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Rezensionen von yellowdog:
Am Nationalfeiertag
Während wir feiern von Ulrike Ulrich
Der Roman zeigt an einem Tag, dem Schweizer Nationalfeiertag, ein paar Freunde und ihre Beziehungen zueinander, in einer Situation, in der Entscheidungen gefordert sind.
Die Autorin Ulrike Ulrich schafft es, die Emotionen ihrer Figuren darzustellen, in dem sie die Perspektive von Alexa, Kamal, Zoltan, Evelyne u.
a. wechseln lässt.
Die Anlehnung an Virginia Woolfs berühmten Buch Mrs. Dalloway ist schon im Klappentext erwähnt und letztlich sicher zutreffend, wenn auch die Handlung auf die aktuelle Zeit bezogen ist.
Ulrike Ulrich ist eine Schriftstellerin, die zwar in Deutschland geboren ist, die jedoch schon seit Jahren in Zürich lebt und daher nahezu als eine schweizerische Autorin gilt.
Mit „Während wir feiern“ ist ihr ein literarisch ansprechender Gesellschaftsroman gelungen.
Paradiesvogel in Amsterdam
Tote spielen kein Klavier von Kees van Kikkerland
Ein Roman, der in Amsterdam spielt. Das hat mich angelockt, denn die Stadt hat Atmosphäre.
Kee van Kikkerland ist ein deutscher Autor, der angeblich schon länger in Amsterdam lebt.
Seien Romanfigur ist der Privatdetektiv Willi Hübner, der auf einem Hausboot in Amsterdam lebt und der beste Schnüffler der Stadt ist.
Diese Hauptfigur muss man als Leser erst einmal akzeptieren, sonst braucht man nicht weiterlesen. Das ist nicht einfach, aber unterhaltsame Züge hat Hübner schon. Zum Beispiel, dass seine sibirische Hauskatze Herr von Bödefeld heißt und dass er selbst im Trenchcoat auf einem Damenrad durch die Amsterdamer Straßen fährt. Er ist ein Paradiesvogel. Kaum zu glauben für einen Privatdetektiv, der doch eigentlich eher unauffällig bleiben müsste.
Eher unwillig übernimmt Hübner einen Fall einer Frau, die ihre vermisste Tochter sucht. Ich wundere mich, wie Hübner als Privatdetektiv leben kann. Er ist in seiner idealistischen Art wohl kaum ein realistischer Typ dieses Faches in unseren Zeiten. Vielmehr erinnert er an einen Philip Marlowe, nur weniger tough.
Etwas problematisch ist dann auch die Geschichte Hübners mit seinem 18jährigen Sohn, der ihn unerwartet besucht und mit dem er kaum Kontakt hatte. Tommy versucht ihn besser kennenzulernen. Ihre Gespräche sind eigentlich gut geschrieben, aber doch alles viel zu verständnisvoll, als das man das als Leser wirklich schlucken kann.
Was aber gut funktioniert ist die Stimmung des Romans.
Fazit: Der Roman war gute Unterhaltung, aber die Handlung sollte man nicht zu sehr hinterfragen. Insgesamt war alles etwas zu simpel.
Spannend, aber nicht unbedingt viel neues
Der Fahrer von Andreas Winkelmann
Der Fahrer von Andreas Winkelmann ist Teil 3 der Kerner & Oswald-Reihe.
Den Kriminalfall rund um den MyDriver finde ich nicht so originell, eigentlich ist das immer das selbe. Entführung und Mord an jungen Frauen und ein Serienkiller, der sein Spiel mit der Polizei treibt. Er verbreitet den Hashtag Finde mich!
Die Darstellung des Psychopathen sehe ich als klischeehaft und ich hatte dann nicht einmal Lust, zu rätseln wer der Mörder ist.
Die Hauptfiguren mag ich, besonders den unkonventionellen Jens Kerner, aber auch Rebecca Oswald, die im Rollstuhl sitzt und dennoch gut ermittelt.
Die beiden waren schon in den Vorgängerromanen „Das Haus der Mädchen“ und „Die Lieferung“. Sie sind ein interessantes Team und mehr als nur Partner.
Dann gibt es mit Freddy, Privatschnüffler und Schlitzohr, noch einen guten Freund.
Unterstützung bietet auch die Polizistin Carina Reinicke.
Mit solchen Figuren macht das Lesen wirklich Spaß.
