Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Tutti Fratelli - eine Vision?
Dieser historische Roman entführt uns in die Zeit von 1859. Es tobt der Krieg zwischen dem Haus Österreich und Piemont-Sardinien (unterstützt durch Frankreich) um die Herrschaft in Oberitalien. Höhepunkt dieses Krieges, den die Donaumonarchie verliert hat und den Weg frei für die Einigung des Königreichs Italien macht, ist die Schlacht von Solferino.
Wir lernen die Cousins Milo und Giò kennen. Sie leisten ihren mehrjährigen Wehrdienst in der habsburgischen Armee ab. Milo fällt und Giò überlebt nur knapp. Nicht zuletzt durch das Engagement eines österreichischen Truppenarztes, der als Kriegsgefangener alle Verwundeten behandelt, ohne Rücksicht auf die Armeezugehörigkeit. Mit Dr. Nonnschläger wird ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden. Noch zwei weitere Personen treten in Giòs Leben: Da ist zum einen Magdalena, die Tochter eines reichen venezianischen Kaufmanns, und zum anderen Henri Dunant, der betroffen durch die nicht vorhandene ärztliche Versorgung der Verwundeten, wenige Jahre später das Rote Kreuz gründen wird.
Meine Meinung:
Die Autorin erzählt in eindrucksvollen Worten das Grauen der Schlachten, das Leid der Verwundeten und lässt ihre Protagonisten Giò und Magdalena unterschiedlicher politischer Meinung sein. Giò, der Gastwirtssohn, ist zwar nicht hochgebildet, hat aber Zweifel an der Propaganda der Politik. Magdalena, ist belesen, intelligent und Fan von Giuseppe Garibaldis Visoin von „Tutti Fratelli“ (Sorelle – also Schwestern sind natürlich nicht gemeint). Diese unterschiedlichen Meinungen sind sehr gut herausgearbeitet. Auch die Lebensumstände der Menschen dieser Zeit lassen sich gut miterleben.
Sehr interessiert habe ich die Details zur Medizingeschichte gelesen. Die Behandlungsmethoden diverser Geschlechtskrankheiten stecken noch in den Kinderschuhen und oft treibt man den Teufel mit dem Beelzebub aus. (Quecksilbergaben gegen Syphilis).
Der Roman besticht durch unterschiedliche Perspektiven und genaue Recherche. Die Beschreibung der Landschaft und der Lebensweise der Menschen rund um den Gardasee ist gut gelungen.
Geschickt übernimmt die ehrgeizige Magdalena die Geschicke des Gasthofes ihrer Schwiegereltern. Manchmal dezent, manchmal energisch hilft sie ihrer neuen Familie zu Bekanntheit und Wohlstand.
Ich hätte mir ein bisschen mehr zur Geschichte der Gründung des Roten Kreuzes gewünscht. Doch Diana Menschig hat die Liebesgeschichte von Giò und Magdalena in den Fokus ihres Romans gerückt. Das kostet einen Stern.
Dieser historische Roman ist an keiner Stelle langweilig. Unterschiedliche Facetten und Weltanschauungen treten zu Tage.
Fazit:
Ein penibel recherchierter historischer Roman, der die Protagonisten über den Sinn von Kriegen und deren Folgen nachdenken lässt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Ein Muss für Island-Fans – und solche, die es werden wollen
Das Versprechen der Islandschwestern von Baldvinsson Karin
Karin Baldvinsson beleuchtet in ihrem wundervollen Roman ein Kapitel der Nachkriegszeit, das mir bisher gänzlich unbekannt gewesen war: nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten viele junge Frauen aus dem zerbombten Deutschland als Landarbeiterinnen nach Island aus. Sie sehnten sich nach einem Neubeginn, viele von ihnen hatten im Krieg alles verloren.
Das Leben dort war zwar voller Entbehrungen und geprägt von harter körperlicher Arbeit, aber sie wurden von der isländischen Bevölkerung mit offenen Armen empfangen. Von solch einer Übersiedlung zweier deutscher Schwestern handelt dieser Roman – nur eine von ihnen wird nach Ablauf ihres Arbeitsvertrages nach Deutschland zurückkehren...und es werden über sechzig Jahre vergehen, bis Margarete und Helga sich wiedersehen.
