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Rezensionen von Ryria:

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Lebenslektionen eines Geists

Ghosted von Rosie Mullender

Die Grundidee der Geschichte hat mir richtig gut gefallen: Als sich ihr Date Andy nicht mehr meldet, denkt sich Emily, dass er sie wohl geghostet hat - nur um dann Monate später festzustellen, dass er stattdessen gestorben ist und jetzt ihre Wohnung als Geist unsicher macht.
Das Ergebnis ist eine schöne Geschichte über echte Beziehungen und Selbstliebe, mit superwitzigen, aber auch emotionalen Momenten.

Protagonistin Emily hat bei mir gemischte Gefühle verursacht: Einerseits fand ich sie oft schrecklich nervig und anstrengend, da sie schon fast zwanghaft versucht, ein perfektes Social Media Leben zu führen. Genau wie ihre coole beste Freundin konnte man da als Leser nur mit den Augen rollen und sich teilweise auch echt über ihr Verhalten aufregen.
Andererseits erfährt man auch einiges über ihr Leben und ihre Geschichte und je mehr man von der "echten" Emily kennenlernt, desto mehr kann man sie auch verstehen und mögen lernen.

Geist Andy hingegen war mein Highlight, ich mochte jede Szene mit ihm: Ob er jetzt als Geist totalen Unfug treibt oder Leute erschreckt, er war immer für einen Lacher gut, und manchmal auch für das ein oder andere Tränchen. Eine unterhaltsame Comedy-Szene konnte so auch mal zu wichtigen Botschaften für unser eigenes Leben führen.
Auch die kleine Detektivgeschichte rund um die Aufklärung seines Todes war ganz gut gemacht, steht meiner Ansicht nach jetzt aber nicht unbedingt im Vordergrund. Manches war auch ein wenig vorhersehbar, jedoch hat dies meinen Lesespaß nicht wirklich verringert.

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Lebenslektionen eines Geists
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Magische Elemente in spannender Fantasywelt

The Wind Weaver (Wind Weaver 1) von Julie Johnson

Zunächst muss man hier einfach die wunderschöne Gestaltung loben, inklusive Farbschnitt, mehreren Illustrationen und einer Karte von Anwyvn. Diese Karte ist besonders hilfreich, da die Charaktere doch so einige Orte besuchen und politische Verwicklungen eine Rolle spielen.
Auch gibt es ganz hinten ein fast verstecktes Glossar, ein netter Bonus, jedoch versteht man die Begriffe auch ohne dessen Hilfe gut.

Ohne viel Zeit zu "verschwenden" geht die Handlung hier direkt los, die von feindlichen Soldaten gefangen genommene Rhya wird vom geheimnisvollen Scythe gerettet. Ihre Vorgeschichte erfährt man zwischendurch immer wieder mal durch ihre Erinnerungen, fand ich gut gelöst, so liegt der Fokus auf der Haupthandlung, aber man bekommt trotzdem noch Kontext dazu.
Beim Erzähltempo bin ich etwas zwiegespalten: Einerseits haben sich manche Abschnitte ein kleines bisschen zu lange für meinen Geschmack gezogen, andererseits mochte ich es auch, dass den Szenen Zeit gegeben wird und diese so direkt viel realistischer gewirkt haben.
Die Charaktere laufen nicht locker von A nach B, sondern suchen nach geeigneten Schlafplätzen, Waschmöglichkeiten, Nahrung und kämpfen mit ihren Wunden - und dazwischen gibts noch spannende Kampfszenen.

Besonders Rhya war mir hier auch sehr sympathisch und ich hab ihre Charakterentwicklung gerne mitverfolgt. Sie ist keineswegs perfekt, aber gibt ihr Bestes, hat viel Mitgefühl und starke Talente wie Bogenschießen und Heilkundenkenntnisse. Ihre Gespräche mit Scythe wurden im Verlauf der Handlung auch immer unterhaltsamer.
Bei den Nebencharakteren sind mir auch so einige schon ans Herz gewachsen und ich bin sehr gespannt, wie es mit ihnen allen im nächsten Band weitergehen wird.

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Magische Elemente in spannender Fantasywelt
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Zu Gast bei (Buch-)Freunden

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie von Akram El-Bahay

Adam arbeitet als Libronaut: In einem versteckten Buchladen empfängt er Buchreisende, die er als Reiseführer in ihre liebsten Klassiker begleitet. Doch wie man sich vorstellen kann, ist nichts so wie es scheint und die Wahrheit ziemlich gut versteckt.
Das ganze Konzept der Buchreisen fand ich von Anfang an sehr interessant und hat mich direkt in seinen Bann gezogen.

