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Rezensionen von yellowdog:
Gesellschaftsroman in einer unruhigen Zeit
Die Schule am Meer von Sandra Lüpkes
Dieser Roman erzählt von einem Internat auf Juist. Es beginnt 1925. Der Lehrer Paul und seine Familie kommen nach Juist. Seien Frau Anni ist ebenfalls Lehrerin, zieht dabei noch ihre 3 Kinder auf.
Der im Krieg verletzte Eduard Zuckmayer folgt als Musiklehrer und bringt seinen Dackel Waldi mit.
Die resolute Kea macht dort die Hauswirtschaft, ihre kluge Nichte Marje geht dafür kostenfrei zur Schule.
Mit Moskito gibt es einen weiteren Schüler, der sehr im Mittelpunkt steht. Er hat eine verletzte Graugans aufgepflegt, die ihm jetzt treu folgt.
So einige der Sylter Insulaner misstrauen aber dieser neuen Gemeinschaft.
Negative Stimmungen der Zeit werden spürbar und verstärken sich im Laufe der Zeit. Es ist anfangs so eine helle Stimmung, die sich aber mit der Zeit verdüstert. Bis 1934 folgt der Roman dem Verlauf der Schule und den beteiligten Figuren.
Das man weiß, dass es für die freidenkenden und die jüdischer Abstammung schwer wird, bestimmt das Leseerlebnis mit.
Der Roman beeindruckt durch einen ansprechenden, gut lesbaren Stil und gleichzeitig einer gewissen Eleganz. Außerdem fällt es wirklich leicht, die überwiegend sympathischen Figuren zu mögen.
Die Menschen um das Münster
Der Turm aus Licht von Astrid Fritz
Astrid Fritz ist eine Autorin historischer Romane, die schon lange schreibt.
Vielleicht ist das der Grund, warum man praktisch sofort in der Handlung dieses großen, komplexen Romans um die Schaffung des Freiburger Münsters drin ist. Eine der schönsten Kirchen der Welt.
Aber Astrid Fritz erzählt auch die Geschichte der Menschen, die beteiligt waren.
Der Baumeister Gerhard kommt mit seiner Frau Odilia aus Straßburg um den Bau des Westturms zu übernehmen. Graf Konrad fördert das Projekt, doch nach seinem Tod gibt es viel Ärger mit den egoistischen Nachkommen.
Astrid Fritz lässt außerdem noch eine ganze Reihe weitere Figuren mit relevanten Rollen auftreten. Später wird besonders der junge Bildhauer Josef eine große Rolle spielen.
Man kann tief abtauchen in die Zeit des 13.Jahrhunderts.
60 Jahre werden abgebildet und die Figuren sind so stark gemacht, das man ihnen gerne über einen langen Zeitraum folgt. Und neue Figuren kommen immer wieder dazu. Dabei kann auch der Wandel gezeigt werden.
Der Turm aus Licht ist ein großer historischer Roman, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Katie & Cassidy
When Katie met Cassidy von Camille Perri
Die Rechtsanwältin Katie ist nach einer schlimmen Trennung von ihrem langjährigen Freund Paul ziemlich fertig, als sie Cassidy trifft. Erst beruflich, dann auch privat.
Die selbstbewusste Cassidy trägt Herrenanzüge, ist ebenfalls Anwältin und lebt offen lesbisch.
Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft.
Und es könnte mehr daraus werden. Dazu sind aber Änderungen erforderlich. Katie muss ihre Unsicherheit ablegen und die unbeständige Cassidy muss Gefühle zulassen.
Die Figuren haben zwar etwas von Stereotypen, aber zum Glück doch auch glaubhafte Eigenschaften.
Camille Perri weiß durch gute Beschreibungen und schlüssige Dialoge zu überzeugen.
Das Setting in New York und der lesbischen Szene in Manhattan prägt das Buch mit und erzeugt zusätzliche Atmosphäre.
Träume und Gedanken in Farben
When Katie met Cassidy von Camille Perri
Der Roman Sitka erzählt auf ungewöhnliche, dabei realistische, unkitschige Art von einer Deutsch-Kanadischen Liebesgeschichte.
