Kunden em pfehlungen
Rezensionen von LEXI:
Das Herz braucht eine Hand
Die Nacht der Vergessenen von Iris Muhl
„Es gibt überall eigenartige Menschen, achtsame, aber auch achtlose, die blind durch die Welt gehen.“
Der Heilige Abend ist angebrochen. Die junge Protagonistin verlässt an diesem ganz besonderen Abend das Haus, um die Prostituierten auf der Straße zu besuchen. Bei ihren Bemühungen, Frauen zu retten, wird Nicole mit vielen traurigen Schicksalen, den Machenschaften der Zuhälter, Gewalt, Drogen und Hoffnungslosigkeit konfrontiert.
Doch an manchen Tagen ist sie müde, innere Zweifel nagen an ihr. Mit ihrer Kollegin Heidi an der Seite versucht sie, den Menschen vorurteilsfrei und auf Augenhöhe zu begegnen.
Der Leser darf Nicole an diesem Heiligen Abend begleiten und lernt den freiheitsliebenden Patrick kennen, der mit seinem Hund Bobbi auf der Straße lebt und die Ignoranz der „zur Seite blickenden Menschen“ erwähnt. Man erfährt die Geschichte von Mia, die ihre Schulden für ihren Zuhälter abarbeitet und sich beinahe jede Nacht in den Schlaf weint, liest von Elena aus Mazedonien oder von Virva, die große Wünsche, aber kaum eine Perspektive hat. Anhand einzelner Schicksale thematisiert die Autorin die Sehnsüchte und das Heimweh der Prostituierten und ihren verzweifelten Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Iris Muhl betrachtet diese kleine Welt in der roten Meile aus verschiedenen Perspektiven. Sie beschreibt das Leben, die Gefühls- und Gedankenwelt der handelnden Figuren, erlaubt dem Leser einen kleinen Einblick in die Welt eines Freiers, eines gewaltbereiten Zuhälters, einer Bordell-Hausmutter, und den beiden enthusiastischen jungen Frauen der Heilsarmee, die unermüdlich unterwegs sind, um den Menschen ihre Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und das Evangelium zu verkünden.
Iris Muhl konzentriert sich in ihrer Erzählung auf eine einzige Nacht, eine Nacht, in der es um Menschen geht, die aus verschiedensten Gründen ihr Leben am Rande der Gesellschaft führen. Menschen, die ignoriert, gemieden, verleugnet, und zum Teil sogar verachtet werden. In diesem berührenden Buch darf man die junge Angehörige der Heilsarmee namens Nicole begleiten, die bereits drei Jahre lang die Frauen in der roten Meile besucht. Mit außerordentlichem Feingefühl, exzellent gezeichneten Charakteren und behutsamen Worten schreibt sich Iris Muhl ins Herz ihrer Leser, berührt sie ganz tief auf emotionaler Ebene. Es ist der Autorin eindrucksvoll gelungen, ihre Leser an das harte Los von Menschen heranzuführen, die aus verschiedensten Gründen am Rande der Gesellschaft leben. Sie regt zum Nachdenken an, animiert dazu, das eigene begrenzte Sichtfeld zu erweitern, den Fokus auf vom Leben benachteiligte, emotional verletzte und von der Gesellschaft ausgeschlossene Personen zu richten. Eindringlich beschreibt sie aber auch die Zweifel der jungen Heilsarmee-Offizierin und lässt den Leser an deren Gedankenwelt teilhaben.
„Hier eine verschlossene Tür, da ein verriegeltes Schloss; hier eine Unnahbarkeit und als Entgegnung eine Distanz; da manche Unachtsamkeit, und die Folge davon ein Leid, das langsam heranwächst. Für einen Moment scheint es, als würden sich die Dinge endlos wiederholen, ein unhörbarer Reigen an unauffälligen Missgeschicken.“
Das Buch hat einen eindrucksvollen Schreibstil, der mir ausgezeichnet gefallen hat und dem Leser Figuren und Situationen beinahe bildhaft vor seinen Augen erscheinen lässt. Iris Muhl hat sich bereits durch ihre anderen Werke in mein Herz geschrieben und meinen Erwartungen auch mit dieser aktuellen Neuerscheinung voll und ganz entsprochen. „Die Nacht der Vergessenen“ ist ein sehr aussagekräftiges Buch, das mich tief berührt und sehr nachdenklich zurückgelassen hat.
