Kunden em pfehlungen
Rezensionen von April1985 :
Teufelsstarker Hörspaß
Lucy Hell von Britta Sabbag
Ich habe "Lucy Hell – Immer brav sein ist die Hölle" als Hörbuch gehört und hatte damit richtig viel Spaß.
Lucy will ihrem Vater Lucifer und dem Höllenrat beweisen, dass auch ein Mädchen absolut für den Chefposten als Teufel geeignet ist. Also reist sie kurzerhand in den 10.
Stock – sprich: in die Menschenwelt. Und dort wird es ziemlich schnell herrlich chaotisch.
Besonders mochte ich den episodischen Aufbau. Lucy stolpert gemeinsam mit ihrem dämonischen Freund Schnups von einer schrägen Situation in die nächste und genau diese kleinen Abenteuer haben für mich wunderbar funktioniert.
Schnups hat mein Herz dabei im Sturm erobert. Er weiß einfach absolut nicht, wann es sich vielleicht lohnen würde, einfach mal nichts zu sagen – und genau deshalb sind seine Kommentare so herrlich.
Dann ist da noch Gabriel. Und ja … bei dem Namen kann man sich eigentlich schon denken, welche Rolle ihm zugedacht ist. Einfach zu gut, um wahr zu sein.
Auch die vielen schrägen Namen und kleinen Wortspiele haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Ich fand außerdem, dass sich die Geschichte sehr gut als Hörbuch eignet. Die Sprecherin Derya Akyol hat die freche, leichte Stimmung für mich passend eingefangen und ich konnte ihr wunderbar folgen.
Für mich ist "Lucy Hell" ein frecher, chaotischer und sehr unterhaltsamer Reihenauftakt mit viel Humor und Girlpower.
Einfach Teufelsstark – und ich freue mich auf mehr von Lucy, Schnups und Co.
Feenschuhe, Geister und mysteriöse Portale
Ein Haus aus Salz und Tränen von Erin A. Craig
Meine Gedanken:
Manche Geschichten funktionieren für mich einfach besser als Hörbuch.
Ein Haus aus Salz und Tränen war genau so eine. Ich habe ungefähr ein Viertel gelesen und bin dann auf das Hörbuch gewechselt. Beim Lesen war mir die Geschichte anfangs etwas zu langsam. Als Hörbuch hat mich das deutlich weniger gestört, weil die düstere Atmosphäre und die ganze Stimmung viel stärker bei mir angekommen sind.
Und genau diese Atmosphäre ist für mich auch eine der größten Stärken des Buches.
Salz. Meer. Wind. Dunkle Häuser. Geistererscheinungen. Feste, die zu schön wirken, um wahr zu sein.
Ich hatte diese Insel sehr schnell vor Augen.
Von Feenschuhen, Portalen und Göttern:
Ein Haus aus Salz und Tränen ist angelehnt an das Grimm-Märchen Die zertanzten Schuhe – und diese märchenhaften Elemente haben für mich richtig gut funktioniert.
Dazu kommen Götter, Geister und mysteriöse Portale, durch die die Schwestern in eine andere Welt voller Feste und rauschender Bälle gelangen.
Gerade diese Mischung aus Märchen und Gothic-Fantasy mochte ich sehr.
Es fühlt sich gleichzeitig wunderschön und falsch an. Und genau das sorgt für diese unterschwellige Gruselstimmung.
Annaleigh und ihre Schwestern:
Annaleigh mochte ich sehr gerne. Sie hält sich mit ihrer Meinung nicht zurück, ist mutig und lässt sich von den mysteriösen Todesfällen in ihrer Familie nicht einfach abspeisen.
Ihre Schwestern blieben für mich hingegen – bis auf das Nesthäkchen Verity – etwas blass. Ich hatte gerade am Anfang Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten.
Allerdings muss ich auch sagen: Für die Geschichte selbst war das nicht unbedingt ein großes Problem. Nicht jede Schwester musste für mich gleich viel Raum bekommen.
Annaleigh hingegen trägt die Handlung sehr gut. Sie hinterfragt. Sie ermittelt. Und sie will wissen, was wirklich passiert ist.
Gerade dieser Mystery-Anteil hat mir viel Spaß gemacht.
I ♥️ Cassian und Fisher:
Und dann sind da noch Cassian und Fisher.Die beiden haben es mir ebenfalls angetan. Der eine ist ein einziges Geheimnis. Der andere fühlt sich an wie ein Freund zum Pferdestehlen.
Natürlich fragt man sich irgendwann unweigerlich, ob einer von beiden etwas mit den Todesfällen zu tun haben könnte. Wobei ich persönlich relativ früh eine ziemlich klare Theorie hatte, wer wohl wirklich dahintersteckt. Trotzdem war der Weg dorthin spannend genug, dass ich weiterwissen wollte.
Und irgendwann war selbst ich mir nicht mehr ganz sicher, ob meine eigene Theorie wirklich stimmt.
Was ist real?
Für mich wurde die Geschichte immer dann am stärksten, wenn Realität und Illusion ineinander verschwimmen.
Was ist wirklich passiert? Was sieht nur Annaleigh? Was ist Wahnsinn – und was Magie?
Ab einem gewissen Punkt konnte man sich auf kaum noch etwas verlassen. Und genau da hat mich die Geschichte richtig gepackt.
Die Geistererscheinungen, die Ermittlungen rund um die Todesfälle und die Frage, ob wirklich ein Fluch über der Familie liegt, haben für mich sehr gut funktioniert.
Ein bisschen weniger Ball hätte gereicht:
Ganz ohne Längen kommt die Geschichte für mich allerdings nicht aus. Hundert Seiten weniger hätten wahrscheinlich nicht geschadet. Gerade im Mittelteil verliert sich die Handlung für meinen Geschmack etwas zu stark in den Bällen, Kleidern und rauschenden Festen. Natürlich gehören diese Szenen zum Märchenmotiv der zertanzten Schuhe. Aber irgendwann hätte ich mir einfach wieder mehr Fokus auf die Todesfälle, den Fluch und Annaleighs Ermittlungen gewünscht.
Das Hörbuch hat mir hier wirklich geholfen, weil mich die Atmosphäre trotzdem weitergetragen hat.
Wie klang die Geschichte?
Als Hörbuch hat Ein Haus aus Salz und Tränen für mich deutlich besser funktioniert als beim Lesen.
Gerade die düstere, maritime Stimmung, die Geistererscheinungen und die langsam zunehmende Unsicherheit kamen beim Hören viel stärker bei mir an.
Ich hatte das Gefühl, mich leichter auf die Atmosphäre einlassen zu können und weniger über das eher gemächliche Tempo nachzudenken.
Für mich war das definitiv eine Geschichte, die durchs Hören gewonnen hat.
Was bleibt?
Ein Haus aus Salz und Tränen hat mich vor allem mit seiner Atmosphäre bekommen.
Eine Insel, die vom Meer und Salz lebt. Eine Familie, die immer mehr Schwestern verliert. Geister. Götter. Feenschuhe. Mysteriöse Portale.
Und die Frage, ob das, was Annaleigh sieht, wirklich real ist.
Die Geschichte hätte für mich etwas gestrafft werden dürfen und einige der Schwestern blieben ziemlich blass.
Aber gerade die märchenhaften Elemente, die Mystery-Ebene und das immer stärkere Verschwimmen von Wahnsinn, Illusion und Realität haben für mich richtig gut funktioniert.
Düster, märchenhaft und schön unheimlich.
Vier Eulen für Salz, Geister, märchenhafte Portale und eine Geschichte, bei der irgendwann selbst die Realität ins Wanken gerät.* ????????????
Ein lebendiges Haus, ein tödlicher Fluch und genau die richtige Portion Witchy Cozy
Die Hexen vom Honeysuckle House von Liz Parker
Meine Gedanken:
Die ersten Seiten gelesen – und ich hatte direkt dieses wohlig warme Gefühl. "Die Hexen vom Honeysuckle House" versprüht einen ganz besonderen Zauber. Und das, obwohl über allem ständig dieser Fluch schwebt: Alle 13 Jahre fordert er ein Todesopfer. Immer am 13.