Wie genau funktioniert es, was sind die Bedingungen, welche Personen verfügen über die Kräfte dazu - unzählige Fragen, die teilweise recht schnell beantwortet wurden, teilweise aber noch für den zweiten Band offengeblieben sind.
Das Miträtseln hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht, man erkundet zusammen mit Adam nicht nur die Buchwelten, sondern auch die Welt der Libronauten. Ich bin auch jetzt schon gespannt, ob manche meiner Theorien in Band 2 zutreffen werden!
Hier liegt vielleicht aber auch ein kleiner Schwachpunkt dieses Buchs: Es bleibt sehr viel offen mit vielen ungelösten Fragen, sodass es zwar ein gelunger Einstiegsband ist, aber eher schlecht alleine stehen sollte.

Im Laufe der Geschichte besucht man mehrere Buchklassiker, diese Reisen hab ich sehr genossen. Ohne die Titel verraten zu wollen gibt es eine gute, abwechslungsreiche Mischung, die besonders Spaß macht, wenn man die Geschichten selber schon mal gelesen hat oder zumindest grob kennt. Die Atmosphäre der verschiedenen Welten wurde passend eingefangen und man kann sich alles durch die Beschreibungen super vorstellen.
Aber auch die Darstellung unserer Welt wirkt rund und wird mit ein wenig Buchmagie noch verzaubert. Hierbei gibt es immer wieder kreative und auch lustige Details, die für manchen Lacher sorgen und alles noch authentischer erscheinen lassen.

Das Erzähltempo fand ich durchweg gelungen, es bleibt immer spannend und manchmal konnte ich gar nicht aufhören zu lesen.
Zu Hauptcharakter Adam hab ich jedoch noch keine sooo gute Bindung aufbauen können, an manchen Stellen konnte ich sein Verhalten nicht so ganz nachvollziehen. Auch die Libronauten sind noch auf Distanz, aber ich vermute, ihre Motivation und Hintergründe werden im nächsten Teil dann erläutert. Trotzdem gab es zwischendurch auch immer wieder mal schöne Interaktionen zwischen den verschiedenen Charakteren.
Insgesamt ein mitreißender Start in die Bücherwelten, der Lust auf die Fortsetzung macht.

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Früher war alles besser?

Courting - Be mine through all time von Felicia Kingsley

Rebeccas Zeitreise aus unserer Zeit in das Jahr 1816, London in der Regency-Zeit, ist eine tolle, lockere Lektüre mit viel Humor, schlägt zwischendurch aber auch mal ernste und kritische Töne an.
Der Lesefluss ist sehr angenehm mit kurzen Kapiteln, man will nur noch kurz weiterlesen und ist "plötzlich" 200 Seiten weiter.

Hierbei fand ich es auch super, dass eine Unterteilung nach Tagen stattfindet, ein bisschen wie ein Tagebuch, so konnte man gut den Überblick behalten.
Auch befindet sich ganz hinten eine nützliche Karte, die erst zuerst übersehen hatte.

Der Zeitreise-Aspekt wird kurz "erklärt", jedoch sollte man hieran keine hohen Ansprüche stellen: Vieles ist nicht so ganz logisch und würde vermutlich zu Paradoxen führen, jedoch erhebt das Buch auch keinen Anspruch darauf, ein Science-Fiction Werk zu sein.
Dafür wirkte die Regency-Zeit überwiegend authentisch, die Dialoge und Sprache empfand ich passend, es wurden historische Persönlichkeiten eingebaut und die damalige Gesellschaft ausführlich dargestellt. Vieles wird aus unserer heutigen Perspektive durch Rebeccas Augen betrachtet, von dem Luxus einer Dusche bis hin zu Menschen- und Frauenrechten. Der Mix aus lustigen und ernsten Themen hat mir hierbei gut gefallen.

Generell versprüht das Buch Bridgerton-Vibes, Fans der Bücher/Serie sollten hier auch auf ihre Kosten kommen! Zwischen Nachmittagstee und Bällen gibt es auch noch eine gute Prise Spannung und einige Plottwists inklusive Kriminalfall und anschließender Ermittlungen.