Man merkt sofort, dass die Autorin einen ganz besonderen persönlichen Bezug zum nordischen Inselstaat hat, dessen wilde Schönheit sie mit bildgewaltigen, atmosphärischen Beschreibungen gekonnt einzufangen wusste. Die atemberaubende Landschaft mit ihren Fjorden, Gletschern, Vulkanen und Wasserfällen bildet eine hervorragende Kulisse für die Entwicklung einer Handlung, in deren Fokus anfangs die Entzweiung der beiden jungen Schwestern steht und in der zweiten Zeitebene (im Jahr 2017) die Hintergründe des Familienzerwürfnisses erforscht werden, als Margarete mit ihrer Enkelin Pia und deren pubertierenden Tochter nach Island reist.
Die Charaktere sind sehr authentisch gestaltet; dies wird auch in den Dialogen spürbar. Oftmals fließt die isländische Sprache mit ein, vor allem in der ersten Zeitebene, die in den Jahren 1949 und 1950 spielt.
Beide Zeitebenen sind so spannend mit einander verknüpft, dass man einfach nicht aufhören möchte zu lesen. Der äußerst angenehme Schreibstil trug ebenfalls dazu bei, dass ich das Werk tatsächlich kaum aus der Hand legen konnte vor lauter Spannung, denn als wäre ein Familiengeheimnis nicht schon genug, wartet die Handlung auch mit einer zarten Liebesgeschichte auf. Der Auslöser des ursprünglichen Streits sowie die weitere Entwicklung sind zwar vorhersehbar, jedoch tut dies dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch.
Ein winziges Sternchen Abzug gibt es von mir lediglich aufgrund der Tatsache, dass ich mir für Margarete und Helga auch im gegenwärtigen Handlungsstrang etwas mehr Präsenz gewünscht hätte, da sie für mich die eigentlichen Hauptfiguren waren (und Buchtitel sowie Klappentext eher das Schicksal der beiden Schwestern hervorgehoben hatten). Zwar war mir auch Pia äußerst sympathisch, aber vor allem die liebenswerte Helga hatte ich so sehr ins Herz geschlossen, dass ich gerne mehr von ihr gelesen hätte.
Fazit: Die Geschichte lebt von den wunderschönen, eindrucksstarken Landschaftsbeschreibungen Islands und hat mir auch im Hinblick auf Figuren und deren Ausarbeitung ausgesprochen gut gefallen.
Rezensionen von Ele:
Italienische Zeitreise
Das Versprechen der Islandschwestern von Baldvinsson Karin
Marina , Marina, Roman von Grit Landau, 400 Seiten, erschienen bei Droemer Knaur.
Ein Familien-Roman der die Italiensucht der 50er und 60er Jahre wiederspiegelt.
Es ist Anfang der 60er Jahre in dem kleine Küstenort Sant’Amato an der italienischen Riviera. Marina, Marina von Roco Grandata klingt aus allen Radios und nicht nur in Italien.
Der 14jährige Nino ist in „Marina“ die Mutter seines Freundes verliebt. Doch ein anderer Mann kommt ihm in die Quere. Erst viele Sommer später erfährt er wer die Gunst der aufregenden Marina erringen konnte. Die Schicksale einiger ligurischer Familien und besonders der drei Freunde Matteo, Nino und Beppe werden hier geschildert.
