Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Claudia R.:
gewaltig
Das zweite Gesicht der Anjes Kowalsky von David Weber
Klappentext / Inhalt:
David Weber greift ein drängendes Thema auf: Gewalt an Frauen. Er wirkt in diesem Roman als stiller Beobachter und Chronist, der die Sprachnachrichten der Hauptprotagonistin niederschreibt. Das tut er in einer stringenten und packenden Sprache. Der Autor lässt offen, ob diese Anjes Kowalsky (ihr Name ist ein Pseudonym) tatsächlich existiert.
Anjes Kowalsky diktiert ihm ihre Geschichte. Als junge Schauspielerin hat sie ihren Theaterjob, ihr Selbstwertgefühl und ihren Glauben verloren. Schuld ist ein Mann, der sie missbraucht und gedemütigt hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Hilfe bei einer Psychotherapeutin. Diese führt sie schrittweise aus ihrer Ohnmacht hin zu einer neuen Lebensaufgabe. Sie soll Frauen von ihren gewalttätigen Männern befreien. Was als Spiel beginnt, wird unversehens ernst, als sie selbst zur Gejagten wird. Überlegt und berechnend lässt sie den Verfolger in die eigene Falle tappen. Die Tat, getarnt als tödlicher Unfall, stürzt sie nicht in Gewissenskonflikte, im Gegenteil, sie schöpft Energie daraus. Jetzt wartet sie ungeduldig auf neue Aufgaben ihrer Psychotherapeutin. Zu spät realisiert sie, dass ihre Mentorin sie manipuliert und eigene Ziele verfolgt. Anjes ist süchtig nach dem Adrenalinkick dieses letzten Augenblicks, wenn die Männer verwundert feststellen, dass ihr Leben an ihnen vorbeizieht.
Cover:
Verborgen hinter einer Maske und nur teils erkennbar ist hier eine Frau angedeutet. Der Hintergrund uns das Drumherum ist starr in zwei verschiedenen grün Tönen umgesetzt, das Cover selbst wirkt recht gediegen und die Anziehung ist für mich hier leider nicht so stark gegeben. Allein vom Cover würde ich persönlich nicht direkt zum Buch greifen.
Meinung:
Ein heftiges und sehr ergreifendes Thema wird hier thematisiert und aufgegriffen. Gewalt und Missbrauch an Frauen wird hier thematisiert. Die junge Schauspielerin Anjes Kowalsky wird von einem Mann missbraucht und verliert dadurch an Selbstwert und Kraft. Diese Demütigung macht ihr zu schaffen und man merkt ihre innere Zerrissenheit und das Gleichgewicht, was so aus den Figen geraten ist.
Auf den Inhalt möchte ich hier gar nicht weiter und nicht zu tief eingehen. Weiteres liest man am Besten selbst im Buch.
Der Schreibstil ist direkt und ergreifend. In Charaktere findet man sich schnell hinein. Besonders die Sicht von Anjes ist sehr greifbar. Es wird aus der beobachtenden Perspektive geschrieben und zugleich die Ich-Perspektive von Anjes aufgegriffen und wiedergegeben. Etwas philosophisches und sehr poetisches, sowie emotionales liegt daraus. Schweren Themen, wie Missbrauch und Verlust des Selbstwertgefühles werden hier aufgegriffen und emotional, sowie feinfühlig behandelt und umgesetzt. In Gedanken und Emotionen findet man gut hinein. Die Themen verleihen dem Ganzen sehr viel Tiefe und man wird von der Geschichte ergriffen und mitgenommen. Kein ganz leichtes Buch und auch die Geschichte wirkt im Nachhinein noch nach.
Eine starre Gliederung gibt es hier nicht, die Geschichte zieht sich so furch, was es mir nicht immer einfach machte, da ich schon klare Strukturen, Gliederungen und Einteilungen mag.
Eine Geschichte, die es durchaus in sich hat und durch Tiefe noch im Nachhinein nachhallt. Ich fand es auf jeden Fall sehr interessant und ergreifend. Gewalt und Missbrauch werden hier aufgegriffen und sehr stark thematisiert, aber auch der Umgang in den Fokus gelegt und die Zerrissenheit und die Leere die dann folgt. Man merkt und bekommt aufgezeigt, was so etwas mit einen macht und wie es verändert. Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt und die Seiten der Veränderung aufweist und aufzeigt. Gewalt bewirkt gewaltiges, was vielen nicht bewusst ist.
