Kunden em pfehlungen
Rezensionen von FogandBooks:
Wenn aus einem Blind Date ein Heiratsantrag wird
A Business Proposal 1 von Haehwa
Shin Hari hat genug eigene Sorgen, als ihre beste Freundin sie bittet, bei einem Blind Date für sie einzuspringen. Yeongseo möchte den Mann nicht heiraten, den ihre Familie für sie vorgesehen hat. Hari soll ihn deshalb möglichst schnell vergraulen. Das Geld, das sie dafür bekommt, kann sie gut gebrauchen.
Doch der Abend nimmt eine Wendung, mit der keine der beiden gerechnet hat: Ihr Gegenüber ist Kang Taemu, Haris neuer Chef. Und ausgerechnet er will das Treffen nicht so schnell beenden. Um den Heiratsversuchen seines Großvaters zu entkommen, schlägt er eine Scheinehe vor.
Damit steckt Hari in einer Lüge, die mit jedem weiteren Treffen schwieriger wird. Sie muss vor Taemu eine andere Frau spielen und ihm bei der Arbeit zugleich als seine Angestellte begegnen. Haehwa lässt aus diesen beiden Rollen eine Reihe von Missverständnissen entstehen. Die Geschichte lebt von Haris Versuchen, nicht aufzufliegen, von schnellen Dialogen und von Situationen, die immer ein wenig weiter eskalieren.
Dabei ist Taemu eine Figur, an der sich die Geister scheiden. Seine Entschlossenheit sorgt für einige der komischen Momente, kann aber auch unangenehm wirken, gerade weil er Haris Vorgesetzter ist. Auch die Annäherung der beiden bekommt zwischen all den Verwicklungen nicht immer den Raum, den man sich für ihre Gefühle wünschen würde. Das Chaos macht Spaß, nimmt den Figuren stellenweise aber auch etwas von ihrer Nähe.
Haris Lage gibt der Geschichte dennoch mehr als nur einen lustigen Anlass für ein falsches Date. Sie braucht das Geld, möchte ihrer Freundin helfen und muss gleichzeitig um ihren Arbeitsplatz fürchten. So bleibt hinter den überdrehten Begegnungen spürbar, warum sie die Lüge nicht einfach auflösen kann. A Business Proposal 1 erzählt diese Geschichte mit viel Tempo und Humor. Für die Beziehung zwischen Hari und Taemu bleiben am Ende des ersten Bandes noch Fragen offen.
Rezensionen von K.R.:
Einzigartiger Schreibstil und Humor mit viel Wärme
Der kleine Weihnachtsladen von Silvia Trippolt
Wieder ein Trippolt-Roman und dann auch noch was für einer! „Der kleine Weihnachtsladen“ fühlt sich an wie ein humorvolles, lustiges, unterhaltsames, aber auch tiefsinniges Gespräch mit einer guten Freundin. Charmant, auf Augenhöhe, wertschätzend und mit einer großen Portion Herzlichkeit.
Der Schreibstil der Autorin bewegt sich in vielfältiger Weise zwischen knackig-pointiert und unglaublich szenisch.
Ich liebe ihre bildhafte, lebendige und wunderbar leichtfüßige Sprache.
Dabei entpuppt sie sich auch als eine Meisterin der Situationskomik und man muss einfach laut lachen (die Hauptfigur wühlt im Altpapiercontainer und jemand glaubt, dass ihr Ex sie entsorgt, sie bringt Diebesgut in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihren Besitzern zurück, sie verwendet einen Holzengel als Rammbock, sie läuft ohne Klamotten über den Hauptplatz usw.) Dazwischen viel Schneegestöber, eine neue Liebe und ein herzzerreißendes Familiengeheimnis, das kaum zu ertragen ist. Ich habe dies in so einer Form noch nie gelesen. Kurzum: Da verlangt uns Silvia Trippolt alles ab.
Silvia Trippolt besitzt auch ein ganz besonderes Gespür für Timing und menschliche Schwächen. Ihre Figuren sind nicht perfekt und genau deshalb schließt man sie so schnell ins Herz. Selbst in emotionalen Momenten bleiben Sprache, Figuren und Handlung zugänglich und warm, ohne jemals in ein Klischee zu fallen.
