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Rezensionen von yellowdog:

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Zwischen Leichtigkeit und Überangestrengtheit

#EGOLAND von Michael Nast

#EGOLAND erscheint als deutscher Roman, der sich an Bret Easton Ellis Stil anlehnt. Der Autor Michael Nast schreibt ebenfalls generationsbezogen, seine Figuren sind relativ junge Erwachsene und erfolgreich, geprägt von der Zeit, mit allen was dazu gehört. Facebook, Whatsup, Partys, Alk, Clubs etc.
Die Frage ist, ob der Autor das kritisch sieht oder akzeptiert.

Es wird erst einmal eine relativ komplizierte Erzählstruktur aufgebaut. Aus den nachgelassen Aufzeichnungen und Fragmenten des an Suizid verstorbenen Schriftstellers Andreas Landwehr erstellt der Icherzähler ein Buch.
Hauptfiguren des Romans sind Christoph, Leonie, Julia, noch einige Nebenfiguren und natürlich Andreas Landwehr selbst. Sogar Michael Nast tritt als Romanfigur auf.
Geschickt ist dabei der autobiographische Bezug des Buches im Buch, die Figuren gibt es auch in der Realität der Rahmenhandlung.

Das ist erst einmal eine originelle Idee, mit einigen guten Einfällen auch nicht schlecht umgesetzt. Ob sich der Aufwand aber lohnt, bleibt zunächst offen.
Oft schwankt das Buch zwischen Leichtigkeit und Überangestrengtheit. Passagen mit Wortwitz wechseln mit langweiligen Szenen.
Immer wieder gibt es Bezüge und Zitate aus Filmen und Literatur.

Die Romanfiguren erscheinen im ersten Moment oberflächlich, offensichtlich gibt es Beziehungsunfähigkeit und Kommunikationsprobleme.
Lösungen werden nicht angeboten. Letztlich bleibe ich als Leser ratlos zurück, aber das kommt bei Easton Ellis ja auch manchmal vor.
Was bleibt sind eine ganze Reihe von Szenen mit gut beobachteten Momenten.

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Zwischen Leichtigkeit und Überangestrengtheit
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Durch die Jahrhunderte

Wie man die Zeit anhält von Matt Haig

Wie man die Zeit anhält von Matt Haig ist ein wunderbares Leseerlebnis. Es erzählt von Tom Hazard, ein Mann der im 16.Jahrhundert geboren ist und nur sehr langsam altert. Jetzt ist er schon 429 Jahre alt.
Die Kapitel wechseln von der Jetzt-Zeit und der Vergangenheit, die durch die Jahrhunderte führt und bei der Tom berühmten Menschen begegnet, zum Beispiel Shakespeare, Captain Cook, Zelda und Scott F.

Fitzgerald und viele andere historische Persönlichkeiten.

Der Roman erinnert mich vom Lesegefühl an Matt Haigs früheren Roman “Ich und die Menschen”, der ebenfalls mit einer außergewöhnliche Idee spielte, um das Phänomen “Menschen” zu ergründen. Menschen und ihr Verhalten, das nicht selten schrecklich ist, man denke nur an die Hexenverfolgungen.

Der Plot ist spannend durch den roten Faden der sich durch die Handlung zieht und der Toms Suche nach seiner Tochter, die ebenfalls kaum altert, und der Organisation Albas, die versucht die langlebigen zu schützen, dabei manchmal auf rücksichtslose Art.
Tom ist also nicht der einzige. Die Gefahr der Enttarnung ist immer da und zwingt ihn, regelmäßig weiter zu ziehen. Doch jetzt hat er Camille getroffen, die erste Liebe, die er erfahrt, seit seine große Liebe vor Jahrhunderten starb. Dieses Element erinnert leicht an Highlander.

Prägendes Merkmal ist Toms Menschlichkeit, die er nie verlor. Sie äußert sich auch in der Liebe zur Musik und zu den Menschen, denen er begegnet.

Nach diesen Roman muss ich Matt Haig zu einen der interessantesten britischen Schriftsteller dieser Generation zählen!

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Durch die Jahrhunderte
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Lebensgefühl

Kleine Feuer überall von Celeste Ng

Celeste Ng´s erster Roman “Was ich euch nicht erzählte” war ein großer Erfolg. Erfreulich, dass die Autorin auch mit Kleine Feuer überall das Niveau hält und wieder eine realistische, detaillierte und genaue Familiengeschichte in einer US-amerikanischen Kleinstadt zeigt. Zeitlich würde ich die Handlung ungefähr auf die frühen neunziger Jahre verorten.