Fazit:
Eine Geschichte, die es durchaus in sich hat und durch Tiefe noch im Nachhinein nachhallt.
Rezensionen von ravenmoon:
Eine faszinierende Reise ins magische Florenz
Graceless Heart von Isabel Ibañez
Ich hatte das große Glück, -Graceless Heart- bereits im englischen Original lesen zu können – und schon dort hat mich die Geschichte vollkommen in ihren Bann gezogen. Umso schöner ist es, nun auch die deutsche Ausgabe in den Händen zu halten, denn Ravensburger hat daraus nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein echtes Schmuckstück gemacht.
Die Übersetzung von Dr. Maria Zettner gefällt mir ausgesprochen gut. Was ich bisher auf Deutsch gelesen habe, wirkt flüssig, stimmig und angenehm zu lesen. Die Geschichte selbst kenne ich bereits aus dem englischen Original, sodass ich ihren Inhalt unabhängig davon beurteilen kann. Und der bekommt von mir ganz klar 5 von 5 Sternen.
Besonders begeistert haben mich die beiden Hauptfiguren. -Ravenna- ist klug, entschlossen und wunderbar schlagfertig. Selbst wenn sie Angst hat, lässt sie sich nicht einfach aus den Ränkespielen der mächtigen Männer verdrängen. Sie denkt mit, kontert und versucht immer wieder, ihren eigenen Weg zu finden. -Saturnino- steht ihr dabei in Sachen Strategie und Gerissenheit kaum nach. Zwischen den beiden entwickelt sich eine herrlich bissige Dynamik, bei der man nie genau weiß, wer gerade wen auszutricksen versucht. Ihre Wortgefechte und die spürbare Chemie zwischen ihnen haben mir unglaublich viel Spaß gemacht.
Überhaupt ist das Setting ein großes Highlight. -Florenz zur Zeit der Renaissance-, prachtvolle Gewänder, mächtige Familien, politische Intrigen und die Auseinandersetzungen rund um die Medici und den Papst treffen hier auf ein eigenes Magiesystem. Diese Verbindung aus historischer Atmosphäre und Fantasy funktioniert für mich hervorragend. Und dann begegnet einem sogar Leonardo da Vinci in einer kleinen Nebenrolle – ein wunderbares Detail!
Ein paar Dinge hätten für mich allerdings noch etwas mehr Raum bekommen dürfen. Über die Fae erfährt man vergleichsweise wenig, obwohl eine von ihnen eine wichtige Rolle spielt. Auch Ravennas Magie hätte ich gerne noch ausführlicher kennengelernt und ihre Entwicklung stärker verfolgt. Gerade weil mich diese Elemente so neugierig gemacht haben, hätte ich davon einfach gerne noch mehr gelesen.
Auch die Romance verläuft nicht geradlinig, sondern ist immer wieder von Annäherung und Rückzug geprägt. Gerade bei Saturnino spürt man seinen inneren Konflikt zwischen seiner Anziehung zu Ravenna und dem Schicksal, das er für sich akzeptiert zu haben glaubt. Für mich hat gerade dieses Hin und Her die Beziehung interessant gemacht.
Und dann wäre da noch die wunderschöne Aufmachung der deutschen Ausgabe. Das Cover ist schon ein Blickfang, aber der -dunkelblaue Farbschnitt mit Mond und Sternen und den gelben Akzenten- ist für mich das absolute Highlight. Zusammen mit der Gestaltung des Aufklapp-Covers entsteht eine Ausgabe, die dem fantastischen Charakter der Geschichte wunderbar gerecht wird.
-Graceless Heart- ist für mich eine gelungene Mischung aus -Renaissance, Fantasy, Magie, Intrigen und einer knisternden Liebesgeschichte-. Eine Geschichte mit starken Figuren, einer außergewöhnlichen Atmosphäre und genau der richtigen Portion Geheimnisse, bei der ich mich gerne noch länger in dieser Welt aufgehalten hätte.
Von mir gibt es also auch für die Deutsche Ausgabe ganz klar 5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an vorablesen.de und den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Meine Rezension wurde dadurch nicht beeinflusst und gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.
