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Rezensionen von yellowdog:
Briefwechsel mit Mücke
Meine lieben jungen Freunde von Hans Fallada
Der Schriftsteller Hans Fallada hat ein manchmal schwieriges Leben, wobei die Zeit in der er lebte mitprägend war. Auch sein Familienleben war oft nicht einfach, doch die Liebe zu seinen Kindern zeigen die hier abgedruckten Briefe.
Hans Fallada´s Briefe an seine 10jährige Tochter „Mücke“ sind ganz putzig, beim näheren Betrachten sogar etwas mehr, denn es war eine schlimme Zeit in den vierziger Jahren, in der auch mal ein Fliegeralarm vorkommt.
Die Briefe von und an Fallada zeigen deutlich die gegenseitige Zuneigung.
Wichtiges Kernstück des Buches ist dann ein Vortrag, dessen Titel auch den Titel dieses Buches gibt und in dem Hans Fallada von seinem Schriftstellerleben erzählt.
Mehr als nur ein historischer Roman
Die Wahnsinnige von Alexa Hennig von Lange
Das Sujet ist unerwartet von der ursprüngliche Pop-Literatur-Ikone Alexa Hennig von Lange. Sie geht ins frühe 16.Jahrhundert und erzählt einen Abschnitt aus dem Leben von Königin Johanna von Kastillien I.
Eine konplexe Geschichte, aber in erster Linie der vergebliche Kampf einer Frau um ihre Eigenständigkeit.
Johanna war die Tochter von Königin Isabella, die Christoph Kolumbus förderte und sie war verheiratet mit Philip dem Schönen.
Eine Leidenschaftliche, aber auch zerstörerische Beziehung.
Johannas Widerstand ist letztlich erfolglos, dennoch wichtig um ihre Identität zu behalten.
Typische Elemente der Prosa der Autorin sind auch hier erkennbar erhalten.
Die Lebhaftigkeit ihrer Figuren und die sprachliche Lebendigkeit.
Beides zusammen ergibt eine Mischung, die Alexa Hennig von Langes Stil ausmacht.
Vor 30 Jahren
Wir sind ein Volk! - Oder? von Freya Klier
Freya Klier hat mit „Wir sind ein Volk! - oder?“ ein Buch herausgegeben, das einige Beiträge über den Mauerfall vor 30 Jahren versammelt.
Der Untertitel Die Deutschen und die deutsche Einheit ist treffend.
Die meisten Autoren sprechen über ihre Gefühlslage. Manche sind interessant, andere weniger.
Leider sind kaum literarische Beiträge darunter, wie ich eigentlich erwartet hatte, da z.B. der Dichter und Schriftsteller Reiner Kunze mit dabei ist. Seine 2 Gedichte und ein aktueller Beitrag sind dann für mich auch Höhepunkt des Buches.
Leider sind viele andere Beiträge mehr oder weniger trivial und bieten mir nichts neues. Der intelligente Schlußbeitrag von Norbert Lammert versöhnt dann am Ende aber immerhin ein wenig.
provokant und überdreht
Omama von Lisa Eckhart
Die Kabarettistin Lisa Eckhart schreibt ihr Debütroman Omama auf ihre spezielle Art und Weise, nämlich provokant und überdreht, aber schon ziemlich durchkalkuliert.
Die Geschichte der Großmutter beginnt in einem Dorf in Österreich während des Krieges. Im Mittelpunkt die Schwestern Helga und Inge.
Und die Russen kommen! Diese Passagen sind ziemlich überdreht.
Später wird es etwas ruhiger. Inge ist dann in Wien, schreibt der Familie aber so einige Briefe.
Die Autorin lässt sich einiges einfallen, auch Wortspiele.
Nicht selten geht sehr derb zu. Dazu passt dann der häufig eingesetzte Slang gut.
Die Dorfgemeinschaft kommt nicht so gut weg, wobei eine gewisse Sympathie für die Figuren die Autorin doch zu hegen pflegt.
Das Dorf als Mikrokosmos funktioniert jedenfalls gut.