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Überwinden der gesellschaftlichen Grenzen

Ganz aus Splittern von Danae Lake

Chrissys Geschichte nimmt den Leser mit in den Teil der Gesellschaft, in dem man eigentlich nicht sein möchte. Dementsprechend ungeschönt wird von Suchterkrankungen, Gewalt, Armut und Straftaten berichtet, was nicht immer leicht verdaulich ist. Gleichzeitig werden aber auch die positiven Aspekte dieses Lebens gezeigt, der Zusammenhalt der Gemeinschaft und familiäre Bande fernab von Blutsverwandtschaften.

Auf der anderen Seite steht die Welt des Elitegymnasiums und der Reichen, doch auch hier ist nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten und nicht schwarz-weiß geprägte Darstellung haben mir ganz gut gefallen, auch wenn sich zwischendurch natürlich auch manche Klischees nicht ganz vermeiden ließen.

Auch Chrissy selbst war mir schnell sympathisch, sie versucht ihren eigenen Weg zu gehen, sich dabei aber auch selbst treu zu bleiben. Statt die Einladung des Gymnasiums direkt anzunehmen, denkt sie erstmal ausführlich darüber nach, was sie für mich auch nochmal authentischer gemacht hat.
Auch die Nebencharaktere sind mir teilweise ans Herz gewachsen, bei manchen hat es jedoch ein wenig gedauert. Zwischendurch gab es immer wieder mal tolle lustige, chaotische Szenen mit ihnen.

Der Schreibstil hat mir durchweg gut gefallen, immer wieder gibt es kluge Beobachtungen und Metaphern. Dadurch dass die Autorin im gleichen Alter wie die Protagonistin ist, wirkt es auch sehr passend zum Alter. Vielleicht auch gerade deswegen hätte ich jedoch nicht vermutet, dass teilweise doch recht heftige Szenen vorkommen würden, daher möchte ich zukünftige Leser nochmal auf die Triggerwarnungen hinweisen.
Ein paar Kleinigkeiten waren aus meiner Sicht auch etwas unlogisch oder übertrieben, jedoch hat mich das nicht allzu sehr gestört.
Im Großen und Ganzen ein berührendes und schön geschriebenes Debüt!

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Überwinden der gesellschaftlichen Grenzen
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Götter-Dystopie

Blood of Hercules von Jasmine Mas

Die Welt von Alexis ist quasi unsere, mit den Unterschieden, dass es "Götter" wirklich gibt und die Welt im Jahre 2099 ziemlich unbewohnbar ist.
Zu Beginn werden die Lebensumstände und geschichtlichen Hintergründe kurz vorgestellt, was ich recht hilfreich für einen schnellen Einstieg in die Geschichte fand.

Im weiteren Verlauf erfährt man neue Infos dann jedoch hauptsächlich zusammen mit Alexis, sodass man auch neugierig und gespannt bleibt.

Die Welt selbst war für mich einer der großen Pluspunkte der Geschichte: Leicht post-apokalyptisch, mit dystopischen Zügen und dazu die alten griechischen Götter - eine wilde Mischung, die irgendwie aber gut funktioniert.
Auch war alles wesentlich brutaler und gnadenloser als ich gedacht hatte, Mord und Totschlag gehört quasi zum Nachmittagstee.
Aus unserer Sicht gehen manche Charaktere damit viel zu locker um, jedoch gehört es teilweise einfach zu ihrer Lebensrealität, deshalb will ich es nicht zu sehr kritisieren.

Auch Alexis ist keine typische Heldin, sie ist voller körperlicher und seelischer Narben, obdachlos und vertraut niemandem außer ihrem Bruder und einer unsichtbaren Schlange. Diese Umstände und die Tatsache, dass sie zwar etwas besonderes ist, aber trotzdem erstmal niemand nett zu ihr ist, fand ich auf eine böse Art sogar ganz erfrischend. Ihre sarkastische und zynische Art konnte auch immer wieder bei mir punkten.

Der Schreibstil ist jetzt nichts Außergewöhnliches, aber man kann das Buch gut und flüssig lesen, auch das Tempo fand ich durchweg angemessen. Immer wieder passiert etwas Spannendes und man möchte mehr über Alexis Herkunft und die Welt erfahren.
Manche Kleinigkeiten erschienen mir jedoch nicht sooo logisch, z.B. leidet die "Göttergesellschaft" an Nachwuchsproblemen, sorgt dann aber dafür, dass kaum ein Kind überlebt. Als Leser ist man öfters mal genauso verwirrt wie Alexis.
Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt auf den nächsten Band.

