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Rezensionen von yellowdog:

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Guter Schreibstil

Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise Roman, Prix Goncourt 2019 . 24.07.2020. Hardback. von Dubois Jean-Paul

Den preisgekrönten französischen Schriftsteller Jean-Paul Dubois hatte ich vorher noch nie gelesen. Wirklich ein Versäumnis, denn sein Schreibstil gefällt mir außergewöhnlich gut. Er nennt John Updike und Philip als literarische Vorbilder und tatsächlich hat er eine vergleichbare Haltung und das drückt sich auch im Ton aus.

„Tous les hommes n'habitent pas le monde de la même façon“ ist der Originaltitel des neuen Buchs Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise.
Der Roman wird von der Erzählstimme des Protagonisten bestimmt. Sie erzeugt einen melancholischen Grundton. Verständlich, denn der Erzähler Paul Hansen sitzt in einer Haftanstalt in Montreal ein. Hier berichtet er vom eintönigen Gefängnisleben mit seinem Zellennachbar Patrick Horton, ein früherer Hells Angel und dann streifen seine Gedanken zu seinem früheren Leben. Dazu gehört auch seine Kindheitsgeschichte. er ist in Frankreich aufgewachsen. Sein Vater stammte aus Dänemark und war Pastor.
Es dauert praktisch den ganzen Roman bis man die Hintergründe erfährt, was Paul zu der Tat getrieben hat, die ihn für zwei Jahre ins Gefängnis brachten.
Es ist kein spektakulärer Roman. Manche Leser werden sich vielleicht langweilen, aber für mich war es ein interessantes und entspanntes Leseerlebnis.

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Guter Schreibstil
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dicht und konzentriert

Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise Roman, Prix Goncourt 2019 . 24.07.2020. Hardback. von Dubois Jean-Paul

Obwohl der Roman per se kein Krimi ist, ist der Plot am Anfang fast wie Kriminalfall gestaltet. Sogar sehr dicht und konzentriert, das geht am Anfang zu Kosten der Charakterisierung der Protagonisten, aber das kommt später noch in ausreichendem Maße.
Die Handlung wechselt zwischen 1973 in der DDR und 1994 nach der Wende.

Später sogar noch 2018.

Die Mutter, die 1973 in der DDR ihr Baby verliert, heißt Ricarda Raspe. Ihr Schicksal vermag zu berühren. Lange glaubt sie nicht, dass ihr Baby wirklich gestorben ist.

Der Polizist Rust ermittelt in dieser Sache, aber den mächtigen der Partei war das nicht gewünscht und sie hatten ihre Mittel.

Eine wichtige Schlüsselfigur ist die Hebamme Dagmar Krüger.

Erst spät wird die Situation klarer und es ist erstaunlich, wie viele beteiligt waren und wer alles IM war.

Der Autor Frank Goldammer hat viel Wert auf funktionierende Zeitenwechsel und wirksamer Figurenkonstellation gelegt.

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Guter Schreibstil
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Tempo, Cadenza, Capriccio, Da Capo

Find Me, Finde mich Roman, Vom Autor von ›Call Me by Your Name‹ . 24.07.2020. Hardback. von Aciman André

Find me ist indirekt die Fortsetzung von Andra Acimans 2007 erschienen Roman „Ruf mich bei Deinem Namen“. Zumindest sind teilweise die gleichen Figuren da.
Ich habe den Vorgänger nicht gelesen. Ein kleiner Nachteil, aber ich konnte mich damit arragieren.
Es ist weniger die Handlung entscheidend als Acimans auffälliger Stil.

Seine Sprache hat einen eigentümlich hohe n Ton und grenzt schon fast an lyrischer Prosa. Das gefällt mir ganz gut.
Der Roman teilt sich auf in vier Abschnitte, wobei der erste „Tempo“ der längste ist. Es beginnt mit dem Professor Samuel Perlman, der auf einer Zugreise nach Rom eine Frau Namens Miranda kennen lernt. Sofort beginnt etwas zwischen ihnen.
Im zweiten Abschnitt „Cadenza“ wird dann aus der Perspektive von Elio, Samuels Sohn, erzählt. Es folgen noch 2 kürzere Kapitel: Capriccio und Da Capo, in denen es daruf hinausläuft, dass sich Elio und Oliver widertreffen.
Schon zu Beginn des Buches kann man erkennen, wie originell und gut die Dialoge gemacht sind und wie eigenständig und charismatisch die Figuren charakterisiert sind. Sie sind realistisch und glaubwürdig und das halte ich für eine hohe Qualität.

