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Rezensionen von niki:

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Sensationelle Darstellung der komplizierten Historie der Ukraine im Kampf um ihre Unabhängigkeit

Eine kurze Geschichte eines langen Krieges von Mariam Naiem

In dieser Graphic Novel, von Ukrainer*innen geschrieben und gezeichnet, werden die historischen Wurzeln des Unabhängigkeitskampfes der Ukraine, welche eine komplizierte Historie mit Russland hat, dargestellt.

Die Geschichte reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück – die Kyjiwer Rus war damals einer der größten Staaten in Europa und bildete die Grundlage der heutigen Ukraine.

Das Buch beschreibt die Mongoleninvasion und die spätere Besiedelung durch die Kosaken, die für Freiheit, Mut und Heldentum stehen. Die meisten Kosaken waren ethnische Ukrainer*innen und standen für Selbstorganisation, sie trafen Entscheidungen im Kollektiv bei Versammlungen, bei denen jeder ein Stimmrecht hatte. 1775 kam es zum Ende der Geschichte der Kosaken unter der Herrschaft von Katharina der Großen. Weiters spielte das Christentum in der ukrainischen Geschichte eine wichtige Rolle.

Den Höhepunkt in der russisch-ukrainischen Geschichte wurde 1929 erreicht – massenhaft wurden Menschen aus der Ukraine nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Stalin richtete Kolchosen ein und die ukrainischen Bäuer*innen mussten hohe Getreideabgaben leisten, so dass die ukrainische Bevölkerung in den Jahren 1932-1933 einer großen Hungersnot ausgesetzt war. Diese wird als Holodomor bezeichnet – als Völkermord, Genozid. Auch die Revolution vom Maidan aufgrund der Wahlen zwischen Juschtschenko und Janukowytsch werden auf sehr verständliche Weise beschrieben.

Durch das gesamte Buch zieht sich der aktuelle Angriffskrieg anhand der Protagonistin Vika, die immer wieder vor Bombenangriffen fliehen muss.

Die Autorin, Mariam Naiem, ist Journalistin und Historikerin. Die Zeichnungen von Yulia Vus und Ivan Kypibida sind in schwarz/grau und orange gehalten – orange, die Protestfarbe vom Maidan.

Ein gut recherchiertes Buch, das sehr schön und professionell aufbereitet wurde. Das Buch versucht die komplizierte Geschichte der Ukraine auf sehr verständliche Weise darzustellen.

Bitte lest das alle!

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Sensationelle Darstellung der komplizierten Historie der Ukraine im Kampf um ihre Unabhängigkeit
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Absolute Empfehlung

ë von Jehona Kicaj

in autofiktionaler Roman vom Aufwachsen in Deutschland und zugleich dem Erleben, dass in der einstigen Heimat Kosovo der Krieg herrscht und man sich selbst in Sicherheit befindet. Die Verwandten sind zurückblieben.

Bei Besuchen der Familie im Kosovo werden durch die Protagonistin beschossene Häuser wahrgenommen.

Es bleibt der Fantasie jeder Person überlassen, warum auch Jahre nach dem Krieg die Einschusslöcher noch immer sichtbar sind, nicht ausgebessert wurden.

Besonders interessant fand ich die forensische Anthropologin, die anhand von Massengräbern und Leichen versucht eine Geschichte zu den Geschehnissen zu erzählen, die im Einklang mit der Erzählung der Autorin sind.

Man erfährt viel über den Kosovo-Krieg, der wenig bekannt ist, und man ist versucht, die Protagonistin mit der Autorin gleichzusetzen.

Zu Recht stand das Buch auf der Short-List des Deutschen Buchpreises. Ich habe den Roman mit großem Interesse gelesen und viele neue Erkenntnisse daraus für mich mitgenommen.

Absolute Empfehlung

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Großartiges Experiment

Vera von Susanne Röckel

Am Morgen des 29.4.1968 stand Dina Pronitschewa aus Kiew in Darmstand als Zeugin vor Gericht, im nach dem Hauptangeklagten genannten „Callsen-Prozess“. Sie war eine der wenigen Überlebenden des Massakers von Babyn Jar in der Ukraine Ende September 1941. Bei diesem Massaker wurden innerhalb von zwei Tagen mehr als 33.

