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Rezensionen von Ruth:
Wunderbare Wiederentdeckung
Vor uns die Zeit von R. C. Sherriff
Viele freuen sich auf ihren wohlverdienten Ruhestand, haben hochfliegende Pläne, was sie alles mit ihrer freien Zeit anfangen werden, und fallen bald in ein emotionales Loch. Plötzlich fehlt die tägliche Struktur, der Kontakt mit den Kollegen und Kolleginnen, eine sinnvolle Aufgabe.
Vor dieser Herausforderung steht auch der Protagonist in dem 1936 erschienenen Roman „Vor uns die Zeit“.
Einundvierzig Jahre lang hat Tom Baldwin als Angestellter in einer Londoner Versicherung gearbeitet. Nun ist sein letzter Arbeitstag gekommen. Es gilt noch die Abschiedsrede des Direktors und die freundlichen Wünsche der Kollegen hinter sich zu bringen, dann ist er ein freier Mann. Endlich kann er sich diversen Projekten zuwenden, für die bisher die Zeit fehlte. Der Garten hinterm Haus ist arg vernachlässigt und bedarf dringend intensiver Pflege. Und für Geschichtliches hat er sich schon immer interessiert. Nun kann er richtig Studien betreiben, Exkursionen unternehmen und eventuell sogar Vorträge zu verschiedenen Themen ausarbeiten.
Doch alles, was er beginnt, scheitert bald. Das stellt den häuslichen Frieden auf eine harte Probe. Nicht nur Ehefrau Edith fühlt sich in ihren gewohnten Abläufen gestört; auch das alt gewordene Dienstmädchen verteidigt ihren Bereich. Das führt zu manch absurd- komischen Situationen.
Es sieht so aus, als würden sich die bösen Vorahnungen bestätigen. Baldwin wird immer unglücklicher, die Stimmung im Haus immer trüber.
Doch ein Spaziergang zu einem früheren Lieblingsort bringt das Paar auf eine kühne Idee. Erst sind sie ganz entsetzt, dass sich in dem schönen Tal von einst eine moderne Neubausiedlung breitmacht. Aber bald träumen auch sie von einem neuen Haus. Wie wäre es, das dunkle heruntergekommene Heim im Londoner Vorort zu verkaufen und hier nochmals neu zu beginnen. Eifrig werden Pläne geschmiedet, alles durchgerechnet und dann riskieren sie den Schritt.
Man befürchtet das Schlimmste, so vieles kann hier schiefgehen. War das Ganze doch nur eine verrückte Idee, die zum Scheitern verurteilt war? Riskieren sie den finanziellen Ruin?
Doch der Autor meint es gut mit seinen Figuren und seiner Leserschaft. Er zeigt uns eine Möglichkeit, das Alter sinnvoll zu gestalten und zwar, indem man sich wieder einbringt in die Gemeinschaft.
R.C. Sherriff konnte mich schon mit seinem zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman „Zwei Wochen am Meer“ überzeugen. Und was mir dort gefiel, finde ich auch hier wieder. Eine ruhige Erzählweise und einen liebevollen Blick auf seine Protagonisten. Sherriff fühlt sich gut ein in ihre Befindlichkeiten, betrachtet ihre Verschrobenheiten mit leisem Humor, aber ohne sich über sie lustig zu machen oder sie zu diffamieren. Mit großer Sympathie beobachtet er das alte Paar, das mit den Veränderungen in ihrem Leben klarkommen muss.
Zu Beginn seines Ruhestands fühlt Tom sich noch „ wie ein alter Kanarienvogel, dessen Käfigtüre offen stand und der auf dem hintersten Ende seiner Stange kauerte.“ Aber obwohl er eher zaghaft, zweiflerisch ist, seine festen Gewohnheiten braucht, wagt er den Neustart. Dabei unterstützt ihn Ehefrau Edith mit Wort und Tat. Auch wenn der Abschied vom Vertrauten beiden nicht leicht fällt.
Das alles beschreibt der Autor einfühlsam und realistisch, mit einem genauen Blick auf die Details und leicht ironisch. Dabei gibt es einiges zu schmunzeln, manches mag einem vertraut erscheinen.
Anderes wiederum hat Symbolcharakter, wie z.B. die Uhr, die Tom Baldwin von seinen Arbeitskollegen zum Abschied geschenkt bekommt. Soll der tägliche Blick darauf ihn an die zurückliegende Zeit erinnern? Oder soll die Uhr eine Ermahnung sein, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen? Zumindest macht sie sich gut in der neuen Wohnung.
„Vor uns die Zeit“ ist eine wunderbare Wiederentdeckung, die mir sehr viel Freude bereitet hat. Und obwohl wenig Spektakuläres geschieht, hält der Autor die Spannung bis zum Schluss.