Allerdings wird es spätesten in der zweiten Hälfte ziemlich gruselig. Harte Thrillerelemente werden eingesetzt. Einige der Mitwirkenden, insbesondere Carina, müssen ziemlich viel durchmachen. Jens und Becker müssen sich sehr einsetzen, um sie zu retten. Erstaunliches Ende!
Mein Fazit: Spannend, aber nicht unbedingt viel neues!
New York, 1940 und mehr
City of Girls von Elizabeth Gilbert
City of Girls ist ein hochemotionaler Roman. Das Buch ist ganz anders als Elizabeth Gilberts Erfolgsroman Eat Love Pray.
Auffällig die Erzählperspektive. Die Protagonistin Vivian erzählt als 90jähre rückblickend ihr Leben, wie sie 1940 als 19jährige nach New York in die Theaterszene kommt. Sie wirkt als Kostümbildnerin.
Das Leben in dieser Umgebung führt für sie zu einer Befreiung vom Provinzleben und das äußert sich auch an der Teilnahme am wilden Partyleben und vielen Abenteuer.
Was mich irgendwann befremdete war, dass die Geschichte an eine Angela richtet. Aber warum erzählt Vivian ausgerechnet einer Fremden ihr ganzes Leben? Das wird sich erst sehr spät im Buch herausstellen. Die Erzählperspektive, die anfangs so gut funktionierte, leidet teilweise daran, dass es so lange dauerte. Daher war ich froh, das es am Ende doch rund wurde.
Es gibt einen guten Handlungsablauf mit immer wieder packenden Passagen und guten Szenen, bei der die vielen guten Nebenfiguren beitragen. City of Girls ist ein sehr unterhaltsamer Roman.
Fortsetzung der Dragon Ninjas-Reihe
Dragon Ninjas, Band 2 - Der Drache des Feuers von Michael Petrowitz
Dragon Ninjas, Band 2: Der Drache des Feuers
Band 2 schließt unmittelbar an „Der Drache der Berge“ an. Es wäre schon besser, Band 1 der Dragon Ninjas gelesen zu haben.
Wieder steht Lian im Mittelpunkt, der auf das Ninja-Internat geht und einige geheime Mächte in sich hat, die er zum Teil noch entdecken muss.
Das ist ein typisches Coming of Age-Element, aber originell verpackt.
Lians Freunde Sui und Pepp sind natürlich auch wieder dabei,
Es ist ein einfallsreicher Plot, konzentriert geschrieben.
Der Text wird unterbrochen von teilweise erhabenen, teilweise frechen Illustrationen von Marek Blaha, die mir ausgezeichnet gefallen.
Eine Stärke des Autors ist der Detailreichtum seiner Beschreibungen, zum Beispiel wie er das Hafenstädtchen Bara-Kuda mit seinen Holzhäusern und anfahrenden Dschunken zeigt.
Die Altersempfehlung erscheint mir zwischen 8 und 12 Jahre passend.
Dieser Teil ist nicht wirklich in sich abgeschlossen. Weiter geht es mit Band 3.
Retrospektive Franz Erhard Walther
Franz Erhard Walther von Kolja Reichert
In der Ausstellung Shifting Perspectives wird das langjährig entstandene, komplexe Werk von Franz Erhard Walther vorgestellt. Es ist nach den Schaffensphasen geordnet.
Die Ausstellung findet zur Zeit im Haus der Kunst in München statt.
In einigen Werken werden die Ausstellungsbesucher einbezogen, z.
B. die Raumelemente und die Körperformen.
Walther hat sich viel mit der Verbindungen zwischen Körper und Objekt beschäftigt.
Es sind letztlich die Menschen, die die Formen aktivieren.
Der letzte Teil des Buches beinhaltet Texte, unter anderen auch ein Gespräch mit dem inzwischen 80jährigen Künstler.
Das Buch schafft es, dem Leser die Ausstellung so gut nahezubringen, wie es einem Buch möglich ist. Mehr geht nur wohl nur, wenn man die Ausstellung selbst besucht.
Eigenwillige Gesichter
Kristian Schuller von Nadine Barth
Kristian Schuller zeigt in Anton ´s Berlin junge Berliner.
Auffällig sind erst die Kostüme, die Schminke und Pose, aber dann lohnt sich der Blick in die Gesichter und der manchmal versteckte Ausdruck.
Wie der einleitende Text The Maximalist erläutert, sind diese jungen Berliner ungewöhnlich.
„They are not role models or prestigious types, but deviants from the norm, border-crossers, extremes.