000 jüdische Männer, Frauen und Kinder brutal ermordet.

Die damals 14-jährige Susanne Röckel stellt sich vor, dass sie am Weg zur Schule der Zeugin, die sie im Roman Vera nennt, begegnet sein könnte. Dass sie ihren Blick aus dem Auto aufgefangen hat, während sie auf dem Fahrrad saß. Diese Begegnung wäre zeitlich gesehen möglich gewesen.

Susanne Röckel stellt sich weiters vor, wie Vera überlebte, wie sie sich in die Grube fallen ließ, die voll von erschossenen Leichen war, wie sie sich daraus in der Nacht befreite und Angst hatte, erwischt zu werden.

Susanne Röckel setzt sich in ihren Gedanken auch damit auseinander, wie es für Vera gewesen sein muss, in Deutschland als dem Land der Täter, die dieses Massaker verursacht haben, einzureisen. Sie imaginiert, wie Vera durch die Passkontrolle geht, von einem hohen Beamten des Justizministeriums abgeholt und ins Hotel gebracht wird, dann dort die Nacht vor dem Prozess alleine verbringt. Und sie stellt sich vor, am nächsten Tag, am Weg zum Prozess, Susanne Röckel begegnet zu sein. Sie fragt sich, wie es für Vera in Deutschland war, wo doch bereits alle Spuren des Kriegs beseitigt worden waren, sich niemand mehr an den Krieg und die Verbrechen der Nazis erinnern wollte?

Vera ist ein Roman, der fiktive Gedanken ineinanderfließen lässt, so nach dem Motto: es wäre möglich gewesen, vielleicht war es auch so. In den Text fließen auch immer wieder kurze Auszüge aus dem Gerichtsprotokoll ein.

Ich fand diesen Versuch des Romans ausgesprochen gelungen, sprachlich großartig und inhaltlich äußerst anspruchsvoll.

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Großartiges Experiment
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Wichtige Themen werden hier verhandelt

Mutters Sprache von Wlada Kolosowa

isa, Mutter der erst zwei Monaten alten Eva, ist mit neun Jahren mit ihrer eigenen Mutter aus Russland nach Deutschland emigriert. Aljona ist eine russische Hebamme in Deutschland und muss plötzlich zurück nach Russland, sie wird dort dringend gebraucht. Auch Lisa möchte ihre sterbende russische Großmutter ein letztes Mal sehen.

Also beschließen beide zurück in ihre ehemalige Heimat zu reisen.

Auf dieser Reise wird die Vergangenheit Schicht um Schicht freigelegt – großartig.

Wow, das war ein Ritt durch Themen, die es in sich haben: Leihmutterschaft, Fruchtbarkeit, ungewollte Mutterschaft, lesbische Beziehung, Migration aus Russland, Familie, ein lang gehütetes Geheimnis und ein Inzest Thema.

Den Roman habe ich inhaliert und in einem Schwung gelesen, weil hier wirklich alles gepasst hat: der Aufbau des Romans, die Art wie sich die Protagonist*innen und die Zeitebenen abwechselten und ineinander verstrickten, die weiteren Themen im Kontext mit Russland, einerseits eine Freundschafts- und andererseits auch eine Familiengeschichte über drei Generationen mit einem wirklich schlimmen Geheimnis.

Der Roman bietet Überraschungen, hält Unerwartetes bereit und hat dabei Tiefgang.

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Wichtige Themen werden hier verhandelt
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Ohne erhobenen Zeigefinger

Fleischeslust von Oesch Martin

Im Mittelpunkt dieser Graphic Novel steht der Metzger Ernst Merz und seine Frau Margit, die gemeinsam eine Metzgerei führen.

Beide sind im Pensionsalter, es findet sich jedoch keine geeignete Nachfolge für den Laden. Und dann hat sich auch viel verändert im Lauf seines Berufslebens: Biobauernhöfe halten ihre Schweine im Freien und verkaufen ab Hof; die Menschen aus dem Dorf kaufen in den Supermärkten, die Wurstzubereitung mit Pöckelsalz wird von den Konsument*innen hinterfragt.

