Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gavroche:
Zu überfrachtet
VIEWS von Marc-Uwe Kling
Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, weil ich im Vorfeld schon viele kontroverse Meinungen dazu gehörte hatte, aber zum Glück nicht gespoilert wurde.
Das Buch ist relativ kurz und flott gelesen und deshalb werde ich auch nur in Ansätzen auf den Inhalt eingehen.
Yasira Saad arbeitet beim BKA, ist geschieden und lebt mit ihrer 16jährigen Tochter Zara in Berlin.
Als sie sich gerade mit einem Tinderdate trifft, geht ein schockierendes Video viral. Ein Mädchen wird vergewaltigt. Yasira und ihr Team werden mit der Ermittlung beauftragt, es muss schnell gehen, denn das Thema ist hochbrisant und ruft schnell Rechtsextreme Reaktionen hervor, denn die Vergewaltiger sind alle POC.
Marc-Uwe Kling kann gut schreiben und auch hier musste ich an mancher Stelle über seinen Wortwitz und die Anspielungen schmunzeln. Dennoch ist das Buch ein ernstes Buch. Leider ist es überfrachtet mit zu vielen Facetten und Themen auf relativ wenigen Seiten.
Das Ende gefiel mir so leider gar nicht.
Für mich war es leider bisher das schlechteste Buch des Autors; vielleicht passen andere Genre doch besser?
Ein ungewöhnliches Leben
Die unendliche Reise der Aubry Tourvel von Douglas Westerbeke
1885, Paris. Aubry und ihre beiden älteren Schwestern haben einen auffälligen Brunnen entdeckt und sie beschließen, dass dies ein Wunschbrunnen ist. Und jede von ihnen soll etwas hineinwerfen, an dem sie hängt. Aber Aubry macht im letzten Moment doch nicht mit. Kurz darauf beginnt ihre seltsame Krankheit.
Sie fängt an zu bluten und alles schmerzt. Sie muss weiterziehen, darf nicht in das Haus ihrer Eltern zurück. Spätestens nach vier Tagen beginnt sie wieder zu bluten. An einen Ort, an dem sie bereits war, kann sie nicht zurück kehren.
Sie trifft auf ihren Reisen viele Menschen und nicht wenige beneiden sie darum, die ganze Welt zu entdecken, aber ist das wirklich so toll, wenn man immer weiterziehen muss?
Immer wieder taucht überraschend eine Tür auf zu einer geheimnisvollen Bibliothek - was hat es damit auf sich und was mit dem Ball, der immer wieder zu ihr zurück kommt?
Eine sehr philosophische Reise und wunderbar geschrieben. Mal eine ganz andere Art von Fantasy. Ich habe sehr viel reflektiert, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten hätte und ob das wirklich ein Geschenk ist oder ein Fluch.
Mir haben die Begegnungen mit vielen der Menschen gefallen, die sie unterwegs trifft. Natürlich nicht mit allen, aber einige waren beeindruckend.
Eine tolle und interessante Reise in mehrfacher Hinsicht. Absolut lesenswert.
Spannende Fortsetzung
Signum von John Ajvide Lindqvist
Nachdem ich im letzten Jahr "Refugium" regelrecht verschlungen habe, habe ich mit Spannung die Fortsetzung erwartet. Vor allem nach diesem Ende! Also: unbedingt vorher den ersten Teil lesen, denn die Geschichte baut aufeinander auf.
Und es geht auf sofort spannend weiter und ich war sofort wieder in der Geschichte und konnte mich wieder gut an die Einzelheiten erinnern.
Auch dieses Buch ist stellenweise wieder sehr brutal und blutig und man blickt immer wieder in menschliche Abgründe.
Die Figuren sind wieder außergewöhnlich gut und differenziert gezeichnet. Hier gibt es keine klare Einteilung in gut oder böse, sondern ganz viele Nuancen.
Viele überraschende Wendungen und die Beziehungen der Figuren sind auch nicht einfach zu definieren.
Auch der zweite Teil war ein Buch, in das ich eingetaucht bin und schlecht wieder auftauchen konnte. Lediglich das Ende fand ich nicht ganz so gut, aber es passte auch irgendwie.
Wikingerroman
Yrsa. Journey of Fate von Alexandra Bröhm
Man sollte den Klappentext am besten nicht noch einmal lesen, bevor man mit der Lektüre des Buches beginnt, denn leider verrät dieser schon viel zu viel vom Inhalt des Romans, was erst nach und nach erzählt wird.
Haithabu kann man noch heute besichtigen und ist ein wichtiger archäologischer Fundort für die Zeit der Wikinger und die Autorin lässt diesen Ort hier wieder lebendig werden.
