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Rezensionen von carola1475:
Ein großartiges Debüt
In Bregenz am Bodensee sind mehrere Frauen spurlos verschwunden und Kommissar Heinzle wird mit den Ermittlungen betraut, nachdem er nach dem Tod seiner Frau wochenlang freigestellt war. Zu Beginn wird die Geschichte aus Heinzles Perspektive erzählt und seine Gedanken und Gefühle zeigen einen einfühlsamen und kompetenten Ermittler, psychisch angeschlagenen Witwer und engagierten Vater einer 17jährigen Tochter.
Schon im zweiten Kapitel gibt es einen Perspektivwechsel und der Täter lässt mich an seinen verstörenden Handlungen und Überlegungen teilhaben. Im Verlauf der Geschichte gibt es noch weitere Erzählperspektiven, alle sind gleichermaßen fesselnd und die Spannung steigt immer mehr und bleibt bis zum Schluss auf sehr hohem Niveau.
„Unten“ ist ein ganz ungewöhnlicher Regionalkrimi, er thematisiert neben historischen Ereignissen auch gekonnt aktuelle medien- und gesellschaftskritische Aspekte, die jeden von uns etwas angehen.
Rebekka Mosers Schreibstil ist bildhaft, eindringlich und intensiv, wortgewandt und eine Freude zu lesen.
Sowohl Protagonisten als auch Nebenfiguren werden glaubwürdig und authentisch beschrieben, sie werden zu lebensechten Charakteren, die berühren, selbst der Täter weckt bei mir auch andere Emotionen als Abscheu. Schon nach wenigen Seiten ließ die spannende Handlung mich nicht mehr los, das Vorgehen Heinzles und die Aktionen des Täters sind folgerichtig und nachvollziehbar, ich habe mit gezittert und mit gebangt.
Der Titel passt zum Buch und hat mehr als eine Bedeutung, das Cover macht neugierig und ist gut gewählt. Rebekka Moser ist ein höchst spannender und psychologisch fundierter Thriller gelungen, der mich vollkommen überzeugt hat. Unglaublich, dass es sich um einen Debütroman handelt! Neben einer unbedingten Leseempfehlung bekommt „Unten“ von mir begeisterte 5 Sterne.
Intelligente und spannende Science-Fiction
Cybionic - Der unabwendbare Anfang von Meike Eggers
In diesem Sci-Fi-Tech-Thriller begleitet der Leser Sala auf der Suche nach seiner spurlos verschwundenen Schwester. Die hochbegabte Informatikstudentin hat zuletzt über künstliche Intelligenz und selbstlernende Algorithmen geforscht.
Bei Einblicken in sein Studentenleben und Salas Suche quer durch die Stadt entsteht ein authentisches Berlin-Gefühl, und ebenso sind die technischen Beschreibungen sehr gut und glaubhaft recherchiert.
Die Entwicklung der Algorithmen von der Zeit des Zweiten Weltkriegs bis heute hat mich fasziniert.
Spannung ist von Anfang an da und wird immer weiter aufgebaut. Dazu trägt auch eine zweite, zunächst mysteriöse Erzählperspektive bei. Zu Beginn findet Sala nur häppchenweise Informationen. Großartig, wie es Meike Eggers gelingt, ausgehend nur von Ellas Foto und ihrem Wohnhaus, ein Rätsel zu entwickeln, wobei Sala sich beobachtet und zunehmend bedroht fühlt, je mehr er herausfindet.
Theoretische und technische Einzelheiten zu künstlicher Intelligenz werden auch für den Laien verständlich und mit scheinbarer Leichtigkeit erklärt und bringen die Handlung voran und ein lebendiger, angenehm zu lesender Schreibstil lässt im Kopf des Lesers Bilder entstehen. Um so bedauerlicher ist es, dass bei den Protagonisten keinerlei Emotionen geschildert werden, so dass vom Leser eine Beziehung zu den Charakteren nicht aufgebaut wird. Merkwürdigerweise werden Gefühle nur beim Antagonisten Steve beschrieben, der Menschen verachtet und nur „seiner“ KI zugetan ist und dabei Grenzen überschreitet.