Als kleine Schwäche habe ich es empfunden, dass die Autorin mehrfach die Handlung vernachlässigt um gewisse Themen fast wie Essays abzuhandeln, z.B. über die Funktion des Dorfdepps, den des Dorfschönlings, der Dorfmatraze, Schiffahrt und Weltenbummler etc. Das hält den Handlungsablauf etwas auf und man hat den Eindruck, es geht nicht voran. Bis es dann in Teil 3 den Sprung ins Jahr 1989 gibt und in eine Schiffsreise mündet.
Diese Art von Humor muss man natürlich mögen, um den Text genießen zu können. Manchmal ist es etwas zu viel des guten!
ausgeklügelter Plot!
Geburtstagskind von Anders Roslund
Der Schwedenkrimi Geburtstagskind von Anders Roslund beginnt mit einem Schockeffekt. Eine ganze Familie ermordet, nur ein fünfjähriges Mädchen überlebte. Hinzu kommt der sensible Kommissar Ewert Grens, der sie einst fand und der sich fast 20 Jahre später Sorgen um das jetzt erwachsene Mädchen macht.
Grens ist als Kriminalkommissar der Stockholmer Polizei gut gewählt, da er mit 64 Jahren sehr erfahren ist. Ihm zur Seite seine Kollegen Mariana Hermanssons und Sven Sundkist.
Im Vergleich zu Grens haben diese beiden jedoch weniger Profil, wie ich finde.
Dann ein krasser Bruch und es geht um einen ehemaligen zwiespältigen Undercoveragenten namens Piet Hoffmann, der zusammen mit seiner Familie bedroht wird.
Das ist ganz spannend gemacht. Die Fäden werden schnell zusammengeführt, indem Piet in seiner Not den Kommissar, den er von früher kennt aufsucht. Er will Hilfe, dafür wird er Grens bei seinem Fall helfen. Gegen Ende hin gibt eines Überraschung.
Was für eine Figurenkonstellation, was für ein ausgeklügelter Plot!
sensibel erzählt
Das Leben ist ein wilder Garten von Roland Buti
Der Erzähler des Buches ist Carlo Weiss, ein Landschaftsgärtner.
Der Roman arbeitet mit einem leicht rätselhaften Plot. Wo ist die resolute, aber leicht demente Mutter des Protagonisten hin? Warum wird sein Kollege Agon von zwei Männern überfallen? Warum ist Carlo von seiner 18jährigen Tochter Mina entfremdet?
Eine Menge Fragen, die den Leser fest an den Roman bindet.
Der Schweizer Schriftsteller Roland Buti versteht mit Sprache umzugehen, wobei anzumerken ist, dass er in französisch schreibt. Die Sprache hat Momente, in denen sie zu schweben scheint.
Die Stimmungen seiner Hauptfigur prägen den Roman.
Es gibt viele Passagen, in der Carlo über seine Mutter nachdenkt.
Es gibt aber auch einen hintergründigen Humor.
Ein sensibel geschriebenes Buch, das sich lohnt!
Ländliche Idylle in Schweden
Nur noch ein bisschen Glück von Ahrnstedt Simona
Ein klassischer Plot für Romane dieses Genres.
Stella ist frisch getrennt und arbeitslos. Deswegen kommt sie spontan aus der Stadt Stockholm aufs Land (nahe Laholm in Südschweden), wo sie das Haus ihrer Großeltern geerbt hat. Sie wirkt vollkommen verzweifelt und hilflos.
Grund für den Biobauer Thor, sich um sie zu kümmern.
Thor hat zwei Kinder, die er alleine großzieht.
Großstadtpflanze und Naturbursche. Das sind ziemliche Gegensätze, dennoch verstehen sie sich auf Anhieb gut. Der Leser erfährt die Gedanken beider Perspektiven. Beide sind sympathisch, beide haben aber auch ihre Probleme.
Das Landleben wird sehr positiv beschrieben. Vor allen Thors moderner Hof, seine Kinder Frans und Juni, die Hunde und Ziegen.
Natürlich folgen dann die üblichen Genre-Zutaten. Peder, Stellas Exfreund taucht auf und es gibt eine junge Ärztin, die mal mit Thor zusammen war.
Naja, das wird zum Glück schnell abgehandelt.
