Kunden em pfehlungen
Rezensionen von La Calavera Catrina:
Überraschend anders und richtig gut
Der längste Schlaf von Melanie Raabe
Die Geschichte um die Wissenschaftlerin Mara Lux ist mysteriös. Alles dreht sich um den Schlaf, an dem Mara forscht und ihre Schlafstörungen. Ihre Albträume und schlaflosen Nächte bestimmen ihr Leben. Darin spielt auch das Herrenhaus eine Rolle, das Mara anonym geerbt hat. Nur widerwillig reist sie zu diesem Ort, der wie ein Verstärker auf sie wirkt.
Melanie Raabe hat sich auf interessante Weise mit dem Schlaf auseinandergesetzt, was auch wissenschaftliche Aspekte einbezieht. Das Buch liest sich sehr gut und hatte auf mich eine absolute Sogwirkung. Was ist Realität? Was ist ein Traum? Dabei entsteht eine Spannung, die mich mitgerissen hat, wobei auch Mara als Hauptfigur dazu beigetragen hat. Ihre Herangehensweisen fand ich sehr authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Ich mochte die komplexe Auseinandersetzung, klug verstrickt und mit einem gelungenem Ende.
Wer Lust auf eine Mischung aus Fantasy, Mystery und Thriller hat, sollte sich «Der längste Schlaf» nicht entgehen lassen.
Geheimnisvoll und abenteuerlich
Klippo von Tobias Goldfarb
Das Cover zieht nicht nur alle Blicke auf sich, auch die Abenteuergeschichte kann sich sehen lassen. Man startet rasant und ahnungslos in die Geschichte, bei der schon der erste Satz ins Abenteuer lockt. Die gefährlichen Raubritter Salpeter verfolgen Klippo und seine Eltern und eine spektakuläre Flucht wirft viele Fragen auf.
Klippo erfährt ein Geheimnis, dass ihm seine Eltern bisher verschwiegen haben und es geht um ein rätselhaftes Mädchen, eine mystische Insel der Sicherheit und ein plötzliches Verschwinden.
Es ist eine spannender und auch ein wenig verspielter Roman mit vielen Geheimnissen, Enthüllungen und überraschenden Wendungen für Kinder ab 10 Jahren, die es unvorhersehbar und abwechslungsreich mögen. Es wird fantasievoll, fesselnd und lebendig, aufgrund der mutigen und sympathischen Figuren. Es geht auch um Freundschaft und Zusammenhalt und abgesehen vom großen Unterhaltungswert, hat die Geschichte ein maritimes Setting und eine geheimnisvolle Atmosphäre, die mich in ihren Bann gezogen hat. Im Buch gibt es übrigens ein Daumenkino von Klippos treuem Hermelin-Freund Red, der auch in dem Roman stets in Bewegung ist. Kinderbuch-Empfehlung!
Sehr empfehlenswert
Das magische Funkeln von Sandra Dieckmann
Es gibt viele Bilderbücher für Kinder über Mut, aber «Das magische Funkeln» von Sandra Dieckmann hebt sich vor allem durch die künstlerisch eindrucksvollen Illustrationen ab, die in Großformat berühren und verzaubern. Dazu das fantastische Cover mit goldenen Elementen, dass dieses Bilderbuch auch für Liebhaber interessant macht.
Hauptfigur ist das Nesthäkchen der Familie Bär: das kleine Bärenkind muss seinen besonderen Bärennamen erst noch finden. Eingeschüchtert sieht es nur dabei zu, wie die Geschwister klettern, tanzen und schwimmen. In einer stürmischen Nacht begegnet das kleine Bärenkind einem Feuervogel und bekommt eine Feder geschenkt, die magische Kräfte besitzt und Mut verleiht. Der Text dazu passt sehr gut, ist aussagekräftig und durch große Schrift leicht lesbar. Die Entwicklung des kleinen Bärenkindes enthält natürlich eine wertvolle Botschaft, aber vor allem ist es eine mitreißende, kinderechte und heldenhafte Geschichte mit beeindruckenden Illustrationen. Wir haben es jetzt schon öfter gelesen und mögen diese Wohlfühl-Stimmung, die beim Vorlesen entsteht, wenn man in diesen magischen Wald eintaucht und das kleine Bärenkind begleitet. Ein rundum empfehlenswertes Vorleseerlebnis.
Basics für Neulinge
# Health Upgrade von Alina Walbrun
Es ist ein Ratgeber, der persönliche Vorlieben und Erfahrungen, der Autorin Alina Walbrun, mit wissenschaftlichen Fakten vermischt, und mit einem frischen Blick auf Themen blickt, wie den Alterungsprozess, Hormone, den Darm, mentale Gesundheit, die Haut, Entspannung, Fasten, Blutzucker, Supplements und natürlich Ernährung, Schlaf und Bewegung.