Jede Trippolt-Geschichte enthält eine klare Botschaft und besitzt ein tiefgehendes emotionales Fundament. Spannend, wie die Autorin es schafft, unfassbar schwierige Themen (Trauer, Betrug, Panikattacken, Lebenslügen) so zu verpacken, dass wir sie aushalten.
Eine wundervolle Geschichte mit den besten Progatonisten ever. Muss man lesen und an Weihnachten verschenken.
Die Autorin führt in Kärnten ein Restaurant und in der Adventszeit einen echten Weihnachtsladen. Da möchte ich unbedingt hin.
Rezensionen von Baerbel82:
Rätselhafte Todesfälle
Gnadenopfer von Viveca Sten
Ich mag die Krimis von Viveca Sten. Und auch die Vorgängerbände der Åre-Reihe hatten mir gefallen. Somit ist der neue, fünfte Fall für Hanna Ahlander, „Gnadenopfer“, ein Must-Read für mich. Worum geht es?
Ein spannender Einstieg. Ing-Marie wird in ihrem Zuhause ermordet. Ein Todesengel geht um, der alte und gebrechliche Menschen „erlöst“.
Ein heftiges Thema. Ist Karl-Axel der Nächste?
Über das Wiedersehen mit Hanna habe ich mich gefreut. Schade, dass sie mit ihrem Kollegen Daniel Lindskog im Clinch liegt. Werden sie sich zusammenraufen, um den Fall zu lösen?
„Gnadenopfer“ ist spannend und unterhaltsam. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Ab und zu sind Kapitel überschrieben mit „Der Gnadenengel“ in Kursivschrift eingestreut, aus Tätersicht. Die hätte ich nicht gebraucht.
„Gnadenopfer“ ist ein Buch, das häusliche Pflege thematisiert. Und erzählt auch von den Herausforderungen, vor die private Pflegedienste gestellt sind, wie Zeitmangel und finanzielle Engpässe.
Das Privatleben nimmt viel Raum ein: Hanna und Henry. Anton will heiraten. Raffe wird Vater. Daniel ist immer noch in Hanna verliebt. Und dann das Ende... Irgendwie war mir das alles ein bisschen „too much“.
Drei Menschen müssen sterben, bevor überhaupt Ermittlungen aufgenommen werden. Immerhin, „Gnadenopfer“ ist nicht vorhersehbar. Nichts ist so, wie es scheint.
Fazit: Fall Nr. 5 für Hanna Ahlander. Gut, obwohl die Spannung teilweise doch etwas schwächelt.
Rezensionen von BR:
Marcella ermittelt
Abfahrt ins Jenseits von Salvatore Simonetti
Marcella hatte viele Jahre in Stuttgart gelebt bis ihr deutscher Ehemann auf die schiefe Bahn geriet. Zuhause verstarben ihre Eltern so ist sie mit ihrem Sohn wieder in ihr ligurisches Heimatdorf zurückgekehrt. Ihr Sohn Domenico ist mittlerweile Polizist in ihrem Dorf.
Marcella ist gut vernetzt so dass ihr Besonderheiten im Dorfgeschehen auffallen und sie nachdenkt und nachfragt.
Die Anhäufung plötzlicher Todesfälle von Menschen in ihrem Alter, die sie selbst noch als fit und mit vielen Plänen erlebt hat, irritiert sie.
Dass Marcella auf eigene Faust dem vermeintlichen Verbrechen nachspürt und in gefährliche Situationen kommt war auch dem geschuldet dass ihr Sohn nicht bereit war Marcellas Recherchen ernst zu nehmen und die Sache von Seiten der Polizei in die Hand zu nehmen.
Ich habe überrascht festgestellt dass ich die beschriebene Gegend nahe der französischen Grenze kenne. Es ist sicher über 20 Jahre her, dass ich einen Sommerurlaub in Bordighera verbracht habe. Somit habe ich eine Vorstellung von der Küste und vom kleinen Bergdorf in dem Marcella wohnt.
Ich habe wenig Erfahrung mit Cosy Crime aber dieser humorige Krimi mit viel italienischem Flair hat mich gut unterhalten.
Rezensionen von Harakiri:
etwas wirr zu Beginn, spannend am Ende
Der Handsammler von Elias Haller
Eine Aussteigertruppe, die Suche nach einer vermissten Frau und jede Menge Tote prägen das Bild des neuen Thrillers von Elias Haller.
