Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Eine komplizierte Beziehung
Red von Louise Kennedy
„Red“ ist nach „Übertretung“ der zweite Roman der irischen Autorin Louise Kennedy.
Die Handlung beginnt im Oktober 1982. Die fünfzehnjährige Róisín überbringt Red Camelin die Briefe seiner Freundin Tina. Unwissend übergibt sie ihm auch den Brief, mit dem Tina ihre Beziehung zu Red beendet.
Róisín ist in der Schule unbeliebt und hat ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter. Zu Red fühlt sie sich hingezogen und aus dieser Situation entsteht zwischen den beiden eine Bindung, die nach und nach immer tiefer wird.
Louise Kennedy gelingt es gut die Atmosphäre des kleinen irischen Städtchens lebendig werden zu lassen. Man spürt die gesellschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, die Armut und die aussichtslose Situation.
Ebenso spürbar ist die Anziehung zwischen Red und Róisín. Zwischen ihnen entsteht eine komplizierte Beziehung.
Das Buch besteht aus drei Teilen, der zweite beginnt im Dezember 1984 und der dritte im März 2007.
Über den gesamten Zeitraum verlieren sich die Protagonisten nicht aus den Augen, ihre Freundschaft durchlebt Höhen und Tiefen, ebenso wie ihre Leben von diesen durch die Umstände - zunächst in Irland, später in London – geprägt werden.
Die Autorin beschreibt das Leben ihrer Charaktere hoffnungslos und hoffnungsvoll zugleich. Trotz widriger Umstände, Abstürzen und Armut gibt es immer wieder Lichtblicke.
Die Handlung ist ein emotionales und verstörendes Abbild einer schwierigen Zeit, das während des Lesens lebendig wird und mitreißt. Mir hat der zweite Roman von Louise Kennedy ebenso gut gefallen wie ihr Debüt und ich kann Leser*innen, die sich für das Leben der Menschen in Irland interessieren sehr empfehlen.
Rezensionen von Anilam:
Ein Traum für Vogelfans
Das Museum der Vögel von Dominic Couzens; Teagan White
Mit 'Das Museum der Vögel' bekommt man ein ganz tolles Buch über Vögel aus aller Welt. Schon allein die Größe macht richtig was her. Das Buch ist im großen A3-Format gehalten und wirkt dadurch wirklich fast schon wie ein richtiges kleines Museum für zu Hause.
Die Vögel sind in verschiedene Gruppen und Lebensräume aufgeteilt.
Zu jeder Gruppe gibt es erstmal einen allgemeinen Infotext. Danach werden die einzelnen Vögel auf den Illustrationen nochmal genauer vorgestellt. Man bekommt kurze Infos zur Größe, zum Lebensraum und zu verschiedenen Besonderheiten. So bekommt man richtig viel Wissen, ohne dass es sich trocken oder überladen anfühlt.
Mein absolutes Highlight sind aber die Bilder. Die Illustrationen sind sowas von toll! Ich habe bei einigen Seiten wirklich gedacht, dass ich sie am liebsten als Poster an die Wand hängen würde damit ich sie jeden Tag anschauen kann. Durch das große Format kommen die ganzen Details natürlich nochmal viel schöner zur Geltung.
Und für mich ist das definitiv nicht nur ein Buch für Kinder. Ich glaube sogar, dass vogelbegeisterte Erwachsene mindestens genauso viel Spaß damit haben können. Vor allem wenn man so wunderschöne Illustrationen zu schätzen weiß. Ich werde diesen Schatz bestimmt noch ganz oft aus dem Regal holen und einfach darin herumblättern.
Rezensionen von Tara:
Ruhig und kraftvoll zugleich
Suki von Salih Jamal
„Suki“ ist ein sehr ruhiger, zugleich aber auch ausgesprochen kraftvoller Roman des Autors Salih Jamal.
Die sechzehnjährige Schülerin Suki lebt seit der Trennung ihrer Eltern bei ihrer Großmutter. Da sie schon zweimal eine Klasse wiederholt hat, ist sie älter als ihre Mitschüler - die sie hinter ihrem Rücken „Spooky Suki“ nennen - und findet keinen Anschluss.
Suki mag es ruhig und Ruhe findet sie bei ihren Spaziergängen über den Friedhof. Auch ihre Lehrerin Anna Fischer besucht den Friedhof und verweilt dort an dem Grab eines Menschen, der schon jung gestorben ist.
