Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
eine gute Zusammenfassung
Anderland von Ingo Zamperoni
Ingo Zamperoni hat schon einmal ein Amerika-Buch geschrieben, doch ich finde er hat sich schriftstellerisch weiterentwickelt. Das Buch ist dichter und konzentrierter als das erste. Vielleicht liegt es auch am Thema Trump, dieses Enfant terrible, den man nicht verstehen kann und auch nicht, wie es dazu kam, dass ausgerechnet so ein inkompetenter Kotzbrocken Präsident wurde.
Ein Desaster! Zamperoni kann die Gefühle, die hierzulande die meisten gegen Trump empfinden, gut ausdrücken. Außerdem bringt er viele beispiele für mögliche Gründe der Trumpwähler. Es ist die Wut einer weißen Mittelschicht, die sich gegen eine politische Elite wendet. So ist Trumps Erfolg auch durch die Schwäche einer Hilary Clinton oder bei den Vorwahlen der republikanischen Kandidaten möglich geworden.
Leider gibt es inzwischen auch kaum noch eine politische Persönlichkeit, der die Möglichkeit und die Kraft hat, gegen Trump gegenzuhalten.
Vieles von dem, was Zamperoni aufzählt, sind Lesern, die die Situation aufmerksam verfolgten, sicher schon bekannt, aber das Buch ist eine gute Zusammenfassung, die interessant und leicht zugänglich zu lesen ist.
etwas konstruiert, aber gut zu lesen
Das Grab unter Zedern von Eyssen Remy
Das Grab unter Zedern ist dank der starken Hauptfigur, dem Rechtsmediziner Leon Ritter, ein ordentlicher Krimi. Schauplatz ist Lavandou in der Provence. Der Plot ist zwar nichts Besonderes, aber Leon Ritter ist eine interessante Figur. Als Deutscher in Frankreich tritt er dennoch stets selbstbewusst und klug auf.
Er lebt mit der Polizistin Isabella und deren 15jähriger Tochter zusammen und die Passagen, die ihr Familienleben zeigen, sind in den Dialogen humorvoll und insgesamt warmherzig gehalten.
Es gibt einige dramatische Passagen, aber mehr erst zum Ende hin. Bis dahin liegen die Schwerpunkte auf die Verhaltensweisen der Bewohner des Städtchens, z.B. gegen einen angeblichen Kindermörder, der freigesprochen wurde und dennoch von der Bevölkerung schikaniert wird oder gegen einen geistig behinderten Mann, der in Verdacht gerät. Leon versucht hier zu helfen.
Das ist viel spannender als der eigentliche Fall, der mir zu konstruiert ist und dessen Auflösung mir persönlich nicht gut gefällt.
Der Roman liest sich schnell weg, vielleicht lese ich einen der 3 vorherigen Teile der Serie bei Gelegenheit auch noch.
Bolitho als Fähnrich
Die Feuertaufe von Alexander Kent
Ein gutes Vorhaben vom e-Book-Verlag Refinery die Richard Bolitho-Reihe von Alexander Kent wieder zu veröffentlichen. Die Feuertaufe ist Teil 1 der Reihe, aber nicht der erste Bolitho-Roman von Kent. In der Handlungsabfolge ist es aber tatsächlich der Start. Der spätere Seestratege Richard Bolitho ist hier noch ein junger Fähnrich, fast ganz unten in der Hierarchie, aber dank seiner Persönlichkeit und Fähigkeiten besteht er gut.
Dieser Start zeigt aber auch gut, wie hart das Leben für die Seeleute und Soldaten auch in Nichtkriegszeiten auf See war. Auch wenn gerade kein krieg ist, gibt es mehrere kleine und große Konflikte, in der die englische Marine eingreifen muss.
Letztlich bedient Alexander Kent natürlich das Hohelied auf die britischen Helden, aber das war nicht anders zu erwarten. Wenn man darüber hinwegsieht ist Die Feuertaufe bei aller Kürze ein detailreicher Abenteuer-Seeroman. Der geneigte Leser bekommt, was er erwartet.
Kraftvoll und poetisch
Himmel und Hölle von Jón Kalman Stefánsson
Eine isländische Geschichte über Fischer und das Meer, kraftvoll, sehr dicht und poetisch geschrieben. Dabei relativ unspektakulär, angesiedelt wahrscheinlich anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts in Island.
Im Mittelpunkt stehen Bardur und der Junge, zwei die nicht so ganz sind wie die anderen Fischer, zum Beispiel lesen sie viel und zitieren aus Miltons Das verlorene Paradies.
Sie sind eigentlich nicht dafür geschaffen zur See zu fahren. Dennoch sind sie ganz im Geschehen verankert.
Doch das Leben auf dem Meer ist rau und gefährlich und als schließlich nur einer der beiden lebend zurückkehrt ist er wie betäubt und allein. Wie der Junge allmählich Teil des Dorfes wird, in das er geht, bestimmt die zweite Hälfte des Romans.
