Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katto:
Manchmal darf das Leben einfach leicht sein
Etwas Leichtes von Eva Lohmann
„Etwas Leichtes“ von Eva Lohmann mochte ich wirklich sehr gerne. Schon das Cover finde ich sehr toll!
Im Mittelpunkt steht Leo, die mit 41 frisch geschieden ist. Während sie versucht, ihr Leben neu auszurichten und herauszufinden, was sie eigentlich möchte, begegnet sie neuen Menschen, Möglichkeiten und auch der ein oder anderen Herausforderung.
Dabei geht es um die Frage, wie man sein Leben leben möchte – unabhängig davon, welche Erwartungen andere an einen haben.
Das Buch hat mich zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben erreicht, denn ich konnte mich unglaublich gut in Leo hineinversetzen. Viele ihrer Gedanken, Zweifel und ihre Sicht auf bestimmte Dinge kamen mir erstaunlich bekannt vor. Beim Lesen hatte ich deshalb immer wieder die Gedanken: Ich fühle es so! Ich habe mich in Leo und vielen Situationen wiedergefunden und konnte ihre Entscheidungen dadurch besonders gut nachvollziehen.
Und genau deshalb hat mich das Buch so begeistert. Es hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern richtig zum Nachdenken gebracht. Ich habe mich gefragt, was für mich eigentlich wichtig ist, welche Erwartungen ich selbst an mein Leben habe und wie viel davon wirklich von mir kommt.
Leo ist keine perfekte Protagonistin, sondern eigenwillig, manchmal etwas kompliziert und einfach sehr menschlich. Gerade das mochte ich an ihr. Sie muss für sich selbst herausfinden, was sie eigentlich will. Ihre Entwicklung habe ich deshalb sehr gerne verfolgt.
Eva Lohmanns Schreibstil ist locker, direkt und angenehm zu lesen und hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Gleichzeitig steckt zwischen den Zeilen viel mehr, als der leichte Ton zunächst vermuten lässt. Das Buch greift wichtige Themen auf, ohne dabei schwer oder belehrend zu wirken.
Auch die Perspektivwechsel am Ende der einzelnen Kapitel mochte ich sehr. Dadurch bekam man immer wieder einen anderen Blick auf Situationen und Menschen und merkte, dass die eigene Wahrnehmung eben nicht immer die ganze Wahrheit ist.
Und natürlich möchte ich Frederic erwähnen. Das Riesenschecken-Kaninchen war für mich eines der kleinen Highlights der Geschichte und hat wunderbar zu Leo und ihrer besonderen Art gepasst.
„Etwas Leichtes“ ist ein wunderbar lebensnaher Roman über Neuanfänge, Erwartungen und die Frage, wie das eigene Leben eigentlich aussehen soll, jenseits davon, wie die meisten anderen es leben. Locker, humorvoll, ehrlich und auf eine besondere Art berührend. Für mich ein echtes Herzensbuch und eine klare Leseempfehlung!
Humorvoll, ehrlich und zutiefst menschlich
Gewöhnungsbedürftig von Daniela Wilmer
„Gewöhnungsbedürftig“ von Daniela Wilmer mochte ich sehr. Es erzählt von Katharina. Sie ist 37, lebt in Berlin, hat ihr Leben irgendwie im Griff – und gleichzeitig auch nicht. Nach einer Trennung und einem ziemlich blöden Treppensturz landet sie mit gebrochenem Handgelenk wieder bei ihrer Mutter in Bad Godesberg.
Dort wird sie mit alten Gewohnheiten, familiären Themen und vor allem mit sich selbst konfrontiert – Dingen, denen sie gerne aus dem Weg geht.
Ich mochte Katha als Protagonistin sehr gerne. Sie macht es sich selbst nicht leicht. Sie denkt viel darüber nach, was andere von ihr erwarten, zweifelt an sich selbst und ihren Entscheidungen und versucht häufig, es allen recht zu machen. Und genau das macht sie für mich so sympathisch. Denn Selbstzweifel kennen wir doch alle. Mal mehr, mal weniger. Ich konnte mich deshalb an einigen Stellen sehr gut in Katha hineinversetzen.