Die Geschichte startet spannend. Allerdings lässt die Spannung dann relativ schnell nach. Zu viele Schauplätze und Personen tauchen auf, die Story wird etwas wirr erzählt und die vielen religiösen Einschübe fand ich auch nur so semi-gut.
Zudem gab es einen Mordversuch, der Täter wird am Schauplatz gestellt und es erfolgt keinerlei Bestrafung. Sorry, aber das geht gar nicht.
Der Plot ist dann wieder sehr gut gelungen und auch das Ende ist mega-spannend. Die Kronberg-Reihe ist im Gegensatz zur Stille-Reihe brutaler und blutiger. Das muss man sich bewusst sein.
Hallers Schreibstil ist anschaulich und menschlich. Seine Charaktere sind gut nachvollziehbar und haben Ecken und Kanten und Gabriel hat mich in diesem Buch mehr als einmal überrascht.
Das Buch ist in sich abgeschlossen, besser ist es aber, wenn man die Vorgängerbände kennt.
Fazit: für mich nicht das beste Buch der Reihe, weil es teilweise stark vor sich hinplätschert.
Rezensionen von Shilo:
Die drei Knöpfe der Erinnerung
Schwestern. Trotz allem von Max Moor
In diesem Buch geht es um drei Schwestern, die nach dem Krieg getrennt werden und später ganz unterschiedliche Wege gehen. Gerti bleibt bei den Großeltern, während Rudi und Hansi in verschiedene Richtungen geschickt werden. Trotzdem verlieren sie einander nie ganz aus dem Blick. Die drei Knöpfe, die Gerti als Erinnerung an ihre Schwestern aufbewahrt, begleiten sie durch ihr ganzes Leben.
Dieses kleine Detail hat sich mir beim Lesen besonders eingeprägt.
Gertis Leben ist von Anfang an nicht einfach. Sie verliert ihre Eltern und muss auch ihre Schwestern gehen lassen. Später verliebt sie sich in Albert, obwohl diese Beziehung viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Er kommt und geht, während Gerti versucht, ihren Alltag zu bewältigen und ihre beiden Kinder allein großzuziehen. Dabei muss sie sich gegen Vorurteile und manche Widrigkeiten behaupten. Ihre Sturheit war für mich nicht immer leicht nachzuvollziehen. Gleichzeitig konnte ich verstehen, warum sie so sehr an ihrem Wunsch nach einer eigenen Familie festhält.
Auch Rudi und Hansi werden mit ihren eigenen Lebenswegen gezeigt. Rudi sucht immer wieder nach Liebe und Anerkennung und versucht, ihre Kindheit im Heim hinter sich zu lassen. Hansi dagegen möchte unabhängig bleiben und ihr Leben selbst bestimmen. Sie macht beruflich ihren Weg, merkt aber trotzdem irgendwann, dass ihr etwas fehlt. Gerade diese Unterschiede zwischen den drei Frauen fand ich interessant.
Beim Lesen wird deutlich, wie stark die Erfahrungen aus der Kindheit die drei Schwestern prägen. Jede geht anders mit dem um, was sie erlebt hat. Manche Entscheidungen konnte ich gut verstehen, bei anderen hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Gerade dadurch wirkten die drei Frauen auf mich sehr unterschiedlich und trotzdem miteinander verbunden.
Die Geschichte umfasst mehrere Jahrzehnte und gibt Einblicke in die Lebenswelt der drei Frauen. Manche Abschnitte waren für mich etwas ausführlicher, wodurch das Lesen stellenweise langsamer wurde. Trotzdem wollte ich wissen, wie es mit den einzelnen Schwestern weitergeht und ob sie irgendwann wieder zueinanderfinden.
Mich hat vor allem beschäftigt, was von einer Familie bleibt, wenn Menschen durch äußere Umstände getrennt werden. Trotz aller Unterschiede verlieren die drei Frauen ihre Verbindung nie ganz. Dieser Gedanke hat mich beim Lesen begleitet.
Insgesamt habe ich die Lebenswege von Gerti, Rudi und Hansi gern verfolgt. Es geht um Verlust, Liebe, Familie und darum, wie unterschiedlich Menschen mit dem umgehen, was ihnen im Leben widerfährt. Für mich war es ein lesenswerter Roman, dem ich 4 Sterne gebe.