R.C. Sherriff hat mit diesem Roman einen Klassiker geschaffen, weil er zeitlose Themen anspricht. Dabei ist ihm ein Roman gelungen, der Mut macht, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.
Lesenswert und lobenswert ist ebenfalls das aufschlussreiche Nachwort von Rainer Moritz, der den Roman stimmig übersetzt hat.
Beste Unterhaltung mit einigen Denkanstößen
Real Americans von Rachel Khong
Der zweite Roman der in Malaysia geborenen US-amerikanischen Schriftstellerin war in den USA ein Riesenerfolg und steht auch bei uns schon kurz nach Erscheinen auf der Bestsellerliste. Möglicherweise trug dazu die groß angelegte Werbekampagne des Verlags bei.
Der Roman ist ein drei Generationen umspannender Familienroman, der viele Themen aufgreift und große Fragen stellt.
Die Geschichte beginnt in Manhattan im Jahr 1999. Hier lebt die 22jährige Lily, Tochter chinesischer Einwanderer. Sie arbeitet als unbezahlte Praktikantin für ein kleines Medienunternehmen. Das ist für ihre Eltern, beide Wissenschaftler, eine Enttäuschung. Schließlich sind sie auch deshalb in die USA ausgewandert, weil sie sich hier ein besseres Leben versprochen haben. Dass ihre Tochter so gar keine Ambitionen zu haben scheint, frustriert vor allem ihre Mutter.
Auf einer Party lernt Lily den fünf Jahre älteren Mathew kennen, einen gutaussehenden, charmanten Mann. Mathew findet Gefallen an ihr, lädt sie in teure Restaurants ein und sogar zu einem Kurztrip nach Paris. Obwohl Welten zwischen ihnen liegen - da der reiche weiße Erbe eines Pharmakonzerns, hier eine junge Frau mit asiatischen Wurzeln, die kaum weiß, wie sie ihre Miete bezahlen soll - verlieben sich die beiden ineinander, heiraten und bekommen einen Sohn.
Das klingt nach einer wunderbaren Romanze, einer modernen Version von Aschenputtel. Und so endet der erste Teil des Romans, allerdings mit kleinen Irritationen.
Szenenwechsel. Wir sind nun im Jahre 2021 auf einer abgeschiedenen Insel an der Westküste der USA. Hier wächst Nick mit seiner alleinerziehenden Mutter Lily auf. Da Nick überhaupt keine Ähnlichkeit mit seiner Mutter aufweist, die aber auf Nachfragen nach dem Vater ihm jegliche Auskunft verweigert, beginnt Nick selbst, nach seinem Vater zu suchen. Mit Hilfe einer Datenbank stößt er auf Mathew, dessen Geld und Einfluss ihm den Weg auf eine Elite-Uni ebnet.
Im dritten und interessantesten Teil wechseln wir zu May, Lilys Mutter. In San Francisco im Jahr 2030 treffen Nick und seine hochbetagte Großmutter aufeinander. May erzählt ihm ihre erschütternde Lebensgeschichte, die zurück ins China der 1960er Jahre führt. Sie war damals eine junge Biologiestudentin, die davon träumte, eine chinesische Marie Curie zu werden. Dafür hat sie ihr Dorf, ihr armseliges Elternhaus verlassen, um dann in Peking die Brutalität der Roten Garden mitzuerleben. Sie verlässt ihre Heimat Richtung USA. „Amerika war ein Ort, von dem ein Versprechen ausging. In Amerika konnte eine Bauerntochter Wissenschaftlerin werden.“ Und tatsächlich findet sie Arbeit in einem Pharmaunternehmen und wird eine erfolgreiche Genetikerin.
Rachel Khong gliedert ihren Roman in drei Teile, die eine ganz eigene Erzählstimme haben. Das liegt an den wechselnden Ich- Erzählern. Aus Lilys Perspektive bekommen wir eine moderne Liebesgeschichte, bei Nick den typischen Campusroman und bei May haben wir eine Mischung aus historischem Roman mit Science-Fiction - Elementen. Spannung wird aufgebaut, weil sich manche Fragen und das große Familiengeheimnis erst am Ende erklären.
Real Americans - schon im Titel klingt die Frage an, was einen „ wirklichen“ Amerikaner ausmacht. Wie viel Anpassung wird von Migranten erwartet und gehört man am Ende dann tatsächlich dazu? Lilys Eltern haben nach ihrer Ankunft alles Asiatische abgestreift, sich völlig assimiliert. Ihre Tochter weiß wenig über die Heimat ihrer Eltern, sie selbst spricht kein Chinesisch, ist Amerikanerin von Geburt an. Trotzdem wird sie aufgrund ihres Aussehens immer als Asiatin identifiziert, wobei für Amerikaner Korea oder China dasselbe zu sein scheint. Ihr Sohn Nick, der ganz stark seinem weißen Vater Matthew ähnelt, stößt auf Unverständnis, wenn er Lily als seine Mutter vorstellt. Und eine schwarze Freundin wünschte , er „würde nicht so weiß aussehen“.