All das ärgert den Metzger sehr. Die Ausländer*innen essen kein Schweinefleisch und die Einheimischen werden zu Vegetarier*innen. Kebab-Buden und ausländisches Fleisch stehen in Konkurrenz zum alten Metzgerhandwerk. Auch sind die Menschen nicht mehr bereit, für Fleisch ausreichend Geld auszugeben. Jede*r möchte ein billiges Schnitzerl oder Kebab. Das Metzgerhandwerk wird von niemanden mehr geschätzt. In den Nachrichten erfährt man ständig von den Regenwaldabholzungen, um Soja zu pflanzen, damit die Massentierhaltung ausreichend ernährt wird.

In der Nacht wird Erwin Merz immer wieder von Albträumen heimgesucht, die das Töten der Tiere zum Inhalt haben und auch tagsüber bei der Arbeit kommt ihm immer mehr in den Sinn, dass das Fleisch, dass er verkauft, vor kurzem noch ein lebendes Tier war. Er weiß eigentlich nur, welche Nummer es hatte, aber nicht, wie das Fell oder die Augen ausgesehen haben. Er stellt sich immer öfter moralische Fragen zum Fleischkonsum.

Anhand der Zeichnungen und Dialoge wird deutlich sichtbar, dass hier eine Generationenablöse stattfindet. Erwin Metzger und seine Frau sind noch vom alten Schlag. Keiner möchte die Metzgerei übernehmen – für die Räumlichkeiten würden sich schon Interessent*innen finden, jedoch handelt es sich dabei um Optikerläden und keine traditionellen Interessenten eines Metzgereibetriebs.

Diese Graphic Novel zeigt großartig am Beispiel des Metzgers Merz die unterschiedlichen Probleme rund um das Thema Fleisch.

Übrigens ist der Autor selbst Metzger und weiß, wovon er hier schreibt.

Ich habe diese Graphic Nocel mit größtem Vergnügen und Interesse gelesen und möchte sie wärmstens empfehlen. Es geht hier keinesfalls darum, die Leser*innen davon zu überzeugen, dass der Felsichkonsum aufhören muss, sondern darum, dass Ersatzprodukte wie Soja problematisch und Billigfleisch ein Problem sind, wiewohl es dazu Alternativen gibt, wie zB Biofleisch ab Hof.

Die Zeichnungen sind eindringlich und unterstreichen die Message dieses wichtigen Buches.

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Ohne erhobenen Zeigefinger
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Eine Annäherung an die Mutter

Muttermale von Dagmar Leupold

Für den Bayerischen Buchpreis zu recht nominiert: Dagmar Leupod denkt zurück an ihre Mutter.

Die Mutter wurde 1924 in Ostpreußen geboren und erlebte in ihrem jungen erwachsenen Leben den 2. Weltkrieg, der sie scheinbar sehr geprägt hat. Die 1956 geborene Tochter erlebt die Mutter als distanziert, streng und kalt.

Lacht sie einmal, interpretiert es ihre Tochter als Gefühlsentgleisung.

Der Roman erstreckt sich von der Kindheit und Jugend bis zum Muttersein und ihrem Altern und Sterben. Es besteht keine liebevolle Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Besonders deutlich wird das, wenn die Tochter beschreibt, dass sie auch den Kochlöffel zu spüren bekommen hatte. Über vieles wird geschwiegen. Der Roman wird als eine Annährung beschrieben – ich interpretiere den Roman als die Mutter verstehen wollen.

Wer war sie, diese Mutter, die zwei ihrer Brüder im Krieg verloren hatte, die als Krankenschwester die Verwundeten versorgte und aus ihrer Heimat vertrieben wurde? Die protestantisch war und Prügel als Disziplinierungsmaßnahme akzeptierte.

Erst im Alter änderte sie sich ein wenig: ohne Chanel No. 5 ließ sie sich nicht im Rollstuhl vor die Türe führen und dieser Duft wird die Tochter immer an die Mutter erinnern.

Ein großartiger Roman, der die Atmosphäre von Gefühlskälte und Distanz außergewöhnlich gut transportiert. Sprachlich ein Genuss – zu Recht nominiert für den Bayerischen Buchpreis.

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Eine Annäherung an die Mutter
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Partynächte in den 1950er

Die Party von Tessa Hadley

Bristol in den 1950er Jahren. Nachkriegszeit.

