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Rezensionen von carola1475:

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Originell, spannend und überzeugend

Seelenschwur von Andrea Revers

Wie ein Vampir ernährt sich Vlat, der letzte Läufer, von Blut, und im ersten Weltkrieg, als es keine Tiere mehr im Eifeler Hürtgenwald gibt, trinkt er das Blut der sterbender Soldaten Josef, Waldi und Schang. Doch anders als ein Vampir muss ein Läufer die übernommene Seelenschuld seiner Opfer irgendwann tilgen.

Bis dahin bleiben die Seelen Teil von ihm, erst wenn die Schuld beglichen ist, sind sie frei.
Zwischen Läufer und einigen wenigen Menschen ist mentale Kommunikation möglich, Josef ist einer dieser 'Vertrauten', die ihre Besonderheit vererbt bekommen. Etwa 80 Jahre später erkennt Josef in Hanna die nächste 'Vertraute' seiner Familie, sie soll Vlat helfen, sich in der heutigen, ihm fremden Welt zurecht zu finden.

Wie Hanna bin ich fasziniert von Vlats Fähigkeiten, die im Laufe der Geschichte zu Tage treten. Und auch von der Belastung, die es für den Läufer bedeutet, mit den Gedanken, Erinnerungen und dem Wissen seiner Opfer konfrontiert zu werden, wird glaubwürdig erzählt.
Die drei Soldaten werden in eigenen Kapiteln vorgestellt, in denen auch ihre noch offenen Wünsche und Hoffnungen beschrieben werden, die Vlat zu erfüllen hat. Der psychisch labile Schang könnte Vlat gefährlich werden. Seine Sehnsucht gilt einer verloren gegangenen Frauen-Skulptur. Vlat, Hanna und deren Freundin Lus machen sich auf die spannende Suche nach dieser offensichtlich von Rodin geschaffenen Figur.

Die Autorin hat auch die bis heute rätselhaften Funde von Herxheim sehr gelungen und einleuchtend in eigenen Kapiteln in die Geschichte um die Läufer eingeflochten. Andrea Revers schreibt lebendig, klar und packend, die menschlichen Charaktere sind glaubwürdig und authentisch und vor allem Vlats Andersartigkeit ist einfallsreich und überzeugend beschrieben, er ist ein faszinierender, außergewöhnlicher und komplex ausgearbeiteter Protagonist, der uns mit seiner Sicht auf die Menschen durchaus den Spiegel vorhält. Mir hat diese Urban Fantasy Geschichte sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Band.

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Originell, spannend und überzeugend
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Spannend, bedrückend und tiefgründig

Himmelerdenblau von Romy Hausmann

Als sich das spurlose Verschwinden von Julie Novak zum 20. Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Keller Kontakt zu Julies Vater Theo auf, sie würde ihn gern interviewen und den Fall wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken. Theo leidet an Demenz und die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr schwierig.

Je mehr Liv zum Verschwinden der damals 16jährigen Julie recherchiert, um so entschlossener versucht sie, den Fall aufzuklären.

Erzählt wird abwechselnd aus mehreren, überwiegend Ich-Perspektiven, wobei mich Theos Sicht sehr berührt hat, ich finde seine Erinnerungslücken und falschen Erinnerungen, die Suche nach Worten, seine Selbstbeobachtung, Verzweiflung und die Angst, seine verstorbene Frau und Julie zu vergessen, eigentlich alle Begleiterscheinungen seiner Demenz, sehr realitätsnah beschrieben, Romy Hausmann hat hier gründlich recherchiert und stellt den Demenzkranken überzeugend dar. Auch die anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und erscheinen authentisch. Es gelingt der Autorin, die psychischen Folgen eines so gravierenden Ereignisses wie das Verschwinden eines Kindes für alle Beteiligten psychologisch glaubwürdig darzustellen.
Romy Hausmanns Schreibstil ist fesselnd, wortgewandt und distanziert, weckt durch seine Genauigkeit dennoch Emotionen. Für mich war 'Himmelerdenblau' ein sehr intensives Leseerlebnis.
Die Autorin thematisiert neben Theos Demenz auch die Bedingungen in der Pflege und das rücksichtslose, auf Steigerung der Hörerzahlen angelegte Vorgehen von True-Crime-Podcastern, die sich der Konsequenzen für Betroffene entweder nicht bewusst sind oder denen die möglichen Folgen ihrer auch haltlosen Mutmaßungen egal sind.

