Kunden em pfehlungen
Rezensionen von carola1475:
Ein komplizierter Fall für Poe und Bradshaw
Der Gourmet von M. W. Craven
Hat DS Washington Poe, versierter Ermittler bei Serienmorden und bei Verbrechen ohne erkennbares Motiv, einen furchtbaren Fehler gemacht, als seine hartnäckigen Ermittlungen vor sechs Jahren dazu führten, dass der Sternekoch Jared Keaton für den Mord an seiner Tochter verurteilt wurde, obwohl eine Leiche nie gefunden wurde? Das Auftauchen einer jungen Frau bei der Polizei von Cumbria erschüttert Poe, denn die DNA-Analyse beweist, dass es sich um Elizabeth Keaton handelt, die Tochter des Sternekochs.
Poe rollt den alten Fall wieder auf und sucht akribisch nach Ermittlungsfehlern und neuen Anhaltspunkten. Er geht zielstrebig vor, sieht hinter die Fassaden und hört auf sein Bauchgefühl. Unterstützt wird er von der brillanten Datenanalystin Tilly Bradshaw und seiner ihm auch freundschaftlich verbundenen Vorgesetzten DI Flynn, deren Vertrauen in Poes Fähigkeiten ungebrochen ist.
Im Vergleich zum ersten Band der Reihe hat Tilly sich weiter entwickelt, sie ist zwar immer noch sozial eher unbeholfen, aber sehr viel selbstsicherer geworden und leitet inzwischen eine kleine Analysteneinheit. Bradshaw und Poe verbindet eine tiefe Freundschaft, Tilly lässt buchstäblich alles stehen und liegen, als er sie braucht und reist mit viel Equipment an.
Poe hat sich ebenfalls verändert, der Groll auf seine Familie richtet sich inzwischen auf ein anderes Ziel und ich denke, einer der Folgebände wird sich darum drehen.
Die Figurenzeichnung ist auch bei den mitunter skurrilen Nebenfiguren gelungen, sie sind interessant, glaubwürdig und realistisch beschrieben, manche würde ich gern kennenlernen, bei anderen schnell die Flucht ergreifen.
Das Wiedersehen mit der rauen Landschaft Cumbrias und Poes einsam gelegener Schäferhütte, die er immer weniger missen will, fühlt sich fast schon wie ein Nach-Hause-Kommen an.
Die komplexe Geschichte ist spannend und dicht erzählt, es gibt keine Längen und alle Fragen werden beantwortet in dieser einfallsreich konzipierten Handlung. Humorvolle Dialoge der Protagonisten lockern die bedrohliche Atmosphäre des Krimis auf. M. W. Craven schreibt packend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Mich hat 'Der Gourmet' bestens unterhalten und ich freue mich auf weitere Bände der Reihe.
Spannend und ungewöhnlich
Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton
Die Geschichte spielt auf einer kleinen abgelegenen Insel im Mittelmeer, die als einziges Gebiet nicht von dem schwarzen Nebel eingehüllt worden ist, der vor 90 Jahren alles Leben auf der Erde vernichtet hat.
Die 122 Einwohner des Dorfes leben friedlich und freundlich miteinander, bringen sich in die Gemeinschaft ein und hinterfragen die strengen Regeln nicht, die den Tagesablauf bestimmen.
Niema, eine der drei WissenschaftlerInnen, die alles überwachen und für Sicherheit sorgen, wird eines Morgens brutal getötet gefunden. Wenn der Mord nicht aufgeklärt wird, fährt das Sicherheitssystem der Insel runter und der tödliche Nebel kann dann auch die Insel ergreifen. Es bleiben 107 Stunden.
Die neugierige, unangepasste Emory aus dem Dorf wird mit der Aufklärung beauftragt und sieht sich einer kaum zu lösenden Aufgabe gegenüber, denn abgesehen vom Zeitdruck haben auch alle Bewohner keinerlei Erinnerungen an die vergangene Nacht.
