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Rezensionen von Brigittte:

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direkt ins Herz geschlichen

Vom Gespenst, das nicht allein sein wollte von Gareth Ryans

In diesem hübschen Bilderbuch lernen wir ein kleines Gespenst kennen, das große Angst vor dem Alleinsein hat. Doch statt sich damit abzufinden, fasst es Mut und macht sich auf die Suche nach Gesellschaft. Allein diese Botschaft ist doch einfach wundervoll: Man darf etwas verändern, wenn es sich nicht gut anfühlt.

Beim gemeinsamen Lesen haben wir richtig mitgefühlt. Die kurzen, einfühlsamen Texte passen wunderbar zu den liebevoll gestalteten Illustrationen. Man sieht dem kleinen Gespenst seine Gefühle förmlich an – und das bei einer Figur, die ja eigentlich ganz schlicht ist. Das hat mich wirklich beeindruckt. Die Bilder sind detailreich, aber nicht überladen. Die Farbgebung ist angenehm: eher dunkel gehalten, aber nie zu düster, sondern warm und heimelig.
Meine Enkel waren besonders gerührt von der Szene, in der das Gespenst schließlich einem anderen begegnet. Es wirkt immer so schwer, neue Freundschaften zu schließen – und doch kann es ganz einfach sein, wenn man offen und freundlich aufeinander zugeht. Die Geschichte zeigt aber auch, dass Rückschläge dazugehören, wenn man etwas verändern möchte. Aber sie macht Mut, dranzubleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.
Für uns ist das ein wunderbar warmherziges, tröstliches und stärkendes Buch für kleine (und große) Menschen.

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direkt ins Herz geschlichen

Rezensionen von Brigittte:

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Leseturbo anschalten!

Die Lese-Rakete von Anne Rummenie

„Die Lese-Rakete“ vom DUDEN-Verlag - ein Buch das gleich verschiedene Lesestufen beinhaltet - ist eine großartige Idee und dazu noch wunderbar umgesetzt. Als Erstleser ist man zu Beginn nicht überfordert, denn es startet ganz bewusst mit nur wenigen, kurzen Zeilen. Genau richtig, um Mut zu machen und die Freude am Lesen zu wecken.

Schritt für Schritt wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert – und das können die Kinder an der Raketenleiste am Seitenrand ganz genau mitverfolgen. Das motiviert ungemein! Meine Enkel fanden es herrlich, „eine Stufe weiterzufliegen“. Die große, gut lesbare Schrift und die farbige Silbenschreibweise sind dabei eine echte Unterstützung. Schwierige Wörter werden zusätzlich hervorgehoben – das gibt Sicherheit und hilft beim flüssigen Lesen.
Und die Geschichten? Oft richtig lustig! Es wurde geschmunzelt, gekichert und auch mal laut gelacht. Genau die Art von Humor, die Grundschulkinder lieben. Dazu kommen fröhliche, bunte Illustrationen zu jeder Geschichte, die das Gelesene wunderbar ergänzen. Für uns ist dieses Buch eine echte Lese-Motivation.

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Leseturbo anschalten!

Rezensionen von Brigittte:

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Alt genug – und wunderbar ehrlich

Alt genug von Ildikó von Kürthy

Es ist für mich jedes Mal ein kleines Glück, ein neues Buch von Ildikó von Kürthy aufzuschlagen. Ich liebe ihren unverwechselbaren Ton – unterhaltsam, klug und selbst bei ernsten Themen immer mit einem Augenzwinkern. Auch mit „Alt genug“ hat sie mich wieder mitten ins Herz getroffen, denn sie lässt uns darin sehr ehrlich an ihrem Leben teilhaben – an den schönen Momenten genauso wie an den herausfordernden.

