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Rezensionen von Ruth:

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Weiterleben

Von hier aus weiter von Susann Pásztor

Schon in ihrem 2017 erschienenen Roman „ Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ ging es um Tod und Trauer. Dass sich die Autorin, die als ehrenamtliche Sterbebegleiterin arbeitet, mit diesem Thema auskennt, beweist sie auch in ihrem neuesten Buch „ Von hier aus weiter“.
An ein Weitergehen mag Marlena nicht mehr glauben.

Nach dreißig Ehejahren und dem Selbstmord ihres Mannes steht sie nun allein da . So war das nicht geplant. Deshalb ist Marlena nicht nur traurig, sondern auch wütend. Einsam und lebensmüde zieht sie sich immer mehr zurück, lehnt jegliche Hilfsangebote stur ab.
Dabei war sie es lange gewohnt, alleine zu leben, hat ihre Unabhängigkeit geliebt. Sie war nicht mehr ganz jung, als sie Rolf geheiratet hat. Ihn, einen Witwer mit drei fast erwachsenen Söhnen, hat sie damals über eine Kontaktanzeige kennengelernt. Es war eine glückliche Ehe. Marlena arbeitete weiter als Grundschullehrerin, Rolf hatte bis zu seinem Ruhestand eine gut gehende Landarztpraxis. Alles lief bestens, bis seine Krebsdiagnose ihr beschauliches Leben auf den Kopf stellte.
Die Tage nach der Trauerfeier übersteht Marlena nur mit Hilfe von Beruhigungsmitteln. Eigentlich hält sie nichts mehr am Leben.
Doch dann benötigt Marlena einen Klempner, der ihre defekte Dusche reparieren soll. Der Handwerker entpuppt sich als ehemaliger Schüler von ihr. Jack, so heißt der junge Mann, braucht dringend eine Unterkunft und Marlena bietet ihm ihr Gästezimmer an.
Jack revanchiert sich, in dem er für beide kocht und sich auch sonst um seine Gastgeberin kümmert. Langsam freunden sie sich an und Marlena nimmt wieder mehr Anteil am Leben.
Sie geht auch wieder ans Telefon und erfährt so, dass ihre alte Freundin Wally einen Brief von Rolf an sie hat. Den muss sie aber persönlich in Wien abholen. Jack lässt Marlena nicht allein die weite Strecke fahren. Und mit von der Partie ist auch Ida, die junge Ärztin, die Rolfs Praxis übernommen hat. Eine Art Roadmovie beginnt, mit einem überraschenden Ende.
Susann Pásztor erzählt hier von einer Frau, die wieder lernen muss, ins Leben zurückzufinden. Denn: Wie lebt es sich weiter, wenn der geliebte Mensch tot ist? Marlena reagiert mit Rückzug, doch es braucht Menschen aus ihrem Umfeld, die einfach da sind, zuhören und Mut machen, damit ihr ein Neubeginn gelingen kann. Und ihre Enttäuschung und Wut kann der Leser erst richtig einordnen, wenn er die genaueren Umstände kennt.

Auch in diesem Roman verbindet die Autorin ein schweres Thema mit erzählerischer Leichtigkeit. Es gibt immer wieder Situationen voller Komik, und Witz in den Dialogen. Besonders ans Herz wachsen einem die Figuren, die liebevoll und sympathisch gezeichnet sind. Und dieses Mal tragen noch eine Prise Magie und eine beginnende Liebesgeschichte zum Zauber der Erzählung bei.
Mag manches auch zu schön um realistisch zu sein, so ist es doch eine Lektüre, die Hoffnung macht und zum Nachdenken anregt.

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Weiterleben
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Ein Roman über Kolonialismus, Kunst und Sprache

Die Kolonie von Audrey Magee



Schauplatz des Romans ist eine atlantische Insel vor der Westküste Irlands. Mittlerweile leben nur noch 92 Einwohner auf dem kleinen Eiland. Viele der ehemaligen Bewohner sind weggezogen, manche bis nach Amerika. Das Leben da draußen ist hart, der karge Boden ist wenig ertragreich, die Winter sind lang und kalt.

