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Rezensionen von yellowdog:
Lebensentwürfe, mit einer Sprache wie eloxiert erzählt
Ewiges Licht von Francis Spufford
Ewiges Licht von Francis Spufford ist ein Stück englische Literatur mit einer außergewöhnlichen Idee. Der Autor erzählt das mögliche Leben von 5 Menschen, die 1944 zu Tode gekommen sind. Es sind Ben und Vern, Jo und Val und Alec. Alles ganz verschiedene Persönlichkeiten.
Mit einem hochstilisierten Prolog beginnt es, auch danach bleibt ein erzählerisch hoher Ton.
Leider verfängt sich die Idee bei mir nicht so stark wie erwartet, obwohl es natürlich viele intensive Momente gibt, wenn die Figuren und ihr Leben kapitelwechselnd erzählt werden. Auch formuliert der Autor ganz gut.
Ein ambitioniertes Buch, von dem ich mir wünschte, es hätte mich mehr gepackt. So gebe ich 3,5 von 5 Sterne.
Leben mit Markus
Mongo von Harald Darer
Mongo von Harald Darer thematisiert das Zusammenleben mit Menschen mit Trisomi 21. Darer, der mich schon mit seinem Roman Blaumann aus dem Jahr 2019 sehr überzeugen konnte, verwendet eine zugängliche Sprache und einen Erzähler, mit dem man sich leicht identifizieren kann, insbesondere wenn man auch noch ungefähr aus seiner Generation stammt.
Es gibt viele Rückblicke, die die alte Zeit der siebziger und achtziger Jahre aufleben lassen.
Hinzu kommen einige österreichspezifische Ausdrücke, die mit als deutschen Leser nicht bekannt waren, die zu entdecken aber dennoch Spaß machten.
Harrys Frau ist schwanger, hat aber Angst, mit ihrem Baby könnte etwas nicht stimmen, da ihr Bruder Markus Trisomi 21 hat.
Auf unverkrampfte Art gibt es Beschreibungen der Erlebnisse mit Markus, die keine Tragik sondern viel Humor beweisen und für den ganz normalen Umgang mit Menschen mit Behinderungen plädiert. Auch wenn natürlich nicht alles immer ganz einfach ist. Markus ist ein Mensch mit Einschränkungen und dennoch eine Persönlichkeit.
Ein Mann lebt seine Überzeugungen
Vegetarianer von Felix Kucher
Der Picus-Verlag hat mit Vegetarianer von Felix Kucher ein interessantes Buch vorgelegt, dass sprachlich überzeugt. Die Handlung ist im 19.Jahrhundert angelegt und der Autor gestaltet sie sprachlich so, dass man sie nachvollziehen kann. Dabei übertreibt er aber auch nicht, so dass es immer gut lesbar bleibt.
Es ist eine Romanbiografie, die das Leben des Malers Karl Wilhelm Diefenbach zeigt, der einen alternativen Lebensstil gründete. Freies Leben, frei Liebe, Vegetarianismus und FKK gehörten dazu.
Seine Jünger konnte er aber überwiegend nicht halten. Einer seiner treuesten war der Maler Hugo Höppener, den er Fidus nannte.
Diefenbach war eine eigenwillige Figur, der fanatisch zu seinen Überzeugungen stand, aber sein Leben war auch mit Krankheit und Geldsorgen belastet.
Was mir fehlte war, dass mir auch der Anlass, die Initialzündung für Diefenbachs Theorien nahegebracht wurde.
Diefenbach ist eine eigenwillige Figur, mit der ich meine Probleme hatte, doch mit der Zeit wurde er mir doch nahegebracht und man leidet mit ihm mit. Es ist ein lesenswerter Roman.
Die Scharfschützen
Der grillende Killer von Chang Kuo-Li
Asiatische Literatur interessiert mich sehr. Der grillende Killer (leicht missratender Titel) ist aber in erster Linie ein Kriminalroman mit Thrillermotiven. Über Taiwan erfährt man nicht so viel.
An mir ist das Buch weitgehend vorbeigegangen, aber ein paar Dinge sind mir doch aufgefallen, z.B. eine gewisse Rasanz, die dennoch auch ruhige Passagen zulässt, schnelle Ortswechsel zwischen Taiwan, Italien und Ungarn sowie einem Kommissar, der kurz vor dem Ruhestand steht.
Für Krmifans könnte das Buch daher ein Highlight sein.
mysteriöses Verschwinden
Mrs Agatha Christie von Marie Benedict
Marie Benedikt zeigt den Menschen und das Privatleben der berühmtesten Kriminalroman-Autorin. Man begegnet ihr als junge Frau und wie sie ihren Ehemann kennenlernt sowie erste Schreibversuche.
Dann gibt es den Handlungsstrang 1926, als Agatha Christi rätselhafterweise für mehrere Tage verschwunden war.
Die Polizei suchte die Vermisste vergebens.
Dies ist kein Kriminalroman, aber dieses Ereignis gibt immerhin ein paar mysteriöse Momente.
Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Agatha und ihren Mann Archie. Das funktioniert sehr gut und hält die Spannung hoch.
Da es sich bei Marie Benedikt um eine Autorin aus den USA handelt, fehlt dem Text das typisch britische, was man sonst mit Agatha Christie verbindet.
Meinem Lesegeschmack kommt das aber entgegen.
Auch glaube ich nicht, dass diese Romanfigur wirklich der echten Agatha Christies Charakter entspricht, aber das sollte man bei einem Unterhaltungsroman dieser Art auch nicht unbedingt erwarten.