Neben der Handlung werden immer wieder Gebräuche, der Alltag, Gegenstände, Mythologie und vieles mehr mit eingebunden und lockern die Handlung nicht nur auf, sondern vermitteln auch historische Fakten, die in diese fiktive Geschichte eingebunden sind. Informativ ist hier auch das Nachwort.
Yrsa ist eine Kämpferin, allerdings war sie mir etwas zu klischeehaft und auch die Liebesgeschichte hat mich nicht so ganz erreichen können. Es gab meines Erachtens einiges, was zu oft betont und wiederholt worden ist, so dass der Fluss der Geschichte ein wenig ins Stocken geraten ist.
Insgesamt hat mir die Geschichte ganz gut gefallen.
Frie und Robert
Man sieht sich von Julia Karnick
Katrin Daliot hat dieses Buch sehr gefühlvoll eingesprochen und mich gut durch die Geschichte von Frie und Robert begleitet.
Es beginnt mit einem kurzen Prolog in der Gegenwart: das 30jährige Klassentreffen steht an und Frie hat eigentlich gar keine Lust, dorthin zu gehen, denn der Einzige, den sie treffen möchte, hat sich nicht angemeldet.
Da hat sie sich extra erkundigt.
Doch dann ist Robert doch da und schon begeben wir uns auf eine Zeitreise zurück in die 1980er, als die beiden sich kennen gelernt haben.
Robert hat die Schule gewechselt und Frie zeigt ihm den Weg zu seinem Klassenraum. Sofort fühlen sie sich zueinander hingezogen, wagen das aber nicht dem anderen zu zeigen. Besonders die Passagen aus der Sicht von Robert zeigen, dass er Frie so gerne wiedersehen möchte und dabei aber auch cool erscheinen möchte.
Robert lebt mit seiner kranken Mutter in einer kleinen Wohnung und muss viele Aufgaben übernehmen, Frie lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einer Villa. Allerdings ist der Vater jähzornig und unberechenbar.
Nach dem Abi verlieren sie sich aus den Augen, treffen sich aber immer wieder - Man sieht sicht, das ist die Standardverabschiedung. Aber wird es mehr als Freundschaft zwischen ihnen geben?
Ein unterhaltsames Buch, das uns auf eine Zeitreise schickt und das von (verpassten) Chancen handelt und immer emotional ist, aber nicht in den Kitsch abrutscht.
Spannender historischer Krimi
Maybrick und die Toten vom East End von Vanessa Glas
Ich liebe historische Kriminalromane und dieser hat schon so ein geheimnisvolles und düsteres Cover und wir werden sofort ins London des Jahres 1910 "katapultiert" und sind mit Maybrick nervös vor seinem ersten Tag als Divisionsinspektor. Und wir werden gut in die Polizeiarbeit zu Beginn des 20.
Jahrhunderts eingeführt und neben dem spannenden, düsteren und manchmal auch brutalen Krimi erfährt man eben auch so einiges über damalige Ermittlungen. Allerdings nehmen diese Fakten nicht überhand, sondern die spannende Handlung.
Maybrick war ein interessanter Protagonist, der durch seine eigene Vergangenheit aus der Unterschicht gute Arbeit geleistet hat. Zusammen mit seinem Freund dem Arzt und Gerichtsmediziner Dave Roberts versucht er tief in die Slums einzutauchen. Hilfe erhalten sie dabei von Hester und Heath, zwei Bandenkindern aus dem Slum.
Der Krimi ist nichts für Zartbesaitete und wer Probleme mit Gewalt gegen Kinder hat oder mit der Darstellung von Elendsvierteln, für den ist dieses Buch sicherlich nichts, aber mir haben diese düsteren Einblicke gefallen und die Ermittlungen von Maybrick und Roberts ebenso. Ich hoffe, es wird bald weitergehen mit dieser Reihe.
Interessante Welt
To Gaze Upon Wicked Gods – Falsche Götter von Molly X. Chang
Mir gefällt das Cover unglaublich gut, weil es so viel mehr beinhaltet, wenn man es genauer anschaut und außerdem passt es auch nach der Lektüre wunderbar zu diesem Buch.
Die Debütautorin Molly X. Chang konnte mich mit ihrem Einfallsreichtum gut unterhalten und ich bin sofort in ihre Welt eingetaucht, in der es um eine interessante Verbindung von Magie und Wissenschaft geht.
Die Protagonistin Ruying beherrscht Magie und kann anderen Menschen das Leben nehmen. Nachempfunden dem China aus dem Altertum und durch ein Ereignis betreten auf einmal Römer in diese magiebesetzte Welt und durchsetzen sie mit ihren Ansätzen von Wissenschaft.