Abschließend möchte ich noch auf das eindrucksvolle Coverfoto eingehen, das eine geheimnisvoll wirkende Frau inmitten einer verschneiten Straße zeigt, deren hell erleuchtete Fenster eines Hauses den Eindruck von Hoffnung und Wärme vermitteln. Das Buch punktet aus meiner Sicht zudem mit einer edel wirkenden und hochwertigen Aufmachung sowie einer angenehmen Schriftgröße mit großzügigem Zeilenabstand.
Rezensionen von rewareni:
Der Ginstermann
Aus finsterem Himmel von Ralf Kramp
Diesen Tag werden Herbie Feldmann und sein unsichtbarer Begleiter Julius nicht so schnell vergessen. Wegen der vielen Baustellen und Umleitungen versucht Herbie einen Schleichweg zu nehmen und prompt passiert das Unglück. Ein Bison läuft vor sein Auto und ist tot. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht findet sich Herbie auf einer Art Ranch wieder, wo ihm der selbsternannte Marshal sofort erklärt, was er nun von ihm erwartet.
Er darf auf seinem Hof arbeiten um den finanziellen Schaden wieder gut zu machen. Da dieses Angebot keineswegs freundlich klingt, muss er sich wohl damit abfinden. Es dauert nicht lange und er lernt einige seltsame Personen kennen. So arbeiten der einfach gestrickte Hibbel mit seiner 92 jährigen Mutter auf dem Hof und zwei seltsame Schwestern, die gerne Schauermärchen vom ,,Ginstermann´´ erzählen kreuzen ebenfalls immer wieder seinen Weg. Als ein junger Mann verschwindet und man nur blutige Abdrücke findet, beginnt Herbie nach zuforschen und er kommt einem Verbrechen auf die Spur, das schon lange zurück liegt.
,,Aus finsterem Himmel´´ ist ein weiterer Roman aus der Herbie Feldmann Reihe von Ralf Kramp. Auch wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt, kann man der Geschichte problemlos folgen. Amüsant in der Geschichte ist vor allem der unsichtbare Begleiter Julius, den nur Herbie sehen kann und der es nicht lassen kann seine humorvollen und manchmal auch etwas boshaften Kommentare abzugeben. Dabei entstehen oft witzige Szenen, wenn sich Julius ständig mit gut gemeinten Ratschlägen einmischt. Die Geschichte an sich geht schnell zu lesen. Es kommen kauzige Personen vor, die alle ein wenig seltsam anmuten. Man bekommt eine leichte Unterhaltung, wo manche Fragen, speziell zum Schluss offen bleiben, aber im Großen und Ganzen ist es eine leichte Lektüre wo der Humor im Vordergrund steht. Ein Krimi aus der Eifel von Ralf Kramp, wo man sich gut unterhalten kann, wenn man sich auf eine skurrile Geschichte einlassen will.
Rezensionen von Gaby 2707:
True-Crime-Geschichten aus dem härtesten Gefängnis in Deutschland
Gangsterblues von Joe Bausch
Der Autor dieses Buches, Joe Bausch, ist mir aus verschiedenen Tatort-Folgen ein Begriff. Daher hat das Buch direkt mein Interesse geweckt.
Es geht in diesem Buch nicht um die schicksale oder Biografien einzelner Gefangener, sondern um den Alltag in deutschen Gefängnissen, um den Zustand des Strafvollzuges.
Der Autor hat die behandelten Fälle so dargestellt, wie sie hätten passiert sein können.
In zwölf völlig unterschiedlichen Geschichten treffe ich auf Mörder, Vergewaltiger, Dealer, Betrüger, auf durchgeknallte Typen, aber auch auf einen Mann, der unschuldig im Gefängnis sitzt; ein sogenannter Justizirrtum, der sich aber wohl nie aufklären wird.
Die Geschichten lassen mich traurig, entsetzt, sprachlos oder mit Gänsehaut zurück. Ich bin schockiert, wie ungerecht es doch hier und da zugeht.
Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen und daher kann ich selbst entscheiden, wann ich welche Story noch einmal lese. Denn die ein oder andere Sache werde ich mir ganz bestimmt noch mal anschauen.
