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Rezensionen von carola1475:
Öko-Terrorismus
Klima von David Klass
Ein „Green Man“ genannter Öko-Terrorist zerstört technisch komplexe Anlagen, die der Umwelt schaden, um wachzurütteln und Aufmerksamkeit auf die drohende Selbstausrottung der Menschheit zu lenken.
Bisher verliefen die Ermittlungen des FBI erfolglos, doch nun kommt der junge Agent Tom Smith ins Spiel, der neue Ansätze beisteuert und die Denkweise des Green Man nachvollziehen kann.
Neben den meiner Meinung nach gut recherchierten technischen Details des klimaschädlichen Fracking thematisiert das Buch auch ethische Konflikte: rechtfertigt die Rettung der Menschheit insgesamt den Tod einiger Dutzend Menschen? Kann ein FBI-Agent jemanden erfolgreich zur Strecke bringen, wenn er im Grunde seines Herzens ebenfalls ein „Grüner“ ist? Was darf ich meinen Angehörigen zumuten, ohne dass sie zerbrechen?
Vermisst habe ich Informationen zum Hintergrund und zur Entwicklung einiger Protagonisten, z.B. Sharon. Auch das Ende hätte etwas ausführlicher sein können in Bezug auf die Ermittlungen und Erkenntnisse. Das Buch ist mit seiner schwarz-weiß Zeichnung und stereotypen Personen sehr amerikanisch, so dass es für mich eine Identifikationsfigur nicht gibt, trotzdem hat es mich gut unterhalten. Der Schreibstil ist gut lesbar, die Spannung von Anfang an und bis zum Ende vorhanden und über Fracking habe ich Neues gelernt.
Ergreifend
So wie du mich kennst von Anika Landsteiner
Karla trauert um ihre geliebte Schwester, die durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Nach der Beerdigung im heimatlichen Dorf reist sie nach New York, um Maries Wohnung aufzulösen. Sie verbringt einige Wochen damit, Maries Leben in der Ferne nachzuspüren und muss erkennen, dass Marie nicht alles mit ihr geteilt hat, dass es Geheimnisse gab.
Es gibt aus Karlas Sicht erzählte Kapitel und auch Kapitel, in denen Marie erzählt, beide junge Frauen erinnern sich rückblickend auch an Erlebnisse und Begebenheiten aus Kindheit und Jugend. Die Schwestern werden authentisch und lebensnah beschrieben, nicht nur in ihrer innigen Beziehung zueinander, sondern auch in ihrem sozialen und beruflichen Umfeld, so dass der Leser zu beiden eine Beziehung aufbauen kann. Auch Freunde und Familie spielen eine wichtige Rolle und werden alle einfühlsam, warmherzig und realistisch geschildert.
Anika Landsteiners Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sie ist eine gute Erzählerin, die wichtige Themen in ihren Roman einfließen lässt. Das behütete, bodenständige Leben auf dem Dorf und in der engen Kleinstadt wird der Anonymität, aber auch den Möglichkeiten der Metropole gegenübergestellt, es gibt die liebevolle, unterstützende Familie, aber auch die gescheiterte, bedrohliche Familienkonstellation, es geht um die von Männern Frauen gegenüber ausgeübte Gewalt und deren schwere, vor allem psychische, Folgen.
Das Buch ist keineswegs nur traurig, es macht durchaus auch Hoffnung. Heilung ist möglich, sei die Verletzung auch noch so alt.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt, ich finde es wichtig, ergreifend, aufrüttelnd - und tröstend. Auch nachdem ich es beendet habe, lässt es mich nicht los.
Erschütterndes Drama
Girl A von Abigail Dean
Die Mutter der vor 15 Jahren aus dem „Horrorhaus“ geretteten Kinder ist im Gefängnis gestorben und bestimmt ihre älteste Tochter Alexandra (Lex) als Testamentsvollstreckerin. Lex beschließt nach Bedenkzeit und in Absprache mit ihrer Lieblingsschwester, das Elternhaus in eine Begegnungsstätte umzuwandeln und muss dazu die Zustimmung aller Geschwister einholen.
In sieben unterschiedlich langen Kapiteln erzählt Lex von jeweils einem der Geschwister rückblickend als Kind, und – meist übergangslos, im nächsten Absatz - auch als Erwachsener. Sie schildert die grauenhaften Zustände im Horrorhaus, die Misshandlungen, Grausamkeiten, Entbehrungen, die Schmerzen, den Hunger, den Dreck, die Verwahrlosung, wie die übersteigerte Religiosität der Eltern allmählich zum Wahnsinn wird. Durch Alexandras Begegnung mit den Geschwistern erfährt der Leser, wie diese ihr Leben als Erwachsene bewältigen.
Lex' emotionslose, eher Bericht-artige Schilderung schafft eine Distanz zum Leser, die mir in diesem Fall sehr willkommen war. Trotzdem wird das Leid der Geschwister und die angerichteten dauerhaften Schäden schmerzhaft deutlich. Der Roman ist zwar fiktiv, aber es gibt überall und immer wieder Kinder, denen derartige Gräuel angetan werden.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen, die eher berichtende Erzählweise und die häufigen Zeitsprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Konzentration auf den Roman erfordern, geschickt gewählte Stilmittel. Und es gibt auch einige überraschende, um nicht zu sagen schockierende, Wendungen.
Der Roman ist ein sehr gelungenes Debüt und ich bin auf Abigail Deans nächstes Buch gespannt.




