Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Reflektionen über Rom
Römische Tage von Simon Strauß
Italien gilt den Deutschen als Sehnsuchtsland.
Bücher über den Aufenthalt deutschsprachiger Autoren in Rom gab es schon öfter. Ich denke da gleich an Canto von Paul Nizon. Ein unglaublich gutes Buch, in dem Nizon von seinem Lebensgefühl sprach.
Simon Strauss hat einen anderen Ansatz. Er hat mehr Distanz, schreibt gelehrt über Rom und preist das geschichtlich wertvolle.
Das Buch ist wie ein Essay. Das vermag mich im ersten Moment nicht besonders zu berühren, obwohl es einige interessante Details gibt. Es ist ein sehr reflektierendes Buch.
Emotionaler wird es, wenn Simon Strauss von seinen Begegnungen mit Menschen erzählt.
Das Buch wird auch hier sehr zeitgenössisch und die politische Lage des Landes bestimmt auch die Gefühlslage der Römer und umgekehrt.
Mir hat Römische Tage besser gefallen als Simon Strauss´Erstlingsroman Sieben Nächte, aber eigentlich lassen sich die beiden Bücher kaum miteinander vergleichen.
10 Essays
Vom Verschwinden der Rituale von Byung-Chul Han
Vom Verschwinden der Rituale heißt das neue Essay von Byung-Chul Han, der wahrscheinlich der momentan angesagteste deutschsprachige Philosoph ist.
Ich lese die 10 Kapitel aber als einzelne Essays. Alle Kapitel tragen eigene Titel. Das letzte könnte auch als erstes geschrieben sein. Es gibt nur der Titel “Vom Verschwinden der Rituale” als übergeordnetes Thema, das sie verbindet, wenn überhaupt.
Das mindert natürlich nicht unbedingt die Qualität. Zum Beispiel empfand ich das Essay, in dem Byung-Chul Han über einen Texte von Peter Nadas reflektiert, sehr ansprechend. Das gilt auch für das Gespräch zwischen Foucault und dem Filmemacher Werner Schroeter, das in “Spiel um Leben und Tod” behandelt wird.
Wenn aber Hegel und Marx ins Spiel gebracht werden, erlahmt mein Interesse.
In Reich der Zeichen wird es wieder interessanter, da es um Haikus geht.
Auch ein paar der anderen Kapitel sind lesenswert. Vom Duell zum Drohnenkrieg zum Beispiel ist thematisch brisant.
Die Stärke des Autors liegt in der Bandbreite an Themen und Bezüge, die er einsetzt.
Will Trent trifft Jack Reacher
Goldwäsche von Karin Slaughter; Karin/Lee Slaughter/Child
Goldwäsche ist kein langer Text, aber inhaltlich gut auf die Länge abgestimmt.
Im Mittelpunkt die Serienhelden Will Trent und Jack Reacher.
Die Dialoge sind auf cool gemacht, wie ich es eigentlich nur aus Trivialliteratur kenne, so weit würde ich bei diesem Buch aber nicht gehen.
Es gibt einige gute Passagen.
Will ist sympathischer, aber der einsame Wolf Jack Reacher ist eindrucksvoller. Genrebedingt klischeehaft wirken beide.
Die Geschichte an sich hat mir ganz gut gefallen.
Noch habe ich keinen Roman von Karen Slaughter oder Lee Child gelesen und ich dachte, ein kurzer Text wäre ein guter Einstieg. Aber es bleibt der Eindruck, Goldwäsche ist doch eher ein Bonbon für die Fans dieser Thrillerreihen um Will Trent und Jack Reacher.
turbolent erzählt
Ein Himmel voller Sterne von Marie-Sabine Roger
Marie-Sabine Rogers „Das Leben ist ein listiger Kater“ war ein sehr überzeugender Roman. Zeit, mal wieder ein Buch von der französischen Bestseller-Autorin zu lesen.
Ein Himmel voller Sterne ist von 2017 und um es vorweg zu nehmen, es kommt nicht ganz zu dem erhofften Lesesog. Dennoch hat auch dieses Buch seine Qualitäten.
Es ist ausgeflippter, rasanter und fantasievoll.
Der Comiczeichner Merlin lebt ganz in seinem Werk. Ihn inspirieren seine nächsten. Seine Frau Prune wird im Comic zur vollbusigen Phobe, sein Nachbar Laurent wird zu Jim, dem Helden der Serie wild Oregon. Selbst die Katze wirkt mit. Da gibt es einige sehr amüsante Szene.
