mit der Vertreibung aus Ostpreußen und den schrecklichen Erlebnissen auf der Flucht zu tun. Man gibt ihr immer wieder zu verstehen, dass sie als Ostflüchtig nicht willkommen ist. Das nagt natürlich an der Psyche. Andererseits gewinnt sie das Vertrauen mancher Zeugen und hat eine gute, manchmal auch kritische Auffassungsgabe. Ich denke, Friederike wird es gelingen, auch gegen den Willen ihrer strengen Vorgesetzten ihren Weg machen.

Die historischen Begebenheiten sind behutsam in die Kriminal-Geschichte eingeflochten, die durchaus als politisch angesehen werden darf.

Fazit:

Ein fesselnder Auftakt einer Krimi-Reihe. Ich spreche eine absolute Leseempfehlung aus und vergebe 5 Sterne.

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Ein ansprechender Serienauftakt

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Ein anspruchsvoller Krimi

Echo der Toten von Beate Sauer

„Glaube.Liebe.Tod“ ist das zweite gemeinsame Buch von Peter Gallert und Jörg Reiter.

Schauplatz ist Duisburg, die Hauptfiguren sind die Polizisten der Stadt.

Walter Keunert, ein Polizist gegen den die Interne ermittelt, will sich von der Rheinbrücke stürzen. Polizeiseelsorger Martin Bauer kann ihn in letzter Minute von seinem Vorhaben abhalten, indem er selbst, einen Tick früher, in den kalten Rhein springt und Keunert damit zwingt, ihn zu retten.

Bauer glaubt Keunert gerettet, doch der wird am nächsten Tag vor einem Parkhausdeck aufgefunden. Ist er doch gesprungen?

Martin Bauer glaubt nicht an einen Selbstmord und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Unterstütz wird er von Hauptkommissarin Verena Dohr, die es in der Männerdominierten Polizeiszene nicht leicht hat und deswegen auch gleich Zores mit dem Vorgesetzten hat.
Bauers Nachforschungen führen in die Rotlichtsszene und zu einem weiteren Selbstmord: Eine junge rumänische Prostituierte ist vom Balkon eines Hauses gestürzt. Die Parallelen zu Keunerts Tod sind deutlich.

Durch die Hartnäckigkeit des Pfarrers kommen einige Dinge ans Tageslicht, die weit in die Vergangenheit Keunerts zurückreichen.

Meine Meinung:

Die Idee hat mir recht gut gefallen, zeigt sie doch wie eng verzahnt Gegenwart und Vergangenheit sind. Mir ist relativ bald klar geworden, dass die Gründe für den vermeintlichen Selbstmord Keunerts in der Vergangenheit zu finden sind.

Der Krimi aus Sicht eines Geistlichen verspricht einen anderen Blickwinkel. Martin Bauer ist eine interessante Figur, die ihrem Beruf oder Berufung einen hohen Stellenwert einräumt und darüber seine Familie beinahe vergisst. Hier muss ich gleich eine kleine Kritik anbringen: Über seiner Obsession, Licht in den Fall zu bringen und Keunerts 15-jährigen Sohn Tilo, der mit der geladenen Waffe seines Vater in der Stadt herumläuft, zu finden, vernachlässigt er seine Frau und seine ebenfalls 15-jährige Tochter, die nach Deauville reist um sich den Protesten rund um den G8-Gipfel anschließt. Grundsätzlich finde ich den Nebenschauplatz „Familie Bauer“ ganz gut, doch Bauers Verhalten seiner Familie gegenüber ist doch ein wenig verantwortungslos, zumal er ja offiziell kein Ermittler im Fall Keunert ist. Zum Aufzeigen der Zwickmühle in der sich Bauer befindet, sind die Nebenschauplätze gut gelungen. Auch Bauers Zweifel an sich, an Gott usw. kommen recht gut zur Geltung. Einerseits holt er seine Kraft aus dem Glauben, passende Bibelverse finden sich im Buch, auf der anderen Seite eckt er überall an.

Mir gefällt der knappe Schreibstil des Autorenduos, der ohne lange Ausschweifungen auskommt. Durch die vielen Nebenschauplätze verliert der Krimi an manchen Stellen ein wenig die Spannung.

