Kunden em pfehlungen
Rezensionen von niki:
Dringliche Empfehlung - Psychiatrie von 1920 bis in die 2020er
Gespensterfische von Svealena Kutschke
Im Mittelpunkt der Romans steht die Lübecker Jannsen Klinik. Laura Schmidt, die selbst Patientin der psychiatrischen Klinik war, lernt dort die Patientin Olga Rehfeld kennen. Olga wollte einst Schriftstellerin werden, doch sie lebt schon seit Jahren in der Psychiatrie.
Laura Schmidt möchte Olga Rehfelds Geschichte dokumentieren, die fast ihr gesamtes Erwachsenenleben in der Psychiatrie verbrachte.
Sie besorgt sich ein Diktiergerät und es ergibt sich, dass sie mit vielen Menschen, die unmittelbar mit der Klinik zu tun haben spricht – mit Patient*innen, Ärzt*innen, Psycholog*innen und Pflegepersonal spricht. Daraus generiert sich eine hundert Jahre umspannende Geschichte, von 1920 bis in die 2020er. Es geht um den Klinikalltag und die Beziehungen zueinander, die zeigen, wie sich die Gesellschaft geändert hat, gerade auch in Bezug auf psychische Erkrankungen. Vom Nichtwissen in der Nazi-Zeit über Behandlungsmethoden bis in die Gegenwart wird der Bogen gespannt.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven, jedoch nicht chronologisch erzählt. Das macht das Besondere in dieser romanhaften Erzählung aus. Insgesamt entsteht so ein Gesamteindruck der Psychiatrie der letzten hundert Jahre.
Ein kluges, anspruchsvolles Buch, zwischen Fakten in und Berichten aus der Psychiatrie, das genau meinen Geschmack getroffen hat. Daher empfehle ich es sehr gerne.
Erinnern und vergessen - wirklich ein Meisterwerk
Mädchen, 1983 von Linn Ullmann
Die Tochter von Ingmar Bergmann und Liv Ullmann wird mit 16 Jahren von einem 44-jährigen Modefotografen angesprochen, ob sie nicht nach Paris kommen und sich für die französische Vogue fotografieren lassen möchte.
Linn wohnt mit ihrer Mutter in New York, möchte endlich erwachsen sein, wie alle Jugendlichen in diesem Alter, und fliegt im Januar 1983 gegen den Willen der Mutter nach Paris.
Es ist ein autofiktionaler Roman, in dem sich die Autorin 2021 während der Pandemie nach über 40 Jahren daran erinnert, wie sie in jener Nacht im Winter in Paris auf der Straße steht, ihr weder das Hotel noch die Straße einfallen, in dem sie wohnt, und sie auch nicht Französisch spricht. Einzig einen Zettel hat sie dabei, wo die Adresse des Fotografen notiert ist, zu dem sie mitten in der Nacht geht und – völlig überfordert von der Situation, in die sie sich leichtfertig begeben hat – in seinem Bett landet. Ein sexueller Missbrauch?
Das Foto von damals gibt es nicht mehr und auch der Fotograf hat wahrscheinlich keine Erinnerung mehr an sie.
Schon die längste Zeit wollte Linn Ullmann diese – zig Jahre lang danach noch als traumatisch erlebte – „Geschichte“ aufschreiben, es ist ihr jedoch nicht gelungen daran zu denken und sich zu erinnern, obwohl dieses Ereignis sie ihr Leben lang – leidvoll – begleitete. Die Autorin versucht sich zu erinnern, bricht die Gedanken ab, greift sie neu auf, bricht wieder ab, sie fügt unterschiedliche Lebensereignisse hinzu. Die Gedanken sind nicht chronologisch niedergeschrieben, sondern wie sie ihr gerade einfallen.
Eine eindrucksvolle Geschichte über das Sichtbar-sein-Wollen und Unerfahrenheit als junges Mädchen, übers Erinnern und Vergessen, ohne explizit die Frage, ob es sich um sexuellen Missbrauch handelte, anzusprechen.
Uneingeschränkte Empfehlung
Eines der besten Bücher
Der Schlächter von Joyce Carol Oates
Basierend auf drei wahren Biografien, die hier zu einer fiktiven Person zusammengefasst werden, wird die Geschichte des „Gynäkopsychiaters“ Dr. Silas Aloysius Weirs erzählt, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Pennsylvania als Gynäkologe bei psychisch kranken Frauen Eingriffe vornahm, um sie vom Wahnsinn zu heilen.
