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Rezensionen von carola1475:

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Jede Entscheidung beeinflusst auch das Leben anderer

Nur ein einziger Tanz von Hermien Stellmacher

Rike hat gerade einen großen Übersetzungsauftrag abgeschlossen und überlegt, was sie mit der bevorstehenden Freizeit anfangen soll. Sie quält sich mit Selbstzweifeln, seit ihr langjähriger Lebensgefährte sie überraschend für eine 'Auszeit' verlassen hat. Immer noch vermisst die Mittfünfzigerin ihre vor einem Jahr verstorbene Mutter.

Auch deshalb berührt sie der Brief, den sie aus Amsterdam erhält und in dem der ihr unbekannte Hendrik Rhee von seiner großen Liebe Cisca berichtet, das war ihre Mutter Francisca.
Trotz ihrer widerstrebenden Gefühle der alten Heimat gegenüber macht sich Rike auf den Weg nach Amsterdam, um Hendrik zu treffen. Doch Amsterdam tut Rike gut, Hendrik, seine WG-Freunde und auch ihre Zimmer-Vermieterin empfangen sie herzlich und Rike erfährt nicht nur Neues über ihre Mutter, sondern ihr fallen zu ihrer eigenen Überraschung auch immer mehr Details aus ihrer Kindheit wieder ein und sie beginnt, sich mit ihrem Familienleben auseinander zu setzen, wobei ihr Hendriks Erzählungen neue Impulse geben. Rike kann sich mit der Vergangenheit versöhnen, loslassen und ist am Ende der Geschichte selbstsicher und bereit für die Zukunft, was auch immer die bringt.

Erzählt wird aus Rikes und aus Hendriks Perspektive, aus Gegenwart und aus Vergangenheit. Hermien Stellmachers Schreibstil ist klar, lebendig und überrascht mit ungewöhnlichen Einfällen. So gibt es in der Alten-WG einen Flipper-Spielautomaten, der hilft, Entscheidungen zu treffen und Rikes Erinnerungen sind im Kopf in einem Lagerhaus untergebracht, dessen Räume unterschiedlich gut zugänglich sind. Die Autorin ist ihren Figuren sehr zugewandt und macht sie zu glaubwürdigen authentischen Charakteren, deren Geschichte und Emotionen berühren und die mich auch schmunzeln lassen. Amsterdam mit seinen Straßen, Grachten, dem Markt, Restaurants, dem Zoo und auch den Menschen wird beim Lesen lebendig und für mich unbedingt zu einem nächsten Reiseziel.
Im Nachwort erzählt die Autorin die interessante Entstehungsgeschichte des Romans, in den auch Autobiographisches einfließt. So ist auch ihre Familie von Amsterdam nach Deutschland ausgewandert, als Hermien 15 war.
Der Roman berührt und macht Mut und hat mir sehr viel Freude bereitet.

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Jede Entscheidung beeinflusst auch das Leben anderer
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Gelungener Grimdark-Fantasy-Roman

Legende eines Helden von Manuel Otto Bendrin

Der entthronte Dämonenkönig Seìka nimmt den Kampf gegen die herrschenden Magier auf und benötigt die Unterstützung aller Völker, der Menschen, der Elfen und auch der Zwerge. Sie alle leiden unter der Ausbeutung, den Verboten und Strafaktionen der Magier.
Nach anfänglichem Misstrauen kann sich der menschliche Heerführer Īsarnaro der Argumentation und Ausstrahlung des Dämons nicht entziehen und ist mutig genug, Seìka zu vertrauen.