Rachel Khong hat den Roman während Trumps erster Amtszeit geschrieben. Aber Sätze wie diese sind heute aktueller denn je. „Weiße Rassisten fühlten sich bedroht und schlugen wild um sich. Sie glaubten, nur sie könnten entscheiden, wer ein echter Amerikaner war und wer nicht, wobei sie bequemerweise vergaßen, dass sie selbst gestohlenes Land besetzten.“
Aber auch das Thema Klassenzugehörigkeit wird auf verschiedenen Ebenen durchgespielt. Dass Geld viele Türen öffnet, erleben einige Figuren, auch wenn sie sich gegen manche Privilegien stellen.
Ein zentraler Aspekt des Romans ist die Genetik. Mays Forschungen werfen viele ethische Fragen auf. Darf man alles machen, was möglich ist und welche Folgen hat es, wenn der Mensch Gott spielt?
Dies und noch viel mehr hat Rachel Khong in ihren umfangreichen Roman gepackt. Manchem mag die Fülle an Themen zu viel sein, manches dabei zu konstruiert wirken. Und es stimmt, dass nicht immer alles plausibel erscheint, es keiner phantastischen Ebene bedurft hätte und manche der Figuren zu blass wirken.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen, bin den Lebenswegen der Protagonisten gerne gefolgt. Rachel Khong schreibt ungeheuer packend, so dass sich die 500 Seiten in einem Rutsch lesen lassen.
„ Real Americans“ ist für mich beste Unterhaltung, die einige Denkanstöße liefert.
Vom Ende der Kindheit
Schwarzer September von Sandro Veronesi
Sandro Veronesi ist einer der angesehensten Schriftsteller Italiens, dessen Werk mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet wurde.
Auch in seinem neuesten Roman „Schwarzer September“ beweist er sein Können.
Wir sind im Sommer 1972 im toskanischen Badeort Fiumetto. Hier verbringt der zwölfjährige Gigio mit seiner Familie wie jedes Jahr die Sommerferien.
Sein Vater, ein angesehener Strafverteidiger, kann wegen beruflicher Verpflichtungen nur an den Wochenenden zu Frau und Kinder kommen. Dann aber verbringt er mit seinem Sohn viele Stunden auf dem Meer, denn er ist ein leidenschaftlicher Segler. Die Woche über ist Gigio mit seiner jüngeren Schwester Gilda und seiner schönen Mutter am Strand. Die ist Irin und zieht mit ihren roten Haaren die Blicke der Männer auf sich.
Das beschauliche Einerlei von Gigios Alltag verändert sich durch die Ankunft von Astel , die mit ihrer Mutter die benachbarte Strandkabine bezieht. Eigentlich kennt er das Mädchen schon von früher, doch dieses Jahr sieht er sie mit anderen Augen. Und er verliebt sich in sie. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, sie hören Musik und Gigio übersetzt für Astel die englischen Songtexte.
Dann aber geschieht etwas Furchtbares, was auf einen Schlag die sommerliche Idylle zerstört. Astels Vater, ein reicher Mann aus Fiumetto, wird ermordet und unter dringendem Tatverdacht steht seine Ehefrau, eine schöne elegante Äthiopierin.
Ich-Erzähler der Geschichte ist Gigio; der Autor wählt aber nicht die kindliche Perspektive. Stattdessen erinnert sich der 60jährige Gigio an jenen Sommer, in dem seine Kindheit so jäh endete. Und er holt weit aus, um die Vergangenheit heraufzubeschwören, beschreibt genau, was für ein Kind er damals war. Ein Kind, das sich behütet und beschützt gefühlt hat von seinen Eltern, ein Junge, der sich für Sport interessierte, sich auf die Olympischen Spiele freute und seltsame Gewohnheiten pflegte. Und er schildert, wie sehr ihn die Begegnung mit der reiferen Astel veränderte.
Veronesi beschreibt in vielen Szenen detailreich jene Wochen, schwelgt im Geruch des Sommers, lässt die Musik der Siebziger erklingen und bekannte Sportler der Zeit aufleben.
Diese Erzählung wird aber immer wieder unterbrochen von düsteren Vorausdeutungen, die die Spannung steigern.
Der Sommer 1972 endete aber auch für die Welt mit einer Tragödie, darauf verweist schon der doppeldeutige Titel des Romans „Schwarzer September“. So nannte sich die palästinensische Terrororganisation, die bei den Olympischen Spielen in München ein Attentat verübten, das 17 Menschenleben kostete.
Veronesi verknüpft hier ein traumatisches historisches Ereignis mit einem privaten. Danach ist die Unbeschwertheit der Kindheit ebenso Vergangenheit wie die Illusion von den „heiteren Spielen“.