Rezensionen von Francesca :
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt
Unshame von Louisa Dellert
Ich lese eigentlich kaum Sachbücher, aber bei Unshame hat mich das Thema einfach interessiert und ich wurde wirklich positiv überrascht. Luisa Dellert behandelt unglaublich viele verschiedene Themen rund um den weiblichen Körper, das Frausein, Schönheitsideale, Schönheits-OPs und das soziale Miteinander.
Besonders schön fand ich dabei die sehr persönlichen Einblicke, weil dadurch eine gewisse Nähe zu den Themen entstanden ist und man vieles nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten konnte.
Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat: Nach jedem Kapitel gibt es eine Art kleines „Unshame“-To-do. Man wird nicht nur dazu angeregt, sich selbst mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen, sondern auch das eigene Verhalten gegenüber anderen zu hinterfragen. Gerade bei Themen wie Körperbewertung oder Kommentaren über das Äußere fand ich das sehr gelungen, weil man sich dadurch auch mal selbst ein bisschen ertappt fühlt.
Ein kleiner Kritikpunkt war für mich das Ende. Zum Schluss hatte ich das Gefühl, dass noch ein paar Themen offen bzw. nicht angesprochen wurden, die ich gerne noch gehört hätte. Dadurch kam das Ende für mich etwas abrupt und nicht ganz rund.
Insgesamt aber wirklich ein sehr gelungenes Sachbuch mit wichtigen Themen, persönlichen Einblicken und vielen Denkanstößen. Gerade weil ich sonst kaum Sachbücher lese, hat mich Unshame positiv überrascht. Sachbücher zu bewerten finde ich ehrlich gesagt etwas schwieriger, da ich in dem Genre noch nicht so viel gelesen habe, aber für mich liegt Unshame definitiv irgendwo bei 4 bis 4,5 Sternen.
Rezensionen von Katto:
Eine Geschichte, die den Blick verändert und mich emotional berührt hat
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
„Ein ganz normales Wunder“ von Woody Brown ist für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wusste vorher ungefähr, worum es geht, aber nicht, wie sehr mich die Geschichte emotional mitnehmen würde. Es ist ein Buch, das ganz unterschiedliche Gefühle in mir ausgelöst hat: Ich war traurig, wütend, musste schmunzeln und habe mich an anderen Stellen einfach mit den Figuren gefreut.
Manche Szenen haben mich tief berührt, andere haben mich richtig aufgeregt.
Besonders gefallen hat mir, dass die Figuren nicht auf ihre Behinderung oder ihre Einschränkungen reduziert werden. Sie sind Menschen mit ganz eigenen Wünschen, Ängsten, Hoffnungen und Bedürfnissen. Genau das macht die Geschichte für mich so authentisch. Man bekommt nicht das Gefühl, dass hier einfach eine Botschaft vermittelt werden soll, sondern lernt Menschen kennen, die einem mit ihren ganz unterschiedlichen Seiten ans Herz wachsen können.
Besonders beeindruckt hat mich, wie viel in diesem Buch zwischen den Zeilen steckt. Die unterschiedlichen Perspektiven haben mir immer wieder gezeigt, wie schnell man einen Menschen unterschätzt, nur weil er sich nicht auf die Weise ausdrücken kann, die wir gewohnt sind. Es hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, wirklich zuzuhören und Menschen nicht vorschnell nach ihrem Äußeren oder ihrer Art zu kommunizieren zu beurteilen. Dadurch hat mich das Buch zum Nachdenken gebracht.
Gleichzeitig ist das Buch nicht durchgehend schwer oder bedrückend. Woody Brown streut immer wieder einen trockenen, manchmal überraschenden Humor ein, der die Geschichte auflockert. Ich mochte außerdem den ruhigen und eher unaufgeregten Schreibstil. Brown beobachtet seine Figuren sehr genau, ohne sie ständig erklären oder in eine bestimmte Schublade stecken zu wollen.
Für mich ist „Ein ganz normales Wunder“ deshalb vor allem eines: zutiefst menschlich. Das Buch erzählt für mich gar nicht in erster Linie von Behinderung. Es erzählt von Menschen. Davon, gesehen und verstanden zu werden, seinen Platz in der Welt zu finden und nicht vorschnell über andere zu urteilen.
