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Rezensionen von MarcoL:

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Sehr szenische Dystopie. Große Leseempfehlung.

Flora von Jonás Zboril

Sara und Adam streifen eines späten Abends außerhalb der Stadt in der Gegend herum – abseits des genormten Lebens. Sie finden etwas – ein Lebewesen, schwer definierbar, ob Mensch oder Tier oder ganz etwas anderes, da Kabel und Schläuche mit dem Körper verbunden zu sein schienen. Sara erbarmt sich, nimmt das Wesen mit und entwickelt starke Muttergefühle.

Adam ist von der Idee weniger begeistert, aber er unterstützt Sara dabei. In ihre Stadtwohnung zurück trauen sie sich vorerst nicht. Was ist, wenn jemand „Flora“, wie sie ihr Findelkind nennen, entdeckt, und ihnen wegnimmt. So beschließen sie ein Leben außerhalb der Gesellschaft. Adam besitzt jenseits der Stadt die Datscha seiner Großmutter, und sie verbringen dort ein Leben im Versteck, ohne Luxus und Annehmlichkeiten. Es gibt nicht mal Wasser – das bekommen sie von einer „Nachbarin“.
Es leben auch andere Menschen abseits der sozialen „Norm“ in jenem kargen Landstrich, den sie als Steppe bezeichnen.
Flora regt sich kaum, stellt keine Ansprüche, nimmt so gut wie keine Nahrung zu sich. Saras Liebe zu Flora wächst und wächst. Adam, der eigentlich andere Vorstellungen vom Leben hat, fügt sich aus Liebe zu Sara.
Das Setting ist sehr dystopisch. Dementsprechend fällt auch die Sprachführung aus. Sogar wenn die Sonne gnadenlos scheint hat man den Eindruck, dass alles nur grau und düster ist. Die Handlung konzentriert sich auf das Leben der Familie. Und ständig scheint man Stiche zu fühlen, die aus der geschützten Blase der Stadt nach außen dringen.
Das Leben ändert sich, die Umwelt ändert sich … und der ganze Roman entwickelt sich zu einer wunderbaren Metapher auf das, was wir tagtäglich (nicht nur) am Rande unserer Wahrnehmung registrieren. Dabei ist nicht nur der Klimawandel gemeint.
S.29: „Mir ist gar nicht in den Sinn gekommen, dass es auf der Erde nicht nur ein Artensterben, sondern auch ein Artenentstehen geben könnte. Ich sage zu Sara, was auch immer das Ding ist, es erinnert hauptsächlich an alles, was schiefgelaufen ist.“

Ganz große Leseempfehlung für diese sehr gut in Szene gesetzte Dystopie.

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Sehr szenische Dystopie. Große Leseempfehlung.
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Ein Roman mit einem gewaltigen Sog, voll mit starken Bildern.

Was die Felder hüten von Sara Maurer

Irgendwo in einem Nest unweit der Großen Seen in Michigan lebt der siebzehnjährige Everett. Er wächst mit seinen noch jungen Eltern auf einer Schaffarm auf, weiß worauf es ankommt und kann zupacken. Er hegt eine Fürsorge für seine junge Schwester und versucht, seinen Bruder Jay an die oftmals harte Arbeit zu gewöhnen.