Das Buch umfasst 13 Kapitel. Es Beginnt im Jahr 1960 die ersten Kapitel sind den 60er Jahren gewidmet. Am Anfang des jeweiligen Jahres wird, als Vorwort sozusagen, der damalige Titel, des Liedes aufgeführt, welches die italienischen Charts anführte, der Interpret, Verkaufszahlen und andere wissenswerte Einzelheiten des Hits. Zum Ende und zur weiteren Erläuterung gibt es ein Kapitel, welches die Geschehnisse in der Region während des 2. Weltkriegs zum Thema hat. Das letzte Kapitel ist dem Jahr 1980 gewidmet, der Kreis schließt sich und der Leser erfährt welche Träume und Wünsche der drei Jungs sich erfüllt haben. Die Kapitelzahlen sind in italienischen Zahlwörtern gedruckt – eine nette Idee. Für das Personenregister am Anfang war ich sehr dankbar immer wieder musste ich es aufschlagen. Das Glossar am Ende des Buches war sehr hilfreich um besondere Ausdrücke und Wörter zu verstehen. Am Ende wurde der Roman auch noch durch die Rezepte einiger regionaler Spezialitäten bereichert, die im Buch vorgekommen sind. Eigennamen, italienische Phrasen, Bibelzitate werden durch kursive Schrift hervorgehoben. In der inneren hinteren Umschlagseite befindet sich eine Karte, der ital. Riviera, die Bilder in der vorderen Umschlagseite zeigen Orte des Geschehens. Zu Beginn der Lektüre war ich vom Buch begeistert, die angeführten „Canzoni italiane“, die italienischen Phrasen und die Beschreibung des Settings lösten in mir das Italienische Wohlgefühl aus, welches ich so sehr mag. Leider sind mir die Personen bis zum Ende fremd geblieben, außer der Person Marina, blieben die übrigen Charaktere leider etwas blass. Ausgenommen das Kapitel 1944. Viele Gedanken der handelnden Personen und ihre Bewegründe, auch die Aktionen der Partisanen waren interessant. Gerne hätte ich auch gewusst wie Nunziata und Davide ein Paar wurden, dieser Teil am Ende des Kriegskapitels fehlte mir richtig. Das Kapitel über die deutsche Reni, die mitsamt einem Hotelbalkon auf die Straße geknallt ist, ist merkwürdig. Ihre Erlebnisse im Krankenhaus mit dem jungen Arzt Gianni waren für den Fortlauf des Buches unwichtig. Erst später habe ich entdeckt, dass es der Mutter der Autorin zu der Zeit in Sanremo tatsächlich passiert ist und sie es deshalb im Buch thematisiert hat. Die einzelnen Kapitel schneiden Familienerlebnisse an, die in keinem Fall für mich zu einem logischen Ganzen geführt hatten. Auch der Schluss des Buches hat mir nicht gefallen. Nur die Schicksale der drei Freunde ziehen sich wie ein roter Faden durchs Buch und kommen zu einem Abschluss.
Alles in allem war ich vom Buch nicht begeistert, mir gefiel die Beschreibung der italienischen Lebensart, besonders in den 60iger Jahren. Da stellte sich sofort ein Wohlgefühl ein die Handlung war zu Anfang auch wirklich interessant. Leider schaffte es Grit Landau nicht mich bis zum Ende zu begeistern. Das Geschriebene ergab für mich kein Ganzes. Am Ende war ich froh als die letzten Seiten gelesen waren. Schade. Von mir eine eingeschränkte Leseempfehlung, der Leser sollte hier einfach nicht zu viel Spannung bzw. Handlung erwarten. Von mir drei Sterne.
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Unterhaltung für die Liegestuhl-Saison
Das Versprechen der Islandschwestern von Baldvinsson Karin
Eigentlich lese ich Serien immer vom ersten Band an. Bei "Fado Fatal" mache ich eine Ausnahme, denn ich bin erst auf den dritten Band aufmerksam geworden. Portugal mag ich, Fado ebenso, da war ich neugierig.
Okay, wegen dem Fado muss man das Buch nicht lesen. Die einzige Fado-Sängerin, die vorkommt, singt ziemlich schief.
Und wenn ich jetzt böse wäre, würde ich sagen, Lisa Langer braucht es auch nicht unbedingt in diesem "Portugal-Krimi". Sie ist hier mehr die Reiseleitung durch die Geschichte und nicht die Ermittlerin, die den Fall auflöst.