Dennoch zweifelt und hadert Īsarnaro immer wieder, er will das Richtige tun und hinterfragt ständig seine Entscheidungen und die Konsequenzen. Īsarnaro wird durch den Dämon zum Helden gemacht, Seìka legt den Grundstein für die Legende, er weiß, was für die Menschen wichtig ist.
Das Wesen des Dämons, wie auch der Weltenbau, wird von Manuel Otto Bendrin überzeugend beschrieben, alle Figuren sind komplex, gut ausgearbeitet und glaubhaft, ob menschlicher König, Zwergenältester, Elfen-Hohepriesterin oder vor allem der facettenreiche Dämonenfürst. Es gibt wechselnde Erzählperspektiven und jeder Handlungsstrang treibt die Geschichte voran, es gibt keine Redundanz. Der Schreibstil ist klar, lebendig und bildhaft, auch augenzwinkernd, und die Geschichte um Īsarnaro und Seìka hat mich schnell gepackt und nicht mehr losgelassen. Ich konnte die Zweifel des Heerführers genau so gut verstehen wie die Beweggründe des Dämons. Ein überraschender Twist gegen Ende der Erzählung fügt der Dramatik eine weitere Dimension hinzu.
Manuel Otto Bendrins Phantastikgeschichten sind mir schon in verschiedenen Anthologien aufgefallen, ich freue mich über den gelungenen Debütroman. Er gefällt mir und hat mich bestens unterhalten.

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Gelungener Grimdark-Fantasy-Roman
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Mit allen Mitteln

Bleiche Erben von Ernst Kaufmann

Einige Ungereimtheiten am Ort eines Autounfalls irritieren den Salzburger Chefinspektor Ruprecht. Ist der junge Erbe eines örtlichen Chemie-Unternehmens wirklich selbstverschuldet auf der Intensivstation gelandet? Gerade jetzt, da ein großer Schweizer Konzern die kleine Firma mit allen Mitteln übernehmen will?

Ruprecht ist ein intelligenter, selbstsicherer und sehr genau arbeitender Ermittler, der seinem Bauchgefühl vertraut.

Zur gelungenen Figurenzeichnung tragen auch Details aus seinem Privatleben bei und einige seiner Vorlieben, die denen des Autors entsprechen, wie der Klappentext verrät. Zu Ruprechts Umfeld gehören auch glaubwürdig dargestellte Kollegen (von Frieda, der Leiterin des Innendienstes, die den Überblick und alles im Griff hat bis zum hauptsächlich auf seine Karriere bedachten Chef), Freunde und eine Schwester, die als Journalistin Ideen und Informationen zu den Ermittlungen beitragen kann. Ruprechts Gedankengänge und sein Vorgehen sind spannend zu lesen und nachvollziehbar, und auch die Gegner, die rücksichtslos auf mehr Macht und mehr Geld aus sind, werden glaubhaft dargestellt. Verschiedene Erzählperspektiven sorgen für einen spannenden und abwechslungsreichen Handlungsverlauf.

Ernst Kaufmanns Schreibstil ist eloquent, bildhaft und lebendig, es gibt augenzwinkernde Formulierungen genau so wie auch tiefgründige Gedanken des Autors. Gut gefallen haben mir das wohldosierte Salzburger Lokalkolorit und die sporadischen Naturbeschreibungen des Salzkammerguts, aber auch die Schilderung der für Ruprecht ungewohnten Ausstattung der Amsterdamer Einsatzgruppe und die rasante Verfolgungsjagd dort. Den gelegentlichen österreichischem Dialekt in Dialogen konnte ich ohne Probleme verstehen. Es gibt einige wenige kurze Nebengeschichten, die nicht zur Handlung beitragen, aber Nebenfiguren nahbarer machen.
Am Ende des Buch kündigt sich schon ein neuer Fall an und die angehängte Leseprobe macht neugierig auf den dritten Band der Reihe. Ein schönes Extra ist das Kulinarium mit den im Buch erwähnten Gerichten.

Mir hat der spannende, realitätsnahe Krimi gut gefallen und obwohl ich den ersten Teil um Chefinspektor Ruprecht nicht gelesen habe, hatte ich keinerlei Verständnisschwierigkeiten. Das Cover zeigt ein von Ernst Kaufmann gemaltes Frauenbild und hat als erstes meine Aufmerksamkeit geweckt, noch bevor ich den Klappentext gelesen hatte. Ich freue mich, einen für mich neuen Autor entdeckt zu haben und bin gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

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Wie geht’s hier weiter?