Ruying wird entführt und für die Zwecke der Römer eingespannt.
Mich hat dieser Gegensatz von Wissenschaft und Magie, von Macht und Herrschaft, von Unterjochung, Freiheit und Unfreiheit sehr fasziniert.
Der erste Band der Trilogie macht mich neugierig auf die Fortsetzung.
Gianna Pitti ermittelt
Was der See birgt von Lenz Koppelstätter
Ich habe einige Krimis aus der Grauner-Reihe gelesen und habe mich gefreut, dass es nun eine neue Reihe von Lenz Koppelstätter gibt.
Nach einem kurzen Leserbrief und einer Einführung der Polizeireporterin Gianna Pitti, geht es schon gleich zur Sache mit einer Leiche im See. Gianna ist sofort zur Stelle und mogelt sich durch die Polizeiabsperrung, aber als sie sieht, wer hier liegt, weiß sie genau, dass sie nicht alles berichten kann.
Denn sie weiß, wer der Mann ist, hat sie doch mit ihm am Abend zuvor noch ein Eis gegessen. Aber umso hartnäckiger steigt sie in die Ermittlungen ein.
Neben Gianna wird die Geschichte noch aus Sicht ihrer Chefin und ihres Onkel erzählt.
Spannung wird gut aufgebaut, zwischendurch gibt es etwas Gardasee-Flair und so manch eine kleine Geschichtsstunde oder Weinkunde, wofür der Onkel zuständig ist. Ein wenig schrullig und altmodisch, aber liebenswert.
Die Auflösung am Ende war etwas rasant, bei dem Kopf der Bande hatte ich sofort den Richtigen erraten, aber das hat meine Lesefreude nicht geschmälert.
Ich freue mich schon auf weitere Fälle der Reihe.
Walter
Mein ziemlich seltsamer Freund Walter von Sibylle Berg
Ich habe schon einige Bücher für Erwachsene von Sybille Berg gelesen, die mir immer recht anspruchsvoll und eher düster vorkamen, so dass ich sehr gespannt auf diese graphic novel war.
Und ich bin begeistert.
Lisa hat mir so leid getan, denn sie ist ein klassisches Mobbingopfer und eine Außenseiterin.
Ihre Eltern haben ihre Arbeit verloren und kümmern sich um nichts mehr, morgens muss sie immer am Spielplatz vorbei und gerät dort regelmäßig in die Fänge der Jugendlichen dort. In der Schule angekommen ist es auch nicht besser. Lediglich ihre Bücher über Computer und das Weltall und zu Hause ihre Computer begeistern sie.
Doch dann landet eines Tages eine Art Staubsauger - heraus spazieren Außerirdische, denen es auf der Erde aber dann doch nicht so gefällt und die darum sofort weiter fliegen. Bis auf Walter, der eigentlich anders heißt, aber das kann sich doch keiner merken.
Und Walter ist ein toller Freund, der Lisa hilft, selbstbewusster zu werden.
Eine wunderbare Geschichte über das Anderssein, die Mut macht. Und eine über Freundschaft.
Eine tolle Mischung aus Text und guten Illustrationen.
Gute Umsetzung
Stolz und Vorurteil von Jane Austen; Claudia Kühn
Ich liebe "Pride and Prejudice" von Jane Austen und habe den Roman mehrfach gelesen. Es ist klar, dass solch ein langer Roman sich nicht komplett auf diesen circa 250 Seiten einer graphic novel abbilden lässt, aber meiner Meinung nach ist dieses Experiment durchaus gelungen. Einige der Charaktere, vor allem Jane und Lizzie, erinnern an auch an die Darstellerinnen der BBC Verfilmung.
Für mich war es sehr unterhaltsam, weil ich für mich die Lücken in der Geschichte gut füllen konnte, aber wenn jemand die Romanvorlage gar nicht kennt, dann kann es vielleicht schwieriger sein, den Überblick zu behalten.
Meines Erachtens nach wurden alle Schlüsselszenen hier gut umgesetzt und ja, die graphic novel ist moderner ausgerichtet, aber so war für mich hier das Händchen-Halten durchaus in Ordnung.
Auf manchen Seiten dominieren die schönen Illustrationen und es gibt kaum Text, auf anderen wiederum steht der Text im Vordergrund.
Mir hat es richtig gut gefallen und es ist ein Buch, das mich nun dazu bewegt hat, wieder einmal zum Original von Jane Austen zu greifen.











