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Rezensionen von Ryria:

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Inselausflug mit Schwächen

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben von Gabriella Engelmann

Die Grundidee des Romans fand ich super: Auf 2 Zeitebenen wird die Familiengeschichte der 85-jährigen Bücherfrau Fenja erzählt. Wir begleiten ihre Mutter Lene im Jahre 1937, aber auch die Journalistin Anna in der Gegenwart, die ein Buch über Fenja schreiben will.
Hierbei hat mir gut gefallen, dass wir die Insel Sylt und Nordfriesland im Wandel der Zeiten erleben und auch die Auswirkungen des Antisemitismus und Krieges dort miterleben können.

Auch interessante Details zur Verlagsarbeit oder bekannten Schriftstellern finden sich immer wieder mal in der Geschichte.

Generell ist dies als Wohlfühlroman angelegt, was teilweise gut gelingt, teilweise jedoch auch etwas zu wünschen übrig lässt.
So sind die Beschreibungen der Landschaften, Tiere und generell des Insellebens wirklich schön und lassen Urlaubsstimmung aufkommen, manchmal fand ich die Menge jedoch etwas übertrieben. Es kam zwischendurch der Eindruck auf, als sollte der Text gestreckt werden mit zusätzlichen Beschreibungen, hier wäre weniger mehr gewesen.
Dafür ging es mir bei den Liebesgeschichten wiederum etwas zu schnell, ich konnte die plötzlichen starken Gefühle nicht so ganz nachvollziehen oder in dieser Sache mitfühlen.
Gut gelungen waren dagegen die familiären Gefühle und das Verhältnis von Eltern und Kindern, auch wenn ich manche Reaktionen nicht ganz einordnen konnte.

Ich hätte es besser gefunden, wenn man keine Dilogie aus der Geschichte gemacht hätte, so zieht sich die Erzählgeschwindigkeit doch immer wieder etwas. Auf interessante Abschnitte folgen Wiederholungen, vieles ist vorhersehbar und wirklich überrascht wird man dann auch nicht mehr. Auch gab es für meinen Geschmack zu viele Zufälle, die mit "Schicksal" erklärt wurden.
Die relevanten Teile fand ich grundsätzlich nicht schlecht, besonders die Erzählungen der Vergangenheit habe ich gerne gelesen, nur der Rest war mir dann doch etwas zu sehr in die Länge gezogen.

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Inselausflug mit Schwächen
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Realitätsflucht einer Familie

Bis die Sonne scheint von Christian Schünemann

Der Roman ist in zwei Erzählstränge unterteilt, die sich durchgehend abwechseln: In der Gegenwart im Jahre 1983 entdeckt Daniel, dass seine Eltern so ziemlich pleite sind, obwohl er mit seinen drei Geschwistern bisher ein recht angenehmes Leben geführt hat - und das wollen sie trotz Gerichtsvollzieher eigentlich auch jetzt nicht aufgeben.

Während diese Verdrängung der Realität immer weiter fortschreitet und immer mehr nicht vorhandenes Geld ausgegeben wird, erfährt man in den Begleitkapiteln die Familiengeschichte der Großeltern und Eltern. Wie sind sie aufgewachsen, was hat sie zu den Menschen gemacht, denen wir in der Gegenwart begegnen?
Diese Kapitel haben mir noch besser gefallen als die Handlung rund um Daniel, jeder Charakter hat hier viel Kontext bekommen und man konnte ihr Verhalten besser einordnen, auch wenn ich oft darüber den Kopf geschüttelt habe.

Generell haben mich die Charaktere auch öfters mal ein wenig aufgeregt, quasi nach dem Motto "Warum machen die das, das ist doch unverantwortlich!". In diesem Sinne fand ich sie aber auch wieder recht authentisch dann, Menschen die dumme Entscheidungen treffen oder sonstige Fehler haben sind im Grunde ja oft realistischer als diejenigen, die perfekt jede Krise managen.
Auch gut gelungen war die Darstellung der 80er Jahre: Alltag, Musik, Kleidung, Spekulationen über die DDR, all dies wirkte auf mich sehr authentisch, auch wenn ich es selber nicht miterlebt habe (ältere Teilnehmer einer Leserunde haben diesen Eindruck jedoch bestätigt).