Man sollte keinen plotgetriebenen Roman erwarten und sich stattdessen auf den ruhigen und melancholischen Erzählstil einlassen. Veronesi gelingt es, die Atmosphäre der 1970er Jahre einzufangen und seine Figuren nuancenreich zu zeichnen. Jede einzelne bekommt Tiefe, sogar Nebenfiguren wie Onkel Giotti bleiben dem Lesenden im Gedächtnis.
Immer wieder finden sich Sätze, die zum Nachdenken einladen, so z.B. „Wir wissen genau, wann wir etwas zum ersten Mal tun, haben aber keinen blassen Schimmer, wann es das letzte Mal ist.“
Mit einer wunderschönen parabelhaften Geschichte über einen Olivenhain endet der Roman.
Beeindruckendes Debut
Das schönste aller Leben von Betty Boras
Die junge Autorin Betty Boras ließ sich für ihren Debutroman von der eigenen Biographie inspirieren
Wie ihre Protagonistin Vio ist auch sie 1980, nach dem Sturz von Diktator Ceaucescu, als Sechsjährige mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland gekommen. Obwohl die Familie aus dem deutschsprachigen Banat stammt, nimmt sie in ihrer neuen Heimat, einem Ort nahe Stuttgart, eine Außenseiterrolle ein.
Zu sehr unterscheidet sich ihr Dialekt, ihre Kleidung und ihre Lebensweise von dem ihrer schwäbischen Nachbarn. Deshalb gilt es für Vio und ihre Eltern sich anzupassen, nie unangenehm aufzufallen. Mutter und Vater arbeiten hart, damit ihre Tochter es einmal besser haben wird. Wie alle Eltern wünschen sie sich für ihr Kind „ das schönste aller Leben“. Und auch Vio gibt alles dafür. Sie ist fleißig, besucht das Gymnasium, studiert sogar. Sie scheint angekommen zu sein. Das Glück ist vollkommen, als sich bald nach ihrer Heirat das erste Kind einstellt. Doch dann der Unfall, von dem ihre kleine Tochter bleibende Narben davonträgt. Und Vio gibt sich die Schuld daran. Das stürzt die junge Mutter in eine tiefe Krise, an der sie beinahe zerbricht.
Die Geschichte von Vio erzählt Betty Boras in zwei Erzählsträngen, die sich langsam annähern. Der eine handelt von Vios Aufwachsen in Deutschland, der andere beschreibt die Situation der jungen Mutter. Hier verwendet die Autorin die Ich-Perspektive, was den Lesenden noch stärker an der Verzweiflung von Vio teilnehmen lässt.
Es gibt aber noch einen weiteren Erzählstrang, der zurück in die Vergangenheit führt. Im Wiener Umfeld lebt im 18. Jahrhundert Theresia. Der wird ihre Schönheit zum Verhängnis. Von den jungen Männern im Dorf begehrt, von den Frauen als uneheliches Kind gebrandmarkt, gerät sie ins Visier der Keuschheitskommission, eine Art Sittenpolizei unter Maria Theresia. Sie wird verurteilt und ins Banat deportiert, wo sie in einem Arbeitslager schuften muss.
Betty Boras verbindet gekonnt die verschiedenen Erzählstränge, verknüpft ihre Themen wie Herkunft, Zugehörigkeit, Mutterschaft und Schönheitsideale über die Generationen hinweg. Dabei findet sie für jeden Erzählstrang eine eigene Stimme, einen eigenen Ton. Feinfühlig beschreibt sie die inneren Konflikte ihrer Figuren, lässt sie an den Umständen wachsen und reifen.
Was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen und in einer fremden Umgebung Fuß zu fassen, kennen wir aus unzähligen Migrationsgeschichten. Doch auch diese hier verdient es, erzählt zu werden. Für die Banater Schwaben gilt zusätzlich, dass sie in beiden Ländern eine Außenseiterrolle spielten. Waren sie in Rumänien die Deutschen, so waren sie in Deutschland „ nicht deutsch genug.“
Warum Vio der Schönheit ihrer Tochter einen so hohen Stellenwert zumisst, lässt sich leicht aus ihrer Biographie erklären.
Immer war das wichtigste Kriterium in ihrer Familie, was andere über sie dachten. Und gerade weil Vio selbst so um Anerkennung kämpfen musste, soll ihr Kind es leichter haben. Schönheit und Makellosigkeit öffnen viele Türen, das weiß Vio. Auch wenn es immer heißt, dass die inneren Werte zählen, so urteilt die Gesellschaft sehr oft doch nach äußeren. Sich von diesem Schönheitsideal frei zu machen, das fällt Vio schwer. Nur langsam und mit Hilfe von außen kann sie darauf vertrauen, dass ihr Kind, trotz Narben im Gesicht, ein gutes Leben haben kann.