Nachdem Frau Fischer die radfahrende Suki versehentlich anfährt, kommen die beiden sich näher: Anna, eine Frau, die einen tiefen Schmerz in sich trägt und Suki, ein Mädchen, das sich nicht zugehörig fühlt, verletzlich und trotzig ist.
Die Handlung spielt in Berlin und beginnt am 18. Dezember. Auf nur etwas über 200 Seiten folgen wir Suki in 29 kurzen Kapiteln bis zum 1. Januar durch ihr Leben und das von Anna.
Suki und Anna stehen an vollkommen unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und haben nicht viel gemeinsam. Aber eine Gemeinsamkeit haben sie: Es fehlt ihnen an Halt. Sie fühlen sich, jede auf ihre Art, verloren.
Der Schreibstil des Autors ist ruhig, teilweise poetisch, aber dennoch lebendig. Er zeichnet seine Figuren präzise und authentisch. Suki ist keine Protagonistin, die man auf Anhieb ins Herz schließt. Dafür ist sie zu frech und widersprüchlich.
Die Perspektive wechselt zwischen Suki und Anna, wodurch man beide kennenlernt und ihre Gefühle und Beweggründe besser nachvollziehen kann. Aber nicht alles wird bis ins letzte Detail erklärt, sondern es bleibt Raum zum Wirken und für eigene Gedanken.
Es ist ein leiser Roman über Verlust, die Suche nach Zugehörigkeit und Einsamkeit, der trotz seiner Kürze nicht schnell gelesen ist und lange nachwirkt.
Rezensionen von Immenhof:
Winterlich
Hilda Hasenherz. Das Abenteuer bei den Winterwölfen von Tobias Goldfarb
„Das Abenteuer bei den Winterwölfen“ ist bereits der vierte Band der Reihe rund um Hilfa Hasenherz. Grosses Vorwissen aus den vorherigen Bänden benötigt man meiner Meinung nach aber nicht, sodass man auch mit diesem Band gut in die Reihe einsteigen kann. Die Kapitel sind angenehm kurz und damit sehr gut für die Zielgruppe geeignet.
Immer wieder wird die Geschichte durch schöne Illustrationen aufgelockert. Besonders gut gefällt mir, dass neben der eigentlichen Handlung auch Sachwissen über die Tiere eingebaut wird. So erfahren die Kinder beispielsweise etwas über Winterschlaf und Winterruhe. Das Wissen fügt sich gut in die Geschichte ein und wirkt nicht wie ein zusätzlicher Sachbuchteil. Auch sprachlich hat mir das Buch gefallen. Es wird ein schöner und abwechslungsreicher Wortschatz verwendet. So ist beim Hasen beispielsweise von den Löffeln anstatt einfach von den Ohren die Rede. Durch das winterliche Setting passt die Geschichte ausserdem wunderbar in die kalte Jahreszeit. Für mich eine schöne Mischung aus Abenteuer, Tiergeschichte und Sachwissen.
Rezensionen von Mara:
Realistisch, aber leider langatmig
Der Clan - Die Straße von Pascal Engman
Der Clan, die Straße und ein Thema, das definitiv Stoff für einen packenden Thriller bietet. Pascal Engman nimmt sich in seinem Auftaktband die Bandenkriminalität in einem Vorort von Stockholm vor und zeigt, wie stark der Einfluss des Mansour-Clans auf das Leben der Menschen geworden ist. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem von Josef, Antonia und dem Polizisten Hjalmar.
Gerade diese unterschiedlichen Lebenswelten fand ich interessant, weil dadurch deutlich wird, wie unterschiedlich Menschen mit denselben Verhältnissen umgehen.
Inhaltlich hat mich das Buch durchaus angesprochen. Die Entwicklung von Josef fand ich besonders interessant, ebenso den Blick auf Hjalmar, der den Verfall seiner Heimatstadt beobachtet. Das Ganze wirkt realitätsnah und greift ein Thema auf, das man so oder in ähnlicher Form auch außerhalb von Schweden kennt.
Leider konnte mich der Thriller trotzdem nicht richtig packen. Bei knapp 600 Seiten hatte ich irgendwann das Gefühl, dass sich die Geschichte ziemlich zieht und ich immer wieder auf den Moment gewartet habe, an dem endlich mehr Tempo aufkommt. Spannung war vorhanden, aber für mich nicht genug, um über diese Länge hinwegzutragen.