Oktober. Immer an Florence’ Geburtstag. Genau diese Mischung aus cozy, witchy Atmosphäre und düsterer Bedrohung habe ich geliebt.
Honeysuckle House lebt:
Mein vielleicht größtes Highlight ist Honeysuckle House selbst. Denn es ist eine eigene Protagonistin. Das Haus beobacht und reagiert auf seine Besucher. Manchmal treibt es mit seinen Bewohnern und Gästen auch einfach ein bisschen Schabernack.
Genau diese kleinen Momente geben Honeysuckle House so unglaublich viel Persönlichkeit. Ich liebe Geschichten, in denen Gebäude mehr sind als bloße Kulisse sind. Und dieses Haus hat für mich ganz eindeutig eine eigene Seele. Es lebt.
Cozy, witchy und wunderbar detailverliebt:
Und dann wäre da natürlich die Magie. Ich liebe, wie cozy sich Hexerei in diesem Buch anfühlt. Kerzenziehen, Zaubersprüche, Steine, Turmaline, Quarze und Tarotkarten – nichts davon wirkt aufgesetzt oder wie bloße Dekoration. Die Magie gehört ganz selbstverständlich zum Alltag der Figuren und fühlt sich warm, bodenständig und heimelig an. Practical Magic.
Dazu kommt ein zauberhafter Buchladen, der für mich ebenfalls diesen ganz besonderen Wohlfühlcharakter hat. Bücher, Magie, Kerzenlicht und das Gefühl, dass sich in jeder Ecke etwas Verzaubertes verbergen könnte. .
Das Mysterium um die Todesfälle:
Was das Buch für mich aber wirklich zum Pageturner gemacht hat, ist das Mysterium um die Todesfälle. Alle 13 Jahre. Immer an Florence’ Geburtstag. Und jedes Mal bleibt die Frage: Was steckt wirklich dahinter? Warum wiederholt sich alles? Was ist damals passiert? Und lässt sich dieser Kreislauf überhaupt durchbrechen?
Gerade diese Fragen haben dafür gesorgt, dass ich immer weiterlesen wollte. Die Geschichte lebt für mich ganz stark von diesem Kontrast: Auf der einen Seite möchte ich mich in Honeysuckle House einkuscheln und mich von all der Magie verzaubern lassen, auf der anderen Seite wartet da ein jahrzehntealter Fluch. Cozy? Ja. Aber eben auch ziemlich mörderisch.
Zurück in die Vergangenheit:
Besonders spannend fand ich die Zeitsprünge. Wir bleiben nicht nur in der Gegenwart, sondern reisen auch in die 1960er- und 1990er-Jahre zurück. Dadurch lernen wir frühere Generationen kennen und erfahren Stück für Stück, was sich damals abgespielt hat. Und manches davon ist wirklich heftig.
Wir erleben die Auswirkungen mancher Handlungen und sehen, was innerhalb der Familie passiert ist. Nach und nach entsteht aus einzelnen Ereignissen ein deutlich größeres Bild. Ich liebe Geschichten, in denen Geheimnisse über mehrere Generationen hinweg miteinander verbunden sind.
Mehr als nur Schwestern und ein Familienfluch:
Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet hatte, waren die traumatischen Ereignisse, die im Laufe der Geschichte immer mehr Raum einnehmen. Denn "Die Hexen vom Honeysuckle House" erzählt letztlich von so viel mehr als nur von Schwestern, Magie und einem Fluch.
Es geht um Familie, um Probleme innerhalb einer Familie, um Verletzungen, die nicht einfach verschwinden, um Erwartungen, Geheimnisse und Dinge, über die viel zu lange geschwiegen wurde. Gerade durch die verschiedenen Zeitebenen wird deutlich, wie sehr frühere Generationen das Leben der nächsten prägen können.
Auch Queerness spielt eine Rolle, ebenso wie traumatische Erfahrungen in der Kindheit. Damit hatte ich bei dieser cozy wirkenden Geschichte nicht unbedingt gerechnet.
Tarotkarten als Kapitel:
Auch der Aufbau des Buches hat perfekt zu dieser Geschichte gepasst. Jedes Kapitel ist einer Tarotkarte gewidmet – und ich liebe solche kleinen Details.
Es passt nicht nur optisch perfekt zur witchy Atmosphäre, sondern verstärkt auch dieses Gefühl, dass Schicksal, Deutung und Vorahnung ständig über allem schweben. Was bedeutet die Karte? Was kündigt sie an? Ist sie eine Warnung, ein Hinweis oder versteht man ihre Bedeutung vielleicht erst später? Für mich macht genau so etwas ein Buch noch atmosphärischer.
Stars-Hollow-Vibes mit Haunted-House-Twist:
Vom Gefühl her hatte ich beim Lesen immer wieder richtige Stars-Hollow-Vibes. Eine kleine Stadt, eigenwillige Bewohner, viel Gemeinschaft und ein Ort, der sofort einen ganz eigenen Charakter bekommt. Nur dass über dieser Version von Stars Hollow eben zusätzlich ein jahrzehntealter Todesfluch liegt.
Ich mochte diese Mischung unglaublich gerne. Denn "Die Hexen vom Honeysuckle House" ist für mich weder reine Cozy Fantasy noch klassischer Horror. Es nimmt von beidem etwas. Gemütlichkeit und Bedrohung existieren hier gleichzeitig. Es ist cozy, witchy und gruselig genug, dass man immer wieder daran erinnert wird: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.
Was bleibt?
Ein lebendiges Haus. Ein magischer Buchladen. Kerzen, Kristalle, Tarotkarten und Zaubersprüche. Frauen mehrerer Generationen. Dunkle Familiengeheimnisse. Traumatische Erfahrungen. Queerness. Ein Fluch, der alle 13 Jahre ein Todesopfer fordert. Und ein Geburtstag, der immer näher rückt.
"Die Hexen vom Honeysuckle House" hat für mich genau diese Mischung, die ich bei Witchy Reads liebe: cozy genug zum Einkuscheln, düster genug zum Miträtseln und mysteriös genug, dass man immer noch ein Kapitel weiterlesen möchte. Gleichzeitig steckt unter der warmen, magischen Oberfläche deutlich mehr, als ich anfangs erwartet hatte.
Es geht nicht nur darum, einen Fluch zu brechen. Es geht um Familie, darum, was Familien einander antun können, darum, was verschwiegen wird und wie lange alte Verletzungen nachwirken können.
Vor allem Honeysuckle House selbst hat es mir angetan. Dieses Haus hat Charakter, Humor, Geheimnisse – und eine Seele. Zusammen mit dem Murder Mystery rund um die Todesfälle entsteht daraus eine Geschichte mit richtig großer Sogwirkung.
Cozy, witchy, geheimnisvoll – und überraschend emotional und düster.
???????????????????? / 5
Fünf Eulen für Tarotkarten, dunkle Familiengeheimnisse und ein Haus, in das ich trotz Fluch vermutlich sofort einziehen würde. ????️????????
Leise Geschichten, große Wirkung
Guten Morgen, schönes Wetter heute von Tanja Kokoska
Mir haben die kleinen Geschichten aus dem Alltag der Bewohner der Siedlung „Am Kastanienbaum“ unglaublich gut gefallen. Alles ist wunderbar unaufgeregt erzählt und trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, dass hinter jeder Tür ein eigenes kleines Leben wartet. Mit Sorgen, Träumen, Ängsten und Hoffnungen.
Manche laut, andere ganz still und einsam.