Die Banater Erde kommt in einigen Kapiteln ebenfalls zu Wort. „Dreihundert Jahre ist es her, dass ich eure Mutter wurde. Ihr kamt aus vielen Teilen Deutschlands zu mir, aber ihr wurdet alle Schwaben genannt.“ So erfährt der Lesende einiges über die Geschichte dieser Gegend, die einst zur Habsburger Monarchie gehörte, bevor sie nach dem Ersten Weltkrieg auseinandergerissen und zum Großteil Rumänien, aber auch Jugoslawien und Ungarn zugeteilt wurde. Die Bewohner dort hatten es nie leicht. „Die Ersten von euch starben zuhauf, in meinem schleimigen Inneren wuchsen Krankheiten zu Seuchen heran. Die nächste Generation plagte sich mit harter Arbeit, entwässerte und beackerte mich, während ihre Kinder endlich das Ergebnis der Mühen ihrer Ahnen ernten konnten.“
Betty Boras ist mit „Das Schönste aller Leben“ ein beeindruckendes Debut gelungen, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat.
Das Buch ist von seiner vielschichtigen Thematik her auch eine ideale Lektüre für Lesekreise.
Heimkehr nach Triest
Alma von Federica Manzon
Die Autorin Federica Manzon, 1981 in Pordenone, einem Ort zwischen Venedig und Triest, geboren, ist Schriftstellerin und Verlegerin. Für ihren fünften Roman „Alma“, der von der Kritik gefeiert wurde, erhielt sie namhafte Preise, u.a. den „Premio Campiello“. Es ist ihr erster Roman, der auf Deutsch veröffentlicht wurde.
„Geografie siegt immer über Geschichte“- dies ist ein zentraler Satz im Roman und Alma, die Protagonistin ist von seinem Wahrheitsgehalt überzeugt. Und so spielt die Stadt Triest, seine geopolitische Lage und seine Geschichte, eine wesentliche Rolle für die Figuren im Roman.
Die 53jährige Alma arbeitet seit Jahren schon als Journalistin in Rom. Nun zwingt sie das Erbe, das ihr Vater ihr hinterlassen hat, zurückzukehren in ihre Heimatstadt Triest. Drei Tage, während des orthodoxen Osterfestes, nimmt sie sich Zeit dafür. Drei Tage, in denen sie nochmals die Orte ihrer Kindheit und Jugend aufsucht, bevor sie sich mit Vili treffen wird. Ausgerechnet Vili, der Mann, den sie nie mehr sehen wollte, ist es, der ihr das Vermächtnis ihres Vaters übergeben soll.
Während Alma die Straßen der Stadt durchstreift, drängen sich ihr die Erinnerungen an früher auf.
Aufgewachsen ist sie in zwei Welten. Da die schöne Wohnung in der Platanenallee, in der ihre Großeltern leben. Hier fühlt sich Alma geborgen. Mit dem Großvater führt sie lange Gespräche, die Großmutter verwöhnt sie mit Sahnetorten und glitzernden Geschenken. Die beiden verkörpern ein Bildungsbürgertum in der alten Tradition des Habsburgerreiches.
Ganz anders in dem Häuschen auf dem Karst, nahe der Grenze. Hier herrscht eine schlampige Unordnung. Die Mutter hat wenig Zeit für ihre Tochter. Sie arbeitet in der „Stadt der Irren“, wo der Psychiater Franco Basaglia eine moderne Form der Psychiatrie geschaffen hat, mit offenen Türen und ohne Gewaltmaßnahmen. Das Verhältnis zur Mutter ist distanziert , das zum Vater sehr viel inniger. Auch wenn dieser oft tagelang über die Grenze verschwindet und wenig erzählt, was er dort macht. Dass er für Tito gearbeitet hat und dessen Reden schrieb, ist alles, was Alma später erfahren wird.
Als Alma elf Jahre alt ist, bringt ihr Vater eines Tages einen Jungen mit nach Hause. Vili ist der Sohn serbischer Intellektueller, die in Ungnade gefallen sind. Vili wird für Alma Bruder, Freund und Geliebter.
Nach Titos Tod ändert sich vieles. Der Vater bleibt von nun an daheim, aus dem Rastlosen wird ein Mann, der sich zurückzieht.
Alma wird Vili bis nach Belgrad folgen, wird die Gräuel des Krieges aus nächster Nähe erleben, bevor sich ihre Wege für Jahrzehnte trennen.
Im steten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt Federica Manzon ihre Geschichte. Dabei bleibt sie ganz nah bei ihrer Hauptfigur, nimmt deren Perspektive ein, beschreibt deren Entwicklung vom Kind zur reifen Frau. Aber auch die anderen Charaktere bekommen Kontur, obgleich die beiden Männerfiguren, der Vater und Vili, lange schwer zu fassen sind. Erst am Ende werden sich für Alma und damit für den Lesenden die meisten Rätsel auflösen.