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Tempo, Cadenza, Capriccio, Da Capo
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Historisch bedeutender Text

Ich rede von der Cholera von Heinrich Heine

Der Text ist eine journalistische Arbeit Heinrich Heines in Paris.
Obwohl ich befürchtete, der Vergleich Cholera 1832 mit der heutigen Corona-Situation wäre zu konstruiert, gibt es tatsächlich ein paar Details die den Vergleich zulassen.
Außerdem wollte ich mir den historischen Text natürlich nicht entgehen lassen.

Leider ist er ziemlich kurz. Damit es überhaupt als eigenständiges Buch langt, macht der Verleger Tim Jung ein treffendes Vorwort.
Beim eigentlichen Text beeindruckt Heinrich Heine durch seine genaue Beobachtungsfähigkeit und er beschreibt die Stimmung der Bevölkerung bei dieser Katastrophe mit Genauigkeit.

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Historisch bedeutender Text
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Gemeinsame Zeit auf den Azoren

Ich rede von der Cholera von Heinrich Heine



Von Wolfgang Melzer hat mir schon sein Roman Mosaar ganz gut gefallen und auch in seinem neuen Roman „Irgendwann auf den Azoren“ geht es um die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Florian und Astrid haben sich seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Sie hatten damals eine kurzfristige, leidenschaftliche Liebesbeziehung und versprachen sich, sich auf den Azoren wiederzutreffen und tatsächlich machen sie es wahr.

Das hängt natürlich auch mit einem Moment im Leben zusammen, indem noch einmal eine Wende angestrebt wird.

Die Azoren als Schauplatz ist reizvoll. Das Archipel und seine Naturschönheiten werden gut vermittelt. Die Küste, Wale, die Pflanzenwelt, ein Vulkankomplex, Begre, Wälder, Wasserfälle.

Die Hauptfiguren gefallen mir ganz gut. Es sind ruhige, reflektierende Charaktere. Bei unsicheren Figuren wäre diese Geschichte wohl gescheitert.
Sie genießen ihre gemeinsame Zeit, aber es stellt sich auch die Frage, wieviel Zeit ihnen bleibt.

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Zum Schutz der Wildtiere in Namibia

Ich rede von der Cholera von Heinrich Heine

Der Kurzroman hat ein interessantes Thema: die Bedrohung der Tierwelt in Afrika, insbesondere Nashörner oder Elefanten, deren Hörner und Stoßzähne begehrt sind.
Schon das Cover lockt den Leser an. Mich besonders, denn auch ich bin mit Filmen wie Serengeti darf nicht sterben oder Born Free aufgewachsen.

Der Roman schildert das Thema aus deutscher Perspektive. Die Stimmen der afrikanischen Bevölkerung kommen nicht zu Wort, weder der der Wilderer als von den Tierschützern.
Hauptfigur ist der Tierarzt Rainer, der nach Afrika kommt und mit Laura eine Beziehung eingeht. Die Liebesgeschichte nimmt einigen Raum in der Handlung ein und ist auch glaubhaft. Sie teilen den Traum in Afrika zu leben und Tieren zu helfen. Leider ist die Ausführung nicht so überzeugend, da zu knapp. Es gibt auch kaum Dialoge.
Besser gefallen mir daher die Passagen, in denen es direkt um die Tiere in Namibia geht. Wilderei ist immer noch ein großes Problem, obwohl der Staat versucht, etwas dagegen zu tun. Die Gesamtsituation wird glaubhaft geschildert.

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Der harte Kampf um Anerkennung

Die Dirigentin von Maria Peters

Ein interessantes Buch. Die Filmemacherin Maria Peters hat den Stoff schon verfilmt. Jetzt liegt auch das Buch über einen Abschnitt des Lebens der Dirigentin Antonia Brico vor.

Antonia Brico gab es wirklich Sie wurde 1902 in Holland geboren, gelangte jedoch schon als Kind in die USA. Ihr Traum war es, Dirigentin zu werden und tatsächlich leitete sie einige Orchester.