Einzige Einnahmequelle ist der Fischfang.
Hierher, „ am Rande Europas“, reist im Sommer 1979 der englische Maler Mr. Lloyd. Er hat sich ein kleines Häuschen gemietet, um in Ruhe malen zu können. Die Inselbewohner sind wenig angetan von dem arroganten und umständlichen Londoner, doch sein Geld können sie gut brauchen.
Noch ein zweiter Gast reist an. Der Franzose JP Masson verbringt schon seinen vierten Sommer auf der Insel. Er ist Linguist und schreibt an seiner Doktorarbeit über den Wandel und den Niedergang der gälischen Sprache.
Ein Konflikt zwischen den beiden Männern ist unvermeidbar. Der Sprachwissenschaftler sieht in dem Engländer eine weitere Bedrohung der irischen Sprache, weil dessen Anwesenheit die Inselbewohner zwingt, Englisch zu sprechen. Und Lloyd, der Ruhe und Einsamkeit braucht für seine Arbeit, fühlt sich von dem Franzosen gestört.
Auch die Inselbewohner sehen den kommenden Monaten mit Skepsis entgegen. Die einen fürchten Konflikte, andere freuen sich auf das „ Spektakel“. „ Kampf der Egos“, „ Frankreich gegen England“. „ Die denken, ihnen gehört die Insel.“ Aber all das ist nichts Neues für die Iren. Schon immer waren sie Spielball anderer Mächte.
Während JP Masson weiter seine Studien betreibt, lange Gespräche mit der beinahe neunzigjährigen Bean Uí Fhloinn führt und mit dem Rekorder aufnimmt, um so den ursprünglichen Dialekt der Insel zu dokumentieren, quartiert sich Lloyd auf einer baufälligen Hütte direkt an der Küste ein. In James, einem einheimischen fünfzehnjährigen Jungen, findet er einen Vermittler und Helfer. James ist zwar auf der Insel aufgewachsen, doch er fühlt sich nicht als „ Inseljunge“ und will nicht in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten. Nicht nur, weil sein Vater und sein Großvater beim Fischen auf dem Meer umgekommen sind. Nein, er träumt von einem anderen Leben, fernab von hier. Durch das Zusammensein mit Lloyd wird sein Interesse an der Malerei geweckt. Und es zeigt sich, dass James eine natürliche Begabung dafür hat. Lloyd erkennt das Potential, das in dem Jungen schlummert, und macht ihm Hoffnung auf eine gemeinsame Ausstellung in London. Aber was ist von den Versprechungen eines Engländers zu halten.
Auch Maired, James‘ Mutter, zieht das Interesse Lloyds auf sich. Überraschenderweise willigt sie ein, ihm Modell zu stehen, heimlich, denn ihre Familie wäre dagegen. Ein Bild von ihr, damit würde sie unsterblich, anders als ihr ertrunkener Mann, von dem nicht mal ein Grabstein zeugt. Außerdem fühlt sie sich von diesem Maler als Frau wahrgenommen, sie, die sonst nur als die „ junge Witwe von der Insel“ gesehen wird.
Der Roman trägt zu Recht seinen Titel. Denn um die vielfältigen Formen der Kolonialisierung geht es hier. Beide, sowohl der Engländer wie auch der Franzose, beanspruchen für sich die Deutungshoheit über die Insel. „ Sie machen aus der Insel etwas, das sie gar nicht ist.“ Denn so unterschiedlich sie auf den ersten Blick wirken mögen, so sehr ähneln sie sich. Jeder vereinnahmt die Insel für sich und möchte sie konservieren. Der eine, in dem er sein Bild von ihr auf der Leinwand festhält, der andere, indem er ihre Sprache als Forschungsobjekt benutzt. Vordergründig geht es ihnen um die Insel und die Menschen dort, in Wirklichkeit um ihre Reputation als Künstler und Wissenschaftler.
Sprache als Machtinstrument der Kolonialisierung ist eines der zentralen Themen im Roman. Denn Sprache ist nicht nur Kommmunikationsmittel, sondern darüber hinaus identitätsstiftend, weil in ihr das kulturelle Erbe einer Volksgruppe erhalten ist. Masson ist deshalb auf einem „ Feldzug“ für den Erhalt der gälischen Sprache. Durch seine Studien bekommt der Leser einen kurzen, aber äußerst informativen Überblick über irische Geschichte und das Verdrängen der irischen Sprache durch die Engländer. Das wird aber nicht lehrbuchartig dargestellt, sondern organisch in die Handlung verwoben.
Zu Beginn wirkt die Insel mit ihren archaischen Lebensbedingungen wie aus der Zeit gefallen. Doch die Autorin verortet die Handlung sehr genau in der politischen Realität des Jahres 1979 durch zwischen die einzelnen Kapiteln eingeschobenen Berichte über reale Anschläge der IRA und den Vergeltungsaktionen der Briten. Und die nüchtern gehaltenen Zeitungs- und Rundfunknachrichten wirken wie Fremdkörper im Text, ähnlich wie die beiden Besucher auf der Insel. Aber im Verlauf der Handlung gewinnen sie Einfluss auf die Inselbewohner.
Genießt der Leser anfänglich den trockenen Humor der Einwohner und den intellektuellen und gleichzeitig boshaften Schlagabtausch der beiden Kontrahenten, so schleicht sich gegen Ende eine bedrohliche Stimmung ein.
Die Komplexität des Romans literarisch zu vermitteln, beherrscht Audrey Magee meisterhaft. Sie verwendet unterschiedliche Erzählstile für ihre Charaktere. So ist es bei dem Maler eine sehr rhythmisierte, beinahe impressionistische Sprache, während der Linguist in weit ausschweifenden komplizierten Satzgebilden denkt.
Wunderschöne poetische Beschreibungen von Landschaft und Natur finden sich im Wechsel mit pointierten Dialogen und inneren Monologen. Nicole Seifert hat den 2022 für den Booker Prize nominierten Roman kongenial übersetzt.
„ Die Kolonie“ ist ein Roman über Kolonialismus, Kunst und Sprache, verhandelt in den persönlichen Erfahrungen einiger Figuren.
Während der Lektüre wird man bestens unterhalten und danach wirkt das Buch noch lange nach. Was will man mehr?

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Ein Roman über Kolonialismus, Kunst und Sprache
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Psychologisch stimmige Frauenporträts

Halbe Leben von Susanne Gregor

Die Geschichte beginnt äußerst dramatisch. Gleich auf der ersten Seite stürzt bei einer Wanderung eine der Hauptfiguren in die Tiefe. Und der Leser fragt sich, wie es dazu kommen konnte.
Danach Rückblende: ein Jahr zuvor.
Klara, eine Frau Ende Dreißig, arbeitet als Architektin in einem renommierten Architekturbüro.

