Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nil_liest:
Wann ist man eigentlich alt genug, endlich man selbst zu sein?
Alt genug von Ildikó von Kürthy
Das Sachbuch….ist es überhaupt eines? Da sind wir wieder bei Schubladen….Es beginnt wie ein Glas Wein auf einer Party, das plötzlich zu einem sehr ehrlichen Gespräch führt – eines, bei dem man merkt, dass jemand den Mut hat, Dinge auszusprechen, die viele denken, aber selten laut sagen.
Wieder mal sehr gelungen von Ildikó von Kürthy, kein Wunder, dass sie mit diesem Buch „Alt genug“ auf der Spiegel BestsellerListe auf Platz 1 gelandet ist.
Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, nicht einfach ein Buch zu lesen, sondern einer klugen, witzigen Freundin zuzuhören. Ildikó von Kürthy schreibt in „Alt genug“ nicht in der Distanz einer Autorin, sondern in der Nähe einer Erzählerin, die ihr Leben einmal auf den Tisch legt – mit all seinen Ecken, Zweifeln, kleinen Triumphen und auch den unbequemen Wahrheiten.
Formal ist das Ganze eigentlich gar kein klassisches Sachbuch. Es ist eher ein Memoir, ein literarischer Gedankenstrom, der sich rund um einen einzigen Abend entfaltet: eine Geburtstagsparty, während der die Autorin gedanklich durch ihr Leben wandert. Diese Struktur mochte ich sehr. Zwischen Gesprächen, Beobachtungen und kleinen Momenten der Selbstreflexion entstehen Rückblicke auf Freundschaften, Liebe, Verluste und Ängste. Alles fügt sich Stück für Stück zu einem sehr persönlichen Gesamtbild.
„Bis hierhin habe ich es also geschafft.
Nicht unbeschadet, natürlich nicht, ziemlich angeschlagen sogar, aber eben doch letztlich nicht unterzu-kriegen. Die Lebensmitte ist überschritten, ich habe geliebte Menschen, etliche Illusionen, häufig den Mut und zweimal mein Portemonnaie inklusive sämtlicher Papiere verloren.“ (Auftakt des Buches)
Ildikó von Kürthy schreibt lebendig, selbstironisch und mit einem feinen Gespür für Pointen. Sie kann in einem Moment sehr humorvoll sein – etwa wenn sie über das Wunder des Mittagsschlafs oder das frühzeitige Verlassen von Partys spricht – und im nächsten Moment überraschend ehrlich über Themen schreiben, über die sonst eher geschwiegen wird: Wechseljahre, Medikamente, Selbstzweifel, das Älterwerden selbst. Gerade diese Mischung aus Leichtigkeit und Offenheit sorgt dafür, dass der Text nie belehrend wirkt. Man fühlt sich vielmehr eingeladen, mitzudenken.
Besonders berührt hat mich, wie sehr dieses Buch Verbindung schafft. Es ist voller kleiner Bekenntnisse, die zeigen: Niemand ist mit seinen Ängsten, Erwartungen oder Unsicherheiten allein.
Und obwohl sich das Buch stark mit der Lebensmitte beschäftigt, habe ich gemerkt, wie gut mir diese Lektüre auch unter 50 tut. Vielleicht gerade deshalb. Es wirkt ein bisschen wie ein Blick in eine Zukunft, die weniger beängstigend ist, als man manchmal denkt. Eine Zukunft, in der man lernt, nicht mehr allen gefallen zu müssen.
Für mich war „Alt genug“ deshalb fast wie Balsam für die weibliche Seele – besonders für die Seite in uns, die so lange versucht, Erwartungen zu erfüllen, angepasst zu sein und es allen recht zu machen. Dieses Buch flüstert einem leise zu: Irgendwann kommt der Moment, in dem man merkt, dass man frei ist, einfach man selbst zu sein.
Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Buches:
Alt genug zu werden heißt nicht, etwas zu verlieren – sondern endlich etwas loslassen zu dürfen.