Bei den Beschreibungen erkennt man beim Lesen die Erfahrung, die Joe Bausch in seinem Beruf als Medizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl gesammelt hat. Er beschönigt nichts. Ich werde auch mit dem Schrecklichsten und Unglaublichsten konfrontiert. Was mir sehr gut gefällt, der Autor wertet nicht. Er überlässt es dem Leser in den einzelnen Geschichten das Gute oder das Böse zu sehen oder zu erkennen.
Ich hatte ein paar spannende, sehr interessante Lesestunden mit Menschen, denen ich in meinem wahren Leben, bis auf ein oder zwei, nicht begegnen möchte. Tolle Unterhaltung auf True Crime Basis.
Rezensionen von DieLeserin:
Träge, sperrige, spannungslose, sich wiederholende Handlung im atmosphärenlosen 20er-Jahre Setting
Chicago von Mamet David
Mike Hodge, ehemaliger Kampfpilot im Ersten Weltkrieg, arbeitet inzwischen bei der Chicago Tribune. Chicago in den 20er-Jahren wird von den Mafiaclans Al Capone und Dion O'Banions regiert. Es ist zudem die Zeit des Rassismus und der Prohibition.
Verbotenerweise ist Mike in Annie verliebt, eine Irin.
Die wird dann kurzerhand abgemurkst und Mike versinkt in Kummer und Trauer und der Suche nach dem Täter.
Seine Nachforschungen führen ihn zu den Mafiaclans und reichen bis zur IRA.
Nur ist die ganze Story leider sehr sperrig, sehr langatmig, sich ständig wiederholend und total spannungsfrei erzählt.
Das fängt schon mit den zwei ständig philosophierenden Reportern Mike und Parlow an. Die Gespräche drehen sich im Kreis, die Fragen, die Antworten, alles ein Kreis, der ständig wiederholt und nie endet. Das ist alles andere als interessant zu lesen. Das ist pure Langweile, zumal auch die Sprache ziemlich sperrig daherkommt. Noch dazu führt diese sperrige Sprache zu keinem Gefühl eines 20er-Jahre Settings. Es kommt einfach keine 20er-Jahre-Atmosphäre auf, in die man als Leser eintauchen könnte.
Die einzige interessante Figur, eine Puffmutter namens Peekaboo, kann den Roman auch nicht retten, auch wenn sie wenigstens ein bisschen ein Gefühl für die 20er-Jahre aus Sicht einer Farbigen einbringen kann.
Für mich ist die Buchbeschreibung um Weiten besser als die Story selbst. Sehr schade.
Rezensionen von BarbaraM:
Eine schöne und witzige Freundschaftsgeschichte
Zarah & Zottel - Ein Pony auf vier Pfoten von Jan Birck
Zarah und ihre Mama sind gerade in die neue Stadt gezogen. Mama ist beschäftigt und Zarah auf der Suche nach einem Freund. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn man die Neue ist. Zunächst stößt Zarah auf Ablehnung und kehrt enttäuscht in ihr Zimmer zurück. Aber Aufgeben ist nicht. Zarah macht sich auf den Weg und schon bald kehrt sie mit einem Pony auf vier Pfoten zurück und dank diesem ganz besonderen Pony und Zarahs Beobachtungsgabe ist Zarah bald von Freunden umgeben.
Mit seinem Buch „Ein Pony auf vier Pfoten“ ist Jan Birck eine witzige und lesenswerte Freundschaftsgeschichte aus der Reihe „Zarah und Zottel“ gelungen, die im Sauerländer Verlag erschienen ist und in der gebundenen Ausgabe 64 Seiten umfasst (mittlerweile gibt es bereits drei Bände).
Dem Autor gelingt es in seiner witzigen und doch einfühlsamen Art auch die negative Seiten zum Thema „Freundschaft“ wie Ausgrenzung und Einsamkeit aufzuzeigen. Er ermuntert kindgerecht dazu, selbst tätig zu werden, um neue Freunde zu finden und nicht verschüchtert und scheu in der Ecke sitzen zu bleiben und abzuwarten, ob jemand auf einen zukommt.
Die Geschichte ist in einer kindgerechten, witzigen und alltäglichen Sprache geschrieben. Ein Element, das eine direkte Nähe zum Leser erzeugt.