Aber auch die anderen Figuren waren mir alle sehr sympathisch und authentisch. Besonders gefallen haben mir die Beziehungen zwischen Katha und ihrer Mutter sowie zwischen Katha und Bruno. Gerade in der Beziehung zu ihrer Mutter spielen längst überwunden geglaubte Rollen und alte Muster eine Rolle. Alles wirkte sehr nahbar und echt.
Daniela Wilmer erzählt ihre Geschichte angenehm locker und mit einer guten Portion Humor. Das hat mir sehr gefallen, denn obwohl es um durchaus ernstere Themen geht, wird die Geschichte nie schwer oder bedrückend. Es gibt viele Situationen, bei denen ich schmunzeln musste, aber auch einige, die zum Nachdenken angeregt haben. Ich mochte besonders, dass die Geschichte nicht versucht, Katha irgendwelche einfachen Antworten zu geben, sondern sie ihren eigenen Weg finden lässt.
Und auch das Ende hat mir richtig gut gefallen. Es hat für mich sehr gut gepasst und die Geschichte auf eine stimmige Art abgeschlossen. Mehr verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht ????
„Gewöhnungsbedürftig“ ist ein humorvoller, ehrlicher und gleichzeitig nachdenklicher Roman über Selbstzweifel, das ganz normale Lebenschaos und ganz viel Mut. Ich habe Katha sehr gerne begleitet und hatte eine richtig gute Zeit. Eine Geschichte mit viel Herz, die für mich vor allem eines war: zutiefst menschlich.
Bangkok auf dem Teller – und ein bisschen Fernweh im Herzen
Wild Kitchen Bangkok von Yves Seeholzer; Florian Seeholzer
„Wild Kitchen Bangkok“ von Yves und Florian Seeholzer ist ein tolles Kochbuch. Schon beim Durchblättern hatte ich das Gefühl, ein kleines Stück Bangkok in den Händen zu halten. Die Fotos von Garküchen, Märkten, Straßen und Gerichten machen das Buch sehr lebendig und vermitteln einen schönen Eindruck vom (kulinarischen) Leben der Stadt.
Besonders gefällt mir, dass die Rezepte jeweils bestimmten Köchen und Köchinnen zugeordnet werden und man direkt erfährt, wer hinter den Gerichten steckt. Dadurch bekommt man einen viel persönlicheren Zugang zu den Gerichten und zur thailändischen Küche. Ich fand es schön, die Menschen hinter den Rezepten kennenzulernen – das macht das Buch für mich sehr nahbar.
Gleichzeitig gibt dies die Rezeptanordnung des Buches vor. Dadurch ist die Anordnung etwas anders als bei klassischen Kochbüchern, wobei trotzdem versucht wurde, die gewohnte Sortierung nach Kategorien beizubehalten. Beim ersten Durchblättern muss man sich daran kurz gewöhnen – für mich ist das allerdings kein Problem.
Die Rezepte selbst sind abwechslungsreich und zeigen die thailändische Küche in vielen Facetten. Von Salaten und Suppen über Currys und Nudelgerichte bis hin zu Desserts ist einiges dabei. Besonders praktisch finde ich, dass die Würzpasten nicht gleich für riesige Mengen, sondern für eine kleine Menge, etwa ein Einmachglas, angegeben sind.
Bei einigen Rezepten braucht man etwas speziellere Zutaten. Für mich war das kein Problem, da ich einige Monate in Thailand gelebt und auch selbst kochen gelernt habe und viele der Zutaten ohnehin zu Hause habe. Ich habe direkt zwei Rezepte ausprobiert, die sehr lecker und authentisch geschmeckt haben.
Auch die Seiten mit Fotos aus Bangkok, die immer wieder zwischen den Rezepten angeordnet sind, haben mir sehr gut gefallen. Sie vermitteln einen authentischen Eindruck vom Leben dort, haben schöne Erinnerungen bei mir geweckt und machen Lust auf eine weitere kulinarische Reise durch Bangkok.