Das alles schreibt sie mit so viel Wärme und Offenheit, dass man sich beim Lesen sofort verbunden fühlt. Man nickt, lächelt, schluckt – und hält immer wieder inne. Besonders berührt hat mich, wie sie die Lebensmitte beschreibt: diese Mischung aus Gelassenheit und Zweifel, aus innerer Ruhe und neuen Fragen. Wir haben Fehler gemacht – ja. Aber wir haben daraus gelernt. Und genau das macht uns doch aus. Älter werden ist nicht immer leicht. Man muss Abschied nehmen, bewegende Momente aushalten und trotzdem die eigene Kraft bewahren. Wie oft dachte ich beim Lesen: Genau so ist es. Was ich so bewundere, ist die Balance zwischen Gefühl und Humor. Sie schafft es, ernste Themen leicht wirken zu lassen, ohne sie kleinzureden. Man fühlt sich verstanden, angenommen und ein kleines Stück weniger allein. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Hat man einmal begonnen, möchte man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Für mich ist es eine sehr besondere, ehrliche und kluge Auseinandersetzung mit einer wichtigen Lebensphase.

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Alt genug – und wunderbar ehrlich

Rezensionen von Anndlich:

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Zwischen den Tagen

Marie und die Woche ohne Donnerstag von Elke Michel

Marie muss am Donnerstag zu ihrem absoluten Nicht.Lieblingsarzt, dem Zahnarzt. Das vermiest ihr ihre Ferien bereits am Sonntag, umso glücklicher ist sie über ihre neuen T-Shirts, die sich als magisch herausstellen und mit dem sie zwischen den Tagen wechseln kann. Wie praktisch, wenn man immer wieder den Besuch auf dem Rummel und das Lieblingsessen essen kann, doch dann fällt Marie auf, dass sie in dieser Woche feststeckt.

Kann sie dafür sorgen, dass sich die Zeit wieder weiterdreht?

Marie und die Woche ohne Donnerstag von Elke Michel ist ein magisches Abenteuer, das ziemlich ruhig daherkommt, aber eine unheimlich schöne Botschaft hat. Marie findet die außergewöhnlichen, magischen T-Shirts und kann durch sie zwischen den Wochentagen hin- und herwechseln, doch irgendwann verliert sie auch an den schönsten Dingen die Lust, weil diese ihre Besonderheit verloren haben. Durch Mut kann sie sich aus der Tristesse befreien und in eine neue Woche wechseln, doch dafür muss sie zum unbeliebten Zahnarzt.

Die Botschaft, dass auch unschöne Dinge wie der Besuch eines Zahnarztes dazu gehören, finde ich super. Gleichzeitig zeigt sich auch, dass schöne Erlebnisse auch irgendwann ihren Zauber verlieren könnten, wenn man sie ‚zu oft‘ erlebt. Marie vermittelt dadurch, dass man den Moment genießen muss und durch Mut belohnt wird. Und auch Tage mit unliebsamen Terminen sind nicht automatisch schlechte Tage, sie können dennoch schöne Momente erschaffen.

Die Geschichte kommt jedoch sehr ruhig rüber, durch den ständigen Wechsel zwischen den Tagen wirkt sie gleichzeitig zwangsläufig an einigen Stellen repetitiv, was etwas die Spannung und das Tempo herausnimmt und der Geschichte eher ruhige Töne mitgibt. Das Ende lässt erahnen, was im nächsten Band passieren könnte und obwohl die Idee wirklich toll war, weiß ich nicht, ob sie ein zweites Mal auf diese Weise funktionieren kann. Aber vielleicht ist genau das die große Überraschung für des nächsten Bands.

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Zwischen den Tagen

Rezensionen von LeserinLu :

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Hanni und Nanni für Erwachsene

Prep von Curtis Sittenfeld

Der Roman „Prep“ von Curtis Sittenfeld hat mich super unterhalten. Als großer Fan von Coming-of-Age-Geschichten bin ich voll auf meine Kosten gekommen und das Internatssetting mit Einblicken in die Welt der Reichen und Privilegierten hat mir zusätzlich sehr gut gefallen.

Erzählt wird aus Sicht von Lee Fiora, die mit vierzehn dank eines Stipendiums an die renommierte Eliteschule Ault bei Boston kommt.