Die Arbeit macht ihr Spaß und wird sehr gut bezahlt. Das ist auch notwendig, denn ihr Mann Jakob verdient als Photograph kaum etwas. Um die zehnjährige Ada kümmert sich Irene, Klaras Mutter. Das bisher funktionierende Gefüge der Familie bricht zusammen, als Irene einen Schlaganfall erleidet. Sie kann nicht mehr für sich selbst sorgen und braucht rund um die Uhr Betreuung. Klara kann das unmöglich neben ihrem arbeitsintensiven Job leisten. In ihrer Not wendet sie sich an eine Agentur für Pflegekräfte. Und nun kommt Paulina ins Haus, die sich die Arbeit im zweiwöchigen Rhythmus mit Radek teilt. Alle sind glücklich. Irene versteht sich gut mit ihrer Betreuerin; Klara kann sich wieder mit voller Kraft ihrer Arbeit widmen. Denn Paulina macht mehr als nötig, kocht für die ganze Familie, führt den Hund aus und hilft bei Festen. Dafür gibt es dann schon mal ein paar Scheine mehr.
Und die kann Paulina gut gebrauchen. Denn seit der Scheidung von ihrem Mann ist sie allein verantwortlich für die beiden halbwüchsigen Söhne. Ihr Gehalt als Krankenschwester hat hinten und vorne nicht gereicht. Einzig um ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, hat Paulina diese Arbeit angenommen. Nur deshalb pendelt sie alle zwei Wochen zwischen der Kleinstadt in Slowenien und dem oberösterreichischen Kremstal hin und her. Die Söhne werden während ihrer Abwesenheit von der Schwiegermutter betreut.
Aber die Situation ist für Paulina natürlich alles andere als leicht. Ständig plagt sie das schlechte Gewissen, nicht für ihre Söhne da zu sein. Auch die leiden naturgemäß unter der Trennung. Und Paulina fragt sich, ob es die richtige Entscheidung war, sich für eine fremde Familie aufzuopfern, während ihre eigene auf der Strecke bleibt.
Susanne Gregor greift hier ein Thema auf, das in unserer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen betrifft. Wir holen uns Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern, die uns bei der Pflege und Betreuung unterstützen. Doch was bedeutet das für diejenigen, in der Regel sind es Frauen, die dafür ihre eigene Familie vernachlässigen müssen? Und welche Folgen hat das für die zurückgelassenen Kinder? Und was heißt das für die Infrastruktur eines Landes, wenn so viele Arbeitskräfte abwandern?
Die Autorin beleuchtet aber nicht nur diesen Aspekt, sondern geht auch auf das komplizierte Verhältnis zwischen Klara und Paulina ein. Klara ist freundlich und verständnisvoll, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Die Extradienste, die Paulina anfangs freiwillig übernommen hat, werden zwar honoriert, aber auch immer mehr eingefordert. Dabei übersieht Klara völlig, dass auch Paulina ein eigenes Leben hat und unter ganz anderen Zwängen steht als sie selbst.
Aber Klara führt ebenso ein „ halbes Leben“, wenn auch ein privilegierteres. Ihren Erfolg im Beruf bezahlt sie mit einem enormen Arbeitspensum und dem Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein. Denn ihr ist nicht entgangen, dass ihre Tochter Ada ein weitaus besseres Verhältnis zur Oma hat als zu ihr.
Die dritte spannende Frauenfigur ist Irene. Sie hat ihre Tochter allein großgezogen, sich als Gymnasiallehrerin ihren Unterhalt verdient und legt auch als pflegebedürftige Frau Wert auf Selbstbestimmung und Würde.
Die Männer im Roman spielen eine eher unrühmliche Nebenrolle. Jakob ist zwar lieb und nett, aber keine wirkliche Stütze. Und Paulinas Mann entzieht sich gleich der Verantwortung und gefällt sich darin, seiner Ex- Frau Vorwürfe zu machen.
Die Situation im Roman spitzt sich immer mehr zu und eskaliert auf der eingangs beschriebenen Wanderung. Aber Susanne Gregor hat keinen Krimi geschrieben.
Stattdessen ist ihr ein äußerst feinfühliger, psychologisch stimmiger Roman gelungen. Sie erzählt wechselweise aus Klaras und Paulinas Perspektive. In vielen kleinen Alltagsszenen werden die Verschiebungen im Beziehungsgefüge deutlich. Es sind unterschiedliche Lebenswelten, die hier aufeinanderstoßen, wobei von vornherein ein Ungleichgewicht besteht. Verständnis kann man für beide Frauen aufbringen, wobei das größere Mitgefühl Paulina gilt.
Susanne Gregor, in Slowenien geboren, seit ihrem neunten Lebensjahr in Österreich heimisch, hat mit diesem Roman endgültig bewiesen, dass sie zu den interessantesten Autorinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur gehört.

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Psychologisch stimmige Frauenporträts
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Abwechslungsreich

tiptoi® Meine Lern-Spiel-Welt - Logisches Denken von Annette Neubauer

Bücher und Spiele mit dem Tiptoi -Stift verknüpfen Spiel und Spaß mit Lerninhalten und sind eine gute Möglichkeit für die Eigenbeschäftigung von Kindern.
Mit diesem neuesten Buch soll logisches Denken vermittelt und geübt werden. In einer Rahmenhandlung begleiten wir den kleinen Tiger Theo auf einer Reise.