Insgesamt hat mir „Wild Kitchen Bangkok“ sehr gut gefallen. Es ist für mich ein Kochbuch, das nicht nur Rezepte vermittelt, sondern auch die Menschen und die Küche dahinter zeigt. Nicht jedes Rezept werde ich nachkochen, aber viele haben mich neugierig gemacht und ich habe einiges an Inspiration mitgenommen. Ich freue mich schon darauf, weitere Rezepte auszuprobieren.
Eine gute Grundidee, die für mich nicht ganz aufgegangen ist
Valerie geht von Nina Henning
„Valerie geht“ von Nina Henning hat mich leider nicht so erreicht, wie ich es mir erhofft hatte. Dabei fand ich die Themen und auch die Grundidee des Buches sehr interessant. Trotzdem habe ich mich mit dem Lesen ziemlich schwergetan. Obwohl das Buch recht dünn ist, habe ich ungewöhnlich lange dafür gebraucht und hatte zwischendurch tatsächlich das Gefühl, ich komme einfach nicht ans Ende.
Im Mittelpunkt steht Valerie, die als alleinerziehende Mutter mit ihrem Alltag, ihren eigenen Erwartungen und vielen widersprüchlichen Gefühlen kämpft. Sie ist ständig auf der Suche nach Erklärungen für ihre Probleme – nicht zuletzt über Instagram. Als sie ihren Bus verpasst und den Weg zur Kita zu Fuß zurücklegt, wird dieser Spaziergang zu einer Reise durch ihre Gedanken und Erinnerungen.
Die Ideen hinter dem Buch fand ich gut. Es werden wichtige Themen angesprochen: Es geht um Überforderung im Alltag, moderne Mutterschaft, psychische Belastungen und die Suche nach sich selbst. Auch der Umgang mit Social Media und den vielen vermeintlichen Antworten auf die eigenen Probleme wird kritisch aufgegriffen. Gerade bei diesen Themen finde ich es wichtig, für mehr Verständnis und Sensibilität zu sorgen, weil in unserer Gesellschaft noch einiges schiefläuft.
Auch Valeries inneren Prozess und ihren Kampf fand ich grundsätzlich gut getroffen und stellenweise sehr authentisch. Die Gefühle, die sie durchlebt, sind zutiefst menschlich und durchaus nachzuvollziehen. Gerade ihre innere Zerrissenheit und ihre Entwicklung fand ich interessant dargestellt – mit Ausnahme der ständigen Diagnosesuchen auf Instagram, die mir irgendwann etwas zu viel wurden. Dennoch fand ich die Umsetzung im Buch teilweise erschlagend und für mich nicht passend.
Auch mit der Erzählweise hatte ich meine Schwierigkeiten. Vieles wirkte auf mich etwas konstruiert und an manchen Stellen fehlte mir einfach die Leichtigkeit, die ich mir bei diesen Themen gewünscht hätte. Mit Geschichten, die zu einem großen Teil aus den Gedankengängen einer Protagonistin bestehen, tue ich mich generell etwas schwer.
„Valerie geht“ hatte für mich eine interessante Grundidee und greift sehr wichtige Themen auf. Es gab einzelne Momente, die ich gut fand, insgesamt konnte die Geschichte für mich aber nicht ganz das entfalten, was in der Grundidee gesteckt hat, was ich sehr schade finde. Ich wollte das Buch wirklich mögen, aber es war für mich leider nicht das richtige Buch.
Drei Schwestern, drei Leben – und eine Verbindung, die bleibt
Schwestern. Trotz allem von Max Moor
Drei Schwestern, drei Leben – und eine Verbindung, die bleibt
„Schwestern. Trotz allem“ von Max Moor erzählt die Geschichte von Gerti, Rudi und Hansi, drei Schwestern, die nach dem Zweiten Weltkrieg voneinander getrennt werden. Während Gerti bei den Großeltern bleibt, kommen ihre beiden Schwestern ins Heim.