“
Dieser Text von Ingeborg Harms hat einen großen Ansatz und geht in mehreren Aspekten in die Tiefe.
Dennoch blieb ich bei manchen Fotos etwas ratlos, aber andere konnten überraschen und erreichten mich als Betrachter.
Es sind wirklich schillernde Figuren, die in Kristian Schullers Berlin-Buch posieren und der Vergleich zu den Fellini-Filmen ist offensichtlich. In diesen Filmen traten Menschen mit ungewöhnlichen Aussehen auf, der Zuschauer konnte sie mit der Zeit kennenlernen.
Im Fotobuch hat man diese Möglichkeit nur eingeschränkt. Der erste Anblick ist oft schockierend bis abstoßend. Erst, wenn man sich dann auch mit den Fotos näher beschäftigt, ergibt sich mehr.
Die große Hitze
42 Grad von Wolf Harlander
42 Grad trumpft von Anfang an auf mit einer Vielzahl an Figuren an den unterschiedlichsten Orten. Die Kapitel sind kurz und schnell, dadurch gewinnt man beim Lesen den Eindruck eines hohen Tempos.
Manche der Figuren treten nur einmalig auf, andere sind mehrfach dabei und allmählich kristallisieren sich ein paar Figuren als tragend heraus, zum Beispiel der Hydrologiestudent Julius Denner und Elsa Forsberg von der Umweltagentur in Kopenhagen sowie Florian Herzog, Kerstin Lange und ihre Kinder, Noah Luethy.
Die Hitzewellen der letzten Jahre waren sehr auffällig, die Gefahren des Klimawandels sind inzwischen ins Bewusstsein gerückt. Daher muss der Autor Wolf Harlander die Ereignisse nur geringfügig anheben, um einen Sommer zu zeigen der kippt. Hitze, Dürren, Katastrophen, Panik sind die Folgen.
Ich schätze das locker und unverkrampfte am Stil von Wolf Harlander. Das Buch lässt sich wirklich gut lesen.
Der Roman ist unterhaltend, aber vielleicht auch nicht so bedeutend. Bei recht hoher Seitenzahl ist der Ansatz doch zu klein. Dennoch war ich ganz zufrieden, da mir die Figuren gefallen haben und die Geschichte mit steigenden Temperaturen auch an Drive gewinnt.
Baumeister des Tropical modernism
42 Grad von Wolf Harlander
In dem Buch „Mr.Bawa, I presume“ stellt die bemerkenswerte Fotografin Giovanna Silva das Werk des Architekten Geoffrey Bawa (1919 – 2003) vor. Das ist etwas ganz besonderes und trägt dazu bei, etwas zu bewahren, das teilweise am verschwinden ist. Bawa wirkte ab 1958 in Sri Lanka. Er begründete den Stil der Tropischen Moderne.
Die Texte in diesem Buch sind auf Englisch.
Im ersten Abschnitt sind die Fotos in schwarzweiß, aber im Hauptteil entfalten sich farbige Fotos. Man begibt sich auf einen Spaziergang in Sri Lanka, wenn man den Fotografien der Reihe nach folgt. Da gibt es einiges zu entdecken und zu bestaunen.
Man sieht Bawas Landhaus, Schulen und Hotels, die er in Colombo baute und Teile eines Bahnhofs.
Ich konnte mich kaum sattsehen an diesen Fotos, die die Tropische Moderne ausführlich zeigen.
Vor Gericht
42 Grad von Wolf Harlander
In 2018 hat sich Georgien auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Das vorliegende Buch von Dato Magradse stammt auch aus diesem Kreis.
Es ist nicht ganz einfach, den Lyriker richtig einzuordnen. Teilweise bleibt er mir fremd. Das ist nicht überraschend, denn Georgien und seine Hauptstadt Tblessi sind nicht jedem geläufig.
Was mir ganz gut gefällt, is der Bezug zum Antiken während der Text doch ganz in der heutigen Zeit bleibt und der leicht kafkaeske Ansatz. Damit verbunden ist ein Ton voller Pathos und eine Fülle an Details.
Was mich an dieser Ausgabe aber störte war der übermäßige Einsatz von Fußzeilen auf fast jeder Seite. Das bringt den Leser immer wieder raus, wenn er gerade eigene Gedanken zum Text entwickelt.
Davon abgesehen ist es ein interessanter, manchmal überraschender Text und etwas, was man nicht oft liest.