Schade fand ich, dass ich trotz der vielen Hintergrundgeschichten keine richtige emotionale Beziehung zu den Charakteren aufbauen konnte. Ich habe ihre Geschichte als distanzierte Betrachterin gerne verfolgt, aber nie wirklich mitgefiebert.
Stilistisch gesehen war es angenehm zu lesen mit ein paar schönen Spielereien, so passiert z.B. etwas in der Gegenwart und in der folgenden Rückblende werden die Anfänge davon dargestellt. Auch die Verwendung von französischen Vokabeln zur Beobachtung der Gesellschaft und den eigenen Erlebnissen fand ich eine coole Idee.

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Realitätsflucht einer Familie
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Der Flug des Ikarus

If We Were Gods von Lara Große

Olivia und fünf ihrer Klassenkameraden der Arcane Academy erkunden zusammen die verschiedenen Ebenen der Realität und fragen sich schon bald: Was verbirgt sich auf den verbotenen Ebenen?
Zunächst betonen möchte ich die wunderschöne Gestaltung des Buches, die auch thematisch extrem passend ist und auch noch mit zusätzlichen Illustrationen und einer Karte die Welt und Charaktere veranschaulicht.

Aber auch der Text selbst trägt super hierzu bei, in Kombination konnte ich mir sowohl die Academy als auch unsere 6 Studenten immer richtig gut vorstellen.

Da absolute Highlight der Geschichte war das Magiesystem in Verbindung mit den verschiedenen Ebenen, was ich so auch noch nie gelesen hatte. Um Zauber zu wirken benötigt man Zirkel, die man mit speziellen Runen füllt. Hierbei sind unendlich viele kreative Möglichkeiten vorhanden, die auch immer wieder Verwendung finden und dabei logischen Vorschriften folgen. Statt einfach nur zu zaubern, sind es schon fast mathematische Berechnungen, aber auf eine dem Leser noch gut verständliche Art.
Auch die Ebenen habe ich richtig gerne mit den Protagonisten zusammen erkundet, voller Neugier, gespannt und in freudiger Erwartung, was uns auf der nächsten Ebene erwarten wird. Ein wenig hat es sich auch wie ein Videospiel angefühlt, man benutzt die Magie um Hindernisse und Gefahren zu überwinden, dabei neue Runen zu finden und das nächste "Level" zu erreichen.
Ich hätte noch gerne ein wenig mehr über die arkane Gesellschaft erfahren und vielleicht auch noch mehr Vorlesungen "besucht", da ich vor allem diese Hogwarts-ähnliche Akademie sehr cool fand, jedoch hätte dies vermutlich den Rahmen gesprengt.
Dafür gab es zumindest interessante Fakten und Zitate über diese Welt an jedem Kapitelanfang, was ich auch sehr spannend fand.

Was mich jedoch vor allem in der ersten Hälfte des Buches gestört hat: Ich fand die Welt so gut, dass die Charaktere dagegen eher blass wirkten und mich nicht so sehr interessiert haben. Die meisten von ihnen waren hauptsächlich privilegierte Sprößlinge und mit der Ich-Erzählerin bin ich auch nicht sofort warm geworden.
Je mehr Zeit ich mit ihnen verbracht habe, desto mehr sind sie mir jedoch auch ans Herz gewachsen, vor allem nachdem es auch deutliche Charakterentwicklungen gab. Emotional haben sie mich zwar auch gegen Ende nicht komplett abgeholt, aber doch schon zu großen Stücken.
Bei der Handlung fand ich es ein wenig ungünstig, dass der Prolog quasi ein Spoiler ist. Trotzdem kann man sich noch von so einigen Plottwists überraschen lassen und langweilig wurde es eigentlich nie so wirklich.
Insgesamt ein toller Einzelband mit einer absolut faszinierenden Welt!

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Der Flug des Ikarus
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Geniales neues Krimi-Genre

HEN NA E - Seltsame Bilder von Uketsu

Manch einer mag sich noch an die damals recht bekannten Alternate Reality Games erinnern - dieser Krimi ist besonders im ersten Teil quasi deren Verkörperung in Buchform und macht einfach unglaublich Spaß!
Zusammen mit einem japanischen Studenten erkunden wir alte Blog-Einträge und dort ebenfalls hochgeladene Zeichnungen.