Passend zur Geschichte sind großflächige, schöne und witzige Zeichnungen zu finden, welche die Geschichte wunderbar unterstreichen.
Fazit: Wir sprechen eine absolute Kaufempfehlung aus, für Jungen und Mädchen ab 6 Jahren, die eine lustige Freundschaftsgeschichte kennen lernen wollen. Es eignet sich auch prima zum Verschenken.
Meine beiden Kinder haben dieses Buch sehr gerne gelesen und mir als Mama hat es ebenfalls richtig gut gefallen. Es hat einfach einen tollen Charme!
Rezensionen von Gaby 2707:
Hat mich leider nicht erreicht
Liebe ist so scheißkompliziert von Sabine Schoder
Nele Klinger ist 17 und mit 180cm eine sehr große junge Frau. Mit ihrer Größe fällt es ihr sehr schwer Freunde zu finden. Der Einzige, der immer zu ihr hält ist Nachbarssohn Tom Falk. Da ist aber auch noch der Basketballstar der Schule Jerome Tessner, den alle Mädchen, ob klein oder groß, jung oder schon älter, anhimmeln.
So auch Neles jüngere Schwester Lea. Zusammen mit Tom besucht Nele eine Party, bei der sie Jerome näher kommt, die aber dann etwas aus dem Ruder läuft. Am nächsten Tag kursiert ein Video mit ihr als Hauptdarstellerin in der Schule – halbnackt. Hat Jerome dieses Video gedreht? Oder ist alles ganz anders als es sich im Moment darstellt?
Sabine Schoder nimmt sich mit ihrem Buch, das für mich das erste aus ihrer Feder ist, einiger Themen an, die hier die Jugendlichen betreffen. Es geht um Mobbing, den damit verbundenen Freitod, das Erwachsenwerden, die erste Liebe, die erste enttäuschte Liebe, um Rauchen, Drogen und Alkohol und die Jagd nach "Likes". Alles in Verbindung gebracht zu Nele Klinger, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt und Jerome Tessner.
Ich finde die einzelnen Personen sehr detailliert, mit Ecken und Kanten ausgestattet, sehr gut vorstellbar beschrieben. Ich habe Neles Gefühle zum Teil nachvollziehen können. Manchmal habe ich das Mädel allerdings nicht verstanden. Sie ist sehr ruhig und ihrem Alter, wie ich finde, schon ein paar Jahre voraus. Sie ist nicht unsympathisch, aber mein Herz hat sie nicht erreichen können. Genau so wie Jerome, der leicht zornig wird und das seine Umwelt auch spüren lässt. Zwei sehr unterschiedliche Protagonisten, die sich aber gegenseitig sehr gut tun.
Die Autorin hat trotz aller Probleme, die hier angesprochen werden, eine humorige, herzerfrischende, leichte und flüssige Art zu schreiben. Und obwohl ich immer wieder wissen wollte, wie es weiter geht, hat mich das Buch in einigen Belangen etwas enttäuscht zurück gelassen. Was aber auch an meinem Alter liegen kann. Mir war gerade das Verhalten von Nele, ihren Eltern und vor allem auch der Schule manchmal etwas fremd.
Eine nette, teils gefühlvolle (Liebes-)Geschichte mit interessanten und spannenden Themen, bei dem mir aber Tiefe und vor allem Konsequenzen gefehlt haben. Da das Buch für Jugendiche ab 14 Jahren freigegeben ist, hätte ich mir gerade beim Thema Drogenkonsum, das hier schon fast verharmlost wird, gewünscht, dass auch da näher und mehr drauf eingegangen wird.
Von mir bekommt das Buch 3,5 von 5 Sternen
Rezensionen von Bibliomarie:
Bee Merryweather ermittelt
Todesklang und Chorgesang von Karin Kehrer
South Pendrick ist ein hübsches Dörfchen in Cornwall. Eine wahre Idylle für Bee Merryweather die hier als Witwe lebt. Als pensionierte Handarbeitslehrerin pflegt sie nun ihr wollenes Hobby und häkelt und außerdem liebt sie den Chorgesang. Allerdings leidet der Hobbychor sehr unter dem ungemein ambitionierten Musiker Peter Batholomew, der seine Sänger zum Äußersten treibt.