Rezensionen von ekiam:
Spielerisch die Baustelle entdecken – ein gelungener Einstieg für die Kleinsten
tiptoi® Wieso? Weshalb? Warum? junior - Bagger von Inka Friese
Mit der tiptoi® Wieso? Weshalb? Warum? junior-Reihe erweitert Ravensburger sein tiptoi®-Sortiment um Wissensbücher für die Kleinsten. Den Auftakt der Reihe macht der Dauerbrenner Bagger.
Auf acht Doppelseiten wird die Geschichte rund um Emma und ihren Opa Anton erzählt, der als Baggerfahrer gemeinsam mit seinen Kolleg*innen und verschiedenen Baustellenfahrzeugen einen neuen Spielplatz baut.
Eingebettet in diese Geschichte werden die wichtigsten Fragen zum Thema Bagger beantwortet: Was kann ein Bagger? Wie sieht er von innen aus? Welche Baggerarten gibt es? Das Wissen wird durch die Protagonisten lebendig und kindgerecht vermittelt.
Typisch für tiptoi® sorgen zudem realistische Baustellengeräusche für Wiedererkennung aus dem Alltag der Kinder. Ergänzt wird das Ganze durch ein Bagger-Lied sowie ein altersgerechtes Suchspiel.
Die Texte sind kurz, verständlich formuliert und prägnant, für Zweijährige stellenweise aber noch etwas umfangreich. Neu ist die Stimme, die durch das Buch führt: Während bisher Pascal Breuer die tiptoi®-Reihe begleitet hat, ist nun eine weibliche Stimme zu hören; ein gelungener und zeitgemäßer Wechsel. Dieser Perspektivwechsel zeigt sich auch in der Darstellung, denn auf der Baustelle arbeiten selbstverständlich auch Frauen.
Die Illustrationen entsprechen dem bekannten Stil der tiptoi®-Bücher: liebevoll, detailreich und gleichzeitig altersgerecht nicht zu überladen.
Das Format entspricht dem der Wieso? Weshalb? Warum? Junior-Reihe und ist ideal für kleine Kinderhände geeignet. Die stabilen Seiten halten einiges aus, auch wenn die für tiptoi® typische Spiralbindung das Umblättern gelegentlich erschwert und sich Seiten mitunter verhaken können, was gerade bei sehr kleinen Kindern zu Frust führen kann. Positiv hervorzuheben sind die abgerundeten Ecken, die sich mittlerweile in der Reihe etabliert haben.
Ein rundum gelungenes tiptoi®-Buch, das nicht nur für die Kleinsten spannend ist und einen tollen Einstieg in die Welt der Baustellen bietet.
Rezensionen von begine:
Drei Leben
Die Namen von Florence Knapp
Die Namen, heißt der Debütroman von Florence Knapp.
Das Cover des Buches zeigt drei Schatten, das passt besonders gut zu dieser Geschichte.
1987 meldet Cora ihren Sohn beim Amt an. Ihre Tochter schlägt Bär vor, sie findet Julian gut, aber der Vater will, das der Junge seinen Namen Gordon bekommt.
So beginnt dieser Roman über brutale häusliche Gewalt.
Die Autorin lässt für jeden der drei Namen eine neue Familiengeschichte beginnen. Abwechselnd werden die Zeiten erzählt.
Ich glaube jetzt nicht, das Namen die Schicksale enden können. Gott sei Dank, sonst wäre die Namenswahl nicht zu bewältigen.
Allerdings ist es interessant wie sich das Leben entwickeln kann.
Ich kann ja nie so richtig verstehen, wie Frauen die ewigen Schläge und Demütigungen aushalten können.
Diese Geschichte ist da schwer zu ertragen. Aber die verschiedenen Namen, machen doch Hoffnung.
Ich hoffe, das niemand das alles erleben muss.
Der Roman ist aber trotz allem, sehr gut gestaltet und dadurch sehr lesenswert.
Rezensionen von MarcoL:
Kritische, ironische, treffende Gesellschaftskritik. Literarisch einzigartig.
Die Elefanten von Sasha Filipenko
Auf einmal waren sie da, die Elefanten. Sie standen einfach so herum. In den Wohnungen, Büros, Straßen. Blockierten Teile des Lebens, machten alles etwas komplizierter und schwieriger. Niemand tat etwas dagegen, und bald waren sie eine Selbstverständlichkeit. Menschen, die dagegen aufbegehrten, wurden zu Außenseitern, ja Querulanten abgestempelt.