Darunter teilt Alina Walbrun ihre persönlichen Geschichten, ihre Skincare-Routine, Tagesroutinen, Lieblingsrezepte und Grundlagen zur Gesundheit. Das sind keine Richtwerte, sondern Inspirationen, die zum Nachmachen animieren sollen, die an das Konzept auf den sozialen Medien erinnern.
Am besten hat mir das letzte Kapitel „Das hätte ich gern früher gewusst…“ gefallen, indem sich Alina Walbrun dem Wahrheitsgehalt verschiedener Mythen widmet. Führt spätes Essen zu einer Gewichtszunahme? Bekommt man eine Erkältung, wenn man mit nassen Haaren rausgeht? Kann ein Nickerchen am Tag den Nachtschlaf ersetzten und ist Lachen wirklich gesund?
Ich bin allerdings zwiegespalten, denn als Inspiration zum Durchblättern und zur Auffrischung, fand ich es gut. Abgesehen von bekannten Tipps, wie Tagebuch schreiben usw. gibt es gute Ernährungshinweise.
Aber gerade zu den Allroundern Bewegung und Ernährung wiederholen sich in den unterschiedlichen Themenbereichen viele Hacks, weshalb es tatsächlich weniger als 101 sein dürften. Und insgesamt bleibt es leider viel zu oberflächlich und einseitig, wo andere Perspektiven möglich und hilfreich gewesen wären. Beispielsweise beim Thema Haut und mentaler Gesundheit, ist mir das besonders aufgefallen. Es gibt eine Achtsamkeits-Übung bei kreisenden Gedanken. Diese Übung hilft aber nur kurzfristig und ist kein Hack, der die mentale Gesundheit verbessert, sondern kurze Ablenkung verschafft. Das vermittelt fehlerhafte Erwartungen und bestärkt den Ärger darüber, dass es einfach nicht klappen will.
Bestimmt gut für Eilige, die es kurz und knapp auf den Punkt mögen und mit kleinen Mitteln viel erreichen möchten, ohne sich tiefer mit Gesundheit auseinandersetzen zu müssen. Jeder, der sich schon mit den Themen beschäftigt hat, wird nicht viel Neues lernen. Ich würde diesen Ratgeber nur eingeschränkt empfehlen.
Alles beginnt im Kopf
Genug gegrübelt, lieber Kopf! von Katharina Tempel
Es bleibt nicht folgenlos, was sich in unseren Köpfen abspielt. Gedanken spielen eine Schlüsselrolle. Was Grübeln, ewiges Durchkauen negativer Ereignisse und ständiger Sorgen um die Zukunft, obwohl es keinen konkreten Grund gibt, für unser Wohlbefinden und unser Leben bedeutet, erklärt die Autorin Katharina Tempel tiefgründig und alltagsnah.
Bereits nach den ersten Seiten fühlte ich mich verstanden und hatte die ersten Aha-Momente, denn es wird mal eine andere Perspektive gezeigt. Techniken, die nur eine kurzweilige Ablenkung verschaffen, gibt es hier nicht. Statt oberflächlicher Affirmationen oder Tipps zum Tagebuch schreiben, geht es wirklich in die Tiefe. Ich habe schon Ratgeber zu dem Thema gelesen, aber ich schätze es sehr, wie Katharina Tempel die komplexen Zusammenhänge in einem sehr angenehmen Stil verständlich und fundiert erklärt, und es Klick macht. Ihre mitunter persönlichen Beispiele sind aus dem Leben gegriffen und machen sie nahbar und sympathisch. In erster Linie begleiten wir aber Gisela Grüblerin, Peter Pessimist, Regina Regeltreu und Sebastian Selbstgeißler durch das Buch.
Es ist ein Ratgeber, den ich überraschend zügig durchgelesen habe, weil ich nicht den Eindruck hatte, hier von Informationen erschlagen zu werden und wissen wollte, wie ich denn nun sinnvoll mit meinen belastenden Gedanken umgehen kann. Ein gut gelungener roten Faden trägt den Rest dazu bei.
Die wiederholenden Aussagen würde ich als hilfreiche Verankerung bezeichnen, damit man auf der Spur bleibt. Die teilweise kreativen Fotografien sind eine auflockernde und angenehme Ergänzung. Die schöne Gestaltung und vor allem das Schriftbild, finde ich richtig toll. Genau so, wie die Zitate im Buch.
Die Strategien, die ich schon versucht habe, werden in „Vom sinnlosen Kampf gegen die Gedanken“ unter die Lupe genommen. Hier hat mich besonders überrascht, dass systematisches Hinterfragen gar nicht immer so sinnvoll ist.