Besonders mochte ich, wie sich die Wege der Figuren immer wieder kreuzen. Menschen, die zunächst kaum etwas miteinander zu tun haben, begegnen sich plötzlich – manchmal nur für einen Moment – und beeinflussen damit den Verlauf eines anderen Lebens. Das hatte für mich etwas von einem Butterfly Effect. Was wäre passiert, wenn Ina die Wohnung nur ein paar Minuten früher verlassen hätte? Wenn jemand einen anderen Weg genommen hätte? Wenn diese eine Begegnung nie stattgefunden hätte?
Gleichzeitig weiß man die ganze Zeit, dass unter diesem ruhigen Alltag buchstäblich eine Bombe tickt. Man wartet darauf, dass etwas passiert, und beobachtet währenddessen einfach das Leben.
Genau darin lag für mich der besondere Charme des Romans. Es braucht keine große Action. Die kleinen Begegnungen, Zufälle und Geschichten der Bewohner tragen das Buch völlig. Der Roman erzählt von Menschen, die nah beieinander leben und sich trotzdem oft fremd bleiben – und davon, wie schnell daraus plötzlich Verbundenheit entstehen kann.
Was bleibt?
Ein warmes, leises Buch über Nähe, Einsamkeit und die kleinen Zufälle, die Menschen zusammenbringen.
Manchmal braucht es gar kein großes Ereignis, damit sich etwas verändert. Manchmal reicht eine Begegnung zur richtigen Zeit.
???????????????? / 5
Ein tolles Buch, das zeigt, wie viel Geschichte in einem ganz normalen Alltag stecken kann.
Dämonen, Seelenhandel und eine Tension, die heißer brennt als jeder Spice.
Reap & Sow von Charlotte B. Plumb
Worum geht es?
Eda Shaw ist eine Seelenhändlerin.
Durch einen Pakt an den Dämon Mr Night gebunden, müssen sie und ihre Brüder Menschen finden, die bereit sind, ihre Lebensjahre gegen ihre tiefsten Wünsche einzutauschen. Nur noch zehn Jahre fehlen, dann wäre die Schuld der Familie endlich beglichen.
Die Freiheit scheint zum Greifen nah.
Doch dann fliegen die Geschwister auf. Edas Brüder werden wegen des Paktierens mit Dämonen festgenommen, während Eda fliehen kann.
Um ihre Brüder vor der Hinrichtung zu retten, bleibt ihr nur eine Möglichkeit: Sie muss selbst einen Pakt mit einem Dämon eingehen. Und dieser Dämon ist Kit’rath. Gerissen, gefährlich, unberechenbar.
Meine Gedanken:
Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt.
Dämonen. Seelenhandel. Spiegel, die als Portale in eine Anderswelt führen. Das Spiel mit dem Verbotenen und die Frage, wie weit ein Mensch gehen würde, wenn die Verzweiflung groß genug ist. Genau diese Mischung hat mich sofort fasziniert.
Denn eigentlich wissen die Menschen, dass ein Handel mit einem Dämon niemals ohne Konsequenzen bleibt. Trotzdem lässt sich immer jemand darauf ein. Man weiß, dass etwas falsch ist – und trotzdem kann Verzweiflung uns Menschen zum Narren machen. Genau darauf basiert das Geschäft von Eda und ihren Brüdern. Nicht einmal freiwillig, sondern aufgrund einer Schuld, die sie von ihrem Vater geerbt haben.
Und allein diese Ausgangslage hatte mich schon komplett.
Eda – Wölfin im Schafspelz:
Ich liebe Eda. Mehr muss ich eigentlich gar nicht sagen. Ja, sie trifft fragwürdige Entscheidungen. Ja, bei manchen davon möchte man sie vermutlich kurz schütteln.
Aber ich verzeihe es ihr. Eda ist tough, willensstark und bereit, unglaublich große Opfer zu bringen, um ihre Brüder zu retten. Gleichzeitig ist sie keine makellose Heldin. Sie kennt die dunklen Seiten von Blackbridge und hat selbst lange genug mit ihnen gearbeitet. Und genau deshalb fand ich sie so spannend. Eda ist keine klassische Heldin – und möchte wahrscheinlich auch gar keine sein.
Kit – Dämon mit Allüren:
I am obsessed with this demon!
Ja. Ich bin offiziell ein Kit-Fangirlie. Kit ist einfach kein typischer Klischeedämon. Er ist erfrischend anders, hat Stil und liebt Mode, Musik und Tanz. Und ganz ehrlich? Ich habe ihn dafür gefeiert. Noch besser wird es durch seinen ganz besonderen Sidekick. Da warten einige wirklich unterhaltsame Gespräche. Aber so charmant und exzentrisch Kit auch wirkt: Man darf nie ganz vergessen, was er ist. Ein Dämon.
Und genau diese Mischung aus gefährlich, unberechenbar und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam hat bei mir hervorragend funktioniert.
Tension statt Spice:
Die Dynamik zwischen Eda und Kit ist für mich ganz großes Kino. Der Banter. Die Wortgefechte. Diese ständige Spannung.
Ich hatte Herzklopfen. Dabei ist die Geschichte eigentlich gar nicht besonders spicy. Aber braucht es hier überhaupt mehr?
Für mich nicht. Denn die Atmosphäre zwischen den beiden ist feurig heiß, ohne dass ständig etwas passieren muss.
Blicke, Worte und kleine Momente reichen vollkommen. Manchmal ist Tension eben einfach heißer als jede explizite Szene.
Blackbridge:
Und dann diese Welt. Düster. Nebelig. Bedrohlich. Blackbridge ist ein Schmelztiegel aus dunklen Machenschaften, Verrat und Lügen. Dabei sind längst nicht nur die Dämonen das Problem. Teilweise sind die Menschen mindestens genauso schlimm. Jeder scheint nur auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Macht, Gier und Reichtum bestimmen vieles – und selbst die Ordenshüter und der Bischof sind davon nicht ausgenommen.
Die Kirche spielt eine tragende Rolle im Kampf gegen alles, was sie als ungläubig oder verboten betrachtet. Und natürlich steckt noch deutlich mehr dahinter.
Ich hatte beim Lesen sofort Bilder im Kopf:
Dunkle, verwinkelte Gassen. Pflastersteine. Düstere Straßenlaternen, die lange Schatten an die Häuser werfen. Viktorianisch anmutende Gebäude neben heruntergekommenen Ladengeschäften. Und über allem thront die Heilige Kirche.
Genau so muss Worldbuilding für mich funktionieren. Nicht einfach nur als Kulisse, sondern so, dass ich das Gefühl habe, selbst durch diese Straßen zu laufen.
Gewichtige Enthüllungen & dunkle Machenschaften:
Auch erzählerisch verliert das Buch für mich kaum Zeit. Die Geschichte wird in einem ziemlich rasanten Tempo erzählt und die ersten Twists lassen nicht lange auf sich warten. Ich war ab den ersten Kapiteln gefesselt. Intrigen, Verrat, Machtspiele und neue Enthüllungen sorgen immer wieder dafür, dass man hinterfragen muss, wem überhaupt zu trauen ist.
Und natürlich wollte ich vor allem wissen, was hinter Mr Night, Kit, der Kirche und Edas Familiengeschichte wirklich steckt.
Ich konnte einfach nicht aufhören, mit Eda und Kit mitzufiebern.
Schreibstil:
Auch sprachlich hat mich Reap & Sow komplett bekommen. Charlotte B. Plumb schreibt sehr einnehmend und gleichzeitig unglaublich bildhaft. Dieses Buch hat mir eine richtige Bilderflut beschert. Ich konnte Blackbridge sehen. Den Nebel. Die Gassen. Die Spiegel. Die dunklen Häuser. Diese ganze Welt fühlte sich für mich lebendig und greifbar an.
Und gerade zusammen mit dem schnellen Tempo hat das dafür gesorgt, dass ich nur so durch die Geschichte geflogen bin.
Was bleibt?
Highlight! Reap & Sow hatte einfach so viele Dinge, die genau mein Beuteschema treffen.
Dämonen. Seelenhandel. Verbotene Magie.
Eine düstere Stadt voller Lügen und Korruption.