Erzählt wird aus der Perspektive einer KI namens Abi, die mit allen Bewohnern in Verbindung steht, sie liest deren Gedanken und kommuniziert mit ihnen. Manchmal nimmt Abi überraschend die Ich-Perspektive ein, das erinnerte mich wieder daran, wer hier eigentlich der Erzähler ist, ich finde das vom Autor sehr geschickt gemacht.
Stuart Turton schreibt lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Ich kann mir alles gut vorstellen, wozu auch das Personenverzeichnis und eine Zeichnung des Dorfes beitragen. Der einfallsreiche Weltenbau ist sehr gelungen, alles wird detailliert und glaubhaft beschrieben. Nahbar und vielschichtig werden die Charaktere durch die Kommunikation miteinander.
In dieser Geschichte ist nichts, wie es scheint, das fängt schon beim auf den ersten Blick idyllischen Cover in sanften Farben an, wären da nicht das leere Ruderboot und am oberen Rand die schwarzen Nebelschwaden.
Die Spannung steigt stetig an und ich habe mit Emory gerätselt, was genau in besagter Nacht passiert ist. Erst zum Schluss ergeben alle Puzzleteile ein vollständiges Bild.
Stuart Turton stellt in 'Der letzte Mord am Ende der Welt' die Frage, was das Menschsein ausmacht und unterhält mit einer spannenden und wohl durchdachten Geschichte mit überraschenden Wendungen. Er hat einen überzeugenden genreübergreifenden Roman geschrieben, gleichzeitig Krimi, Dystopie und Science Fiction.
Der Autor ist ausgesprochen vielseitig und hat bisher ganz unterschiedliche Bücher geschrieben, ich freue mich auf sein nächstes und kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.
Schuldig oder nicht?
Schuld von Sven Petter Naess
Helene Waaler, wegen Doppelmordes verurteilt, wird nach 18 Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, ihre Anwältin Christina Sandberg strebt die Wiederaufnahme des Verfahrens an, ihrer Meinung nach sind bei den damaligen Ermittlungen Fehler gemacht worden. Christina bittet Harinder Singh, der nach einer Knie-OP noch krankgeschrieben ist, sich in seiner freien Zeit die alten Unterlagen anzusehen.
Er stimmt nur zögerlich zu, da sein aktueller Chef in der taktischen Ermittlungsabteilung damals an den Untersuchungen beteiligt war und Harinder weder seinen Ruf noch seine Karriere gefährden will.
Im kleinen Ort Elvestad, wohin Helene zurück kehrt, aus dem auch Harinder stammt, und in dem jeder jeden kennt, wird Helene abgelehnt und anonym bedroht, ihre belastende Situation kann ich nachvollziehen, um so mehr, da ich auch von ihrer schwierigen Jugend erfahre. Kurz nach Helenes Entlassung wird ihr leiblicher Vater erstochen und die unangepasste Frau gerät wieder in Verdacht.
Ich hatte keine Schwierigkeiten, in diesen dritten Band der Reihe einzusteigen, es gibt nur sehr wenige kurze Hinweise auf die Vergangenheit, die mein Lesevergnügen nicht beeinträchtigt haben. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, darunter auch eine, die Harinder ins Visier nimmt.
Die Figurenzeichnung finde ich insgesamt eher blass, Nähe hat sich bei mir zu keinem Charakter entwickelt. Für mich passt das zum Schreibstil des Autors, Sven Petter Naess schreibt flüssig und klar, nüchtern und distanziert.
Die Handlung des Krimis ist komplex, Harinders akribische Ermittlungen zum alten Fall und die Untersuchung des neuen Mordes, an der er unterstützend beteiligt ist, werden geschickt miteinander verflochten und der Autor überrascht mit unerwarteten Wendungen. Die Geschichte ist durchgehend spannend. 'Schuld', ein Krimi mit ausgesprochen passend gewähltem Titel, hat mich gut unterhalten. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Von Beginn an spannender, rasanter Krimi
Der Seher von Elias Haller
Kriminaloberkommissar Arne Stiller mit dem Schwerpunkt Kryptologie hat zunächst keine Anhaltspunkte, um das Rätsel von geheimnisvollen Zeichen auf einer Zeitkapsel, die den Leichnam eines Säuglings enthält, zu lösen. Untersuchungen ergeben, dass es sich um den vor 17 Jahren verschwundenen Jan Köpke handelt, für den damals eine ebenfalls verschlüsselte Todesanzeige auftauchte.