Die Künstlerin Mia Warren ist mit ihrer 15jährigen Tochter Pearl nach Shaker Heights gezogen. Pearl schließt sich schnell der wohlhabenden Familie Richardson an, die mit Lexie, Izziy, Trip und Moody 4 Kinder haben.
Wie die Beziehungen der Jugendlichen untereinander gezeigt werden, ist gut und realistisch ausgestaltet. Das Lebensgefühl der Kids, ihre Hoffnungen und Nöte werden deutlich. Schließlich aber auch ein Geheimnis, dass Mia Warren mit sich herumschleppt und dass der Grund für ihre häufigen Umzüge ist.

Celeste Ng kann wirklich schreiben, und das ohne je zu übertreiben.

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Lebensgefühl
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fade

Das Meer löscht alle Spuren von Lone Theils

Der Roman ist sicher nicht schlecht, aber er bleibt doch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Das liegt zum einen daran, dass die geweckte Erwartung, dass es um einen iranischen Flüchtling geht, nicht erfüllt wird. Aber auch an der relativ schwachen Hauptfigur, der Journalistin Nora Sand, die dann doch zu offensichtlich an das große Vorbild Annika Bengtzon von Liza Marklund angelehnt ist.

Doch mit der kann Nora Sand nicht mithalten, sie ist nicht so tough, dafür gefühlvoller.
Leider ist “Das Meer löscht alle Spuren” schon Teil 2 einer Reihe, ohne dass der Leser das so ohne weiteres erkennen konnte. Wie Nora mit Andreas zusammengekommen ist, erfährt man nicht, aber eine große Lovestory spüre ich hier nicht. Eher laue Gefühle und Beziehungsfrust!

Der Roman ist relativ fade geschrieben, mit schwachen Dialogen und sprachlich limitiert.
Der Kriminalfall ist zu konstruiert und kann nicht faszinieren.
Ich kann das Buch nicht empfehlen!

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Intensive Gespräche

Das drucken Sie aber nicht! von Lone Theils

So ein intensives Interviewbuch habe ich noch nicht gelesen.
Interviews lese ich gerne, gerade über Menschen, die mich interessieren, aber meist ist es doch so, dass die Antworten wohlüberlegt und schon im Vorfeld entschärft sind. Deswegen ähneln sich verschiedene Interviews sehr und sind austauschbar.

Dass hier die Prominenten, meist Künstler oder Leute aus dem Literaturbetrieb mit außergewöhnlicher Vergangenheit, so aus sich herausgehen, hat den Effekt dass man sich kaum vom Buch lösen kann. Dennoch empfiehlt es sich, die Interviews nicht einfach hintereinander weg zu lesen sondern wohl dosiert, damit die Wirkung nicht verpufft.
Sven Michaelson stellt in seinen Interviews für das SZ-Magazin nicht einfach fragen, er führt Gespräche und manchmal lässt er auch nicht locker. Er weiß, wie er die Menschen nehmen muss.
Mich haben zum einen die Interviews sehr interessiert, die mit dem deutschen Literaturbetrieb zu tun haben und so tauchen auch Zusammenhänge in den Interviews mit den Schriftstellern wie Paul Nizon oder Peter Handke oder z.B. ihrem Lektor auf.
Spannend auch, was Douglas Coupland sagt, den man hier als Schriftsteller kennt, der sich aber eigentlich als Künstler sieht.
Einige Interviews sind so packend, dass auch aus den Branchen, die man nicht so kennt, sich einiges enthüllt, z.B. über Auktionatortätigkeit oder Restaurantkritiker.
Schauspieler hingegen scheinen in ihrer eigenen Scheinwelt zu leben. Rupert Everett erschien mir reichlich zynisch. Ein Philosoph wie Peter Sloterdijk hingegen kommt sympathisch rüber.
Dann sind natürlich die Interviews bemerkenswert mit Menschen, die die deutsche Vergangenheit überlebt haben und doch nie vergessen, Ruth Klüger und Niklas Frank.
In diesem Buch ist auch das preisgekrönte Interview mit Raddatz enthalten, vielleicht der Höhepunkt des Buches.