Sehr sinnlich und atmosphärisch werden die Kindheits- und Jugenderlebnisse geschildert, beklemmend dagegen die Kriegsszenen. Wenige in den Text eingestreute Schwarz- Weiß- Fotografien verleihen dem Geschriebenen zusätzliche Authentizität.
Allerdings macht es die Autorin dem Lesenden nicht einfach.
Verschwimmende Zeitebenen und manche nebulöse und sperrige Formulierungen erfordern volle Konzentration. Kenntnisse über die jugoslawische Geschichte und über den Balkankrieg sind zwar nicht Voraussetzung, aber hilfreich. Außerdem vermeidet die Autorin Jahreszahlen und oftmals klare Benennungen. Man weiß zwar, wer mit dem Marschall, der Stadt oder der Hauptstadt usw. gemeint ist, doch der Mehrwert dieses Kunstgriffes ist nicht erkennbar.
Ansonsten ist „Alma“ ein lesenswerter Roman, der die Themen Herkunft und Identität, Erinnerung und Geschichte auf facettenreiche Weise beleuchtet.
Nicht die Zielgruppe
Tage des Lichts von Megan Hunter
Beim Rückblick auf das Leben ihrer Protagonistin greift die Autorin sechs Tage heraus, die immer um die Osterzeit herum spielen..
Die Geschichte nimmt ihren Ausgang am Ostersonntag 1938. Die neunzehnjährige Ivy verbringt den Tag mit ihrer Großfamilie auf deren Landsitz Cressingdon, „ dem unchristlichsten Haus in ganz England“.
Man feiert gemeinsam Ostern und erwartet den Besuch von Frances, der Verlobten von Joseph, dem Sohn des Hauses. Doch am Ende des Tages wird nichts mehr sein wie zuvor. Ein tragisches Unglück wird alles verändern.
Der Roman verfolgt nun das Leben von Ivy chronologisch über sechs Jahrzehnte, immer anhand einzelner Schlüsselmomente.
So erleben wir Ivy zunächst als eine junge Frau, die noch nicht weiß, wohin sie die Zukunft führen wird. Schon in ihrer Kindheit haben alle erwartet, dass sie so außergewöhnlich sei wie die anderen Familienmitglieder, allesamt erfolgreiche und berühmte Maler und Schriftsteller. Doch leider erweist Ivy sich als völlig talentlos. Auch steht sie immer im Schatten ihres zwei Jahre älteren Bruders John, dem „Goldjungen“.
Aber dessen Ertrinken nach einem gemeinsamen Bad im Fluss macht aus Ivy eine ewig Suchende. Jenes Licht, das ihr dabei erschien und das sie blind machte für Josephs Verschwinden, steht dafür sinnbildlich. Der Titel des Romans weist schon explizit darauf hin. Ebenso das vorangestellte Zitat aus dem Johannesevangelium: „ Es leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht auslöschen können.“
Obwohl Ivy auf einer spirituellen Suche ist, lässt sie sich erst einmal treiben. Sie heiratet Bear, einen 25 Jahre älteren Freund der Familie, bekommt zwei Töchter mit ihm. Als sie sechs Jahre später, im April 1944 Frances wieder trifft, beginnen die beiden Frauen eine Liebesbeziehung. Frances ist für Ivy die Antwort auf alle Fragen. Die glückliche Zeit endet, weil Frances sich für ihren Mann entscheidet. Auch dann noch, als sich die beiden Frauen Jahre später wieder begegnen, Ivy ist mittlerweile Witwe. Daraufhin sucht Ivy ihr Seelenheil im Kloster und es sollen weitere Jahre vergehen, bis die beiden Frauen zusammenfinden.
Das ist die äußere Handlung und das hört sich zunächst vielversprechend an. Doch leider hat mich der Roman bereits nach dem Auftaktkapitel verloren. Obwohl wir alles aus Ivys Perspektive sehen, blieb mir die Figur völlig fremd, ihr Denken und Handeln nicht nachvollziehbar. Es dreht sich alles um Ivys inneres Befinden, ihr Suchen nach dem Göttlichen. Dabei geht sie völlig egozentrisch durch die Welt. Mit gelebtem Christentum hat das wenig zu tun. Ihr Mann, ihre Kinder, Randfiguren in ihrem Universum. „ Eine Frau mit ihren Sprösslingen zu sein, war keine Kategorie, die für Ivy gemacht zu sein schien.“
Die historischen Umstände werden nur am Rande gestreift, die Zumutungen des Krieges, die gesellschaftlichen Veränderungen in den 1960er Jahren, alles nur Staffage, Kulisse. Dabei hätte gerade das mich interessiert, ein Frauenleben durch ein Jahrhundert hin zu begleiten. Aber dazu hätte ich ein anderes Buch lesen müssen.