Eine toughe, moralisch graue Protagonistin.
Und Kit. Vor allem Kit. ????
Die Chemie zwischen Eda und ihm hat mich komplett bekommen, obwohl das Buch gar nicht viel Spice braucht. Der Banter, die Tension und diese unglaublich dichte Atmosphäre haben vollkommen gereicht.
Dazu kommen rasante Wendungen, ein faszinierendes Worldbuilding und ein Schreibstil, der mir Blackbridge direkt vor Augen gezaubert hat.
Ich war von der ersten Seite an drin – und wollte nicht mehr raus.
???????????????????? / 5
Spice: ???????? / 5
Chemie: ✨✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????????????? / 5
Fünf Eulen für Dämonen, dunkle Pakte, eine Stadt voller Geheimnisse und einen Dämon, bei dem ich offenbar freiwillig jede Vernunft an der Tür abgegeben habe. ????????✨
Dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Schwester, die besser tot geblieben wäre
And The River Drags Her Down von Jihyun Yun
Worum geht es?
Soojin kennt die Regeln ihrer Magie eigentlich genau: Bringe niemals etwas zurück, das größer ist als deine Handfläche. Doch diese Regel war leichter einzuhalten, bevor ihre Schwester Mirae im Fluss ertrank.
Von Trauer und Einsamkeit überwältigt, nutzt Soojin die Magie ihrer Vorfahren und holt Mirae zurück zu den Lebenden.
Zunächst scheint es tatsächlich wie ein Wunder. Doch Mirae verändert sich. Sie wird rastlos, zunehmend unheimlich und entwickelt einen immer stärkeren Hunger nach Rache. Gleichzeitig wird die kleine Küstenstadt von heftigem Regen und ungewöhnlichen Todesfällen heimgesucht.
Und irgendwann muss sich Soojin fragen: Ist die Schwester, die sie zurückgebracht hat, wirklich noch dieselbe?
Meine Gedanken:
Ich bin ein großer Fan von fernöstlich geprägten Mythen und Geschichten, weil sie für mich einfach immer eine ganz besondere Atmosphäre mitbringen. Und auch hier hat genau das richtig gut funktioniert.
Der Geister- beziehungsweise Wiedergänger-Mythos hat der Geschichte etwas Unheimliches gegeben. Dazu kommen einzelne Szenen, die durchaus für Grusel und auch ein bisschen Ekel sorgen. Gerade diese Mischung aus Trauer, Magie und etwas, das eigentlich nicht mehr in die Welt der Lebenden gehört, mochte ich sehr.
Wenn Tote nicht tot bleiben:
Für mich lag die größte Stärke ganz klar in der Idee hinter Miraes Rückkehr.
Soojin handelt aus Liebe und Verzweiflung. Sie kann ihre Schwester nicht gehen lassen – und genau dadurch setzt sie etwas in Gang, das sie nicht mehr kontrollieren kann. Ich mochte diesen Gedanken sehr: Wie weit würde man gehen, um einen geliebten Menschen zurückzubekommen? Und was passiert, wenn man genau das bekommt, was man sich gewünscht hat – nur eben nicht so, wie man es sich vorgestellt hat?
Gerade die Themen Trauer und Loslassen funktionieren dadurch sehr gut und geben dem Horror etwas Emotionales.
Soojin:
Soojin hat es mir bis zum Ende hin nicht leicht gemacht. Ich konnte bei ihr einfach kaum Entwicklung erkennen. Kein echtes Reflektieren, kein Innehalten, sondern immer wieder impulsive Entscheidungen, die für mich nur schwer nachvollziehbar waren.
Natürlich verstehe ich, dass ihre Trauer sie antreibt und dass sie ihre Schwester um jeden Preis zurückhaben will. Aber irgendwann hätte ich mir gewünscht, dass sie sich ernsthaft mit den Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzt. Stattdessen stolpert sie für meinen Geschmack zu oft von einer fragwürdigen Entscheidung in die nächste. Gerade deshalb war ich umso froher, dass Mark Moon an ihrer Seite war. Ihn mochte ich wirklich total gerne. Er ist ruhig, loyal und bleibt Soojin auch dann zur Seite, wenn sie es ihm nicht leicht macht. Für mich war er der emotionale Gegenpol zu ihrem impulsiven Wesen.
Familienmythen & Wiedergeburt:
Wunderbar fand ich die eingestreuten Geschichten und Familienmythen rund um Wiedergeburt und Auferstehung.Besonders hängen geblieben ist mir die fiktive Erzählung von dem Huhn, das immer wieder zum Leben erweckt wurde, um das Volk zu nähren. Diese Vorstellung fand ich gleichzeitig faszinierend, märchenhaft und ein bisschen unheimlich.
Genau solche kleinen Geschichten geben der Familienmagie für mich zusätzliche Tiefe. Sie wirken nicht wie bloße Erklärungen, sondern wie Überlieferungen, die über Generationen weitergetragen wurden. Und genau das mag ich an solchen Geschichten so sehr: alte Regeln, Familiengeheimnisse und die Frage, was passiert, wenn man Grenzen überschreitet, die besser unangetastet geblieben wären.
Grusel mit angezogener Handbremse:
So sehr mir die Grundidee gefallen hat, ganz gepackt hat mich der Horror allerdings nicht immer. Es gibt definitiv Szenen, die unangenehm, eklig oder richtig schön unheimlich sind. Aber insgesamt war mir Mirae stellenweise einfach "zu nett".Bei einem Wiedergänger, der langsam von Rache zerfressen wird, hätte ich mir noch etwas mehr Bedrohlichkeit gewünscht. Mehr dieses Gefühl: Da ist zwar noch deine Schwester – aber irgendetwas stimmt ganz und gar nicht mit ihr. Genau dieses Unbehagen war zwar vorhanden, hätte für meinen Geschmack aber noch stärker sein dürfen.
Etwas zu vorhersehbar:
Auch die Entwicklung der Schwestern fand ich irgendwann etwas vorhersehbar.Einige Wendungen und Enthüllungen konnte ich relativ früh erahnen. Dadurch hat mich die Geschichte emotional zwar weiterhin erreicht, aber die großen Überraschungsmomente blieben für mich etwas aus. Das fand ich schade, weil die Ausgangsidee wirklich viel Potenzial hat.
Trotzdem wollte ich wissen, wohin Miraes Rache führt und welche Konsequenzen Soojins Entscheidung am Ende haben wird.
Was bleibt?
And the River Drags Her Down hat mir insgesamt wirklich gut gefallen.
Ich mochte die düstere Atmosphäre, die F
Ahnenmagie und besonders die Idee, dass Trauer und Liebe jemanden dazu bringen können, eine Grenze zu überschreiten, die besser unangetastet geblieben wäre.
Soojin selbst hat es mir durch ihre impulsiven Entscheidungen und die fehlende Entwicklung allerdings nicht leicht gemacht. Dafür mochte ich Mark umso mehr.
Der Horror hätte für mich etwas kompromissloser sein dürfen und einige Entwicklungen waren ziemlich vorhersehbar.
Aber gerade die Mischung aus Schwesternschaft, Trauer, Ahnenmagie und Wiedergängern hat für mich gut funktioniert.
Manchmal ist Loslassen vielleicht schmerzhafter als Festhalten – aber eben auch notwendiger.
???????????????? / 5
Vier Eulen für dunkle Flüsse, Familienmythen und eine Geschichte darüber, dass manche Türen zur Welt der Toten besser geschlossen bleiben. ????????????
Wenn Träume neu gezeichnet werden müssen
All die Farben, all das Licht von Cora Wucherer
Meine Gedanken:
All die Farben, all das Licht hat mich tief berührt und noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es ist eine Geschichte über Familie, über zwei Schwestern, über Krankheit und über Verlust. Den Verlust einer Mutter, den Verlust von Hoffnung und den Verlust von Lebensplänen. Und gleichzeitig ist es ein Buch voller Dinge, die nie ausgesprochen werden.
