Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Ein Buch von Belang
Die britische Lyrikerin, Modell und Schauspielerin Yrsa Daley-Ward hat jamaikanische und nigerianische Wurzeln, wuchs aber in England auf.
Dieses bei Blumenbar erschienene Buch ist ein exzellentes poetisch-literarisches Memoir. Also autobiographisch, aber literarisch verarbeitet.
Das sie als Lyrikerin begann merkt man diesem Buch an.
Es ist rhythmisch und wechselhaft gestaltet, sehr schön gemacht. Sprachlich ein Genuß.
Yrsa erzählt davon, wie sie mit ihrem jüngeren Bruder zumeist bei den Großeltern aufgewachsen ist. Es gibt auch noch einen älteren Bruder.
Ihre Mutter Marcia war immer unstet, sie hat 3 Kinder von 3 verschiedenen Männern und lebt in wechselnden Beziehungen.
Yrsa hat es nicht leicht, sie ist schwarz und anders. Die Großeltern sind strenggläubig, also ist fast alles Sünde. Yrsa leidet unter der chaotischen Situation und neigt schon als Kind zu Depressionen.
Als Erwachsene ist sie wie eine getriebene. Yrsa Daley-Ward erzählt mit imponierender Ehrlichkeit. Gerade deswegen werden die Emotionen erlebbar und nachvollziehbar.
romantische Liebeskomödie
My Dearest Enemy von R.S. Grey
Daisy und Lucas sind junge Ärzte, die mehr unfreiwillig in einer Praxis zusammenarbeiten. Es ist eine Praxis in ihrer Heimatstadt in Texas.
Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, so lange geht auch schon ihre latente Feindschaft.
Es gibt viele Kabbeleien, mitunter ist das amüsant zu lesen, teilweise wirkt es auch übertrieben.
Daisy führt sich ziemlich unreif auf. Oft ist sie ein Tollpatsch. Schlecht gemacht ist das von der Autorin nicht und das Setting ist originell.
Wenn der Verlag bei R.S.Greys Romanen von romantischen Liebeskomödien spricht, ist das sicher zutreffend. Einige Passagen könnten glatt aus einem Screwball-Movie mit Gary Grant und Katherine Hepburn stammen. Diesen Vergleich kann der Roman jedoch nicht die ganze Zeit standhalten. In der zweiten Hälfte gibt es nur noch wenige Überraschungen.
Das Recht auf Rückkehr
My Dearest Enemy von R.S. Grey
Überraschenderweise ist der Roman unspektakulärer als erwartet. Sehr viel passiert nicht. Im weitesten Sinne kann man von einem Familienroman sprechen, auch wenn nicht alle zusammenleben. Die Figuren bleiben blass, die Hauptfigur Matteo wirkt unsympathisch und kalt.
Matteo hatte einst Italien und seine Familie verlassen, weil es zu viele Probleme gab und ging in die USA.
Jetzt kehrt er nach 16 Jahren zurück und hofft auf ein neues, besseres Verhältnis zu seinen Kindern.
Stärken hat der römische Autor Alessandro Piperno bei den Detailbeschreibungen und der psychologischen Note. Er kann schreiben, hat Stil (wenn auch etwas zu glatt) und seine Geschichte im Griff. Nur leider schaffte er es nicht, echtes Interesse dafür zu wecken. Daran ändert auch das überraschende Finale nichts mehr.
fasziniert von den Manatis
Die Stimme des Meeres von Sergio Bambaren
Die Stimme des Meeres ist Sergio Bambaren neues Buch, sehr kurz, aber mehr Raum braucht der Autor nicht, um von seiner Begegnung mit Manatis, also Seekühe, in Crystal River in Florida.
Der Peruaner schwimmt dort mit ihnen und tritt in Beziehungen mit ihnen, besonders mit Swami, einem Manati-Bullen mit einem Haufen Narben auf dem Rücken und nur einem Auge.
Damit macht Bambaren auf die Gefahr der Manatis durch den Menschen aufmerksam. Viele Tiere werden durch Bootsschrauben verletzt.
Zwar beginnt der Autoren zum Ende hin etwas zu predigen an, aber die Beschreibungen der Küstenregion und den Tieren überzeugt. Es gelingt ihm, die faszinierenden Eigenschaften der Seekühe zu zeigen.