Und schnell offenbart sich uns diese Allegorie, wofür die Dickhäuter stehen.
Schnell passt sich der Mensch an Bedrohungen und Einschränkungen durch den Staat an, frei nach dem Motto: wenn es nicht schlimmer wird und mich kaum betrifft, was soll's.
Natürlich gibt es Einzelne, wie zum Beispiel den Stand-up-Comedian Pawel, der dagegen aufbegehrt, der ausspricht, was Sache ist, das Problem beim Namen nennt. Er versucht es mit Humor – dennoch verblassen seine anfänglichen Witze darüber schnell. Auch privat leidet seine Beziehung mit Anna – denn wenn die äußeren Einflüsse Druck ausüben, gerät auch das innere Gefüge ins wanken, mit existenziellen Folgen.
Das ist aber in diesem Roman noch nicht alles, denn die Figur von Alexander (Annas Vater und Schriftsteller) besticht durch eine interessante literarische Idee: Er möchte einen Roman schreiben, der nur aus Leserkommentaren aus den Social-Media-Bubbles besteht. Und just finden wir dieses Experiment schwarz auf weiß vor uns, denn Filipenko bedient sich selbst dieses Stilmittels (genial, aber anstrengend).
Was mir jetzt nicht so behagte bei der Lektüre waren die angedeuteten Kreuzworträtsel. Denn ab und zu muss man sich dann ein Wort aus dem zu Beginn stehenden Kreuzworträtsel selbst raus suchen (was nicht besonders schwer ist, aber den Lesefluss unterbricht).
Der Roman ist eine Parabel, ein politischer Fingerzeig, der gezielt auf die offenen Wunden in der Gesellschaft drückt. Die Gefahr schleicht sich ein, Zensur und Diktatur werden schnell als Normal erachtet.
Und gerade in dieser Zeit ist dieses Buch aktueller denn je. Rund um den Globus brennt es, die Feuer geschürt von machtbesessenen Autokraten, denen das Wohl des eigenen Volkes völlig egal ist – man kann auf dem Globus hinschauen, wo man will, diese beißende Kritik trifft überall ins Schwarze.
Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diesen sehr speziellen Roman für alle, die sich auf ein literarisches Experiment einlassen möchten.
Rezensionen von Skanus:
It's showtime
Ein Date mit deinem Gehirn von Damir del Monte
Dieses Buch ist ein populärwissenschaftlichen Buch. Deswegen hat es mich angesprochen. Mit viel Interesse an dem menschlichen Gehirn, seinen Funktionsweisen und seinem Aufbau, habe ich erwartet, diese Sachverhalte in klaren Worten erklärt zu bekommen. Gerne auch wissenschaftlich untermauert, evtl. mit Fachbegriffen.
Was ich bekommen habe, ist eine blumige Schilderung, angereichert mit bildhaften Vergleichen, die zur Verständlichkeit beitragen sollten, leider aber das Gegenteil erreicht haben: meine Gedanken schweiften ab, die Augen lasen die Buchstaben und das Gehirn verlor sich irgendwo unterwegs zum Ende des Satzes.
Einige Informationen blieben als "neu" im Gedächtnis haften. Es waren solche, die in klarer Sprache aufgeschrieben wurden. Auch die grafischen Übersichten auf den Rückseiten der Buchdeckel sind anschaulich und verständlich. Die Zusammenhänge erschließen sich.
Das umfangreiche Quellenverzeichnis am Ende des Bandes ist beeindruckend. Es finden sich neben Fachartikeln aus dem medizinischen Bereich und Universitätsveröffentlichungen erstaunlich viele Publikationen aus deutschen Publikumsverlagen. Weitere populärwissenschaftliche Werke.
Bei der medizinischen Qualifikation des Autors hätte ich mehr erwartet: mehr Fachliches, mehr Medizinisches und besonders eine straffere, sachlichere Sprache. Die Dinge mehr auf den Punkt gebracht, weniger "fabulieren".