Zwergberg von Martin M. Uhland

Zwergberg Memento Mori ist ein Fantasy-Spielbuch, in dem ich mich als Nick Pulmer, 14 Jahre alt, auf der Suche nach meinem jüngeren Bruder Tim mit verschiedenen, oft feindlich gesonnenen Wesen auseinandersetzen muss. Es gilt, Entscheidungen zu treffen und so den Fortgang der Geschichte zu bestimmen.

Ob unterirdische Kuppelwelt, Zwerge, Astläufer oder Orkunkrieger, alles wird nicht nur bildhaft beschrieben, sondern vom Autor selbst auch fantasie- und liebevoll illustriert, so macht das Buch doppelt Spaß, beim Lesen und beim Anschauen.

Neben der spannenden, abwechslungsreichen Abenteuerhandlung voller fantastischer Einfälle werden auch medizinisch-wissenschaftliche Themen angesprochen und Fakten vermittelt, da Tim Autist ist und der Stiefvater im Gentechnikbereich arbeitet, so dass der Protagonist und damit auch der Leser Neues lernen kann und Gelegenheit zu Reflexion und Auseinandersetzung hat.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, locker und glaubwürdig auch aus Nicks jugendlicher Perspektive. Martin M. Uhlands skurrile Ideen überzeugen bis ins Detail und unterhalten bestens, die Verknüpfung von Fantasy und Wissenschaft ist wunderbar gelungen. Zwergberg Memento Mori ist witzig, intelligent konzipiert und ein faszinierendes Lesevergnügen. Ich freue mich auf den zweiten Band der Reihe, Zwerg ahoi!

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Ein ungewöhnlicher Roman über Zeit und Wirklichkeit

Das vorläufige Ende der Zeit von Berni Mayer

Die Geschichte um die Idee der Zeitreisen und den verlassenen jüdischen Friedhof im polnischen Słubice, der zu Frankfurt an der Oder auf der anderen Flussseite gehört, hat mich von Beginn an gefesselt.

Mi-Ra, Archäologin und Journalistin, Artur, Friedhofswärter in Słubice, und Horatio Beeltz, ein geheimnisvoller älterer Verleger mit familiärer Verbindung zum jüdischen Friedhof, treffen hier aufeinander.

Schnell entsteht eine Diskussion um die Zeit als vierte Dimension. Mi-Ra und Artur leiden an unverarbeiteten Traumata und Horatio hält die beiden für optimal geeignet, um eine Zeitreise in die Vergangenheit zu unternehmen und diese möglicherweise zu verändern. Wird der Versuch gelingen und wie wird die Gegenwart dadurch beeinflusst?

Kenntnisreich und informativ schreibt Berni Mayer über den mehrfach aufgegebenen, verwahrlosten Friedhof, einen Lost Place schlechthin, und seine Geschichte. Auch die gängigen Zeitreise-Theorien und die Idee der Paralleluniversen lässt der Autor seine Figur Horatio Beeltz sowohl dem Leser als auch Mi-Ra und Artur erläutern, wobei Neugier und Faszination immer mehr gefangen nehmen, sowohl die Protagonisten als auch mich.

Berni Mayers Schreibstil ist klar, anschaulich und lakonisch, selbst Fakten werden packend geschildert. Seine Figurenzeichnung ist feinfühlig und glaubwürdig, Nähe entsteht für mich sowohl zu Mi-Ra als auch zu Artur, während Horatios Geheimnisse vorerst nur angedeutet werden. Die Entwicklung der Protagonisten empfinde ich als glaubhaft.
Berni Mayer ist ein ungewöhnlicher, komplexer Roman gelungen, der mich berührt und gut unterhalten hat und der nachwirkt.

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Ein ungewöhnlicher Roman über Zeit und Wirklichkeit
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Hochaktueller spannender Politikthriller um Manipulation und Machtmissbrauch

Die Macht der Wölfe von Horst Eckert

Horst Eckerts neuer Politthriller handelt von Machtmenschen, „Wölfe“ nennen sie sich selbst, sie brechen alle Regeln, sind skrupellos und zielen auf die Demontage der Demokratie im Westen, sie manipulieren und gehen auch über Leichen. Sie missbrauchen ihre Macht.