Abwechslungsreiche Collection
Zerbrechliche Dinge von Neil Gaiman
Neil Gaimans Collection von kurzen Texten, darunter Kurzgeschichten ernster und spielerischer Art und einige Poeme, stammt aus dem Jahr 2006 und ist erfreulich abwechslungsreich.
Viele Texte sind so ungewöhnlich wie beeindruckend. Es gibt amüsante wie auch beklemmende Geschichten.
Bei einigen Texten orientiert sich der Autor an klassischen Novellen der Horror- und Gothikliteratur und fügt moderne Motive bei.
Herausragend sind die Geschichten, die Erinnerungscharakter haben und meist in die Jugend der Hauptfiguren reicht.
Texte, die ich ganz besonders empfehle sind:
Kies auf der Straße der Erinnerung, Wie ich mich dabei fühle, Goliath, Der Tag an dem die Untertassen kamen, 15 gemalte Karten und Zur Sperrstunde.
Wiedersehen mit Mill River
Zerbrechliche Dinge von Neil Gaiman
Sommer der Versöhnung von Darcie Chan ist ein Roman, der wie schon „Sehnsucht nach Mill River“ in der Kleinstadt Mill River im beschaulichen Vermont angesiedelt ist. Der Ort und ein paar Nebenfiguren sind die Gemeinsamkeit dieser Reihe, von der noch ein Teil unübersetzt ist. Ansonsten ist die Handlung völlig unabhängig voneinander.
In Sommer der Versöhnung steht zentral das Zerwürfnis zweier Schwestern und die Frage, ob und wann Vergebung und Versöhnung möglich ist. Ein interessantes Thema.
Es beginnt 1983 und wechselt mit Kapiteln, die in der Gegenwart angelegt sind. Eine Erzählweise die gut funktionieren kann, häufig aber auch misslingt, doch Darcie Chan weiß diese Technik effektiv anzuwenden.
Die Figuren sind nicht schlecht angelegt, insbesondere die junge Witwe mit 2 kleinen Kindern, die in Mill River bei ihrer Tante Ivy einen Neuanfang beginnt, ist glaubwürdig. Sie will Karriere als Immobilienhändlerin machen, aber das ist auch nicht einfach. Die Kinder leiden unter dem Verlust des Vaters, das prägt sie. Ein Ereignis, dass dem Leser erst spät enthüllt wird, entzweit sie.
Die Handlung ist betont emotional, das war mir manchmal zu viel.
Amüsante Passagen wechseln mit überzeichneten Szenen ab.
Auch das überraschende Ende kommt mir konstruktiv vor.
Der Roman kommt nicht ganz auf das Niveau von „Sehnsucht nach Mill River“, aber man bereut es nicht, das Buch gelesen zu haben.
Meditation aus Wales
Wie man einen Maulwurf fängt von Marc Hamer
Maulwurf - Marc Hamer
Ich behaupte mal einfach, dass wohl die wenigsten Leute dieses Buch lesen werden, weil sie lernen wollen, wie man einen Maulwurf fängt.
Es ist hingegen interessant den Gedankengängen des Autors zu folgen, die sich wie verzweigte Maulwurfsgänge durch Natur, Vergangenheit und Gegenwart winden.
Seine Vergangenheit, etwa als er als junger Mann Landstreicher war, spielt eine Rolle. Immer wider wird in diese Zeit geblendet.
Das ist schon sehr gut gemacht.
Seine Einstellung zum Leben, zum Gärtnern und natürlich zum Maulwurffang sind von einer positiven, aber nicht weltfremden Grundstimmung geprägt.
Tatsächlich gibt es viele Fakten über Maulwürfe, die Arten und ihre Fähigkeiten.
Dann sind aber auch viele lyrische Stellen enthalten.
“Ich habe dieses Jahr bis auf die Knochen abgenagt
sein Fett für den Winter gelagert
Die Gänse sind fortgezogen
Wenn sie wiederkommen und abermals
fortfliegen, bin ich noch immer hier
Mein Gesicht faltiger
und mein Rücken gebeugter.“
Marc Hamer arbeitet auch heraus, dass Maulwürfe immer wieder in der Literatur vorkommen. Sei es Der Wind in den Weiden oder Die Chroniken von Narnia.
Das Buch bietet mehr als man erwarten sollte. Ich kann nur jedem empfehlen, es einfach zu genießen.