Was verbirgt sich zwischen den Zeilen, was verraten die Bilder?
Das Buch nimmt den Leser an die Hand und gemeinsam löst man ein Rätsel nach dem anderen, sammelt immer mehr Puzzlestücke und wird mit einer spannenden Kriminalgeschichte belohnt.
Viel Bildmaterial veranschaulicht hier sowohl die Rätsel als auch deren Lösungen, wodurch man sich alles super vorstellen und die Lösung mitverfolgen kann.

Unterteilt ist der Roman in drei Abschnitte, die sich auf unterschiedliche Charaktere fokussieren und auch stilistisch recht verschieden sind. Dies erscheint zunächst seltsam, ergibt später aber Sinn.
Von Beginn an kann man miträtseln und versteckte Hinweise suchen und auch wenn man denkt, man hat das Buch durchschaut, gibt es immer wieder neue Überraschungen und Plottwists.
Hierbei gab es auch mal ein paar Kleinigkeiten, die übertrieben oder unwahrscheinlich erschienen, jedoch hat dies meinen Lesespaß nur geringfügig beeinträchtigt.

Auch für Japan-Fans ist dieses Buch super: Das dortige Leben und die Kultur halten immer wieder Einzug in die Geschichte und ermöglichen ein paar schöne Eindrücke.
Die Übersetzung erscheint durchaus gelungen und erfasst das Wesentliche, lässt aber auch Teile des japanischen Originals im Text und den Bildern, was ich als sehr angenehm empfand. Wortspielereien und dergleichen werden gut erklärt, ohne dass man Sprachkenntnisse benötigt.
Diese neue Krimi-Art hat mich total überzeugt und ich freue mich schon auf die nächste Geschichte des Autors!

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Geniales neues Krimi-Genre
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Geschichte wiederholt sich

Vor hundert Sommern von Katharina Fuchs

Die Autorin nimmt uns mit auf zwei Zeitebenen: Im Jahre 2024 verfolgen wir das Leben der jungen Studentin Lena, ihrer Mutter Anja und der Großmutter, die sich an das neue Leben im Heim gewöhnen muss. Ihre Erzählungen der Vergangenheit zentrieren sich auf Clara, die sich 1924 durchschlägt.
Besonders gut gefallen haben mir die zahlreichen Parallelen: Lena und Clara trennen genau 100 Jahre und ähneln sich in gewisser Weise sehr, während gleichzeitig aber auch die Unterschiede deutlich werden, vor allem bedingt durch die Probleme der damaligen Zeit.

Dass unsere Gesellschaft jedoch noch längst nicht frei davon ist, wird im Verlauf der Geschichte auch immer wieder deutlich, so wiederholt sich beispielsweise der Antisemitismus. Die Botschaft ist klar und eindrücklich: Es sind 100 Jahre vergangen und die Menschheit hat teilweise nichts dazugelernt.

Aktuelle politische und gesellschaftliche Themen miteinzubeziehen finde ich grundsätzlich super und ich mochte auch die Idee hier sehr, jedoch kam es mir teilweise doch etwas zu überladen vor, als ob möglichst viele Themen untergebracht werden sollen, anstatt sich auf ein paar zu konzentrieren. Manches wirkte zwischendurch auch schon fast ein wenig klischeehaft und übertrieben, wie die Influencer-Karriere von Lenas Schwester oder Lenas Obsession mit dem Veganismus.
Das Spiel mit den Parallelen zu Clara führte auch dazu, dass es sehr viele "Zufälle" gab, die manchmal dann doch arg konstruiert gewirkt haben.

Der Schreibstil hat mir dafür gut gefallen, die Geschichte war durchweg angenehm zu lesen. Meine Favoriten waren hierbei die Clara-Kapitel, ich fand den Einblick in das damalige Leben und die Rolle der Frau sehr spannend und interessant. Als Kontrast dazu wurde ich nie so richtig warm mit Lena, was ich aber nicht als negativ empfunden habe - wir lernen viele Frauen kennen und manche davon findet man natürlich auch sympathischer als andere, hier wurde eine gute Mischung gefunden.
Durch Infos am Kapitelanfang weiß man auch immer, um wen es gerade geht und wann bzw. wo die Handlung spielt.

