Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Geschichten von einer Frau für Frauen
In all deinen Farben von Bolu Babalola
In all deinen Farben von Bolu Babalola ist eine außerordentliche Kurzgeschichtensammlung. Das Buch enthält überwiegend romantische Geschichten, die sich an diverse Mythen anlehnen.
Ein paar von ihnen möchte ich kurz erwähnen.
Die erste Geschichte hat mich nicht so richtig umgehauen, aber danach wird es deutlich besser.
Ich mag aber die zweite Geschichte Shehezerade wegen der leidenschaftlichen Erzählstimme, die von einer intensiven Beziehung berichtet.
In Psche sind wir in einem Büro eines Modemagazins, dass einen modernen Olymp widerspiegelt mit Eros, Venus , Hera usw. Sprachlich an Chicklit angelehnt, aber sehr amüsant.
Yaa ist die Geschichte einer Frau zwischen zwei sehr unterschiedlichen Männern und der Frage, wer sie sein will.
ZU den guten Storys gehört „Naleli“ über eine Schülerin, die allmählich Selbstbewusstsein gewinnt.
Im Nachwort geht die Autorin auf die mythologischen Ursprünge ihrer Geschichten ein.
Fazit: Es sind Geschichten von einer Frau für Frauen. Und über Frauen, die jeweils an einem Punkt im Leben angekommen sind, an dem sie sich entscheiden müssen.
Over the top
Idefix und die Unbeugsamen 01 von René Goscinny; Albert Uderzo; Yves Coulon; Jérôme Erbin; Matthieu Choquet
Idefix und die Unbeugsamen: Römer müssen draußen bleiben ist ein Ableger der Asterix-reihe, natürlich ohne die Genies Uderzo und Goscinny, die für immer unerreicht bleiben.
Wie viele meiner GenerationÜ50 bin ich Asterix-Fan und lese die Bände auch heute noch voller Nostalgie.
Idefiix war eigentlich immer ein besonders starker Charakter.
Freut mich, dass er in diesem Band im Mittelpunkt steht.
Ähnlich wie bei Asterix gilt bei ihm Klein aber oho.
Im Vergleich zu den Asterixbänden geht es streckenweise etwas weniger dialogbetont zu.
Zeichnerisch ist der Band over the Top. Stark finde ich zum Beispiel die Farbgebung.
Zwar gibt es auch Katzen und Vögel, aber es sind vor allen Hunde, die hier die Rolle spielen. Die Römer sind eigentlich nur Beiwerk.
Beeindruckend, dass die Gesichter der tierischen Protagonisten so viel Charakter ausstrahlen.
Die Handlung reicht nicht für eine ganze Geschichte, daher teilt sie sich auf auf 3 Stories auf.
Wilderer
Wilderer von Reinhard Kaiser-Mühlecker
Die Romanhandlung um den Landwirt Jakob ist eigentlich unspektakulär, aber gibt eine unterschwellige, innere Dramatik, die den Leser an den gut formulierten Text fesselt.
Jakob betreibt den nahezu bankrotten Hof seines Vaters praktisch alleine und wirkt ziemlich verbittert, auch wegen anderen Konflikten.
Man ist als Leser streckenweise auf der Spur nachdem, was zu seiner Haltung geführt hat.
Eine wende könnte es geben, als er Katja trifft, mit der er sogar ein Kind bekommt.
Wilderer hat mir deutlich besser gefallen als Kaiser-Mühleckers letzter Roman Enteignung.
Der österreichische Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker hat die zeitgenössische Literatur nicht neu erfunden, aber ein gutes Beispiel für ein niveauvolles Buch dieser Form vorgelegt.
Vielleicht ist es sogar ein Kandidat für die Longlist des Deutschen Buchpreises dieses Jahr!
Istanbul und Frankfurt
Kangal von Anna Yeliz Schentke
Schauplätze des kurzen Romans sind Istanbul und Frankfurt.
In der Türkei ist das Leben nach dem Putschversuch für die Oppositionellen gefährlich geworden. Verhaftungen drohen schon bei nur der Äußerung von Kritik.
Anna Yeliz Schentke schafft für ihren Debütroman drei Erzähler, die sich kapitelweise abwechseln.
Es sind die Türkin Dilek, die sich im Internet Kangal nennt und die Türkei verlässt, dann ihr Freund Tekin, der in Istanbul bleibt und schließlich Dileks Cousine Ayla, die in Frankfurt lebt.