Mein Fazit: „Ein ganz normales Wunder“ ist ein leises, bewegendes, ehrliches und gleichzeitig überraschend leichtes Buch. Ich habe gelacht, war traurig und wütend und habe mich mit den Figuren gefreut. Ein ganz besonderes und zutiefst menschliches Buch, welches noch eine Weile im Herzen und im Kopf bleibt, ich sehr gerne weiterempfehle und viele Menschen lesen sollten!
Rezensionen von Miro:
Ein Blick von unten
Die Auster von Yael Inokai
Die 73-jährige Leonora arbeitet noch immer als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett, den sie eines Tages tot in seinem Wohnzimmer auffindet. Verstörenderweise reinigt sie erst mal den Tatort, bevor sie die Polizei verständigt. War es der Schock, oder hat sie was zu verbergen?
Durch diese Tat bringt sie sich selbst ins Zentrum der Ermittlungen und weil sie schon immer eine neugierige Person war, fängt sie auch gleich selbst zu ermitteln an.
Das kann man mögen, aber ich war leider noch nie ein Fan von ermittelnden Putzfrauen, Frisörinnen etc.
Zum Glück ist der Roman kein klassischer Krimi und der Mordfall tritt immer wieder in den Hintergrund. Wir erfahren viel über Leonoras Vergangenheit und ihr Umfeld. Leonora ist keine zugängliche Person. Sie ist wortkarg, mürrisch und oft sehr einsam. Wir werfen einen Blick in das Leben von unsichtbaren Menschen. Die Reiningskräft, Verkäuferinnen und Aushilfen im Mikrokosmos Kaufhaus bekommen hier eine Stimme. Aber wir lernen auch ein paar Menschen aus anderen gesellschaftlichen Schichten kennen. Dr. Bronstett war der Geschäftsführer des Kaufhauses und Leonora war schon bei ihm beschäftigt, bevor er eine Familie gründete und wieder verlor. Leonora sah ganz einige Frauen kommen und gehen in seine schmucken Villa. Zu seiner Tochter hatte er schon lange keinen Kontakt mehr, weshalb er verfügt hatte, dass Leonora sich um die Begräbnisangelegenheiten kümmern sollte.
So werden die Tochter aus reichem Hause und Leonora ein ungleiches Gespann und Leonora gelingt es mit ihrer Beobachtungsgabe ganz einige Geheimnisse aufzudecken.
Der Schreibstil ist klar, aber zurückhaltend. Hier gibt es keine Ausschmückungen und Verniedlichungen. Die Sprache ist einfach und präzise und passt dadurch perfekt zur Figur Leonora Bloch. Dadurch wirkt der Roman etwas sperrig. Es entsteht keine Nähe zur Protagonistin und diese Distanziertheit ist auch der Grund, warum ich hier wenig neugierig auf den Ausgang war. Es entsteht kaum Spannung und Nähe. Das Buch konnte mich definitiv nicht fesseln. Es ist nicht schlecht, aber es entstand auch kein Sog.
Deshalb vergebe ich wohlgeleinte drei Sterne für einen Roman, der sich mit den gesellschaftlich schlechter Gestellen Schichten befasst, in dem auch ein Mordfall vorkommt.
Rezensionen von Havers:
Spannungsliteratur, wie sie sein sollte
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Es gibt in der Spannungsliteratur wenige Reihen die bleiben, aber Tana Frenchs Ardnakelty-Trilogie ist ohne Zweifel eine davon.
„Der Sucher“, „Feuerjagd“ und nun der abschließende Band „Wie ein Fluss in der Nacht“. Die irische Autorin Tana French nimmt uns mit in das fiktive Bauerndorf Ardnakelty im spärlich besiedelten Westen Irland und gewährt uns einen melancholischen Blick auf dessen ländliche Gemeinschaft, deren Leben geprägt ist von der oft leidvollen Historie Irlands, von Erinnerungen und gewachsenen Traditionen, aber auch von Zusammenhalt.
Veränderungen werden mit Misstrauen beobachtet, insbesondere dann, wenn sich kein Sinn darin erkennen lässt und sie Unruhe ins Dorf bringen.