Harsch und verletzend in seiner Kritik, hat er sich keine Freunde gemacht. Ausgerechnet Bee findet Peter tot in seinem Haus, als sie zu einer Übungsstunde kommt.
Es war kein natürlicher Tod, wie die Polizei feststellt. Motive und Feinde gibt es zuhauf. Peter hat sich an jeder Station seines Lebens unbeliebt gemacht und Bees Neugierde ist geweckt. Trotz der Warnungen von David, dem jungen Dorfpolizisten, versucht Bee Licht in das Dunkel zu bringen.
„Todesklang und Chorgesang“ ist wirklich ein gelungener Cosy Krimi. Eine liebenswerte, leicht schrullige Ermittlerin und ein Dorf voller interessanter Bewohner. Der Pfarrer, ein Mann mit langweiligen Predigten und einem aufregendem Hobby und seine Frau, die jeden Satz mit einem alttestamentarischen Zitat garniert, die verarmte Landadlige, die von Peter sitzengelassen wurde, der Dorfschullehrer, der sich von allen zurückgesetzt fühlt – die Figuren sind allesamt sehr eindrücklich und farbig geschildert. Es hat mir richtig Spaß gemacht, mich mit der Dorfgemeinschaft einzulassen und an der Seite von Bee Merryweather zu rätseln.
Der Hintergrund ist eine südenglische Landschaft wie aus dem Bilderbuch und ein Dorf, in dem Zeit stehengeblieben scheint. Genau das richtige Ambiente für diesen typisch englischen Landhauskrimi.
Es hat mir richtig Spaß gemacht, leiser Humor und Spannung halten gut die Waage und wer gerne gemütliche und unblutige Krimis liest, ist hier genau richtig.
Rezensionen von rewareni:
Ein neues Leben beginnt
Wunschleben von Vera Nentwich
Wenn Anja in den Spiegel blickt kann sie es immer noch nicht glauben, sie ist eine richtige Frau. Als Transgender - Frau steckte sie jahrelang im falschen Körper, doch seit 4 Jahren, nach ihrer Operation, kann sie das Leben leben, das sie schon immer wollte. Doch es ist nicht so leicht für Anja und so lebt sie zurück gezogen in ihrem Schneckenhaus.
Dank ihrer lebensfrohen Nachbarin Bettina, die weiß, wie man das Leben genießt, lernt sie eine Welt kennen, von der sie bisher nur träumen konnte. Ausgiebige Shoppingtouren, ein Treffen mit einer richtigen Freundin zum Kaffeklatsch, all diese Dinge waren für Anja bisher fremd und dass sich sogar ein Mann nur für sie interessieren kann, erscheint ihr fast schon wie ein Wunder. Mit jedem kleinen Erfolg der sich bei Anja einstellt, wird sie mutiger und selbstsicherer und wenn sie anderen von ihrer Geschlechtsangleichung oder Genitalkorrektur berichtet, weiß sie, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Und selbst die Schatten der Vergangenheit beginnen sich langsam, aber sicher aufzulösen und sie kann in eine neue und hoffentlich schöne Zukunft blicken.
Die Autorin Vera Nentwich, die ihren ,,männlichen Migrationshintergrund´´ den sie auf humorvolle und einfühlsame Weise bei ihren Lesungen und den Büchern thematisiert, hat mit dem Roman ,,Wunschleben´´ eine Geschichte geschrieben, die den Leser für ein sensibles Thema zum Nachdenken anregen soll.
Mit ihrer gewohnten lockeren und humorvollen Schreibart schafft sie es immer wieder auch ernste und nicht alltägliche Themen so anzusprechen, dass sich der Leser zwar gut unterhalten fühlt, aber auch darüber nachdenkt.
Ihre Protagonistin Anja ist ein zutiefst unsicherer Mensch, der zwar weiß, das richtigen getan zu haben mit der Operation, der aber aufgrund der Ablehnung und der Unverständnis auch von seitens der Familie immer das Gefühl hat, nicht richtig zu sein.