Denn miteinander zu reden gehört in der Familie Vogl nicht unbedingt zu den größten Stärken. Gerade dadurch entstehen Missverständnisse, Einsamkeit und dieses schmerzhafte Gefühl, dass Menschen sich sehr lieben können und sich trotzdem nicht richtig erreichen.
Zwei Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten:
Im Mittelpunkt stehen Martha und Juna. Zwei Schwestern, zwei völlig verschiedene Persönlichkeiten und zwei junge Menschen, die beide auf ihre eigene Art versuchen, mit einer Familie umzugehen, die längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Man begleitet beide abwechselnd und bekommt dadurch nicht nur zwei Perspektiven, sondern auch zwei sehr unterschiedliche Wahrheiten. Das hat für mich wunderbar funktioniert. Denn weder Martha noch Juna haben allein recht. Beide sehen nur ihren eigenen Ausschnitt. Und genau darin liegt so viel von der Tragik dieser Geschichte.
Martha – laut, wild und trotzdem unsichtbar:
Martha ist 13 und eigentlich wirkt sie oft viel älter. Sie ist impulsiv, wild und steckt voller Ideen, bei denen ich manchmal lachen musste und manchmal nur den Kopf schütteln konnte. Sie denkt groß, handelt groß und vollbringt Dinge, die für ihr Alter erstaunlich sind. Und trotzdem hat sie ständig das Gefühl, dass niemand sie wirklich sieht.
Denn in ihrer Familie dreht sich vieles um Juna. Um Junas Krankheit, um Junas Zukunft, um Junas Verlust. Martha ist da, aber oft fühlt sie sich wie eine Randfigur im eigenen Leben. Und genau das hat mich bei ihr besonders getroffen. Unter all ihrer Lautstärke liegt nämlich sehr viel Verletzlichkeit.
Juna – Kunst, Angst und eine Zukunft, die plötzlich anders aussieht:
Juna ist 17. Künstlerin durch und durch. Sie malt, sie lebt für Kunst, sie verehrt Lotte Laserstein und träumt davon, selbst an einer Kunstakademie zu studieren. Doch dann verändert ein Termin beim Augenarzt alles. Juna wird erblinden.
Das Usher-Syndrom nimmt von da an unglaublich viel Raum ein. Nicht nur in ihrem Leben, sondern in der gesamten Familie. Plötzlich steht alles unter dem Zeichen dieser Krankheit. Juna hat das Talent, die Aufmerksamkeit und die große Sorge der Familie. Aber eben auch die Diagnose, die ihre gesamte Zukunft infrage stellt. Wie plant man weiter, wenn der größte Traum plötzlich bedroht ist? Wie hält man an etwas fest, wenn man nicht weiß, wie lange man es noch sehen kann? Diese Fragen liegen über ihrer ganzen Geschichte.
Kunst, die verbindet:
Kunst ist in diesem Buch nicht einfach nur Junas Leidenschaft. Sie ist eines der Herzstücke der gesamten Geschichte. Durch Juna wird auch Lotte Laserstein auf eine besondere Art lebendig. Man wandelt ein kleines Stück auf den Spuren der Malerin – bis nach Malmö in Schweden.
Und das hat bei mir tatsächlich etwas ausgelöst: Während des Lesens habe ich angefangen, einige Werke von Laserstein zu googeln, weil ich wissen wollte, welche Bilder Juna so faszinieren. Genau dadurch wurde die Geschichte für mich noch lebendiger.
Aber Kunst bedeutet hier noch viel mehr. Es geht darum, wie wir gesehen werden, was von uns bleibt und wie etwas weiterleben kann, wenn wir selbst irgendwann nicht mehr da sind. Und auch darum, dass Kunst heilsam sein kann. Sie hält fest, sie verbindet Menschen und sie gibt Gefühlen eine Form, für die manchmal die richtigen Worte fehlen. Gerade in einer Familie, in der so vieles unausgesprochen bleibt, fand ich diesen Gedanken wunderschön.
Was unausgesprochen bleibt:
Was mich besonders berührt hat, war dieses permanente Schweigen zwischen den Figuren. Nicht völlige Sprachlosigkeit, sondern dieses: Man redet, aber nicht über das Eigentliche. Man sagt etwas, aber nicht das, was wirklich wehtut.
Dadurch entsteht eine ganz eigene Spannung. Keine laute, keine dramatische, sondern eine, die sich langsam festsetzt. Weil man als Leser so oft denkt: **Redet doch miteinander. Sagt es euch endlich.** Und gleichzeitig versteht man, warum es ihnen so schwerfällt.
Georg – ein Vater zwischen Überforderung und Liebe:
Auch Georg, der alleinerziehende Vater der beiden, durchläuft für mich eine wichtige Entwicklung. Meist lernen wir ihn nur durch die Augen seiner Töchter kennen. Das macht ihn zunächst schwer greifbar. Denn Martha und Juna sehen natürlich jeweils einen anderen Vater. Einen, der unterschiedlich handelt, unterschiedlich enttäuscht und unterschiedlich liebt.
Dass es schließlich ein Kapitel gibt, das nur ihm gehört, fand ich deshalb besonders stark. Zum ersten Mal bekommt man einen direkteren Blick darauf, was in ihm selbst passiert. Auch er trägt Verlust, auch er ist überfordert, auch er versucht irgendwie, diese Familie zusammenzuhalten. Nicht immer gut. Aber menschlich.
Alex und all die Menschen dazwischen:
Und dann ist da Alex. Jeder braucht einen Alex im Leben. Dieser beste Freund, der unnützes Wissen mit sich herumträgt und trotzdem genau dann die richtigen Worte findet, wenn sie gebraucht werden. Ich mochte ihn unglaublich gern.
Aber auch Sophie, Sam, Daria, Christina und Constantin haben für mich dazu beigetragen, dass sich die Welt rund um Martha und Juna lebendig angefühlt hat. Sie alle sind Teil ihres Lebens. Nicht bloß Staffage, sondern Menschen, die auffangen, begleiten, nerven, helfen oder einfach da sind. Und manchmal ist genau dieses Dasein das Wichtigste überhaupt.
Schreibstil:
Cora Wucherers Schreibstil hat für mich sehr gut zur Geschichte gepasst. Er ist leicht zu lesen und trotzdem voller Gefühl. Ich würde ihn fast als alltagstaugliche Poesie beschreiben. Nie überladen, nie zu künstlich, aber immer wieder mit Sätzen, die hängen bleiben.
Besonders stark fand ich, wie genau sie die Stimmen von Martha und Juna trifft. Beide erzählen anders, beide fühlen anders, beide klingen nach sich selbst. Und obwohl der Roman viele leise Töne anschlägt, gibt er beiden Schwestern sehr starke Stimmen.
Entwicklung:
Sowohl Martha als auch Juna machen im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch. Nicht plötzlich, nicht geradlinig, sondern mit Rückschritten, Fehlern, Wut und Schmerz. Und auch Georg verändert sich.
Genau das mochte ich so sehr. Niemand ist am Ende einfach „geheilt“. Niemand hat plötzlich alle richtigen Antworten. Aber die Figuren lernen, sich ein kleines Stück besser zu sehen. Und vielleicht auch ein kleines Stück besser zu verstehen.
Was bleibt?
All die Farben, all das Licht ist für mich eine Geschichte über Verlust, ohne nur traurig zu sein. Über Krankheit, ohne sich nur um Krankheit zu drehen. Über Familie, ohne Familie zu verklären. Und über Schwesternschaft, ohne so zu tun, als wäre Nähe immer einfach.
Aber vor allem nehme ich auch die Kunst aus dieser Geschichte mit. Den Gedanken daran, gesehen zu werden, Spuren zu hinterlassen und etwas zu schaffen, das über den Moment hinaus Bestand hat. Und daran, dass Kunst manchmal genau dort eine Verbindung herstellen kann, wo Worte nicht mehr reichen.