Die Kapitel sind kurz und aus wechselnden Perspektiven geschrieben, so treten nach und nach die beteiligten Figuren auf, deren Rollen sich allmählich erschließen.

Neben neuen Charakteren mischen auch altbekannte wieder mit.
In diesem vierten Fall der Reihe haben Melia, Vincent und die Kollegen es vordergründig mit einem Mord zu tun, bei dem Spuren in rechte Kreise führen. Und auch Vincents Mutter Brigitte bekommt es auf der Dokumenta in Kassel mit Rechten zu tun.
Horst Eckert gelingt es anschaulich, die aggressive Stimmung in der Gesellschaft darzustellen, er zeigt, wie hemmungslos verführt und manipuliert wird, gerade auch durch Medien, die für die Rechten sehr wichtig sind und die sie geschickt für sich zu nutzen wissen. Es gibt ein Netzwerk von Akteuren rund um einen rechtsgerichteten Fernsehsender, dessen Moderator und Meinungsmacher zum Aushängeschild und Chef einer neuen rechten Partei gemacht wird, für die die Zeit reif zu sein scheint. Wird er zu einem der Wölfe werden oder gewinnt doch sein Gewissen?

Horst Eckert schreib klar und nüchtern, seine Figuren werden durch Tat und Wort charakterisiert, mehr ist für den Leser gar nicht nötig, um sich ein Bild vom Politiker, ehemaligen Anwalt oder früheren Verfassungsschützer zu machen.
Die Handlung ist hochaktuell, komplex und spannend bis zum Schluss und hinterlässt bei mir ein Gefühl der Beklemmung. „Die Macht der Wölfe“ zeigt, welchen Gefahren unsere Demokratie ausgesetzt ist.

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Hochaktueller spannender Politikthriller um Manipulation und Machtmissbrauch
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Endlich wieder Donnerstag!

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel von Richard Osman

Zum dritten Mal ermittelt der Donnerstagsmordclub in einem ungelösten Mordfall. Wer hat vor 10 Jahren die junge Journalistin Bethany Waites getötet, die einem Fall von Steuerbetrug auf der Spur war? Die Ermittlungen kommen nur langsam voran und entwickeln sich zu einem komplexen Fall mit unerwarteten Wendungen, was Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim um so mehr herausfordert.

Wie gewohnt, geht das muntere Seniorenquartett einfallsreich, versiert und planvoll vor und spannt nicht nur die inzwischen befreundeten Polizisten Chris und Donna sowie den immer hilfsbereiten Bogdan ein, sondern auch eine Reihe anderer Charaktere.
Bis zum Schluss konnte ich mit rätseln, obwohl es nicht die Spannung ist, die die Donnerstagsmordclub-Reihe für mich zum großen Lesevergnügen macht ;)

Richard Osmans Schreibstil ist lebendig, gedankenvoll und unterhält mit trockenem Humor. Über viel Situationskomik, Wortwitz und skurrile Diskussionen der Mitglieder des Donnerstagsmordclub habe ich mich wieder köstlich amüsiert, über manche tiefgründigen Gedanken des Autors nachgedacht. Ein großes Lob geht auch an Sabine Roth, bei deren Übersetzung der britische Humor erhalten bleibt, sie hat hier wieder ganz wunderbar gearbeitet. Der Autor verzichtet im vorliegenden dritten Band darauf, die Senioren erneut ausführlich vorzustellen, was für Neueinsteiger in die Reihe meiner Meinung nach schade ist. Dagegen geht die Figurenzeichnung Donnas, Chris' und Bogdans mehr in die Tiefe und die Charaktere entwickeln sich, inzwischen sind sie mir ebenso ans Herz gewachsen wie das Seniorenquartett.
Ich habe die Vorgängerbücher ebenfalls gelesen und fand beide noch charmanter und warmherziger geschrieben und empfehle unbedingt, zumindest den ersten Teil des Donnerstagsmordclubs zu lesen.