Meike Eggers wirft in ihrem Buch nicht nur zukunftsgerichtete Fragen auf wie die nach einer vielleicht unaufhaltsamen Symbiogenese zwischen Mensch und selbstlernendem Algorithmus, sondern stellt auch ethische Fragen, z.B. wo ist der Sitz der Seele, was ist das Bewusstsein und gibt es ein Weltbewusstsein.
Titel (eine gelungene Wortschöpfung!) und Cover mit angedeutetem Schaltplan globaler Vernetzung und, im Dunklen kaum zu erkennen, dem Berliner Fernsehturm, sind sehr gut gewählt und gefallen mir.
„Cybionic – Der unabwendbare Anfang“ ist der erste Teil einer Trilogie, und hat ein nicht ganz rundes Ende, einige Entwicklungen werden nicht abgeschlossen. Dennoch hat das Buch mich bestens unterhalten und mir viel zu denken gegeben, und ich freue mich auf den Folgeband.
Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.
Die Zukunft ist unaufhaltsam
Cybionic – Die unaufhaltsame Einheit von Meike Eggers
Das Cover ähnelt dem des ersten Bandes, ist grün statt blau gehalten, wieder mit angedeutetem Schaltplan globaler Vernetzung und, unten im Dunklen kaum zu erkennen, diesmal Wahrzeichen der Rotterdamer Skyline statt der Berliner.
Die Genetikerin Fleur entdeckt in Rotterdam bei ihren Patienten ungewöhnliche Genmutationen, die sie sich nicht erklären kann.
Gleichzeitig kommt es zu Computerproblemen, die ihre Arbeit behindern und mehr und mehr dramatische Unfälle ereignen sich in ihrem unmittelbaren Umfeld.
Währenddessen wartet Ksen in Berlin seit sieben Jahren vergeblich auf erkennbare Aktivitäten der künstlichen Intelligenz Cathy. Hat ihr Bruder Sala sie doch erfolgreich zerstört?
Fleur wird zunehmend verunsichert und sucht Antworten auf immer mehr Fragen. Die Ereignisse in Rotterdam bilden den Schwerpunkt des Thrillers und werden mit viel Ortskenntnis, Action und Spannung erzählt. Meike Eggers angenehmer Schreibstil ist wie gewohnt lebendig und bildhaft. Bei der Figurenzeichnung vermisse ich etwas mehr Tiefe, da in diesem zweiten Band der Trilogie die Menschen eine größere Rolle spielen als der Algorithmus.
Die Kapitel aus Ksens Sicht in Berlin mit wissenschaftlichen und nachdenklichen Aspekten haben mir am besten gefallen. Ksen versteht schließlich als einzige das Vorgehen der künstlichen Intelligenz auf ihrem Weg zum Ziel der Symbiose von Mensch und Algorithmus. Sie nimmt mich als Leser mit und analysiert und vermittelt die intelligenzmäßige Überlegenheit des Algorithmus und die Bedeutung des Menschen im ökologischen System des Lebens gut verständlich.
Im Gegensatz zu ihrem Bruder, der versucht, das Rad zurück zu drehen, hat Ksen erkannt, dass sich die Zukunft nicht aufhalten lässt und jede Zukunft anders ist als die Gegenwart. Mich hat sie überzeugt und ich bin sehr gespannt auf den dritten Band von „Cybionic“, der im nächsten Jahr erscheinen wird und, wie der Epilog aus Cathys Sicht andeutet, der Höhepunkt der Trilogie zu werden verspricht.
Spannende Traumabewältigung in mehr als einer Hinsicht
Die andere Tochter von Dinah Marte Golch
Antonia, genannt Toni, verliert durch einen Arbeitsunfall fast ihr Augenlicht und kann dank einer Hornhauttransplantation wieder sehen. Ihr Dankesbrief an die Familie der Spenderin wird versehentlich nicht anonymisiert und so kommt es zum persönlichen Treffen. Toni hat eigentlich genug eigene Probleme psychischer und sozialer Art und sieht sich allmählich auch mit denen der Spenderfamilie konfrontiert.