Martha und Juna haben mich beide auf ganz unterschiedliche Weise berührt. Die eine laut, die andere stiller, und beide mit sehr viel Schmerz unter der Oberfläche.
Und auch wenn Juna nur eine fiktive Figur ist, wünsche ich ihr nach diesem Buch von Herzen alles erdenklich Gute für ihre Zukunft. Ich wünsche ihr, dass sie ihre Träume verwirklichen kann. Nicht trotz ihrer Krankheit. Sondern mit ihrer Krankheit.
Vielleicht hat mich genau das an dieser Geschichte so bewegt. Dass ein veränderter Lebensplan nicht automatisch das Ende eines Traums bedeuten muss. Manchmal muss der Weg dorthin nur neu gezeichnet werden.
???????????????????? / 5
Ein verfluchter Buchladen, ein viel zu attraktiver Pirat und Sarkasmus ohne Ende.
Cursed for Good - Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe
Worum geht es?
Prinzessin Tandy hat eigentlich genug von ihrem königlichen Alltag. Reisen, Bälle, Eröffnungszeremonien und Kleider, die zwicken – vor allem bleibt dabei viel zu wenig Zeit zum Lesen.
Als sie ausgerechnet dazu verflucht wird, in einem Buchladen zu leben, bis sich ihr wahrer Herzenswunsch erfüllt, klingt das deshalb zunächst eher nach einem Traum als nach einer Strafe.
Endlich Bücher. Ruhe. Zeit zum Lesen. Na ja. Fast. Da wären noch Sasha, eine ziemlich leidgeprüfte Teenagerin mit Drachenflügeln, ein verdächtig attraktiver und bücherstehlender Pirat und Tandys Eltern, die der festen Überzeugung sind, dass natürlich irgendein Prinz den Fluch ihrer Tochter brechen muss. Also schicken sie kurzerhand die Prinzen der umliegenden Reiche vorbei.
Denn was könnte der Herzenswunsch einer Prinzessin schon anderes sein als ein Prinz? Oder vielleicht doch eher ein sexy Pirat?
Meine Gedanken:
Ich liebe und feiere den vor Sarkasmus triefenden Humor dieses Buches.
Tandy mit ihrer spitzen Zunge und dieser herrlich trockenen Art, die absurdesten Situationen einfach festzustellen, hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Überhaupt liest sich Cursed for Good für mich wie ein Comedy-Märchen für Erwachsene.
Die Geschichte weiß ganz genau, welche Klischees sie bedient – und macht daraus einen Teil ihres Charmes.
Da gibt es Sasha, die depressive und vom Leben genervte Teenager-Drakonin. Einen sexy Piraten mit verboten gutem Aussehen, dessen Hemd natürlich einen Tick zu weit offen steht. Und selbstverständlich mehrere Prinzen, deren Kuss der wahren Liebe Tandys Fluch doch bestimmt brechen wird.
Märchenklischees? Absolut. Aber bitte mit ordentlich Sarkasmus serviert.
Vom Humor her musste ich tatsächlich immer wieder an Assistant to the Villain denken – und genau den habe ich ebenfalls gefeiert.
Tandy – Prinzessin wider Willen:
Tandy ist herrlich unkonventionell. Sie ist hilfsbereit, etwas zu gutgläubig und lässt sich dadurch gleich zu Beginn nicht nur verfluchen, sondern fällt anschließend auch noch einem Diebstahl zum Opfer. Dabei passt sie überhaupt nicht in dieses klassische Bild der Prinzessin, die nur darauf wartet, von einem hübschen Prinzen gerettet zu werden. Ganz im Gegenteil. Tandy scheint mit ihrem Fluch eigentlich ziemlich zufrieden zu sein.
Ein Buchladen voller Geschichten, keine königlichen Pflichten und endlich genug Zeit zum Lesen? Ich verstehe ehrlich gesagt vollkommen, warum sie es mit der Fluchbrechung nicht besonders eilig hat. ????
Ein Märchen für große Kinder:
Was ich besonders mochte, ist dieses Gefühl, das die Geschichte vermittelt. Man muss keine Angst haben, dass gleich etwas furchtbar Schlimmes passiert. Man muss keine komplizierten politischen Systeme verstehen oder sich hundert Namen merken. Man kann sich einfach in diese märchenhafte, magische Welt fallen lassen und eine gute Zeit haben. Ein bisschen wie früher als Kind – nur dass die Protagonisten inzwischen ebenfalls erwachsen geworden sind.
Auch die Magie passt perfekt dazu. Sie ist erstaunlich praktisch veranlagt. Putzen? Zauber. Waschen? Zauber. Aufräumen? Natürlich gibt es auch dafür Magie. Warum kompliziert, wenn man einfach zaubern kann?
Genau diese kleinen Details machen die Welt gemütlich und verspielt, ohne dass das Magiesystem irgendwelche großen Erklärungen braucht.
Romance & Chemie:
Die Romance entwickelt sich eher langsam und passt dadurch gut zum restlichen Cozy-Gefühl der Geschichte. Das große Feuerwerk ist es nicht – und mit einem von fünf Flammen bleibt der Spice sehr zurückhaltend. Die Chemie zwischen Tandy und dem Piraten hat für mich dafür deutlich besser funktioniert. Da ist dieses spielerische Knistern, die Neckerei und genau die richtige Portion „du gehst mir auf die Nerven, aber leider bist du viel zu attraktiv“. Mit vier von fünf Funken war die Chemie für mich klar spürbar, ohne dass die Romance die ganze Geschichte übernimmt.
Wohlfühlbuch statt großes Abenteuer:
Ich bin ohne große Erwartungen an Cursed for Good herangegangen. Ich wollte Spaß. Ich wollte eine schöne Zeit. Und genau das habe ich bekommen. Für mich ist das ein richtiges Wohlfühlbuch. Ich habe meine Erwartungen an die Geschichte angepasst – und nicht verlangt, dass die Geschichte mir irgendetwas beweisen muss.
Sie möchte kein episches Fantasyabenteuer sein. Sie möchte unterhalten. Zum Schmunzeln bringen. Ein bisschen romantisch sein. Und einem für ein paar Stunden das Gefühl geben, in einem verzauberten Buchladen leben zu dürfen. Und darin ist sie richtig gut.
Ein bisschen weniger hätte gereicht:
Ganz ohne Kritik komme ich allerdings nicht aus. Im zweiten Drittel hat sich die Geschichte für mich etwas gezogen. Da die Handlung insgesamt eher überschaubar ist und das Buch stark von seinen Figuren, dem Humor und dem Setting lebt, gab es Stellen, an denen ich mir etwas mehr Tempo gewünscht hätte. Ein bisschen Straffung hätte der Geschichte hier gutgetan.
Das hat meinen Spaß insgesamt aber kaum getrübt. Dafür mochte ich Tandy, den Humor und diese ganze absurde Märchenwelt einfach zu gerne.
Wie klang die Geschichte?
Ich habe Cursed for Good als Hörbuch gehört und hatte damit eine wirklich gute Zeit. Die deutsche Hörbuchfassung wird von Yeşim Meisheit gesprochen.
Für mich war die Geschichte sehr stimmig gelesen. Ich konnte ihr problemlos folgen und habe der Sprecherin einfach gerne zugehört.
Gerade bei einem Buch, das so stark von Tandys trockenem Humor, Sarkasmus und den teilweise völlig absurden Situationen lebt, ist das ziemlich wichtig.
Die Stimme hat für mich gut zu diesem leichten, märchenhaften Ton gepasst und mich angenehm durch die Geschichte getragen.
Was bleibt?
Cursed for Good war genau das Buch, das ich in diesem Moment gebraucht habe.
Ein verfluchter Buchladen. Eine Prinzessin, die eigentlich überhaupt nicht gerettet werden möchte. Eine depressive Drakonin. Mehrere Prinzen, die pflichtbewusst zum Fluchbrechen antreten. Ein viel zu attraktiver Pirat. Und jede Menge trockener Humor.