Rezensionen von Anno:
Klare Worte
Schule, aber stabil von Gina Waibel
Gina Waibel setzt sich für Chancengleichheit und gegen Rassismus in Schulen ein und findet hierfür deutliche Worte. Ihre Lösung dafür ist eine persönlichen Sensibilisierung. Ideen für weiterreichende schulische Änderungen, kann aber auch sie leider nicht bieten.
Und trotzdem ist dieses Buch besonders für Menschen, die solche Benachteiligungen im Alltag normalerweise nicht selbst zu spüren bekommen und gewillt sind, dem Thema offen zu begegnen, wahnsinnig interessant und lehrreich.
Hier im Buch trifft man auf Situationen, die man sonst vielleicht gar nicht so hinterfragt hätte, oder selbst erst nicht als rassistisch oder abwertend wahrgenommen hätte. Und genau das macht das Ganze ja so tückisch. Die eigene Motivation und wie diese vom Gegenüber wahrgenommen wird, muss nicht zwangsläufig übereinstimmen. Das auch wahr- und anzunehmen ist heute dringender denn je.
‚Schule, Aber stabil‘ legt den Finger in die Wunde, ist auch immer wieder ein Anstoß sein eigenes Handeln und Denken zu überdenken und mal über den Tellerrand zu blicken. Ob im Umfeld Schule oder auch im Alltag.
In ihrer Mission tritt Frau Waibel aber auch recht bestimmt auf, findet klare Worte, wiederholt sich jedoch auch in ihren Aussagen immer wieder inhaltlich. Mich hat dies aber nicht weiter gestört. Ich fand eher, dass das ihr Herzblut an diesem Thema gut unterstreicht und ihren Worten noch mehr Ausdruck verleiht. Doch, dass manche Sachverhalte vereinfacht dargestellt oder nicht weiter gedacht wurden, schmälert das Gelesene dann doch etwas.
Rezensionen von anushka:
Vielschichtiger Roman um Geschwisterliebe im sowjetischen Ballett während des Kalten Krieges
Maja & Natascha von Elyse Durham
Während der Belagerung Leningrads durch die Nazis im Jahr 1941 werden die Schwestern Maja und Natascha geboren. Jetzt, im Jahr 1958, sind sie unzertrennlich und an einem Ballettinternat. Ihr großes Ziel ist es, es in die Besetzung des Kirow-Ensembles zu schaffen und mit ihm zu Auftritten in die USA zu reisen.
Doch ein neues Gesetz soll verhindern, dass Russen bei Auslandsaufenthalten abtrünnig werden, und so darf zukünftig nur noch ein Familienmitglied ins Ausland reisen. Aus innigen Schwestern werden Konkurrentinnen.
Ich finde den Titel "Maja & Natascha" wenig aussagekräftig, insbesondere für diese reichhaltige Geschichte. Die Autorin hat hier eine sehr intensive und bildreiche Geschichte über die Welt des Balletts, Geschwisterrivalität und die Zeit des Kalten Krieges geschrieben. Maja und Natascha genießen als (angehende) Tänzerinnen, die die russische Kultur im Ausland vertreten sollen, zahlreiche Privilegien und doch ist das Leben hart und entbehrungsreich. Während sie in ihrer Kindheit und Jugend nur ans Tanzen denken, merken sie im Erwachsenenalter bald die politischen Repressionen. Die Förderung und Privilegien sind mit hohen Erwartungen und großem Druck verbunden, die die verschiedenen Figuren an ihre moralischen Grenzen bringen. Mit diesem Buch habe ich eine tiegründigere Geschichte bekommen als ich anfangs erwartet hatte. Nicht nur kann man hier tief in die Welt des Balletts eintauchen, sondern die Autorin versteht es auch, diese fiktive Schwesterngeschichte in politische instabile Zeiten einzubetten und mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Dabei erzählt sie gekonnt vom Leben der Menschen, die zwischen zwei Großmächten und ihrem Kräftemessen gefangen sind. Ein Aufstieg in ein besseres Leben scheint nur möglich, wenn die Figuren ihre Moral über Bord werfen. Doch das ist besonders zerstörerisch, wenn es sich um geliebte Menschen handelt. Mich hat dieser Roman sehr gefesselt und durch seine Tragik emotional berührt. Die Figuren sind alle gut ausgearbeitet mit ihren jeweils eigenen Dämonen und die Handlung ist glaubhaft. Die Details und Hintergründe wirken gut recherchiert und überzeugend. Man taucht tief in diese vielschichtige Geschichte ein und hat beim Auftauchen das Gefühl, eine ganz eigene Welt und Zeit erlebt zu haben.
