Kunden em pfehlungen
Rezensionen von April1985 :
Brillant, geistreich, humorvoll
Eine Frage der Chemie von Bonnie Garmus
Eine Frage der Chemie ist eines jener Bücher, das mich unglaublich überrascht hat. Ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass sich dahinter ein weiteres großes Highlight 2022, ich würde sogar sagen Lebenslesehighlight, verbirgt.
Es sind die frühen 1960er Jahre. Von Frauen wird erwartet zu heiraten, Kinder zu bekommen, die Familie zu verpflegen und ein Leben zwischen Schönheitssalon, Diätkuren und Gartenvereinen zu führen.
Alles Dinge, die so gar nicht Elizabeth Zotts Naturell entsprechen. Elizabeth ist Chemikerin, in einer Zeit, in der man Frauen keinen wissenschaftlichen Beruf zutraut. Zwischen Laborkitteln und Reagenzgläsern fühlt sich Elizabeth wohl. Mit ihrem messerscharfem Verstand lässt sie ihre männlichen Kollegen alt aussehen. Doch dann wird Nobelpreiskandidat Calvin Evans auf Elizabeth aufmerksam und verliebt sich in sie. Und so kommt es, dass Elizabeths Leben plötzlich eine Richtung nimmt, die sie sich nie für sich vorgestellt hat.
Bonnie Garmus Debütroman hat mich wahnsinnig begeistert. Eine Frage der Chemie ist brillant, scharfsinnig, geistreich und dabei auch unglaublich humorvoll. Elizabeth Zott ist eine Protagonistin, die man nicht mehr vergisst. Eine Heldin ihrer Zeit, eine Vorreiterin, ein Vorbild für Mädchen und junge Frauen. Abgesehen von ihrer Intelligenz ist Elizabeth unangepasst, sie sagt was sie denkt und weiß sich zu wehren. Selbst als die Lebensumstände Elizabeth dazu zwingen in der Kochsendung "Essen um sechs" aufzutreten, macht Elizabeth das, was sie am besten kann - Wissenschaft vermitteln. Denn immerhin ist Kochen nichts anderes als Chemie.
Noch nie habe ich auf derart faszinierende Weise eine banale Eierspeise zubereitet und noch nie war das Aufbrühen von Kaffee ein so großes Erlebnis.
Ich habe Elizabeth mit Begeisterung durch ihre Lebensabschnitte begleitet, habe mich mit ihr über die Arroganz ihrer Umwelt geärgert, war entsetzt was Elizabeth alles erdulden musste. Genauso habe ich mich aber auch über die Geburt ihrer Tochter gefreut und es genossen zu lesen, wie Elizabeth mit den neuen Aufgaben gewachsen ist. Tatkräftige Unterstützung erhält Elizabeth von ihrer Nachbarin und Freundin Harriet, welche ich schnell lieb genommen habe. Und dann ist da auch noch Halbsieben, ein streunender Hund, welcher von Elizabeth und Calvin adoptiert wurde und der sich ganz heimlich und leise in mein Herz geschlichen hat. Der ehemalige Bombensuchhund Halbsieben hat sogar eigene Kapitel erhalten! Einfach großartig und herrlich erfrischend!
Bonnie Garmus hat mich mit ihrer Geschichte unglaublich gut unterhalten. Ihr Schreibstil ist unkompliziert und wahnsinnig flüssig zu lesen. Die Kapitel sind nicht zu lang, wodurch man das Gefühl hat durch das Buch zu fliegen. Die Handlung ist temporeich und nimmt Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.
Wenn du ein Buch über starke, kämpferische Frauen lesen willst, dann kann ich dir Eine Frage der Chemie sehr empfehlen. Und wenn nicht, dann lies das Buch trotzdem!
Fazit:
Eine Frage der Chemie ist ein großartiges Romandebüt der amerikanischen Autorin Bonnie Garmus. Die Geschichte ist brillant erzählt und liest sich trotz zahlreicher tragischer Szenen und Ereignisse sehr leicht, was vorallem an den scharfsinningen und humorvollen Dialogen und Elizabeth Zotts unangepasstem und erfrischend ehrlichem Charakter liegt. Außerdem spielt ein Hund eine Hauptrolle. Muss ich noch mehr sagen? Unbedingt lesen!