Im zweiten Drittel hätte die Geschichte für mich etwas schneller sein dürfen, aber das ist am Ende nur ein kleiner Kritikpunkt.
Ich wollte Spaß – und den habe ich bekommen.
Für mich ist Cursed for Good ein wunderbar leichtes Wohlfühlbuch, bei dem man sich einfach zurücklehnen, den Alltag vergessen und für ein paar Stunden wieder in ein Märchen fallen lassen kann. Nur diesmal mit erwachsenen Figuren, Sarkasmus und einem Piraten, dessen Hemd offenbar wirklich keine weiteren Knöpfe gebraucht hätte. ????????☠️
Bewertung: ???????????????? / 5
Spice:???? / 5
Chemie: ✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????? / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️????️ / 5
Vier Eulen für ein Comedy-Märchen voller Bücher, Magie, Klischees und genau der richtigen Portion Sarkasmus.
Bourbon, Small-Town-Vibes und zwei Menschen, zwischen denen es lichterloh brennt.
Bourbon and Lies von Victoria Wilder
Worum geht es?
Im verschlafenen Fiasco, Kentucky, rankt sich ein dunkles Geheimnis um die Familie Foxx: Jede Frau, die sich in einen der drei Brüder verliebt, stirbt.
Für Grant Foxx ist das mehr als nur ein Gerücht. Nachdem seine Geliebte Fiona ermordet wurde, hat er sich aus dem Polizeidienst zurückgezogen und arbeitet nun in der Bourbon-Brennerei seiner Familie.
Er hat sich geschworen, nie wieder zu lieben.
Dann taucht Laney Young auf. Eine Fremde mit einer gefährlichen Vergangenheit, die unter keinen Umständen preisgeben darf, was ihr passiert ist. Grant spürt sofort, dass sie etwas verbirgt und versucht, sie auf Abstand zu halten.
Nur leider funktioniert das überhaupt nicht.
Denn zwischen Grant und Laney knistert es vom ersten Moment an.
Meine Gedanken:
Ah. Ich hab’s geliebt.
Western-Romance-Vibes sind einfach eines meiner Guilty Pleasures und vielleicht bin ich hier auch ein kleines bisschen voreingenommen. Aber Bourbon and Lies war wirklich genau meine Mischung.
Einnehmende Charaktere mit Ecken und Kanten, eine wildromantische Kulisse, Spannung durch den Suspense-Anteil und dieses lodernde Inferno zwischen den Protagonisten – mehr brauche ich manchmal gar nicht.
Dabei fand ich besonders schön, dass sich die Geschichte nicht nur auf die Romance verlässt. Unter der gemütlichen Oberfläche von Fiasco liegt ständig etwas Bedrohliches. Laney ist auf der Flucht, Grant trägt seine eigene tragische Vergangenheit mit sich herum und man weiß die ganze Zeit: Irgendwann wird das alles eskalieren.
Romance zum Wohlfühlen – aber eben nicht ohne Gefahr.
Willkommen in Fiasco, Kentucky:
Ich habe mich in Fiasco unglaublich schnell wohlgefühlt.
Besonders erfrischend fand ich das Setting rund um die Bourbon-Destillerie. Mal keine klassische Ranch, sondern eine Familienbrennerei mit ganz eigenem Flair.
Cowboys sucht man auf der Bourbon Ranch zwar vergeblich und auch Grant trägt keinen Hut – trotzdem hatte die Geschichte für mich genau dieses herrliche Wild-West-Feeling. ????
Dazu kommen die romantischen Ausritte, die Landschaft und versteckte Wasserfälle. Ich habe mich in diesen Szenen regelrecht verloren.
Genau das liebe ich an solchen Geschichten: Wenn ein Setting nicht einfach nur Hintergrund ist, sondern zu einem Ort wird, an dem ich mich selbst gerne für eine Weile verlieren möchte.
Und Fiasco?
Da würde ich definitiv noch einmal vorbeischauen.
Grant & Laney:
Die beiden sind einfach hot zusammen.
Es knistert wirklich von der ersten Begegnung an. Beide haben ihre Päckchen zu tragen und teilen schwere Schicksale. Dadurch wirken ihre Schutzmauern nicht künstlich, sondern nachvollziehbar. Und gerade weil beide eigentlich gute Gründe hätten, sich voneinander fernzuhalten, macht die Anziehung zwischen ihnen umso mehr Spaß.
Laneys Geheimnis steht allerdings lange zwischen ihnen. Sie darf auf keinen Fall preisgeben, was mit ihr passiert ist, weil sie glaubt, damit andere Menschen in Gefahr zu bringen. Und genau hier liegt vielleicht mein einziger wirklicher Kritikpunkt. Ab einem gewissen Punkt konnte ich nicht mehr ganz nachvollziehen, warum Laney sich Grant weiterhin nicht öffnet.
Laney. Bitte. Sag es ihm doch einfach. ????
Aber ganz ehrlich? Bei allem, was die Geschichte für mich sonst richtig gemacht hat, kann ich hier wirklich ein Auge zudrücken. Denn die Chemie zwischen den beiden? Die habe ich von Anfang bis Ende gespürt.
Suspense & Geheimnisse:
Auch der Suspense-Anteil hat mich richtig gut unterhalten.
Durch Laneys Vergangenheit weiß man von Anfang an, dass irgendwann etwas passieren wird. Selbst in den romantischen und gemütlichen Momenten bleibt deshalb dieses unterschwellige Gefühl von Gefahr. Man wartet regelrecht darauf, dass alles aufeinanderprallt. Wann kommt der große Showdown?
Und genau deshalb habe ich bis zuletzt mitgefiebert.
Ich mochte besonders, dass die Spannung die Romance nicht verdrängt. Beides läuft nebeneinander und ergänzt sich richtig gut.
Für mich war das genau die richtige Mischung aus Herzklopfen und Nervenkitzel.
Die Foxx-Familie:
Nicht nur Grant und Laney haben mich für sich eingenommen.
Auch die anderen Figuren rund um die Familie und die Bourbon Ranch habe ich ziemlich schnell ins Herz geschlossen.
Da entsteht genau diese Art von Found Family, bei der man nach dem ersten Band eigentlich noch gar nicht wieder gehen möchte.
Die Foxx-Brüder machen neugierig, die Menschen rund um die Farm fühlen sich schnell vertraut an und ich freue mich jetzt schon darauf, noch mehr Zeit mit ihnen zu verbringen.
Fiasco hat mich definitiv noch nicht zum letzten Mal gesehen.
Wie ließ es sich im Original lesen?
Ich habe Bourbon and Lies im englischen Original gelesen und bin damit wunderbar zurechtgekommen.
Victoria Wilders Schreibstil ist erfrischend leicht und herrlich unkompliziert. Man fliegt geradezu durch die Seiten.
Trotzdem gehen dabei für mich keine Details verloren. Die Landschaft, die Destillerie, die Ausritte, die versteckten Wasserfälle und die kleinen Momente zwischen den Figuren konnte ich direkt vor mir sehen.
Gerade wenn du dich bisher vielleicht noch nicht so richtig an englische Romance herangetraut hast, fand ich dieses Buch sprachlich sehr angenehm.
Leicht zu lesen und trotzdem atmosphärisch – genau so mag ich das.
Was bleibt?
Bourbon and Lies war für mich einfach ein richtig gutes Gesamtpaket.
Eine verschlafene Kleinstadt, Western-Flair, eine Bourbon-Destillerie, ein spannender Suspense-Anteil, einnehmende Charaktere mit Ecken und Kanten und zwei Protagonisten, zwischen denen es von Anfang an lichterloh brennt.
Dazu kommt eine Found Family, auf deren Geschichten ich mich jetzt schon freue.
Laneys langes Schweigen hat mich irgendwann ein bisschen genervt, aber ganz ehrlich?
Bei diesem Gesamtpaket drücke ich gerne ein Auge zu.
