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Rezensionen von yellowdog:

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Respekt!

Flucht aus Syrien - neue Heimat Deutschland? von Kristin Helberg; Gesa Köbberling; Barbara Schramkowski; Olaf Jantz; Helge Kraus; Ingrid Gogolin; Rafik Schami; Klaus Farin

Seit 7 Jahren ist Bürgerkrieg in Syrien, der so viele Menschen zur Flucht zwang.
Es sind vielfältige Gespräche mit Flüchtlingen aus Syrien, die dieses Buch versammelt. Die verschiedensten Menschen kommen zu Wort, berichten von ihrer Heimat, der Flucht und ihren Eindruck von Deutschland. Die Geschichten haben Gemeinsamkeiten, aber auch so viele Unterschiede wie die Menschen halt unterschiedlich sind.

Interessant sind aber fast alle Geschichten, denn die meisten mussten einiges durchmachen.
Dank an die Stiftung Respekt!, die das zusammengetragen hat.

Herausgeber Klaus Farin schrieb das Vorwort. Dann folgen die ersten Gespräche.
Etwas zu ausführlich kommt mit die Umfrage unter WissenschaftlerInnen zum Thema Flucht vor, aber da es hier in die Tiefe geht, ist das für Interessierte vermutlich wertvoll.
Es ist überhaupt ein umfangreiches Buch. Alle Interviews habe ich noch nicht gelesen, dennoch hinterlassen die Gespräche einen bleibenden Eindruck.

Zweiter Herausgeber ist der bekannte Rafik Schami, der aus Syrien stammt, aber schon seit 47 Jahren in Deutschland lebt und einer der bedeutendsten Schriftsteller unterhaltender Literatur dieses Landes ist.

Höhepunkt des Buches ist der brillante Beitrag von Rafik Schami, ein langes, komplexes Essay über die Geschichte Syriens, den Strukturen der Diktatur und den Folgen des Krieges. Schami zeigt nicht unbedingt auf der Hand liegende, aber in sich schlüssige Zusammenhänge auf.

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Respekt!
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Schriftsteller*innen und der Rechtspopulismus

Unsere Antwort. Die AfD und wir. von Rudolph Bauer; Zoë Beck; Lena Falkenhagen; Klaus Farin; Nina George; Werner Schlegel; Carlos Collado Seidel; Leonhard F. Seidl; Sophie Sumburane; Michael Wildenhain

Vom Umgang mit der AfD. Dieses Buch startet eine Diskussion darüber u.a. im Kontext des Literaturbetriebes. Es gibt darüber sehr unterschiedliche Einstellungen. Ausgangspunkt ist die Forderung nach einer Unvereinbarkeitsvereinbarung des ver.di als Erklärung gegen Afd-Mitglieder. Das könnte ein wichtiges Signal sein, von der neuen Rechten aber auch polemisch ausgeschlachtet werden.

Ein Dilemma!

Es gab in der jüngeren Vergangenheit auffällige Vorfälle, in denen Schriftsteller wie Uwe Tellkamp mit seinen unsachlichen und unrichtigen Aussagen für einen Skandal sorgte oder die Provokationen rechter Verlage auf den Buchmessen.

Die Autoren gehen in ihren Beiträgen teilweise auf die anderen ein. Herausgeber ist Klaus Farin. Gut gefallen hat mir der Beitrag von Bestsellerautorin Nina George, die klare Worte schreibt. Leider wird von den Wortführern wenig auf sie eingegangen. Thrillerautorin Zoe Beck hält die AfD für äußerst gefährlich, während Klaus Farin glaubt, dass diese armselige Partei nur lästig sei und bald wieder verschwindet.
Meine Aufgabe als Rezensent dieses Buches kann es nicht sein, mich für einen dieser Ansätze zu entscheiden. Ich kann aber sagen, dass ich diese Diskussion an sich für sinnvoll und wichtig halte. Das Buch ist außerdem sogar interessant zu lesen.

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Schriftsteller*innen und der Rechtspopulismus
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Süchtig nach Gefahr

Der Kriegstourist von Jesper Bugge Kold

Niels ist Gymnasiallehrer in Dänemark, verheiratet, 2 Kinder und ganz schön gelangweilt von seinem mittelmäßigen Leben. Sein alter Freund Michael hingegen ist ein bekannter Kriegsfotograf, der schon in 80 Ländern war. Er lädt Niels ein, ihn nach Beirut zu begleiten. Ein Erlebnis für Niels.
Zurück in Kopenhagen verspürt er schnell wieder die Langeweile des Alltags und folgt auch Michaels nächster Einladung nach Lybien und weitere Kriegsgebiete.