Was zunächst wie der Eintritt in eine glamouröse, verheißungsvolle Welt wirkt, stellt sich schnell als emotionale Herausforderung heraus. Zuhause war Lee selbstbewusst und schlagfertig, in Ault fühlt sie sich zwischen den Reichen und Schönen plötzlich unscheinbar und fehl am Platz. Der Roman begleitet sie über mehrere Schuljahre hinweg durch Freundschaften, erste Lieben, Unsicherheiten und Fehlentscheidungen. Das Lesen fühlte sich ein wenig an wie das Verfolgen einer Serie: Man erlebt die Jahreszeiten, Entwicklungen und kleinen Dramen intensiv mit. Dabei bleibt die Geschichte leicht und gut lesbar, ohne oberflächlich zu sein. Gerade diese Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang hat mir sehr gefallen. Ich war deshalb sehr froh, dass der Roman so viele Seiten hat!

Für mich war „Prep“ ein sehr gelungener Coming-of-Age-Roman: unterhaltsam, klug beobachtet und mit genau der richtigen Portion Sozialkritik. Wer das Genre mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

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Hanni und Nanni für Erwachsene

Rezensionen von flyingmouse88:

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Wichtig und lehrreich

Das Zauberwort heißt Nein! von Rebecca Mir; Ruth Rahlff

In ihrem ersten Kinderbuch widmet sich Rebecca Mir einem Thema, das im Alltag vieler Menschen eine große Rolle spielt: dem Mut, „Nein“ zu sagen. Viel zu oft möchte man anderen gefallen und macht dadurch Dinge, die man eigentlich nicht machen möchte oder sollte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der kleine Kater Fiete, der genau dieses Problem kennt.

Er möchte seine Freunde nicht enttäuschen und hat Angst, sie zu verlieren. Doch diese bemerken schnell, dass Fiete kaum widerspricht – und nutzen das zu ihrem Vorteil aus. Erst eine unerwartete Begegnung mit einer kleinen Maus hilft ihm dabei, auf sein eigenes Gefühl zu hören. Schritt für Schritt gewinnt er an Selbstvertrauen.

Die Autorin erzählt in kurzen, klaren Sätzen, die sich gut für jüngere Kinder eignen. Mein Sohn ist vier Jahre alt und konnte der Geschichte gut folgen, anhand von täglichen Beispielen konnte ich dann das Gelesene auch in seinen Alltag transferieren.

Die großformatigen, farbenfrohen Illustrationen unterstreichen die Handlung wirkungsvoll. Besonders die Mimik und Körpersprache der Figuren machen ihre Gefühle nachvollziehbar und verstärken die emotionale Wirkung der Geschichte.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch, für mich wirkt die Geschichte am Ende zu abrupt beendet, irgendwie bleibt das Gefühl, dass noch etwas fehlt.

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Wichtig und lehrreich

Rezensionen von MarcoL:

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Wunderbarer Roman über weit mehr als eine toxische Mutter/Tochter Beziehung

Am Ende der Kleinigkeiten von Franziska Hauser

Irmas Geburtstag ist zugleich die Geburtsstunde von „Zeugland“, eine kommunenhafte Einrichtung für ein Zusammenleben ohne Besitz. Gründerin ist Irmas Mutter. Im Prinzip eine bedauernswerte Figur, die sich von Anfang an zur Antipathieperson schlechthin entwickelt, die man eigentlich aus tiefstem Herzen verachten und hassen müsste, so wie sie mit Irma umgeht.

Aber ist sie vielleicht auch nur ein Opfer?
Mit fünfzehn bricht Irma aus der Gemeinschaft, die ihr mehr Familie war als ihre Mutter in hundert Jahren nicht sein könnte, aus, und landet mittellos in der Stadt. Sie hat Glück, kommt im Theater unter, bekommt kleine Arbeiten, ein Dach über dem Kopf und bald sogar Rollen im Theater. Sie scheint ein Naturtalent zu sein, spielt die Rollen so, wie sie glaubt, sie spielen zu müssen, passt sich an. Dabei ist ihr völlig bewusst, dass ihre Mutter dabei als Vorlage dient.
Irma fühlt sich wohl in der Theatergemeinschaft, es ähnelt sogar ein wenig ihrer ersten Wohngemeinschaft. Allerdings mit einem großen Unterschied: während es auf Zeugland kaum persönlichen Besitz gab, herrscht in der Stadt und in ihrem neuen Leben der pure Kapitalismus. Ohne Geld geht nichts. Aber Irma rappelt sich durch. Enge Bekanntschaften zu einem Agent, der sie tatsächlich fördern möchte (zumindest so lange, wie seine Kassa damit klingelt) und in weiterer Folge mit einem toxischen Regisseur, der alles nur aus Eigennutz und persönlichen Befindlichkeiten sieht, bringen sie auf die Bühne.
Doch wie das Leben so spielt, eine Schwangerschaft beenden die Träume, und sie wird fallen gelassen. Auch ihre erste Mentorin, eine erfolgreiche Schauspielerin, kann ihr nicht mehr helfen. Irma kapiert: sie muss ihr eigenes Leben leben, und nicht nur spielen. Und sich nicht nur in die Rolle einer anderen eindenken.

