Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Wild und ungezähmt
Blut auf dem Mond von James Ellroy
Blut auf dem Mond ist der erste Teil der Lloyd Hopkins-Reihe von James Ellroy, entstanden 1984. Es ist ein typisches Produkt der Achtziger Jahre. Das ist nicht abwertend gemeint. Ellroys Prosa wirkt wild und ungezähmt, manchmal scheint er es ein wenig zu sehr zu genießen. Manchmal wirkt es, als würde er den Dichter verherrlichen, wie es Thomas Harris mit seinem Hannibal gemacht hat.
Manche überzogen beschriebene Gewaltszene hätte man sich gerne erspart.
Der Roman ist ein typischer Serienkiller-Thriller, hat aber viele originelle Details und einen eigenständigen, grimmigen Humor. Sergant Lloyd Hopkins ist ein extremer Typ. Weitere Teile der Reihe zu lesen ist vorstellbar, aber besser nur gut dosiert.
Cat Person
Cat Person von Kristen Roupenian
In den Erzählungen von Kristen Roupenian geht es intensiv vor. Die Schwierigkeiten menschlicher Beziehungen in unterschiedlichen Varianten werden gezeigt. Das die Autorin so tief in die Psyche ihrer Figuren dringt, verstärkt die Intensität der Stories.
Manchmal erscheint mir die Autorin etwas zu genüsslich dabei.
Das verleiht den beklemmenden Geschichten den Hauch Voyerismus, der beim Lesen schmerzhaft sein kann.
Ob die Autorin zu weit geht, liegt sicher in der Entscheidung des einzelnen Lesers.
Die Titelstory Cat Person ist die herausragende. Für mich klar die Beste.
Zeitportrait
Schokolade bei Hanselmann von Rosetta Loy
Rosetta Loy schreibt in ihrem von Maja Pflug aus dem Italienischen übersetzten, preisgekrönten Roman von einer römischen Familie vor und im zweiten Weltkrieg.
Enrico und seine Frau Isabella haben zwei Kinder (Marta, Lorenza) und sind mit Arturo befreundet, der schließlich Isbellas Schwester Margot heiratet.
Rosetta Loy wählt einen Beginn in der Vorkriegszeit, in der Enrico von seinem Kollegen Arturo besucht wird. Sowohl Isabella als auch die Kinder sind verzaubert von ihm. Arturo hat viel Charme und Eigenarten, vielleicht auch Geheimnisse. Es ist eine sorgenfreie Zeit, dominierend die Eindrücke der Kinder. Überwiegend ist die Handlung undramatisch. Aber Arturo ist Jude und bald wird es gefährlich für ihn. Denunzation und Deportation droht. Mit gefälschten Ausweis lebt er unentdeckt und sucht schließlich Zuflucht in der Schweiz.
Sprachlich ist das Buch sehr sorgfältig und effektiv gestaltet, ein Genuß!
Diesem Zauber wird aber auch die dunkle Zeit voller Bedrohung entgegengestellt. Die 1931 geborene Autorin hat die Zeit des Faschismus als Kind erlebt. Vielleicht gelingt ihr deswegen das Zeitportrait so gut.
Flovent und Thorson
Graue Nächte von Indridason Arnaldur; Indriðason Arnaldur
Graue Nächte ist der zweite Teil aus Flovent-Thorson-Reihe.
Ein guter Titel, denn Arnaldur Indridason verwendet viele Textpassagen darauf, die Bedrohung der Zeit 1943 zu verdeutlichen.
Stellvertretend eine Textstelle in Kapitel 26 wie Reykjavik empfunden wird:
Reykjavik war nicht mehr der Ort, den sie vor wenigen Jahren verlassen hatte.
Sie fuhren an furchteinflössenden Kriegsschiffen vorbei, an Fregatten und Öltankern, Zerstörern und Kreuzer, die zwischen isländischen Fischerbooten und Trawlern lagen.
In einer solchen Szenerie noch einen spannenden Kriminalfall einzupacken ist eine große Leistung, die mich an die Commidario De Luca-Reihe von Carlos Lucarelli erinnert.
Eine Frau ist verschwunden, ein Mann wurde brutal ermordet, Osvaldur wurde von den Nazis verhaftet, dann noch Ingimar, der auf einem Schiff auf der Fahrt nach Petsamo starb, vielleicht ermordet. Weitere wichtige Figuren sind der politisch schwer einzuschätzende Manfred und vor allen eine namenlose Krankenschwester, aus deren Perspektive öfter erzählt wird. Natürlich ohne, dass sie Icherzählerin wird.