Alles unter den Augen seiner Eltern.
Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, nichts von der technisierenden und zunehmend hektisch werdenden Welt hat Einfluss auf die kleine Idylle. Man trifft sich zu Auktionen, oder hängt wie in der klischeehaften amerikanischen Freiheit bei Lagerfeuer und Bier rum, fährt dazu einen PickUp und genießt das Leben. Pläne hat Everett auch schon. Er möchte nicht fort, die Farm ist sein zu Hause, er wird die Schäferei fortsetzen oder gar selbst mit Züchtungen erweitern. Klingt alles nach einem perfekten Plan.
Mary, mit der erst seit kurzem „zusammen“ ist, und seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelt, sieht das anders. Sie fühlt sich, seit dem sich ihre Eltern trennten und ihr Vater in jenem Nest sein Zelt aufgeschlagen hat, in die Landschaft geklebt wie eine labbrige Briefmarke. Sie möchte fort, in die Welt, Kunst studieren. Und Everett möchte das nicht …
Er plant, und die Hormone treiben ihr eigenes Spiel. Was letztendlich rauskommt sind Irrungen und Wirrungen auf dem Rücken von Verantwortung.
Der Roman ist ein wunderbarer Reigen – eine Art coming-of-age Geschichte aus der amerikanischen Traum-Idylle, mit lässigen Jungs, die trotz ihrer Zukunftsvisionen (von einem simplen, einfachen Leben) noch nicht reif für das Leben sind … und so manche Fehlentscheidung treffen. Zum Leidwesen anderer …
Wunderbar geschrieben (und übersetzt) fliegt man durch die Seiten, schwebt über das weite Land. Verantwortung, Verluste, Träume – alles aus der noch naiven Sicht eines Teenagers auf dem Weg zum Erwachsenen.
Sehr gerne gelesen und somit eine große Leseempfehlung (Haruf und Steinbeck würde es gefallen).

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Ein Roman mit einem gewaltigen Sog, voll mit starken Bildern.
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Neue Krimiserie aus Schweden – packend, fesselnd.

Waldnacht von Lina Bengtsdotter

Nordisches Setting, ein vertrackter Fall, eine Ermittlerin die neben den Täter*innen auch noch gegen eigene Dämonen kämpft. Das sind die perfekten Zutaten für diesen wilden Ritt durch die Stockholmer Peripherie.
Sakka wird zu einem Mordfall hinzugerufen – das Team tappt im Dunkeln, es gibt vorerst keine Anhaltspunkte, die zur Auflösung am Mord an einer jungen Mutter führen.

Die Spurensuche führt zunächst ins persönliche Umfeld des Opfers, irgendeinen Anhaltspunkt benötigt schließlich die Polizei. Die Ermittlungen führen zur eigenen Familie der Getöteten, und zu der ihres Mannes – ein gut situierter Anwalt, dem der Jetset oftmals mehr am Herzen zu liegen scheint als das Wohl seiner Familie. Und ein Blick in dessen Vergangenheit kann auch nicht schaden.
Ein Motiv für die grausame Tat lässt sich dennoch nicht wirklich finden … nur Spuren im schmelzenden Schnee, die sich alsbald ins Nichts auflösen.
Und dazwischen die eigenen Probleme von Sakka. Klingt abgedroschen? Hatten wir schon tausendmal? Mag sein – und dennoch ist es in diesem Roman anders. Es passt alles zusammen, spielt ineinander wie ein gut geöltes Räderwerk. Alleingang versus Team … eine eigene Gedankenwelt der Ermittlerin, geprägt von ihrer Vergangenheit und persönlichem Umfeld.
Das erste Drittel tröpfelt tatsächlich mehr abseits der Ermittlungen dahin, aber spätestens dann ist man gefangen in einem spannenden Setting, das sich mehr und mehr zu einem Pageturner entwickelt – und der Showdown – nun – es kommt immer anders als …

Dieser Roman ist der Auftakt einer neuen Serie; man darf also gespannt sein was uns die Autorin in Zukunft an packenden Lesestunden bieten wird.
Sehr gerne gelesen und eine Leseempfehlung

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Neue Krimiserie aus Schweden – packend, fesselnd.
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Guter Schauerroman im alten Stil. Leseempfehlung!

Goliaths Auge von Diego Muzzio

Eine schaurige Lektüre gefällig? Manchmal leicht verstörend, trotzdem gut unterhaltend? Mit historischem Setting? Fans von E. A. Poe? Dann scheint dieser Roman genau das richtige zu sein.
Dann stell dir vor, du bist Leuchtturmwärter. Allein. Dein Arbeitsort „Goliaths Auge“: die Abgelegenheit und Einsamkeit pur.