Eine Spirale immer neuer Wendungen, Überraschungen und Entdeckungen entwickelt einen starken Sog, der mich als Leser nicht mehr losgelassen hat, nachdem einige Längen im Mittelteil des Buchs überwunden waren.
Das Cover passt perfekt: Toni deckt ein Puzzleteil nach dem anderen auf und nicht nur die Geheimnisse der Spenderfamilie treten zu Tage, sondern auch die ihrer eigenen Familie.
Geschickt gestaltet, gibt es zwei sich abwechselnde Zeitebenen, die nur sechs Monate auseinander liegen und sich am Schluss vereinen. Die Ereignisse in der Vergangenheit werden von einem personalen Erzähler aus Tonis Perspektive geschildert, während in der Gegenwart Toni die Ich-Erzählerin ist und schon der Auftakt „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere.“ erzeugt große Spannung und nimmt den Leser von Beginn an gefangen.
Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sehr angenehm zu lesen. Dinah Marte Golch ist eine erfolgreiche und preisgekrönte Drehbuchautorin, die ihr Können auch in diesem Roman unter Beweis stellt.
Das Buch behandelt eine Vielzahl von Themen, die alle plausibel zur Erzählung beitragen und mir gut recherchiert erscheinen. Als besonders hilfreich und glaubwürdig empfand ich die Ausführungen von Tonis Therapeuten und auch das Nachwort der Autorin.
Eine Identifikationsfigur gibt es für mich im Roman nicht, aber alle Protagonisten sind authentisch und glaubhaft beschrieben, vor allem Tonis schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, ihren Gefühlen und den Träumen ist völlig nachvollziehbar und hat mich sehr berührt.
Ich kann das Buch allen Lesern empfehlen, die sich für Familiengeschichten und -geheimnisse interessieren, für Traumabewältigung und mögliche psychische Folgen von Organtransplantationen.
Sehr spannend und unterhaltsam
Reality Show von Anne Freytag
Zehn superreiche mächtige Personen werden ausgerechnet an Heiligabend in ihrem Zuhause als Geisel genommen. In einer auf allen Sendern live übertragenen „Reality Show“ werden diese einflussreichen Menschen, die die Politik und das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland bestimmen, einzeln zur Rechenschaft gezogen und die Fernsehzuschauer stimmen darüber ab, ob und wie sie bestraft werden sollen.
Das Geschehen spielt in einer nahen Zukunft, die Corona-Pandemie ist vorbei und es hat einen politischen Rechtsruck gegeben.
Das Cover passt hervorragend zum Buch mit der Signalfarbe Orange im schummrigen Dunkel und dem ungehinderten Blick durch eine Fensterfront in ein Zimmer, in dem ein bewaffneter Mann drohend steht.
Das Buch besteht aus vielen Kapiteln, die auf zwei Zeitebenen spielen, die Überschriften machen klar, wer hier wann im Mittelpunkt steht, so dass ich gut den Überblick behalten habe.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.
Durch den ständigen Perspektivwechsel entwickelt die Geschichte eine große Dynamik und es fällt zunehmend schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Anfang des Buchs, in dem die Geiseln einzeln vorgestellt werden, zieht sich etwas, aber mit der Vorstellung der jungen Leute, die den Plan nicht nur zur Geiselnahme und der Reality Show, sondern auch zu einem „Systemneustart“ austüfteln und nach jahrelanger Vorbereitung akribisch durchführen, fesselt die spektakuläre Geschichte immer mehr und lässt bis zum Ende nicht mehr los.
Der Roman ist spannend, abwechslungsreich und sehr geschickt angelegt, immer wieder werden zum Beispiel auch die Gedanken und Reaktionen der Fernsehzuschauer eingestreut, was am Ende zu einem runden Schluss beiträgt.