Wie sie fast so agiert wie Ingrid Bergmann in Hitchcocks Film Notorious gehört zu den spannendsten Momenten. .
Die beiden Kommissare Flovent und Thorson stehen nicht permanent im Mittelpunkt, haben aber auch gute Szenen.
Es wird ein detailreicher Plot, der den Leser fordert.
Obwohl die Ungebung und der Ton ein anderer ist als bei der übermächtigen Erlendur-Reihe, ist es doch ein typischer Arnaldur Indridason. Er hat schon lange einen eigenständigen Stil. Ich erinnere mich noch an eine Lesung des Autors in Köln, als gerade erst sein zweiter Roman erschienen war. Schon damals war er ein kompletter Krimiautor.
Melancholie und leise Komik
Für eine schlechte Überraschung gut von Paasilinna Arto
Kennzeichnend für den Stil des Romans ist der leichte Humor in schweren Zeiten, daher ist auch eine Melancholie zu spüren.
Das ist in Kriegszeiten nicht verwunderlich.
Schauplatz ist Finnland. Im Mittelpunkt stehen 2 Männer, die mit einem Flugzeug in den eisigen Weiten landeten.
Savolenko und Kunitsin sind unterschiedliche Typen, aber sie verstehen sich.
Die Dialoge sind verantworlich für die leise Komik.
So sehr viel passiert nicht von Bedeutung, ich kann das Buch daher nicht besonders hoch einschätzen.
Auffällig am Buch ist auch das schön gezeichnete Cover, das ich deswegen abschließend unbedingt noch erwähnen möchte.
Politthriller mit Tiefgang
Für eine schlechte Überraschung gut von Paasilinna Arto
Roh ist ein intelligenter Thriller mit politischen, aber vor allen gesellschaftsrelevanten Themen, wie das Wirken unterschiedlicher radikaler Gruppen und dem Zusammenleben deutscher und türkischstämmiger Menschen in Deutschland.
Uli T. Swidler setzt mehrere Handlungsstränge und Figuren ein um ein Panoptikum verschiedener Interessengruppen darzustellen.
Da ist Carl Gruber ehemals Kölner Polizist, schlägt sich als Privatdetektiv mehr schlecht als recht durch.
Er hat Interesse daran, den Fall eines getöteten türkischen Jugendlichen zu lösen, wofür er suspendiert wurde. Lena, Carls ehemalige Kollegin, zur Hälfte Türkin, unterstützt ihn dabei.
Die beiden sind interessante Figuren, da man bei ihren Dialogen sehen kann, wie Carl fähig wird, andere Standpunkte zu erkennen und anzuerkennen. Und man erfährt, das es für eine türkischstämmige Frau bei der Polizei nicht gerade einfach ist und sie sich mehr durchsetzen muss als männliche Kollegen.
Zu Swidlers Stärken gehört es, schnell gute Figuren aufzubauen.
Ein wichtiger weitere Handlungsstrang ist die um die junge Sara, seit Jahren eine Sklavin bei den Mönchen, doch schließlich gelingt es ihr zu fliehen.
Die (falschen) Mönche verfolgen sie, doch die forsche Julia hilft Sara weiter zu entkommen.
Es gibt auch noch die gefährlichen Extremisten von der neuen Rechten.
Auch die islamistischen Fundamentalisten sind vertreten. Der Hassprediger Meti Arslan ist ein gefährlicher Mann.
Die einzelnen Elemente fügen sich schließlich zu einem komplexen, aber stimmigen Ganzen. Das ist saubere Arbeit des Autors und ergibt ein spannendes und unterhaltsames Buch mit Tiefgang.
Georgie und Laura
Für eine schlechte Überraschung gut von Paasilinna Arto
Das Buch erzählt das ereignisreiche Leben einer starken Frau, die 1900 geboren wurde und einiges in der Welt des Films, der Flugzeuge und der Fotografie leistete. Die Engländerin Georgie Hepburn war Schauspielerin in der Stummfilmzeit, Pilotin im Krieg und später erfolgreiche Fotografin. Und natürlich waren auch die Männer Teil ihres Lebens, doch sie blieb immer auch unabhängig.
Das ganze ist reflektiert durch eine Schauspielerin der heutigen Zeit, die Georgies Rolle in einem Film spielen will.