Versorgungsschiffe? Vielleicht alle heiligen Zeiten mal, sofern es Wind und Wetter erlauben. Und das kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Und du findest dort ein Tagebuch von deinem Vorgänger. Die Lektüre: nicht gerade aufbauend.
Du überlebst, wirst gerettet – kommst nach Edinburgh in die Nervenheilanstalt. Und dein behandelnder Arzt sieht in dir endlich DIE Chance, internationalem Ruhm zu erlangen. Also bist du Opfer hoch zwei. Seine bisherigen Patienten sind alle stark traumatisiert von den Gräuel des Krieges (die auch nicht unerwähnt bleiben). In der Hab-mich-lieb-Jacke wirst du eingeliefert, und kaum derer befreit, verfällst du in deiner Zelle in manische Schwimmbewegungen. Faszinierend. Findet einzig und allein dein Arzt Dr. Pierce.
Nun ja, - wirst du Heilung erfahren? Wo beginnt die Wirklichkeit, wo hört der Wahn auf. Wer ist letztendlich Patient und Opfer? Denn auch Dr. Pierce hat einen Leidensweg hinter sich … und was geschah wirklich?
Oder anders ausgedrückt: Trauma meets Trauma und die Grenzen verschwimmen wie der Horizont auf sturmumtoster offener See.
Der Roman ist sehr im Stile des Großmeisters Poe verfasst, spielt mit unseren Nerven und auch unserer Geduld. Die Sprache ist leider manchmal etwas holprig, Zusammenhänge sind oftmals erst auf den zweiten Blick erkennbar. Aber nichts desto trotz zieht uns der Autor in den Bann seiner Worte. Der Spannungsbogen bleibt erhalten, und mit (fast) jeder Seite sehnen wir uns der Auflösung entgegen, werden mit der Macht der traumatisierenden Erlebnisse der beiden Hauptprotagonisten mit voller Wucht konfrontiert.

Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen Roman, der im Original 2023 erschien, und sich hinter seinen „Vorbildern“ nicht zu verstecken braucht.

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Guter Schauerroman im alten Stil. Leseempfehlung!
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Wer einmal lügt … packende Erzählkunst. Große Leseempfehlung.

Die Wahrheit über Ruby Cooper von Liz Nugent

Wer einmal lügt, dem glaubt man … immer wieder, sofern es überzeugend und geschickt angestellt wird. Und das Sprichwort, dass Lügen kurze Beinen haben, mag auch nicht immer stimmen, denn oftmals sind es Siebenmeilenstiefel.
Ruby Cooper wächst behütet in Boston auf. Ihr Vater ist Oberhaupt einer von ihm gegründeten Kirche, nebenbei ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Ruby hat eine ältere Schwester, zu der sie aufschaut. Erin ist hübsch, und hat einen gefestigten Charakter. Und Ruby ist eifersüchtig, denn Erin hat einen Freund, der sie bedingungslos liebt.
Und das ist der Quell allen Übels. Es geschieht etwas … sehr Schlimmes; mit Ruby als Opfer.
Daraufhin sieht sich Rubys Mutter verpflichtet, ihre Tochter aus dem Schussfeld zu nehmen und zieht mit ihr zurück in die alte Heimat nach Dublin. Sie lässt Erin und ihren Mann zurück. Das einst so harmonische Familienkonstrukt beginnt nach und nach zu zerbröckeln. Ruby und Erin entfremden sich, letztendlich wird auch die Ehe geschieden. Und Ruby hat ein Geheimnis …mehr darüber wird von mir nicht erzählt.
In diesem Handlungsrahmen erzählt uns die Autorin in gekonnter und spannender Weise, wie es der Familie ergeht. Zugegeben gibt es ab und wann ein paar Längen im Buch, die nicht unbedingt nötig wären. Aber dennoch, Liz Nugent beschreibt perfekt die Kluft, in der Ruby sitzt - ihre Lügengespinste samt eiskalter Skrupellosigkeit auf der einen Seite, und aufkeimende Gewissensbisse mit der Angst vor den Konsequenzen, wenn alles ans Licht kommt, auf der Anderen. Man hasst Ruby gleichsam wie man mit ihr (und anderen Protagonist*innen) leidet.
Was wohl überwiegt? Und wie die Geschichte wohl enden mag?
Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für dieses weitere Werk aus der Feder der Autorin, deren andere Romane ich nur wärmstens anpreisen kann.