Eine Recherche über den Autor ergab einen ansprechenden Webauftritt mit vielen positiven Äußerungen und Bewertungen. Die Biografie fällt etwas kurz aus und lässt sich nicht anderweitig online nachlesen. Es scheint nur diesen Webauftritt zu geben, ansonsten keine Referenz. Alles dreht sich um diese Buch und mediale Wirksamkeit. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass das Mediale dem Autor zu breiter Aufmerksamkeit verhelfen soll. Die Bilder seiner Life-Show lassen erkennen, wie sehr der Auftritt zu einer actiongeladenen Veranstaltung gemacht wurde.
Ich kann das Bemühen, neurowissenschaftliche Themen anschaulich für Jedermann darzustellen, nachvollziehen. Es sind spannende Fragen rund um das menschliche Gehirn, die vielen Menschen ihren Denkaparat näher bringen sollen und den Zusammenhang zum "Gesamtkonstrukt Mensch" erklären möchten.
Ich hätte mir all diese Themen weniger "show-mäßig", sondern mehr fachspezifisch gewünscht. Klare Fakten verständlich aufbereitet. Darunter muss das Zusammenspiel von Gehirn und Geist - ein zentrales Thema des Buches - nicht leiden. Auch hier geht eine klare Darstellung, die ohne weitschweifige Beispiele auskommt.
Rezensionen von Nele33:
gute Dystopie für die Altersklasse
The Factory – Es gibt kein Entkommen von Catherine Egan
"The Factory-Es gibt kein Entkommen" der Autorin Catherine Egan hebt sich in überraschenderweise von den üblichen Dystopien für Jugendliche ab. Das Buch wird für Jugendliche ab 12 Jahren empfohlen, diese Einschätzung unterstütze ich als Erzieherin auf jeden Fall.
Protagonist ist der 13-jährige Asher, der für ein Jahr in die Factory geht um augenscheinlich die Welt zu verbessern.
Es handelt sich um ein Experimentprogramm um die Zukunft auf der Erde für nachfolgende Generationen lebbar zu machen. Das beste für Asher daran ist allerdings die gute Bezahlung, die seiner Familie ein besseres und ein Leben außerhalb von Armut ermöglichen könnte. Doch seine anfängliche Begeisterung schlägt schnell in Misstrauen um, handelt es sich bei der Forschungsstation doch eher um ein Lager, in dem die Kinder in Containern und bewacht leben müssen.
Er und seine neuen Freunde hinterfragen das Institut und kommen einem sehr großen Skandal auf die Spur.
Die Autorin hat mit Asher einen sehr nahbaren Protagonisten geschaffen. Die Thematik als Dystopie beschrieben, könnte ich mir sehr gut als real vorstellen, besonders wenn man das momentane Weltgeschehen dabei im Auge hat.
Altersentsprechend werden ausführlich die Extraktionen erklärt und die Spannung ist für Jugendliche von der ersten Seite an durch den passenden Schreibstil vorhanden.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger der neugierig auf den nächsten Band und die Entwicklung darin machen.
Ein tolles, durchdachtes und spannendes Buch für die vorgeschlagene Altersgruppe.
Rezensionen von Bücherfreundin:
Berührender feministischer Roman
Das Tränenhaus. Roman von Gabriele Reuter
Seit 2024 legt der Reclam Verlag in seiner Reihe "Reclams Klassikerinnen" Werke bedeutender und oft vergessener Autorinnen neu auf. Diese überarbeiteten Neuauflagen sind auch optisch so schön und modern gestaltet, dass sie in jeder Buchhandlung Beachtung finden und mancher Leser sich beim Lesen des Klappentextes wundert, dass es sich um wiederentdeckte Werke handelt.