Liebe in schweren Zeiten
Das verschlossene Zimmer von Rachel Givney
An Rachel Givneys Roman hatte ich sehr große Erwartungen. Und auch wenn diese nicht alle erfüllt wurden, kann ich am Ende doch sagen, dass ich ein aufwühlendes, durch den zeitlichen Rahmen oftmals erdrückendes und sehr spannendes Buch gelesen habe.
Es ist das Jahr 1939. Die 17-jährige Marie lebt mit ihrem Vater, dem angesehenen Arzt Dominik Karski in Krakau.
Während die Menschen sich für den bevorstehenden Angriff der deutschen Nationalsozialisten auf Polen rüsten, hat Marie einen großen Herzenswunsch. Sie möchte Medizin studieren, doch ein Studium ist Frauen untersagt. Auch Maries Vater würde seine Tochter in diesen unsicheren Zeiten lieber verheiratet sehen. Und dann ist da auch noch Maries Sehnsucht nach ihrer Mutter, die sie nie kennen lernen durfte. Marie beginnt Nachforschungen anzustellen und stößt dabei auf ein kleines, verstecktes Kästchen in dem stets verschlossenen Zimmer ihres Vaters. Welche Geheimnisse hütet Dominik Karski? Warum redet er nie über Maries Mutter? Und wird es Marie gelingen ihren Traum vom Medizinstudium zu verwirklichen?
Rachel Givney hat eine fesselnde, sehr emotionale und wendungsreiche Familiengeschichte zu Papier gebracht. Das Buch liest sich wunderbar leicht und flüssig und auch der Spannungsbogen ist durchgehend hoch.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen, die sich abwechseln. Während wir in der Hautpthandlung Marie bei ihren Nachforschungen begleiten, lernen wir in einem zweiten Erzählstrang die junge Helena Kolikov kennen, welche in den 1920er Jahren als Dienstmädchen in der Apotheke von Dominik Karskis Vater arbeitet. Schnell wird deutlich, um wen es sich bei Helena handelt, umso überraschter war ich von den zahlreichen Wendungen, welche die Handlung genommen hat. Gerade die Rückblenden in die Vergangenheit hatten eine unglaubliche Sogwirkung auf mich, haben sie doch das Rätsel um das mysteriöse Verschwinden von Maries Mutter nach und nach gelüftet. Dieser Teil der Geschichte konnte mich richtig mitreißen, hat mir aber auch emotional einiges abverlangt. Ich muss allerdings auch sagen, dass es mir im Gesamten etwas zu viel an dramatischen Ereignissen war. Rachel Givney bringt unter anderem das Thema des sexuellen Missbrauches auf. Meines Erachtens wäre die Handlung auch gut ohne diese Thematik ausgekommen.
Überhaupt hat Rachel Givney einfach zu viel gewollt und das Buch mit zu vielen Nebenhandlungen vollgepackt, die es nicht gebraucht hätte. Die Rahmenhandlung rund um Maries Suche nach ihren Wurzeln war an sich schon packend genug.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Marie. Leider konnte ich ihre Bestrebungen und sehr naiven Gedanken oft nicht nachvollziehen. Marie sieht die drohende Gefahr nicht und handelt in meinen Augen zu blauäugig. Trotz aller Warnungen konvertiert sie der Liebe wegen zum Judentum und heiratet ihren Freund aus Kindertagen Ben Rosen. Und während unter den Menschen eine Aufbruchstimmung herrscht, tritt Marie spontan eine Reise an, um ihre Recherchen voranzutreiben. So wurde nicht Marie, sondern Helena Kolikov meine heimliche Heldin dieses Romans.
Trotz meiner Kritik habe ich 'Das verschlossene Zimmer' unglaublich gerne gelesen. Viele Wendungen habe ich nicht kommen sehen, mit Helena habe ich so richtig mitgefiebert und die Enthüllungen zum Schluss haben mir schier den Boden unter den Füßen weggezogen.
Wenn du gerne Familiengeheimnisromane eingebettet in einem aufwühlenden historischen Setting liest, dann kann ich dir 'Das verschlossene Zimmer' sehr empfehlen.
Fazit
'Das verschlossene Zimmer' ist ein mitreißender historischer Familienroman aus der Feder von Rachel Givney. Mit Protagonistin Marie wurde ich zwar bis zum Schluss nicht wirklich warm und meines Erachtens war das Buch im Gesamten zu vollgepackt mit Nebensächlichkeiten, die Haupthandlung rund um das Familiengeheimnis und dessen Enthüllung haben mich aber unglaublich gefesselt.