Romy Hausmann lockt auf falsche Fährten, klärt Zusammenhänge erst spät und hat einen spannenden Thriller geschrieben. Ich fand manche Podcast-Kapitel, die nichts mit dem Fall der Familie Novak zu tun haben, überflüssig, sogar störend, und die Geheimnisse von zwei Charakteren werden am Ende geballt abgehandelt, was die Autorin vielleicht eleganter hätte lösen können.
Das blau-graue Cover mit dem Negativ eines Familienfotos und den verlaufenden Farben passt sehr gut zur atmosphärisch bedrückenden Geschichte. Der tiefgründige Thriller hat mir gut gefallen, ich vergebe 4,5 Sterne.

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Spannend, bedrückend und tiefgründig
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Spannender Thriller mit origineller Idee und filmreif geschrieben

Sein Wille geschehe von Andrew Bridgeman

Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin wird ein 20 Jahre alter Cold Case gelöst. Der junge Ben Danvers und sein Zwillingsbruder wurden damals entführt und Ben jetzt durch einen Zufalls-DNA-Abgleich gefunden. Er ist der leibliche Sohn der zukünftigen Vizepräsidentin.

Sein ganzes Leben gerät aus den Fugen und er setzt sich ab und versucht, Hinweise zu finden in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven Bens, des Special Agent Briar Metcalf, der den Entführungsfall damals nicht lösen konnte, und seiner neuen Partnerin Special Agent Emma Noble. Die Kapitel enden oft mit Cliffhangern, so dass es schwierig ist, eine Lesepause einzulegen.

Andrew Bridgemans Schreibstil ist fesselnd, bildhaft und ironisch, kann aber auch nüchtern und distanziert sein bei den Aktionen der Antagonisten, die jetzt einen vor Jahrzehnten geschmiedeten Plan zum Abschluss bringen wollen. Das Umfeld für den perfiden Plan könnte nicht besser sein angesichts des aktuellen politischen Klimas, das der Autor in den Gesprächen seiner Protagonisten auch thematisiert.

Die Figurenzeichnung ist gelungen, die verschiedenen Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig. Emma überrascht mit einem speziellen familiären Hintergrund und Ben erfährt eine rasante und nachvollziehbare Entwicklung.

Die Handlung ist temporeich, spannend und komplex, es gibt viele unerwartete Wendungen, gegen Ende waren mir die Twists fast etwas zu viel. Ich hätte mir außerdem mehr Informationen zum Drahtzieher des Komplotts gewünscht. Dennoch hat mich 'Sein Wille geschehe' sehr gut unterhalten, Andrew Bridgeman ist ein überzeugendes Debüt gelungen. Ich vergebe 4,5 Sterne.

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Spannender Thriller mit origineller Idee und filmreif geschrieben
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Dieses Buch macht Mut

Frank & Red von Matt Coyne

Der einsame, griesgrämige Frank ist entsetzt, als eine junge Mutter mit kleinem Sohn in das seit Monaten leer stehende Nebenhaus einzieht. Und sie stellen ein quietschendes Trampolin im Garten auf!
Frank redet nur noch mit dem Geist seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau, um die er immer noch sehr trauert und er verlässt sein Haus nicht mehr.

Red, der Junge von nebenan, vermisst sein früheres, größeres Haus, seinen Freund, die vertraute Schule. Er versucht sofort Kontakt zu Frank aufzunehmen, als er ihn im Nachbargarten sieht, denn Red ist freundlich und unterhält sich gern, er ist neugierig, hartnäckig und wissbegierig. Frank ist zunächst nur genervt.