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Spurensuche in Ägypten

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows von Isabel Ibañez

Als Inez vom Tod ihrer Eltern erfährt, macht sie sich kurzerhand alleine von Argentinien auf ins ferne Ägypten, dem Herzensland der Eltern.
Die Geschichte wird als Romantasy betitelt, jedoch finde ich dies nicht so wirklich passend. Zunächst spielt die Handlung im Jahre 1884, sodass ein toller historischer Aspekt den Rahmen bildet: monatelange Schiffsreisen, frühe Eisenbahnen, Korsetts und Anstandsdamen um ein paar Beispiele zu nennen.

Ägypten wird durch eine grobe Karte und Chronik dem Leser kurz vorgestellt, dazu gibt es am Ende eine Nachbemerkung der Autorin über den historischen Kontext.
All dies hat mich sehr begeistert, denn auch wenn hier natürlich viel frei erfunden ist, konnte man doch auch ein bisschen was dazulernen und in die damalige Zeit eintauchen.
Auch die Darstellung der ägyptischen Kultur und der dortigen Atmosphäre hat mir gut gefallen, immer wieder lassen kleine Details die Welt lebendig wirken.
Besonders wenn man selbst schon mal auf dem Nil unterwegs war, erkennt man einiges wieder und fühlt sich direkt ein wenig heimisch.
Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Probleme, die immer wieder Teil der Handlung wurde.

Nun, jetzt zum Thema "Romantasy": In dieser Welt gibt es auch Magie, aber in einer eher dezenten Form. Das Magiesystem fand ich durchaus interessant, hätte mir jedoch vielleicht noch ein bisschen mehr Fokus darauf gewünscht oder zumindest mehr Infos.
Zum Romance-Teil gehört Charakter Whit, der immer wieder auch kurz zum Erzähler wird. Während ich ihm am Anfang eher langweilig und ein wenig unsympathisch fand, hat sich dies im Laufe der Handlung etwas gebessert, auch wenn ich noch nicht komplett von der Liebesgeschichte überzeugt bzw. emotional involviert bin.
Generell war der Start ein wenig langsam, es wird gefühlt mehr Wert auf die Vorstellung von Inez, ihrer Familie und Ägypten gelegt, ohne dass viel passiert.
Dafür gibt es zwischendurch immer wieder mal überraschende Wendungen und auch interessante Zeichnungen, Briefe und Übersichten im Text.
Für Fans von historischen Geschichten und Ägypten auf jeden Fall zu empfehlen!

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Die Chemie/Biologie stimmt

The Love Hypothesis - Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe von Ali Hazelwood

Die Geschichte von Olive und Adam ist eine typische RomCom rund um Fake Dating - und sich dessen auch auf tolle, selbstironische Art bewusst.
Olive kennt alle Tropes und so werden direkt mal Regeln aufgestellt, auch wenn das natürlich die Macht der RomCom nicht aufhalten kann.
Auf diese Art sollte man die Geschichte auch lesen: Es ist manchmal vorhersehbar, es werden auch einige Klischees bedient, aber auf eine solch lustige und lockere Art, dass es mich so gar nicht gestört hat.

Während es mich in anderen Büchern eher stören würde, dass ein Missverständnis aufgrund fehlender Kommunikation nicht schnell geklärt wird, fühlte es sich hier irgendwie richtig an, quasi "das muss so sein".

Generell hat das Buch einfach echt viel Spaß gemacht, Erzählerin Olive war mir sehr sympathisch und eine tolle Mischung aus chaotisch-lustig und intelligent.
Ihre Gespräche mit Adam haben mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich super unterhalten, und wenn mal was schief ging konnte ich auch direkt mitfühlen und mein Buch anmeckern.
Auch der Freundeskreis war cool, von ihm hätte ich sogar gerne noch mehr gelesen.
Das Setting hat zugleich erlaubt, auf wichtige Themen wie Sexismus und Diskriminierung von Frauen in MINT-Fächern aufmerksam zu machen, was nochmal mehr Relevanz hat, wenn man bedenkt, dass die Autorin selbst eine Professorin auf diesem Gebiet ist.