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Genial erzähltes Mini-Familienepos über mehrere Generationen aus Chile.

Der Flug des Kondors von Miguel Bonnefoy

Genial erzähltes Mini-Familienepos über mehrere Generationen aus Chile.

Ende des neunzehnten Jahrhunderts wütete in Frankreich die Reblaus. Kaum ein Weinstock überlebte den Befall. So traf es auch das Weingut Lonsonier. Der Winzer rettete einen einzigen Stock, grub ihn aus und machte sich damit auf die beschwerliche Reise nach Kalifornien.

Das Schicksal spülte ihn in Chile an Land. Nach Erholung von den körperlichen Strapazen tat er das, was er konnte. Er wurde zu einem der erfolgreichsten Weinbauer im Land – aus einer einzige Pflanze. Es ging ihm gut, hat Ländereien und eine Familie. Dennoch waren und blieben sie immer Emigranten – Fremde in einem Land. Seine Kinder und EnkelInnen spürten den Sog in die alte Heimat Europa, quasi ein unbekannter, dafür umso interessanterer Ort.
Die Wirren der beiden Weltkriege führten die Nachkommen Lonsoniers auf den alten Kontinent, vom Drang getrieben, für Frankreich (denn sie waren immer noch Franzosen) in den Krieg zu ziehen. Zwei Generationen kommen verletzt, desillusioniert und völlig traumatisiert zurück nach Chile, wo das Leben seine Fortsetzung fand.
Der Autor verzaubert uns wieder, wie schon mit seinem Roman „Der Traum des Jaguar“, mit einer intensiven Familiengeschichte und einem politischen Close-up Chiles über mehrere Generationen. Wie es den einzelnen Protaginst:Innen erging – bitte selber lesen. Der Roman ist es absolut wert.
Der Erzählstil ist gewohnt sehr flüssig und angenehm. Mit starken Szenen und magischen Einflechtungen zaubert Bonnefoy ein plastisches Bild von Chile, sowie ein gutes Abbild der Gesellschaft. Geschichte wird hier mehr als lebendig, zum Greifen nah.
Und letztendlich kommt die Frage aller Fragen: Was ist Heimat? Auch wenn es nicht explizit als Handlungsfaden vorkommt, so drängt sich dieses Thema wie von selbst auf.
Ganz große Leseempfehlung für dieses weitere Meisterwerk, ganz großes Kompliment an die Übersetzerin Kirsten Gleinig.

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Amüsant und eindringlich über das Leben, die Liebe und die Nibelungen.

nôt von Philip Krömer

Das Nibelungenlied: Heldenepos oder Liebesgeschichte? Dem möchte Marget auf die Spur kommen, denn sie ist überzeugt, dass es sich dabei nur um die Liebe gedreht hat. Sie mietet sich für ein Forschungsretreat in einem abgelegenen Weingut ein, hoffend auf ausreichend Ruhe für ihr Vorhaben. Den Anfang genießt sie noch alleine.

Doch, wie es so üblich ist, bleibt es nicht dabei. Volkmar taucht auf, ein Lautenspieler, will nur eine Nacht bleiben. Das Vermieterehepaar rund um die geschäftige Kriemhild glaubt sogleich an ein verstecktes Spiel der beiden und beginnt diverse Versuche der Kuppelei.
Währenddessen entdeckt Marget ein pikantes Geheimnis, und das kurz aufgetauchte Ehepaar Zagel geht ihr mächtig auf die Nerven.
Der Winzerhof scheint noch so manch anderes Geheimnis zu hüten. Die ein oder anderen Enthüllungen samt Tragödien tröpfeln ein, einem guten Wein nicht unähnlich ob der Wirkung, die man im Leserausch mehr als genießen kann.
Krömer schafft hier auf seinen knapp 130 Seiten ein wunderbares Bild davon, was die Liebe sein kann oder sein soll. Es wird ein Totengesang auf dieses Gefühl, ähnlich wie das Nibelungenlied uns als ein Requiem für den tragischen Helden beglückt, der selbst nicht frei von Unschuld war.
Allein die Eröffnungssequenz – ein wunderbare Zusammenfassung der Sage rund um Siegfried und Hagen und all deren Zeitgenoss:Innen – macht diesen Roman mehr als wert.
Die Sprache ist wunderbar gewählt, lässt uns staunen und schmunzeln, und vergnügt eine Seite nach der anderen aufschlagen, bis wir am Ende selbst merken: was wäre eine Welt ohne der Liebe. Möge es jede und jeder selbst für sich entscheiden (und wahrscheinlich unisono zum selben Schluss kommen).
Sehr gerne gelesen, gebe ich eine begeisterte Leseempfehlung für diesen kleinen, aber sehr feinen Roman.