Gabriele Reuter war bekannt als Autorin realistischer und sozialkritischer Romane, ihr größter Erfolg war das 1895 erschienene Buch "Aus guter Familie". 1908 veröffentlichte sie ihren Roman "Das Tränenhaus", in dem sie die damalige Doppelmoral in der Gesellschaft beschrieb und damit einen Skandal auslöste.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Autorin Cornelie Reimann, die ledig ist und ein Kind erwartet. Sie ist von zuhause geflohen und hat sich ein Zimmer in einem einfachen Wirtshaus genommen, um dort in Ruhe ihr Buch fertigzustellen. Die Tantiemen sollen die Versorgung ihres Kindes sicherstellen, da sie damit rechnet, die Geburt nicht zu überleben. Bald zieht sie in ein Frauenheim um, das von Frau Uffenbacher, einer resoluten Hebamme, geführt wird. Sie bietet ledigen Frauen einen Zufluchtsort, um ihre unehelichen Kinder fernab von ihren Familien zur Welt zu bringen. Cornelie zieht sich zu Beginn ihres Aufenthaltes auf ihr Zimmer zurück. Als sie erkennt, dass die übrigen Bewohnerinnen des Geburtshauses von Frau Uffenbacher schlecht behandelt werden, ergreift sie Partei für die Frauen und schließt Freundschaft mit ihnen.
Die Autorin erzählt die berührende Geschichte, in der es um ungewollte Mutterschaft und die harten Lebensbedingungen der betroffenen Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts geht, in der Sprache der damaligen Zeit. Viele Dialoge sind im schwäbischen Dialekt verfasst, was meinen Lesefluss anfangs etwas bremste. Die Charakterzeichnung ist Gabriele Reuter hervorragend gelungen, ich konnte mich gut in die einzelnen Frauen hineinversetzen, die in ihrer Not und aus Angst vor der Schande Zuflucht in der Anonymität eines Geburtshauses suchten. Es war spannend, Cornelies Entwicklung und die ihrer Mitbewohnerinnen zu verfolgen, und ich habe mich darüber gefreut, dass die ungleichen Frauen ein Gemeinschaftsgefühl entwickelten und sich gegen die Schikanen der Hebamme auflehnten.
Ebenso lesenswert wie der Roman ist auch das 12-seitige Nachwort der Literaturwissenschaftlerin Annette Seemann, in dem sie viel Wissenswertes über die Autorin, die ihre eigenen Erfahrungen in ihr Buch hat einfließen lassen, erzählt. Sehr interessant fand ich auch die Zeittafel am Ende des Buches, die Gabriele Reuters Lebensstationen aufzeigt.
Leseempfehlung für dieses mutige Buch!
Rezensionen von lesen=liebe:
Herzliche Monster
Ninas Monster. Falsch geliefert von Rüdiger Bertram
Ninas größter Wunsch ist, ein Monster als Freund zu haben. Da sie in der Schule oft gehänselt und ausgelacht wird, möchte sie ein starkes Monster an ihrer Seite haben, vor dem sich alle fürchten.
Ich habe das Buch gemeinsam mit meinen Söhnen (7 und 8) gelesen. Es ist eines dieser Bücher, die einen schon auf der ersten Seite abholen.
Man kann sich gut in die Figuren hineinversetzen und ihre Gefühle und Wünsche nachvollziehen. Die Beziehung zwischen Oma und Nina berührt uns besonders. Oma nimmt Ninas Sorgen ernst und unterstützt sie mit viel Herz. Schön ist auch, dass Nina die Monster nicht verheimlichen und sich keine Ausreden ausdenken muss.
Auch Ninas Eltern sind toll. Sie haben zwar wenig Zeit für Nina, reagieren aber erstaunlich verständnisvoll und gelassen, als die Monster auftauchen. Viele Szenen haben uns zum Lachen gebracht.
Am Ende waren die Kinder sogar ein bisschen traurig, dass das Abenteuer schon vorbei war. Mein Sohn meinte: „Schade, dass wir das Buch schon fertig gelesen haben.“ Das sagt doch alles.
Rezensionen von Katharina Grassmugg:
Eine beeindruckende Frau
Finding My Way. Ein Memoir von Malala Yousafzai
Malala ist für mich schon sehr lange eine Frau die mich total fasziniert. Ihr Mut sich für die Rechte der Mädchen einzusetzen, der ihr tragischerweise eine Kugel in den Kopf bescherte, ist total beeindruckend.
In diesem Memoir erzählt sie aus ihrem Leben auf eine sehr authentische und ungeschönte Art und Weise.
Immer wieder reflektiert sie über sich, ihr Leben und dem Zwiespalt zwischen ihren Wünschen und dem was die Tradition oder die Gesellschaft von ihr erwartet.