Fazit:

Der Krimi aus Sicht des Seelsorgers hat mir gut gefallen, daher gebe ich 5 Sterne und warte mit Ungeduld auf den nächsten Fall „Tiefer denn die Hölle“ (April 2018)

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Ein ansprechender Serienauftakt

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Ein tolles Sachbuch

Ein österreichisches Jahrhundert von Nowak Hubert

Wenn sich am 12. November 2018 zum hundertsten Mal die Ausrufung der Republik jährt, so können wir Österreicher auf eine bewegte Geschichte unseres Landes zurückblicken.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie auf knapp ein Siebentel seiner ursprünglichen Größe und Bevölkerung zusammengestutzt, glaubte niemand an das Überleben des kleinen, deutschsprachigen Rumpfstaates – am wenigsten die Angehörigen des Staates und deren Politiker.

Zwischen Abspaltungstendenzen und Anschlussgedanken vor allem
der westlichen Bundesländer (Vorarlberg an die Schweiz, Salzburg und Oberösterreich an Bayern) beweist die Regierung trotz aller Querelen Tatkraft und eisernen Überlebenswillen. Abgeschnitten von der Industrie und den Lebensmittelproduzenten ist der Weg ein langer und dorniger.

Der Anschluss an Deutschland gelingt dann im Jahr 1938, aber anders als sich das die Menschen 1918 gewünscht haben und endet in der Katastrophe.
Erst mit der Wiedergeburt der Zweiten Republik 1945 scheinen die Österreicherinnen und Österreicher endlich den Wert des Landes zu schätzen. Nicht, dass es nach wie vor das eine oder andere zu verbessern gäbe. Doch ist unser Land im Ausland weitaus angesehener als bei manchen Staatsbürgern.

Hubert Nowak nimmt die Leser mit auf einen Streifzug durch die Geschichte. Er zeigt Bekanntes und weniger Bekanntes, führt interessante Interviews z. B. mit Karl Habsburg, dem Enkel des letzten Kaisers, Franz Fiedler, dem ehemaligen Vorsitzenden des Österreich-Konventes oder Christoph Kardinal Schönborn.

In 18 Kapiteln werden maßgebliche Personen und Ereignisse geschildert, die am Werden von Österreich großen Anteil hatten. Mit vielen Zitaten und Auszügen aus Briefen und Dokumenten, die mit zahlreichen Fotos anschaulich unterstützt sind, bringt uns Hubert Nowak einiges aus Österreichs Geschichte seit 1918 näher, das bislang vielleicht nicht so bekannt ist.

Nach jedem Kapitel finden sich Anmerkungen, sodass ein direkter Zusammenhang und eine unmittelbare Möglichkeit zu weiteren Informationen zu kommen, besteht.

Mit dem einen oder anderen tradierten „G’schichterl“ wird ebenfalls aufgeräumt. Besonders interessant finde ich das Kapitel um die Verfassung. Im allgemeinen Sprachgebrauch gilt Hans Kelsen als Vater der Österreichischen Verfassung, doch ist diese nicht sein alleiniger Verdienst. Immerhin gilt sie bis heute.

Ein ausführliches Kapitel widmet sich dem „Föderalismus“, der immer wieder ins Gerede kommt. Hier zeigt sich deutlich, wie sich die „normative Kraft des Faktischen“ auswirkt. Die Macht, die einzelne Landesfürsten (und Fürstinnen) zu haben glauben, steht so, wie sie von den Landespolitikern verstanden wird, in keinem Gesetz geschrieben.

Ob der Föderalismus Segen oder Fluch ist, lässt sich auch hier nicht eindeutig beantworten. Allerdings wäre eine Harmonisierung einiger Landesgesetze durchaus nötig, wünschenswert und angebracht. Denn, warum sind in den neun Jugendschutzgesetzen die Jugendlichen unterschiedlich behandelt? Sind Halbwüchsige in Wien wenige oder mehr schützenswert?
Oder wozu braucht es neun Landesfeuerwehrgesetze? Ist Brandverhütung und Brandbekämpfung nicht in jedem Bundesland oberstes Ziel?