Ein guter Roman von 2009, dem noch zwei Teile rund um das Leben des Jungen folgte.
Diese Buch beweist, Jon Kalman Stefansson ist einer der großen Stimmen Islands!
Hohe Komplexität
Die Reise der Scythe: Aszendenz von Dirk van den Boom
Die Reise der Scythe ist der erste Teil einer Reihe. Dirk van den Booms Wurzeln liegen in der Trivialliteratur. Daran gemessen ist das Buch wirklich ein ordentlicher Science Fiction-Roman.
Durch mehrere Handlungsstränge und viele Figuren entsteht eine hohe Komplexität.
Neben der Mannschaft der Scythe sind vielleicht die beiden Astronomiestudenten Jordan und Elissi wichtigste Figuren, jedenfalls meine Lieblingsfiguren.
Jordan und Elissi ist ein interessantes Paar, da die intelligente Elissi sehr verschlossen ist, Jordan sich aber liebevoll um sie kümmert.
Manche Klischees werden nicht vermieden. Schwachpunkt bei der Figurengestaltung ist der sadistische Superschurke Joaquim Gracen, der wie aus einem James Bond-Film entsprungen wirkt.
Auch einige der positiv besetzten Figuren überzeugen nicht vollumfänglich.
Wie die vielen Plots letztlich zusammengeführt werden, erschließt sich noch nicht und man muss fürchten, dass das dem Autor nicht komplett gelingen wird. Aber wirklich sagen kann man das erst später und vielleicht erhalten einige Figuren, die zunächst überflüssig zu sein scheinen, später doch noch Bedeutung.
Der Roman Spaß gemacht und ich gebe 3,5 von 5 Sternen! Es endet vollkommen offen und es bleibt ein latentes Interesse daran, wie es weitergehen wird. Bei Gelegenheit werde ich vielleicht weitere Teile lesen.
Charakter-driven
Die Reise der Scythe: Aszendenz von Dirk van den Boom
Alles begehren ist in erster Linie ein Roman über Beziehungen, dazu über einen langen Zeitraum angelegt und vollkommen unkitschig.
Mit Kate ist eine realistische Hauptfigur vorhanden. Sie ist Schauspielerin, eine europäische, damit entfallen die Klischees, die man sich über Hollywoodschauspieler macht.
Schließlich ist auch die Autorin Ruth Jones selbst Schauspielerin und erstellt in ihrem Debütroman ein stimmiges Bild.
Kate ist selbstbewusst, sie wurde bei einem One-Night-Stand als 22jährige Studentin von einem verheirateten Mann schwanger und diesen Mann trifft sie jetzt nach fast 20 Jahren in Edinburgh, Schottland wieder. Eigentlich dachten sie, die Vergangenheit läge hinter ihnen, aber die erneute Begegnung lässt alte Gefühle wieder aufbrechen.
Das ist problematisch, da Callum immer noch verheiratet ist, ebenso wie Kate inzwischen auch, sie hat sogar noch eine kleine Tochter. Wenn die Situation eskaliert wird das für alle Beteiligten sehr schmerzhaft. Hier stellt sich auch die Frage, ob große Leidenschaft es wert ist, alles andere zu opfern.
Ob Kate und Callum wirklich gut füreinander sind, sei dahingestellt. Kate kann sehr rücksichtslos sein, wenn es darum geht, das zu bekommen, was sie will. Und Callum ist oft willensschwach.
Der relativ ruhig geschriebene Roman braucht lange, um in Fahrt zu kommen. Erst in den letzten 100 Seiten kommt richtig Tempo auf.
Ruth Jones große Fähigkeit ist es, ihre Figuren mit allen Fehlern und Schwächen zu entwerfen und doch den Leser stark für sie fühlen zu lassen.
Fabel-haft
Die Reise der Scythe: Aszendenz von Dirk van den Boom
Den Romantitel “Das Mädchen, das in der Metro las” schätze ich nicht besonders, obwohl es dem Originaltitel entspricht.
Die Hauptfigur Juliette ist eigentlich kein Mädchen sondern eine erwachsene Frau und in der Pariser Metro lesen wohl so viele Menschen, dass das kein besonderes Merkmal ist.
Der Titel trifft nicht das eigentliche.
Das Buch lebt von den schrulligen, sympathischen Figuren.
Juliette führt als Angestellte ein gleichförmiges, ruhiges Leben. Juliettes Leben verändert sich, als sie Soliman und seiner kleinen Tochter Zaide begegnet.
Juliette ist ein zurückhaltender Charakter, es gibt aber auch lebhaftere, wie z.B. Zaide oder Leonidas.
Bücher in denen Bücher eine Hauptrolle spielen gibt es schon ein paar. Hier werden viele klassische und zeitgenössische Romane genannt, aber kaum ihre Bedeutung verdeutlicht. Das ist schade. Ausnahmen gibt es, wo doch die Wirkung der Bücher ausgearbeitet wird z.B. Maya Angelous Lyrik. Ich hätte mir gewünscht, das mehr literarische Anekdoten eingebaut würden.