Lisa reist nach Porto und kommt bei Ana unter. Ana führt ein kleines Restaurant und bietet eine Handvoll Gästezimmer an. Komischerweise gibt es an Lisas Ankunftstag kaum was zu essen. Wie Lisa später erfährt, ist jemand eingebrochen und hat verkleinerte Rasierklingen in Anas Lebensmittelvorräte versteckt. Dies ist nicht der einzige Sabbotageakt, aber auch im Restaurant von Anas Grosscousine Madalena wird Feuer gelegt. Will jemand ihre Restaurants aufkaufen oder steckt ein jahrzehntealter Patriarchenstreit dahinter?
Anas Freunde sind davon überzeugt, dass auch der Unfall ihrer Eltern kein Unfall war. Lisa lässt sich alles erklären und macht sich zusammen mit Ana auf Erkundungstour. Derweil werden sie beobachtet. Aber auch die Beobachter werden beobachtet.
Beide Seiten bespitzeln einander, das merken die Betroffenen erst gegen Ende des Buches. In jedem Kapitel bekommt man Puzzlesteine-Häppchen über die beiden Familienclans, die am Ende zur Auflösung führen.
Zwei Namens-Verschreiber, die den Lektoren durch die Lappen gingen, sorgten beim Stand von 2/3 des Buches zu Überlegungen meinerseits, ob vielleicht ganz was anderes dahinter steckt - doch ich gebe Entwarnung, es sind wirklich nur Namensverwechslungen, also nicht irritieren lassen.
"Fado fatal" kann gut ohne Kenntnisse der beiden Vorgänger gelesen werden. Irgendwann taucht Fred Hamann auf, der anscheinend schon in den vorigen Fällen mit Lisa zusammengearbeitet hat. Seine Rolle ist sehr klein, und bis auf eine Szene wäre die Geschichte auch ohne ihn ausgekommen.
Ich habe bisher bewusst das Wort "Krimi" vermieden, denn für mich ist es ein unterhaltender Roman mit kriminellen Elementen und kein klassischer Krimi, da die Ermittlerin nichts ermittelt, sondern nur durch die Story führt und Fakten sammelt.
Fazit: Kein typischer Krimi, aber leicht, unterhaltend und amüsant - eine easy Sommerlektüre für in den Liegestuhl.
3.5 Punkte.
Rezensionen von Gaby 2707:
Fall Nr. 7 für Wallner, Kreuthner & Co.
Schwarzwasser von Föhr Andreas
Fasching is und Leo Kreuthner hat in seinem Wilderer-Kostüm ein fesches Charleston-Madl aufgerissen. Nun, wohin kann er mit ihr verschwinden? Er hat kein Auto, keinen Führerschein, aber den Schlüssel zu einem Haus im Wald, von dem er glaubt, dass es in diesen Tagen unbewohnt ist. Kommissar Wallners Opa Manfred, heute als Sensenmann unterwegs, hat einen Führerschein und ist mit Wallners Auto unterwegs.
Fluggs machen sich die drei auf den Weg. Im Haus dann die Überraschung: Der Hausherr ist doch anwesend. Er liegt in seinem Bett und ist tot – erschossen. Eine junge sturzbetrunkene Frau mit der Pistole in der Hand taucht auch gleich auf. Naja, und so kommt Kommissar Wallner mit seiner Ermittlertruppe ganz schnell zu einem neuen, diesmal recht kniffligen Fall.
Seit ich vor ca. 10 Jahren „Der Prinzessinnenmörder“ gelesen habe, ist keines der Bücher von Andreas Föhr ungelesen an mir vorbei gegangen.
Ich liebe seinen Schreib- und Erzählstil, seinen Humor, der immer in kleinen Dosen einfließt ohne platt zu wirken. Wenn dann Kreuthner so seine Gedanken kreisen lässt - das ist Kopfkino vom Feinsten. Dazu seine tollen Sprüche. Und schon schleicht sich ein Grinsen in mein Gesicht. Eine Liste mit den wichtigeren Personen aus dem Krimi ist im Anhang aufgeführt. Genauso wie das Rezept der „Teufelsravioli „Leonardo“, das hier im Buch eine Rolle spielt.
Die bayerischen Sprachschätze, mit denen sich Leo Kreuthner meist ausdrückt und die Beschreibungen der Landschaft und der Menschen am wunderschönen Tegernsee in Miesbach runden den lokalen Anstrich ab.