Das Cover greift das Motiv der vorherigen Bände auf, unterscheidet sich durch Details und die Farbgebung und hat einen hohen Wiedererkennungswert, mir gefällt es. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall für den Donnerstagsmordclub, den ich mir natürlich nicht entgehen lassen werde.

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Spannende Geschichte, aber ich hatte mir mehr versprochen

Der Riss von Thilo Winter

Vulkanologin Antonia Rauwolf soll auf der Forschungsstation Neumayer III untersuchen, ob die neu entdeckten fast 100 Vulkane in der Westantarktis aktiv werden und so das Weltklima katastrophal beeinflussen könnten. Und sie will nach ihrem seit Wochen vermissten Bruder suchen, der von einer Expedition nicht zurück kam.

Das Cover mit dem Riss im Eis, den Eisschollen und den Farben Schwarz, Weiß und Rot hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt und mich neugierig gemacht. Besonders gefällt mir, dass „Rot“ symmetrisch verteilt ist, rechts und links vom Riss, etwas Symmetrie im Chaos, das hat was ;)

Durch den eingängigen bildhaften und lebendigen Schreibstil gelingt dem Autor Thilo Winter eine glaubhafte Beschreibung der unwirtlichen gleichförmigen Eiswüste der Antarktis, der globalen Bedeutung der gigantischen Eismassen und auch der Schwierigkeiten, dort als Mensch zu überleben.
Durch den Prolog weiß der Leser mehr als Antonia und auch durch ihre Vermutungen und Andeutungen wird von Beginn an ein Spannungsbogen aufgebaut, dazu tragen auch Perspektivwechsel und Cliffhanger an Kapitelenden bei. Der Autor verknüpft tatsächliche Ereignisse mit einer packenden Geschichte mit hohem Erzähltempo, die sich jedoch immer mehr zu einer Aneinanderreihung von übertriebenen und unglaubwürdigen Actionszenen entwickelt. Besonders im letzten Drittel des Buchs fühlte ich mich von all der Action fast überrollt. Am Ende der Geschichte bleiben Fragen offen. Der Figurenzeichnung mangelt es an Einfühlungsvermögen und Glaubwürdigkeit, sie bleibt oberflächlich und Entwicklungen, so es sie denn gibt, sind nicht nachvollziehbar. Die Protagonistin Antonia ist impulsiv, stur und rücksichtslos, so dass es mir schwer fiel, mit ihr zu fühlen.

Das Nachwort des Wissenschaftsjournalisten Thilo Winter hat mir wiederum gut gefallen, es ist sehr interessant und vermittelt gut recherchierte Informationen und Wissen über die in großen Teilen noch unerforschte, unbedingt schützenswerte Antarktis. Leider spielt im Roman Wissenschaft nicht die erhoffte Rolle, die Verknüpfung mit der Handlung ist meiner Meinung nach nicht überzeugend gelungen, ich hatte mehr erwartet.
Ich vergebe 3,5 Sterne.

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Spannende Geschichte, aber ich hatte mir mehr versprochen
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Spannender Krimi um einen Cold Case

Seelendunkel von Robert Bryndza

Ex-Polizistin Kate Marshall und ihr Partner Tristan Harper werden von der Mutter der vor 13 Jahren verschwundenen Journalistin Joanna mit der erneuten Suche nach der Tochter beauftragt, da die Polizei den ungelösten Fall endgültig zu den Akten legen will. Kate hat ihre Lehrtätigkeit an der Universität aufgegeben und Tristan arbeitet dort nur noch Teilzeit, so ist der Auftrag der noch jungen Detektei der beiden sehr willkommen und Kate und Tristan nehmen die Ermittlungen auf.