Der Werdegang von Dr. Weir, einem Arzt, der kein Blut sehen kann und sich eigentlich vor den Patientinnen graust, ist fast unglaublich. Silas Weir ist voller Komplexe und als er Direktor der staatlichen Heilanstalt für weibliche Geisteskranke wird, nützt er seine Position, um seine meist tödlichen Experimente an den Frauen im „Dienste der Wissenschaft“ auszuführen. Er ist getrieben von Ehrgeiz, um seine neuesten Erkenntnisse in den renommiertesten Journals in Amerika zu publizieren und dadurch Anerkennung in der Ärzteschaft und vor allem von seinem Vater zu erlangen – jedoch führt dieser Ehrgeiz dazu, dass immer mehr Frauen immer schlimmere medizinische Experimente und Versuche über sich ergehen lassen müssen.
Die Behandlungen sind grauenhaft, fast unerträglich – die Vorstellungen beim Lesen, dass die Durchführungen ohne Narkose erfolgten, kaum auszuhalten.
Ein Buch, dass über ein sehr schwarzes Kapitel der Medizin berichtet – es handelt sich, wie bereits erwähnt, um die Zusammenschau von drei realen Vorbildern. Wie schnell Frauen als psychisch krank erklärt und im wahrsten Sinne des Wortes weggesperrt wurden – um dann einem „Schlächter“ ausgeliefert zu sein.
Disclaimer: Eine Empfehlung für jene, die solch historische Unmenschlichkeiten aushalten. Ich fand es ganz großartig.
Aus dem Amerikanischen von Silvia Morawetz
Ein MUSS für alle Wienliebhaber*innen
Stadt der Ideen von Richard Cockett
Nach dem Lesen dieses reichhaltigen Buches kann man kaum fassen, wie umfänglich durch die Auswanderung vieler Wiener*innen aufgrund des 1. Weltkrieges oder der Nazis Innovation, Intellektualität und Wissen verloren gegangen ist: „Wien hat den Grundstein für einen Großteil der geistigen und kulturellen Produktion der westlichen Welt im 20.
Jahrhundert gelegt“, sagt der britische Autor, Historiker und „Economist“-Journalist Richard Cockett.
Vor allem geht es dabei auch um die Einflüsse, die die assimilierten Jüd*innen leisteten. Sie setzten auf Bildung und konnten sich dann in Musik, Wissenschaft, Literatur, Philosophie, Psychologie, Medizin, aber auch in der Filmbranche in Hollywood, in der Architektur sowie Ökonomie und Konsumforschung verwirklichen. Bildung war insbesondere für die jüdischen Zuwander*innen der beste Weg zum gesellschaftlichen und ökonomischen Aufstieg in Wien.
Der große Vorteil Wiens gegenüber anderen europäischen Hauptstädten war damals, dass Wien die Hauptstadt eines Vielvölkerstaates und die Gesellschaft dadurch multikulturell war.
Größen in sämtlichen Disziplinen verließen Wien bzw Österreich und wurden in der Fremde mit Handkuss aufgenommen. Die Flüchtenden konnten dort ihre Ideen, Forschungen oder sonstige Entwicklungen fortführen. Viele wirken bis heute nach und es ist den wenigsten bewusst, dass der Grundstein dafür seinerzeit in Wien gelegt wurde.
Was für ein Buch! So hinreichend vielfältig wurde die Moderne in Wien noch nicht niedergeschrieben. Großartig ist auch die Aufmachung mit vielen Bildern und die Kapiteleinteilung. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt: zum Lernen und zum Staunen. Wenn man darüber nachdenkt, ist es wirklich arg, was hier angerichtet wurde und auch schade, dass es so, wie Wien einmal war, nie mehr sein wird.
Liebe vs Geld
Wut und Liebe von Martin Suter
Noah und Camilla sind ein Paar, bis sich Camilla aus Vernunft von Noah trennt. Sie liebt ihn nach wie vor, jedoch ist er ein erfolgloser Künstler und sie nicht mehr bereit, für ihrer beider Leben aufzukommen – mit einem Job, den sie gar nicht mag. Sie liebt Noah, aber nicht das Leben mit ihm.