Ein paar Sachen sind mir unlogisch erschienen, wie kleinere Logikfehler oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen bzw. Verhalten mancher Charaktere, jedoch hielt sich dies in Grenzen.
Dafür fand ich es schön, dass die Geschichte der Vergangenheit auf wahren Verwandten der Autorin beruht und man deren Zuneigung auch durch die Seiten hinweg spüren kann, ohne dass es unangenehm auffällt.
Insgesamt eine gelungene Familiengeschichte mit kleinen Mängeln, die das Lesevergnügen aber nicht stark beeinträchtigen.

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Geschichte wiederholt sich
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Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk

Der Tote in der Crown Row von Sally Smith

Sir Gabriel Ward mag seinen geordneten Alltag, in dem alles nach seinen eigenen Vorgaben verläuft. Ein toter Richter vor seiner Tür ist da natürlich äußerst störend, vor allem, als er dann auch noch in dieser Angelegenheit ermitteln soll, während er gleichzeitig an einem großen Rechtstreit arbeitet.

Die Autorin ist selbst Anwältin und arbeitet schon viele Jahre im ungewöhnlichen Londoner Temple-Bezirk, der auch hier Schauplatz der Handlung ist.
Dies merkt man auf jeder Seite, angefangen mit einer Karte bis hin zu zahlreichen interessanten Hintergrundinfos über das Leben, die Traditionen und die dortigen Bewohner. Als Leser bekommt man so nicht nur einen spannenden historischen Krimi im Jahre 1901 geboten, sondern auch eine Zeitreise und einen Einblick in diesen Mini-Staat des Rechts.

Die Sprache passt hierbei perfekt zu den Charakteren und der damaligen Zeit, immer begleitet von einer schönen Prise britischem Humors.
Passend zum Hauptcharakter verfolgt man sowohl einen Mord als auch einen Fall vor Gericht, ein Grundinteresse am Rechtswesen sollte beim Leser also vorhanden sein.
Die Geschichte selbst wird aus vielen Perspektiven erzählt, was ich aber durchaus angenehm empfand, da man so auch die vielen Nebencharaktere und Verdächtigen besser kennenlernt und Interesse an ihren Schicksalen entwickelt.
Gefühlt hat eigentlich jeder irgendein kleineres oder größeres Geheimnis, diese werden jedoch nach und nach alle zufriedenstellend aufgeklärt und dienen zuvor herrlich der Verwirrung.
Gabriel selbst war ein sympathischer Hauptcharakter, der mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen ist. Ihm zur Seite steht der junge Constable Wright, der einen schönen Gegenpol bildet. Ich mochte dieses ungewöhnliche Team sehr, auch wenn ich mir noch mehr gemeinsame Szenen gewünscht hätte.
Vielleicht im zweiten Band? Ich freue mich auf jeden Fall auf ein baldiges Wiedersehen!

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Spannender Ausflug in den historischen Temple-Bezirk
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Eine Geschichte ohne Helden

Ginsterburg von Arno Frank

Ginsterburg ist eine fiktive Stadt in Deutschland, deren Bewohner wir auf drei Zeitebenen (1935, 1940, 1945) begleiten dürfen. Dabei fällt es nicht schwer sich vorzustellen, dass es so ähnlich auch in anderen Städten damals abgelaufen sein könnte - man erlebt eine fiktive Geschichte, die sich gleichzeitig sehr echt anfühlt.

Hierzu gehört auch, dass es keine wirklichen Helden gibt: Wir lernen eine Vielzahl von Charakteren kennen, begleiten ein paar davon ausführlicher durch die Jahre hinweg, aber eine wirkliche Verbindung konnte ich zu keinem aufbauen.

In diesem Sinne ist dies kein Buch für Leser, die gerne mitfiebern oder mitfühlen, vielmehr bekommt man einen ungeschönten Einblick in das damalige Leben.
Charaktere, die zunächst im Fokus stehen, verschwinden auch schnell wieder aus der Handlung oder sterben auch mal ganz nebenbei. Erwartete Konflikte oder Spannungen werden im Keim erstickt, Probleme werden gekonnt ignoriert. Die Gesellschaft verschließt die Augen, die Stadt versucht ihr "normales Leben" zu bewahren - und zeigt uns so eine wichtige Botschaft auch für unsere heutige Zeit auf.
Ich fand diesen Erzählstil einerseits echt interessant, gerade weil die Handlung ganz anders verlief als erwartet, andererseits hat mich das Buch dadurch zwischendurch auch immer wieder mal verloren, da ich mich mit manchen Charakteren und deren Perspektiven nicht wirklich anfreunden konnte.
Irgendwie passiert manchmal sehr viel und gar nichts zugleich.
Auch hätte ich mir ein Charakterverzeichnis und ein erläuterndes Nachwort gewünscht. So basiert beispielsweise Lothar auf einer echten Person, dies habe ich jedoch nur zufällig am Ende erfahren.