Der Autorin geht es um spirituelle Erfahrungen, der Suche nach Transzendenz. Dazu bemüht sie eine Unmenge an Symbolen, wie das schon erwähnte Licht, das beständig beschworen wird, spielt mit dem Mythos von Ostern und manchem mehr.
Auch die sprachliche Umsetzung machte mir zu schaffen. So finden sich im Roman wunderschöne poetische Passagen, voller Atmosphäre und Gefühl. Dem gegenüber stehen völlig verunglückte Bilder und kryptische Aussagen.
Die Struktur des Romans ist wohldurchdacht, die Beschränkung auf einzelne Tage vielversprechend. Trotzdem müssen die Leerstellen dazwischen verständlich gefüllt, Brüche und unerwartete Wendungen plausibel werden. So wird z.B. der Lesende völlig überrascht von Ivys Entschluss ins Kloster zu gehen.
Wie die Autorin in ihrer Nachbemerkung schreibt, ließ sie sich von der legendären Bloomsbury Group um Virginia Woolf und ihre Schwester Vanessa Bell inspirieren. Die Gruppe war bekannt für ihre Ablehnung viktorianischer Moralbegriffe, ihre pazifistische Gesinnung und ihren offenen Umgang mit Sexualität. Diese Gruppe ist Vorbild für Ivys Großfamilie. Und Ivy selbst basiert lose auf Vanessa Bells Tochter Angelica, die einen wesentlich älteren Freund der Familie und ehemaligen Liebhaber ihres Vaters heiratete. Das aber nur am Rande.
Fazit: Für Leser, die sich im Esoterischen zuhause fühlen, mag die Lektüre von „Tage des Lichts“ ein Gewinn sein. Ich bin nicht die richtige Zielgruppe.
Unterhaltsam und informativ zugleich
Guinness World Records Fußball Edition von Guinness World Records Ltd.
Dieses Buch, das jeden Fußballfan, ob jung oder alt, begeistern dürfte, wurde von von einem „ fußballverrückten“ Expertenteam zusammengestellt und ist nicht nur hochaktuell, sondern auch vollgepackt mit einer Unmenge an Fakten, Statistiken und Geschichten, illustriert durch eine Vielzahl ausdrucksstarker Photos.
Aufgelistet und genau beschrieben sind die 100 größten Fußballrekorde: Da erfährt man nicht nur, wie alt der jüngste Torschütze war ( vierzehn Jahre) oder wann das früheste Tor bei einem Champions League Spiel fiel ( nach 10,12 Sekunden) und bei welchem FIFA WM- Turnier die meisten Eigentore geschossen wurde ( Weltmeisterschaft 2018). Sondern z.B. auch, wie viel der teuerste Transfer gekostet hat ( 222 Millionen) oder welches Nationalteam in Serie am längsten ungeschlagen blieb ( Italien war 37 Spiele drei Jahre in Folge ungeschlagen). Dass Harry Kane nur 43 Spiele brauchte, um 50 Bundesligatore zu erzielen, erfährt man ebenso wie dass Juventus 36-mal italienischer Meister wurde. Wer der Rekordmeister in Deutschland ist, wissen sogar Leute, die von Fußball wenig Ahnung haben dürften. Den Platz 1 nimmt Pelé ein, der drei WM-Titel gewonnen hat
Sehr lesenswert sind die zwischengeschalteten Features, in denen man z.B. eine Reise unternimmt zu den größten und berühmtesten Fußballstadien, oder die berühmtesten Trainer und Schiedsrichter kennenlernt.
Mehrere Seiten nimmt die FIFA WM- Geschichte ein, die im Jahr 1930 ihren Anfang nahm.
Der Frauenfußball gehört selbstverständlich auch dazu. Frauen werden bei den Rekorden genauso aufgelistet wie die Männer.
In der „Verlängerung“ erfährt man einiges über den Freestyle-Fußballspaß und lustige Fun-Fats aus dem Fußballbereich. Ein Quiz zum Abschluss darf auch nicht fehlen.
So ist dieses Buch eine riesige Fundgrube für alle Freunde des Fußballs, unterhaltsam und informativ zugleich.
Uneingeschränkt zu empfehlen!
Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser von Andrea Erne
Auch der neueste und 60. Band der bewährten „Wieso Weshalb Warum“ - Reihe für die Altersstufe der 4- bis 7Jährigen kann wieder voll überzeugen. Dieser Band widmet sich dem komplexen Thema Wasser. Dabei geht es um die besonderen Eigenschaften dieses Elementes und seine Bedeutung für Mensch, Tier und Pflanze.
Es fragt genauer nach, wozu wir das Wasser brauchen, nicht nur der Einzelne, sondern auch die Wirtschaft usw. Anschaulich wird gezeigt, wie das Trinkwasser in die Haushalte kommt und wohin unser Abwasser fließt.