Fazit: Ein sehr intensives und lesenswertes Buch!

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Intensive Gespräche
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melancholische Liebesgeschichte

Das drucken Sie aber nicht! von Lone Theils

Eine melancholische Liebesgeschichte, die stilistisch auf ein eher junges Publikum zugeschnitten ist. Das verhindert natürlich nicht, dass der Roman sorgfältig geschrieben ist. Die Handlung hat die Autorin Lea Coplin in München und Hamburg angesiedelt, was auch entsprechend genutzt wird. Einst starb Janas Bruder bei einem Autounfall, bei dem sein Freund Leander am Steuer sass.

Der Roman erreicht mich aber aus mehreren Gründen wenig. Die Hauptfiguren sind von dem Jahre zurückliegenden tragischen Ereignis eigentlich immer noch traumatisiert. Als sie sich nach 6 Jahren wiedersehen, wird es schwierig.
Leider führte das Verhalten beider dazu, das ich die Figuren nicht besonders mochte. Der Roman kann einen runterziehen. Das es beim Unglück damals auch noch andere als die offensichtlichen Aspekte gibt, kann man sich denken. Wie das schließlich aufgelöst wurde, hat mir persönlich missfallen.

Auch überzeugt mich die Lovestory nur wenig. Als Jana und Leander sich zuletzt sahen, was er 16 und sie 12. Damals war er der Freund ihres Bruders. Warum also zwangsläufig nach den Jahren beim Wiedertreffen gleich Liebesgefühle geweckt werden, verstehe ich nicht. Der auslösende Moment ist nicht zwingend genug geschrieben, daher empfinde ich das Buch kaum als große Liebesgeschichte, wie auch der ganze Roman mir kaum lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Trauerarbeit

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi

Ein ansprechender, gut lesbarer Familienroman. Ein Mann verliert seine Frau, möglicherweise Selbstmord.
Der Roman zeigt, wie der Mann und die 15jährige Tochter Eve in Trauer zurückbleiben und mit der Situation leben müssen. Als Gedankenspiel lässt die Autorin auch die Verstorbene Madeleine auftreten, die gestorben ist, jedoch sich noch nicht von ihrer Familie trennen mag.

Sie versucht Einfluß zu nehmen und eine neue Frau für ihren Witwer zu finden. Die patente Rory soll eine geeignete Kandidatin sein.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Brady, Maddy und Eve. Dadurch lernt man die Figuren bald gut kennen. Sogar Maddy, die einen selbstironischen Ton hat.
Der Originaltitel “I linkes my life” gefällt mir besser als der deutsche.

Abby Fabiaschi schafft es, auch humorvolle Momente dezent einzubringen ohne das ernste Thema dadurch zu gefährden.

Zum Ende hin wird der Roman zahmer, aber insgesamt kann man zufrieden sein.

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überfrachtet

Bright Side - Ein Moment für immer von Kim Holden

“Always Look at the Bright side of Life” heißt der zynische Song aus dem Film Das Leben des Brian.
Aber die Protagonistin dieses Buches Kate “Bright Side” Sedgwick ist nicht zynisch sondern tatsächlich so optimistisch und positiv, obwohl sie schon viel schlimmes erlebt hat, z.B. den Tod der Schwester.

Mit ihrer manchmal burschikosen Art und ihrer Natürlichkeit erreicht Kate die Menschen. Als sie aus Kalifornien nach Minnesota zum studieren kommt, findet sie schnell Freunde. Kate hat eine fürsorgliche Art und ist für ihre Freunde auch in der Not immer da.
Selten wurde eine Hauptfigur dermaßen reich an Charakter entworfen.
Der Roman ist gut lesbar, da verzeiht man den Einsatz mancher Klischees gerne.
Eine Stärke ist, wie die Figuren und ihre Beziehungen zueinander entwickelt werden, da lässt sich die Autorin genügend Zeit und das wirkt sich gut aus.
Dennoch stellt sich mit der Zeit der Eindruck ein, der umfangreiche Roman wäre thematisch überfrachtet und in der Summe übertrieben. Das geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit. Die Handlung wird mit zu vielen tragischen Momenten überladen. Am Ende ist man als Leser gezwungen, die Reißlinie zu ziehen und sich emotional abzuwenden und das ist schade. Interessant aber, dass es eine Fortsetzung geben wird.