Ich kann dir das Buch auf jeden Fall empfehlen, wenn du gerne Familiengeheimnisromane liest.
Mermaids don't do homework und andere Mythen
Legend Academy, Band 1 - Fluchbrecher von Nina MacKay
Teenager Graylee ist wirklich besonders. Sie liebt Guerilla Stricken, auffallende Statement-Shirts und sie verbringt auffällig viel Zeit auf dem Polizeirevier. Als ihr ihr letzter Streich einen Schulverweis einbringt, wird sie auf ein Internat in Texas geschickt, in dem Schüler mit besonderen Bedürfnissen unterrichtet werden.
Doch anders als erwartet, entpuppt sich das Internat als Schule für Nachfahren mythischer Wesen. Unf auch in Graylee soll ein legendäres Erbe schlummern.
Nina MacKay hat mich mit ihrem Dilogieauftakt richtig begeistert. Legend Academy ist frech, bunt, magisch und unglaublich humorvoll. Die Swanlake Academy ist ein Ort, an dem sich nicht nur sprechende Kolibris tummeln - mein Herz schlägt für Iceman, Lucinda und Co. - sondern auch die Nachfahren der 7 Legenden ein und aus gehen. Walküren, Sirenen, Selkies, Odins-Söhne, Minotauren, Chimären und Gorgonen! Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Vorallem Graylee hat mich mit ihrer spitzen Zunge und ihrem Sarkasmus schnell für sich eingenommen. Und auch Mädchenschwarm Hudson wird recht schnell auf Graylee aufmerksam. Doch da ist auch noch Baker aus dem geheimnisvollen Sommercamp, der Graylee ordentlich ins Schwitzen bringt.
Zwischen frechen, wahnsinnig witzigen Dialogen und Graylees Suche nach ihrer Abstammung entwickelt sich eine ganz leichte Liebesgeschichte, die allerdings von einem alten Fluch überschattet wird. Als dann auch noch Schülerinnen verschwinden, wird es nicht nur spannend und geheimnisvoll, sondern auch richtig gefährlich.
Nina MacKay konnte mich mit ihrem Jugendbuch sehr gut unterhalten. Ich mochte die Leichtigkeit, die spritzigen Dialoge, die Fülle an Geheimnissen und, ich habs oben schon erwähnt, die Kolibris, welche die Handlung richtig schön aufgepeppt und einzigartig gemacht haben.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass wahnsinnig viele Fragen unbeantwortet geblieben sind.
Ich bin schon sehr gespannt, wo die Reise noch hingehen wird; vorallem nach dem unglaublich fiesen Cliffhanger am Ende, der mich ehrlich gesagt etwas ratlos zurück gelassen hat.
Fazit:
Die Nachfahren der 7 Legenden, ein alter Fluch, über den niemand spricht und Schülerinnen, die unter mysteriösen Umständen verschwinden.
Nina MacKay hat mich ihrem Dilogieauftakt verzaubert, begeistert und zum Lachen gebracht. Vorallem Protagonistin Graylee mit ihrem frechen Mundwerk und der Neigung in Fettnäpfchen zu treten und die ab und zu unter Zuckerschock stehenden, sprechenden Kolibries haben mein Herz erobert.
Legend Academy ist bunt, frech, spannend und sorgt für Herzklopfen. Ich hatte mir lediglich ein paar mehr Antworten gewünscht. Und auch das Ende hat mich etwas planlos zurück gelassen. Abgesehen davon gibt's eine absolute Leseempfehlung!
Punkig, polternd, pink
Marie Käferchen von Kai Lüftner
Punkig, polternd, pink! Das ist Marie Käferchen! Das Marienkäfermädchen mag es laut und wild. Ihr Herz schlägt für Rock'n Roll und ihre E-Gitarre. Ganz zum Missfallen von ihrem Papa und den anderen Wald- und Wiesenbewohnern. Doch Marie lässt sich nicht unterkriegen und sie verfolgt hartnäckig und mit Leidenschaft ihr Ziel eines Tages vor all ihren Freunden ein Konzert zu geben.