Aus den abwechselnden Perspektiven von Frank und Red lerne ich die beiden so verschiedenen Protagonisten kennen, die mich auch an ihren Gedanken teilhaben lassen. Red erzählt von seinem Alltag und Frank erinnert sich an seine Vergangenheit, sein Leben mit Marcie, seiner großen Liebe. Matt Coyne schreibt einfühlsam und findet eine gutes Gleichgewicht von Traurigkeit und Heiterkeit. Der Autor bloggt seit Jahren über sein Vater-sein und schreibt authentisch und augenzwinkernd, wenn Red gedanklich hin und her springt und sein Gespräche vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen. Sein Wortwitz und daraus entstehende Situationskomik haben mich oft unvermittelt lachen lassen. Lachen und Weinen liegen in dieser Geschichte nah beieinander, sowohl Frank als auch Red haben es auch mit ernsten, schwierigen Themen zu tun.
Die Figurenzeichnung ist auch bei Nebencharakteren glaubhaft und ich habe mich darüber gefreut, wie die Freundschaft zu Red Frank verändert.

Matt Coynes Romandebüt ist überaus gelungen, 'Frank & Red' ist humorvoll und emotional, herzerwärmend, optimistisch und tiefgründig. Mir hat dieses unbedingt lesenswerte Buch sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten.

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Dieses Buch macht Mut
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Düster und tragisch

Das Paradies verrät man nicht von Ninni Schulman

Zu Beginn des Buches gibt es kurze Rückblicke auf Ingrids Vorgeschichte. Trotzdem empfehle ich, den ersten Serienband zu kennen. Die frühere Polizistin lebt nach drei Jahren im Gefängnis versteckt in einem kleinen Ort in Dalarna, immer in Angst vor ihrem rachsüchtigen Ex-Mann Kjell. Sie hat ihr 'Büro für Privatermittlungen' aufgegeben und arbeitet als Zimmermädchen im Hotel.

Die Sehnsucht nach ihrer Tochter ist zum Lebenssinn geworden, sie hofft, irgendwann das Sorgerecht wieder zu bekommen.

Auf einem Hof in der Nähe wird eine junge Frau tot aufgefunden. Die Eltern sind überzeugt, dass Lena sich nicht umgebracht hat und bitten Ingrid, Nachforschungen anzustellen. Zögernd nimmt Ingrid den Auftrag an, aus ihrer Erfahrung als Polizistin weiß sie, dass es bei Selbstmorden für Hinterbliebene keine Hilfe und Antworten gibt, ihnen bleibt nur Trauer.

Auf einer zweiten Zeitebene, die acht Monate zuvor beginnt, lerne ich Lena kennen, die zurückhaltende junge Witwe ist einsam und wünscht sich, wieder glücklich zu sein. Je weiter ihre Geschichte voran schreitet, desto mehr fürchte ich die nahende Katastrophe. Besonders diese Erzählebene funktioniert, weil sie in der analogen Zeit der 1980er Jahre spielt, es gab keine Handys und kein Internet. Filme, Bücher und Musik der damaligen Zeit werden erwähnt und tragen zur Glaubwürdigkeit bei, ebenso wie die Beschreibung von Natur und Orten in Dalarna.

Erzählt wird neben Ingrids und Lenas Perspektive auch aus Sicht des manipulativen Kjell, der kein anderes Ziel mehr hat als sich an Ingrid zu rächen, und da ist noch Benny, Ingrids früherer Kollege und Freund, der sie unterstützt, so weit ihm das möglich ist.

Ninni Schulmans ruhiger und bildhafter Schreibstil ist angenehm zu lesen und durch wechselnde Perspektiven und falsche Fährten bleibt die düstere Geschichte spannend. Die Figurenzeichnung ist psychologisch glaubhaft und Ingrid und Benny gewinnen an Tiefe. Sie werden mit ihren Ecken, Kanten, Unsicherheiten und Zwickmühlen, in denen sie stecken, für mich authentisch und nahbar.