Was mich an der Geschichte besonders berührt hat, ist, wie unterschiedlich sich ihre Leben entwickeln und wie sehr die gemeinsame Kindheit trotzdem alle drei prägt.
Gerti steht dabei besonders im Mittelpunkt. Sie muss schon früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich in einer Zeit zu behaupten, in der Frauen nur wenige Möglichkeiten hatten. Ihre schwierige Beziehung zu Albert (der ebenfalls nicht unerheblichen Anteil in der Geschichte bekommt), ihre beiden Kinder und ihr großer Wunsch nach einer eigenen Familie machen ihren Lebensweg gleichzeitig bewegend und teilweise auch schwer auszuhalten.
Aber auch Rudi und Hansi bleiben nicht bloße Nebenfiguren. Jede der drei Schwestern geht ihren eigenen Weg und versucht auf ihre Art, mit dem Erlebten und den Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit umzugehen. Gerade diese unterschiedlichen Lebenswege fand ich spannend. Gleichzeitig wird deutlich, dass man seine Herkunft und die eigenen Wurzeln nicht einfach hinter sich lassen kann.
Die Figuren sprechen immer wieder einen leichten österreichischen Dialekt, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Da ich selbst einen Bezug nach Österreich habe, habe ich mich damit sehr wohl gefühlt. Max Moor erzählt ruhig, sprachgewaltig und ausführlich. Mir hat es gefallen, dass er sich viel Zeit für die Figuren und ihre Lebensgeschichten nimmt. Aber an manchen Stellen war mir die Erzählung allerdings etwas zu ausführlich, wodurch sich das Buch für mich zwischendurch immer wieder etwas gezogen hat.
Es ist kein Roman, den man einfach nur schnell wegliest, sondern einer, bei dem man die Figuren über viele Jahre begleitet und miterlebt, was eine schwierige Kindheit mit einem Menschen machen kann.
„Schwestern. Trotz allem“ ist für mich eine eindringliche Familiengeschichte über Verlust, Zusammenhalt und die Spuren, die eine gemeinsame Vergangenheit hinterlässt. Nicht jede Passage konnte mich gleichermaßen fesseln, aber insgesamt habe ich die drei Schwestern und ihre Lebenswege sehr gerne begleitet.
Eine leise Geschichte über Freundschaft, Schuld und das Erinnern
Und mittendrin der Birnbaum von Ute Mank
„Und mittendrin der Birnbaum“ von Ute Mank ist ein ruhiger, eindringlicher Roman. Er hat mich auf eine besondere Art berührt.
Im Mittelpunkt steht Dora, die nach vielen Jahrzehnten in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Dort wird sie wieder mit ihrer Kindheitsfreundin Fanny konfrontiert, einem jüdischen Mädchen, dessen Schicksal Dora nie wirklich losgelassen hat.
Gemeinsam mit der jungen Pina beginnt sie, Fragen nachzugehen, die über Jahrzehnte unbeantwortet geblieben sind. Es geht um Freundschaft und Verlust, aber auch um Schuld, Wegsehen und die Frage, wie man mit Erinnerungen lebt, die einen ein ganzes Leben lang begleiten.
Ich mochte sehr, wie Ute Mank Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Nach und nach erfährt man mehr über Dora und Fanny und bekommt ein immer besseres Gefühl dafür, was diese Erinnerungen für Dora bedeuten. Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen. Ute Mank schreibt ruhig, klar und unaufgeregt. Das Buch ist eher zurückhaltend erzählt, was für mich aber gut zur Geschichte passt. Trotzdem entstand nach und nach eine Spannung, weil ich unbedingt wissen wollte, was damals mit Fanny passiert ist.