Stiller hat den Code noch nicht entschlüsselt, als ein weiterer Säugling entführt wird und es wieder eine codierte Todesanzeige gibt.
Stiller steht unter Zeitdruck und zu allem Überfluss wird er wiederholt von einem sehr von sich überzeugten Seher kontaktiert, der seine Hilfe aufdrängt.
Ich hatte keine Probleme, auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände in Stillers siebten Fall einzusteigen. Arnes Kollegin Inge ist in den Ruhestand getreten und die zukünftige Kommissaranwärterin Sandy Rosenberg wird Stiller als Praktikantin zur Seite gestellt. Mit Sandy zusammen lerne ich den grantigen und eigenwilligen Kryptologen kennen. Anders als von Stiller befürchtet erweist sich Sandy als hilfreich, sie ist geübt im Recherchieren und hat gute Ideen.
Die mühsamen Ermittlungen erscheinen mir authentisch, hier macht sich die berufliche Erfahrung des Autors bemerkbar.
Die in den Fokus der polizeilichen Untersuchung geratenen Figuren sind interessante, auch skurrile Charaktere, die einfallsreich und unterhaltsam beschrieben werden, bei den Ermittlern hätte ich mir mehr Informationen aus dem Privatleben, eine detailliertere Figurenzeichnung, insgesamt mehr Tiefe gewünscht. Hier fehlen mir vielleicht Kenntnisse aus den Vorgängerbänden.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auch mit Rückblicken, die Geschichte ist von Beginn an und durchgehend spannend, kurzweilig, rasant und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Elias Hallers Schreibstil ist klar und angenehm zu lesen und lässt bei manchen Gedanken oder Gesprächen Stillers auch schmunzeln. Auch das Dresdner Lokalkolorit hat mir gefallen.
Ich habe 'Der Seher' gern gelesen, mich hat der Krimi mit seinem farblich und gestalterisch zur Reihe passenden Cover gut unterhalten.
Spannende, humorvolle Gay Romance
Das erste und letzte Abenteuer von Kit Sawyer von S.E. Harmon
Historiker Christopher Sawyer, Spross einer legendären Archäologenfamilie, ist kein Abenteurer wie sein Großvater und sein Vater, aber eine versehentlich entfesselte mythische Macht zwingt ihn zu einer Expedition in den mexikanischen Regenwald. Sein Ex-Stiefbruder Ethan, ein im Feld erfahrener Archäologe, begleitet Christopher, im Familienkreis Kit genannt, auf Wunsch des Großvaters.
Die Geschichte lebt vom Gegensatz der beiden Protagonisten. Kit ist ein Forscher auf archäologischem Gebiet, er ist unbeholfen, etwas weltfremd, liebt sein ruhiges Leben am Schreibtisch und kann sich stundenlang mit der Entschlüsselung von Symbolen beschäftigen. Ethan ist ein Macher und Teamplayer mit vielen Kontakten, hat Erfahrung im Organisieren von Expeditionen, er ist eher ein Archäologe vom Typ 'Indiana Jones'. Kit und Ethan sind sich seit der Jugend nach außen hin in inniger Feindschaft verbunden, aber während der gemeinsamen Expedition stellen sich die Beiden ihren bisher versteckten Gefühlen füreinander.
Viel Situationskomik und witzige Wortgefechte haben mich schmunzeln und laut lachen lassen beim Lesen. Neben der Liebesgeschichte von Kit und Ethan (auch mit expliziten Beschreibungen) habe ich auch sehr gern über aztekische Götter und mehr noch über die Faszination und die Gefahren des Regenwaldes gelesen. Die Expeditionsteilnehmer sehen sich hier mit Rätseln und existentiellen Bedrohungen konfrontiert.
Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, humorvoll und sehr angenehm zu lesen. Erzählt wird aus Kits Perspektive und durch die direkte Ansprache des Lesers und das Teilen seiner auch selbstironischen Gedanken ist der Charakter sehr nahbar. Ich mochte Kit, aber auch den starken, beschützenden Ethan.
Die Kombination von spannendem Abenteuerroman mit mystischem Anteil und gleichgeschlechtlicher Liebesgeschichte ist S. E. Harmon sehr gut gelungen und hat mich bestens unterhalten. Auch das bunte Cover mit aztekischen und Regenwaldsymbolen gefällt mir und passt zum Buch. Ich vergebe 4,5 Sterne.
Fesselnder Thriller mit überraschender Auflösung
Stumme Knochen von Loreth Anne White
Beim Umsetzen einer Kapelle im kanadischen Hemlock Skigebiet werden menschliche Überreste entdeckt. Die Tote ist gewaltsam gestorben und nachdem technische Fragen geklärt werden können und es forensische Ergebnisse gibt, scheint es sich um Annalise Jansen zu handeln, die vor fast 50 Jahren verschwand.
Die schwangere Detective Jane Munro wird mit den Ermittlungen betraut. Sie hofft, den Angehörigen nach Jahrzehnten endlich ein Abschließen mit dem Verlust ermöglichen zu können, kennt sie doch selbst das zermürbende Gefühl der Ungewissheit, da ihr eigener Mann seit sechs Monaten spurlos verschwunden ist.
Der Leser weiß lange mehr als Jane und ihr Team, da die Mitglieder von Annalise früherer Clique früh eingeführt werden. Während der Ermittlungen damals wurden die jungen Leute die Shoreview Six genannt. Heute sind sie alle Anfang Sechzig, haben sich etwas aufgebaut und viel zu verlieren. Das Puzzle der verhängnisvollen Nacht, in der Annalise verschwand, setzt sich nur langsam zusammen, Erinnerungen sind lückenhaft oder wurden verdrängt. Neben der Ungewissheit, was genau damals passiert ist, präsentiert die Autorin dem Leser auch falsche Fährten, so dass die Geschichte bis zum Schluss fesselt. Für Abwechslung und Spannung sorgen auch verschiedene Erzählperspektiven. Die überraschende Auflösung ist erschütternd und es bleiben am Ende keine offenen Fragen.
Loreth Anne White schreibt sehr lebendig und bildhaft, schafft atmosphärische Schauplätze und verleiht ihren Charakteren Tiefe, jede Figur ist glaubwürdig und authentisch und weckt beim Leser Gefühle. Nicht nur bei der Protagonistin Jane findet eine Entwicklung statt. Mir hat sehr gefallen, wie komplex die Autorin die Figuren angelegt hat.
Das Cover ist düster und vermittelt mit den etwas verwaschenen Farben und den weißen Spuren den Eindruck eines alten Fotos mit Knicken. Es passt zur Geschichte.
Nervenaufreibend spannend und unvorhersehbar
Tränengrab von Roman Klementovic
Evelyn hat ihren krebskranken Mann monatelang gepflegt und besucht einige Wochen nach seinem Tod die Familie ihrer Tochter, um zur Ruhe zu kommen. In der eigentlich verschlafenen Kleinstadt herrscht Aufregung, da ein junges Mädchen verschwunden ist und eine zweite Schülerin vor wenigen Wochen ermordet aufgefunden wurde.
Auch Evelyns Familie hat sich verändert, sie erkennt ihren Schwiegersohn Hendrik kaum wieder, ihre Tochter Manuela scheint in ihrem Job und mit der pubertierenden Anja überlastet und aus der fröhlichen kindlichen Enkelin ist in den anderthalb Jahren, die Evelyn sie nicht gesehen hat, ein gelangweilter desinteressierter Teenager im Gothic-Look geworden, der jede Kommunikation abblockt.