Schön war hingegen, dass die verwendete Sprache perfekt zur damaligen Zeit passt, das hat sehr authentisch gewirkt. Auch passt sich der Schreibstil an die gerade im Fokus stehende Person an, so werden z.B. die Sätze bei einem Schriftsteller komplizierter als bei einem Kind.
Dazwischen gibt es auch immer wieder andere Textsorten wie Gesetze, Lieder oder Briefe.
Auch die Stadt wird sehr ausführlich zu Beginn beschrieben und quasi vor dem inneren Auge zum Leben erweckt.
Manche Handlungsabschnitte fand ich ein wenig zu lang oder sogar ziemlich unnötig, andere hingegen waren erschreckend und interessant zugleich.
Insgesamt ein durchaus gelungener und authentischer Einblick in eine Kleinstadt zur damaligen Zeit.

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Eine Geschichte ohne Helden
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Geschichte eines Lebens

Was ich von ihr weiß von Jean-Baptiste Andrea

Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, liegt im Sterben - was ihn dazu veranlasst, dem Leser in Gedanken die Geschichte seines Lebens zu erzählen. Von Frankreich nach Italien, durch zwei Weltkriege, aus der Armut hinein in die höchsten Kreise.
Eine große Rolle spielt dabei für ihn immer Viola, die Tochter einer Adelsfamilie, die wie ein Wirbelsturm in die Geschichte hineinfegt und mit ihrer unendlichen Neugier und Wissbegierde Mimos Leben auf den Kopf stellt.

Beide Charaktere waren mir sehr sympathisch, Viola auf ihre freche, unkonventionelle und fortschrittliche Art, Mimo als talentierter Erzähler der Geschichte mit leicht sarkastischen Untertönen.
Generell fand ich die Menge der Personen recht angenehm, sie werden nach und nach eingeführt, sodass man gut den Überblick behalten kann, obwohl es ja um ein ganzes Menschenleben geht.

Die Geschichte springt zwischendurch immer wieder in die Gegenwart zurück, in der sich langsam ein Geheimnis entfaltet, Mimos Leben wird somit quasi vorwärts und rückwärts erzählt. Trotz des nahenden Todes ist das Buch so lebendig, die Handlungsorte werden mit wunderschönen Beschreibungen und ganz vielen interessanten Details zum Leben erweckt. Es fühlt sich an, als wäre der Autor in ein echtes italienisches Dorf gegangen und hätte es auf den Seiten eingefangen, von skurillen Bewohnern über Feste bis hin zum Dorfklatsch und lokalen Legenden.

Kurze Kapitel und der tolle Schreibstil fördern ebenfalls den Lesefluss. An manchen Stellen hat es sich zwischendurch allerdings doch auch mal ein wenig inhaltlich gezogen für mich. Ebenso hätte ich noch ein Nachwort toll gefunden, in dem aufgezeigt wird, welche Personen/Ereignisse wahr oder erfunden sind, damit man nicht alles selber recherchieren muss - denn das fand ich generell super, man bekommt am Rande noch einiges über die geschichtlichen Hintergründe und Ereignisse mit.

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Geschichte eines Lebens
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Brutale Spannung, super zum Miträtseln

Der Nachtgänger von Lars Kepler

An einem blutigen Tatort wird ein Teenager gefunden, der sich kurz darauf als Schlafwandler herausstellt. Ist er der Täter oder hat er den wahren Mörder vielleicht sogar gesehen? Kaum haben die Ermittlungen begonnen, gibt es auch schon das nächste Opfer...
Für mich war es der erste Thriller mit Kommissar Joona Linna, obwohl dies bereits der 10.

Band der Reihe ist. Verständnisprobleme hatte ich trotzdem keine, alle Charaktere werden zumindest kurz mal vorgestellt. Treue Leser werden jedoch den ein oder anderen wiederkehrenden Charakter erkennen können.