Dort hat sich Cal Hooper, Ex-Cop aus Chicago und begnadeter Handwerker, vor 5 Jahren ein heruntergekommenes Cottage gekauft, renoviert und sich so auch den Respekt der Einheimischen verdient. Er kümmert sich um Trey, ehemals das wilde Kind vom Berg, aber mittlerweile recht gut integriert, und ist mittlerweile mit Lena, einer Einheimischen, die sich am liebsten aus allem raushält, so quasi verlobt. Und dann ist da noch Mart, Schafbauer, graue Eminenz, Strippenzieher und direkter Nachbar Cals, der diesen so nach und nach in den inneren Kreis des Dorfs einführt. Soweit die Personen, die am stärksten in den jeweiligen Handlungen aller drei Bände hervorstechen.
Und ja, natürlich gibt es auch in „Wie ein Fluss in der Nacht“ einen Todesfall (nicht zu vergessen: am Ende noch einen zweiten, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat), der die Ereignisse in Gang setzt und um dessen Aufklärung herum die Autorin diese ganz spezielle Dynamik des Dorfs und seiner Bewohner aufbaut, beobachtet und schildert. Aber dieser Tod ist eigentlich eher nebensächlich, French geht es vielmehr um den Blick ins Innere, in die Seelen der Menschen, was diese ganz besondere, melancholische Atmosphäre schafft, die über der Handlung dieses Romans liegt und Ardnakelty zum eigentlichen Hauptdarsteller macht.
Der Abschied von Ardnakelty fällt mir sehr, sehr schwer, denn selten hat mich in all den Jahrzehnten, seit denen ich lese, ein Buch so beeindruckt zurückgelassen. „Wie ein Fluss in der Nacht“ ist eine Perle der Spannungsliteratur, ein Hochkaräter, ein absolutes Highlight, das ich uneingeschränkt empfehle. Nehmt euch Zeit dafür und genießt es!
Rezensionen von Havers:
Spannungsliteratur, wie sie sein sollte
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Es gibt in der Spannungsliteratur wenige Reihen die bleiben, aber Tana Frenchs Ardnakelty-Trilogie ist ohne Zweifel eine davon.
„Der Sucher“, „Feuerjagd“ und nun der abschließende Band „Wie ein Fluss in der Nacht“. Die irische Autorin Tana French nimmt uns mit in das fiktive Bauerndorf Ardnakelty im spärlich besiedelten Westen Irland und gewährt uns einen melancholischen Blick auf dessen ländliche Gemeinschaft, deren Leben geprägt ist von der oft leidvollen Historie Irlands, von Erinnerungen und gewachsenen Traditionen, aber auch von Zusammenhalt.
Veränderungen werden mit Misstrauen beobachtet, insbesondere dann, wenn sich kein Sinn darin erkennen lässt und sie Unruhe ins Dorf bringen.
Dort hat sich Cal Hooper, Ex-Cop aus Chicago und begnadeter Handwerker, vor 5 Jahren ein heruntergekommenes Cottage gekauft, renoviert und sich so auch den Respekt der Einheimischen verdient. Er kümmert sich um Trey, ehemals das wilde Kind vom Berg, aber mittlerweile recht gut integriert, und ist mittlerweile mit Lena, einer Einheimischen, die sich am liebsten aus allem raushält, so quasi verlobt. Und dann ist da noch Mart, Schafbauer, graue Eminenz, Strippenzieher und direkter Nachbar Cals, der diesen so nach und nach in den inneren Kreis des Dorfs einführt. Soweit die Personen, die am stärksten in den jeweiligen Handlungen aller drei Bände hervorstechen.
Und ja, natürlich gibt es auch in „Wie ein Fluss in der Nacht“ einen Todesfall (nicht zu vergessen: am Ende noch einen zweiten, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat), der die Ereignisse in Gang setzt und um dessen Aufklärung herum die Autorin diese ganz spezielle Dynamik des Dorfs und seiner Bewohner aufbaut, beobachtet und schildert. Aber dieser Tod ist eigentlich eher nebensächlich, French geht es vielmehr um den Blick ins Innere, in die Seelen der Menschen, was diese ganz besondere, melancholische Atmosphäre schafft, die über der Handlung dieses Romans liegt und Ardnakelty zum eigentlichen Hauptdarsteller macht.
Der Abschied von Ardnakelty fällt mir sehr, sehr schwer, denn selten hat mich in all den Jahrzehnten, seit denen ich lese, ein Buch so beeindruckt zurückgelassen. „Wie ein Fluss in der Nacht“ ist eine Perle der Spannungsliteratur, ein Hochkaräter, ein absolutes Highlight, das ich uneingeschränkt empfehle. Nehmt euch Zeit dafür und genießt es!