Wir lieben Marie Käferchen einfach. Kai Lüftner, den wir schon von Furzipups, den Knatterdrachen kennen, hat ein weiteres Lieblingsbuch geschrieben. Mindestens einmal am Tag verlangt meine 2 1/2-jährige Tochter, dass ich ihr Marie Käferchen vorlese. Und das gleich mehrmals hintereinander. Die Geschichte von Marie Käferchen ist aber auch einfach unglaublich toll. Es macht unglaublichen Spaß die flotten Reime zu lesen. Diese sind genauso wild und frech wie Marie selbst und ich merke, wie ich jedes Mal beim Vorlesen selber in einen gewissen Groove verfalle und mich mit den unterschwelligen Beats mitreißen lasse.
Die Illustrationen von Wiebke Rauers untermalen die herzerwärmende Geschichte von Marie perfekt. Punkig und sehr, sehr pink trifft es auf den Punkt.
Meine Tochter und ich lieben Marie Käferchen und die schöne Botschaft, die das Buch vermittelt. Lass dich nicht unterkriegen, lass dich nicht verbiegen. Sei du selbst, denn so wie du bist, bist du perfekt. Und verfolge immer mit Leidenschaft deine Ziele und Träume.
Absolute Empfehlung!
Fazit
Punkig, laut und sehr, sehr pink! Marie Käferchen lebt für den Rock'n Roll und geht nie ohne ihre E-Gitarre fort. Sie liebt es zu rocken, zu singen und zu bangen. Und sie mag es dabei richtig laut.
Meine Tochter und ich lieben das freche Käfermädchen mit ihren Träumen und Wünschen. Wir können dir das wundervoll illustrierte und in flotter Reimform geschriebene Kinderbuch sehr empfehlen.
Whisper, whisper
#London Whisper – Als Zofe ist man selten online von Aniela Ley
Für die 15-jährige Zoe geht ein riesengroßer Wunsch in Erfüllung als sie für ein Austauschjahr nach London ins Internat Dunwick House eingeladen wird. Als Zoe und ihre Freundinnen eine nicht ganz so erlaubte Party im Internat veranstalten, passiert etwas Unfassbares. Zoe wird ohnmächtig und erwacht im Jahr 1817 als Zofe der 17-jährigen Miss Lucie Arlington wieder.
Zoe, die erfolgreich als Kummerkastentante einen Instagram-Account führt, auf dem sie allerlei Tipps gibt und Ratschläge erteilt, wird gerade zur richtigen Zeit in die Vergangenheit katapultiert. Denn die schüchterne Miss Lucie soll ihr Balldebüt geben und braucht dabei dringend Hilfe. Auf dem Ball trifft Zoe auf den charmanten jungen Lord Hayden Falcon-Smith - wie sich herausstellt ebenfalls Zeitreisender. Gemeinsam versuchen Zoe und Hayden wieder in ihre Zeit zurückzukehren. Ob es ihnen gelingen wird?
Aniela Ley konnte mich bereits mit "Lia Sturmgold" begeistern, weshalb für mich klar war, dass ich auch #London Whisper lesen möchte. Außerdem hat mich der Klappentext sehr an die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier erinnert, welche bis heute eine meiner liebsten Buchreihen rund ums Zeitreisen ist. Ich war neugierig und gespannt, ob #London Whisper eventuell auch das Potenzial zum Lieblingsbuch hat. Und ja, das Potenzial ist definitiv da, auch wenn dieses meines Erachtens nicht vollständig ausgenutzt wurde. Fans von Kerstin Giers Edelstein-Trilogie werden hier aber dennoch auf ihre Kosten kommen, man sollte die beiden Buchreihen aber nicht zusehr miteinander vergleichen bzw. messen.
Ich hatte jedenfalls eine Menge Spaß mit Zoe #herzenfreundin, die nicht nur als Kummerkastentante heimlich Whisper-Whisper-Kettenbriefe verfasst, sondern auch ein riesengroßer Jane Austen-Fan ist. Als solcher findet sich Zoe in der opulenten Regency-Zeit sofort wohl. Allerdings ging mir die Anpassung von Zoe fast ein wenig zu schnell. Zoe hinterfragt mir gerade zu Beginn ihrer Zeitreise zu wenig. Sie geht sofort voll in ihrer neuen Rolle als Zofe von Miss Lucie auf. Das Zoe quer durch die Zeit gesprungen ist, scheint sie nicht besonders zu stören bzw. wundern. Hier hätte ich mir etwas mehr Realismus gewünscht. Abgesehen davon ist Zoe aber eine großartige Protagonistin. Humorvoll, schlagfertig und eine richtig tolle Freundin. Vorallem ihre Gespräche mit dem Spitz Pickelton - ja, richtig, dieser Hund kann sprechen und die Schlagabtäusche mit Hayden haben mich oft zum Schmunzeln gebracht. Und ja, man erahnt, dass sich eine leichte Liebesgeschichte abzeichnet. Allerdings wirklich nur ganz leicht und sehr, sehr jugendfrei.