Noah nimmt das nicht hin.
Er will um Camilla kämpfen, er liebt sie und möchte sie zurück. In der „Blauen Tulpe“ lernt Noah die Witwe Betty Hasler kennen, deren Mann nach drei Herzinfarkten aufgrund der vielen Arbeit verstorben ist. Schuld daran soll Peter Zaugg sein, der ehemalige Partner von Bettys verstorbenen Mann, da er ihn in den Tod getrieben hätte. Bettys Ansinnen ist nichts anderes als Rache: Peter Zaugg muss vor ihr sterben und sie bietet daher Noah eine Million Schweizer Franken für seinen Tod. Attraktiv für Noah, denn mit Geld könnte er seine Camilla zurückgewinnen und ihr das gewünschte Leben bieten.
Der Roman liest sich nett, hat Wendungen, die ich nicht erwartet hatte, kommt aber keinesfalls an seine „Vorgänger“ ran, Suter hat schon besser geschrieben.
Dieses Debüt ist eine Sensation
Die Schlafenden von Anthony Passeron
Der heroinsüchtige Onkel des Autors Désiré zählt zu den ersten AIDS infizierten Frankreichs in den 1980er Jahren. Er lebt in einem kleinen französischen Dorf, wo jede*r jede*n kennt und die Familie aufgrund der Metzgerei, die sie betreiben, einigermaßen angesehen ist.
Für die Familie, insbesondere für die Mutter stellte diese Krankheit eine Katastrophe dar, weil AIDS-erkrankte stigmatisiert waren – als schwul und/oder drogenabhängig.
Dass ihr Sohn Désiré drogenabhängig sei, wollte sie nicht wahrhaben. Zur großen Tragödie ist die familiäre Geschichte auch deswegen ausgewachsen, weil nicht nur der Onkel infiziert war, sondern auch seine Frau und die gemeinsame Tochter.
In einem zweiten Erzählstrang wird der wissenschaftliche Part zu AIDS erzählt – von den ersten Entdeckungen des Virus bis zum Versuch, ein geeignetes Medikament zu erforschen.
„Danke.“ Die junge Wissenschaftlerin ist verblüfft: „Aber wofür? Es ist uns nicht gelungen, Sie zu retten.“ Mit halb geschlossenen Augen, an der Schwelle zwischen zwei Welten, findet der Sterbende noch die Kraft zu antworten: „Nicht für mich. Für die anderen.“ (s. S. 151)
Wir können uns heute glücklich schätzen – Wissenschaft und Forschung haben längst Medikamente entwickelt, die AIDS-Infizierte ein nahezu „normales“ Leben und auch eine vergleichbare Lebenserwartung ermöglichen, wie nicht infizierten Personen.
Ein tief berührendes, autobiografisches Buch über Krankheit und familiäre Scham, das einen nachdenklich zurücklässt. Großartiges Debüt!
Informativ, schrill und bunt
Blow Up! von Robert Shore
Mit größtem Vergnügen habe ich Blow Up! gelesen, die explosive Geschichte der Modernen Kunst als Graphic Novel.
Es beginnt mit Marcel Duchamp und seinen Ready-mades – hier im Buch das Urinal – und geht der Frage nach, wann Gegenstände als Kunst gelten und wer der Urheber der Kunst ist, denn das Urinal, wurde ja nicht von Duchamp hergestellt.
Kunst muss ja nicht vom Künstler selbst hergestellt werden, es reicht vielmehr, wenn der Künstler sie als solche bezeichnet.
So ziemlich alle wichtigen Protagonist*innen der Modernen Kunst der ca letzten hundert Jahre werden im Buch mit ihren zentralen Werken vorgestellt: Andy Warhol, Marina Abramovic, Demian Hirst, Jean-Michel Basquiat, Joseph Beuys und viele andere.
Bunt, schrill, informativ und süffig zu lesen ist die Graphic Novel in der Übersetzung aus dem Englischen von Christa Prummer-Lehmair und Rita Seuss. Es gibt einen guten Überblick der Künstler*innen der Moderne und bietet vor allem Einsteiger*innen Anregungen, mit welcher*m Künstler*in man sich als nächstes beschäftigen möchte.
