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Rezensionen von yellowdog:

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Was wirklich zählt

Der Himmel ist nicht weit von Catherine Ryan Hyde

Catherine Ryan Hyde schreibt erfolgreich gefühlvolle Romane mit Niveau. Der Himmel ist nicht weit gehört auch dazu.
Eine Anwältin aus der Stadt beschließt ihren Beruf aufzugeben und aufs Land zu ziehen. In ihrem Landhaus sind aber eine junge Mutter (Pattie) und ihre 5jährige Tochter Willa und Rosie bringt es nicht über sich, sie rauszuschmeißen.

Dann tauchen auch noch andere Leute auf, die auf ihrem Land kampieren. Ein junger Ex-Soldat, ein achtzigjähriger Mann und dann auch noch ein altes Pferd namens Ernst.

Schließlich besucht auch noch ihr erwachsener Sohn sie, von dem sie sich entfremdet hatte.

Wie langsam aus dieser Gesellschaft eine Familie wird, ist anrührend zu lesen.

Es gibt auch viele amüsante Passagen, z.B. mit Ernst, der auch gerne mal die Scheibenwischer von Rosies teurem Auto frisst.
Die Autorin vergibt aber auch Chance. Wie sich Rosies Beziehung zu ihrem Sohn bessert wird ausführlich beschrieben, dafür gibt es kaum noch Szenen zwischen Rosie und Pattie und Willa.
Ich habe den Roman gerne gelesen, aber es bleibt ein Bedauern darüber, dass manche Potenziale verschenkt wurden. Dennoch ist es ein angenehm zu lesender, gut unterhaltender Roman.

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Was wirklich zählt
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augenzwinkernd erzählt

Das Glück ist ein Vogerl von Ingrid Kaltenegger

Der augenzwinkernde Buchtitel Das Glück ist ein Vogerl deutet schon an, dass es sich um einen vergnüglichen Roman handelt. Es ist der Debütroman der Drehbuchautorin Ingrid Kaltenegger. Schauplatz ist in Österreich, das spürt man als Leser bei den Dialogen stark.
Zwar würde ich das Buch nicht als besonders wichtig oder anspruchsvoll einstufen, aber es ist gute Unterhaltung.

Aufgrund des parodistischen Ansatzes verwundert es nicht, dass es sich bei den handelnden Figuren um Stereotypen handelt.
Franz, der frustrierte Lehrer, der mit 48 Jahren immer noch einer vergebenen Musikerkarriere nachtrauert.
Seine Frau Linn, die mit der Ehe unzufrieden ist und Hilfe von einem Lebenstrainer erhofft.
Dann die gemeinsame Tochter, natürlich dauerpubertierend und entsprechend schlecht drauf.
Und der alte Physiker Egon, der schusselig ist und einen Autounfall nicht überlebt.
Franz ist der letzte, den Egon vor seinem Tod sah. Grund genug künftig Franz als Geist zu begleiten, auf der Mission, die Liebe seines Lebens wiederzutreffen.
Entsprechend chaotisch und witzig geht die Handlung weiter.

Ein amüsanter Roman!

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augenzwinkernd erzählt
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Lebensabschnitt, literarisch betrachtet

Was das Leben kostet von Deborah Levy

Deborah Levy schreibt in diesem Memoir-Buch autofictional. Also ist die Icherzählerin jemand, der die Eckdaten der Autorin teilt und sogar ihre Bücher schreibt und doch nicht ganz sie ist. So erhält Levy die Möglichkeit, sich selbst und ihre Emotionen zu analysieren
Diese Form beherrscht Deborah Levy gut und Prosa und Essay vermengen sich im Text.

Die Icherzählerin schreibt stark reflektierend und zeigt den Alltag nach ihrer Trennung. Sie muss für sich und ihre Töchter ein neues Zuhause schaffen und einen Platz für s Schreiben finden und nicht zuletzt ausreichend Geld verdienen.