Die jungen Protagonisten werden durch Rückblenden in ihrer Entwicklung glaubhaft dargestellt und durch die jeweilige Ich-Perspektive sieht der Leser die anderen Gruppenmitgliedern aus verschiedenen Blickwinkeln, wodurch die Charaktere sehr nahbar und authentisch erscheinen.
Anne Freytag kann offensichtlich nicht nur Jugendbücher, sondern auch Thriller schreiben und ich empfehle das Buch jedem Leser intelligenter Spannungsliteratur und durchdachter Utopien. Mich hat es bestens unterhalten.
Beeindruckende Sozialkritik
Diese Frauen von Ivy Pochoda
Ende der 90er Jahre wurden entlang der Western Avenue im südlichen Los Angeles insgesamt 13 Frauen „aus dem Milieu“ ermordet und jetzt, nach 15 Jahren, scheint es eine neue Mordserie an nicht-weißen Frauen aus unterprivilegierten Gesellschaftsschichten zu geben. Es gab damals wie heute kaum Ermittlungen durch die Polizei, die „diese Frauen“ geringschätzt, ihnen gar eine Mitschuld am Verbrechen unterstellt und die Angehörigen nicht anhört und nicht ernst nimmt.
Erst eine kleingewachsene Latina-Polizistin, der ebenfalls in der Vergangenheit von ihren Kollegen nicht geglaubt wurde, wird allmählich aufmerksam, hört zu und ermittelt, denn es gibt für jedes Rätsel eine Lösung und die einfache Antwort ist oft die richtige.
Das Cover zeigt eine „dieser Frauen“, jung und schön, im grün-roten Licht einer Neonreklame, es passt zum Roman.
Der Leser lernt 6 Frauen kennen, die alle mit den Morden zu tun haben, diese Frauen sind unkonventionell und kennen extreme Gewalt gegen Frauen, sie erleben die Verletzlichkeit, den Schrecken und die Wut in der unsicheren Stadt, die doch ihre Stadt ist.
Die Autorin passt ihren Schreibstil sehr gekonnt der jeweiligen Protagonistin an, sprach- und bildgewaltig werden die Charaktere lebendig und konfrontieren den Leser mit ihrem Leben. Ivy Pochoda beschreibt die Situation der Frauen authentisch, wie bei den Fotos einer der Protagonistinnen stehen sich Selbstsicherheit und Leere gegenüber, Macht und Verzweiflung, Stärke und Hoffnungslosigkeit.
Die Autorin zeichnet auch ein beeindruckendes, realistisches Bild des heruntergekommenen Viertels West Adams in South Central Los Angeles, das Lebensumfeld all dieser Frauen, das in der Vergangenheit auch bessere Tage gesehen, aber unter straßenbaulichen Maßnahmen und den Unruhen Anfang der 90er Jahre gelitten hat.
Das Buch beginnt mit einem Monolog und endet auch mit einem Monolog derselben Frau, die bedrückende und erschreckende Atmosphäre des Romans lässt am Ende Raum für einen kleinen Hoffnungsschimmer für zumindest diese eine Frau.
Ich empfehle den Roman nicht den Krimi-Fans, die auf Action und Ermittlungsarbeit aus sind, sondern eher Lesern, die sich für gesellschaftliche Probleme in westlichen Großstädten und für weibliche Selbstbestimmung interessieren.
Der Tod gehört zum Leben
Was bleibt, wenn wir sterben von Louise Brown
Das Cover gefällt mir gut, es passt zum Buch und steht für mich für Loslassen, Freiheit, Aufbruch in noch unbekannte Gefilde. Der Schreibstil ist flüssig, sehr angenehm zu lesen und hat mich mit seinen klaren und doch einfühlsamen Worten von Anfang an mitgenommen.
Das Buch besteht aus vielen kurzen Kapiteln, in denen Louise Brown unterschiedliche Aspekte der Trauer anschaulich beschreibt.