Ich mag seine grundverschiedenen Figuren, die mit den Jahren immer mehr an Tiefe und Ausstrahlung gewonnen haben. Ganz besonders in Herz geschlossen habe ich seinen Opa Manfred. Ich liebe den alten Herrn, der das „mausern“ immer noch nicht lassen kann und der auch hier wieder eine tolle Rolle gespielt hat. Den kleinen bucklerten Sensenmann habe ich immer noch vor Augen.
Der Kriminalfall ist sehr klug konstruiert, besticht durch Undurchsichtigkeit und hat mich immer wieder auf falsche Fährten gesetzt. Und dann ist doch alles ganz anders. Wallners Ermittlungen gehen diesmal zurück bis in den Herbst 1996 in Berlin. Immer wieder bekomme ich zu den Ergebnissen aus Bayern auch Häppchen aus der Bundeshauptstadt serviert. Bis sich alles schlüssig auflöst und ich mit dem Ergebnis zufrieden zurückbleibe.
Auch dieser Fall lässt sich ohne Kenntnis der vorhergehenden Bücher lesen. Aber ich bin mir sicher: Wer Wallner, Kreuthner & Co. Bei ihrer Arbeit oder im Privaten kennengelernt hat, der will einfach mehr von ihnen lesen.
Ich war jedenfalls wieder begeistert von einem spannenden Kriminalfall mit einem Schuss Humor und Protagonisten, die man einfach lieben muss.
Rezensionen von Bibliomarie:
Ein klassischer, eher ruhiger Krimi
Nachts schweigt das Meer von Kate Penrose
DI Ben Kitto kehrt für eine Auszeit heim auf die Scilly Inseln. Auf Tresco ist er aufgewachsen, aber nur noch Onkel Ray, ein wortkarger Bootsbauer, lebt hier. Statt Ruhe und Abgeschiedenheit findet Ben die Insel in Aufruhr. Die junge Laura Trescothick ist verschwunden, sie kann die Insel nicht verlassen haben, denn ein Sturm brachte den Schiffsverkehr zum Erliegen.
Eine Suchmannschaft wird gebildet, natürlich beteiligt sich Ben und Laura wird am Fuß einer Klippe gefunden. Ein schrecklicher Unfall oder ein Mord?
Auch wenn er Erholungsurlaub hat, Ben lässt sich in die Ermittlungen einbinden. Vielleicht findet er so Abstand zu den Erlebnissen der letzten Monate, als er seine langjährige Partnerin in verdeckten Ermittlungen verloren hat und sich die Schuld daran gibt. Aber leicht wird es nicht, denn plötzlich muss Ben erkennen, dass sein Verdacht auch auf Leute fällt, die er sein ganzes Leben kennt und seine Loyalität zu den Einheimischen wird auf die Probe gestellt.
Der Krimi ist ganz klassisch aufgebaut. Wir haben einen Polizisten der mit seinen eigenen Dämonen kämpft und durch die Ermittlungen hart an seine Grenze kommt. Wir haben ein ziemlich überschaubares Terrain und eine übersichtliche Zahl von Verdächtigen. Trotzdem steigt die Spannung an, je weiter Ben hinter die Fassaden der Bewohner schauen kann. Vieles ist anders, als es scheint und Ben muss auch seine Erinnerungen korrigieren.
Wie auf allen kleinen Inseln sind die Bewohner der Scillys und besonders auf Tresco eine eingeschworene Gemeinschaft, eine gute Gelegenheit für die Autorin besondere Charaktere einzuführen und zu beschreiben. Rose Austell, die Kräuterhexe und ihr Sohn Sam, ein talentierter Fußballspieler, der nach kurzem Höhenflug gescheitert ist. Das Opfer, die lebenshungrige Laura, die nur raus aus der Enge der Insel will. Der Immobilienhai Jay Curnow, der alles auf der Insel aufkauft und auch vor Drohungen nicht zurückschreckt um Bewohner aus ihren Cottages zu vertreiben und sein Sohn, der trotz aller elterlichen Verbote sich mit Laura trifft, um nur einige zu nennen. Das gibt eine vielseitige Liste von Verdächtigen.