Man lernt eine junge Frau kennen die ihren Uniabschluss fast nicht schafft weil sie zu viele Fehlzeiten aufweist die sie angesammelt hat um auf Konferenzen über Mädchennildung zu sprechen, eine Mädchenschule in Afghanistan aufzubauen oder mit staatsoberhäuptern zu sprechen. Eine Frau die mit ihren Freundinnen feiern und tanzen geht und von ihren Eltern kritisiert wird weil man sie beim Rudern fotografiert und die immer wieder den Satz:"was sollen die Menschen zuhause von dir denken" zu hören bekommt. Immer wieder liest man von Malalas Zwiespalt, von ihren Schwierigkeiten über die sie oft spricht ohne zu beschönigen. Sie spricht über ihre traumatischen Erfahrungen und die Folgen ebendieser, erzählt von ihrer Therapieerfahrung ebenso wie von ihren politischen erfolgen für die Mädchenbildung.
All das hat in ihren Erzählungen gleich viel Platz was dieses Buch in meinen Augen sehr authentisch und leicht zu lesen macht. Manchmal fühlt man sich ihr so verbunden als würde sie neben einem sitzen.
Für mich war dieses Buch wirklich absolut großartig zu lesen und eine der interessantesten Memoiren die ich bisher gelesen habe. Ich finde Malala einfach großartig und habe dieses Buch mit Freuden gelesen, mit ihr mitgeliefert, mitgelitten und mitgehofft. Ein total tolles Buch einer total tollen Frau.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Vom Wert und vom Preis der Schönheit
Das schönste aller Leben von Betty Boras
"Das schönste aller Leben" ist das Romandebüt der Autorin Betty Boras. Schöne Menschen haben in vielen Lebensbereichen, ob privat oder beruflich, Vorteile, so sagt es die Volksweisheit, und das ist auch das Ergebnis so einiger Studien. Und wünschen sich nicht die meisten Eltern insgeheim, wenn auch oft unausgesprochen, ein hübsches Kind, oder zumindest kein hässliches? Wenn wir unseren Kindern das bestmögliche Leben wünschen, ist Schönheit ein wichtiger Bestandteil davon? Was passiert mit ihren Lebensperspektiven, wenn die Schönheit auf einmal beeinträchtigt wird? Doch ist Schönheit nur ein Vorteil, oder gibt es auch einen Preis, der damit einhergehen kann?
Dieses unterhaltsame und gleichzeitig tiefgründige Buch verhandelt das Thema Schönheit und ob und wie sie zu einem guten Leben beiträgt, eine Voraussetzung dafür ist oder es sogar verhindern könnte, aus vielfältigen Perspektiven, eingebettet in eine Mehrgenerationengeschichte einer rumäniendeutschen Familie.
Es gibt vier Erzählperspektiven:
1) Vio, das ist die kindliche und später jugendliche Viola, die gemeinsam mit ihren rumäniendeutschen Eltern aus dem Banat nach Deutschland auswandert. Die sich dort wünscht, nicht aufzufallen, sich anpassen und genauso wie ihre deutschen Mitschülerinnen sein möchte. Die als Jugendliche wegen Skoliose ein Korsett tragen muss und unter dem Schmerz und der Einschränkung der Bewegungsfreiheit sehr leidet. Und die auch spürt, wie sehr die Erwartungen der Eltern, aus ihrer Chance auf ein gutes Leben in Deutschland etwas zu machen, auf ihr lasten.
2) Ich, das ist die erwachsene Viola, Mutter einer kleinen Tochter, die als sehr hübsches Mädchen auf die Welt gekommen ist, aber durch einen tragischen Unfall, der von Viola unbeabsichtigt verursacht wurde, Narben im Gesicht davongetragen hat. Viola aus der Ich-Perspektive hadert sehr mit diesem Schicksal, macht sich dafür verantwortlich und entwickelt dadurch psychische Probleme.
3) Theresia, eine entfernte Vorfahrin dieser Familie, die vor Jahrhunderten zur Zeit Kaiserin Maria Theresias als Ziehtochter einer wohlhabenden Familie in Wien aufwuchs, doch aufgrund von einem aufgeflogenen außerehelichen Sexualkontakt mit einem Priester von der unbarmherzigen Keuschheitskommission in ein Straflager in das rumänische Banat verschleppt wurde. Auch Theresia galt als sehr hübsch, und das wurde ihr zum Verhängnis.