Der Tod beider Eltern innerhalb weniger Monate konfrontierte die Journalistin Louise Brown mit einer tiefen Trauer. Bis dahin hatte sie sich kaum mit dem Tod geliebter Menschen auseinandersetzen müssen und sie empfand die Trauerfeiern bei den Beerdigungen der Eltern als unbefriedigend und den geliebten Menschen nicht gerecht werdend. Ihr eigener langer Trauerprozess, die Auseinandersetzung mit dem Tod und unserer Endlichkeit und die Begegnung mit einer Trauerbegleiterin führten dazu, dass sie als Trauerrednerin zu arbeiten begann.
Das Buch will kein Ratgeber sein, sondern erzählt von zahlreichen Begegnungen und persönlichen Gesprächen mit Trauernden, in denen die Verstorbenen durch Erinnerungen und Gefühle bei den Hinterbliebenen lebendig bleiben. Diese Erinnerungen spenden Trost und die immer individuelle Erfahrung der Trauer macht den Menschen verletzlicher und empathischer, die Sicht auf das Leben und darauf, was wichtig ist, kann sich ändern.
Die Autorin ermuntert uns, unsere Trauer zu leben und sie nicht zu verstecken, und uns mit dem Tod zu beschäftigen, darüber zu reden, denn dadurch wird er weniger groß und erschreckend.
Ich empfehle das Buch jedem, der bereit ist, sich mit dem Tod und der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Dieses Thema geht früher oder später jeden an.
Tipps und Tricks für die Gesundheit
Ich hätte da was für Sie von Vera Cordes
Meine besten Tipps, selbst erprobt … bei körperlichen Beschwerden … für Kopf und Seele … zum Vorbeugen und Wissen
von Vera Cordes, seit mehr als 20 Jahren Medizinjournalistin und Moderatorin des NDR-Gesundheitsmagazins „Visite“.
Ihr Buch soll Hilfe zur Selbsthilfe sein und schildert vielseitige, teilweise erstaunliche Tipps und Tricks für verschiedenste Beschwerden.
Alle Empfehlungen sind einfach umzusetzen, haben keine Nebenwirkungen und können zu Linderung oder sogar Heilung führen. Frau Cordes vermittelt Ihr Wissen überzeugend und glaubhaft, sie wendet ihre Tipps selbst im Alltag an und hat ihre Wirksamkeit überprüft. Auch indem sie mich als Leser/in direkt anspricht, schafft sie schnell eine Vertrauensbasis.
Die Wirkungsweise alter Hausmittel, interessante, auch historische medizinische Fakten und neuere Forschungsergebnisse werden verständlich und informativ beschrieben. Anekdoten aus dem Familien- und Bekanntenkreis machen das Buch darüber hinaus unterhaltsam. Das Layout überzeugt durch bunte, anschauliche Zeichnungen und farblich abgesetzte Tipps, Zusammenfassungen und Erläuterungen und auch das handliche Format des Buchs ist ein Pluspunkt. Das Sachregister am Ende des Buchs ist das i-Tüpfelchen auf einem überzeugenden kleinen Ratgeber.
Ich habe viel Neues gelernt und werde einige von Frau Cordes' persönlichen Empfehlungen unbedingt ausprobieren.
Eine bedrohliche Alternative
Heimatsterben von Sarah Höflich
Das Cover ist ein Hingucker mit dem verfaulten Apfel - der trotz seiner Berechtigung im Kreislauf des Lebens zuallererst Ekel erzeugt - und dem unterschiedlichen Druck der Titel-Buchstaben. Da steht nicht nur Heimatsterben, sondern auch Heimat erben, schwarz umrahmt wie eine Trauerkarte! Eigentlich folgt das Erben auf das Sterben, aber auch das geerbte kann verkümmern und sterben, wenn die Erben es so weit kommen lassen.
.. Eine großartige, aussagekräftige Gestaltung von Cover und Titel, wie ich sie selten erlebt habe.
Nach dem Tod ihrer Großmutter Tilde bemüht sich die freigeistige Journalistin Hanna, dem letzten Wunsch der Matriarchin nachzukommen, die Familie zusammenzuhalten, ist jedoch schnell überfordert mit dem Spagat zwischen Loyalität dem konservativen Schwager gegenüber, der tatsächlich mit seiner nationalistischen BürgerUnion neuer deutscher Regierungschef wird, und ihrer persönlichen Integrität.