Das hat auch Auswirkungen auf Niels Familienleben.
Niels ist auch nicht der einzige Kriegstourist. Mehrere Leute sind ähnlich Getriebene. Arnaud, Nenad, Tara und David. Immer wieder treffen sie an gefährliche Orten wieder auf einander.

Man muss nicht selbst das Verlangen nach dem Kick verspüren, um sich für diesen Roman zu interessieren. Über dieses Thema hatte ich bisher noch nichts gelesen.
Die Besuche der verschiedenen Ländern sind spannend geschildert. Die Gefühle von Niels kann man auch verstehen, wenn man selbst keine Drang nach Kriegsgebieten hat. Ich persönlich urteile nicht darüber.
Aber es ist absehbar, dass das seinen Preis hat und Niels irgendwann an seine persönliche Grenze stossen wird. Das passiert auch, als ein Freund getötet wird.

Auch der Fotograf Michael hat mich als Figur interessiert. Krieg zu fotografieren ist sein Beruf, aber auch seine Leidenschaft, der Mittelpunkt seines Lebens. Er könnte wohl keinen alltäglichen Zeitungsjob mehr aushalten. Jesper Bugge Kold schafft authentische Beschreibungen eines nicht alltäglichen Berufs, der sehr auszehrend sein kann.

Der Kriegstourist ist ein gut geschriebenes Buch, das mich aufgrund des Themas und der Art, wie der Leser an die Figuren herangeführt wird, überzeugen konnte.

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Marie und Melih

Für immer sein Mond von Marie Enters

Für immer sein Mond von Marie Enters erzählt eine eindringliche Liebesgeschichte zwischen Melih und Marie. Er ein Flüchtling aus Syrien und sie 53jährigen Frau, die ehrenamtlich mit Deutschkursen Flüchtlingen helfen will.
Es ist eine heimliche Liebe, die sie leben, denn Marie ist gebunden an Jan und hat mit ihm ein Kind.

Es ist ein Roman in zwei Teilen, der erste zeugt den Beginn der Affäre und wie sie sich entwickelt, der zweite Teil erzählt davon, wie sie sich langsam von sich lösen. Man sieht als Leser so einen gesamten Prozess einer Liebesbeziehung.

Auffälligstes Merkmal ist der Erzählstil von Marie, der sehr persönlich ist und ihre Emotionen wie Leidenschaft, aber auch Zweifel deutlich zeigen.
Es ist außerdem ein Bild von Deutschland in einer schwierigen Zeit, die von gewissenlosen Parteien wie AFD und ihren jämmerlichen Wählern sowie den Medien aufgeladen ist. Marie erzählt aber auch Melihs Sicht auf die Situation, die realistisch und trotz allen positiv ist.
Mir gefallen beide Figuren sehr, auch wenn Marie sich nicht aus ihren Zweifeln lösen kann und ihre große Liebe nicht öffentlich leben kann. Doch mich beeindruckt ihr Engagement.

Sprachlich dominiert ein poetische Ton, der von Melancholie durchzogen ist. Ein lesenswertes Buch.

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Marie und Melih
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Eigentümlich

Hier ist noch alles möglich von Gianna Molinari

Für einen Auszug aus diesem Roman gewann die Schweizer Autorin Gianna Molinari den 3Satpreis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb. Sie hat einen interessanten Stil, in dem ein ruhiger, langsamer Erzählstil dominiert. In ihrem Roman gibt es eine Icherzählerin, die als Nachtwächterin in einer Fabrik anfängt und in einer Halle sogar wohnt.

Allzuviel erfährt man zunächst nicht von der Icherzählerin, obwohl ständig ihre gedanklichen Reflektionen gezeigt werden.

Viel Personal gibt es nicht. Da ist der Chef, ein Koch und mit Clemens und Lohse weitere Kollegen. Der Einsatz so weniger Figuren verleiht dem Roman etwas Kammerspielartiges, was einen Kontrast zu den weiträumigen Schauplätzen der Fabrik und des in der Nähe liegenden Flugplatzes bildet.