Nach ausführlichen Rückblicken und einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation darf auch der Ausblick in die Zukunft nicht fehlen.

Österreich ist weder eine „Insel der Seligen“ noch ein Sozialparadies, sondern ein Land, auf das seine Staatsbürger stolz sein dürfen.

Feiern wir daher die ersten 100 Jahre der Republik Österreich mit gebührendem Respekt und Anerkennung.

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Ein tolles Sachbuch

Rezensionen von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer:

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Rache?

Jud von Georg Thiel

Es tut mir leid, aber diese Geschichte glaube ich nicht.
Selbstverständlich ist es zu respektieren, wenn jemand so ein Trauma aus der Vergangenheit verarbeiten will oder muss, seien es eigene Erfahrungen, Geschichten aus der Familie oder Erzählungen von anderen.
Hier aber scheint mir, nimmt der Autor nur ein paar Versatzstücke zur Hand (weil Gedenkjahre sind?) und bastelt daraus eine Geschichte über Vergangenheitsbewältigung.

Und das geht verblüffend einfach: da ist Rupert, der alles zahlt, Erika, die von Brüssel aus alles organisiert und Paula, die in Wien alle Türen öffnet. Und den früheren Täter trifft dann als Rache auch gleich der Schlag - Geschichte erledigt, Trauma bewältigt, und darauf einen Schnaps!
Stellenweise recht ironisch-witzig, aber überzeugt hat mich dieser Versuch über eine Spurensuche in der Vergangenheit nicht.

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Rache?

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Ein toller Serienauftakt

Der Mann, der nicht mitspielt von Weigold Christof

In seinem Serien-Auftakt rund um den Privatdetektiv Hardy Engel begeben wir uns in die Anfänge der Traumfabrik Hollywood, ins Jahr 1921.

Reinhard „Hardy“ Engel ein ehemaliger Polizist, desillusioniert aus dem verarmten Mannheim des Nachkriegsdeutschlands nach Amerika ausgewandert, ist als Schauspieler und Komiker gescheitert.

Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, verdingt er sich als Privatermittler und erhält auch gleich den Auftrag, das Filmsternchen Virginia Rappe zu finden. Auftraggeberin ist die charismatische, rothaarige Pepper Murphy, ebenfalls Schauspielerin, bei der allerdings nicht ganz klar ist, wann sie eine Rolle spielt und wann nicht.
Im Handumdrehen findet sich Hardy jedoch in einem bizarren Kriminalfall wieder: Er findet die abgängige Virginia mitten in einer rauschenden Party des bekannten Komikers Roscoe „Fatty“ Arbuckle, doch wenig später ist sie tot. Hardy glaubt nicht an einen natürlichen Tod und setzt mit seinen Nachforschungen eine Spirale von Machtkämpfen, Rufmord, richtigem Mord und Gewalt in Bewegung, die auch ihn in den Abgrund stürzen lassen …

Meine Meinung:

Autor Christof Weigold ist mir bislang nicht bekannt gewesen, obwohl er sich als Drehbuchautor bereits einen Namen gemacht hat. Dass er schreiben kann, ist augenscheinlich. Durch seine präzisen Beschreibungen, den perfekt strukturierten Plot und den gut angelegten Charakteren habe ich mich in das Hollywood der 1920er Jahre zurückversetzt gefühlt. In eine Zeit, in der nicht nur die Herstellung, der Vertrieb und Verkauf von Alkohol verboten ist und damit das organisierte Verbrechen fördert, sondern auch in der jede Art von Rauschgift konsumiert wird.

Alles was man über die Traumfabrik, deren Träume hauptsächlich auf Drogenkonsum aller Art, zurückzuführen sind, schon immer geahnt hat, wird hier dargelegt.
Machtgier, Korruption bei Polizei und Staatsanwaltschaft, Seilschaften und Verwicklungen in die Unterwelt – alles spielt hier eine große Rolle. Mitten drin, Hardy Engel, der beinahe alles verliert. Hardy erinnert ein wenig an Raymond Chandlers „Philipp Marlowe“, dem ebenso melancholischen wie moralischen Privatdetektiv, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Diese Ermittler sind in den letzten Jahren nicht allzu häufig anzutreffen gewesen.