Rezensionen von anushka:
Eine Geschichte zwischen Naturverbundenheit und Mystik
Das Jahr der Wale von Kelly Anderson
Annie MacLeod ist wortwörtlich ins Meer geboren. Viele Jahre ihres Lebens hat sie auf einem Segelboot verbracht, denn ihre Mutter erträgt das Leben unter Menschen und ohne das Meer nicht. Doch Annies Großmutter lebt an Land in einem kleinen Ort namens Hale's Landing an der Westküste Kanadas und Annie verbringt regelmäßig Zeit mit ihr.
So lernt sie Evan kennen und über die Jahre hinweg entwickelt sich aus der Kinderfreundschaft eine tiefe Verbundenheit, sodass Annie Evan im Alter von 19 Jahren zu einer Party begleitet und dadurch an Land und nicht bei ihren Eltern auf dem Boot ist, als ein Tsunami die Küste trifft. Während Annie versucht zu begreifen, was mit ihren Eltern passiert ist und der Ort sich seinen Verlusten stellt, erscheint am Strand ein unbekannter seltsamer junger Mann, der zunächst nicht spricht, zu dem Annie jedoch von Anfang eine Verbundenheit spürt, die aus ihrem tiefsten Inneren zu kommen scheint: Walker ist mysteriös und hütet seinen eigenen Geheimnisse.
Was jetzt nach einem Liebesroman mit Dreiecksbeziehung klingt, ist jedoch etwas ganz anderes. Natürlich geht es in der Geschichte auch um Liebe, aber teilweise auf einer gänzlich anderen Ebene. Es geht nicht vordergründig um Intimität und Rivalität, sondern im gegenseitiges Verständnis und den eigenen Platz im Leben und der menschlichen Gesellschaft. Auch Annie hat das Gefühl, nicht dazu zu gehören und nicht akzeptiert zu werden. Gleichzeitig zerrt eine unbändige Sehnsucht nach dem Meer an ihr. Ihre Geschichte handelt von Naturverbundenheit, Sehnsucht und einem auslaugenden Leben, das in der heutigen Zeit so oft den Alltag beherrscht. Dementsprechend haben mich viele Szenen sehr entspannt, die Naturbeschreibungen haben oft friedvolle Bilder hervorgerufen und die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur bewusst gemacht. Gleichzeitig ist die Geschichte sehr offen für Deutungen. Sie ist das, was man darin lesen möchte. Sie spielt mit Andeutungen, wirkt mystisch, verweist mitunter auf Sagen, aber sie verlässt selten den Bereich des Realistischen. Das Buch handelt von Menschen, die eine tiefe Verbundenheit zur Natur spüren, teilweise so weit, dass sie von der Gesellschaft ausgegrenzt und für verrückt erklärt werden. Und es liefert mit dieser Geschichte eine Art von Theorie, warum das so sein könnte. Natürlich eine literarische Idee, eine mystische Möglichkeit und keinesfalls eine wissenschaftliche oder logische Erklärung. Doch in die Umgebung, die die Autorin mit Hale's Landing und der kanadischen Westküste geschaffen hat, passt diese Möglichkeit unglaublich gut hinein.
Dieses Mystische hat mir gut gefallen und mich fasziniert. Noch schöner hätte ich es gefunden, hier Anknüpfungspunkte mit den First Nations (den indigenen Völkern Kanadas) zu finden. Auch gibt es zwischendurch immer wieder einmal Längen und die Geschichte tritt das ein oder andere Mal etwas länger auf der Stelle. Zudem finde ich den englischen Titel ("The Wild Beneath", zu deutsch "Die Wildnis darunter") und das Cover der englischen Ausgabe deutlich passender. Ich finde es etwas schade, dass man hier auf den Zug der Bücher mit Tiertiteln aufspringen wollte.