Als Merlins Nachbar und Freund Laurent stirbt kommt er in eine Schaffenskrise, aber dann steigert er sich wieder rein und lässt der Phantasie freien Lauf.
Nicht selten sprechen und diskutieren seine Comicfiguren mit Merlin.
Würde das Buch verfilmt, bestände der Film zur Hälfte aus Realszenen, zur anderen Hälfte aus Cartoons.
Manchmal wird mir das beim lesen etwas zu viel, zu überbordend, manches verpufft auch. Der Einfallsreichtum der Autorin vermag aber zu beeindrucken.
Kristallkind
Ein Himmel voller Sterne von Marie-Sabine Roger
Der glücklichste Sommer unseres Lebens von Ondine Khayat ist ein angenehm zu lesendes und berührendes Buch. Die Buchgestaltung mit Cover und Titel deutet auf betont unbeschwerte und leichte Kost hin. Aber die Handlung ist tiefsinnig und daher hochwertigere Kost als man denken sollte.
Mit feinfühliger Psychologie zeigt die Autorin Ondine Khayat dem Leser die Gefühlswelt eines neunjährigen Mädchens in Paris.
Colline ist sehr sensibel und hat ein hohes Einfühlungsvermögen. Das macht sie aber auch anfällig und wenn sie spürt, wie ihre Eltern sich streiten, leidet sie besonders. Als ihr Eltern sich scheiden lassen wollen, ist sie traurig und fühlt sich sogar verantwortlich. Die fast 70jährige Clelie beschließt, die verstörte Colline für die Dauer der Sommerferien bei sich aufzunehmen, damit sie sich seelisch wieder erholen kann. Zusammen mit ihren liebenswerten Nachbarn kümmern sie sich um das Leben. Da gibt es einige amüsante Passagen und die Begegnung mit diesen liebevollen Menschen hilft Colline, wieder fröhlicher zu werden.
Colline freundet sich außerdem mit einem gleichaltrigen Jungen an, der ebenfalls Probleme hat.
Das wirkt wie eine Therapie und fast glaube ich, dass der Leser gleich mittherapiert wird.
Der Hinweis am Schluß des Buches, das man mit so sensiblen Menschen besonders sorgsam umgehen muss, halte ich für treffend.
Interviewbuch
Auf einen Kaffee mit Loki Schmidt von Loki Schmidt; Reiner Lehberger
Achtung, das ist kein politisches Sachbuch. Aus Gesprächen mit ihrem Hausbiographen Reiner Lehberger entstand 2009 dieses Buch über Lokis Meinung zu Kunst, Musik und Dirigenten, zu Gärten und Blumen und dem Altern.
Also sehr harmlos und in erster Linie nur ein kleines Zwischenwerk für die Fans.
Interessant wird es, wenn sie auch mal privates erwähnt.
Dann die Themen Feuersturm und Flutkatastrophe, Eckpunkte für viele.
Kritische Frage bleiben komplett außen vor. Das ist verständlich, wenn der Interviewpartner über 90 Jahre alt ist.
Aber eigentlich hätte es dann auch dieses Büchlein nicht unbedingt gebraucht. Aber manche Leser werden es sicher ganz vergnüglich finden.
Journalismus ohne Kompromisse
Die Dinge beim Namen nennen von Rebecca Solnit
Die Dinge beim Namen nennen ist ein mächtiger Essayband eine feministisch geprägten US-amerikanischen Autorin und feministische Themen sind Bestandteil der meisten Essays. Dabei ist es ein sehr US-amerikanisches Buch, dass die Probleme des heutigen USA deutlich aufzeigt.
Wie der Titel, erst Recht der Originaltitel “Call them by their true names” andeutet, sind die Texte auf eindeutige, klare Art verfasst.
Das gehört zu Rebecca Solnits Stil. Die Essays sind alles andere als gemütlich oder versöhnlich. Schon gar nicht mit Donald Trump, den die Autorin sehr treffend portraitiert und seine üblen Methoden klar beim Namen nennt. Hier wird nichts geschöntes durchgelassen.
Besonders am Anfang des Buches analysiert Solnit Trump und Hillary Clinton und den Wahlkampf 2016. Es ist doch interessant, zu bemerken, das Hillary Clinton aufgrund des amerikanischen Wahlsystems verloren hat, obwohl sie 2,9 Millionen mehr Stimmen als Trump hatte. Und es sollte nicht vergessen werden, welche unfairen Methoden im Wahlkamp angewendet wurden. Das setzte neue, verherrende Maßstäbe.
Aber es gibt noch mehr Themen im Buch. Rebecca Solnit schreibt über Obdachlosigkeit, über die Todesstrafe und über Rassismus.