Je eine Doppelseite wird dem Lebensbereich Fluss und dem des Meeres gewidmet. Der Klimawandel muss hier selbstverständlich auch angesprochen werden. Zeigt er sich doch zu oft in zu viel oder zu wenig Wasser. Überschwemmungen und Dürren sind sichtbare Zeichen dafür. Dass auch Kinder etwas für Klima tun können bleibt nicht unerwähnt. Das ist wichtig, nimmt es ihnen doch das Gefühl von Ohnmacht und fördert stattdessen ein nachhaltiges Verantwortungsgefühl..
Die Texte sind leicht verständlich, ohne oberflächlich zu sein. Die bewährten Klappen vermitteln auf spielerische Art zusätzliches Wissen und erleichtern das Verständnis für Zusammenhänge. Genau wie die detaillierten Bilder, die den Text illustrieren und ergänzen.
So ist auch dieser Band wieder uneingeschränkt zu empfehlen und sollte in keinem Kinderzimmer fehlen. Auch Kindergärten und Schulen profitieren, wenn „ Alles über Wasser“ in die Bibliothek übernommen wird.
Rundum gelungen!
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 81 - Der Kran von Andrea Erne
Meine Enkelkinder lieben die „Wieso Weshalb Warum?“-Reihe und haben auch schon eine große Anzahl dieser Bücher in ihren Bücherregalen.
Der vorliegende Band aus der Junior- Reihe über den „Kran“ ist ideal für den 3jährigen Enkel, der schon immer an jeder Baustelle fasziniert stehen blieb.
Aber auch Größere werden noch Neues erfahren. So z.B. wie ein solches Riesengerät überhaupt zu einer Baustelle kommt. Oder welche Einsatzmöglichkeiten es für Kräne aller Art gibt, wie die Spezialkräne heißen und wie sie aufgebaut sind.
Eine Doppelseite wird dem aufregenden Beruf des Kranführers gewidmet . Besonders spannend ist es, wenn die Feuerwehr bei einer Rettungsaktion einen Kran benötigt.
Das alles und noch manches mehr wird anhand verschiedener lebensechter Szenen vermittelt. Die Texte sind wie immer leicht verständlich und liefern trotzdem die wichtigsten Informationen. Natürlich dürfen die gewohnten Klappen nicht fehlen, die die Vorgänge nachvollziehbar machen. Ein kleine Suchaufgabe am Ende rundet das Ganze ab.
So ist auch dieser Band wieder rundum gelungen und allen kleinen Entdeckern zu empfehlen.
Lädt zum Gespräch
Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte von Werner Holzwarth
„Wie alle Spatzen, wenn sie noch ganz jung sind, träumte auch der kleine Spatz davon, einmal eine große Amsel zu werden.“ So beginnt das neue Bilderbuch von Werner Holzwarth und Margarita Sada. Aber der kleine Spatz ist nicht allein mit seinem großen Traum. So wie er möchten auch die Amsel, die Taube , die Möwe und noch einige mehr ein anderer und größerer Vogel sein.
Doch die deprimierende, gleichwohl realistische Antwort der Eltern fällt immer gleich aus: Du bleibst, was Du bist. Einzig größer wirst Du werden. Doch davon lassen sich die Vogelkinder nicht desillusionieren. Mal trotzig, mal selbstbewusst, mal siegessicher reagieren sie auf die Reaktion der Eltern.
Dieses Bilderbuch will Mut machen, an seinen Träumen und Wünschen festzuhalten , mögen sie auch noch so hoch gegriffen sein. Auch wenn die Wirklichkeit und die Erfahrung dagegen sprechen, so ist im Spiel, in der Phantasie vieles möglich.
Gleichzeitig lädt das Buch dazu ein über die Wünsche und Vorstellungen der Kinder ins Gespräch zu kommen. Und auch die Frage aufzugreifen, warum hier jeder Vogel ein anderer sein möchte.
Der Text arbeitet mit vielen Wiederholungen, etwas, das kleinere Kinder lieben. Auffallend ist, dass die Antwort der Eltern jeweils beinahe identisch ist, während die Reaktionen der Vogelkinder variieren.
Besonders gelungen sind die in kräftigen warmen Farben gehaltenen Illustrationen, die viele liebenswerte Details aufweisen . So liest z.B. die Graugans das vorliegende Bilderbuch. Viele Szenen spiegeln auch den kindlichen Alltag wieder. Es lohnt sich auch die Vorsatz- und Nachsatzseite genauer anzuschauen, die einen Überblick über die Vogelinsel bieten, mal am Tag, mal zur Nacht.
Dass das Ende etwas abrupt kommt und relativ kurz abgehandelt wird, ist mein einziger Kritikpunkt.
So ist „ Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte“ ein liebenswertes Bilderbuch, das zum gemeinsamen genauen Betrachten und zum Gespräch einlädt.
Auch wenn es nicht die Klasse und Originalität von Holzwarths erfolgreichstem Bilderbuch , dem „ kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ aufweist