'Das Paradies verrät man nicht' hat mich gut unterhalten - trotz des heftigen Cliffhangers am Ende des Buchs - und ich freue mich auf den dritten Band der Reihe.

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Düster und tragisch
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Überraschend und berührend

Wer kennt diese Frau? von Nicole Eick

Im Apartment der Edelprostituierten Eva wird ein Toter gefunden, Eva ist verschwunden. Ihre Putzfrau und Freundin Gudrun hilft ihr, Belastendes verschwinden zu lassen. Noch nicht mal Evas DNA ist im Apartment nachzuweisen.
Erzählt wird aus den abwechselnden Perspektiven Evas, Gudruns und der Ermittler Meister und Brodbecker.

Nicole Eicks Schreibstil ist einfach und geradlinig, in den Kapiteln aus Ermittlersicht auch humorvoll, ein willkommenes Gegengewicht zu der bedrückenden Atmosphäre in Evas und Gudruns Kapiteln. Beide Frauen sind einsam und besonders Gudrun hat in der Vergangenheit traumatisches erlebt, was wiederholt angedeutet, aber erst später klar benannt wird.
Die realistisch beschriebenen Ermittlungen gestalten sich zunehmend schwierig und sind komplex, da weder Eva noch Gudrun zu finden sind, die Spurenlage dünn ist und Evas zahlreiche berufliche Kontakte eher ungern kooperieren.
Was genau passiert ist und zum Tod des Opfers führte, bleibt wegen einer Erinnerungslücke Evas lange ungewiss. Zur Spannung trägt ebenfalls die unklare Beziehung zwischen Eva und Gudrun bei und auch Gudruns Vergangenheit. Ich bin sehr vom Können der Autorin beeindruckt, wie realitätsnah, sensibel und eindringlich sie von Gudruns Erfahrungen und deren Auswirkungen auf ihr Leben schreibt.

Die Figurenzeichnung finde ich ausgesprochen gelungen. Die Ermittler sind interessante Charaktere, die auch durch ihr Privatleben und ihre Dialoge lebendig und nahbar werden. Evas und Gudruns erinnerte Erfahrungen, ihre Gefühle und Überlegungen zur aktuellen Situation haben mich sehr berührt und beschäftigen mich auch noch, nachdem ich das Buch gelesen habe.
'Wer kennt diese Frau' mit dem passenden Cover erzählt eindrucksvoll eine spannende und bewegende Geschichte mit überraschenden Wendungen und ungewöhnlichem Hintergrund und hat mir sehr gut gefallen.

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Überraschend und berührend
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Überraschend und berührend

Wer kennt diese Frau? von Nicole Eick

Im Apartment der Edelprostituierten Eva wird ein Toter gefunden, Eva ist verschwunden. Ihre Putzfrau und Freundin Gudrun hilft ihr, Belastendes verschwinden zu lassen. Noch nicht mal Evas DNA ist im Apartment nachzuweisen.
Erzählt wird aus den abwechselnden Perspektiven Evas, Gudruns und der Ermittler Meister und Brodbecker.

Nicole Eicks Schreibstil ist einfach und geradlinig, in den Kapiteln aus Ermittlersicht auch humorvoll, ein willkommenes Gegengewicht zu der bedrückenden Atmosphäre in Evas und Gudruns Kapiteln. Beide Frauen sind einsam und besonders Gudrun hat in der Vergangenheit traumatisches erlebt, was wiederholt angedeutet, aber erst später klar benannt wird.
Die realistisch beschriebenen Ermittlungen gestalten sich zunehmend schwierig und sind komplex, da weder Eva noch Gudrun zu finden sind, die Spurenlage dünn ist und Evas zahlreiche berufliche Kontakte eher ungern kooperieren.
Was genau passiert ist und zum Tod des Opfers führte, bleibt wegen einer Erinnerungslücke Evas lange ungewiss. Zur Spannung trägt ebenfalls die unklare Beziehung zwischen Eva und Gudrun bei und auch Gudruns Vergangenheit. Ich bin sehr vom Können der Autorin beeindruckt, wie realitätsnah, sensibel und eindringlich sie von Gudruns Erfahrungen und deren Auswirkungen auf ihr Leben schreibt.