Der Schreibstil ist flüssig, spannend und es kommt keine Minute Langeweile auf. Weigold legt gekonnt Spuren, verwirft sie im Handumdrehen wieder, um Hardy Engel auf eine andere (falsche) Fährte zu locken.

Wir erleben die Geschichte aus Hardys Sicht, zwanzig Jahre nach den Ereignissen. Immer wieder flicht der Autor Anmerkungen ein wie „damals war die Straße noch nicht gepflastert“

Auch die hochwertige Aufmachung des Buches passt perfekt in die Zeit. Fast ausschließlich in schwarz gehalten, strahlen nur die Scheinwerfer in den Nachthimmel. Ein wenig Gold lässt uns an die „Goldenen Zwanziger Jahre“ erinnern, die gar so golden gar nicht waren.

Auch der Titel ist eine schöne Metapher: Man kann ihn als völlig neutralen Satz interpretieren. Ein Mann spielt eben in einem Spiel, Theaterstück oder Film nicht mit. Punkt.
Oder aber, ein Mann entzieht sich dieser intriganten Machtspiele.

Fazit:

Mit Hardy Engel hat Christof Weigold eine charismatische Figur geschaffen, die auf weitere Fälle hoffen lässt. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Ein toller Serienauftakt

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Eine eingehende Analyse

Orbáns Ungarn von Lendvai Paul

„Am Beispiel Viktor Orbáns zeigt sich, wohin es führen kann, wenn nationalistische Rechtspopulisten einmal an der Macht sind“

Der ORF Korrespondent, Paul Lendvai, ein angesehener Osteuropa-Experte, hat den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und seine Politik ins Visier genommen.

Mit einer Vielzahl durch Quellenangaben gestützter Fakten gelingt ihm eine kurzweilige Charakterisierung Orbáns.

Lendvai schildert den Werdegang des aus einfachsten Verhältnissen stammenden Orbán nicht ohne Respekt. Ist der junge Orbán doch gegen den Sozialismus auf die Barrikaden gestiegen.

Mit seinem gnadenlosen Streben nach Macht und Einfluss, einer militanten Kampfbereitschaft und strategischen Wendigkeit hat Orbán sich und seine Partei in die heutige Position bringen können. Er prangert die Korruption der ehemaligen sozialistischen Regierungen an und bedient sich gleichzeitig aus den Kassen des Staates. Er lässt Freunde an die Futtertröge der Macht und lässt sie, sobald sie nicht mehr nützlich erscheinen, einfach fallen bzw. lässt sie verfolgen. Er spielt mit den nationalistischen Gefühlen der Menschen wie es ihm gerade passt. Orbàn ist Nutznießer des Zerfalls und der Uneinigkeit der anderen Parteien, die seinen Aufstieg nur hilflos zusehen (können). Seine Hauptinteressen sind Vermehrung von Macht und Geld, sowie Fußball.

Aufkeimende Opposition erstickt er im Keim. Selbst die ihm bislang nützliche rechtsradikale Partei „Jobbik“ überholt er durch seine ausländerfeindliche Politik. Und hier ist noch gar nicht seine Flüchtlingspolitik gemeint, sondern „Strafsteuern und „Strafzölle“ für ausländische Unternehmen, die in Ungarn Geschäfte machen woll(t)en. Beginnend mit den Lebensmittelkonzernen wie REWE oder Spar und diversen Banken. Auf den Millionär George Sörös, der einige Universitäten sponsert hat er eine regelrechte Hexenjagd entfacht.

Was will Orbán damit bezwecken? Die Rückkehr zu einem totalitären Staat wie einst unter den Kommunisten?

Das Buch ist eine gut recherchierte Analyse der ungarischen Politik seit 1989. Das Buch ist Anfang Oktober 2016 erschienen. Einiges hat sich inzwischen weiter zugespitzt und Viktor Orbàns Populismus hat leider zahlreiche Nachahmer gefunden.

Paul Lendvais Schlusssatz: "Ich wünsche mir von Herzen, dass Österreich nicht in diese Situation kommt!", kann ich nur unterstreichen, denn Viktor Orbán zählt zu den erklärten Vorbildern von Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache. Leider hat uns die Wirklichkeit schon eingeholt.