Rezensionen von Havers:
Spannungsliteratur, wie sie sein sollte
Wie ein Fluss in der Nacht von Tana French
Es gibt in der Spannungsliteratur wenige Reihen die bleiben, aber Tana Frenchs Ardnakelty-Trilogie ist ohne Zweifel eine davon.
„Der Sucher“, „Feuerjagd“ und nun der abschließende Band „Wie ein Fluss in der Nacht“. Die irische Autorin Tana French nimmt uns mit in das fiktive Bauerndorf Ardnakelty im spärlich besiedelten Westen Irland und gewährt uns einen melancholischen Blick auf dessen ländliche Gemeinschaft, deren Leben geprägt ist von der oft leidvollen Historie Irlands, von Erinnerungen und gewachsenen Traditionen, aber auch von Zusammenhalt.
Veränderungen werden mit Misstrauen beobachtet, insbesondere dann, wenn sich kein Sinn darin erkennen lässt und sie Unruhe ins Dorf bringen.
Dort hat sich Cal Hooper, Ex-Cop aus Chicago und begnadeter Handwerker, vor 5 Jahren ein heruntergekommenes Cottage gekauft, renoviert und sich so auch den Respekt der Einheimischen verdient. Er kümmert sich um Trey, ehemals das wilde Kind vom Berg, aber mittlerweile recht gut integriert, und ist mittlerweile mit Lena, einer Einheimischen, die sich am liebsten aus allem raushält, so quasi verlobt. Und dann ist da noch Mart, Schafbauer, graue Eminenz, Strippenzieher und direkter Nachbar Cals, der diesen so nach und nach in den inneren Kreis des Dorfs einführt. Soweit die Personen, die am stärksten in den jeweiligen Handlungen aller drei Bände hervorstechen.
Und ja, natürlich gibt es auch in „Wie ein Fluss in der Nacht“ einen Todesfall (nicht zu vergessen: am Ende noch einen zweiten, der mir die Tränen in die Augen getrieben hat), der die Ereignisse in Gang setzt und um dessen Aufklärung herum die Autorin diese ganz spezielle Dynamik des Dorfs und seiner Bewohner aufbaut, beobachtet und schildert. Aber dieser Tod ist eigentlich eher nebensächlich, French geht es vielmehr um den Blick ins Innere, in die Seelen der Menschen, was diese ganz besondere, melancholische Atmosphäre schafft, die über der Handlung dieses Romans liegt und Ardnakelty zum eigentlichen Hauptdarsteller macht.
Der Abschied von Ardnakelty fällt mir sehr, sehr schwer, denn selten hat mich in all den Jahrzehnten, seit denen ich lese, ein Buch so beeindruckt zurückgelassen. „Wie ein Fluss in der Nacht“ ist eine Perle der Spannungsliteratur, ein Hochkaräter, ein absolutes Highlight, das ich uneingeschränkt empfehle. Nehmt euch Zeit dafür und genießt es!
Rezensionen von peedee:
Tohuwabohu mit Glitzer
Glitzer geht immer von Ellen Berg
Anne und Tom freuen sich auf das bevorstehende Weihnachten, denn es ist ihr erstes Weihnachten als Paar. Es versteht sich von selbst, dass die Familienfeier daher bei Anne stattfinden soll. Das sieht Annes Mutter aber ganz anders, denn jahrelange Traditionen sind zu pflegen und somit findet Weihnachten wie gewohnt bei ihr statt.
Der Streit um den Austragungsort ist eröffnet! Zähneknirschend wird ein Kompromiss gefunden, sodass sich die Eingeladenen zuerst bei Anne und Tom einfinden. Es kommt zu unverhofften Gästen und einem Schneesturm…
Erster Eindruck: Das Cover ist wie gewohnt detailreich und witzig – gefällt mir sehr gut.
Bei diesem Buch gibt es ein Wiedersehen mit den Protagonisten aus „Jünger geht immer!“ (diese Geschichte kenne ich noch nicht, werde also damit „nachsitzen“ müssen!).