Insgesamt hat mich das Buch glaubhaft an die kanadische Westküste versetzt, mich die Magie der Natur spüren und die Sehnsucht nach dem Meer nachfühlen lassen. Es hat mich emotional sehr berührt. "Das Jahr der Wale" ist ein ungewöhnliches Buch, das mich noch lange begleiten wird.
Rezensionen von Snookie:
Atmosphärisch, warmherzig und gefühlvoll
Tokyo Seasons von Anne Pätzold
In „Tokyo Season“ geht es um Caitlyn, die auf einer Geschäftsreise in Japan ist. Eines Abends landet sie auf einer Dating-App, die anders funktioniert als andere Dating-Apps, nämlich ohne Fotos, sondern nur mit einer Antwort auf eine Frage. Danach muss jede Nachricht mindestens 75 Wörter umfassen.
Auf diesem Weg lernt sie Jude und seine Freunde Emma und Will kennen. Caitlyn begibt sich außerdem auf die Suche nach ihrem Vater, der in Japan lebt und zu dem der Kontakt vor 10 Jahren abgebrochen ist. Auf diesem Weg wird sie von Jude begleitet.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Man verfolgt in diesem Buch nicht nur die Handlung, sondern taucht auch richtig in die Atmosphäre ein. Die Beschreibungen der verschiedenen Stadtviertel, der winterlichen Beleuchtungen, kleiner Dekorationen, japanischer Speisen und alltäglicher Gepflogenheiten haben bei mir sofort ein richtiges Tokio-Gefühl ausgelöst. Ich konnte mir die Schauplätze wunderbar vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst ein kleines Stück durch Japan zu reisen. Gut gefallen hat mir dabei, dass Tokio nicht einfach nur eine Kulisse für die Geschichte ist. Die Stadt und das japanische Leben werden zu einem wichtigen Teil der Atmosphäre und verleihen dem Roman etwas ganz Besonderes.
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Sie waren sehr vielschichtig und authentisch. Besonders gefallen hat mir Caitlyn. Sie wirkte auf mich sehr nahbar und ihre Gedanken und Gefühlswelt waren sehr gut beschrieben, sodass ich einen direkten Bezug zu ihr hatte und ihre Entscheidungen nachvollziehbar waren. Auch die Beziehung zwischen Caitlyn und Jude hat mir unglaublich gut gefallen. Ihre Begegnung entwickelt sich auf eine ruhige und für mich sehr schöne Art und Weise. Zwischen den beiden stehen vor allem Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis im Mittelpunkt. Ich mochte sehr, dass sie einander auf Augenhöhe begegnen und sich nicht einfach von überstürzten Gefühlen alles andere ausblenden lassen. Stattdessen lernen sie sich nach und nach kennen, öffnen sich füreinander und geben sich gegenseitig den Raum, den sie brauchen.
Eine Liebesgeschichte steht hier keinesfalls im Mittelpunkt. Für mich ging es im Wesentlichen um Stärke, Mut, Vertrauen und Freundschaft. Um den Mut, sich seinen Ängsten und seiner Vergangenheit zu stellen. Um die Stärke, seinen eigenen Weg zu suchen, auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin dieser führt. Und um Menschen, die einem das Gefühl geben, nicht allein zu sein.
Gerade hier wird gezeigt, dass Freundschaft unter anderem durch Zusammenhalt geprägt wird und dass Familie nicht immer nur durch Verwandtschaft definiert wird. Manche Menschen werden zu einem Zuhause, obwohl man sie ursprünglich gar nicht gesucht hat.
Gleichzeitig mochte ich die Geschichte rund um die Suche nach ihrem Vater und Caitlyns eigener Identität. Ihre Reise nach Tokio ist dadurch nicht nur eine Reise an einen anderen Ort, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Die Suche nach Antworten verbindet sich mit der Frage, wer man eigentlich sein möchte und wo man hingehört.
Insgesamt ist das Buch für mich eine warmherzige Geschichte mit viel Gefühl, einer wunderschönen Tokio-Atmosphäre und großartigen Charakteren. Für mich eine rundum gelungene Geschichte, die mich berührt und mit einem warmen Gefühl zurückgelassen hat.