Die Georgie Passagen werden in einen Rahmen gelegt, der als Der Hepburn-Nachlass von Laura gelesen werden. Originellerweise gibt es darin sogar Interviews mit Georgie. Nach udn nach entbergen sih auch einige Geheimnisse,
Dem schottischen Autor J.David Simons gelingt es, die zwei Handlungsebenen so zueinander zu setzen, dass sie sich gegenseitig befruchten. Die Handlung bleibt bei aller Komplexität durchgehend stimmig und durchweg packend zu lesen. Ein wirklich gutes Buch!
kein konventioneller Krimi
Für eine schlechte Überraschung gut von Paasilinna Arto
Wer Burnets großartigen Roman „Sein blutiges Projekt“ kennt, weiß, dass ungewöhnliche Stilmittel zu erwarten sind und kein konventioneller Krimi.
Der eigenbrötlerische Kommissar Georges Gorski passt jedoch bestens ins typische Krimibild, genau wie seine verhaltene Ermittlungsarbeit.
Der Unfall mit einem toten Autofahrer, den er untersucht, führt ihn auf die Spuren des Toten und dessen Geheimnisse.
Der Sohn des Toten, Raymond, steht ebenfalls oft im Mittelpunkt des Geschehens.
Kommissar Gorskis Privatleben ist aus der Spur, seine Frau hat ihn mit Tochter verlassen, ob sie zurückkehrt ist ungewiss.
Mich begeistern die Beschreibungen des Alltags der Menschen und wie sich der Autor hierfür viel Zeit lässt. Sie sind detailreich, aber nicht übertrieben.
Burnet lässt den Leser oft in die Gedanken seiner Figuren blickén. Auch die Dialoge funktionieren gut.
Die erzeugten Stimmungen sorgen dafür, dass man einen wirklich spannenden Plot nicht vermisst.
Ein Held dunkler Zeit
Ein Held dunkler Zeit von Hardinghaus Christian
Bei der Thematik ist der Heldenbegriff natürlich diskutabel, was das Buch umso interessanter macht und Denkprozesse anstößt.
Geschickt beginnt der Autor Christian Hardinghaus damit, der eigentlichen Handlung eine Klammer zu geben, indem er einen 95jährigen Erzähler namens Friedrich Tönnes schafft, der in einem Buch seine Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg niederschreibt.
Er war damals Sanitäter und der Arzt Wilhelm, dem er folgte, war ein Held für ihn.
Das Wilhelm nicht nur Arzt sondern auch Mensch war und durch die Liebe motiviert wurde, lässt ihn in einem neuen Licht erscheinen. Zunächst war er als junger Arzt vielleicht auch gefährdet und verführbar, aber als er eine Halbjüdin traf und heiratetet, war seine einzige Sorge die Sicherheit seiner Familie.
Es beginnt eine umfassende, durchaus packende Handlung. Man kann das Buch lange nicht aus der Hand legen.
Wer wie ich schon viele Romane und Sachbücher über die Zeit 1933 – 1945 in Deutschland gelesen hat, der weiß, diesen Roman gut einzuschätzen und ich halte „Ein Held dunkler Zeit“ für ein gutes Buch.
Romantic thrill
Tödliche Wahrheiten von Elisabeth Naughton
Tödliche Wahrheiten, Originaltitel: Gone, ist der zweite Teil der Deadly-Secrets-Reihe von Elisabeth Naughton.
Die Protagonisten des ersten Teils spielen hier aber nur Nebenrollen
.Als Mischung aus Romance und Suspense ist der Roman nahezu perfekt gemacht, den die Elemente beider genre ergänzen sich hier gut.
Alec McClane und Raegan Deveraux haben sich getrennt, nachdem ihre 1jährige Tochter getrennt wurde. Raegan glaubt fest daran, das Emma noch lent. Alec hingegen glaubt, dass sein Vater, der im Gefängnis sitzt, Schuld an ihrer Entführung hat.
Nach 3 Jahren ergibt sich eine Spur und das Paar rauft sich wieder zusammen, die Anziehungskraft zwischen beiden ist immer noch groß, doch Alec muss gegen seine Schuldgefühle ankämpfen.
Elisabeth Naughton lässt ihren Figuren Zeit, wieder zu sich und zueinander zu finden. Vor allen Alec muss sich seiner schwierigen Vergangenheit erst noch so richtig stellen. Es wird als langer, schwieriger und sehr emotionaler Prozess gezeigt. Damit erweist sich dieser Roman als realistischer und tiefergehend als vergleichbare Bücher des Genres.