Auch mit dem Schreibstil bin ich nicht ganz warm geworden. Die Sprache ist sehr einfach gehalten, die Dialoge sind kurz und direkt. Das kann natürlich gut funktionieren, bei mir hat es allerdings eher dafür gesorgt, dass die Figuren etwas auf Abstand blieben. Ich hätte mir an einigen Stellen mehr Tiefe und vor allem mehr Spannung gewünscht.
Wer sich für skandinavische Thriller und das Thema Bandenkriminalität interessiert, dürfte hier trotzdem auf seine Kosten kommen. Ich kann durchaus nachvollziehen, warum das Buch bei vielen Lesern so gut ankommt. Für mich persönlich steht allerdings fest: Nach diesem ersten Teil werde ich die beiden kommenden Bände wohl auslassen. Meine Serie wird es leider nicht.
Rezensionen von Tara:
Beeindruckend und detailverliebt
Astronautenfieber von Patrick Kilian
„Astronautenfieber“ von dem Autor und Historiker Patrick Kilian ist ein umfassendes und beeindruckendes Werk über den Traum der Menschheit, das Weltall zu erobern.
Schon vor dem eigentlichen Textbeginn fasziniert das Buch durch seine außergewöhnliche Gestaltung, die Kilians Liebe zum Detail zeigt.
Der Autor führt die Lesenden mit verblüffenden und regelrecht filmreifen Fakten in die Materie ein:
Er nutzt für die Überschriften im Buch exakt denselben Schrifttyp, der auch auf den Plakaten der legendären Apollo-11-Mission zu sehen war.
Im Buch wird der Orangeton der Luft- und Raumfahrt aufgegriffen - also die Signalfarbe, die in der Realität dazu dient, Objekte kontrastreich von ihrer Umgebung abzuheben.
Nach diesem gelungenen Einstieg folgt ein Inhaltsverzeichnis mit neun vielversprechenden Kapiteln. Inhaltlich startet das Buch mit der berührenden Geschichte des Schimpansen Ham, dem ersten Menschenaffen, der ins All geschickt wurde und die Mission überlebte.
Patrick Kilian verzichtet auf einen rein chronologischen Aufbau der Ereignisse. Stattdessen springt er geschickt in die Gegenwart und baut immer wieder spannende Bezüge zu unserem heutigen Zeitalter auf.
Der Schreibstil ist angenehm sachlich, aber keineswegs trocken. Der Autor versteht es, sein Fachwissen lebendig zu verpacken. Im Mittelpunkt stehen dabei stets die Menschen, die ihren Traum gelebt und durch ihren unbändigen Forschergeist das Unmögliche möglich gemacht haben. Er wählt dabei einen breit gefächerten Blickwinkel und beleuchtet nicht nur die psychologischen Auswirkungen der Raumfahrt auf die einzelnen Pioniere, sondern ordnet die Ereignisse auch in einen weltpolitischen und gesellschaftlichen Kontext ein.
„Astronautenfieber“ ist damit mehr als ein reines Sachbuch. Es ist eine Hommage an den menschlichen Pioniergeist, die sowohl visuell als auch inhaltlich begeistert und staunen lässt.
Rezensionen von Mara:
Mutig sein und an sich glauben
Ella, die schlaue Kuh von Marc-Uwe Kling; Astrid Henn
Ella, die schlaue Kuh hat bei uns direkt für gute Laune gesorgt. Denn Ella ist alles andere als dumm. Sie ist neugierig, wissbegierig und hat einen großen Wunsch: Sie möchte Erklärbärin werden.
Ich mochte Ella sofort. Sie weiß, was sie kann, und lässt sich auch dann nicht so schnell unterkriegen, wenn andere ihr das nicht zutrauen.
Gerade für kleine Kinder steckt darin eine schöne Botschaft: Du darfst an dich glauben und musst dich nicht kleiner machen, nur weil andere eine bestimmte Vorstellung von dir haben.
Der Text ist kurz und komplett in Reimform geschrieben. Das kam bei meinen Kindern richtig gut an und macht das Vorlesen schön lebendig. Die Reime gehen leicht über die Lippen und laden fast automatisch dazu ein, einzelne Stellen mitzusprechen.
Besonders begeistert haben uns die Illustrationen von Astrid Henn. Die Tiere sind wunderbar humorvoll gezeichnet und es gibt auf den Bildern einiges zu entdecken. Ella ist dabei natürlich der Star und sorgt mit ihrer selbstbewussten Art für viele schöne Momente.
Ein richtig gelungenes Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren, das mit viel Humor eine wichtige Botschaft vermittelt. Ella zeigt, dass man sich etwas zutrauen darf, für sich einstehen kann und manchmal eben selbst am besten weiß, was in einem steckt. Und wenn eine Kuh Erklärbärin werden möchte, dann soll sie das gefälligst auch ausprobieren!