4) Die Banater Erde, die auf die Menschen blickt, von denen sie bearbeitet und geprägt wurde, die auf ihr geboren und in ihr gestorben sind, und die sie verlassen haben: "Die Letzten von euch sind 1990 gegangen, nur ein spärlicher Rest ist übrig geblieben. Wie Ratten habt ihr das sinkende Schiff verlassen, sobald sich eine Gelegenheit bot. Der Diktator war tot, und ihr wähntet eure Zeit gekommen. Wie sehr ihr euch getäuscht habt! Ja, das Leben in der Diktatur war kein Zuckerschlecken, aber ist die Regierung eines Landes das Einzige, was zählt? Sind es nicht auch seine Menschen, seine Traditionen, die Erde, aus der man gewachsen ist? Hier wart ihr jemand, ihr wart Deutsche." (S. 213)
Das Buch ist voll von tiefgründigen, ehrlichen Aussagen und in einer eindringlichen, besonderen Sprache verfasst. Es hat mich damit sofort in seinen Bann gezogen, schon ganz am Anfang, als etwa Viola ihren Wunsch nach einer schönen Tochter äußert: "Ich schäme mich, dass ich eine schöne Tochter möchte. Ich würde lieber sagen, sie soll glücklich sein. Das will ich auch, aber ich bin mir sicher, mit der Schönheit kommt ein Teil des Glücks von selbst. (...) Ich wünsche meiner Tochter Resilienz, möchte ihr ein gutes Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben, möchte, dass sie Zufriedenheit unabhängig vom Urteil anderer empfindet. Ich bin aber überzeugt davon, dass es von alledem mehr braucht, wenn sie weniger schön ist. Einen schönen Menschen resilient zu machen ist einfacher." (S. 9)
Neben physischer Schönheit ist auch die Frage nach einem schönen, guten Leben eine prägende, die sich durch das Buch zieht, und auch hier geht es wieder um den Preis: der Preis, die eigene Heimat zu verlassen und in ein Land zu ziehen, in dem man sich erst einmal fremd fühlt, genauso wie der Preis, physische Einschränkungen und Schmerzen, wie ein Korsett oder eine Zahnspange, auf sich zu nehmen, um die eigene Schönheit zu verbessern. Auch Themen wie Klasse, Identität und der dazugehörige Habitus sowie der Wunsch nach sozialem Aufstieg finden Raum in dem Buch: "Vio hatte schnell verstanden, dass das Gymnasium nur für die Besten war. Sie wollte unbedingt dazugehören, aber musste sie dafür nicht mehr wie Nina sein?" (S. 66)
Insgesamt ist es eine berührende Familiengeschichte, die ich äußerst gerne gelesen habe, die genauso unterhaltsam wie tiefgründig ist und mir neue Denkanregungen über die Verknüpfung von Schönheit, Identität, Migration und Chancen gebracht hat. Mein einziger Kritikpunkt ist der Handlungsstrang um die Ahnin Theresia: dafür, dass dieser vor mehreren Jahrhunderten spielt, hat er sich für mich nicht ganz genug in dieser historischen Zeitepoche verortet angefühlt und die Figuren in diesem Teil haben für mich in Bezug auf Sprache und Handeln zu modern und damit nicht vollständig authentisch gewirkt.
Dieser Kritikpunkt gilt nicht für alle anderen Teile, in denen ich die Charaktere als sehr authentisch konstruiert und passend in Zeit und Raum verortet wahrgenommen habe (vermutlich ist dieser Teil auch näher an der eigenen Biografie der Autorin dran).
In Summe vergebe ich gute 4 Sterne für ein empfehlenswertes Buch, das ich einer breiten Leserinnenschaft, aber insbesondere jenen, die sich für Familiengeschichten in Verbindung mit Identität, Migration und Schönheit interessieren, sehr empfehlen kann. Auf weitere Bücher dieser Autorin bin ich sehr gespannt!