Neben der wirklich süßen Dynamik zwischen Zoe und Hayden, hat mir auch die Freundschaft zwischen Zoe und Lucie unglaublich gut gefallen.
Nach dem etwas zu reibungslosen und glatten Einstieg ins Buch hat sich die Geschichte für meinen Geschmack dann doch noch in eine wunderbare Richtung entwickelt. Magisch, spannend, romantisch und humorvoll! Aniela Ley hat mich auf eine zauberhafte Zeitreise mitgenommen und mir ein sehr schönes Leseabenteuer beschert. Ich werde die Reihe auf jeden Fall im Auge behalten.
Fazit
Magisch, romantisch, humorvoll!
#London Whisper ist ein zauberhaftes Zeitreise-Abenteuer ab 12 Jahren mit vielen "Kerstin-Gier-Vibes", schlagfertigen Dialogen, einer leichten Liebesgeschichte, tollen Freundschaften und spannenden Momenten.
Wenn du ein Fan der Edelstein-Trilogie bist oder Zeitreise-Geschichte im Allgemeinen gerne hast, dann kann ich dir #London Whisper sehr empfehlen.
Very british
Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar von Robert Thorogood
In der idyllischen Kleinstadt Marlow lebt Judith Potts in einem alten, baufälligen Herrenhaus. Die exzentrische Dame ist 77 Jahre alt, alleinstehend, liebt Whisky und arbeitet mit Leidenschaft als Kreuzworträtselautorin. Als Mrs. Potts wieder einmal nackt in der Themse schwimmen geht - das macht sie regelmäßig - hört sie Schüsse auf dem Nachbargrundstück.
Sie alarmiert die Polizei, welche die Anzeige jedoch nicht all zu ernst nimmt, gibt es ja nicht einmal eine Leiche und nur die Aussage einer alten Dame. Da Mrs. Potts davon überzeugt ist, Zeugin eines schweren Verbrechens geworden zu sein, beginnt sie kurzerhand selber Fragen zu stellen und findet sich plötzlich in ihren eigenen Ermittlungen wieder.
'Mrs. Potts Mordclub und der tote Nachbar' ist der Auftakt einer Krimireihe von Robert Thorogood. Mit viel britischem Humor, Lokalcholorit, liebevoll schrägen Charakteren und einer sehr hartnäckigen Protagonistin hat mir der Autor einige wunderbare Lesestunden bereitet. Neben dem überraschend wendungsreichen Kriminalfall hat das Buch vorallem mit seinem herrlich überzeichneten Figurenkabinett bei mir gepunktet. So durfte ich neben Mrs. Potts auch Becks, die Frau des Pfarrers, welche neben ihrer Hausfrau- und Mutterrolle auch eine wilde Seite hat und Hundesitterin Suzie, deren Markenzeichen selbstgedrehte Zigaretten sind, kennen lernen. Zusammen mit Mrs. Potts gründet das charmante Trio den "Marlow Mörder Club" und trägt maßgeblich zur Aufklärung der Mordfälle bei. Dies zunächst sehr zum Missfallen von Detective Tanika Malik, die sich mit der eigenwilligen Mrs. Potts herumschlagen muss und welche ich im Übrigen auch sehr ins Herz geschlossen habe.
Robert Thorogood hat einen wirklich sehr amüsanten, schwarzhumorigen Cosy Crime mit viel englischem Charme geschrieben, in dessen Fokus die eigenwilligen Charaktere stehen. Zwar nicht ganz so scharfsinnig wie Mrs. Marple und vorallem im Mittelteil mit einigen Längen, konnte mich das Gesamtpaket dennoch überzeugen. Vorallem das Ende und die Auflösung fand ich richtig gelungen und sehr clever.
Ich habe den Reihenauftakt gerne gelesen und kann ihn dir als schnelle Lektüre für Zwischendurch sehr empfehlen.
Fazit
Wenn du 'Mrs. Potts Mordclub und der tote Nachbar' aufschlägst erwartet dich ein spannender Cosy Crime mit englischem Charme und sehr liebevollen, exzentrischen Figuren. Robert Thorogood hat einen sehr amüsanten Reihenauftakt zu Papier gebracht, der bei mir vorallem durch seine eigenwilligen Charaktere im Gedächtnis bleiben wird.