Die Protagonistin Dora fand ich sehr interessant, weil sie keine Figur ist, die man einfach in eine bestimmte Schublade stecken kann. Ihre Gedanken und ihr Umgang mit der Vergangenheit haben mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Auch die Verbindung zwischen Dora und Pina fand ich schön. Zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen nähern sich einer Vergangenheit an, die für beide auf ganz unterschiedliche Weise Bedeutung bekommt. Für mich macht genau das den Roman besonders interessant: Die beiden Generationen begegnen sich auf eine Weise, die zeigt, wie wichtig es ist, sich auch heute noch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.t
„Und mittendrin der Birnbaum“ ist für mich ein stiller, berührender Roman über Freundschaft, Erinnerungen und die Schatten der Vergangenheit. Er hat mich nachdenklich und auch ein Stück weit traurig zurückgelassen. Vor allem aber hat mich das Buch daran erinnert, wie wichtig es ist, hinzusehen und Fragen zu stellen – auch wenn die Antworten unbequem sind. Ich empfehle ihn gerne weiter.
Eine Geschichte, die den Blick verändert und mich emotional berührt hat
Ein ganz normales Wunder von Woody Brown
„Ein ganz normales Wunder“ von Woody Brown ist für mich ein ganz besonderes Buch. Ich wusste vorher ungefähr, worum es geht, aber nicht, wie sehr mich die Geschichte emotional mitnehmen würde. Es ist ein Buch, das ganz unterschiedliche Gefühle in mir ausgelöst hat: Ich war traurig, wütend, musste schmunzeln und habe mich an anderen Stellen einfach mit den Figuren gefreut.
Manche Szenen haben mich tief berührt, andere haben mich richtig aufgeregt.
Besonders gefallen hat mir, dass die Figuren nicht auf ihre Behinderung oder ihre Einschränkungen reduziert werden. Sie sind Menschen mit ganz eigenen Wünschen, Ängsten, Hoffnungen und Bedürfnissen. Genau das macht die Geschichte für mich so authentisch. Man bekommt nicht das Gefühl, dass hier einfach eine Botschaft vermittelt werden soll, sondern lernt Menschen kennen, die einem mit ihren ganz unterschiedlichen Seiten ans Herz wachsen können.
Besonders beeindruckt hat mich, wie viel in diesem Buch zwischen den Zeilen steckt. Die unterschiedlichen Perspektiven haben mir immer wieder gezeigt, wie schnell man einen Menschen unterschätzt, nur weil er sich nicht auf die Weise ausdrücken kann, die wir gewohnt sind. Es hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, wirklich zuzuhören und Menschen nicht vorschnell nach ihrem Äußeren oder ihrer Art zu kommunizieren zu beurteilen. Dadurch hat mich das Buch zum Nachdenken gebracht.
Gleichzeitig ist das Buch nicht durchgehend schwer oder bedrückend. Woody Brown streut immer wieder einen trockenen, manchmal überraschenden Humor ein, der die Geschichte auflockert. Ich mochte außerdem den ruhigen und eher unaufgeregten Schreibstil. Brown beobachtet seine Figuren sehr genau, ohne sie ständig erklären oder in eine bestimmte Schublade stecken zu wollen.
Für mich ist „Ein ganz normales Wunder“ deshalb vor allem eines: zutiefst menschlich. Das Buch erzählt für mich gar nicht in erster Linie von Behinderung. Es erzählt von Menschen. Davon, gesehen und verstanden zu werden, seinen Platz in der Welt zu finden und nicht vorschnell über andere zu urteilen.
Mein Fazit: „Ein ganz normales Wunder“ ist ein leises, bewegendes, ehrliches und gleichzeitig überraschend leichtes Buch. Ich habe gelacht, war traurig und wütend und habe mich mit den Figuren gefreut. Ein ganz besonderes und zutiefst menschliches Buch, welches noch eine Weile im Herzen und im Kopf bleibt, ich sehr gerne weiterempfehle und viele Menschen lesen sollten!