Karl - Mythos und Ikone
Karl Lagerfeld von Alfons Kaiser
Was für ein Buch – genau richtig für den Strand im Urlaub. Ich schließe mit großer Hochachtung vor diesem Mann meine Lektüre.
Zu Beginn geht es um die Geschichte seiner sehr reichen Eltern, damit auch seiner Herkunft – das ist vielleicht ein bisschen lang erzählt, eventuell so wahrgenommen, weil ich unbedingt ganz schnell über ihn als Modeschöpfer lesen und erfahren wollte.
Karl Otto Lagerfeld war bereits als Kind und Jugendlicher anders, hatte damals schon gelesen und gezeichnet und sich extravagant gekleidet, weder gespielt, noch sich mit anderen Kinder abgegeben.
Man erfährt detailreich über seinen Weg als Modedesigner und seine Erfolge. Wie er es schaffte sich selbst ein Image zu verpassen, einerseits als Ikone und andererseits als Mythos – bis zu seinem besonderen Logo. Er hatte hart gearbeitet und: kein Alkohol, kein Nikotin, keine Drogen und Sexexzesse, obwohl all dies in den 1970er in der Modeszene üblich normal war. Ein wenig Einblick bekommt man auch in sein Privatleben.
Es zeigt Lagerfeld von seiner menschlichen und großzügigen Seite, intelligent und selbstironisch, was mich das eine oder andere Mal zum Schmunzeln brachte. Aber auch jene Seite, die langjährige Beziehungen plötzlich abbrechen ließ. Absolute Empfehlung für alle, die sich nur ein bisschen für die Modewelt interessieren.
Ich fand das Buch großartig, die Geschichte seiner erfolgreichen Arbeit – er war ein Workaholic – und seiner Persönlichkeit, seiner Beziehungen und seines Alleinseins, das ihm kreative Inspirationen gab, obwohl er andererseits immer Menschen um sich hatte, ja brauchte.
Falsche Fakten, die Lagerfeld über sich streute, korrigiert der Autor und auch sonst wird Lagerfeld nicht immer im besten Licht gezeigt. Er förderte seine Begleiter*innen, was ihn unglaublich menschlich und großzügig wirken lässt, andererseits kündigte er Beziehungen, Freundschaften und Begleiter*innen ohne Kompromisse. Das macht diese Biografie sehr authentisch, lesenswert und nach meinem Empfinden auch sehr ausgewogen.
Einschränkungslose, sehr überzeugte Leseempfehlung
Ein Nachdenken zu den in Auflösung befindlichen Werten
Auflösungen. von Marlene Streeruwitz
Im März 2024: Nina Wagner ist Lyrikerin, lebt in Wien und ist für eine Gastdozentur nach New York gereist, da sie in der Vergangenheit NY regelmäßig besuchte und Abstand zu ihrem Leben zu gewinnen suchte.
Zu Hause in Wien gibt es unterschiedliche Krisen, denen sie für eine Weile den Rücken kehren möchte.
Die erwachsene Tochter Franzi hat den trinkenden Vater Georg bei sich aufgenommen und kümmert sich um ihn – dies empfindet Nina als Loyalitätsbruch. Von Georg ist Nina, dem hohen Beamten aus dem Innenministerium, der Alkoholiker ist, mittlerweile geschieden.
In New York trifft sie Bekannte von früher, schlendert durch Straßen und erinnert sich an die Zeit vor der Pandemie, wo noch alles anders war. „Ihr New York. Das war vor der Pandemie gewesen. Davon war nicht sehr viel übrig“ (S. 225). Jetzt ist alles in Auflösung. New York hat sich verändert. Das New York wie sie es kannte, gibt es nicht mehr. Homeless People überall. Und Müll, damit einhergehend Ratten auf den Straßen – ein Krieg der kaum zu gewinnen ist.
An der Uni gibt es Vorschriften, was über Israel, Gaza und die Ukraine gesagt werden darf. Es muss alles politisch korrekt sein, am besten man schweigt zu diesen Themen.
In New York laufen die Prozesse gegen Donald Trump, die sie mit Spannung verfolgt. Kandidiert er doch wieder für das Amt des und Präsidenten? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er wiedergewählt wird.