Die Überlegungen sind häufig philosophischer Natur, manches bezieht sich auf Simone de Beauvoir, Marguertite Duras oder sogar Martin Heidegger.

In der zweiten Hälfte des Buches liegt der Schwerpunkt auf den Erinnerungen an die verstorbene Mutter.

Der relativ kurze, aber stark verdichtete Text wurde aus dem Englischen von Barbara Schaden übersetzt, gefühlsmäßig sehr gut, würde ich sagen.

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Lebensabschnitt, literarisch betrachtet
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Eine New Yorker Ikone

"Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen." von Michaela Karl

Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen ist ein witziger Titel, der an eine andere Persönlichkeit erinnert, die scharfzüngige Dorothy Parker.
Die Journalistin und Schriftstellerin Maeve Brennan (1917–1993) war praktisch ihre Nachfolgerin. Sie war Redakteurin beim New Yorker und u.a. mit Trumans Capote bekannt.

Sie war „todschick, selbstbewusst, berufstätig und eine feste Größe in einer männerdominierten Öffentlichkeit“.
Auch für ein Mode- und Gesellschaftsmagazin schrieb sie, daher spielt auch die Welt der Mode eine Rolle in diesem Buch. Die emanzipierte Brennan war offensichtlich auch äußerlich eine Stilikone und „vielleicht“ das äußerliche Vorbild für die Hauptfigur von Frühstück bei Tiffany.

Ein Buch über Maeve Brennan ist aber vor allen auch eins über New York, insbesondere Manhattan, und auch über ihre irischen Wurzeln. Sie war 17 als sie in die USA kam. Ihre Karriere beim New Yorker und mit ihren literarischen Texten war bemerkenswert, bis sie später aufgrund Krankheit in Vergessenheit geriet.
Die Abschnitte über Brennans Arbeit als Literaturkritikerin und Kolumnistin fand ich amüsant. Die kritisierten Autoren waren das wahrscheinlich nicht, denn Brennan hatte eine scharfe Zunge und einen geschliffenen, glasklaren Verstand.
Aber auch die Passagen, in denen es um Maeve Brennans eigene Literatur geht, sind lesenswert.
Michaela Karl gelang eine interessante Biografie, bei der sie die Besonderheiten der Persönlichkeit Maeve Brennans herausarbeitete und besondere Momente festhielt.

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Eine New Yorker Ikone
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Symphonien und ihre Wirkung

Rausch und Stille von Karl-Heinz Ott


Karl-Heinz Ott schreibt ausführlich über alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven.
Davor bringt er aber zur Einleitung ein rasantes Stück Literatur rund um Beethoven und seine Zeit sowie seine Wirkung aus Sicht von verschiedenen Interessengruppen, z.B. Musikkritiker, Literatur und Philosophie. Es wird einem fast schwindelig von den vielen überzeugen den Verweisen, die Ott eloquent bringt.

Dieser Beginn haut den Leser nahezu um, doch dann wird es ruhiger.
Für Nichtmusiker wird es in den Musikdetails außerdem manchmal auch etwas schwierig zu folgen.
Daher wird man in der Regel die Musik begleitend zum Buch klingen lassen.
Das lockert die Textabschnitte auch sofort auf.

Vergleiche zu anderen Komponisten, z.B. Hayden gibt es hauptsächlich anfangs,bei späteren Sinfonien ist Beethovens Eigenständigkeit dominierend.
Ich mag außerdem Otts Abschnitte über Besonderheiten, zum Beispiel die musikalischen Scherze, die Scherzi. Es werden auch andere Komponisten in diesem Zusammenhang genannt, z.B. Mozart und Schumann.
Interessanterweise folgen auch den Abschnitten über die Sinfonien zwischendurch immer wieder Ausflüge in die Literatur und Gesellschaft seiner Zeit, also Goethe, Eckermann, E.T.S.Hoffmann, Napoleon etc. sowie auch neuere Literatur wie Saramago, Andre Gide oder Alejo Carpentier. Philosophen wie Heidegger, Derrida und Roland Barthes ebenso, was ich sehr interessant, fast erleuchtend fand.