Wenn du gerne Cosy Crime liest und es "very british" magst, dann kann ich dir diesen Krimi im Stil von Mrs. Marple sehr empfehlen.
Das Manuskript
Der Gräber von Fredrik Persson Winter
Jedes Jahr am 6. November sucht sich der Gräber ein neues Opfer. Seit 6 Jahren treibt er sein Unwesen und dringt über die Keller in die Häuser ein. Genauso lange ist Kommissarin Cornelia Wreede mit den Ermittlungen betraut.
Als plötzlich ein Manuskript des seit 6 Jahren verschollenen Autors Jan Appelgren mit dem reißerischen Titel "Ich bin der Gräber" auftaucht, kommt frischer Wind in die Ermittlungen.
Der Gräber hat mich mit seiner düsteren Grundstimmung von Anfang an ziemlich gefesselt. Das Buch ist abwechselnd aus Sicht von Cornelia Wreede, sowie der Lektorin Annika Granlund geschrieben, vor deren Tür eines Tages das mysteriöse Manuskript liegt. Auch wenn für mich relativ schnell offensichtlich war, wer hinter dem Gräber steckt, habe ich die Geschichte mit Spannung verfolgt. Vorallem die kleinen Einschübe aus Sicht des Gräbers haben für Gänsehaut gesorgt.
Fredrik P. Winter hat eine richtig tolle Mischung aus Krimi, Mystery und Horror kreiert. Durch die kurzen und knackigen Kapitel, die sowohl einen Einblick in die Ermittlungsarbeit, als auch das private Leben der Protagonisten geben, ist man schnell durchs Buch geflogen.
Für mich war Der Gräber ein überraschendes Highlight - sehr atmosphärisch und düster. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
Entscheidungen
Der Papierpalast von Miranda Cowley Heller
Elle Bishop ist 50, hat drei wundervolle Kinder und einen sie über alles liebenden Ehemann. Gemeinsam mit ihrer Mutter Wallace verbringt die Familie den Sommer in ihrem Feriendomizil, dem Papierpalast am See in den Back Woods. Das war schon so als Elle noch ein Kind war. Dort hat Elle auch Jonas, ihren besten Freund aus Kindertagen, kennen und lieben gelernt.
Doch die äußeren Einflüsse haben Elle Entscheidungen abverlangt, welche die beiden getrennt haben. Und jetzt, ein halbes Leben später, verlangt Jonas wieder eine Entscheidung von Elle....
Nach einem eher überfordernden Einstieg ins Buch, hat sich vor mir nach einigen Kapiteln eine unglaublich packende und dabei sehr emotionale Familiengeschichte entblättert. Wir lernen Elle an einem schicksalsträchtigen Tag am See kennen. Am Abend zuvor ist etwas passiert, dass Elles Zukunft und die ihrer Familie für immer verändern könnte. Elle muss sich entscheiden, welchen Weg sie einschlagen möchte - wie so oft in der Vergangenheit. Während Elle in der Gegenwart mit sich hadert, tauchen wir in abwechselnden Kapiteln in die Vergangenheit ab. So lernen wir nach und nach Elles Großmutter, sowie ihre Mutter kennen. Lesen über das teilweise sehr harte Leben der Frauen, welches von Verlusten und wechselnden Männerbekanntschaften geprägt ist. Und auch Elles Kindheit und jene ihrer älteren Schwester Anna wird intensiv beleuchtet. Es sind Themen wie Krankheit, Tod, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung, die aufwühlen und erdrücken.
Ich habe Miranda Cowley Hellers Erzählstil beim Lesen als sehr intensiv empfunden. Ihre unglaublich malerischen Landschaftsbeschreibungen, die Beschreibung des Papierpalastes, des umliegenden Sees mit seiner Tier- und Pflanzenwelt sind wahnsinnig stimmungsvoll, sehr poetisch und einfach wunderschön.
Die Figuren- und Charaktergestaltung ist sehr tiefgründig und unglaublich authentisch. Die Entscheidungen von Elle konnte ich zwar nicht alle nachvollziehen, was die Handlung für mich aber noch überraschender und unvorhersehbarer gemacht hat.