Spannend, ungewöhnlich – aber nicht ganz meins
Danke für den schönen Abend von Gitta van Spree
„Danke für den schönen Abend“ von Gitta van Spree ist ein Roman, der mich vor allem mit seiner ungewöhnlichen Ausgangssituation und dem Klappentext neugierig gemacht hat. Alex Martin führt eigentlich ein eher unaufgeregtes Leben in Paris und arbeitet in einer Kunstgalerie. Gleichzeitig hat sie seit drei Jahren eine heimliche Beziehung mit dem verheirateten KI-Experten Kai Landsmann.
Als sie ihn eines Morgens tot in einem Hotelzimmer findet, trifft sie eine ziemlich überraschende Entscheidung: Statt die Polizei zu rufen, nimmt sie sein Handy an sich, verschwindet und gibt sich als jemand anderes aus.
Mir hat dabei besonders gefallen, dass Alex nicht einfach nur einem klassischen Mordfall hinterherjagt. Vielmehr geht es auch um die Frage, wie gut man einen Menschen wirklich kennen kann. Je mehr Alex über Kai herausfindet, desto stärker scheint sich das Bild zu verändern, das sie von ihm hatte. Dadurch entsteht eine interessante Mischung aus Spannung, persönlichen Gefühlen, Täuschung und Geheimnissen. Gleichzeitig gibt es einige Wendungen, bei denen man sich immer wieder fragt, wem Alex eigentlich noch vertrauen kann.
Die ersten zwei Drittel des Buches fand ich leider sehr anstrengend zu lesen. Der Inhalt besteht größtenteils aus den Gedanken der Protagonistin, die für mich oft wild und wirr durcheinandergehen. Dabei hatte ich häufig den Eindruck, dass diese Gedanken nicht wirklich zum Fortschreiten der Handlung beitrugen, sondern mich eher verwirrten und es mir schwer machten, der Geschichte zu folgen. Ähnlich ging es mir mit den zahlreichen Rückblicken. Bei vielen davon habe ich mich gefragt, warum sie Teil der Geschichte sind, da ich nicht das Gefühl hatte, dass sie für die eigentliche Handlung von Bedeutung waren. Dadurch fiel es mir zunehmend schwer, dranzubleiben.
Das letzte Drittel hat mir dann besser gefallen, denn hier wurde die Geschichte spannender und die Handlung kam für mein Empfinden deutlich mehr voran. Dennoch habe ich möglicherweise einfach keinen richtigen Zugang zur Geschichte gefunden, denn am Ende blieben für mich mehr Fragen als Antworten. Für mich bleibt daher vor allem ein Gefühl der Ratlosigkeit zurück.
„Danke für den schönen Abend“ ist ein sehr ungewöhnlicher und teils spannender Roman, bei dem nicht nur die Frage nach dem Täter interessant ist, sondern vor allem die Geheimnisse hinter einer Beziehung. Auch wenn mich der Roman leider nicht richtig abgeholt hat, fand ich die Idee und den ungewöhnlichen Ansatz interessant. Vor allem hat er es geschafft, dass ich noch lange über die Geschichte nachgrübeln musste, weil ich sie unbedingt verstehen wollte.
Ein großartiger Roman, der mich nicht mehr losgelassen hat
Inter alia von Suzie Miller
„Inter alia“ von Suzie Miller hat mich von der ersten Seite an gefesselt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch, auch wenn es an manchen Stellen schwer auszuhalten war. Es ist kein leichter Roman, sondern eine Geschichte, die mich emotional gefordert, berührt und auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat.
Im Mittelpunkt steht Jessica Parks, eine erfolgreiche Richterin und Mutter, die plötzlich mit einem Konflikt konfrontiert wird, der ihre Überzeugungen und ihr Familienleben auf die Probe stellt. Die Autorin verbindet dabei u.a. die Themen Gerechtigkeit, Feminismus (der mir an manchen Stellen allerdings ein wenig zu präsent war) und Mutterschaft.