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Kommunikationsprobleme zwischen Müttern und Töchtern

Die Summe unserer Teile von Paola Lopez

Großmutter, Mutter und Tochter, in Polen, dem Libanon und Deutschland - die Grundidee und den Aufbau des Buches fand ich super.
Jede der Frauen hat ihre eigenen Kapitel, in denen wir sie besser kennenlernen und teilweise auch in mehreren Lebensabschnitten begleiten: Wir erleben alle drei als Studentinnen, Mutter Daria und Großmutter Lyudmila dann zusätzlich noch bei ihrer späteren Karriere und Schwangerschaft/Zeit als Mutter.

Dies fand ich schön gestaltet, so konnte man Parallelen zwischen den Leben, aber auch Unterschiede gut erkennen. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven fördern auch das Verständnis für andere Menschen. Während mir eine Person zunächst eher unsympathisch erscheint, ändert sich dieser Eindruck wieder, wenn ich die Geschichte aus ihrer Sicht erlebe.
Die Botschaft dahinter ist stark, jedoch kann es zwischendurch auch etwas frustrierend sein, wenn man feststellt, dass sich einige Probleme der Frauen mit besserer Kommunikation vermutlich in Luft aufgelöst hätten.

Komplett warm bin ich auch mit keiner der Frauen geworden, selbst mit all dem dazugewonnenen Verständnis gab es doch noch Situationen, in denen ich ihre Handlungen und Entscheidungen so gar nicht nachvollziehen konnte. Ich glaube hier hätten ein paar Seiten mehr dem Buch gut getan, für drei Generationen ist es doch recht kurz und bleibt dadurch manchmal leicht oberflächlich.
Andererseits lässt es sich auch deswegen recht schnell und angenehm lesen, auch die Sprache ist gelungen. Die Gefühle werden immer wieder auf sehr kreative Art beschrieben und die Wissenschaften der Frauen finden auch ihren Weg in die Sprache, so studiert beispielsweise Tochter Lucy Informatik und drückt ihre Gedanken gerne in Computer-Methapern aus.
Zwischendurch gibt es auch immer wieder mal lustige Momente, vor allem durch die unterschiedlichen Länder und Kulturen, davon hätte ich gerne noch mehr gelesen, z.B. mehr Zeit im Libanon verbracht.

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Das Streben nach Glück

Cinema Love von Jiaming Tang

Ein heruntergekommenes Kino in China ist für viele Männer ihr geheimes Paradies: Hier können sie in der Dunkelheit ihre Homosexualität ausleben, nur um danach zu ihren ahnungslosen Frauen zurückzukehren.
Als Leser begleitet man mehrere Charaktere, deren Schicksale durch dieses Kino verbunden sind, über Jahrzehnte hinweg.

Hierbei springt die Geschichte öfters in der Zeit herum und wechselt auch schnell die Perspektive, was eventuell kurz verwirren kann, für mich war es jedoch noch im angenehmen Bereich und interessant zu lesen.

Auch die Themen waren spannend, während man zunächst einen Einblick in die chinesische Kultur bekommt, weitet es sich später noch auf die Probleme (chinesischer) Migranten in den USA aus. Die Darstellung der verbotenen Liebe wird zu einem Porträt der Liebe in all ihren Formen: Was zeichnet eine Ehe aus? Wie gehen die Charaktere mit Eifersucht, Enttäuschung, Sehnsucht und Verrat um?
Ich fand die Charaktere hierbei durchweg authentisch, auch oder gerade weil sie das Gegenteil von perfekt waren und teilweise zweifelhafte Entscheidungen getroffen haben. Dabei weiß ich nicht mal, ob ich überhaupt einen von ihnen wirklich mochte, aber ich habe irgendwie trotzdem gespannt ihre Geschichte verfolgt.
Hierbei muss ich jedoch kritisieren, dass so im letzten Drittel zwischenzeitlich für mich kurz die Luft raus war: Dies ist kein Roman, in dem wahnsinnig viel passiert, stattdessen erhält man einfach einen Einblick auf Ausschnitte des Lebens mehrerer Personen über die Jahre hinweg. Kurz vor Ende hat sich dies für mich dann aber doch ein wenig gezogen.

Absolut positiv hervorheben muss man jedoch auf jeden Fall den Schreibstil! Der Autor schafft schnell eine ganz besondere Atmosphäre, die einen direkt in ihren Bann zieht. Die Erzählung ist immer wieder schon fast poetisch geschrieben und überzeugt mit Wortgewalt und einer starken Symbolkraft. Immer wieder finden sich kleine Satzjuwelen, die man gerne nochmals liest.

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Das Streben nach Glück