Rebecca Solnit lebt in San Francisco, das daher im Buch eine große Rolle spielte, zum Beispiel der Vorfall um Alex Nieto, der von 4 Polizisten erschossen wurde und der darauffolgende Prozess, der viel enthüllte.
Sehr informativ war auch der Artikel über den Standing Rock-Protest.
Das Buch besitzt 320 Seiten und ist damit ein mächtiges Werk.
Es ist ein in seiner eindeutigen Art ein radikales, bewegendes Buch: Politisch, betont feministisch und engagiert, aber nicht bequem.
Tommy und Tuppence
N oder M? von Agatha Christie
Die Tommy und Tuppence-Romane sind eine Besonderheit im Werk der Autorin, da es nur relativ wenig Teile der Reihe gab, diese aber über den Lebensweg verteilt waren. So zählten sie zu den frühen wie zu dem letzten Roman von A.Christie überhaupt.
M oder N ist ein mittlerer Teil und 1940 angesiedelt.
Da der Roman auch zu dieser Zeit entstanden ist, besitzt er eine glaubhafte Authentizität.
Tommy und Tuppence Beresford engagieren sich inkognito für den Geheimdienst um einen Verräter in eigenen Reihen zu entlarven.
Die beiden Protagonisten haben unterschiedliches Temperament und ergänzen sich gut. Tuppence wagt mehrmals der besonnene Tommy und sie ist der Kopf des Teams.
Ihre teils ironischen Dialoge sind der Reiz an dem Roman. Die eigentliche Spionagegeschichte ist eher von der Stange, wobei das Rätselraten, wer der oder die Verräter sind, schon reizvoll sein kann.
Erfreulich, dass sich ein Verlag so treu um das Werk der Autorin kümmert und auch unbekanntere Romane neu herausgibt.
Der Roman wurde übrigens auch als Teil der Fernsehserie Partners in Crime verfilmt, wenn auch nicht gerade werkgetreu.
Romance-Krankenhaus-Serie
N oder M? von Agatha Christie
Mit Folge 1 von Crystal Lake startet eine nette, etwas harmlose literarische Soap Opera in einem Krankenhaus, das Crystal Lake Medical Center, spezialisiert auf Sportunfälle.
Gut gewählt ist der Schauplatz Aspen in den Rocky Mountains in Colorado.
Es ist der erste Tag von der jungen Ärztin Dr. Leena Summers und ihr erster Fall ist ein Beinbruch des Profisportlers Mark Turner.
Als zweiten Handlungsstrang gibt es die Leiterin des Krankenhauses, Allana McGinty und den Chefarzt James Raker. Der ist aber nicht ganz so zwingend, könnte sich aber in den kommenden Folgen noch entwickeln. Als Negativfigur gibt es den labilen Arzt Dr.Blade, der trinkt und unzuverlässig ist.
Annabell Nolan schreibt routiniert und ansprechend, bleibt aber klar in den Grenzen des Genres.
Es ist aber auch so, dass von den meisten Lesern, jedenfalls der Hauptzielgruppe, auch nicht mehr gewollt wird. Aber ein paar Potentiale bleiben dabei auf der Strecke.
Kampf um Louna
N oder M? von Agatha Christie
Das Autorenteam Sabrina Bombarde sind die Eltern von Louna, einem Mädchen das wenige Monate nach Geburt ins Krankenhaus wegen einer seltenen Erbkrankheit ins Krankenhaus musste. Die Behörden werteten das fälschlicherweise als Folgen einer Misshandlung. Den Eltern wurde das Baby ungerechtfertigt weggenommen, kam in Pflege und es dauerte eine jahrelange Rechtsstreit bis die Unschuld bewiesen war und die Familie wieder zusammengeführt wurde.
Klar wird, wenn man sich nicht sofort gegen übermächtige Instanzen wehrt, ist es vielleicht schnell zu spät.
Es ist ein sehr klagender Text, zwar verständlich, aber manchmal wundert an sich, das wirklich alle gegen das Paar gewesen sein sollten, Ärzte, Pflegepersonal, Polizei, Richter etc.
Eigentlich muss man auch Verständnis dafür haben, dass sich Behörden kümmern.
Aber vermutlich ist es wirklich so, dass eins das andere nach sich zieht und es Yoan Bombardie und Sabrina Dietsch so vorkam, als würde sich alles gegen sie verschwören. Es war eine große Ungerechtigkeit.
Zum Glück sind sie jetzt wieder zusammen und ich hoffe, es geht ihnen gut.