Der Einstieg war wie oben erwähnt etwas schwierig. Es sind vielen Namen, die auf einem niederprasseln und die man erst zuordnen muss. Und auch die Zeitsprünge waren mir zunächst etwas zu konfus und haben mich sehr verwirrt. Nach rund 50 Seiten konnte ich dann aber einen roten Faden ausmachen und nach dem ersten Drittel entwickelt das Buch eine richtige Sogkraft. Die Erzählung wird nach einem Drittel auch ruhiger, weniger sprunghaft und konzentriert sich mehr auf Elle, ihre Mutter und Schwester. Ab diesem Zeitpunkt bin ich nur so durch die Seiten geflogen und habe gebannt und oft entsetzt die Geheimnisse, welche in den dünnen Wänden des Papierpalastes über die Jahrzehnte konserviert wurden, gelüftet.
Einzig das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Es kam für mich einfach zu schnell und ist für mich auch nicht wirklich nachvollziehbar. Andererseits lässt es Raum für Interpretationen und Spekulationen. So kann jeder für sich selber entscheiden, welchen Abschluss er gerne hätte. Ein Ende, das mich nicht ganz zufrieden stellt, aber sehr zur Geschichte passt.
Fazit:
Die Geschichte eines halben Lebens, eines Lebens voll von Entscheidungen, erzählt an einem einzigen Sommertag. 'Der Papierpalast' ist für mich ein Buch, dass sich nur schwer in Worte fassen lässt. Einerseits war ich unglaublich gefesselt, andererseits waren viele Entscheidungen unserer Protagonistin Elle für mich nicht nachvollziehbar. Vielleicht hat aber auch gerade dieses Unerwartete den Reiz für mich ausgemacht. Miranda Cowley Heller hat mich auf jeden Fall auf eine sehr emotionale und tiefgründige Reise mitgenommen, die sicher noch länger nachhallen wird. Absolute Leseempfehlung!
Aut omnia, aut nihil!
Four Houses of Oxford, Band 1 - Brich die Regeln von Anna Savas
Aut omnia, aut nihil!
Diamonds, Spades, Cross und Hearts! Vier elitäre Studentenverbindungen, die Ruhm, Macht und Einfluss versprechen. Gewinnst du das Spiel der vier Farben, gehen alle deine Wünsche in Erfüllung. Doch der Beitritt und das Spiel verlangen auch Opfer. Bist du bereit zu zahlen?
Als Harper einen Studienplatz an der Universität von Oxford erhält, geht ein großer Wunsch in Erfüllung.
Doch das ist nicht alles, denn Harper wird eingeladen den Diamonds beizutreten - einer von den vier elitären und sehr einflussreichen Studentenverbindungen, um die sich viele Geheimnisse und Gerüchte ranken. Doch in Oxford angekommen, steht plötzlich Finley vor ihr. Finley, mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat und der sie zutiefst verletzt hat. Und Finley warnt Harper eindringlich vor den Diamonds und ihrer tödlichen Magie.
Muss ich noch mehr sagen? Mich hat Four Houses of Oxford wahnsinnig begeistert. Die Handlung ist magisch, rätselhaft und gefährlich. Einmal angefangen konnte ich mich dem Buch nicht mehr entziehen und habe es dann auch in einem Rutsch durchgelesen. Anna Savas hat aber auch einen unglaublich einnehmenden und leicht zu lesenden Schreibstil, durch den man sehr schnell vorankommt beim Lesen.
Das Buch ist abwechselnd aus Sicht von Harper und Finley geschrieben, die beide einer anderen Studentenverbindung angehören. Beide stehen sich in dem magischen Spiel, das mit jeder Aufgabe gefährlicher wird, als Kontrahenten gegenüber und verfolgen jeweils eigene Ziele. Doch da ist auch diese Anziehung und das Prickeln, wenn sich die beiden treffen. Während des Spieles ist es den Teilnehmern jedoch strengstens untersagt, auch nur Freundschaft mit dem Gegner zu schließen. Naja, man kann sich wahrscheinlich denken, in welche Richtung sich die Beziehung entwickelt. Abgesehen vom romantischen Part habe ich den Dilogieauftakt aber als unglaublich wendungsreich und unvorhersehbar wahrgenommen. Das Spiel der Vier Farben hat mich ziemlich viele Nerven gekostet. Vorallem das Ende ist einfach unverzeihlich. Ein richtig fieser, gemeiner Cliffhanger!