Die Spannung bezieht der Krimi eher aus der Figur des Ben Kitto und seinen Gesprächen mit den Einheimischen. Die Ermittlungen selbst sind eher kleinteilig und gemächlich. Hier wäre mir mehr Spannung lieb gewesen.Tatsächlich kristallisierte sich bei mir schon recht früh ein Verdacht heraus, der sich auch bestätigte.
Sehr schön ist die Atmosphäre der - zumindest in der beschriebenen Jahreszeit - sturmumtosten Insel, Kälte und Dauerregen machten selbst beim Lesen frösteln.
Ein klassischer, eher ruhiger Krimi, der von der Atmosphäre der Landschaft lebt, deshalb runde ich auch die 3,5 Sterne auf.
Rezensionen von Lilli33:
It Never Rains in Southern California
Dry von Neal Shusterman; Jarrod Shusterman
Inhalt:
In Neal Shustermans neuestem Jugendbuch, das er zusammen mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat, erwacht der alte Song von Albert Hammond zum Leben. Es ist ein heißer, trockener Sommer, als die umliegenden Staaten Kalifornien das Wasser abdrehen, weil sie es für die eigene Bevölkerung brauchen.
Die meisten trifft der Wassermangel völlig überraschend, man hat trotz aller Warnungen und Mahnungen einfach nicht wahrhaben wollen, dass es so weit kommen könnte. Schnell sind die Wasservorräte in den Läden ausverkauft. Für einen Schluck Wasser tun die Menschen bald Dinge, die sie sich nie hätten träumen lassen. Jeder ist sich selbst der Nächste …
Meine Meinung:
Wie gewohnt, konnte mich Neal Shusterman von der ersten Seite an fesseln. Die Zusammenarbeit mit seinem Sohn hat anscheinend auch wunderbar geklappt, denn man merkt dem Buch nicht an, dass hier zwei Autoren beteiligt waren. Es wirkt wie aus einem Guss.
Der Schreibstil ist sehr flott und jugendlich. Man wird geradezu durch die Seiten getrieben, weil die Geschichte so spannend ist. Mir erschien sie auch sehr realistisch. Ich fürchte, etwas Ähnliches könnte durchaus in nicht allzu ferner Zukunft passieren. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von verschiedenen Jugendlichen. Das hat mir gut gefallen, da man dadurch verschiedene Sichtweisen kennenlernt.
Eine große Rolle spielt die sechzehnjährige Alyssa, die sich um ihren zehnjährigen Bruder Garrett kümmern muss, als die Eltern plötzlich nicht mehr da sind. Ihnen zur Seite steht Kelton, dessen Familie als Einzige im ganzen Viertel Lebensmittel und Wasser gebunkert und ihr Haus mit Fallen gesichert hat. Während Keltons Vater stur an seine eigene Familie denkt und nicht bereit ist, auch nur einen Tropfen Wasser zu verschenken, zeigt Kelton etwas mehr Menschlichkeit, nicht zuletzt, weil er schon seit Jahren in Alyssa verliebt ist. Die drei machen sich schließlich auf zu einem Zufluchtsort in den Bergen. Es gesellen sich noch die Aussteigerin Jacqui und das Schlitzohr Henry dazu. Auch wenn die Charaktere zuweilen etwas stereotyp anmuten, fand ich diese Zusammensetzung der Gruppe doch sehr gelungen, da sie alle so unterschiedlich sind und auf die Herausforderung jeweils anders reagieren. Während die einen durchaus der Gewalt zugeneigt sind, um an Wasser zu kommen, teilen die anderen auch noch den letzten Tropfen mit Fremden. Allerdings ist dies nicht starr; die Protagonisten entwickeln sich weiter und ändern ihre Einstellung durchaus auch mal im Verlauf der Handlung.
Mein einziger Kritikpunkt aus der Sicht einer Erwachsenen ist das Ende, das mir zu weichgespült erscheint, als dass es realistisch sein könnte. Für ein Jugendbuch finde ich es aber durchaus angemessen. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.