Marie Benedikt hatte mich schon mit Frau Einstein beeindruckt. Auch diesmal wählt sie als Schwerpunkt eine schwierige Beziehung. Dieser Roman ist ebenfalls stilistisch geschmeidig und sehr zugänglich.
Meditation mit Federvieh
Brüten von Jackie Polzin
Die amerikanische Schriftstellerin Jackie Polzin hat mit Brüten einen Debütroman mit unerwarteten Thema vorgelegt.
Die Gedanken der Erzählerin drehen sich die ganze Zeit um ihre Hühner.
Eigentlich interessieren mit Hühner nicht. Aber was an dem Roman dran ist, ist der einnehmende, warmherzige Erzählton.
Die Geschichte des Hühnerhofs ist aber auch eine des Niedergangs.
Ein Hauch von Nature writing und es ist auch ein wenig eine Meditation.
Ich habe das originelle Buch gerne gelesen und würde gerne wieder etwas von Jackie Polzin lesen.
bewegend
Was es braucht in der Nacht von Laurent Petitmangin
Was es braucht in der Nacht ist ein Roman, der durch seine Erzählart besticht. Es ist fast eine Art Bericht, den der Icherzähler von seinem Leben mit seinen 2 Söhnen schildert. Diee Erzählperspektive wird aufrechterhalten.
Es wirkt sehr persönlich und lässt mich als Leser nicht kalt.
Nachdem die Mutter 3 Jahre krank war, erlag sie ihrem Krebsleiden.
Für die beiden Söhne Fus und Gillou war und ist es eine schwere Zeit.
Gleichzeitig ist es auch eine wirtschaftlich schwierige Zeit für ganz Frankreich und die politische Stimmung im Land angespannt.
Das trägt dazu bei, dass der ältere Sohn Fus in eine radikale Szene gerät.
Das zieht auch Gefahren mit sich und eine Spirale der Gewalt.
Die Sorgen und Hilflosigkeit des Vaters macht der Schriftsteller Laurent Petitmangin deutlich. Als Leser kann man die Situation nachvollziehen und daher wirkt der Roman so intensiv.
Das Pulsieren der Emotionen
Atemhaut von Iris Blauensteiner
Der eigenwillig gemachte Roman besteht aus 3 Teilen dazu gehörigen Tracks voller Klangeffekte, die man über Link hören kann. Das passt, denn auch die Sprache hat eine Musikalität. Und es geht viel um Wahrnehmung.
Die Österreichische Autorin Iris Blauensteiner ist auch Filmregisseurin. Ich empfehle ihren Kurzfilm Schwitzen.
Ich denke, ihre Erfahrung als Filmemacherin wirken auch auf den Text ein.
Der Protagonist Edin arbeitet in der gleichen Firma wie seine Freundin Vanessa, als er unerwartet entlassen wird. Das bringt ihn in eine Krise.
Es gibt wenig Dialog, dafür erfährt man kontinuierlich Edins Gedanken.
Dadurch gerät man als Leser nahe an die Figur und seine Emotionen werden erfahrbar.
Die Rufe der Seeadler
Der Fluss ist eine Wunde voller Fische von Lorena Salazar
der fluss ist eine wunde voller fische ist ein poetischer Titel.
Der Roman wurde aus dem Spanischen von Grit Weirauch übersetzt und ist bei Blumenbar erschienen.
Eine weiße Frau ist mit ihrem schwarzen Sohn auf einer Reise, um das Kind wieder mit der leiblichen Mutter zusammenzuführen.
Diese hat den Jungen geboren, ihm aber nicht gegeben und die weiße Mutter hat ihn nicht geboren, ihm aber alles gegeben.
Als sie schließlich zusammentreffen merkt man, es geht auch viel um Lebensbedingungen. Es folgt ein dramatisches Finale.
Die Handlung des Romans ist in Kolumbien in der Region Chocó mit seiner üppigen Natur und vielen Flüssen und der Hauptstadt Quibdo angesiedelt.
Dort ist die Autorin Lorena Salazar aufgewachsen und es geht ihr viel um Zugehörigkeit.
Die Umgebung prägt auch die Sprache, die dieses Buch zuallererst ausmacht.
Es ist Lorena Salazars erster Roman und bietet dem deutschen Leser Exotik ohne Klischees.
Deutsch-dänische Zusammenarbeit
Gezeitenmord von Dennis Jürgensen
Gezeitenmord ist ein leicht zugänglicher Thriller, der routiniert geschrieben ist. Der dänische Autor Dennis Jürgensen ist offensichtlich ein erfahrener Schriftsteller.
Es ist der erste Fall für Lykke Teit und Rudi Lehmann und damit ein vermutlich Serienbeginn.
Mich interessierte, dass der Fall im Watt an der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark erfolgt und daher die Ermittler dieser Länder zusammenarbeiten.
Lykke Telt ist eine spannende Figur. Sie ist noch jung und als Kriminal-Assistentin noch nicht so erfahren.
Eine originelle Figur ist Hand Odin, ihr Chef.
Der deutsche Kommissar Rudolf Lehmann ist aber auch nicht schlecht. Locker, offen und humorvoll.
Der Roman lebt von seinen Figuren!
Sprachlich ist der Roman nicht herausfordernd, fast schon ein wenig flach.
Der Mordfall hat mich dann auch nicht unbedingt besonders gefesselt. Da ich kein richtiger Krimifan bin, ist das nicht maßgebend. Mich hat mehr das drumherum interessiert.