Evelyn fragt sich, was da los ist, sie fühlt sich bei ihrer Familie nicht wohl. In einer schlaflosen Nacht wird ihr Verdacht geweckt und widerstrebend, aber auch hartnäckig, versucht Evelyn, mehr herauszufinden.
Der Leser erfährt durch zwei weitere, einmalig auftretende Perspektiven und Anjas Tagebucheinträge mehr als Evelyn, wodurch jedoch nichts klarer wird, sondern noch mehr Fragen und Befürchtungen entstehen.
Roman Klementovic gelingt es, Evelyns Überlegungen und Gefühle, ihre Zweifel und Ängste, die zunehmende körperliche und psychische Erschöpfung glaubhaft zu beschreiben, ich habe mit ihr gelitten. Andere Charaktere sind undurchschaubar und werfen Fragen auf, hier blieb ich lieber auf Distanz.
Auch die düstere Atmosphäre im Wald, dem Wasserpark oder die lähmende sommerliche Hitze werden anschaulich vermittelt. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen und kurze Kapitel verlocken dazu, schnell noch eins zu lesen. Mir war es nicht möglich, eine Lesepause einzulegen, ich fand die Geschichte so spannend, dass ich das Buch in einem Rutsch zu Ende gelesen habe. Klementovic hat einen überzeugenden, fesselnden Psychothriller geschrieben, der mir ausgesprochen gut gefallen hat.
Mehr als ein Gedankenspiel?
Das Smartphone von Marc Meller
Paulas Leben gerät aus den Fugen, als sie ihr altes Handy beim Kauf eines 'neuen' Gebrauchten in Zahlung gibt und der Händler darauf eine Spyware entdeckt. Am nächsten Tag ist der Mann tot. Paula wird von der Polizei verdächtigt und wird mit unerwarteten Entwicklungen konfrontiert.
Die Charaktere werden gut beschrieben und sind glaubhaft, wobei einer der Protagonisten es dem Leser nicht leicht macht, seine Zuverlässigkeit einzuschätzen.
Die Handlung beginnt spannend und fesselnd und entwickelt ein hohes Tempo. Man merkt dem Autor seine Erfahrung als Drehbuchschreiber an, ich konnte mir alle Szenen bildhaft vorstellen. Marc Mellers Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen.
Die Geschichte ist komplex und hat mich mit vielen wissenschaftlichen und technischen Details überrascht, die ausführlich und auch wiederholt geschildert werden, wodurch die Spannung immer wieder ausgebremst wird. Dennoch fand ich die Gefahren von Künstlicher Intelligenz, die epigenetische Daten verarbeitet, von Konzernen missbraucht werden und so auch für die Gesellschaft ungeahnte Konsequenzen haben könnte, gut recherchiert, sehr interessant und auch erschreckend.
Die Handlung wird für mich durch zu viele Zufälle voran getrieben, es gibt meiner Meinung nach unnötige Nebenstränge und manchmal konnte ich das Vorgehen der Protagonistin Paula nicht nachvollziehen.
Das Cover in schwarz und rot mit einer türkis dargestellten Frequenz ist ein Hingucker, wobei ich den Untertitel für irreführend halte. Trotzdem hat mich 'Das Smartphone' gut unterhalten und ich habe das Buch gern gelesen.
Ich vergebe 3,5 Sterne.
Was kostet Dich die Wahrheit?
Scandor von Ursula Poznanski
Ursula Poznanskis neues Buch beeindruckt schon mit dem auch haptisch außergewöhnlichen Cover, genau so kann ich mir Scandor vorstellen, den innovativen unfehlbaren Lügendetektor.
Philipp und Tessa gehören zu den Teilnehmern an einem Wettbewerb, bei dem Scandor getestet werden soll. 100 Kandidaten stellen sich der Herausforderung, jederzeit unbedingt ehrlich zu sein, dem Gewinner winkt ein Preisgeld von 5 Millionen Euro.
Wer ausscheidet, muss sich seiner größten Angst stellen.