Los geht es von Zuhause und dann weiter ans Meer, in Höhlen und Bergen und in den Wald. Wir sind in einem Schloss und auf einem Jahrmarkt. Auf jeder Doppelseite gilt es zwei bis drei Aufgaben zu lösen. Dabei variieren die Schwierigkeitsgrade, so dass schon kleine Kinder Erfolgserlebnisse haben und Ältere sich nicht langweilen. Man muss genau beobachten und aufmerksam zuhören. Mal sollen Reihen weitergeführt , mal Fußspuren erkannt werden. Oder es geht darum, Schattenbilder zuzuordnen, Reime zu ergänzen und Mengenangaben zu bestimmen. Sudoku- Freunde kommen auch auf ihre Kosten. Die beiden Lieder im Buch sorgen für eine kleine Lernpause..
Fazit:
Das Buch bietet abwechslungsreiche Aufgaben und Rätsel und dürfte auf großes Interesse bei der Zielgruppe stoßen . Auch wenn die Bilder nicht ganz meinen Geschmack treffen, so bin ich mir sicher, dass Kinder ihre Freude daran haben werden.

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Abwechslungsreich
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Wieder sehr gelungen

Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 76 - Bohrer, Lampe, Spülmaschine von Andrea Erne

Dies ist bereit der 76. Band aus der beliebten Reihe „ Wieso Weshalb Warum? Junior“ und wieder ein sehr gelungener.
Auf 16 Seiten erfahren Kinder ab zwei Jahren Wesentliches über alltägliche Haushaltsgeräte und Maschinen. Eingeteilt in die verschiedenen Lebensbereiche einer Wohnung, geht es von der Küche bis zur Werkstatt und in den Garten.

So vermitteln kurze Texte und anschauliche Bilder Informationen über Elektrizität, über Küchen - und Gartengeräte, über verschiedene Medien usw. Die bewährten Klappen gewähren einen Blick in das Innere der Spülmaschine oder den Rasenmäher. Andere Klappen laden zur Interaktion ein, so kann man z.B. einen Rolladen runterlassen oder Batterien wechseln.
Sogar der Hinweis auf Gefahren fehlt nicht.
Positiv hervorzuheben ist auch, dass bei der Darstellung auf Diversität geachtet wurde und dass keine alten Rollenklischees verbreitet werden. Hier sieht man Papa beim Befüllen der Waschmaschine und beim Bügeln, während Mama gekonnt mit der Bohrmaschine umzugehen versteht.
So kann ich auch den neuesten Band uneingeschränkt empfehlen.

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Wieder sehr gelungen
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Belanglis

Drei Wochen im August von Nina Bußmann

Spontan hat Elena zugegriffen, als das Angebot ihrer Chefin Ali kam, sie könne im Sommer das leerstehende Haus von Alis Lebensgefährtin Nana nutzen. Drei Wochen Ferien an Frankreichs Atlantikküste, das klingt doch zu verlockend. Auch wenn ihr Mann Kolja nicht so lange seiner Arbeit fernbleiben möchte.

Außerdem gibt es noch einiges am gemeinsamen Haus zu tun. Dafür darf Eve mitkommen, die langjährige Nanny und „ Mädchen für alles“. Gegen Bezahlung, versteht sich. Schließlich hängen die Kinder an ihr; der sechsjährige Rinus noch mehr als seine 13 Jahre alte Schwester Linn. Die darf im Gegenzug ihre gleichaltrige Freundin Noemi mit in Urlaub nehmen.
Elena freut sich auf ein paar entspannte Wochen. Das Haus ist zwar schon etwas heruntergekommen, und Ilyas, der kurz darauf auftaucht und sich als Freund des Hauses ausgibt, irritiert etwas. Ständig ist er da, kommt Hausmeisterarbeiten nach, drängt sich unaufgefordert auf. Doch bald gehört er wie selbstverständlich dazu.
Auf der Handlungsebene passiert nicht viel. Es erscheinen zwei unerwartete Besucher, was das komplizierte Beziehungsgefüge noch mehr durcheinanderbringt. Später verschwindet auch eines der Mädchen. Aber auch das löst sich ziemlich unspektakulär auf.
Erzählt wird uns die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Elena und Eve. Man liest von den Gedanken und Erinnerungen der beiden Frauen, trotzdem bleiben sie einem sonderbar fremd.
Über allem liegt eine permanente Stimmung von Bedrohung. Da sind die Waldbrände in der näheren Umgebung, man hört sogar von Evakuierungen. Dann taucht eines Tages ein herrenloser Hund auf, der genauso mysteriös wieder verschwindet. Ständig ist der Leser in Erwartung einer Katastrophe. Doch alles plätschert bis zum Ende so vor sich hin.
Sicher, jeder hat so seine Probleme. In der Ehe von Elena und Kolja kriselt es gewaltig. Und Eve darf nach der Trennung von ihrem kriminellen Ehemann dessen Spielschulden bezahlen. Von den Kindern heißt es, sie wären speziell. Aber das sind hier alle, „sehr speziell“. Es gibt unausgesprochene Machtkämpfe zwischen den beiden Frauen um die Gunst der Kinder. Rivalitäten, Misstrauen und Eifersüchteleien zwischen allen. Aber letztendlich wird nicht klar, wo die Autorin mit ihrer Geschichte hinwill. Es gibt keine Entwicklung; die vielen Fragen, die sich bei der Lektüre stellen, bleiben unbeantwortet.
Sicher, die Autorin kann schreiben, ihre Sprache ist klar und sie versteht es, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. Doch sie hat wenig zu erzählen. Banale Alltäglichkeiten aus dem Leben einiger Leute, die mich immer weniger interessierten.
Schade! Die Ausgangslage war vielversprechend, doch meine Erwartungen

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Belanglis
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Ein leises und poetisches Buch

Über allen Bergen von Valentine Goby

Es ist mitten im Winter des Jahres 1942, als der 12jährige Vincent in Vallorcine, einem Bergdorf im Schatten des Mont Blanc ankommt. Der Junge hat Asthma und die klare Bergluft wird seinen empfindlichen Bronchien guttun. Doch seine Krankheit ist nicht der einzige Grund, warum er mutterseelenallein in die französischen Alpen geschickt wurde.