Die eigenen Denkfehler zu benennen und die Hintergründe zu verstehen, verschaffen Verständnis und es gibt immer wieder Impulse für die Beobachtung im Alltag und einen sinnvollen Umgang mit quälenden Gedanken, bevor es im letzten Drittel auch mit ein paar Übungen und Strategien konkreter wird, um bewusst Abstand zu nehmen. Insgesamt kann man bei diesem Ratgeber wirklich sagen, der Weg ist das Ziel, denn es geht vor allem um die wesentlichen Aspekte im Umgang mit unseren Gedanken. Besonders die letzten Kapitel sind nochmal ein wertvoller Reminder und insgesamt fand ich den Ratgeber hilfreich und stärkend. Ein wichtiger Grundstein für die mentale Gesundheit ist gelegt, der jetzt nur noch im Alltag trainiert werden muss.
Finsteres Katzenbrunn
Finster von Ivar Leon Menger
Das Buch spielt in einem 80er Jahre Setting in einem kleinen Dorf namens Katzenbrunn. Der zehnjährige Nikolaus Kämmerer verschwindet spurlos. Der Greifer hat wieder zugeschlagen. Zwei Monate sind seit dem vergangen. Den pensionierter Kommissar Hans J. Stahl haben die erfolglosen Ermittlungen nie losgelassen, und er kehrt nach Katzenbrunn zurück.
Ein sehr atmosphärischer Thriller, der in einem Dorf spielt, welches allmählich ausstirbt, und in dessen Zentrum eine psychiatrische Klinik steht. Die Kapitel sind kurz, mitreißend geschrieben und es gibt eine Vielzahl an Figuren, die alle ihre Geheimnisse zu haben scheinen. Diese mehrperspektivische Betrachtungsweise mochte ich ausnahmsweise, weil sie spannend umgesetzt ist und jede für sich interessant. Die verwitwete Wirtin des Dorfes ist herzlich und offen. Es ist wirklich entzückend, auf wen sie ein Auge geworfen hat und welche Rolle sie noch spielt, während ich sehr mit dem Opfer gebannt habe, wobei mich schockiert hat, wozu die Frau des Pfarrers fähig war, um den Wunsch am Ende aufzugreifen. Es ist wirklich finster und trotzdem tun sich immer wieder Lichtblicke auf. Schön fand ich auch, dass es keine Längen hat, sondern einfach spannende Unterhaltung bietet, die einem auch Gänsehaut beschert, ohne das es übermäßig grausam wird. Lediglich die große Enthüllung erfolgte für meinen Geschmack zu früh. Glücklicherweise bleibt es nicht bei einer. Empfehlenswerter Thriller!
Ein überhebliches Mathe-Genie zum Schmunzeln
Pi mal Daumen von Alina Bronsky
Bei dem Cover könnte man meinen, es geht um Moni Kosinsky. Eine Frau über Fünfzig, die aus einfach Verhältnissen stammt und die sich ihren Traum von einem Mathe-Studium erfüllt, obwohl es ihr niemand zutraut. Tatsächlich wird der der Roman konsequent aus der Perspektive des hochbegabten Oscar erzählt.
Der erst Sechszehnjährige ist ein überhebliches Genie. Im menschlichen Miteinander erweist sich Oscar als schwierig. Er ist zunächst abweisend und wirkt arrogant, weil er sich den meisten Menschen intellektuell überlegen fühlt. Moni lässt das unbeeindruckt und im Verlauf des Romans entwickelt sich eine interessante Freundschaft, bei der Oscar über sich hinaus wächst und sogar für seine Freundin lügt. Diese Entwicklung fand ich gut dargestellt, denn Oscar sie Moni als eine Art Forschungsgegenstand. Mir haben besonders die vielen Monologe von „dem Kleinen“ gefallen. Tatsächlich gibt es überraschend wenig Dialoge und so erhält man viele Eindrücke davon, wie Oscar die Welt sieht und auch vom Uni-Leben. Manchmal hätte ich mir aber auch die Sichtweise von Moni gewünscht, denn sicher liegt Oscar bei seinen Annahmen auch daneben. Der Schreibstil war angenehm flüssig und diese kleine Geschichte hat mich gut unterhalten.
Insgesamt eine humorvolle Hommage an die Mathematik und Einsichten eines Hochbegabten. Lesenswert!
Schurken, Schergen und Mordlust
Long Live Evil von Sarah Rees Brennan
Rea ist dem Tode nah, als eine fremde Frau ihr die Chance bietet, in eine fiktive Welt überzuwechseln. Ausgerechnet die kurz vor der Exekution stehende Lady Rahelia Domitia ist Raes Körper, mitten in die Lieblingsbuchreihe «Zeit des Eisens» ihrer Schwester Alice, die sie selbst kaum kennt. Eine Welt von Adligen, fieser Schurken, böser Schergen, Ghule, gefräßiger Monster, voller Verrat, Intrigen und Mordlust.