Rezensionen von heinoko:
Lebendig erzählte Geschichte
Dry von Neal Shusterman; Jarrod Shusterman
Wie ich der Vita der Autorin entnehmen konnte, legt die österreichische Journalistin und Sachbuchautorin generell in ihrer Arbeit vorrangig den Schwerpunkt auf die Verbindung von Geschichtlichem mit Mysteriösem, nicht nur schreibend, sondern auch, indem sie sogenannte Gruseltouren organisiert. In dem vorliegenden Büchlein macht sie mit uns Lesern eine Gruseltour speziell durch Bayern und entführt uns an 20 verschiedene Orte, in denen Geheimnisvolles, Rätselhaftes oder Unaufgeklärtes aus der Vergangenheit überliefert ist und bis heute Auswirkungen auf empfindsame Gemüter zeigt.
Begonnen wird jede Tour mit einem historischen Exkurs, der die Vorgeschichte des jeweiligen Ortes sehr ausführlich beleuchtet und unaufgeklärte oder grausame Geschehnisse aus der Vergangenheit ans Licht holt, um abschließend von Menschen zu berichten, denen an diesen beschriebenen Orten Seltsames, Unerklärliches widerfahren ist.
Hervorstechend ist die Fähigkeit der Autorin, Geschichte so lebendig vor unseren Augen entstehen zu lassen, dass wir fast das Gefühl haben, dabei gewesen zu sein. Wir hören die grölende Menge vor dem Schafott, wir erträumen in einsamen Stunden mit König Ludwig neue prunkvolle Bauten, erschrecken im Gehölz bei Andechs betrunkene Heimkehrer, bleiben einbalsamiert mit Graf Friedrich Casimir 13 Jahre lang im Lehnstuhl auf Schloss Ortenburg sitzen – kurzum, wir reisen unter Führung der Autorin durch frühere Zeiten. Die Stärke des Buches liegt ganz eindeutig in den farbig-plastischen Schilderungen der gut recherchierten historischen Gegebenheiten. Hier lag für mich der eigentliche Gruselfaktor. Dass es sensible Menschen gibt, die an manchen Orten das Dunkle der Vergangenheit erspüren, will ich nicht bestreiten, aber diese Berichte haben mich weder berührt noch wirklich interessiert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Autorin ihre unbestreitbare Fähigkeit zum lebendigen Erzählen und zur sorgfältigen Recherche irgend wann einmal in einen historischen Roman einfließen lässt. Oder dass das Buch, das ja äußerlich sehr bescheiden gestaltet ist, aufgewertet wird durch künstlerisch hochwertige Fotografien, die die speziellen Stimmungen der jeweiligen Orte einfangen. Vielleicht wäre auch eine Landkarte, in der die beschriebenen Örtlichkeiten eingezeichnet sind, hilfreich. Da ist also noch Luft nach oben…
Rezensionen von LEXI:
Es gibt keine Zufälle – jedenfalls nicht aus polizeilicher Sicht!
Am Tatort bleibt man ungern liegen von Maurer Jörg
Im zwölften Alpenkrimi um Kriminalkommissar Hubertus Jennerwein wird ein gutgekleideter Mann mit einem auffälligen Panamahut auf dem Kopf leblos in einem Lokal aufgefunden. Der Tote hatte keine Papiere bei sich, die Plastiktüte, die er bei sich hatte, ist verschwunden. Die Kellnerin Karin Fronitzer vergreift sich am Eigentum des nicht identifizierten Toten, ein Fehler, der ihr leider viel zu spät bewusstwird.
Alina Emilia Rusche, ihres Zeichens Putzfrau – oder besser ausgedrückt „Lurchkatz“ – erlangte Kenntnis von Dingen, die eindeutig nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt sind. Kurz darauf ist auch sie tot.
Suivo „Swiff“ Muggenthalers Hang zum Schrauben und Tüfteln führt den linkischen und unsicheren Nerd mit seiner Vorliebe für Nanobots und die schmutzigen Geheimnisse seiner Mitmenschen auf direktem Wege in die Kriminalität.