Ich habe mich in Fiasco wohlgefühlt, Grant und Laney geliebt und bin nur so durch die Seiten geflogen.
???????????????????? / 5
Spice: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨✨✨ / 5
Atmosphäre: ???????????????????? / 5
Fünf Eulen für Bourbon, Western-Flair, Spannung, Found Family und zwei Menschen, bei denen aus Knistern ziemlich schnell ein kleines Inferno wird. ????????????
Drachen, Hexenjagd-Vibes und eine Welt, in der Angst zur Waffe wird
Dragon Cursed - Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe) von Elise Kova
Worum geht es?
Vingard ist eine der letzten Bastionen der Menschheit. Drachen gelten als tödliche Bedrohung, denn der Drachenfluch verwandelt Menschen in willenlose Bestien. Mit 18 müssen sich deshalb alle Einwohner einem Tribunal stellen. Durch verschiedene Prüfungen soll herausgefunden werden, ob jemand den Fluch in sich trägt – und wer betroffen ist, wird eliminiert.
Isola hat bereits als Kind einen Drachenangriff überlebt. Seitdem gilt sie als Reinkarnation von Valor, dem großen Retter und Drachentöter. Doch während alle in ihr die Erlöserin sehen, fürchtet Isola selbst, genau das zu sein, was die Kirche vernichten will.
Während des Tribunals wird ausgerechnet Lucan, der Sohn des Vikars, zu einem wichtigen Verbündeten. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?
Meine Gedanken:
Die Welt war für mich ganz klar eine der größten Stärken von Dragon Cursed. Vingard ist grausam, streng und von Angst geprägt. Gesetze und Glaubenssätze bestimmen den Alltag und schon kleine Abweichungen können tödliche Folgen haben. Dazu kommen Drachen, der geheimnisvolle Drachenfluch und eine spannende Sigillenmagie, die aus Ätherlicht geschöpft wird.
Besonders stark fand ich die Rolle der Kirche. Gnadenritter, Inquisitoren und das Tribunal erzeugen eine beklemmende Stimmung. Immer wieder musste ich dabei an historische Hexenjagden denken: Das vermeintlich Böse muss gefunden und ausgelöscht werden, damit die eigene Seite weiterhin als die Gute dastehen kann.
Die letzte Bastion der Menschheit:
Vingard wirkt mittelalterlich angehaucht und gleichzeitig wie eine dystopische Gesellschaft. Es gibt klare Regeln darüber, was geglaubt werden darf, was erlaubt ist und wer darüber entscheidet, was Wahrheit ist.
Wissenschaft und Forschung haben in diesem System kaum Platz. Das bekommt auch Isolas Mutter zu spüren, die Drachen erforscht und dafür einen hohen Preis zahlt.
Und genau hier beginnt die Geschichte Fragen aufzuwerfen, die ich besonders spannend fand:
Warum darf Isola ihre Mutter nicht mehr sehen? Was versucht das Tribunal zu verbergen? Und was steckt wirklich hinter dem Drachenfluch?
Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen sind in dieser Welt allgegenwärtig.
Die Prophezeiung:
Für alle anderen scheint Isolas Rolle längst festzustehen. Sie ist die Retterin. Die Erlöserin Vingards. Die Reinkarnation Valors.
Zumindest ist das die Geschichte, die die Kirche aus ihr gemacht hat.
Für mich fühlte sich Isola deshalb häufig wie eine Marionette des Vikars an. Nach außen ist sie mutig und stark, innerlich dagegen vollkommen zerrissen.
Was, wenn sie gar keine Erlöserin ist? Was, wenn sie selbst verflucht ist?
Dieser Gedanke könnte ihr zum Verhängnis werden. Gleichzeitig spürt man, dass etwas in ihr schlummert, das sie selbst noch nicht vollständig versteht. Gerade diese Unsicherheit hat sie für mich zu einer spannenden Protagonistin gemacht.
Lucan:
Lucan ist der Sohn des Vikars und zunächst schwer einzuschätzen. Man weiß nicht genau, warum er Isola beobachtet, was er wirklich weiß und auf welcher Seite er steht.
Während des Tribunals wird er jedoch zu einem wichtigen Verbündeten. Und schnell wird deutlich, dass hinter ihm mehr steckt, als man anfangs vermutet.
Gerade dieses Misstrauen zwischen den beiden funktioniert gut, weil man auch als Leser nie ganz sicher sein kann, wem in Vingard überhaupt zu trauen ist.
Slow-Burn-Romance:
Die Romance zwischen Isola und Lucan entwickelt sich sehr langsam und nimmt im Vergleich zur Fantasyhandlung nur wenig Raum ein. Für Young Adult fand ich das absolut passend.
Ich mochte, dass sich die Beziehung vorsichtig entwickelt und die eigentliche Handlung nicht überlagert. Gleichzeitig hätte ich mir zwischen den beiden etwas mehr Funkensprühen gewünscht.
Die Romance war für mich stimmig – aber das große Knistern hat noch gefehlt.
Handlungsverlauf & Ende:
Die Handlung ist geprägt von Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack etwas, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt.
Gerade der Einstieg ist ruhiger. Sobald die Deadly Trials beginnen, zieht das Tempo aber deutlich an. Die Prüfungen nehmen einen großen Raum ein und sorgen für einige der spannendsten und nervenaufreibendsten Momente des Buches.
Auch an Twists mangelt es nicht. Einige haben für mich gut funktioniert, andere konnte man als aufmerksamer Leser schon relativ früh erahnen. Deshalb hat mich das Ende nicht völlig überrascht.
Es kam ungefähr so, wie ich es erwartet hatte – natürlich inklusive Cliffhanger.
Wie klang die Geschichte?
Ich habe Dragon Cursed als Hörbuch gehört.
Die Sprecherin hat grundsätzlich eine angenehme Stimmfarbe und ich konnte ihr gut folgen. Gerade für längere Hörsessions war das sehr angenehm.
Ganz überzeugen konnte mich die Interpretation trotzdem nicht. Mir war sie stellenweise etwas zu eintönig.
Gerade weil Vingard so bedrohlich ist und das Tribunal mit so viel Angst, Gefahr und Misstrauen verbunden ist, hätte ich mir mehr Dynamik und stärkere Unterschiede in der Sprechweise gewünscht.
Die düstere Atmosphäre kam dadurch für mich nicht immer so intensiv an, wie sie hätte wirken können.
Angenehm zu hören – aber emotional hätte da für mich noch mehr drinstecken dürfen.
Was bleibt?
Dragon Cursed hat mich vor allem mit seiner Welt bekommen.
Eine letzte Bastion der Menschheit. Drachen als tödliche Bedrohung. Ein Fluch. Eine Kirche, die über Wahrheit und Leben entscheidet. Tribunale, die an Hexenjagden erinnern. Und eine junge Frau, die als Retterin verehrt wird, während sie selbst fürchtet, genau das zu sein, was alle vernichten wollen.
Die Geschichte braucht etwas, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, aber spätestens mit den Deadly Trials wird es deutlich spannender. Intrigen, Machtspiele und einige Twists halten die Handlung in Bewegung, auch wenn manche Enthüllungen für mich etwas vorhersehbar waren.
Die Slow-Burn-Romance fügt sich angenehm ein und nimmt nicht zu viel Raum ein. Für Young Adult fand ich das sehr passend, auch wenn ich mir etwas mehr Funken gewünscht hätte.
Diese Mischung aus Fantasy, Dystopie, Religion, Macht und Angst hat für mich richtig gut funktioniert.
???????????????? / 5
Atmosphäre: ???????????????? / 5
Chemie: ✨✨✨ / 5
Sprecherleistung: ????️????️????️ / 5
Vier Eulen für eine düstere Drachenfantasy mit Hexenjagd-Vibes, spannenden Trials und einer Welt, in der die größte Gefahr vielleicht nicht nur von den Drachen ausgeht.