Die Fabrik steht kurz vor der Schließung, was eine eigenartige Endzeitstimmung mit sich bringt. Der Job ist unspektakulär, wird aber aufgelockert durch das Gerücht, dass ein Wolf auf dem Gelände sei.
Außerdem gibt es einen rätselhaften Fall mit einem Mann, der sich vor der Fabrik zu Tode stürzte, offenbar ein Flüchtling, der aus einem Flugzeug fiel.

Gianna Molinari arbeit geschickt mit der Sprache, hält die Handlung in der Schwebe und erzeugt auf verhaltene Art eigentümliche Stimmungen und Atmosphäre.

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Eigentümlich
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Gedrückte Stimmung

Bruderkampf von Alexander Kent

Richard Bolitho bekommt als Kommandant ein neues Schiff zugewiesen, die Phalarope, eine große Ehre.
Immer noch ist Stockdale bei ihm, treu steht er zu ihm. Leider spielt er in der Handlung keine große Rolle, selbst sein Ende ist nahezu banal gestaltet. Schade, Alexander Kent nutzt alte Stärken nur unzureichend.

Zunächst geht es fast 100 Seiten ziemlich gleichförmig zu, bis schließlich die Mannschaft und ihre Unzufriedenheit mehr in den Vordergrund rückt. Aber auch das bleibt erzählerisch enttäuschend unentschlossen.
Die Stimmung ist leicht gedrückt, leider überträgt sich das auf den Leser, so das man nicht wirklich von einem Lesegenuß sprechen kann.

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Vielfältig

Zweite Chance auf Eden von Peter F. Hamilton

Der britische Science Fiction-Autor Peter F. Hamilton hat zur Hochzeit des Genres in den neunziger Jahren ein umfangreiches Werk geschaffen, dass die Space Opera belebte.
Dieses Band des Armageddon-Zyklus beinhaltet mehrere Kurzgeschichten und wurde als Collection im Original 1999 veröffentlicht. Die einzelnen Stories erschienen noch früher in New Worlds, Interzone, New Moon, etc.

Gleich die erste Kurzgeschichte hat viel Action und zeigt Begegnungen zwischen Menschen und Aliens. Die Kaltschnäuzigkeit der Icherzählerin ist beachtlich, sie ist ein Kämpferin durch und durch. Dass die Seelen Toter eine bedeutende Rolle spielen, gibt dem Text sogar einen phantastischen Einschlag.
In der Summe finde ich das aber zu viel und übertrieben.

Die zweite lange Geschichte (Die zweite Chance, Second Chance at Eden) zeigt, dass Hamilton es auch ruhiger und tiefgründiger kann. Diese Story leitet dem Buch den Titel her.
Noch einmal ein anderes Gesicht zeigt der Autor mit der von mir am meisten geschätzten Kurzgeschichte “Zeiten ändern sich”, die auf einer Farm im Grenzland angesiedelt ist. Hamiltons Vielseitigkeit ist eine Stärke.

Candyknospen ist eine Story, die, unüblich für Peter F. Hamilton, mit wenig Dialog auskommt.

In “Die Leben und Lieben der Tiarella Rosa” steht ein Zeitspringer im Mittelpunkt. Auch diese Geschichte ist gut lesbar und gehört zu den Besten im Buch.

Das Band schließt mit “Fluchtwege”.

Mich überzeugt die literarische Qualität von Peter F. Hamilton nicht durchgehend, aber die Zusammensetzung der Collection halte ich für gelungen.

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Fallstudie

Die Liebe kennt keine Zeit von Brian L. Weiss

Durch Cover und Titel könnte man denken, das Buch wäre ein Roman, aber es ist ein esoterisches Sachbuch. Die Geschichte von Elizabeth und Pedro wird nur als Fallstudie anhand von Therapiesitzungen geschildert.

Wenn man fest an Reinkarnation, Seelenwanderung und die heilende Therapie von Rückführungen glaubt, ist dieses Buch sicher eins, dass die Erwartungen erfüllt.