Ein langes, facettenreiches Essay
Woher ich kam von Joan Didion
Joan Didion ist die Ikone unter den kalifornischen Schriftstellerinnen. Ihre intelligenten Bücher erzählen viel von Amerika. Woher ich kam ist ein guter Beweis dafür. Die vermeintliche Ahnenchronik entpuppt sich bald als komplexes Buch über die Geschichte, die Gesellschaft und Kultur Kaliforniens.
Didion bezieht unterschiedliche
Aspekte in ihrem Kalifornienportrait ein, zum Beispiel auch die Literatur anhand konkreten Beispielen: Jack London und William Faulkner. Erstaunlicherweise analysiert sie sogar ein eigenes Buch „Menschen am Fluß“ ausführlich.
Nicht alle Details sind ohne Vorkenntnisse über die kalifornische Geschichte einfach zu verstehen, aber immer hin beeindrucken Didions messerscharfe Analyse durchgehend. Auch im Abschnitt über den Maler Thomas Kinkaid, der sich selbst als Maler des Lichts verkaufte, sind ihre Erkenntnisse enthüllend.
Im letzten Abschnitt schreibt sie auch noch bewegend über ihre Familie, über ihre Mutter und Vater sowie über ihre Adoptivtochter.
Joan Didion zu lesen, lohnt sich!
Bemerkenswerter Debütroman mit außergewöhnlicher Struktur und wichtigen Themen
Was verloren geht Roman . 29.03.2019. Hardback. von Clemmons Zinzi
Was verloren geht ist der Debütroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Zinzi Clemmons, die Südafrikanische Wurzeln hat.
Ihre eigenen biografischen Eckdaten dienen als Vorbild für die Protagonistin Thandi im Roman.
Thandi wächst in Pennsylvania auf, ihre Mutter stammt aus Südafrika, der Vater ist Afroamerikaner.
Deswegen verbringt Thandi auch einige Sommer dort. Streckenweise steht sie wegen den ethnischen und kulturellen Unterschieden zwischen den Stühlen und zweifelt an ihrer Zugehörigkeit.
Der frühe Krebstod der Mutter lässt sie orientierungslos zurück. Sie ist noch auf der Suche nach sich selbst, Es folgt Schwangerschaft und überstürzte Heirat.
Man kann von einem Entwicklungsroman sprechen.
Zinzi Clemmons wählt für ihre Schreibweise teilweise eine unorthodoxe Struktur, die dazu führt, dass es Seiten gibt, auf denen nur einige Fragmente stehen. Dadurch erfährt man die Sprache als atmend und ausdrucksvoll.
Was verloren geht, ist wegen der sprachlichen Form und den Themen bemerkenswert.
entspanntes lesen
Was verloren geht Roman . 29.03.2019. Hardback. von Clemmons Zinzi
Weil es Liebe ist: Der Liebesroman beginnt Furios mit Tempo und Witz, doch der Plot an sich in konventionell gehalten. Das Zielpublikum wird sich wahrscheinlich nicht daran stören.
Angesiedelt in New York ist der Schauplatz reizvoll und wird auch beschrieben, später spielt er im Detail keine so große Rolle mehr.
Die junge Holland hat sich in einen talentierten Straßenmusiker verliebt. Schließlich lernt sie ihn kennen. Er heißt Calvin und ist Ire und außerdem illegal im Land. Die Lösung: Holland heiratet ihn, damit er im Land bleiben und im Orchester ihres Onkels spielen kann. Das heutzutage noch so unbeschwert mit dem Thema illegale Einwanderung umgegangen wird wie früher mal in dem Film Green Card von 1990 wundert mich, aber vielleicht darf man das in diesem Kontext nicht so ernst nehmen. Dennoch ist der Plot irgendwie an den Haaren herbeigezogen.
Die Handlung nimmt ohne große Überraschungen ihren erwartungsgemäßen Verlauf.
Holland ist sympathisch und sie hat einen Hang zur Selbstironie. Calvin hingegen gewinnt als Figur kaum an Profil. Eine Schwäche des Romans. Vielleicht wird das in der geplanten Verfilmung durch einen guten Schauspieler gelöst.
Die Nebenfiguren sind auch eher schwach charakterisiert. Schade, gute Nebenfiguren können den Hauptfiguren oft Impulse geben und eine Handlung bereichern. Aber Hollands Onkels oder ihre Freundin Lulu sind nur Stereotypen.
Es bleiben gute Dialoge mit Wortwitz und ein entspanntes Lesen.