Hier hat Vera Nentwich schöne und auch berührende Gedanken einfließen lassen:
Seite 113 ,,Den Traum,in dem sie eine attraktive und begehrte Frau ist, die einen Partner hat und geliebt wird? Die vor allen Dingen geliebt wird. Es ist, als ob ein Geist aus der Flasche gelassen wurde. Der Geist der Hoffnung, der Sehnsucht. Er ist nicht wieder zurück in die Flasche zu bringen. Er ist da.´´
Mir wäre es fast lieber gewesen, wenn die Geschichte aus Anjas Sicht geschrieben worden wäre und sie in der Ich- Erzählperspektive berichtet hätte. So war für mich der ,,außenstehende Erzähler´´ zwar an ihren Gedanken und Gefühlen beteiligt , aber es gab dadurch doch eine unsichtbare Wand.
Wunderschön hat die Autorin die verschiedenen Sorgen und Ängste von Anja wieder gegeben und hat dabei aufgezeigt, wie schwer für ihre Protagonistin ganz einfache Dinge und Handlungen, die Frauen tagtäglich machen, sein können. Es ist ein Buch das Betroffenen Mut machen soll, das zum Nachdenken anregen soll und da es ein offenes Ende gibt kann somit jeder selbst entscheiden ob, oder wie weit der Weg von Anja in Richtung selbstbestimmende Freiheit noch gehen kann.
Rezensionen von Harakiri:
Aktuelles Thema
Das Ende des Spiels von Leena Lehtolainen
Maria Kallo, die finnische Kommissarin, hat es mit einem ungewöhnlichen Fall zu tun: eine soeben aus der Haft entlassene Kinderschänderin wird ermordet. Gefunden von einem ihrer Opfer. Ob der Junge – inzwischen ein junger Mann – mit dem Tod von Tuula zu tun hat? Oder eines der Elternteile? Als eine zweite Leiche aus dem Umfeld auftaucht, wird es brenzlig.
Denn Maria und ihr Team kommen kaum weiter.
Ich mag nordische Krimis sehr gerne. Aber bei den Finnischen ist das schon immer eine Herausforderung mit den Namen. So habe ich mich auch hier recht schwer eingelesen. Aber bald hat mich der Fall gepackt und ich mochte das Buch nicht mehr weglegen. Mit dem Thema Kindesmisshandlung greift Lehtolainen ein heißes Eisen an, sie setzt die Thematik aber sehr gut um, ohne zu sehr ins Detail zu gehen, aber dennoch so, dass der Leser einen sehr guten Eindruck vom Grauen der Kinder bekommt.
Die Autorin schafft es, den Leser zu fesseln und durch unerwartete Wendungen zu überraschen. Auch das Ende ist noch einmal überraschend und spannend und so gar nicht wie in anderen Krimis üblich.
Das Buch ist Teil einer Serie, man kann es aber sehr gut unabhängig lesen, denn es kommen so gut wie kaum Rückblenden zu vorherigen Geschehnissen und auch kaum Privatleben der Ermittlerin. So kann das Buch wie ein eigenständiger Krimi gelesen und genossen werden.
Rezensionen von Harakiri:
gerne mehr davon
Echo Killer von Christi Daugherty
Als Harpers Mutter erstochen wird, ist Harper gerade mal 12 Jahre alt. 15 Jahre später ist sie immer noch nicht über den gewaltvollen Tod hinweg als ein ganz ähnlicher Mord geschieht. Sie beginnt zu recherchieren und stellt fest, dass die Polizei keine Zusammenhänge zu sehen glaubt. Bald gerät sie durch ihre Recherchen in große Gefahr…
Echo Killer ist der Start einer neuen Serie um Journalistin Harper McClain.
Mir fiel der Einstieg sehr einfach, Daugherty schreibt sehr anschaulich und weckt Interesse. Die ersten 50 Seiten hätte es für mich nicht gebraucht, wenngleich dort Harpers Wesen gut erkennbar wird.
Harper ist neugierig. Und wagemutig. Für eine gute Story tut sie alles. Schön fand ich die Szenen mit Luke Walker, die zum Glück aber auch nicht überhandgenommen haben.
Harpers Suche nach dem Killer hat für mich ein wenig etwas Manisches. Manche Szenen konnte ich nicht so gut nachvollziehen, andere wiederum fand ich authentisch. Die Auflösung kam für mich überraschend, mir waren andere (vorher) Verdächtige irgendwie logischer erschienen. Aber so hat mir das Ende doch auch sehr gut gefallen.
Fazit: ein gelungener Auftaktband. Das nächste Buch steht schon auf meiner Wunschliste.