S.239:“ […] fragte ich mich, was eigentlich mit mir auf der Bühne passierte, solange ich jemand anders war. Wo ist eigentlich Irma währenddessen? Wer passt auf mein wahres Ich auf, wenn ich gerade einem anderen Ich meinen Körper zur Verfügung stelle? Und was ist, wenn ich mich hinter der Bühne nicht wiederfinde?“

Dieser Roman ist weit mehr als der Selbstfindungstrip der Ich-Erzählerin Irma. Es ist quasi ein Kern, um den sich wie Zwiebelhäute der Kapitalismus, die alten DDR-Strukturen, und vor allem das Patriarchat spannen. Eine Männerwelt, die stets glaubt, dass Frauen ein Selbstbedienungsladen sind (Spoiler: so wie es auch der Regisseur Taron Irma gegenüber ausdrückte, wenn er morgens seinem „Drang“ nachgeben wollte).
Franziska Hauser hat in diesem Roman spannende, sehr authentisch wirkende Charaktere erschaffen. Wie erwähnt, die einen kann man nur lieben, die anderen nur hassen oder verachten.
Ich bin sehr gerne in diese Welt zwischen Siedlungsgemeinschaft und Theater eingetaucht. Man kann sich wunderbar von den Worten und tollen Sätzen treiben lassen, stets mit einer bestimmten kühlenden Brise im Antlitz, damit man immer gewahr ist, dass das Leben nicht nur Glück und Sonnenschein ist, aber viele Kleinigkeiten zu bieten hat.
Große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman.

PS: Ein paar Allegorien würden mir noch zum Begriff „Zeugland“ einfallen. Ein geschickt gewählter Name, würde ich sagen. Oder für das Theater, dass ja bekanntlich die „Bretter der Welt“ bedeuten soll.
Und noch eines: Je länger man liest, umso mehr wird man als Leser Teil dieser Welt. Da gibt es keine Längen, oder Wiederholungen. Mit fortschreitender Seitenzahl wird die Stimme der Autorin lauter, gleichzeitig einfühlsamer, die Sprache schöner und die Sätze intensiver. Ganz große Erzählkunst!

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Wunderbarer Roman über weit mehr als eine toxische Mutter/Tochter Beziehung

Rezensionen von Shilo:

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Eine Geschichte, die berührt

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna von Mareike Busch

Die Geschichte fängt ruhig an und zieht langsam hinein. Hanna steht sofort im Mittelpunkt und ihre Erinnerungen wirken echt. Es entsteht schnell Nähe zu dem, was sie erlebt hat und was sie verloren hat. Der Text liest sich leicht und flüssig und bleibt dabei klar. Erzählt wird aus Hannas Sicht, was der Geschichte Tiefe gibt und vieles nah wirken lässt.