Sein Leben wäre in Gefahr, wenn er weiterhin in Paris bliebe. Dort ist er als Vadim in einem Arbeiterviertel aufgewachsen, mit einem russischen Vater und einer französischen Mutter. Sein Vater und seine Großeltern sind Juden. Und obwohl Vadim katholisch getauft wurde, muss er nun seine frühere Identität abstreifen und als Vincent ein neues Leben führen.
Die Familie, die ihn aufnimmt, behandelt ihn wie einen Sohn. Und auch die Dorfbewohner und der Pfarrer heißen ihn willkommen.
Aber für das Stadtkind ist hier alles fremd und neu. Zum ersten Mal in seinem Leben sieht er so viel Schnee, zum ersten Mal die Berge. Der Junge ist fasziniert von den majestätischen Gipfeln und dem vielen unterschiedlichen Weiß des Schnees. Langsam wird er vertraut mit dem Alltag der Dorfbewohner. Es ist ein einfaches und mühsames Leben, geprägt vom Rhythmus der Natur. Vincent hilft mit bei den Arbeiten auf dem Hof, ist dabei, als ein Kalb geboren wird. Und als das Frühjahr kommt, gibt es für die Kinder des Dorfes einiges zu tun. Vincent hat eine eifrige Freundin, die ihm alles zeigt und erklärt. Die 10jährige Moinette amüsiert sich über seine Unwissenheit . „ Noch nie Huflattich gesehen?“ „ Noch nie Kröteneier gegessen?“ „ Noch nie Vögel singen gehört!“ So nimmt sie ihn unentwegt auf den Arm, aber Vincent ist ein gelehriger Schüler. Er saugt alles Neue begierig auf, versucht einer von hier zu werden. .
So begleitet der Leser diesen liebenswerten Protagonisten durch drei Jahreszeiten. Und in drei große Kapitel ist der Roman auch eingeteilt. „ Weiß“ für Winter, „ grün „ für Frühling, „ gelb“ für Sommer. Jede Jahreszeit bringt für den Jungen neue Erfahrungen. Alles nimmt er intensiv wahr, Farben, Bilder, Töne, Gerüche. Vor allem die Farben spielen eine große Rolle, denn Vincent ist Synästhetiker. Jeder Buchstabe steht für ihn mit einer bestimmten Farbe in Verbindung. So wundert es nicht, dass der Junge seine Umgebung in selbstgemalten Bildern festhält.
Auch die Autorin spricht mit ihrem Roman die Sinne an. In unendlich vielen Variationen werden die Eindrücke des Jungen geschildert. Die vielen Weißtöne, das frische Grün des Frühlings, das Gold der Felder im Sommer, überhaupt die Schönheit der Natur -all das wird mit viel Poesie beschrieben. Wir sehen alles durch den offenen und unverfälschten Blick eines Kindes.
Vincents Entwicklung steht im Zentrum des Romans. Weg von zuhause muss er sich in eine fremde Umgebung integrieren. Die intensive Begegnung mit der Natur, die Gemeinschaft im Dorf, Freundschaften und eine erste zarte Liebe machen aus dem schüchternen Jungen aus der Stadt ein Kind der Berge. Das alles wird liebevoll und mit viel Empathie geschildert.
Der Krieg selbst steht im Hintergrund. Das isolierte Tal hält vieles fern. Die italienischen Besatzer im Dorf scheinen wenig bedrohlich. Doch die ziehen nach der Niederlage Italiens ab und auf sie werden die deutschen Soldaten folgen. Nun ist es auch hier nicht mehr sicher für Vincent.
„ Über allen Bergen“ ist ein leises Buch, das von seinen intensiven Beschreibungen lebt. Wer lyrische Landschaftsbetrachtungen liebt, kommt hier voll auf seine Kosten. Für mich hätten es etwas weniger sein dürfen. Auch war es mir zu viel Idylle im Dorf. Das Böse war etwas, das es nur außerhalb gab.
Trotzdem habe ich den Roman gerne gelesen.

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Ein leises und poetisches Buch
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Herausragender historischer Roman

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

Der norwegische Schriftsteller Tore Renberg hat mit „ Die Lungenschwimmprobe“ seinen ersten historischen Roman vorgelegt. In seiner Heimat wurde er dafür gefeiert und auch in Deutschland dürfte er damit erfolgreich sein, spielt doch die erzählte Geschichte in Sachsen, vorrangig in Leipzig, Ende des 17.