Die zahlreichen Mitglieder der großen Familie Ahrens verkörpern die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten und politischen Überzeugungen, und gekonnt verknüpft die Autorin Familiengeschichte und politisches Geschehen. Hilfreich besonders zu Beginn der Lektüre ist der Familien-Stammbaum vorne im Buch.
Die Autorin schildert ausgesprochen spannend, wie schnell moralische und demokratische Grenzen überschritten werden und eine ungute Entwicklung eine Eigendynamik bekommt und eskaliert, wenn entsprechende Voraussetzungen gegeben sind und dass ein einzelner Akteur das dann nicht mehr aufhalten kann, selbst wenn er wollte.
Die Ereignisse spielen sich 2023 ab und Sarah Höflich zeichnet ein vielschichtiges Bild der immer stärker werdenden Rechten bis zum Faschismus, wie auch der Beweggründe der Protagonisten. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse - auch die Übeltäter haben ein Gewissen, über das sie sich aber hinwegsetzen...
Der flüssige, bildhafte Schreibstil hat mich schnell gefangen genommen, der anhaltend hohe Spannungsbogen ließ mich das Buch kaum aus der Hand legen. Die Charaktere sind authentisch und realistisch beschrieben.
Glaubwürdig wird eine mögliche nahe Zukunft in Deutschland entworfen, die erschreckend und bedrohlich ist.
Ich empfehle das Buch allen gesellschaftspolitisch Interessierten, aber auch Lesern, mit einer Vorliebe für Familiengeschichten oder auch für Dystopien.
Ich gratuliere Sarah Höflich zu diesem grandiosen Romandebüt.
Ein neues Ermittler-Dream-Team
Tote schweigen nie von Turner A. K.
Das Cover ist farblich und haptisch sehr schön gestaltet und passt zum Thema, es gefällt mir mit seinen organischen bunten Formen.
Cassie Raven ist Sektionsassistentin und auch optisch eine ganz besondere junge Frau, sie ist tätowiert, gepierced und bevorzugt einen Gothic-Look. Sie ist sehr mitfühlend und spricht mit den Toten und empfängt manchmal eine letzte Schwingung der Verstorbenen, eine Veränderung in der Atmosphäre, eine vage Information zum Tod der Person.
Als unerwartet ihre verehrte Mentorin Mrs. E auf ihrem Sektionstisch liegt, ist Cassie schockiert und fragt sich, woran die erst 50-jährige plötzlich gestorben ist. Sie erhält keine Antwort und auch die Sektion ergibt keine Anhaltspunkte. Damit eine umfassendere forensische Autopsie angeordnet wird, benötigt Cassie die Hilfe der zunächst steifen, unnahbaren Polizistin Flyte.
Zusammen mit der hartnäckigen Beamtin gelingt es der scharfsinnigen Cassie, nicht nur das Rätsel um den Tod ihrer Lehrerin zu lösen.
Dieser Auftaktband der neuen Forensik-Krimireihe ist stimmig und spannend bis zum Ende.
Sektionen und die Arbeit in der Leichenhalle werden detailliert, aber immer respektvoll und sachlich geschildert, die Autorin vermittelt medizinisches Wissen, wo es angebracht ist. Der Schreibstil ist flüssig, locker, bildhaft und sehr angenehm zu lesen.
Nicht nur die außergewöhnlichen Protagonistinnen werden authentisch und glaubwürdig beschrieben, auch viele andere Akteure werden zu lebendigen und teilweise ganz besonderen Charakteren.
Cassie Raven und Phyllida Flyte sind ein starkes und originelles Team, die beiden haben Gemeinsamkeiten und ergänzen sich andererseits. Ich wurde großartig unterhalten, freue mich auf den zweiten Band der Reihe und empfehle das Buch jedem Krimileser, der neugierig auf außergewöhnliche Charaktere ist und sich für Forensik interessiert.