Ein skurriles spanisch sprechendes Duo ist im Kurort unterwegs – sie schwingen seltsame Reden und scheinen stets fehl am Platz zu sein.
In Jörg Maurers aktueller Neuerscheinung werden dem Leser erneut mehrere Handlungsstränge präsentiert, deren Zusammenhang sich erst im Verlauf der Geschichte abzeichnet. Der Autor besitzt einen einnehmenden und flüssigen Schreibstil und bringt auch diesmal wieder bayrische Dialektausdrücke und humorvollen Szenen in die Handlung ein. Gespannt darf man die Ermittlungen der Kriminalpolizei verfolgen, welche in diesem Kurort bereits seit langer Zeit mit ungewöhnlich vielen und spektakulären Todesfällen konfrontiert wird. Im vorliegenden zwölften Band glänzt der eigentliche Protagonist Kommissar Hubertus Jennerwein jedoch oft durch Abwesenheit, und auch der Rest seines Teams hat sich vom buchstäblich explosiven Finale des Vorgängerbandes noch nicht vollständig erholt und erhält nur kleine Gastauftritte. Nun darf Polizeiobermeister Franz Hölleisen zeigen, was in ihm steckt und ich finde, er hat seine Sache wirklich gut gemacht.
Durch den stets wechselnden Fokus auf die verschiedenen Handlungsstränge gestaltet sich die Handlung abwechslungsreich und interessant. Die Spannung wird durch die Neugier auf die unbekannten Täter aufrecht gehalten. Der Autor hat mich ein wenig in die Irre geführt und meinen Verdacht kurzfristig erfolgreich auf verschiedene Personen gelenkt. Zu meiner großen Freude hat das Bestatter-Ehepaar Ursel und Ignaz Grasegger nach zehnjährigem Berufsverbot seine Tätigkeit wieder aufgenommen und wird sogleich mit einem ungewöhnlichen Bestattungswunsch konfrontiert. Den österreichischen Problemlöser und Mafia-Kontaktmann Karl Swoboda und einige weitere wohlbekannte Einheimische aus dem Kurort vermisste ich in diesem Band. Der Einfallsreichtum des Autors scheint jedoch keine Grenzen zu kennen – amüsiert las ich vom großen Onlineversand-Riesen, mit dem einer der Protagonisten dieses Buches sich besser nicht hätte anlegen sollen. In einer der letzten Szenen dieses Buches geht Jennerwein auf Tuchfühlung mit einem ungewöhnlichen Wesen, und einige Resultate einer Spionage sind darüber hinaus etwas delikat.
Fazit: Auch der zwölfte Band dieser Krimireihe aus der Feder von Jörg Maurer hat mir durch den locker-leichten Schreibstil, die Einbindung bayrischer Dialektausdrücke, den herrlichen Humor und einige überraschende Wendungen großen Lesegenuss bereitet. Ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung!
Rezensionen von begine:
Spannend
Nachts schweigt das Meer von Kate Penrose
Die Autorin Kate Penroses Krimi hat als Schauplatz die Scilly Inseln an der Küste Cornwall. Sie lässt die Atmosphäre und die Landschaft der Inseln gut in ihre Krimis einfließen.
Nachts schweigt das Meer. Ein Krimi auf den Scilly-Inseln. Detective Inspektor Ben Kitto.
Der will sich in der Heimat nur erholen.
Da wird die 16jährige Laura ermordet. Sie wollte mit ihrem Freund die Insel verlassen. Und Ben bietet sich an, zu ermitteln. Erst einmal sind alle Einwohner verdächtig. Bern erfährt unerwartete Abgründe seiner Freunde. Die Inselbewohner haben so ihre Geheimnisse. Ben hat zwischendurch jeden in Verdacht.
Die Autorin schreibt spannend, man kann Bens Arbeit genau mitverfolgen. Sie lässt den Leser und den Inspektor ganz schön lange im dunkeln.
Der Krimi ist unterhaltend und ich kann ihn empfehlen.