Ott widmet sich den Sinfonien ausführlich. Ich persönlich liebe ja die idyllische 6-Sinfonie, die praktisch zeitgleich zur aufwühlenden fünften entstand und so wunderschön dahinfließt. Heiter ist auch die 8.Sinfonie! Was dann in der neunten Sinfonie inklusive der Ode an die Freude ist imposant wie nichts anderes.

Das Buch braucht seine Zeit. Vieles was ich erst einmal nur so überflogen habe, lohnt sich offensichtlich weiter ausgeführt zu werden und so ist das mächtige Buch, dass von seiner Leichtigkeit profitiert, etwas für die Dauer.
Die entstehende Wirkung aus Tönen und Schrift ist enorm!

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Symphonien und ihre Wirkung
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Ein Buch der Wahrheit

Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur von Ece Temelkuran


Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist. Dieser Titel spricht Bände und verrät unter anderem, dass die Autorin von den Repressionen des Mobs zum Exil gezwungen war. So ging es auch vielen anderen Menschen in der Türkei, viele landeten im Gefängnis. Von einer Demokratie in der Türkei kann man nicht mehr sprechen.

Die Journalistin und Schriftstellerin Ece Temelkuran, die natürlich auch emotional schreibt, besitzt die Fähigkeit, die Situation genau zu beschreiben.
Auch der Untertitel „Sieben Schritte in die Diktatur“ ist sprechend.
Ece Temelkuran spricht aber nicht nur von der Türkei unter Erdogan, auch Trump, Putin, Orban, AfD, die Brexiteers uva. werden erwähnt.

Wie die Autorin die Methode genau analysiert und durchschaut hat, ist beeindruckend und sollte dem Leser helfen, diese Maschen der Populisten früher zu durchschauen. Das Schema ist oft das gleiche.
Die Autorin verschweigt auch nicht, wie schwierig es ist, sich gegen diese Taktiken zu wehren und wie die Folgen weitreichend sind. Es ist nicht unbedingt ein optimistisches Buch. Die Populisten haben ihre Machtstellung weitgehend so gefestigt, dass eine kurzfristige Umkehr unwahrscheinlich ist.
Es wird auch klarer, was diese Ideologien aus den Menschen machen. Die Gesellschaft wird grundsätzlich verändert. Der Zusammenbruch der Demokratie ist möglich, zum Teil erfolgt.
Es ist schwer, in so einer verzerrten Welt zu leben, in der Wahrheiten und frühere Werte bei der Masse nicht mehr viel zählen. Aber resignieren und den Populisten kampflos das Feld zu überlassen, wäre fatal. Ece Temelkurans Buch ist daher wichtig!

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Der Weg des Boxers

Ein feiner Typ von Willy Vlautin

Willy Vlautins fünfter Roman hat wieder ein relativ bedächtiges Erzähltempo, wie es auch für Vlautins Musik häufig kennzeichnend ist. Er ist Songwriter und Sänger der Band Richmond Fontaine.

Horace Hopper, ein junger Mann, Anfang 20, mit indianischen Wurzeln, lebt auf einer Farm in Nevada. Mr.

und Mrs. Reese, Besitzer der Schaffarm, sehen in Horace einen Sohn, der vielleicht einmal die Farm übernehmen könnte.
Doch Horace, der früh von seiner Mutter verlassen wurde und sich wurzellos fühlt, will sich selbst beweisen.Er geht nach Tucson, Arizona um dort Profiboxer zu werden. Der Traum vom Erfolg als Boxer ist aber schwer zu realisieren.
Es gibt einige detaillierte Beschreibungen der Boxkämpfe, die beeindrucken und die Härte des Sports deutlich zeigen. Auch die Boxbranche, inklusive ihrer Schattenseite, wird realistisch gezeichnet.