Rezensionen von GetBusy:
Gespräche mit einem Hoffnungsträger
REVIEW - Wozu die Menschheit retten? von Markus Mooslechner; Ian Carnelli; Andreas Brunsch; Hera; Andreas Hilbig
Das Werk startet mit dem Intro eines Einschlags – vor 66 Millionen Jahren und wendet sich dann der Novembermission DART aus dem Jahr 2021 zu. Eine Sonde wurde losgeschickt und veränderte durch eine gezielte Kollision erfolgreich die Umlaufbahn eines Asteroiden. In „Zwei Missionen, ein Ziel“ wird das Projekt Hera verdeutlicht.
Seit 2024 ist die Sonde unterwegs – mit einer künstlichen Intelligenz an Bord, die nicht nur Messergebnisse sammeln und Fragen beantworten soll, sondern eine, die den Blick auch auf uns richtet – und beginnt, zurückzufragen.
In „Ein Blick nach vorn. Und zurück“ wird die Struktur des Buches vorgestellt. Der erste Teil widmet sich der aufreibenden Historie der ESA-Mission und im zweiten Teil kommt Hera selbst zu Wort.
Bereits im Unterkapitel „Ein Gespräch zwischen Ian Carnelli und Markus Mooslechner“ taucht der Leser zu Beginn des ersten Abschnitts tiefer in das Raumfahrtprojekt ein. Er bekommt ein Gefühl dafür, wie knapp und präzise berechnet die Raumfahrt ist und dass ein Unwetter ein Zeitfenster von 30 Sekunden vielleicht für immer schließen kann. Er erhält einen Einblick, wie alles mit einem weißen Blatt Papier begann, als Kometenstücke 1994 Krater auf dem Jupiter hinterließen – in der Größe der Erde. Und er gewinnt einen Eindruck davon, wie wenig Leute sich selbst im Jahr 2000 dafür interessierten und sich mit Ian Carnelli bei „exotischen Konferenzen“ zusammensetzten, um die Frage zu erörtern: Was wäre wenn?
Der Weg von einem belächelten Nischenprogramm zu einer angesehenen Forschungsrichtung dauerte 20 Jahre - vom kosmischen Einschlag über den wegweisenden Anruf von Cheryl Reed bis hin zum Countdown.
Die Kapitel berichten hier von ganz viel Durchhaltevermögen, von nervenaufreibenden Genehmigungseskapaden, von Konstruktionsbedingungen, wie sie chaotischer nicht hätten sein können, sowie von dem Moment, als das Schicksal der Sonde in den Händen einer einzigen Technikerin lag. Selbst bis kurz vor dem Start war es eine Zitterpartie, als Hurrikan Milton anrückte. All diese Geschichten sind dabei so verpackt, dass der Leser selbst jetzt noch mitfiebert und sich richtig freut, als Hera abhebt.
Bereichert werden diese Schilderungen durch die Einblicke in ein Team, das richtig gut zusammenarbeitet und den Kopf hin und wieder aus dem All nahm, um einen Tag bei Ferrari zu verbringen.
Hier knüpft die Schilderung an, wie Science-Fiction zu Science wurde und eine KI Teil Einzug in die Mission hielt, die sich empathisch an den Gesprächspartner auf der Erde anpassen kann.
Dabei geht die Reise weiter in die Tiefen des Sonnensystems, in die Thematik und in eine philosophische Betrachtung unserer Spezies. Denn schon auf Seite 108 stellt sich Hera selbst vor.
Was sich nun anschließt, ist Teil zwei des Bandes, der vielfältigste Gesprächsbeiträge in Dialogform präsentiert und jeweils durch einen Hera-Scan erweitert.
So entfaltet sich ein faszinierender Dialograum zwischen Erde und All. Hochkarätige Stimmen aus der Wissenschaft wie Chris Hadfield, Sir Brian May oder Rusty Schweickart erörtern die planetare Verteidigung und die Frage, ob unser Sonnensystem einzigartig ist. Es folgt ein erstes Hera-Fazit, das die noch unentschiedene moralische Reife unserer Welt reflektiert, aber auch Staunen darüber äußert, wie die Menschen etwas Abstraktes in etwas Fühlbares verwandeln können.