Zunächst ein rein weiblich besetztes Orchester, später gemischt.

Der Roman ist nicht ohne Pathos, aber mich überzeugen die Anfangsszenen, in denen Antonias schwierige Kindheit mit einer lieblosen, exzentrischen Mutter gezeigt werden und ihre ersten Jahre im Kampf um eine mögliche Karriere als Dirigentin. Die ersten 100 Seiten sind wirklich brillant.
Die späteren Passagen sind von der Handlung her konventioneller. Man hätte auch noch ein paar andere Aspekte aus dem Leben dieser Frau erzählen können. Über manches wird einfach so hinweggegangen. Die Liebesbeziehung hingegen wird zu sehr betont.

Die Erzählperspektiven wechseln mit den Kapiteln, das funktioniert ganz gut. Das gilt auch für die gut gemachten Dialoge.

Antonias Persönlichkeit ist in gewisser Weise von ihrer harten Jugend geprägt. Harte Arbeit und Entschlossenheit machen sie aus und deswegen wird sie ihren Weg gehen.Sie ist eine starke Figur, die den Roman trägt.

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Der harte Kampf um Anerkennung
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Belfast, 1992

Alter Hund, neue Tricks − Thriller (Sean-Duffy-Serie 8) von Adrian McKinty

Die Stärken des Romans sind der selbstbewusste, aber auch sehr ironische Icherzähler und die Platzierung der Handlung in eine brisante Zeit in Nordirland. Es ist 1992.

Obwohl Inspector Sean Duffy eigentlich seine Zeit mit Frau und seiner kleinen Tochter in Schottland genießen möchte, übernimmt er doch die Bearbeitung eines Mordfalles in Belfast.

Ich genieße die amüsanten Dialoge. Duffy ist schon eine Marke.
Gleichzeitig wird der Zustand der latent eskalierenden Gewalt in Nordirland auf erschreckende Weise deutlich. Auch 1992 war der Nordirlandkonflikt noch am kochen. Morde und Bombenanschläge sorgten kontinuierlich für Anspannung.

Für mich war es der erste Adrian McKinty-Roman. Der Kriminalfall an sich hat mich nicht fasziniert. Die einzelnen Passagen mit einigen Überraschungsmomenten aber schon. Ein guter Roman mit starker Hauptfigur!

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Belfast, 1992
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Magischer Körpertausch

Alter Hund, neue Tricks − Thriller (Sean-Duffy-Serie 8) von Adrian McKinty

Zwischen der 11jährigen Larissa, genannt Lia und der Elfin Asalia Laliala Pergusta von Silberhaar kommt es zum Körpertausch. Der Dopplungszauber ist leicht schiefgegangen. Doch die beiden verstehen sich eigentlich ganz gut, obwohl sie ganz verschieden Charaktere haben. Mit Asalias Bruder Dorient hingegen ist Lia schnell vertraut.

Dia Dialoge sind wie die Ausgangssituation amüsant und es gibt jede Menge gute Ideen.
Lia ist sympathisch. Sie muss sich aber erst in de Rolle einer Elfenprinzessin hineinfinden.
Obwohl, einige Fähigkeiten hat sie sofort: Aurelisch sprechen, Blitzmagie. Fliegen geht aber nicht.
Doch sie lernt schnell dazu und setzt sich für ihre neuen Freunde ein.

Stilistisch ist der Roman angenehm locker und lebhaft gehalten.

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Belfast, 1992
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Kluge Gedanken

Alter Hund, neue Tricks − Thriller (Sean-Duffy-Serie 8) von Adrian McKinty

Stillstandsturm ist ein Brief bzw. Mailwechsel zwischen der Literaturkritikerin und Schriftstellerin Ursula März und dem Journalistin Stephan Lebert, und dazu Zeiten des Lockdowns. Daher ist Corona natürlich Dauerthema, wie bei wohl jedem. Aber politische und/oder gesellschaftliche Zusammenhänge können die beiden ziehen.

Ursula März emotionale Mails lese ich lieber als die von Stephan Lebert, der leider einen langweiligen Grundton hat. Zum Ausgleich gelingt es ihm gut, die Themen direkt und treffend anzusprechen
Nicht alles interessierte mich, aber es gab doch viele originelle Abschnitte mit klugen Gedanken.

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Belfast, 1992