Generell gab es hier wirklich sehr viele Personen, aus deren Perspektiven auch mal ganze Kapitel erzählt werden: Ermittler, Zeugen und auch Opfer. Jeder hat dadurch eine eigene kleine Hintergrundgeschichte bekommen, anstatt einfach nur "Opfer A" zu sein. Für die Spannung war das super, man hat direkt mehr mitgefiebert, vor allem wenn man die Morde quasi live mitverfolgen konnte.
Lediglich Joona blieb für mich doch etwas blass. Ich kannte ihn ja noch nicht aus früheren Bänden und hätte mir einfach mehr Kapitel aus seiner Sicht gewünscht, so habe ich jetzt nur den Eindruck eines Multitalents und Actionheldes gewonnen. Schlafwandler Hugo ist mir mehr im Gedächtnis geblieben, diesen mochte ich als Charakter dieses Buches jedoch sehr, vor allem, da man bei ihm auch schön eine Entwicklung verfolgen konnte.

Die Geschichte selbst war absolut wild: Viele (teilweise extrem brutale) Morde, total verrückte Erlebnisse bei der Suche nach dem Täter, wahnsinnige Verdächtige, actionreiche Verfolgungsjagden - immer wieder konnte ich vor lauter Spannung nicht aufhören zu lesen und habe mich am Ende des Kapitels gefragt, was zur Hölle ich da gerade gelesen habe.
Manches erschien mir dann besonders gegen Ende des Buches dann doch ein wenig zu "drüber", auch auf viele der sexuell expliziten Szenen hätte ich auch gut verzichten können.
Gut gefallen hat mir wiederum, dass man super miträtseln konnte: Durch die vielen Perspektiven werden unzählige Hinweise versteckt und es ist echt nicht einfach herauszufinden, welche davon tatsächlich relevant sind. Auch einige Plottwists lassen einen regelmäßig die eigenen Theorien wieder verwerfen. Die Auflösung ist überwiegend gelungen und stimmig, lediglich ein paar Kleinigkeiten erscheinen komisch oder uneindeutig.
Insgesamt keine leichte Lektüre und nichts für schwache Nerven, dafür mit viel Spannung und einem interessanten Fall!

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Brutale Spannung, super zum Miträtseln
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Beginn eines neuen Lebens

Lyneham von Nils Westerboer

Die Suche nach einer neuen Heimat für die Menschheit führt die Familie von Henry nach Perm, einem fernen Mond. Erzählt wird die Geschichte dieser Kolonie aus der Sicht von Henrys Mutter, die zu den ersten Siedlern zählt, und Henry, der erst Jahrtausende später mit dem Rest der Familie ankommt.
Zusammen mit ihnen stürzt man am Anfang wortwörtlich in die Geschichte und in die neue Welt hinein, es geht direkt spannend los.

Dem Leser zur Seite stehen eine Karte der Umgebung sowie ein Glossar mit vielen Fachbegriffen und beides ist auch wirklich hilfreich und notwendig.
Der Autor schafft hier eine wirklich sehr ausführliche und kreative Science Fiction Welt, inklusive vieler technischer Hintergründe. Dies ist nicht immer einfach zu verstehen, wirkt aber durchaus authentisch.
Manche Beschreibungen der Umgebung oder Tiere waren zwar vorhanden, jedoch fiel es mir irgendwie trotzdem schwer, sie mir richtig vorzustellen.

Spannender für mich waren da eher die gesellschaftlichen Strukturen, so braucht eine neue Welt z.B. natürlich auch ein neues Grundgesetz.
Auch Ideologien und moralische Vorstellungen stimmen nicht immer bei allen Siedlern überein, was zu interessanten Konflikten führt, während man gleichzeitig noch gegen die Gefahren der Welt ankämpfen muss.
Bei der Technik wird der Leser von vielen coolen Erfindungen überrascht, manches davon wirkt regelrecht skurril und verleiht der Geschichte ein wenig Leichtigkeit.
Generell mochte ich den Kontrast zwischen den sachlichen, wissenschaftlichen und mit ein wenig trockenem Humor versehenen Schilderungen der Mutter und der kindlichen Perspektive von Henry. Manchmal wirkten die Kinder auch ein wenig zu weise für ihr Alter, an anderer Stelle wurde ihre kindliche Seite jedoch wieder gut getroffen.
Insgesamt kann ich dieses Buch allen empfehlen, die eine völlig neue Welt und die (technischen) Prozesse dahinter erkunden möchten.

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Beginn eines neuen Lebens