Jahrhunderts.
Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges sind noch lange nicht vergessen und auch nicht die Pest, die erst vor kurzem die Stadt heimgesucht hat.
Der Roman fußt auf einem historisch verbrieften Fall. Im Herbst 1681 bringt die ledige 15jährige Anna Voigt ein Kind zur Welt. Zusammen mit ihrer Mutter, die völlig überrascht von der Schwangerschaft ihrer Tochter war, vergraben die beiden das Totgeborene. Dienstboten, die das Kind ausgraben, bringen den Fall zur Anzeige. Nun sieht sich das Mädchen mit dem Vorwurf der Kindstötung konfrontiert, die Mutter ist als Mittäterin ebenfalls angeklagt. Nach dem damaligen geltenden Recht, der „ Constitution Criminalis Carolina“ droht ihr damit der Tod, durch lebendiges Begraben, durch Pfählen oder Ertränken. Dafür ist aber ihr Schuldeingeständnis erforderlich, was notfalls durch Folter erzwungen wird.
Anna ist aber die Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers, der über die nötigen Mittel verfügt und sich einen angesehenen Rechtsgelehrten leisten kann. Der Vater beauftragt den Leipziger Rechtsanwalt Christian Thomasius, einen streitbaren Juristen, der sich mutig gegen die herrschende Obrigkeit stellt. ( Thomasius, eine historisch bedeutsame Figur, gilt als Wegbereiter der Aufklärung in Deutschland und war einer der Gründungsväter der Universität Halle.) Dieser kann sich in seiner Beweisführung auf die „ Lungenschwimmprobe“ stützen. Denn bei den ersten Untersuchungen des toten Kindes war der Arzt Schreyer zugegen, der bei Annas Kind diese neue Untersuchungsmethode anwendet. Sinkt die Lunge nach der Autopsie im Wasser, ist das Kind totgeboren, sinkt sie nicht, enthält sie Luft, dann hat das Kind gelebt. Die titelgebende Lungenschwimmprobe markiert den Beginn der modernen Rechtsmedizin.
Obwohl das Ergebnis Annas Aussage stützt, ist Anna noch lange nicht gerettet. Der Prozess zieht sich über Jahre hin, zu viele Widersacher machen dem Verteidiger die Arbeit schwer und Annas Leid immer größer.
Um ein differenziertes Bild zu bekommen, erzählt Tore Renberg aus verschiedenen Perspektiven. So leidet der Leser nicht nur mit der angeklagten jungen Frau, sondern liest ebenso von der Verzweiflung und den Rachegedanken des Vaters, verfolgt die Bemühungen des Rechtsanwalts und erfährt viel über das Leben und die Arbeit eines Scharfrichters. Auch schaltet sich hin und wieder der Autor selbst ein, lässt uns in die Zukunft der Figuren blicken, zeigt auf, wo er den Bereich der Fakten verlässt und macht seine Faszination für das Thema spürbar.
Dabei zeichnet er seine Figuren facettenreich und ambivalent. So ist sein Thomasius nicht nur ein kluger Kopf, der sich dem Fortschritt und der Aufklärung verschrieben hat, sondern auch eitel und aufbrausend
Mein einziger Kritikpunkt an diesem außergewöhnlichen historischen Roman ist der Rachefeldzug des verbitterten Vaters. Dieser genau beschriebenen Gewaltexzesse hätte es nicht bedurft.
Recherchiert hat der Autor über fünf Jahre lang, nicht nur in zahlreichen Archiven und im Austausch mit Wissenschaftlern, sondern auch ganz konkret vor Ort.
Lesenswert ist ebenso noch der Anhang, der online abrufbar ist ( per QR-Code oder per Link ), in dem die Kurzbiograhien aller historischer Personen aufgeführt werden, sowie historisches Bildmaterial und sämtliche Quellenangaben.
„ Die Lungenschwimmprobe“ ragt aus der Masse an historischen Romanen heraus, denn hier ist der historische Hintergrund nicht nur Kulisse für eine spannende Geschichte. Tore Renberg lag es vielmehr daran, ein authentisches Bild dieser Zeit zu vermitteln, einer Zeit, in der traditionelles Denken auf Wissenschaft und Rationalismus trifft. Dabei erfährt der Leser vieles über die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse, über die Macht der Obrigkeit und der Kirche, das geltende Rechtssystem und die Stellung der Frau.
Mit seinen über 700 Seiten, mit seinem detailreichen Sachwissen und seinen Zeiten- und Perspektivwechseln , sowie einer Sprache, die sich der barocken Zeit anpasst, ist es aber kein leicht zu konsumierendes Buch, sondern erfordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers.
Fazit: Nicht nur für historisch Interessierte ein äußerst lesenswerter Roman!

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Herausragender historischer Roman
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Warmherzige Hommage auf Erich Kästner

Der Goldhügel von Tobias Roller



2024 ist in zweifacher Hinsicht ein Kästner-Jubiläumsjahr. Zum einen jährt sich sein 50. Todestag; außerdem sind es 125 Jahre, seit Erich Kästner in Dresden geboren wurde. Passend dazu ist der Debutroman
„ Der Goldhügel“ von Tobias Roller erschienen.
Das Buch weckte mein Interesse, denn mir geht es ebenso wie Tobias Roller: Die Werke Erich Kästners begleiten mich schon mein Leben lang.