Es ist der Autorin gelungen, ihren Figuren individuelle Stimmen zu geben.
Während bei Dilek ihre durch die politische Sitaution entstandene Getriebenheit spürbar ist, sind in den Tekin Passagen sogar fast poetische Stellen in den Beschreibungen Istanbuls.
Ayla hingegen hat als deutsche Türkin das Problem den Erwartungen ihrer konservativen Eltern nicht gerecht zu werden. Sie realisiert ihren Traum zu studieren und hat sich von ihrem Verlobten Yusuf getrennt, da er sie geschlagen hatte.
Die Kapitel sind kurz, dadurch wird der Roman umso dichter.
Ein bezwingend geschriebener Debütroman, der voll überzeugt.
Der Millionär und der Mönch
Wiedersehen im Shangri-La von Vibhor Kumar Singh
Vorbemerkung: Vor den Kapiteln sind immer wieder gut ausgewählte Zitate gesetzt, die ich für wirklich zutreffend halte.
Beispiele:
Erfolg ist nicht der Schlüssel zum Glück. Glück ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn Sie lieben, was Sie tun, werden sie erfolgreich sein.
Albert Schweitzer
Du kannst dich nicht auf deine Augen verlassen,
wenn deine Vorstellungskraft unscharf ist.
Mark Twain
Im Prolog wird dann die Prämisse des Buches aufgebaut: Die Frage „Sind Sie glücklich?“.
Diese Frage stellt sich zum einen einen Millionär, zum anderen einen Mönch, und sie arbeiten dann zusammen.
Sie sind gemeinsam in dem Hotel Shangri-La in Kathmandu.
Shangri-La selbst ist ein Ort des Friedens und der Harmonie. Also eher fiktiv.
Im Buch werden einige interessante Dinge thematisiert, z.B. Minimalismus, ToDo-Listen mit Zielen, Umgang mit Finanzen etc.
Man sollte auch nicht verpassen, wenn sich der Autor am Schluss noch einmal direkt an die Leser wendet.
Lebensgefühl in einer Großstadt
Love in the Big City von Sang Young Park
Der Ich-Erzähler Young gibt sich überwiegend cool, erzählt direkt, ironisch und ungehemmt, fast wie ein junger Charles Bukowski
Der Roman besteht aus 4 Teilen. Das verleiht dem Roman etwas episodenhaftes.
Youngs beste Freundin und Mitbewohnerin ist Jaehee, die seine Vorliebe für Männer und für das trinken teilt und sich ebenfalls abgeklärt gibt.
Doch ihr Zusammensein endet, als Jaehee überraschend heiratet und auch Youngs Leben ändert sich nun. Er kümmert sich um seine krebskranke Mutter, versucht sich als Schriftsteller und lässt sich auf Beziehungen ein, auch mit einem Mann, mit dem ihm Liebe verband. Ihre gemeinsame Zeit vor 5 Jahren wird in einem Rückblick erzählt.
Sang Young Park nutzt öfter die Methode der Rückblenden und des in den Zeiten springen und prägt seinen großen Seoul-Roman damit.
Die Stärke des Romans ist, dass hier auch unter die Oberfläche gegangen wird.
Trotz der vorgegebenen Coolness, die oft viel Witz versprüht, spürt man die Sensibilität des Protagonisten in vielen emotionalen Szenen.
Zeitgeschehen
Laborschläfer von Jochen Schimmang
Jochen Schimmang wirft in seinem zeitgenössischen Roman Laborschläfer einen Blick auf die Zeit der Bundesrepublik Deutschland.
Das sollte man jetzt nicht so verstehen, dass alle möglichen Ereignisse dieser Zeit erwähnt werden. es ist vielmehr eine eigenwillige Sichtweise der Hauptfigur.
Der Protagonist Rainer Roloff ist wie der Autor ein Jahr älter als die Bundesrepublik.
Früher war er Lehrer und Privatgelehrter.
Während seiner Zeit als Proband in einem Schlaglabor in einer Langzeitstudie erzählt er dem Arzt Dr. Meissner von diversen Ereignissen dieser Zeit.
Einige Merkmale aus Zeitgeschehen, Musik und Literatur benennt er. So ganz finde ich mich bis auf ein paar Ausnahmen darin nicht wieder, da mich
anderes prägte. Aber eine Identifizierung mit der Hauptfigur ist auch nicht unbedingt erforderlich, um der Handlung mit Interesse zu folgen.