Evelyn ist ganz berauscht, sie geht zu einer Party. Sie hat sich aufregend gekleidet mit hautenger Hose, aufgetragenem Lippenstift – beim Weggehen musste sie ihr Strickkleid darüber anziehen, damit die Eltern nichts merken. Ihre ältere Schwester Moira weiß nicht, dass sie nachkommt, sie ist bereits auf der Party, die in einer verruchten Gegend, den Docks, stattfindet.

Moira ist die ältere, schillernde der beiden Schwestern, Studentin für Modedesgin an der Kunsthochschule. Evelyn studiert Französisch.

Auf der Party lernen die beiden Schwestern zwei Männer kennen – Paul und Sinden, die wohlhabend wirken. Zwei Tage später werden die beiden Schwestern von Paul wieder zu einer Party eingeladen, mit einem beeindruckenden Bentley abgeholt und in eine herrschaftliche Villa gebracht. Als sie ankommen, sitzen die Gäste schon um den Tisch, eine ganz andere Art von Party. Sie spielen das Spiel: Pflicht, Wahrheit oder Kuss.

Die Novelle, die zwei Abende der beiden Schwestern festhält, wird aus der Perspektive von Evelyn erzählt. Sobald Paul und Sinden auftauchen, weiß man, dass diese Bekanntschaft irgendwie von Bedeutung sein wird – es knistert richtig beim Lesen. Herrlich, wie es der Autorin gelingt, die Stimmungen in den jeweiligen Szenen einzufangen, ob am ersten Abend auf der Party, am nächsten Tag zu Hause bei den Eltern oder dann an jenem Abend im Haus mit Paul, Sinden und deren Gästen.

Eine dichte Geschichte auf nur 122 Seiten – sehr gelungen.

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Partynächte in den 1950er
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Eine erfrischende Biografie - wunderschön gemacht

Bertha von Suttner auf Reisen von Georg Hamann

Bertha von Suttner wurde 1843 im Palais Kinsky in Prag geboren. Sie verbrachte eine glückliche Kindheit mit ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrer Cousine, die ihre beste Freundin wurde. Mutter und Tante verprassten das Erbe beim Glücksspiel in unterschiedlichen Spielsalons in Europa.

Als sie in ihren Zwanzigern war, war vom Geld kaum mehr etwas übrig, so das sich Bertha eine Stelle suchen musste, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Sie wurde als Gouvernante bei der adeligen Familie von Suttner eingestellt. Einer der Söhne sollte später, gegen den Willen der Familie, ihr Ehemann werden.

Als die Eltern von der Zuneigung der beiden erfuhren, wurde Bertha eine andere Stelle nahegelegt: ein reicher Mann in Paris suchte eine Assistentin mit ihren Fähigkeiten. Sie erhielt die Stelle bei Alfred Nobel. Diese Verbindung sollte ihr Leben lang halten und Nobel wird auch später Berthas Friedensbewegung maßgeblich finanziell unterstützen.

Anfänglich, um sich über Wasser zu halten, schrieb sie Artikel für Zeitungen, später ihre ersten Bücher, welche damals der sogenannten Salonliteratur zugerechnet wurden, unter einem Pseudonym – die bessere europäische Gesellschaft war Thema der Salonliteratur.

Erst mit der Auseinandersetzung über Krieg und Frieden wurde sie berühmt. Kriege waren in ihrer Zeit selbstverständlich, das Sterben von Soldaten für Kaiser und Vaterland wurde nie Frage gestellt. Bertha von Suttner sah den Frieden als Alternative und schrieb darüber unter anderem in „Die Waffen nieder“. Sie engagierte sich in der Friedensbewegung, gründete die Friedensgesellschaft sowie den Verein zur Abwehr des Antisemitismus und erhielt prominente persönliche und finanzielle Unterstützung zB von Alfred Nobel, Peter Rosegger, Marie von Ebner-Eschenbach und vom Walzerkönig Johann Strauß.

Bertha von Suttner war maßgeblich beteiligt, dass Alfred Nobel einen Friedensnobelpreis stiftet und hatte damit gerechnet, diesen Preis als Erste überhaupt verliehen zubekommen – fünf Jahre musste sie aber darauf warten.

Eine Woche vor Ausbruch des 1. Weltkriegs starb Bertha von Suttner.