Angefangen hat meine Liebe mit den unvergesslichen Kinderbüchern. Den großartigen Roman „ Fabian. Geschichte eines Moralisten“ oder wie er heute heißt „ Der Gang vor die Hunde“, habe ich nicht nur einmal gelesen. Und seine Gedichte lese ich immer wieder. Eines davon ist auch dem Buch vorangestellt: „ Einsam bist du sehr alleine…“ Und einsam fühlt sich auch Erich Kästner, denn er ist zu einem längeren Sanatoriumsaufenthalt verurteilt. Im Tessin, auf dem „Collino d‘Oro“ , dem Goldhügel, soll er seine Tuberkulose auskurieren.
Wir sind im Februar 1962. Der alternde Dichter hat den Zenit seiner Laufbahn längst überschritten. „ Ein älterer Herr, der genügend hinter sich und wohl nicht mehr viel vor sich hat, das ist er nun.“ Sein Wort gilt nicht mehr viel, seine Bücher werden immer weniger gelesen. Geschrieben hat er auch schon länger nichts mehr. „ Noch nicht einmal die Liebe will ihm gelingen, aber gelungen ist sie ihm ja noch nie.“ Zerrissen zwischen zwei Frauen ringt er um eine Lösung seines privaten Dilemmas. Da ist seine langjährige Freundin Luiselotte Enderle, genannt Lotte, in deren Schuld er steht und die ihn nicht freigeben möchte. Doch wie gern wäre er bei Friedel und dem gemeinsamen kleinen Sohn. Wie soll er sich angesichts dieser Schwierigkeiten um seine Gesundheit kümmern? Ein folgsamer Patient ist er nicht und wenig bereit, den strikten Anweisungen des Professors zu folgen, der ihm seine größten Laster verbietet. Aber wie soll er die Welt ertragen ohne die Schlückchen „Privatmedizin“, die er sich immer wieder gönnt, und seine geliebten Zigaretten?
Einziger Lichtblick ist da eine junge Dame, wie er zur Genesung auf dem Goldhügel. Ihr Anblick schmeichelt seinem Auge, ihre Verehrung seinem Ego.
Tobias Roller beschränkt sich in seinem Roman auf wenige Tage im Leben Kästners. In Erinnerungen werden wichtige Episoden und Menschen aus Kästners Leben erweckt . In Träumen und Halluzinationen erfahren wir von seinen Ängsten und Zweifeln.
Einmal unternimmt der Dichter bei heftigem Schneetreiben einen Ausflug . Hier im Wirtshaus bei den Männern des Dorfes, „ wo das wahre Leben spielt“, darf er endlich „ Mensch unter Menschen“ sein, eine zentrale Stelle im Roman. Hier begreift er, „ dass er die Beleuchtung in seinem Leben ändern muss.“
Obwohl Tobias Roller nur eine Momentaufnahme aus Kästners Leben beschreibt, so kommt man dem Dichter doch sehr nahe. Man erlebt ihn mit seinen Zweifeln und Ängsten und sieht seine Schwächen. Allerdings beschreibt Tobias Roller diese verständnisvoll und mitfühlend. Dabei blitzt immer wieder der typische Kästner- Humor durch.
Auch die fiktiven Elemente sind dem Autor sehr gut gelungen. Die beiden Frauenfiguren, die er Kästner gegenüberstellt -neben dem Fräulein gibt es noch eine alte, strenge Richtersgattin- tragen zum Charme des Buches bei. Beide machen durch die Begegnung mit dem immer noch charismatischen Dichter eine glaubhafte Entwicklung durch und Kästner profitiert ebenso von den Gesprächen mit ihnen. Hier reift der Entschluss und die Idee für sein nächstes Kinderbuch, das er seinem Sohn widmen wird. Es wird den Titel tragen „ Der kleine Mann“.
Auch sprachlich hat mich der Roman überzeugt. Roller passt sich hierin wunderbar dem Sujet und der Zeit an.
Gleichzeitig lassen sich Anklänge an den „ Zauberberg“ von Thomas Mann erkennen, ohne sich mit diesem großen Vorbild messen zu wollen. Hier handelt es sich ja auch nur um einen „ Hügel“ und nicht um einen „ Berg“ und die erzählte Zeit umfasst auch nur wenige Tage und nicht sieben Jahre.
Aufschlussreich ist das Nachwort, das die letzten Jahre Kästners umreißt.
Tobias Roller ist mit „ Der Goldhügel“ eine warmherzige Hommage auf Erich Kästner gelungen. Es wäre zu wünschen, dass nach der Lektüre viele Leser erneut zum Werk Erich Kästners greifen würden.

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Warmherzige Hommage auf Erich Kästner
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Denkmal für eine unkonventionelle und widerstandsfähige Frau

Man kann auch in die Höhe fallen von Joachim Meyerhoff



Mit seinem neuesten Buch ist Joachim Meyerhoffs ambitioniertes Erzählprojekt „ Alle Toten fliegen hoch“ auf mittlerweile sechs Bände angewachsen. Die treue Leserschaft ist vertraut mit der skurril-liebenswerten Familie des Autors. In seinem erfolgreichsten, auch verfilmten Buch „ Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ ( 2013 erschienen ) erfuhr man von seinem Aufwachsen auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, da sein Vater dort leitender Direktor war.