Es gibt auch Kapitel, in denen das Vorgehen des Täters beschrieben wird, seine Identität bleibt bis gegen Ende unklar. Es war mir nicht möglich, mich auf einen der Verdächtigen festzulegen, der Fall ist komplex und überrascht mit Wendungen. Der Spannungsbogen bleibt durchgehend erhalten, als Kates und Tristans Ermittlungsschritte immer mehr Puzzleteile zutage fördern, die auch mir als Leser Rätsel aufgeben und die erst am Schluss ein vollständiges Bild ergeben. Die Spannung gipfelt in einem fesselnden Showdown.

„Seelendunkel“ ist bereits der 3. Band der Reihe, ist aber meiner Meinung nach auch für Neueinsteiger verständlich und gut lesbar, da immer wieder Details aus Kates Vergangenheit genannt werden. Robert Bryndzas Schreibstil war auch im vorigen Band gut, hat mir hier aber noch besser gefallen. Bryndza schreibt klar, anschaulich und lebendig. Mit großem Einfühlungsvermögen werden nicht nur die Protagonisten detailliert und authentisch beschrieben und werden zu lebendigen Charakteren mit Tiefe und Emotionen, die berühren, die Figurenzeichnung auch des Täters ist psychologisch glaubhaft.
Es macht Spaß, die Entwicklung der Beziehung zwischen Kate und ihrem Sohn mit zu erleben oder Einblicke in Tristans Leben zu haben. Das Verhältnis zwischen Privatleben und Ermittlungsarbeit finde ich ausgewogen und hat mir gefallen.
Das Cover passt atmosphärisch und vom Motiv her zum Buch und spricht mich mehr an als die Cover der Vorgängerbände. Dieser Krimi (ein Thriller ist das Buch meiner Meinung nach eher nicht) hat mir spannende Lesestunden beschert und ich freue mich auf den 4. Band, den der Autor im Nachwort verspricht. Ich kann „Seelendunkel“ uneingeschränkt empfehlen.

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Spannender Krimi um einen Cold Case
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Intelligenz ist nicht alles

SitterCats 2.0 von Dieter Aurass

Frankfurt im Jahr 2029, Familie Abel schafft sich eine SitterCat an, eine intelligente Katze zur Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder und nennt sie Miko. Niemand ahnt, wozu die Herstellerfirma die Katzen missbraucht.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auf mehreren Zeitebenen erzählt, denen ich gut folgen konnte, auch dank datierter Kapitelüberschriften.

Hintergründe zur IT und zum Stand der Technik Ende der 20er Jahre unseres Jahrhunderts und wie es zur Entstehung der intelligenten Katzen kam, werden glaubwürdig und auch unterhaltsam geschildert, ebenso Frankfurt, wie es Ende unseres Jahrzehnts aussehen könnte, und auch die überraschende wirtschaftliche Situation Asiens und die Folgen spielen eine Rolle.
Die erste Hälfte des Buchs schildert neben der Entwicklung von Mikos Fähigkeiten und Aktivitäten die Machenschaften eines intriganten, nach Macht strebenden Mitarbeiters der Herstellerfirma und seine Pläne mit den manipulierten Katzen. In der zweiten Hälfte entwickelt sich rasante Action und es wird sehr spannend bis zum Schluss.

Genau so spannend wie die Handlung ist der Weg Mikos von purer Intelligenz zur sozialen Kompetenz und dem Verständnis menschlicher Gefühle und der dann vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Menschen und auch die Frage, wie Menschen mit derartigen neuen Wesen, wie die intelligenten Katzen sind, umgehen sollen.

Augenzwinkernder Humor, auch bei manchen Namen beispielsweise oder bei der Figurenzeichnung eines ganz bestimmten Protagonisten nach offensichtlich realem Vorbild, kennzeichnet Dieter Aurass' lebendigen, detailreichen Schreibstil, der flüssig zu lesen ist. Es bleiben am Schluss der Geschichte keine technischen oder inhaltlichen Fragen offen, alles findet ein rundes Ende.
SitterCats 2.0 hat mich gut unterhalten und ich kann das Buch sowohl Katzenliebhabern als auch Krimilesern empfehlen.

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