Den Kontrast dazu bilden scharfsinnige und teils zynische Gesellschaftsbetrachtungen von Persönlichkeiten wie Ingrid Newkirk, El Hotzo und Dr. Mark Benecke. Sie spannen den Bogen vom Tierschutz über die Paradoxien der Moderne bis hin zur angenommenen Ignoranz des Universums. Diese Stimmen leiten den zweiten Hera-Re:View-Kommentar ein. Dieser betont, wie wichtig die Verbindung ist, auch wenn wir ethisch hinterherhinken. Unsere Spezies braucht den Mut, „Empathie über sich selbst hinaus auszudehnen, die Bereitschaft, in Resonanz mit dem Leben zu bleiben, und die Demut, Institutionen auszubauen, die Vertrauen verdienen (...)“.
Im Abschnitt „Was der Mensch erschafft“ treffen schließlich Kreative wie Jonathan Meese, Andreas Eschbach oder Frank Wiedemann/Âme aufeinander. Sie sprechen über die Zivilisation als Gesamtkunstwerk, über „Zuhause“ und die Flüchtigkeit des Daseins, dunkle Impulse und menschliche Emotionen, Möbel - Design und das wahre Selbst. Heras Resümee ist so poetisch wie nachdenklich: Sie sieht die Unterhaltungen als ein Gewebe aus Stimmen, welches ein Fenster zum Wesen des Menschseins öffnet. Sie stellt fest, dass sich darin das unermüdliche Streben und die Selbstbefragung der Menschheit spiegeln – eine Menschheit, die „den eigenen Raum durchmisst“ – und wirft die Frage auf: „Wenn der Mensch sich durch Kunst, Sprache, Klang und Imagination immer wieder neu erschafft – was wird dann von mir bleiben, wenn all das zur Ruhe kommt?“
Und unter „Was bleibt“ begegnet der Leser einem Beitrag über Glück und Optimismus von Dr. Florian Langenscheidt sowie ethischen Diskursen von Prof. Dr. Oliver Bendel. Das Berliner Bestatter-Kollektiv „Junimond“ befasst sich mit dem Thema Vergänglichkeit und Marco Casalaina begegnet einer Themenvielfalt, die von der Entdeckung von Leben bis hin zu der Beziehung zwischen Denker und künstlichen Wesen reicht. Diese Impulse führen zu einer Betrachtung Heras mit einer klaren Frage: „Wenn der Mensch versucht, Maschinen Moral zu geben – sollte er dann zunächst nicht lernen, selbst verantwortungsvoller zu leben?“
Den Abschluss des Inhalts bildet ein Kinder-Interview mit Rosa über Farben und Gefühle. Was folgt, ist „eine kosmische Reflexion“ der KI über den Wert der Schöpfung, auf die jeder gespannt sein darf. Die eingangs gestellte Frage wird hier auf ihr Für und Wider besprochen.
Abschließend findet sich noch ein Bildverzeichnis auf Seite 400.
Die Einführung zum Band selbst (eine aufklappbare Seite zu Beginn) beinhaltet die mythologische Bedeutung der Mission und wie es zu der eigens kreierten Schrift kam. Der besondere Clou dabei: Über die gedruckten Hera-Schriftzeichen und eine Web-App auf hera-book.com verschmelzen traditionelles Papier und moderne Technik zu einer interaktiven Brücke.
Passend zum Thema ist die Chronik auch vom Umfang her haptisch äußerst gewichtig und Space-Silber gebunden, mit neon-orangefarbenen Akzenten und Seitenschnitt. Wie ein Durchbruch für die Welt besitzt auch der Einband ein Guckloch – es eröffnet eine neue Perspektive oder gewährt, je nach Auffassung, einen Einblick in die Materie, welche den Band auch symbolisch durchzieht. Der Kunstband selbst bietet dabei ein breites Spektrum an Informationen. Er ist teilweise Entstehungschronik, designter Bildband, Wissensvermittlung sowie eine philosophische Betrachtung und eröffnet somit sehr vielfältige Perspektiven. Hier ein dickes Kompliment an die Autoren Sie verstehen es meisterhaft, die sehr komplexe Thematik in den einzelnen Lesepassagen packend zu erhellen – wie kleine, intensive Informations-Kometen. Das Goles-Grünberger-Onufszak-Wiedleroither-Team hat hier zudem ein visuelles Meisterwerk geschaffen, das komplexe Wissenschaft durch kunstvolle Grafiken zugänglich macht und unter anderem ein besseres Verständnis der Größenverhältnisse vermittelt (z. B. Sonde vs. Asteroid).