Die Figurenzeichnung finde ich ausgesprochen gelungen. Die Ermittler sind interessante Charaktere, die auch durch ihr Privatleben und ihre Dialoge lebendig und nahbar werden. Evas und Gudruns erinnerte Erfahrungen, ihre Gefühle und Überlegungen zur aktuellen Situation haben mich sehr berührt und beschäftigen mich auch noch, nachdem ich das Buch gelesen habe.
'Wer kennt diese Frau' mit dem passenden Cover erzählt eindrucksvoll eine spannende und bewegende Geschichte mit überraschenden Wendungen und ungewöhnlichem Hintergrund und hat mir sehr gut gefallen.

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Überraschend und berührend
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Spannend und überraschend

John von Bernhard Aichner

Die Mörderin Yoko lebt seit 5 Jahren als John in einem kleinen Dorf auf einer griechischen Insel, wo sie versucht, den Tod hinter sich zu lassen und zu heilen. Doch die deutschen Ermittler haben ihren Fall wieder aufgenommen und eines Tages steht Yoko Hauptkommissarin Liebermann gegenüber. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Frauen.

Yoko weiß nicht, wie viel Liebermann weiß, und so erzählt sie der Kommissarin nicht alles, was ich als Leserin in Rückblenden auf einer zweiten Zeitebene erfahre.

Dabei wird schnell klar, dass Yoko keine bösen Absichten hat, aber sie ist clever und auf alles gefasst. Sie beschränkt sich darauf, auf die schrägen Figuren zu reagieren, die versuchen, sie zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen. Nachdem sie Fassungslosigkeit und Panik überwunden hat, versucht Yoko, sich aus der Opferrolle zu befreien und die Kontrolle über ihr Leben zurück zu gewinnen.

Neben der Perspektive eines neutralen Erzählers, bei dem immer Yoko im Mittelpunkt des Geschehens steht, vermittelt mir Yokos Ich-Perspektive ihre Gedanken und Überlegungen, so dass ich ihre Gefühle verstehe, obwohl ihr Handeln für mich nicht immer nachvollziehbar ist.

Bernhard Aichners Schreibstil ist rasant, dynamisch und schnörkellos, seine Sätze sind prägnant und oft kurz und können Szenen und Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Bei Aichners Dialogen, lediglich durch voran gesetzte Gedankenstriche gekennzeichnet, lenkt nichts ab, Konzentration allein auf den Wortwechsel erzeugt eine erstaunliche Intensität.

Dieser einfallsreich konzipierte zweite Band der Rache-Reihe ist spannend, packend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen habe, hatte ich keine Verständnisschwierigkeiten. Johns verrückte Geschichte hat mich gut unterhalten.

Erwähnenswert finde ich das Cover im Zusammenspiel mit dem Vorgängerbuch. Es ist farblich wie ein Negativ des ersten Bandes gestaltet, auffallend ist, dass der Titel 'John' nicht fast unkenntlich gemacht ist wie bei 'Yoko', da sind nur noch ein paar Kleckse.

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Spannend und überraschend
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Erschreckend aktuell

Reset von Peter Grandl

Weltweit nehmen Fake News sowohl als Audionachrichten als auch Videos zu und bald weiß niemand mehr, was wahr ist und was nicht. Verunsicherung wird zu Angst, die Gesellschaft droht im Chaos zu versinken.

Der Thriller ist von Beginn an nervenaufreibend fesselnd und wird aus wechselnden Perspektiven und auf mehreren Handlungsebenen erzählt, was die Spannung erhöht, da ich immer wissen will, wie es für die verschiedenen Protagonisten weiter geht.