Es stört mich, dass sich die Protagonisten teilweise wie Teenager aufführen.
Dann gibt es aber auch Szenen, die wirklich ganz gut gelungen sind, z.B. als Stella sich für Thors Tochter einsetzt, die in der Schule schikaniert wird oder die dramatische Passagen gegen Ende.
Eigentlich habe ich den Roman ganz gerne gelesen. Es ist ein leicht lesbarer Roman, der detailliert ausgeführt ist und doch teilweise leider auf der Oberfläche bleibt und zu vorhersehbar ist.
Routiniert
Dunkles Lavandou von Remy Eyssen
Aus der Reihe um Gerichtsmediziner Leon Ritter habe ich schon einen ganz guten Teil und einen eher schwächeren gelesen. Dieser Fall „Dunkles Lavandou“ sollte entscheiden, liegt aber irgendwo in der Mitte. Immerhin schlägt das Pegel doch eher zum positiven aus.
Ich mag Leon Ritter und Isabelle Morell als Paar, hinzu noch Isabells Teenagertochter Lilou.
Isabelle hat diesmal aber ein gesundheitliches Problem und muss sich untersuchen lassen. Doch ich denke, sie sind als kleine Familie inzwischen so stark, auch eine Krise zu überstehen.
Was den Fall an sich angeht, bin ich wenig beeindruckt. Es gibt einfach viel zu viele Krimis, da nützt auch keine Extraportion Brutalität und Ritualmorde.
Immerhin gibt es ein kurzes feines, dramatisches Finale.
Immerhin beeindruckt Leon wieder durch sein umsichtiges, überlegtes Vorgehen. Er ist eine gute Hauptfigur. Zudem schreibt Remy Eyssen routiniert. Deswegen trägt Remy Eyssens Reihe auch schon 6 Teile.
Leyla
Die Sommer von Ronya Othmann
Die Sommer erzählt auf sensible Art, wie die junge Leyla das Familienleben bei ihren jesidisch-kurdischen Großeltern wahrgenommen hat. Leyla lebt mit ihren Eltern in Deutschland, aber jeden Sommer verbringt sie bei ihren Großeltern in einem Dorf in Syrien nahe der türkischen Grenze.
Während Leyla mit ihren Cousins nur halbherzig spielt, denn für die ist sie die aus Almanya, hat sie zur Großmutter ein ganz enges, vertrautes Verhältnis.
Leyla spürt ihre Zerrissenheit auch in Deutschland. Ihre Mitschüler kennen kein Kurdistan.
Auch die Lebensgeschichte von Leylas Vater wird noch erzählt. Er floh aus Syrien nach Deutschland.
Es gibt einen weiteren wichtigen Aspekt, der zur Änderung führt. Das Terrorregime Assads und der Krieg, der 2011 beginnt. Das beendet Leylas Sommer in Syrien.
Es bleibt eine andauernde Verstörung.
Ich bewundere, wie einfühlsam die Autorin Ronya Othmann diese ganzen Szenen beschreibt. Ich war auch letztes Jahr schon bei ihrer Lesung beim Ingeborg-Bachmann-Preis von ihrem Text überzeugt. Die Sommer wurde ein überzeugender Debütroman.
Ein maritimes Kinderbuch
Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea von Thomas Taylor
Malamander - Die Geheimnisse von Eerie-on-sea ist ein aufwendig gestaltetes schönes Kinderbuch. Es gibt neben dem detailliert gestalteten Cover auch Karten und kleine Illustrationen im Buch.
Trumpf des Buches ist die sympathische Hauptfigur, die die Geschchte auch erzählt: „Herbie“ Herbert Lemon ist 12 und Sachenfinder des Grand Nautilus Hotel.
Eines Abends muss er überraschender weise ein Mädchen verstecken, das ihn bittet, es bei der Suche nach ihrer Vergangenheit zu unterstützen.
Es gibt so einige aufregende Passagen, die sprachlich malerisch ausgearbeitet sind. Eine abenteuerliche Geschichte.
Weitere Geschichten aus Eerie-on-sea dürften zu erwarten sein.
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Für 10-12jährige Leser dürfte das Buch die ideale Lektüre sein.