Auf einer Vernissage lernt die sensible Hamburger Buchhändlerin Karin Hansen den Kanadier Konrad Munro kennen und sie beginnen eine Beziehung. Doch einfach wird es nicht, einerseits durch die häufige räumliche Trennung, dann aber auch weil Karin sich nicht sicher ist, ob sie zueinander passen.
Mich interessierte der Kanada-Aspekt im Buch, doch zunächst spielt sich die Handlung anderswo ab. Sie treffen sich nicht nur in Hamburg, sonder fahren auch nach Sylt oder treffen sich in Davos in der Schweiz. Später sogar in Hongkong.
Ein weiterer Mann kommt ins Spiel. Bodo, ein Schriftsteller, der sich auch in Karin verliebt.
Als Karin schließlich doch nach Kanada fliegt, enthüllt sich ihr dort ein überraschendes Geheimnis.
Die 1922 geborene Schriftstellerin Ingelene Rodewald lebte auch einst in Kanada. Ich denke, dass sie es schafft, die Charaktere ihrer Figuren gut und glaubhaft zu bilden. Ich habe das Buch gerne gelesen. Der Roman gelingt nicht zuletzt, weil er so routiniert geschrieben ist.
Bemerkenswertes Lang-Poem
When Katie met Cassidy von Camille Perri
Ein langes Prosagedicht in mehreren Abschnitten von dem vietnamesischen Dichter Mai Van Phan.
Herausgeberin und Übersetzerin ist Elvira Kujovic
Der vielfach preisgekrönte Dichter Mai Van Phan, 1955 geboren, hat ein umfangreiches Werk, vielfach in diverse Sprachen übersetzt, aber das hier ist offenbar die erste deutsche Übersetzung und somit ist der Autor wirklich eine Neuentdeckung.
Das Buch enthält außerdem noch eine englische Übersetzung.
Der Text ist nicht einfach zugänglich, da unx westlichen Leser Vietnam natürlich ziemlich fremd ist. Der Autor nutzt verschiedene stilistische Methoden und betrachtet einen längeren Zeitraum der vietnamesischen Geschichte. Er streift diverse Themen, z.B. Freiheit, Propaganda, den Vietnamkrieg. Da lässt er in dem Abschnitt Dialoge die Toten des Kriegs zu Wort kommen. Agent Orange wird erwähnt, das bis heute für Schäden an Mensch und Natur verantwortlich ist.
Oft bewegen sich die Texte zwischen Traum und Realität.
Ära des Mülls ist ein bemerkenswertes Werk. Ich hoffe auf weitere Übersetzungen.
Die übersinnlichen Brüder
Denn Geister vergessen nie von Jessica Koch
Der Beginn des Buches überzeugt auf Anhieb durch den Einsatz einer ganzen Reihe interessanter Figuren.
Da ist Jayden, der mit seinen Freunden auf eine Tour mit einem Segelschiff gehen will. Außerdem seine schwangere Frau Marie und ihr jüngerer Bruder Collin, der an der depressiven Amy interessiert ist.
Dann gibt es auch noch Mian und Jano, hochsensibel und hellsichtig.
Die Erzählperspektiven wechseln schnell zwischen diesen Figuren. Das verleiht dem Buch eine ansprechende Vielschichtigkeit.
Hinzu kommen Szenen aus der Vergangenheit. Das führt dann langsam zu einer Überfrachtung. Erschwerend kommt das Gefühl ein Durcheinander zu lesen hinzu. Damit komme ich erst besser zurecht als der Segeltörn endlich losgeht. Da fehlen auch dramatische Szenen nicht, als das Schiff in einen Sturm fährt.
Eigentlich ist es ein guter Roman, doch mit dem Empathieaspekt von Mian und Jano hatte ich meine Probleme und die Liebesgeschichte fand ich schwach. Dafür bleibt aber, das man ein paar gute Figuren mit ihren Problemen und Emotionen kennen lernen konnte.
Eine amerikanische Generation
Jenseits der Erwartungen von Richard Russo
Es ist ein sehr amerikanisches Buch, was mich nicht stört. Im Gegenteil, mich hat die Geschichte der USA immer interessiert. Richard Russo betrachtet in diesem Roman eine Generation, die 1969 in dem Alter war, nach Vietnam eingezogen zu werden, oder auch nicht, wenn sie Glück hatten.