Zusammen mit dem sarkastische Humor steht guter Unterhaltung doch nichts mehr im Weg, oder?
Ich bin mit diesem Buch einfach nicht warm geworden, obwohl ich es komplett gelesen haben, um zu erfahren, ob und wie Rea ihren Plan umsetzten kann. Dabei gab es viele Aspekte und Wendungen, die ich mochte. Besonders die Isekai-Grundidee ist toll und voller spannender Gedankengänge: „»Hast du noch nie das Gefühl gehabt, jemand anderem stünde die Welt offen und er würde alles bekommen, was er haben will? Unsere Welt hat Regeln. Wir kennen sie nur nicht. Hier haben wir das Handbuch gelesen!“ Manchmal wirkte alles wie ein großes Durcheinander und es fehlte mir an Struktur. Es gibt viele Figuren, manche werden auch erzählerisch näher beleuchtet, die Welt ist komplex ausgearbeitet und der Text ist sehr dialogreich. Die Fülle an Ausschweifungen bei den Dialogen und der im Verhältnis zu kurz kommenden Handlung hat mich ingesamt ernüchtert. Für mich war es ein durchschnittliches Buch, welches ich manchmal am liebsten abgebrochen hätte.
Aufregender Zeitreisekrimi
Die Zeitdetektive, 4, Die gefiederte Schlange von Fabian Lenk
Schon der erste Band der Reihe um «Die Zeitdetektive» ließ auf weitere spannende Abenteuer hoffen, während man etwas über Geschichte lernt. Das zeichnet die Bücher aus. Diesmal reisen Kim, Julian, Leon und Katze Kija an einem heißen Sommernachmittag ins Jahr 906 nach Christus in die Stadt Chichén Itzá und lernen etwas über die Maja, die Sensationelles vollbracht haben, obwohl vieles noch nicht erfunden war.
Es gibt einiges zu bestaunen, und dabei stolpern die Freunde direkt in große Gefahren, Intrigen und einen spannenden Fall. Es wird aufregend, abwechslungsreich und das Setting begeistert. Dies ist bereits der vierte Band, der nicht ganz so überzeugen konnte, wie seine Vorgänger. Dafür war die Handlung manchmal ein bisschen zu konstruiert und Entscheidungen schwer nachvollziehbar, während die Wissensvermittlung nach wie vor überzeugt. Darüber hinaus, macht es aber Spaß und letztlich stiehlt der „kleine Jaguar“ Kija sowieso allen die Show. Die Aufmachung ist sehr lesefreundlich und bleibt der Gestaltung der Reihe treu. Es gibt ein Personenregister, ein Glossar, große Schrift und moderne Illustrationen in Schwarz-Weiß, die alles noch lebendiger machen.
Das Leben danach
Mein drittes Leben von Daniela Krien
Nach einem tragischen Unglück trauert Linda um ihre verstorbene Tochter und nichts ist mehr wie es war. Gleichgültigkeit bricht in ihr Leben. Sie isoliert sich, existiert nur noch, ist „blind, taub und fühllos“.
Ihr Leiden als verwaiste Mutter schmerzt und berührt zutiefst. Ihr Heilungsprozess ist erschütternd realistisch und wahrhaftig.
Man durchlebt ihn mit Linda und sie beweist, wie belastbar Menschen sein können und wie individuell der Trauerprozess ist, während das Leben eigene Pläne macht. Es ist Unterstützung und Liebe, die sie im Leben halten. Ihr Mann Richard, der, trotz aller Umstände, für sie da ist. Die Hündin Kaja und schließlich die Ablenkung in der Gartenarbeit und ihre Hilfsbereitschaft geben ihr Hoffnung. „Doch hier in meinem Dritten Leben sitze ich auf einem Küchenstuhl und lasse alle Gefühle kommen.“ Das schmerzhafte Durchleben in der ersten Hälfte hatte eine große Wucht. Ich wollte wissen, wie Linda sich zurück ins Leben kämpft. Doch es ist kein Kampf, sondern ein Überstehen der Tage und es sind kleine Dinge, die sie am Leben halten. „Ich kann wieder lesen.“ Dazu passt der distanzierte Schreibstil, der Abstand erlaubt, den es braucht. Ein unbequemes Buch, das Gedanken anstößt, Hoffnung schenkt, mitfühlen lässt und dankbar macht, für das Leben davor. Es wirkt nach. Kein leichtes Buch, aber sehr empfehlenswert!