Besonders fesselnd ist, wie sich Hannas Kindheit in Westpommern entfaltet. Die enge Bindung zwischen den Schwestern wird spürbar. Auf der Flucht geht Rosa verloren, und Hanna gibt sich die Schuld dafür. Die Ereignisse werden ruhig geschildert und nicht ausgeschmückt. Gerade dadurch sind viele Passagen sehr ergreifend.
Die Geschichte bleibt konzentriert und nachvollziehbar. Hannas Gedanken, ihre Angst und ihre Hoffnung wirken echt. Krieg, Verfolgung und Flucht werden ernst und respektvoll behandelt, ohne zu übertreiben. Vieles passiert zwischen den Zeilen, was die Geschichte noch berührender macht.
Der Aufbau ist sehr gelungen. Die Handlung bleibt überwiegend in der Vergangenheit und springt nicht ständig zwischen Zeiten hin und her. Nur am Anfang und am Ende öffnet sich der Blick in die Gegenwart. Das passt gut und sorgt dafür, dass der Lesefluss erhalten bleibt. Die Geschichte kann sich entfalten, ohne dass etwas hektisch wirkt.
Am Ende passt alles zusammen. Die Geschichte bleibt im Kopf und lässt einen nicht sofort los. Es bleibt ein ruhiges, zugleich schmerzhaftes Gefühl zurück, das noch eine Weile anhält.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die ruhige, fesselnde und sehr ergreifende Romane mit historischem Hintergrund mögen. 5 wohlverdiente Sterne.

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Eine Geschichte, die berührt

Rezensionen von Eternal-Hope:

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Viele neue Blicke aufs Liefern

Liefern von Tomer Gardi

Insbesondere in den urbanen Ballungszentren rund um den Globus sind sie überall präsent: die Männer, manchmal auch Frauen, auf ihren Fahrzeugen, die sich durch den Verkehr schlängeln und versuchen, möglichst schnell warme Speisen oder frische Lebensmittel zuzustellen. Denn eine schnelle Lieferung sorgt für zufriedene Kunden und gute Bewertungen, und außerdem kann man dann rasch den nächsten Auftrag annehmen, denn viel bekommen sie pro Lieferung ja kaum bezahlt.

Es ist eine prekäre wirtschaftliche Existenz, oft sozial wenig abgesichert, dem Verkehr, der Wetterlage und den Gefahren der Großstadt ausgesetzt, und unter ständigem Druck zu arbeiten, in der Hoffnung auf eine gute Bewertung und ein bisschen Trinkgeld.

Der Autor Tomer Gardi hat für diesen Roman jahrelang recherchiert. Gelungen ist ihm ein vielfältiges Kaleidoskop der universalisierbaren Erfahrungen rund ums Liefern. In diesem Episoden- oder Kollektivroman lernen wir verschiedene Charaktere rund um den Globus kennen, deren Leben zum Teil lose miteinander verflochten sind. Da gibt es Filmon, der aus Eritrea nach Israel geflüchtet ist, während seine Partnerin Daniat und die gemeinsame Tochter es nach Deutschland geschafft haben. Der versucht, über Videotelefonate die Verbindung und ein bisschen Intimität mit Daniat aufrechtzuerhalten und seine bald jugendliche Tochter noch nie live gesehen hat, seit er sich von seiner schwangeren Partnerin trennen musste, um das Land zu verlassen. Um in Israel als Lieferfahrer arbeiten zu können, muss er erst einmal beim Vermittler Shai, der kräftig mitkassiert, einen gefälschten Account dafür kaufen, denn die Wartezeiten, um regulär als Fahrer aufgenommen zu werden, sind bei den Lieferdiensten lang und unkalkulierbar.

In Delhi wartet eine Familie aus einer besser gestellten Sozialschicht auf die bestellten Burger, die nicht kommen, weil die Fahrerin Sachin - eine mutige Alleinerziehende, die von ihrem Mann verlassen wurde und sich auf diese Weise durchschlägt - einen Unfall hat, der wiederum das Leben von Nina aus Deutschland, die gerade im Rahmen ihres Studiums ein paar Wochen in Indien verbringt, dauerhaft verändern wird.

Die bisher erwähnten Personen sind nur ein paar der vielfältigen Charaktere und Perspektiven, die dieses Buch prägen. So tauchen wir beim Lesen immer wieder tief in das Leben einer Person ein, begleiten sie in ihrem rasanten Lieferalltag mit ein bisschen Privatleben drumherum und beginnen, mit ihr mitzufühlen, bis es dann auch schon um die nächste Region und eine neue Perspektive geht... doch insgesamt einen sie alle die Herausforderungen dieser Tätigkeit, die rund um den Globus oft von Menschen am Rande der Gesellschaft ausgeübt wird.