Lincoln Moser, Teddy Novak und Mickey Goradi waren auf dem College Freund und sind es auch heute (Zeitpunkt der Gegenwartshandlung ist 2015) noch.
Sie teilen neben vergleichbaren Erfahrungen auch die Zuneigung zu jaci, einer Frau, die 1971 rätselhafterweise spurlos verschwand. Das bestimmt einen Teil der Handlung mit.
Obwohl ich den Ansatz gut fand, überzeugt mich die Umsetzung nicht ganz. Die Figuren blieben zu blass, die Handlung zu fad.
Dennoch ist die Qualität des Autors erkennbar. Vielleicht bin ich bei einem anderem Roman von Richard Russo besser aufgehoben.
Wellness auf Sylt
Sylt oder Sahne von Claudia Thesenfitz
Von Claudia Thesenfitz hatte mir ihr Roman Mit James auf Sylt gut gefallen, daher wollte ich noch ein Buch von ihr lesen, obwohl das eigentlich nicht mein Genre ist.
Sylt oder Sahne konzentriert sich überwiegend auf das Thema Übergewicht. Hinzu kommen ein paar der üblichen Zutaten des Genres.
Nele beschließt in ein Wellness-Hotel auf Sylt zu gehen, um abzunehmen.
Da muss sie sich erst einfinden und auch mit ihren Zimmergenossinnen Sabine und Ariane zusammenraufen. Und das Abnehmen wird sehr hart, aber Sylt kann sie voll und ganz genießen.
Der Roman überzeugt nur bedingt, da er fast belanglos ist und es zu viele platte Stellen gibt. Auch das Ende behagte mir nicht. Aber ein paar amüsante Passagen gibt es immerhin und natürlich auch ansprechende Syltbeschreibungen, so das ich doch am Ende einigermaßen zufrieden war.
Wie Blütenblätter des Lebens
Wie uns die Liebe fand von Stihlé Claire
Ein schönes Portrait über das Leben in einem elsässische Dorf. Das Dorf Bois des-Val ist zwar fiktiv, basiert aber auf einem realen Ort.
Bestimmend wirkt die forsche und liebenswerte Erzählstimme von der 92jährigen Madame Nanon. Ihre Erinnerungen gehen zurück in ihre Kindheit im Krieg als die Deutschen in den Elsass einmarschierten.
Ein einschneidendes Erlebnis war der Tod ihres Vaters. Sie wird erwachsen und bekommt vier Töchter.
Es gibt einiges an Wortwitz und der Roman ist sehr warmherzig.
Er hat mir streckenweise gut gefallen. Es gibt aber auch Momente, die mich gelangweilt haben, da das Erzählte zu belanglos scheint.
Am Ende des Buches gibt es einige typische Rezepte aus dem Elsass.
Ein freier Hund in Venedig
Der freie Hund von Wolfgang Schorlau; Claudio Caiolo
Der freie Hund ist ein Krimi von Wolfgang Schorlau mit Co-Autor Claudio Caiolo, der eigentlich Schauspieler ist, aber sicher einiges an Lokalkolorit und italienische Zutaten beigesteuert hat, denn die Handlung ist in Venedig angesiedelt. Ob das alles wirklich Venedig wirklichkeitsgetreu abbildet, bezweifle ich dennoch.
Venedigfans werden dennoch zufrieden sein.
Die Hauptfigur Antonio Morello, Kommissar aus Sizilien, wird nach Venedig versetzt, da er auf der Todesliste der Mafia stand.
Er ist eine richtige Type und das funktioniert dann entsprechend gut im Zusammenhang.
Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo vermögen actionreich zu schreiben und die rasanten Szene dennoch realistisch wirken zu lassen. Das gefällt mir ganz gut.
Schade aber dass es letztlich doch mehr Dialoge gibt, immerhin geht es flott voran.
Durch das Erzähltempo hebt sich das Buch von den behäbigen Brunetti-Krimis von Donna Leon ab, an die man aber natürlich dennoch denken muss.
Natürlich ist der Roman nichts, was im Genre einen neuen Maßstab setzt, aber Der freie Hund ist ein routiniert geschriebener Krimi, den ich für lesenswert halte.