Hach, Weihnachten, das Fest der Liebe und Besinnlichkeit… Ja, in Filmen oder Träumen! Anne ist fünfzig, ihr Tom etliche Jahre jünger. Das war für Anne zuerst unvorstellbar, aber nun zeigt ihr Tom, dass das Alter eben nur eine Zahl ist. Die meiste Zeit kann Anne das auch glauben, wenn nicht mal zwischendurch die Eifersucht anklopft und sie wieder ins Schwanken gerät. Annes Mutter Felicitas hat auch einen jüngeren Partner, nämlich Toms Vater Johannes. Das wird eine komplizierte Feier werden, da auch die Eltern dabei sind, die auf ihre Ex-Partner treffen. Wird ein konfliktfreier Apéro möglich sein oder gibt es schon die ersten Wortgefechte?
Mir gefällt der Wortwitz von Ellen Berg, wie z.B. „Leise rieselt der Stress“, „Deeskalations-Seminare für Leute […], die die Weihnachtstage im Familienkreis verbringen“ oder „Freundinnen sind bekanntlich Gottes Entschuldigung für Verwandte“. Und dann noch etwas Kitschig-Romantisches: „Wenn das Herz atmet und die Augen sich nicht sattsehen können, ist es Liebe.“ Seufz…
Uh, das gab so viele Krisenherde in der trauten Weihnachtsrunde, da wurde mir bereits als Leserin ein bisschen unwohl! Von den Protagonisten hat mir Tante Beate sehr gefallen. Sie hat ihre eigene Meinung und hält damit auch nicht hinterm Berg. Nun gut, manchmal wäre Diplomatie angesagt, aber das sieht sie ganz anders. Der unverhoffte Gast Charlie hat mich verwirrt: Aufgrund der Beschreibungen hätte ich sie für 10 Jahre alt oder jünger geschätzt. Aber nein, sie ist 15 Jahre alt! Das hat für mich überhaupt nicht gepasst. Der Ausgang der Geschichte war mir too much – es hat sich zwar durchaus abgezeichnet, aber hätte nicht sein müssen. Nichtsdestotrotz gibt es von mir 5 Sterne.
Rezensionen von Anjulia :
Tarot, Kerzenmagie und ein tödlicher Fluch
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker
Alle 13 Jahre, am 13. Oktober, stirbt jemand im Honeysuckle House. Die Hexenschwestern Florence und Evie Caldwell glauben jeweils auf ganz eigene Weise, eine Möglichkeit gefunden zu haben, um den Fluch zu brechen. Florence führt einen Buchladen, hat der Magie abgeschworen und Honeysuckle House seit vielen Jahren nicht mehr betreten.
Evie hat aus dem Haus eine verspukte Pension gemacht und nutzt ihre Magie für Gutes. Als sich nach dem letzten Todesfall der 13. Oktober zum 13. Mal nähert, müssen die Schwestern feststellen, dass der Fluch noch intakt ist. Das Geheimnis zur Rettung der von ihnen geliebten Menschen liegt in der Vergangenheit.
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker ist Witchy Fantasy, ein Roman über zwei unterschiedliche Schwestern, einen Fluch und das Heilen generationsübergreifender Traumata. Toxische Familienbeziehungen und das aktuelle Thema Break the Cycle sind zentrale Themen, auch weil die Autorin hier auch eigene Erfahrungen einbringt. Vor allem Evie und Florences Beziehung zueinander ist ein wichtiger Punkt. Ich fand es schön, dass sich ihre Schwesternschaft trotz jahrelanger Meinungsverschiedenheiten durchsetzt. Florence ist dabei ein sehr zurückhaltender Charakter, der aufgrund des Fluches vor Bindung zurückschreckt. Evie ist eher offen und tatkräftig. Beide Hauptcharaktere konnte ich gut nachvollziehen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die Handlung des Buches spielt hauptsächlich in Florences Buchhandlung und im Honeysuckle House. Beide Orte haben gemeinsam, dass sie durch die Magie der Hexen praktisch zu Lebewesen geworden sind und auf ihre Art auch kommunizieren können. Dieser Aspekt hat mir gut gefallen, wobei Honeysuckle House durch den Fluch bedrohlich wirkt. Dazu gibt es Kerzenmagie, ganz viel Tarot und kleine (auch queere) Liebesgeschichten, die sich aber nicht in den Vordergrund drängen. Trotzdem empfand ich die Stimmung im Buch weniger herbstlich und cosy, als ich erwartet hatte.