Das bunte Kaleidoskop an Perspektiven, das dabei entsteht, zeigt sehr gut die Universalität der Erfahrung prekärer Arbeit in diesem Bereich auf, genauso wie Klassenunterschiede, die oft von den Mächtigeren ausgenützt werden, und aber auch, was die Arbeit für manche "Rider" und insbesondere "Riderinnen" noch schwieriger oder gefährlicher macht als für andere: beispielsweise für solche ohne legalen Aufenthaltsstatus oder für Frauen, die noch einmal mehr den Gefahren gewalttätiger Übergriffe ausgesetzt sind, wie sich z.B. hier an Sachins Beispiel in Delhi zeigt:

"Alle Riders wussten, welches die gefährlichen Orte waren, und keiner wollte dorthin. Die Bestellungen wurden von einem Algorithmus an die Lieferanten verteilt, es war also reine Glückssache, eine Art Russisch Roulette. Technisch war es möglich, eine Lieferung abzulehnen, und ab und zu tat Sachin das auch, wenn sie die Gefahr manchmal nicht ertragen konnte oder wenn sie spürte, dass Vivaan an dem Tag besonders verletzlich war und sie ihn nicht in noch größere Ängste stürzen wollte. Aber jede Ablehnung einer Bestellung bedeutete einen automatischen Punktabzug auf der Bonanza-App und eine mögliche Senkung ihres Rankings. Für dieselbe Fahrt bekam ein Gold Status Rider dreimal so viel Geld wie einer auf Blue." (S. 99)

Interessant ist, dass sich in der Mitte des Buches ein längeres Kapitel findet, das der Autor im Gegensatz zum Rest des Buches ursprünglich in seiner Muttersprache Hebräisch verfasst hat und das für dieses Buch übersetzt wurde: dieses spielt in Istanbul und es geht unter anderem um Haartransplantationen, aber auch hier findet sich natürlich wieder ein Bezug zu den Riders und zu prekären Arbeitsbedingungen im Allgemeinen.

Insgesamt ist ein großes Kunstwerk entstanden, in dem es gelingt, so vielfältige und dabei oft universalisierbare Erfahrungen rund ums Liefern zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzuweben. Es ist aber durchaus ein anspruchsvolles Buch, das auch aufgrund der vielen Charaktere und Ortswechsel einiges an Aufmerksamkeit beim Lesen braucht. Geendet hat es für mich etwas abrupt und offen, hier hätte ich mir eine stimmigere Zusammenführung einiger offener Stränge gewünscht, aber das war vielleicht gar nicht die Intention des Autors.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und auch einige Wochen nach der Lektüre schwingt es bei mir emotional nach und hat meinen Blick auf die "Riders" und deren Lebensrealitäten stark erweitert. Ich kann das Buch allen, die bereit sind, Zeit und Energie in ein interessantes, aber durchaus forderndes Werk zu investieren, um ihre Perspektive aufs Liefern zu verändern, jedenfalls empfehlen.

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Viele neue Blicke aufs Liefern

Rezensionen von S.L. :

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Im Gemälde

Zwei in einem Bild von Morgan Pager

Aus anderer Perspektive gesehen: tagsüber erscheinen die Personen in jedem Gemälde der Galerie bewegungslos und starr, nachts dürfen sie agieren, ein eigenes Leben führen. Der Leser kann an ihren Gedanken teilhaben. Besonders an denen eines jungen Mannes aus einem Gemälde von Matisse. Dieser wirkt eigenartig auf Claire.

Sie liebt gemalte Bilder und ist glücklich über ihren Job, nächtens die Museumsräume zu putzen und die Gemälde nahezu ungestört betrachten zu können. Dabei geschieht das Unglaubliche: Claire kann hinein ins Gemälde klettern. Sie lernt Jean, einen Sohn Matisses, näher kennen und entdeckt auch die Welt anderer Kunstwerke. Ihr offenbart sich Ungeahntes.
Morgan Pager beschreibt ein Welt hinter Glas. Wie geht es den Figuren, wie leben sie, was fühlen sie und vor allem: was machen sie, wenn keine Besucher anwesend sind? Interessant, unerwartet - Gedankenspiele, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Andererseits aber auch ein wenig traurig stimmen …
Mit einigen Längen, jedoch phantasievoll und sogar mit einem Kriminalfall mitunter spannend.

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Im Gemälde