Ihre Biografie wird anhand von Reisen, Post- und Werbekarten erzählt. Das Buch wird mit vielen Bildern von Bertha, ihren Wegbegleiter*innen, Briefen und Karten aufgefrischt. Großartig zu lesen ist auch ihre Entwicklung vom jugendlichen, oberflächlichen und unpolitischen Mädchen, das vom Märchenprinzen träumte, durch Lesen und Lernen zu einer neuen Weltanschauung kam und sich für den Frieden einsetzte.

Was für eine erfrischende Biografie über die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, geborene Kinsky.

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Großartiger Roman über Herkunft, Klasse und Milieu der 1980er

Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher

Eine Kindheit in den 1980er Jahren in der Bundesrepublik, die an manchen Stellen an meine eigene erinnert. Vermutlich ist das der Grund, warum ich diesen Roman nicht aus den Händen legen konnte, bis die letzte Seite gelesen war.

Dass die Mutter dringend abnehmen muss, entscheidet der Vater. Weil sie ist schuld, dass er beruflich und somit gesellschaftlich nicht weiterkommt – er hat keine herzeigbare Frau.

Ela ist noch ein Kind im Volksschulalter, als sie ihre und die Geschichte ihrer Eltern aus ihrer Sicht erzählt. Ergänzt werden die Episoden mit dem reflektierten Blick der erwachsenen Daniela. Es geht um die Überforderung der Mutter, die neben zwei kleinen Kindern und einem Job in einer Fabrik auch noch ihre Mutter bei sich aufnimmt, um sie zu versorgen. Die Geschichte ist angesiedelt in einem Dorf. Die Familie lebt bei den Eltern des Mannes – alles sehr kleinbürgerlich. Die Mutter ist übergewichtig und der Vater führt Gewichtskontrollen durch, verordnet Diäten und setzt die Mutter herab, doch nichts führt zu einem schlanken Körper.

Das Übergewicht der Mutter steht nur als Synonym für patriarchale Demütigungen von Ehemännern gegenüber ihren Ehefrauen. Es ist jenes Milieu, in dem die Väter einfachen Berufen nachgehen, dort von Chefs selbst gedemütigt werden und „klein“ sind. Zuhause spielen sie den Großen und Starken, demütigen ihre Frauen, in dem jede neu gekaufte Bluse als verschwenderische Eigenschaft der Ehefrau gilt. Sie nörgeln am Essen, berufliche Ambitionen von Hausfrauen werden als lächerlich abgetan. Um ihr eigenes Ego zu polieren, kaufen sie Autos vom Geld, das eigentlich für die Familie da wäre, um nicht an allen Ecken und Enden sparen zu müssen.

Wow, ein ganz großartiger Roman, der Herkunft, Klasse und Milieu der 1980er Jahre in den Einverdiener-Haushalten richtig wiedergibt. Dieser großartige Roman sei allen ans Herz gelegt, die so wie ich in den 80er Jahren ihre Kindheit verbracht haben.

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Hab ich verschlungen - großartiger Roman

Der Traum des Jaguars von Miguel Bonnefoy

Dieser Roman hat genau das was ich mir von einer guten Geschichte erhoffe: wahre historische Fakten, eingebettet in eine Familiengeschichte mit einer starken Frau, die sich nahezu über das gesamte 20. Jahrhundert erstreckt, und alles in einer schönen Sprache.

Antonio Borjas Romero wird am dritten Tag nach seiner Geburt (1914) auf den Stiegen einer Kirche abgelegt und von einer stummen Bettlerin gefunden und aufgezogen.

Es ist jene Zeit, als in Venezuela Öl entdeckt wird und damit Land und Bevölkerung zu Reichtum und zu Wohlstand gelangen. Unverstellbar, dass Antonio einmal ein berühmter Arzt und Universitätsgründer werden wird.

Auch seine Frau Ana erlangt Berühmtheit, als erste Ärztin in dem Landesteil, in dem sie leben. Die gemeinsame Tochter, mitten in der Revolution geboren, erhält den Namen Venezuela. Die Familiengeschichte erstreckt sich über drei Generationen und ist eng mit der Entwicklung des Landes verbunden

Für mich hätte der Roman gerne einige Seiten mehr Umfang haben dürfen, so eingetaucht bin ich in diese wunderbare, atmosphärische Geschichte mit bildhaften Beschreibungen.

Unbedingte Empfehlung

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Hab ich verschlungen - großartiger Roman