Besonders beeindruckt hat mich, wie authentisch die Autorin den Alltag einer berufstätigen Mutter und die damit verbundenen Herausforderungen darstellt. Die Frage, wie man Beruf, Familie und die eigenen Überzeugungen miteinander vereinbaren kann, hat mich sehr berührt. Gleichzeitig thematisiert Suzie Miller die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben und zeigt, wie schwierig es sein kann, sich in einer von Männern geprägten Arbeitswelt zu behaupten. Der moralische Konflikt, in den die Protagonistin gerät, hat mich immer wieder zum Nachdenken gebracht. Es gibt hier keine einfachen Antworten, und genau das macht die Geschichte so stark.
Die Charaktere fand ich unglaublich authentisch. Ihre Gedanken, Zweifel und Entscheidungen wirkten auf mich so nachvollziehbar, selbst wenn ich nicht immer mit ihnen einer Meinung war. Auch den Schreibstil mochte ich sehr. Er ist klar, direkt und eindringlich. Bei den Gesprächen hatte ich oft das Gefühl, nicht nur Leser zu sein, sondern direkt mit am Tisch zu sitzen. Dadurch waren die Dialoge für mich besonders lebendig und haben mich noch tiefer in die Geschichte hineingezogen. Suzie Miller schafft es, die Geschichte aus einer sehr persönlichen Perspektive zu erzählen und gleichzeitig wichtige gesellschaftliche Fragen aufzuwerfen.
Da einige Themen und Situationen emotional belastend sein können, halte ich eine Triggerwarnung bei diesem Buch für sinnvoll. Beim Lesen habe ich mitgefühlt, war wütend und habe immer wieder über die Entscheidungen der Figuren nachgedacht.
Für mich ist „Inter alia“ ein großartiger Roman, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Es ist ein mutiges, kluges und aufrüttelndes Buch, welches wichtige Themen anspricht und mich berührt hat. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so schnell gepackt und gleichzeitig so sehr zum Nachdenken gebracht hat. Eine ganz klare Leseempfehlung von mir!
Eine schöne Geschichte über Briefe, Begegnungen und zweite Chancen
Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon
„Der Briefladen, in dem ich dich fand“ von Baek Seungyeon hat mich mit seiner besonderen Idee neugierig gemacht. Ein Laden, in dem Menschen Briefe an geliebte Menschen schreiben können, klingt für mich nach einem wunderbaren Ort für eine Geschichte über Gefühle, Erinnerungen und neue Begegnungen.
Die Handlung ist warmherzig und lädt dazu ein, sich auf die kleinen Momente des Lebens einzulassen. Besonders schön fand ich die Idee, dass Briefe Menschen miteinander verbinden und manchmal Dinge aussprechen, für die im Alltag die richtigen Worte fehlen. Die Geschichte hat für mich eine angenehme Ruhe, auch wenn sie mich nicht durchgehend gleichermaßen fesseln konnte.
Besonders gut gefallen hat mir die schöne bildliche Sprache mit ihren vielen Metaphern, die der Geschichte etwas ganz Besonderes verleiht. Der Schreibstil ist sehr ruhig, was mir grundsätzlich gut gefallen hat. Gleichzeitig war es für mich beim Lesen aber auch immer wieder eine kleine Gratwanderung, dass diese Ruhe nicht in Langeweile umschlägt. An manchen Stellen hätte ich mir deshalb etwas mehr Dynamik bzw. Handlung gewünscht.
Insgesamt habe ich die Geschichte gerne gelesen und mochte die liebevolle Grundstimmung, die sich durch das Buch zieht. Für mich ist es eine schöne Lektüre für gemütliche Lesestunden, besonders wenn man Lust auf eine leichte, gefühlvolle Geschichte mit einem Hauch von Melancholie hat.
Insgesamt hat mir „Der Briefladen, in dem ich dich fand“ gut gefallen, auch wenn es mich nicht so berühren konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Ich kann das Buch allen empfehlen, die gerne ruhige, herzliche Geschichten mit viel Gefühl lesen. Und auch all denen, die beim Lesen wieder Lust bekommen möchten, mit dem Briefeschreiben anzufangen. Mir erging es zumindest so.