Vielleicht ist bei Esoterikbüchern der Glaube auch eher ein Wünschen. Kritische Punkte von uns Skeptikern gibt es, z.B. die Frage der Wahrscheinlichkeit.
Brian L. Weiss ist als Anbieter dieser Rückführungstherapien erfolgreich, mit dem Erfolg seiner Bücher kann er auch zufrieden sein. Den literarischen Gehalt des Buches “Die Liebe kennt keine Zeit” würde ich nicht als hoch einschätzen. Es ist kein Roman, auch keine erzählende Biographie. Im Mittelpunkt stehen die Therapiesitzungen, bei denen Pedro und Elizabeth sich unter Hypnose ihrer diversen Widergeburten besinnen. Da wechseln auch die Geschlechter und oft sind sie besondere Menschen. Wunsch oder Fakt? Dass diese beiden Patienten dann auch noch eine gemeinsame Liebesgeschichte in ihren vergangenen Leben hatten, kommt mir als ein großer Zufall vor. Zu groß als das es wahrscheinlich ist.

Elisabeth und Pedro begegnen sich erst sehr spät im Buch und dann geht ihre Geschichte letztlich in den Passagen unter, in der der Autor sich selbst und seine Erfolge preist.

Aufgemotzt wird das buch durch zahlreiche, zum Teil umfangreiche Zitate, von Ghandi, Leonardo da Vinci, Voltaire etc., jeweils eins vor jedem Kapitel. Das halte ich für übertrieben.

Das Buch wurde 1997 zuerst veröffentlicht. Eigentlich erstaunlich, dass es jetzt wiederveröffentlicht wurde. Die Thesen von Brian L. Weiss sind seitdem nicht anerkannter und die Reinkarnationstherapie halten viele für riskant und gefährlich für die Patienten. Sicher zu Recht!
Ich hoffe, dass nicht zu viele Leser etwas anderes erwarten.

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geschmeidiger Stil

Als die Tage nach Zimt schmeckten von Donia Bijan

Als die Tage nach Zimt schmeckten ist ein Buch der amerikanischen Autorin Donia Bijan, die im Iran geboren wurde. Nach 32 Jahren Exil kehrte sie für einen kurzen Besuch nach Iran zurück. Das inspirierte sie zu diesem Roman, bei dem von Anfang an ein geschmeidiger Stil zu genießen und ein warmherziger Ton zu spüren ist.

Der 75jährige Iraner Zod leitet sein Cafe in Teheran, seine Kinder leben in den USA. Als seine Tochter Noor sich von ihrem untreuen Ehemann trennt, kommt sie auf Besuch mit ihrer Teenagertochter Lily zurück in den Iran.

Dann werden in Teil 2 mehr Hintergründe erzählt und es gibt einen Rückblick in Zods Jugend, sein Beginn als Student 1964 in Paris, aber er kehrt schnell zurück und ist glücklich verheiratet, bis politische Wechsel und Gewalt das Leben verdüstern.
Dieser Abschnitt zeigt Leid und Unglück, aber auch Liebe.

Teil 3 ist auch Rückblick und zeigt Noors Zeit, als sie von ihrem Vater aus Sicherheitsgründen in die USA geschickt wurde und wie sie da nach langer Eingewöhnungszeit schließlich Krankenschwester wurde und heiratete.

Dann sind wir wieder in der Gegenwart im Iran und es geht weiter mit vielen Emotionen, auch dramatischen Passagen und der Entwicklung der Figuren zu neuer Stärke.

“The last Days of Cafe Leila” wurde geschmeidig ins Deutsch übersetzt, wie man es von Übersetzerin Susanne Goga-Klingenberg gewohnt ist. So überzeugt der emotionale Roman, dessen Leitmotiv raffiniertes Kochen und leckeres Essen ist.

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In einer Wiener Sommernacht

Sommernachtsreigen von Anna Herzig

Anna Herzig baut ihren kleinen Reigen in erster Linie auf Gespräche zwischen Bertl und Pawel in einer Sommernacht auf. Das Buch ist sehr dialogbetont!

Die Figuren sind sehr präsent. Der eher gemütliche Bertl, der eigentlich Albert heißt,, ist ein Gegensatz zu den nüchternen Fotografen Pawel.

Trotzdem verstehen sich die beiden von Anfang an gut!
Bertl ist mit Johanna verheiratet, doch nachdem die Leidenschaft nach Jahren eingeschlafen ist, steht ihre Beziehung vor dem Aus. Doch manchmal kann eine einzige Nacht entscheidend sein.

Schauplatz ist Wien, daher sind auch die Gespräche durchdrungen von der Wiener Lebensart und dem wienerischen Dialekt. Dadurch entsteht ein dichter, atmosphärischer Sound, bei dem man sich wünscht, man würde den Roman hören.

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In einer Wiener Sommernacht