Ein sehr französisches Buch, das wie eine Fabel gestaltet sein will. Die These ist, das eine sichere Existenz nichts nützt, wenn man nicht wirklich bewusst lebt.
Ab und zu gibt es sprachlich poetische Momente.
eindringlich
Peacemaker von Simon Jacob
Simon Jacob erzählt von seinem Leben und Erfahrungen in kriegsgeschüttelten Ländern wie Syrien oder Irak, in die er Journalisten begleitete oder selbst journalistsich tätig wurfe und von seinem Peacemaker-Projekt, in dem er viele Länder durchstreifte. Syrien, Irak, Libanon, Türki, Ägypten, Iran.
Jacob will denen eine Stimme geben, die selber nicht gehört werden. Seine Mission ist der Frieden.
Entgegen den naiven Vorstellungen, die man sich vom Leben der vom Krieg betroffenen Menschen macht, sind Jacobs Schilderungen von der Realität und seinen Erfahrungen geprägt. Er erkennt eine Vielzahl von Gründen, die zu Krisen beitragen und macht deutlich, dass es keine einfache Lösung gibt.
Durch seine Familien- und Clanzugehörigkeit hat er die nötigen Kontakte, in die richtigen Gegenden zu kommen und die Menschen zu treffen. Simon Jacob beschreibt auch viel seine Emotionen, wie sich seine Gefühle im Laufe derJahre veränderten und wie er eine drohende innere Verhärtung, die verständlich ist, überwindet.
Jacob schreibt in einem konzentrierten, dichten Stil und mit viel Tempo. Mich hatte das Buch schnell gepackt und ich habe es mit interesse gelesen. Das Buch ist qualitativ hochwertige, gute Arbeit und sehr eindringlich!
aufwühlend
Sommernachtstod von Anders de la Motte
Sommernachtstod ist ein Roman, der die Erwartungen an einen schwedischen Krimi in hohem Maße erfüllt. Eine ruhige und langsame Erzählart, aber voller Atmosphäre und innerer Spannung.
Veronika Lindh hat, als sie selbst noch ein Kind war, miterleben müssen, dass ihr kleiner Bruder Billy spurlos verschwunden ist.
Alle glauben, dass er ermordet wurde, doch es gab keine Beweise und der mutmaßliche Mörder wurde freigelassen. Die Mutter hat sich daraufhin umgebracht. Das war 1983.
20 Jahre später glaubt Vera eine Spur zu finden, dass Billy noch lebt und sie reist nach Jahren in der Großstadt zurück in ihr ländliches Heimatdorf, um mehr herauszufinden. Ihr Vater lebt noch dort und auch ihr älterer Bruder Mattias ist anwesend. Tatsächlich taucht dann der Mann auf, der Billy sein könnte.
Zwischendurch gibt es kurze Kapitel mit Passagen, die ins Jahr 1983 zurückgehen. Nur hier gibt es Szenen mit einem Polizisten, ansonsten kommt der Roman ohne Polizei oder Ermittler aus.
Wie Anders de la Motte die Beziehungen der Figuren, insbesondere in der Familie, zueinander zeigt, ist sehr gut gemacht und zeichnet den Roman aus. Auch zeigt sich bald, das manches nicht so war, wie alle glaubten. Nur ganz allmählich enthüllen sich mehr Details um die Wahrheit. Verdeutlicht wird auch, dass eine unbewältigte Vergangenheit die Menschen nicht mehr loslässt und das ein innerer Friede dann nur scheinbar ist. Deswegen sind die Menschen dieses Romans wie Getriebene. Es fehlen auch ein paar dramatische Szenen nicht, die aber erst ziemlich am Ende kommen.
Sommernachtstod braucht seine Zeit, um sich zu entwickeln, aber dann packt einen der Roman.
Ein Buch der kleinen Gesten
Die Lichter unter uns von Verena Carl
Zwei Familien im Urlaub in Sizilien.
Anna mit Mann und ihren Kindern Judith und Bruno.
Alexander mit seiner jungen, schwangeren Frau und Sohn aus erster Ehe.
Perspektivisch erzählt Verena Carl meist aus den Gedanken von Anna und Alexander heraus.
Durch diese Erzählweise gelingt es der Autorin, den Leser die Figuren schnell und auf wenig Raum den Leser nahezubringen.
Alexander verheimlicht eine Erkrankung, der er sich nicht stellen will. Eigentlich ist die Reise eine Flucht.
Annas Blick ist oft beobachtend, z.B. auf ihre Kinder. Auch sie am Rande einer Krise und sie fühlt sich von Alexander unerlaubterweise stark angezogen. Der Plot bleibt im großen und ganzen unspektakulär, aber lesenswert.
Ein Buch der kleinen Gesten.