Die Charaktere der Protagonisten sind fein gemacht. Horace ist ein getriebener, wortkarg und melancholisch.
Der schon ältere Mr. Reese ist ein Mensch, der die beschützen möchte, die er liebt, aber Horace kann er nicht vor sich selbst beschützen.
Man spürt die ganze zeit die Einsamkeit der Figuren, die in einer Verlorenheit mündet.

Der Roman wäre deprimierend, wenn Willy Vlautin nicht mitfühlend n und mit seinen Figuren mitleidend schreiben würde. Das ist sein Markenzeichen, dass für alle seine 5 Bücher gilt.

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Der Weg des Boxers
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18 Erzählungen

So viele Hähne, so nah beim Haus von Maarten 't Hart

Mit so viele Hähne, so nah am Haus hat der niederländische Schriftsteller Maarten ´t Hart einen Erzählungsband vorgelegt. Ein autobiografischer Gehalt ist offensichtlich.

Verschmitzte Ironie ist ein Markenzeichen des Autors, die in manchen der Erzählungen gut zum tragen kommt. So bedeutend wie mancher Roman sind sie meiner Einschätzung nach nicht, aber einiges ist amüsant und für seine treue Lesergemeinschaft sicher ein Leckerbissen.

Überwiegend geht es jedoch gelassen und undramatisch zu.
Klassische Musik spielt öfter eine Rolle, wie sie für den Autor wohl überhaupt wichtig ist.
Ich mochte besonders die Stories um den Hausverkauf und um den Hund bei den Plattenklubabenden sowie die mit der schwedischen Übersetzerin. Außerdem die Kurzgeschichten Speckpfannkuchen und Der Hauptpreis. Auch die Titelgeschichte ist erwähnenswert.

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Farbfeldmalerei

So viele Hähne, so nah beim Haus von Maarten 't Hart

Der 1970 gestorbene amerikanische Maler Mark Rothko hat ein sehr interessantes Werk. Ich kannte Mark Rothko nur den Namen nach, aber nicht sein Werk. Dieses mächtige Ausstellungsbuch ist sehr informativ. Einige Texte geben Auskunft über sein Leben. Er war eine vielschichtige Persönlichkeit. Dann die imposanten expressionistischen Gemälde der Ausstellung.

Einige Gemälde gehörten zu den teuersten, die je verkauft wurden.
Mich bewegten im Buch schwerpunktmäßig tatsächlich hauptsächlich die Werke der Farbfeldmalerei.Durch das Buch bekommt man natürlich nur einen ungefähren Eindruck. Das kann das Betrachten in Realität nicht ersetzen. Das kann man auch nicht verlangen. Daher weckte das Buch einen großen Bedarf bei mir, wieder mal eine Ausstellung in einem Museum zu sehen. Ich denke, sich mit weiter Mark Rothkos Werk zu beschäftigen, ist eine lohnenswerte Aufgabe.

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Nicht das Spektakel ist das Spektakel

Meine Zeit mit Eleanor von Amy Bloom

Ein Buch über die Freundschaft einer Reporterin zur First Lady, Eleanor Roosevelt.
Der Roman hat einen burschikosen Erzählton, da die Erzählstimme so angelegt und stimmig ist. Ich empfinde das als glaubwürdig für diese fast schon historisch wirkende Handlung.
Neben dem mit Eleanor Roosevelt und Lorena „Hick“ Hickok angelegtem Basis-Plot, gibt es viel Rückschau auf Kindheit und Leben der Reporterin.

Was Hick in ihrer Kindheit ertragen musste, ist bedrückend.
Durch die Rückblenden versteht man schließlich, wie Hick die selbstbewusste Persönlichkeit wurde, die ihren Erfolg begründete.
Eleanor und Hick haben einen tiefe Beziehung. Mir war das bisher unbekannt.
Vieles fand ich interessant, besonders die Passagen im weißen Haus, aber streckenweise war es nicht besonders spannend und ich habe nicht das Gefühl, das man diesen Roman unbedingt lesen muss.

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Nicht das Spektakel ist das Spektakel