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Eine eingehende Analyse

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Ein ansprechender Serienauftakt

Das Erbe des Bösen - oder: Die Farbe des Himmels von Britt Reissmann; Silvija Hinzmann

Der Textilfabrikant Wolf Hauser wird von seiner Putzfrau erschlagen aufgefunden. Tatwaffe ist ein gläserner Briefbeschwerer. Thea Engel und Michael Messmer sind die zuständigen Ermittler.
Recht bald wird klar, dass Wolf ein böser Wolf war und seine Frau nach Strich und Faden betrogen und Geld aus der Firmenkasse geklaut hat.

Wer hat, neben der betrogenen Ehefrau, die allerdings auch kein Kind von Traurigkeit ist, ein Motiv? Alles deutet auf einen Eifersuchtsmord hin, bis Wolfs Geliebte Antonia Linder in ihrem Haus erschossen aufgefunden wird.
Und wie passt der zwielichtige Dr. Daniel Lichtenberg in das Puzzle? Immerhin wurde er ja zur Tatzeit vor Wolf Hausers Haus gesehen? Er schuldet Hauser wegen seiner Spielsucht eine Menge Geld.

Je tiefer Thea in der Vergangenheit von Wolf, Daniel und Antonia gräbt, desto mehr Details kommen ans Tageslicht, die Thea persönlich betreffen.

Meine Meinung:

Bislang war mir ja nur Silvjia Hinzmann durch ihre Karst-Krimis ein Begriff. Doch Autorinnen—Duo hat seine Sache gut gemacht.

Ein klar strukturierter Plot, ein flüssiger Schreibstil, der durch einen Polizisten mit schwäbischer Zunge herrlich ausbalanciert ist, und gut angelegte Charaktere haben mir spannende Lesestunden beschert. Einziges Manko: Das Buch war einfach zu schnell gelesen. Ich hätte gerne noch ein paar Seiten gehabt.

Gut gelungen finde ich auch den Sidestep in die Vergangenheit, der für Theas Zukunft vermutlich noch einige Überraschungen bereithält.

Fazit:

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und gebe gerne 4 Sterne.

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Ein beschwingtes Buch

Das Erbe des Bösen - oder: Die Farbe des Himmels von Britt Reissmann; Silvija Hinzmann

Brigitte Teifl-Heimhilcher entführt ihre Leser nach Wien und in die Welt der Bücher.

Jutta, ehemalige Freundin des Bürgermeisters und nun geschasste Politikerin, nutzt ihre neu gewonnene Freiheit um ein humorvolles Buch zu schreiben, bei dem die Politiker nicht gar so gut wegkommen. In Ermangelung eines Verlages gibt sie das Buch im Self Publishing heraus, was dem Buchhändler, in dessen Haus ihre Freundin ein Energetik-Studio betreibt, nur ein verächtliches Lächeln abringt.

Als dann aber eine rege Nachfrage nach Juttas Buch herrscht, das er natürlich nicht vorrätig hat, muss er ein wenig umdenken.

Zwischen Günther und Jutta entspinnt sich trotz aller Gegensätze und anfänglicher Dissonanzen eine feine Romanze.

Meine Meinung:

Ich habe mich herrlich amüsiert und konnte mir sowohl Jutta als auch Günther in ihren Eigeneigen und Spleens gut vorstellen. Ich finde es total witzig, wie Jutta das beschauliche Dasein Günthers auf den Kopf stellt.

Fazit:

Ein beschwingtes Buch für zwischendurch, das mich köstlich amüsiert hat. Schade, dass es so kurz war. Gerne gebe ich 4 Sterne

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Hat noch Luft nach oben

Deichfürst von Heike van Hoorn

Als der alte Tadeus de Vries ermordet aufgefunden wird, weint dem Mann niemand eine Träne nach. Weder Kinder noch Ehefrau bedauern seinen gewaltsamen Tod, denn de Vries ist ein rücksichtsloser Machtmensch, der auch selbst über Leichen gegangen ist.
Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich schwierig, da der ermittelnde Kommissar Stephan Möllenkamp erst vor wenigen Monaten seiner Frau zuliebe nach Leer gezogen ist.