Die beiden jungen Leute lerne ich bereits beim Bewerbungsgespräch kennen, sie sind authentisch gezeichnete liebenswerte Protagonisten, aus deren jeweiligen Sicht erzählt wird und denen ich gespannt durch den Wettbewerb folge. Die kleinste unbedacht ausgesprochene Unwahrheit führt zum Ausscheiden und es wird schnell deutlich, wie anstrengend jede Begegnung mit anderen Menschen wird, wenn auf jedes geäußerte Wort geachtet werden muss.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft, alle wichtigen Charaktere wecken bei mir Interesse und Gefühle, der Schreibstil ist angenehm zu lesen und 'Scandor' fesselt von Anfang bis Ende. Selbst die Struktur der Geschichte trägt zur Spannung bei, denn jedes Kapitel beginnt mit der Anzahl der noch vorhandenen Kandidaten und es werden auch Momente des Ausscheidens mancher Teilnehmer beschrieben.
Es gibt Begegnungen im Wettbewerb, die Protagonisten wie Leser gleichermaßen verblüffen und Fragen aufwerfen und die Auflösung am Ende hat mich wirklich überrascht. Ursula Poznanski ist ein packendes spannendes Buch gelungen, das Jugendlichen wie Erwachsenen gefallen wird.
Vetternwirtschaft und Korruption als Basis des Erfolgs
Freunderlwirtschaft von Petra Hartlieb
Das schlichte und doch durch die Farbgebung auffallende Cover des Buchs passt sehr gut zum Thema. Es geht um junge, erfolgreiche, konservative österreichische Politiker, die eloquent und dynamisch auftreten und vordergründig stets zum Wohle des Landes handeln.
Der Tod von Landwirtschafts- und Tourismusminister Max Langwieser unter ungeklärten Umständen zieht Ermittlungen der Wiener Mordkommission nach sich unter der Leitung von Alma Oberkofler.
Schon im Prolog lerne ich die Kommissarin kennen, sie hat sich nach einem traumatischen Erlebnis in der Kindheit entschlossen, Polizistin zu werden und hat die Stelle in Wien erst vor wenigen Tagen angetreten. Gern verfolge ich ihre Ermittlungen, die von Vorgesetzten und Politikern immer mehr erschwert werden und nur langsam zu Erkenntnissen führen. Alma ist sympathisch und engagiert und durch Rückblenden in ihre Vergangenheit vervollständigt sich mein Bild von der Protagonistin.
Eine zweite Erzählperspektive kommt durch Jessica hinzu, die Verlobte und Lebensgefährtin des toten Ministers. Sie ist aus Wien geflohen und es bleibt zunächst unklar, ob und was sie mit Max' Tod zu tun hat. Ihre gedanklichen Rückblenden erhellen immer mehr, was in den Tagen vor dem Ereignis passiert ist und auch die politische Entwicklung ihres Verlobten seit der Jugend.
Petra Hartliebs Schreibstil ist lebendig, bildhaft und zeichnet sich durch feinen Humor aus. Ihre Figurenzeichnung ist einfühlsam und glaubhaft und sorgt bei mir für Mitgefühl, ein Schmunzeln oder Wut, je nach dem. Auch die Entwicklung der Protagonistinnen überzeugt. Mit der Figur der nachbarschaftlichen Buchhändlerin scheint die Autorin sich selbst augenzwinkernd in die Geschichte geschrieben zu haben, das gefällt mir.
'Freunderlwirtschaft' ist ein ruhiger Krimi, dennoch spannend, da lange unklar bleibt, wie es zu Max' Tod kam und der Leser außerdem einen Einblick in die fiktiven, dennoch möglichen, politischen Gegebenheiten bekommt.
Die Autorin zeichnet eindringlich das Porträt moderner Politiker, die über ein weit gespanntes Netzwerk verfügen und die vor kaum etwas zurückschrecken, um sich Vorteile zu verschaffen, persönliche und auf parteipolitischer Ebene.
Trotz eventueller österreichischer Besonderheiten ist die dargestellte 'Freunderlwirtschaft' sicher nicht auf unser Nachbarland beschränkt, Vetternwirtschaft, Filz oder Klüngel gibt es überall.