Da es wie gesagt ein Reihenauftakt ist, sind auch viele Fragen noch unbeantwortet geblieben. Umso mehr freue ich mich jetzt schon auf die Fortsetzung.
Fazit:
Vier mächtige Studentenverbindungen, gefährliche Magie, ein Spiel, bei dem es viel zu gewinnen, aber alles zu verlieren gibt und eine verbotene Liebe!
Anna Savas' Dilogieauftakt hat mich ab der ersten Seite gefesselt. Four Houses of Oxford ist ein wendungsreicher Pageturner, bei dem man nur so durch die Seiten fliegt. Aber Achtung: Am Ende erwartet dich ein richtig fieser Cliffhanger, man hat mehr Fragen als einem lieb ist und der Kopf schwirrt.
Von mir gibt's eine absolute Leseempfehlung, vorallem wenn du gerne Romantasy mit Dark Academia-Vibes liest.
Ein Katz- und Maus-Spiel
Thirteen von Steve Cavanagh
Hollywood hält den Atem an, denn der aufstrebende Schauspieler Bobby Solomon soll seine Frau und deren Liebhaber brutal ermordet haben. Die Beweislast ist erdrückend. Solomon beteuert allerdings seine Unschuld. Bevor der größte Mordprozess Hollywoods beginnt, holt Solomons Verteidigung den New Yorker Anwalt Eddie Flynn ins Boot.
Eddie, der eigentlich eher "den kleinen Mann von der Straße" vertritt, ist von Solomons Unschuld überzeugt und er erkennt bald, dass der wahre Täter mit im Gerichtssaal sitzt.
Thirteen ist ein Thriller, der mich restlos begeistern konnte. Ein Pageturner von der ersten bis zur letzten Seite mit vielen kleinen Cliffhangern, die es einem schier unmöglich machen das Buch aus der Hand zu legen. Was sich mir hier geboten hat, ist ein nervenaufreibendes Katz- und Maus-Spiel zwischen Strafverteidiger und Täter.
Das Besondere an Steve Cavanaghs Justizthriller ist, dass man von Anfang an weiß, wer die Morde begangen hat. Gleich zu Beginn lernen wir nämlich Joshua Kane kennen und wir erleben wozu er fähig ist. Joshua Kane ist das personifizierte Böse. Hochintelligent, brutal und er verfolgt einen ganz speziellen Plan. Und er ist es auch, der als Geschworener in der Jury sitzt und versucht das Gerichtsverfahren zu beeinflussen.
Sowohl Eddie Flynn, als auch Joshua Kane, aus deren Perspektiven wir abwechselnd lesen, sind unglaublich greifbare Protagonisten. Vorallem zu Eddie Flynn konnte ich schnell einen Bezug aufbauen, was auch daran liegt, dass wir bei ihm aus der Ich-Perspektive lesen. Außerdem ist Eddie einfach herrlich normal, sprich am Boden geblieben. Er ist ein Mann, dessen Privatleben alles andere als perfekt ist. Seien es der tägliche Kampf gegen seine Alkoholsucht, die durch seinen Beruf in die Brüche gegangene Ehe - Eddie schleppt seine Dämonen mit sich herum. Doch genau diese Ecken und Kanten haben mir den Anwalt so sympathisch gemacht.
Doch auch Joshua Kane ist sehr greifbar dargestellt. Joshua ist ein brutaler Serienkiller. Wir erleben die Morde, lesen wie er bis ins kleinste Detail seine abgrundtief bösen Pläne in die Tat umsetzen, was er dabei denkt und fühlt. Joshua Kane hat mein Nervenkostüm ordentlich strapaziert.
Das Duell, dass sich Eddie Flynn und Joshua Kane liefern ist nervenaufreibend und rasant und wird gegen Ende auf die Spitze getrieben.
Ich habe schon lange keinen Thriller mehr gelesen, der mich derart gefesselt hat, obwohl man den Mörder von Anfang an kennt. Thirteen ist ein Thriller, bei dem es eben nicht um das "Wer war es?" sondern das "Warum?" geht. Richtig genial und absolut zu empfehlen!
Fazit
Unglaublich fesselnd, rasant und mit vielen kleinen Cliffhangern! Das Besondere: Der Mörder ist bekannt und er sitzt in der Jury.
Thirteen ist ein raffinierter Justizthriller der Eddie Flynn-Reihe, den man aber bedenkenlos als Einzelband lesen kann.
Für Thriller-Fans ein Must-Read!