Die Charaktere werden in einer Alltagssituation eingeführt, im Austausch mit anderen werden sie schnell lebendig. Die Vielzahl der Figuren, vor allem die Experten verschiedener Cyberbereiche, verdeutlicht, wie vielschichtig die zu lösenden Probleme sind. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Autor mehrere starke weibliche Charaktere geschaffen hat.

Peter Grandls Schreibstil ist technisch detailliert, trotzdem angenehm und flüssig zu lesen. Beeindruckend finde ich auch, wie gelungen der Autor sein durch umfassende Recherchen gewonnenes Wissen in die Handlung einbringt und einen realistisch anmutenden düsteren und atmosphärischen Thriller geschrieben hat, in dem nur 'überholte' Technik aus der Zeit vor der Digitalisierung im entstandenen Chaos hilfreich ist.

Das Finale war mir fast zu melodramatisch, statt des filmreifen Showdowns hätte ich mir mehr Informationen über die KI und deren Entwickler gewünscht. Insgesamt hat mich 'Reset' mit dem schlichten, aber auffallenden und sehr passenden Cover gut unterhalten und mir dabei eindrucksvoll, anschaulich und erschreckend die Gefahren unserer Abhängigkeit von digitaler Technologie in einer packenden Geschichte vor Augen geführt.

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Erschreckend aktuell
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Ein optimistischer Ausblick auf einen Neuanfang nach dem Klimakollaps

In einem Land nach unserer Zeit - Teil 2: Die Reisende von Anette Schaumlöffel

Ragin ist aus ihrem 500jährigen Kälteschlaf erwacht und ihre Erinnerungen kommen allmählich zurück. Doch sie kann die neu entstandene Welt nicht in Ruhe kennenlernen, denn Roger, Überlebenden einer entfernten Station, benötigt ihre Hilfe und so macht sich Ragin im vorliegenden zweiten Teil von „In einem Land nach unserer Zeit“ auf den Weg.

Große Freude macht ihr unterwegs die Natur, die sich, auch dank der Vorbereitungen durch die Station, erholt hat und die Ragin so voller Leben bisher nie erlebt hat. Ihre Begegnung mit anderen Menschen finde ich von Beginn an spannend, mit Ragin zusammen erfahre ich, wohin sich das Zusammenleben in den 500 Jahren seit der Klimakatastrophe entwickelt hat, was für Gemeinschaften entstanden sind und welche Regeln aufgestellt wurden.

Die Figurenzeichnung der Menschen, die Ragin kennenlernt, ist vielschichtig und glaubhaft, ebenso die Erwähnung der technischen Voraussetzungen, auf die die Überlebenden aufbauen konnten und die auf heute üblichen Gegebenheiten beruhen, also durchaus im Rahmen des Möglichen liegen.

Es ist schön, Ragins Veränderung zu verfolgen, ihre Katze Alice ist ihr oft ein Beispiel und die Begegnungen mit anderen Bewohnern, deren Offenheit, Wissen und Erfahrungen helfen ihr, sich vieles bewusst zu werden, Verständnis und Selbstsicherheit zu entwickeln. 'Die Reisende' ist ohne Kenntnis des ersten Bands gut zu lesen, dennoch empfehle ich auch 'Die Erwachte', um Ragins erstes, zaghaftes Ankommen in dieser neuen Welt mit zu erleben.

Anette Schaumlöffel schreibt klar, lebendig und humorvoll. Sie bringt ungewöhnliche Ideen in ihre Geschichte ein, deren ansteckender Optimismus mich etwas zuversichtlicher auf die menschliche Zukunft blicken lässt.
Eine Zeichnung der Gebiete, die Ragin bereist und ein Glossar am Ende des Buchs vervollständigen die Geschichte.
Ich freue mich auf den letzten Teil der Trilogie, der mit dem Titel 'Die Kämpferin' wieder Spannung verspricht.

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Ein optimistischer Ausblick auf einen Neuanfang nach dem Klimakollaps