Der Stil ist ruhig, relativ locker und leicht ironisch.
zwiegespalten
Als hätte jemals ein Vogel verlangt, dass man ihm ein Haus baut von Marie Malcovati
Wie der Klappentext bereits verrät, ist dies ein Roman einer Suche.
Bestimmend sind dabei die entstehenden Beziehungen der Frauen.
Die unterschiedliche Emotionalität der Frauen wird gut herausgearbeitet, dazu dienen auch die Dialoge.
Marie Malcovati hat eine ruhigen, stellenweise poetischen Stil, bei dem viel mitklingt.
Dadurch entstehen starke Bilder vor dem inneren Auge des Lesers.
Mir gefällt auch gut, dass so sensibel erzählt wird.Marie Malcovati hat ein erzählerisch dichten Roman komponiert.
Bei all dem Aufwand wundert mich doch, wie sehr mein Interesse im Verlaufe der Handlung abnimmt. Die Autorin hat versäumt, die Relevanz ihres Buches herauszuarbeiten. Daher bleibe ich am Ende zwiegespalten.
Was passierte wirklich?
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße von Maxim Leo
Maxim Leo hat mit Der Held von Bahnhof Friedrichstraße eine ausgezeichnete und treffende Satire auf die Verklärung ostdeutscher Zustände zur Zeiten der DDR geschrieben.
1983 ist eine S-Bahn aus der DDR in den Westen gelangt, so jedenfalls in diesem Roman.
Michael Hartung, ein ehemaliger Bahnarbeiter wird 30 Jahre nach der Wende unversehens zum Helden, weil er einem Journalisten ein Interview über dieses Ereignis gibt.
Dadurch wird über Nacht berühmt und sein Leben ändert sich.
Das es so gekommen ist, lag auch darin, dass der Journalist seine Story praktisch schon vorab fertig hatte, und damit Erwartungen erfüllt.
Dabei hat Hartung die Weichenstellung damals nur aus Versehen ausgelöst.
Das halte ich für realistisch. Man spürt beim Lesen ja auch, das man sich fast wünscht, Michael Hartung wäre wirklich der Held gewesen.
Über die DDR humorvoll zu schreiben ist riskant. Auch der Erfolgsfilm Goodbye Lenin war amüsant, entbehrte jedoch nicht der Ostalgie.
Auch der Held von Bahnhof Friedrichstraße würde ich jetzt nicht überbewerten. Aber es ist ein unterhaltender, witziger Roman, den ich mir gut als Fernsehfilm (ähnlich wie letztes Jahr 3 ½ Stunden) vorstellen könnte.
Glückliche Tage in Melbourne
Die Feuer von Claire Thomas
Die australische Schriftstellerin Claire Thomas hat mit Die Feuer ihren dritten Roman geschrieben. Ins Deutsche übertragen hat ihn Eva Bonné.
In diesem sprachlich ansprechenden Roman sind drei Frauen an einem heißen Tag im Theater und sehen ein Stück von Samuel Beckett.
Es sind die siebzigjährige Margot, dann die ca.
40jährige Ivy und die junge Platzanweiserin Summer. Sie sind sehr unterschiedlich. Die meiste Zeit zeigt die Autorin die inneren Gedanken der Frauen, die sich kapitelweise abwechseln und verschiedene Themen einkreisen. Dann wieder wird auch gezeigt, was auf der Bühne passiert.
Das aufgeführte Stück ist aber auch entscheidend. Glückliche Tage, bei der eine Frau bis zur Hälfte in der Erde steckt. Es scheint als versinnbildlicht das zum Teil, wie die Protagonistinnen sich fühlen.
Die Gedanken der 3 Frauen gehen auch in die Vergangenheit, manchmal sogar bis in die Kindheit und so ist man als Leser in verschiedenen Ebenen unterwegs. Das kann herausfordernd sein, da man doch sehr aufpassen muss.
Originell auch, wie sie die Pause, in der sich die drei treffen, in Szenen gestaltet
Und das, während es in der Umgebung von Melbourne aufgrund der Hitze brennt.
Claire Thomas Schreibweise ist geschickt gemacht, gerade weil sie einen einzigen Ort, das Theater, als Ausgangspunkt wählt.