In ganz viele Facetten beobachtet Nina Wagner, wie sich New York verändert, auflöst.
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil großartig ist. Da war ich der Meinung, es ist das Buch zur Stunde. Der zweite Teil konnte mich dann nicht mehr ganz so überzeugen: Nach einem Überfall, bei dem Nina sich Kopfverletzungen zuzieht, wird sie ins Krankenhaus gebracht. Sie flüchtet von dort, streunt durch die Straßen, trifft auf Menschen, mit denen sie auch nach Hause geht und von dort weiterzeiht. Immer wieder versucht sie vergeblich ihre Tochter Franzi zu erreichen, die ihren Vater sucht.
Alles in allem ein sehr lesenswerter Roman. Der Ductus der Gedanken wird im Satzbau sehr gut nachgebildet. Über die politische unzuverlässige Lage wird großartig nachgedacht.
Alles scheint zusammenzubrechen
Die Unbehausten von Barbara Kingsolver
Im Zentrum des Romans steht ein Haus in Vineland, New Jersey, das baufällig ist und einzustürzen droht.
Im 19. Jahrhundert wohnen in diesem Haus der Lehrer Thatcher Greenwood und seine Frau Rose mit deren Schwester und Mutter. Im Nachbarhaus wohnt Mary Treat, eine Naturforscherin und Anhängerin des neu aufkommenden Darwinismus, die mit Darwin und weiteren aufstrebenden Naturwissenschaftlern jener Zeit korrespondiert.
Thatcher unterrichtet an der hiesigen Schule in Vineland und ist von der Evolutionstheorie Darwins überzeugt. Mit seiner Nachbarin tauscht er sich aus, geht mit ihr in die Natur. Der Direktor der Schule überwacht Thatcher, damit die Theorien von Darwin nicht an die Schüler*innen vermittelt werden. Der Direktor glaubt nämlich an die Bibel und nur diese Entstehungsgeschichte der Welt soll in der Schule vermittelt werden. Der Kampf zwischen Thatcher und dem Direktor eskaliert bei einer Podiumsveranstaltung. Neben der Sorge, den Job in der Schule zu verlieren, droht das Haus einzustürzen, jedoch sind die finanziellen Mittel für eine Renovierung kaum gegeben. Insgesamt weiß Thatcher, dass er weder das Haus noch seine Frau mit seinem Lehrergehalt halten kann.
Die Erzählung wechselt immer wieder in die Gegenwart. In dieses Haus ist gerade die arbeitslose Journalistin Willa und ihre Familie eingezogen. Ihre Tochter Tig kommt gerade unerwartet aus Kuba retour, wohin sie abgehauen ist. Ihr Sohn Zeke ist gerade Vater geworden; die Mutter des Kindes ist nach der Geburt verstorben, so dass auch das Baby in dem Haus unterkommt, da Zeke nicht in der Lage ist für den Kleinen zu sorgen – da ist einerseits Trauer, anderseits das Bemühen, Geld für die gesamte Familie zu verdienen.
Nach dem Einzug von Willas Familie droht das Haus in sich zusammenzubrechen: das Dach ist undicht, der Verputz bröckelt von den Wänden, die Stiegen sind morsch und sollten daher erneuert oder nicht mehr benützt werden. Es ist ein vererbtes Haus, bei dem jedoch kein Geld für die Renovierung vorhanden ist. Obamas Amtsende steht gerade bevor und es sieht danach aus, dass Donald Trump der neue Präsident der USA wird.
Am Beispiel der beiden Familien, zeitversetzt im selben Haus, zeigt die Autorin, welche hitzigen Diskussionen zur aktuellen Politik und Gesellschaft, zu medizinischer Versorgung und Armut, zu Wissenschaft, Darwinismus, Klimakrise und Umwelt heute und vor 150 Jahren geführt wurden. Die beiden Erzählstränge wechseln sich kapitelweise ab und sind genial miteinander verknüpft.
Was für eine großartige Geschichte zweier Familien und einem Haus in unterschiedlichen Zeiten. Es geht um die Umstände der jeweiligen Zeit und deren aktuellen Themen und diese sind wunderbar sowie einprägend aufs Papier gebracht.
Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren