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Amüsant und eindringlich über das Leben, die Liebe und die Nibelungen.
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Ruhig und sanft, tief wie der Ozean. Eine wunderbare Geschichte von den Shetlands

Der Ozean so wild und weit von Malachy Tallack

Still und unaufgeregt, dafür voller Tiefe, erzählt uns Tallack die Geschichte von Jack. Er ist ein Eigenbrötler, lebt zurückgezogen in seinem Haus, hat wenig soziale Kontakte und ist eigentlich mit seinem Leben zufrieden. Auch wenn er selbst spürt, dass da möglicherweise etwas an ihm und seinem Leben vorbei gehen mag, richtet er sich in seiner Blase ein.

Einzig die Musik ist sein täglicher Lichtblick, an dem er sich immer und immer wieder erfreut.
Eines Tages findet er eine seltsame Schachtel vor seiner Haustüre – und findet einen Inhalt, den er am liebsten sofort wieder los werden möchte. Und das zwingt ihn ein wenig, das ein oder andere Gespräch im Dorf zu führen. Seine Mauer bekommt Risse und lässt etwas zu ihm durchsickern, was er für sich selbst abgeschlossen und immer abgewehrt hat …
Parallel zu Jacks Geschichte erfahren wir einiges über seine Eltern. In sich wechselnden Kapiteln baut der Autor hier eine zweite Welt auf, die sich schließlich mit der von Jack vereinigt. Jacks Vater Sonny verdingt sich auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Ein harte Arbeit, bei der er dem Teufel so einige Male von der Schippe gesprungen ist – wie er erzählt. Er versteht, wie zerbrechlich die Welt sein kann, und kehrt auf die Shetlandinseln zurück, arbeitet hart (denn nichts anderes kann er) und gründet eine Familie.
Es ist dieser Wechsel in den Perspektiven, gepaart mit einer sanften Erzählweise, die uns das Leben auf den Inseln näherbringt. Ein Leben, das uns mit leisen Worten zeigt, wie filigran unsere Welt doch tatsächlich ist, und dass es gar nicht so schlecht sein kann, wenn in den eigenen Mauern Spalten sind, die für andere Gefühle durchlässig bleiben.
Ganz große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman.

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Ruhig und sanft, tief wie der Ozean. Eine wunderbare Geschichte von den Shetlands
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Heimat, Natur und viel Gefühl anno 1893

Johannifeuer von Susanne Betz

Ein Bergdorf im Großraum Mittenwald. Die Arbeit im auslaufenden neunzehnten Jahrhundert ist hart und entbehrungsreich, meistens reicht der Ertrag gerade mal zum überleben.
Vroni Graseggers zweiter Ehemann Anton (sieh trauert ihrem verblichenen ersten Gemahl, der außer Gewalt nichts für sie übrig hatte, in keinster Weise nach), ist mehr ein Tagträumer denn ein hart arbeitender Bauer.

Aber er versucht den Hof mit frischen Ideen voran zu bringen, möchte investierten und ausbauen. Schließlich gilt es in Zukunft einige Mäuler mehr zu füttern.
Die Beziehung ist … mehr oder weniger ein Arrangement … ohne große Gefühle.
Und wenn dann da nicht der renommierte britische Arzt Reginald Langdon-Down, Spezialist für die damals sehr weit verbreitete „mongolische Krankheit“ (es lebe die Genpool-Überschneidung), in Vronis Leben auftauchen würde und so manches Blut in Wallung bringt, wären so manche Gefühle unbekannt geblieben; besonders am Tag der Johannifeuer.
Im Kontrast zur schweren Arbeit an den Bauernhöfen steht Vronis Schwiegermutter, ein sehr großer Kropf als Erkennungsmerkmal, die ein für die Bergwelt sehr untypisches Mindset hat und nicht nur exzentrisch wirkt, sondern auch gerne mal abseits der aufgezwungenen Normen von Tradition und Kirche handelt. Ein Protagonistin, die man einfach mögen muss.
So kann man im großen und ganzen den Roman zusammenfassen – das klassische Setting für einen schmonzettierten Heimatroman. Sogar ein Wilderer kommt vor …
Dennoch bewegt sich der Roman etwas abseits dieses Genres. Wunderbare Naturbeschreibung und Stimmungsbilder werten dieses Buch auf, machen es zu einem feinen Sommerroman mit viel, aber nicht übertriebenen Gefühl. Kleine Seitenhiebe auf das sterbende Königreich (Ludwig II ist tot, sein Bruder Otto in der Klapse, und der Prinzregent … naja) runden mit etwas Geschichte alles ab.
Gerne gelesen, gut für warme Tage, an denen der Denkmuskel eh schon auf Stand-by läuft und somit eine Leseempfehlung für alle, die sich leicht mit geschickt gesetzten Buchstaben berieseln lassen möchten.

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Heimat, Natur und viel Gefühl anno 1893
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Vielschichtig, vielsagend. Ein spannender „Zukunfts“-Roman, mit aktueller Brisanz, wunderbar erzählt.

Tal der Schwalben von Seraina Kobler

"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".

Dystopie? Utopie? Thriller? Gar nichts davon oder alles zusammen? Schwer lässt sich dieser wunderbare Roman in eine Genre-Schublade stecken.

Und das ist auch gut so.
Viele Elemente verbinden sich hier zu einem äußerst stimmigen Roman, der einen nachdenklich hinterlässt; vor allem mit der Frage: was wird alles auf uns zukommen in naher Zukunft, was lässt sich noch abwenden?
Denn eines ist klar: Die Autorin erzeugt ein Szenario, dass noch nicht Realität ist, aber gute Chancen hat, es zu werden.
Die Klimakrise schreitet munter voran, die „Mächtigen“ tun nichts, um sie aufzuhalten. Sie ziehen ihren Nutzen und Profit daraus. Das Wohl weniger gegen das Leid der Massen (wem kommt es in unserer gegenwärtigen, geopolitischen Situation bekannt vor?).
Die Schweiz ist mittlerweile zu einer Mega-City mutiert. Nur die Alpen sind ein geschützter Raum, der nur spärlich bewohnt werden darf. Die Bergbauern und Anwohner der Täler wurden vertrieben, um der Energiegewinnung Platz zu machen. Riesige Kraftwerke sind entstanden.
Und nun soll der Wissenschaftler Alesch auch die letzten verbliebenen Bewohner seines Geburtsortes Pradetta überzeugen, ihre Heimat zu verlassen. Er kehrt zurück, und ein Zwiestreit beginnt sich in ihm zu regen. Und nicht nur das: unerklärte Wetterphänomene, gar ein Komplott und eine Verschwörung … die Zeit wird knapp …
Die Story kommt trotz all der Brisanz relativ unaufgeregt daher, ja manchmal wirkt alles nüchtern, von außen beobachtend. Und dennoch taucht man während der Lektüre tief in die Geschichte ein, lernt die Protagonist*innen kennen, als wären sie aus Fleisch und Blut.
Seraina Kobler hat hier ein brennendes Thema aufgenommen und sehr genial umgesetzt.
Der Roman ist vielschichtig wie spannend aufgebaut und regt einen, wie schon erwähnt, sehr zum Nachdenken an.
Ganz große Leseempfehlung .

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Vielschichtig, vielsagend. Ein spannender „Zukunfts“-Roman, mit aktueller Brisanz, wunderbar erzählt.