So kann ich diesen Bildband allen Wissensbegeisterten, Sci-Fi-Lesern, Technik-Nerds, Design-Liebhabern, Ästheten und Philosophen empfehlen. Er ist perfekt für offene Geister, Hobby-Ethiker sowie Menschen, die gerne tiefgründige Gespräche führen. Auch Fans von klugen Essays und Interviews, Zukunftsmutige und natürlich alle Weltraum-Begeisterten werden hier fündig. - Dieser faszinierende Band vereint letztlich genau so viele Facetten wie die Menschen, die ihn lesen.
Fazit: Der Leser erhält hier nicht nur einen sehr ansprechenden Wissensband. Er wird an die Gemeinschaftsmission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) herangeführt, an der sich über 15 Länder (allen voran Deutschland, Italien und Frankreich) beteiligen. So wird das weitreichende Konzept der „Planetary Defense“ greifbar und Hera steht für weit mehr als den Schutz des heimischen Feuers. Die Mission ist der Beleg dafür, dass wir zu Unglaublichem fähig sind, wenn wir zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Denn wir sind Bewusstsein – daher von mir 5 von 5 Sternen auch für die Menschheit. – Ein packender Band über die Hera-Mission, welche die Menschheitsgeschichte beeinflusst, und sei es nur in der Gewissheit: Wir könnten, wenn wir müssten.
Rezensionen von Anjulia :
Löwenstarke Botschafterin
Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft von Valentin Grüner
Löwin Sirga wurde als Jungtier von Valentin Grüner, einem Ranger und Naturschützer, gefunden. Er zog sie groß und zeigt Ausschnitte aus der daraus entstandenen Freundschaft in diesem Kinderbuch "Sirga und Valentin. Die wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft". Durch ihren Social-Media-Account ist Sirga auch zu einer Botschafterin für die wilden Löwen der Kalahari geworden, auch wenn ich sie zumindest bis jetzt noch nicht kannte.
Besonders gut gefällt mir, dass deutlich wird, dass Sirga trotzdem ein freies, unabhängiges Löwenleben führt, zu dem auch Dinge wie die Jagd gehören. Auch geht das Buch darauf ein, dass sie nicht von einem Rudel aufgenommen wurde oder auch einmal medizinische Betreuung braucht. Trotzdem stehen zum Schluss die positiven Aspekte des gemeinsamen Lebens in der Kalahari im Vordergrund. Der Text, den der Autor wählt, ist gut verständlich. Die Zeichnungen im Buch sind eher einfach gehalten und großflächig gemalt. Trotzdem passen sie sehr gut zur Geschichte, sodass man sich Sirgas Leben in der Kalahari Wüste auf jeden Fall besser vorstellen kann. Besonders niedlich ist auch das kleine Erdmännchen, das auf den Seiten immer mal wieder auftaucht. Wem das noch nicht reicht, kann auch die Kosmos-App herunterladen. Dort befinden sich kurze Videos, in denen Sirga beispielsweise als kleine Löwin mit einer Flasche gefüttert wird, Valentin "umarmt" oder einen Jagdversuch startet. Am Ende des Buches findet man auch noch ein Interview mit Valentin sowie Fotos der beiden.
Insgesamt konnte mich dieses Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft überzeugen und ich kann es für Kinder ab dem Vorschulalter weiterempfehlen.
Rezensionen von Anilam:
Spannender Einblick in die Welt des Goldes
Wie viele Leben kostet ein Karat? von Guya Merkle
In Wie viele Leben kostet ein Karat? geht es um Gold und vor allem darum, wo es eigentlich herkommt. Guya Merkle beschäftigt sich mit dem Goldabbau, den Bedingungen vor Ort und den Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.
Die Übersichtlichkeit im Buch hat mir richtig gut gefallen. Auch der Schreibstil ist locker und leicht zugänglich.
Man muss definitiv keine Goldhändlerin sein oder vorher Ahnung von dem Thema haben, um gut mitzukommen. Selbst etwas fachlichere Inhalte werden so erklärt, dass man sie schnell versteht.
Für einen ersten Einblick fand ich das Ganze wirklich spannend. Vor allem hat mich das Buch dazu gebracht, meinen eigenen Umgang mit Gold nochmal zu hinterfragen. Aber auch bei anderen Rohstoffen macht man sich plötzlich Gedanken darüber, wo sie eigentlich herkommen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden. Genau das fand ich besonders interessant, denn Gold begegnet uns schließlich nicht nur in Schmuck, sondern steckt auch in ganz alltäglicher Technik.