Die verschworene Dorfgemeinschaft zeigt sich wenig kooperativ.
Auf Grund von Gerüchten und Halbwahrheiten, die von der Lokalreporterin Gertrud Boeckhoff angeheizt werden, wird ein Mann mit einer beachtlichen Karriere als linker Demonstrant und Revoluzzer verhaftet. Doch ist er wirklich der Mörder des alten de Vries?

Meine Meinung:

Grundsätzlich hat mir der Krimi gut gefallen, denn er zeigt auf, wie schnell sich Gerüchte verselbständigen. Auch die Verschwiegenheit der Dorfbewohner, die zum Teil aus Angst vor de Vries bzw. durch Bestechung resultiert ist gut herausgearbeitet.
Die Episoden aus der Vergangenheit sind als solche durch die Kursivsetzung deutlich erkennbar.

Der Klappentext ist ein wenig irreführend. Die Lokalreporterin Gertrud ermittelt NICHT gemeinsam mit Stephan Möllenkamp. Sie fördert zwar einige interessante Dinge zutage, löst aber gleichzeitig die Hexenjagd auf Gottfried aus.
Auch habe ich nicht so den Eindruck, dass Stephan mit seiner Frau Maike so richtig glücklich ist. Sie kommt mir zuweilen sehr egoistisch vor, manipuliert ihren Mann und setzt letztlich ihren Willen durch (siehe Urlaub und Resthof).

Das Klima auf der Dienststelle ist verbesserungswürdig. Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist übellaunig und wenig teamfähig.
Zusätzlich sind natürlich die politischen Interventionen des Landrates kontraproduktiv.

Gut gefallen hat mir, dass platt gesnackt wird. Das macht den Krimi authentisch und die Reserviertheit der Bevölkerung Möllenkamp gegenüber deutlich. Nicht alles wird zu 100% aufgelöst.

Fazit:

Ein Auftakt zu einer neuen Krimi-Serie, der noch ein wenig Luft nach oben hat, daher nur 3 Sterne.

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Hat noch Luft nach oben

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Für alle Mehlspeistiger ein must have

Das große k. u. k. Mehlspeisenbuch von Josef Zauner

Josef Zauner beschenkt sich und seine Fans zum 185. Bestehen der gleichnamigen Konditorei mit diesem opulenten Bildband.
„Der Zauner“ ist wohl das Mekka aller Mehlspeistiger und Monarchie-Nostalgiker, haben doch Kaiser Franz Josef und seine Gemahlin Elisabeth regelmäßig ihren Sommer hier in Bad Ischl verbracht.

Josef Zauner selbst ist 1948 in Tamsweg (Salzburg) als Josef Ferner geboren. Seine Konditorlehre absolvierte er beim Zauner. 1987 wurde er von der Firmenchefin Hildegard Zauner adoptiert und führt die Institution in der bewährten Tradition, mit behutsamen Änderungen bis heute fort.

Zum Buch:

Schön übersichtlich ist es in acht Kapitel unterteilt:

• Kuchen, Strudel und Gebäck
• Schnitten und Rouladen
• Torten
• Parfait und Gekühltes
• Kleine Desserts
• Warme Süßspeisen
• Weihnachten
• Grundrezepte

Jedes Rezept enthält eine genaue Zutatenliste sowie eine, auch für den normalen Haushalt, praktikable Anleitung. Natürlich sind einige Rezepte leichter oder schwieriger auszuführen. Die „Maroni-Torte“ wäre mein Favorit, doch sei sie aufwändig herzustellen.

Die wunderbaren Fotos lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wie ein Gemälde sieht das ganzseitige Bild der „Ribiselschaumschnitte“ (S. 62) aus.
Ergänzt wird das Buch durch einen Abriss der Firmengeschichte und dazu passenden Fotos.

Es ist fast schade, das Buch in die Küche mitzunehmen und es mit Fettflecken u.ä. zu verunzieren.

Fazit:

Ein wunderschönes Buch, das mit einer kleinen essbaren Beigabe wie einer Schote echter Bourbon-Vanille oder einer hochwertigen Schokolade als Geschenk bestimmt seine Liebhaber findet.

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