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Kurzer, kompakter Roman

Bright Side - Ein Moment für immer von Kim Holden


Sofian der Sarazene ist ein Roman, den ich als sehr lebendig erzählt wahrgenommen habe und der emotional beteilgte, sympathische Hauptfiguren einsetzt. Sofian ist ein junger Sarazene, der am Überfall auf ein Dorf beteilgt ist, der sich aber innerlich von den Graumsamkeiten seiner Gefährten abwendet.

Die massaker kann er aber auch nicht abwenden, dafür aber Federica retten. Alleine sind Muslim und Christin in der Wildnis schließlich aufeinander angewiesen. Auch wenn Glauben und Sprache sie trennt, gibt es auch viel gemeinsames, und Gefühle füreinander.
Es gibt neben dem historischen Plot auch die Handlung in der Gegenwart, mit der modernen Federica, die eine Vision eines mann mit Turban hat, der im Fluß fischt und altmodisch gekleidet ist. Doch nur kann sie ihn sehen. das bringt die leicht labile Federica aus der Fassung.
Mir persönlich hat der Mittelteil des kurzen, aber kompakten Roman am Besten gefallen, da er die Entwicklung der Liebesgeschichte sensible und detailliert erzählt. Hinzu kommen einige Details, die, so habe ich den eindruck, gut recherchiert sind. Auch die Handlung der Gegenwart ist gut gemacht. Man könnte es als esoterisch lesen, aber eigentlich geht es doch nur um die Liebe.
Ein spannendes, mitreissendes Buch!

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Schillernde Persönlichkeit

Der Fall Romy Schneider von Michael Jürgs

Der Fall Romy Schneider beschreibt ausgewogen Leben und Filmschaffen der in Wien geborenen Schauspielerin, die später in Frankreich mit vielen bedeutenden Regisseuren arbeitete. Ihr Sissi-Ruhm blieb in deutschsprachigen Raum jedoch wie ein Schatten haften.
Ihre vielen Affären und Pech mit Familie und Männern werden in dieser Biografie nicht unterschlagen.

Im Grunde befeuert das Buch das kritisierte genauso, wenn über die Beteiligten einseitig geurteilt wird, und die meisten kommen nicht gut weg. Auch Romy Schneider nicht, denn ihre Labilität und Egozentrik werden übergroß beleuchtet. Dazu gehörte Alkohol und eine Tablettenabhängigkeit.
Mich überzeugten die Schilderungen aber nur dann, wenn gleichzeitig ein gesellschaftliches Bild gezeigt wird.

Romy Schneiders filmische Leistungen werden in kontinuierlicher Reihenfolge gezeigt, auch wenn die Biografie ansonsten manchmal hin- und hersprang.
Romy Schneider hatte aufgrund ihres frühen Ruhms nie eine Schauspielschule besucht, sie überzeugte durch ihre Natürlichkeit. Erst später, nachdem sie durch Alain Delon mit Visconti zusammen arbeitete, lehrte der Meister sie über das natürliche Talent hinaus. Als Schauspielerin war sie dizipliniert.
Erstaunlich, wie vielseitig Romy Schneiders Film sind, sie drehte sogar in Hollywood, neben Jack Lemmon, Audrey Hepburn, Harvey Keitel, Peter Finch, unter Otto Preminger oder nach einem Drehbuch von Woody Allen sowie wieder in Deutschland nach Büchern von Heinrich Böll und Marguerite Duras. Am Bedeutesten blieb aber Frankreich, wo sie mit Michel Picolli, Lino Ventura, Jane Birkin, Yves Montand und oft mit dem Regisseur Claude Sautet oder mit Claude Chabrol, Orson Welles, Costa-Gravas, Claude Miller etc. etc. arbeitete.
Für Filmfans gibt es viel zu entdecken und man bekommt Lust, mehr Filme mit Romy Schneider zu sehen.

Leider gibt es Unterbrechungen im Buch, in denen Recherchen von Jornalisten thematisiert werden, zum Beispiel darüber wo das Geld aus Romy Schneiders Gagen geblieben ist und ähnliches, aber wen interessiert das heute noch?

Überraschend war, dass das Buch eigentlich schon von 1991 stammt, also nur 10 Jahre nach dem Tod der Diva. Es gibt eine Erweiterung von 2008, aber es wäre auch interessant gewesen, zu erfahren, wie Romy heutzutage eigentlich noch wahrgenommen wird.

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