Danach konnte man ihn begleiten auf seinen schauspielerischen Lehrjahren in München. Hier wohnte der Autor bei seinen geliebten Großeltern, einem exzentrischem Paar mit ungeheurem Alkoholkonsum. Es folgten Geschichten über seine ersten turbulenten Liebschaften und in seinem letzten Buch verarbeitete Meyerhoff den Schlaganfall, der ihn Anfang Fünfzig ereilte.
Waren die ersten Bücher, getreu dem Motto „ Alle Toten fliegen hoch“, liebevolle Erinnerungen an verstorbene Familienmitglieder, seinen Vater, seinen früh tödlich verunglückten Bruder, seine Großeltern, so steht nun im Zentrum seines neuesten Bandes die quicklebendige 86jährige Mutter des Autors.
Zu ihr ist Joachim Meyerhoff geflüchtet. „ Ich redete mir ein, sie bedürfe dringend meines Beistands, dabei war sie kerngesund, offensiv vital, …und kam bestens allein zurecht. Ich hingegen war derjenige, der nicht mehr klarkam und dem viele Fäden gerissen waren.“ Der Neustart nach dem Schlaganfall war gründlich misslungen. Dabei ist Meyerhoff mit viel Optimismus aus Wien weggegangen und wollte in der deutschen Hauptstadt neue Wege gehen -neues Umfeld, neues Theater, neue Kollegen. Doch bald muss er feststellen, dass ihn die Krankheit verändert hat und das nicht zum Besseren. Dünnhäutiger ist er geworden, empfindlich, leicht reizbar. Da ist Berlin mit seiner latenten Aggressivität das falsche Pflaster für ihn. Den traurigen Höhepunkt bildet dann der neunte Geburtstag seines Sohnes. Sein dortiges Verhalten ist unentschuldbar und so beschließt er, eine Auszeit zu nehmen.
Er fährt zu seiner Mutter, die in einem Haus mit parkähnlichem Garten an der Nordsee lebt. Hier will er zur Ruhe kommen, seine Schreibblockade überwinden.
Und das gelingt erstaunlich gut. Die Mutter spannt ihn ein bei Gartenarbeiten, die bei der Größe des Grundstücks nie abnehmen. Er hilft ihr, die Unmengen an Äpfel zu ernten und zu verarbeiten. Und Meyerhoff stellt fest, wie unglaublich heilsam körperliche Arbeit an der frischen Luft sein kann. Er geht mit Mutter in der Ostsee schwimmen, wobei sie sich weitaus beherzter in die Fluten stürzt als ihr zögerlicher Sohn. Gemeinsam pflegen sie ein altes Familienritual: um 18.00 Uhr ist Zeit für einen Whiskey.
Wir lesen hier nun abwechselnd vom Heilungsprozess, den diese Wochen mit der Mutter zusammen für den Autor bedeuten, und dazwischen Geschichten aus Meyerhoffs Leben.
Joachim Meyerhoff nimmt für sich nicht den Anspruch heraus, große Literatur schreiben zu wollen. Er weiß, dass das, war er schreibt, in der literarischen Hierarchie weit unten angesiedelt ist. „ Unter Literaturgattungen herrscht eine brutale Hierarchie. Es gibt Versepen, Gesänge und tausendseitige Gesellschaftsromane, die alles überdauern. Es gibt unsterbliche Dramen, deren Personal unverwüstlich durch die Zeiten schreitet. Und natürlich Lyrik, die dem Wort unsterblich einen tieferen Sinn verleiht. …Was wäre nun in einer Geografie der literarischen Formen die Anekdote? Ich wage zu behaupten: eine winzige Quelle, aus der ununterbrochen, seit Anbeginn der Zeit, das klarste Wasser sprudelt. Müde und ausgelaugt vom Besteigen literarischer Achttausender kann man sich hier erfrischen und kurz verweilen. Und natürlich war das Theater der verlässlichste Anekdotenlieferant, der sich nur denken ließ.“
Als alter Theaterhase weiß Meyerhoff unzählige Anekdoten, die er pointiert zu erzählen versteht. So z.B. von den gar nicht glamourösen Anfängen beim Kindertheater. Er kennt aus seiner Laufbahn überambitionierte Regisseure, die auch noch im „ Dschungelbuch“ ihre politische Botschaft unterbringen möchten oder Bühnenbilder, die zu einer Gefahr für Schauspieler werden können. Er schildert, wie nur durch das beherzte Auftreten einer Souffleuse, ein Stück zu Ende gebracht werden konnte. Er besucht einen Applaussammler, der mit seinem Tonband den Applaus im Gorki- Theater jahrzehntelang dokumentiert hat und einen Schauspieler, der seine Datscha nach und nach mit ausrangierten Bühnenbildern ausstaffiert und zu jedem Bauteil noch das jeweilige Theaterstück parat hat.
Auch aus seiner Kindheit steuert Meyerhoff noch das ein oder andere Erlebnis bei, so z.B. die Fahrradprüfung in der Grundschule. Sogar seinen ersten Schreibversuche aus alten Schulheften sind abgedruckt und legen ein beredtes Zeugnis ab vom Legastheniker Meyerhoff. Denn der Autor ist gnadenlos ehrlich und schont sich selbst am wenigsten.
Für den Leser ist das höchst unterhaltsam. Schon lange nicht mehr musste ich so oft und laut lachen beim Lesen wie bei diesem Buch.
Doch neben aller Komik, bei aller Absurdität werden die schmerzlichen Punkte des Lebens nicht ausgeklammert. Das macht das Buch so lesenswert.
In erster Linie ist „ Man kann auch in die Höhe fallen“ eine Liebeserklärung an die Mutter. Auf sie passe das Hölderlin- Zitat, wie der Autor in einem Interview erklärt. „ Sie wurde über einen langen Teil ihres Weges immer glücklicher.“
Obwohl es das Schicksal ihr nicht immer leicht machte, hat diese Frau nie ihren Lebensmut verloren. Ihre Vitalität, auch noch im hohen Alter, ist erfrischend und ansteckend. Wenn Meyerhoff beschreibt, wie sie auf Bäume klettert, oder wie sie mit Elan ihren Rasen mäht, ob mit Balkenmäher oder ganz bequem auf dem Aufsitzrasenmäher, dann möchte man den Hut ziehen vor ihr. Beifahrer bei ihren halsbrecherischen Autofahrten mag man dagegen nicht sein, denn laut Sohn fährt sie „ wie eine besengte Sau“.
Wie beglückend für uns Leser, dass Joachim Meyerhoff den Ratschlag seiner Mutter befolgt hat. „ Schreib doch über mich. …Ich würd mich nämlich freuen, wenn ich es lesen kann, bevor ich sterbe.“ Auch wenn sie meinte, ihr Leben sei wenig interessant, so wird das hier aufs Beste widerlegt. Mit diesem Denkmal für eine unkonventionelle und widerstandsfähige Frau ist Meyerhoff zur ganz großen Form aufgelaufen.
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Denkmal für eine unkonventionelle und widerstandsfähige Frau