Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Jugendbuch-Thriller
Get Even - Unsere Rache ist süß von Gretchen McNeil
Dieser recht lebhaft gestaltete Thriller von Gretchen McNeil heißt Get even. Unsere Rache ist süß.
Solche Untertitel finde ich albern und sind häufig ein Anzeichen dafür, dass das Buch zusätzliche Dramatik nötig hat. Aber andererseits ist Get even eine Serie. Dann macht ein Untertitel zur Differenzierung vom zweiten Teil natürlich Sinn.
Zusätzlich ist zu sagen, dass dieses Buch als britische TV-Serie für Netflix verfilmt wurde und möglicherweise schon dafür konzipiert wurde.
Kitty, Margot, Bree und Olivia sind Freundinnen, die sich im Geheimen an Schulhofrüpel rächen. Eine langfristige Aktion gegen Mobbing.
Die Grundidee ist zwar originell, aber in der Ausführung einigermaßen konstruiert ausgeführt. Dennoch bleibt genug interessantes übrig.
Die relativ schlichten Dialoge könnten teilweise besser sein.
Das schränkt auch die Charakterisierung der eigentlich gut angelegten Figuren gelegentlich ein.
Alle vier Mädchen haben verschiedene Eigenschaften, die sich erst als Gruppe positiv auswirken. Das jede Figur ihre Rolle einnimmt und daraus auch nie ausbricht, ist problematisch. Ein paar Situationen gibt es aber schon, bei denen man als Leser spürt, dass die Figuren wirklich Ansätze zu mehr Komplexität haben und etwas entwickeln sie sich auch weiter. Immerhin mag man eigentlich alle vier.
Letztlich ist das Buch deutlich ein Jugendbuch-Thriller, das auch alles andere als schlecht ist. Vielleicht sehe ich bei Gelegenheit tatsächlich mal in die Serie bei Netflix rein.
Tough
Die verstummte Frau von Karin Slaughter
Karin Slaughter schreibt tough und so sind auch ihre Figuren Will Trent, Faith Mitchell, Amanda Wagner und Sara Linton. Das spürt man gerade in den Dialogen, die manchmal knallhart sind, aber oft auch mit Ironie.
Der Fall ist einigermaßen spannend. Man spürt in diesem Buch außerdem eine dichte Atmosphäre.
Es gibt 2 Handlungsstränge, einer in der Vergangenheit mit Sara und ihrem damaligen Mann Jeffrey Tolliver. Bei dem anderen geht es um den im Gefängnis sitzenden Daryl Nesbitt.
Neben den Beschreibungen der Ermittlungen sind auch private Beziehungen der Figuren häufig Mittelpunkt der Handlung. Das funktioniert, weil die Figuren so interessant sind.
Der Roman ist umfangreich und lässt alle Figuren und der Handlung viel Raum. Mir waren die Autopsie-Szenen zu viel, ansonsten hat mich die Länge des Buches nicht gestört. Tatsächlich aber ist das Tempo eher schleppend.
Das es sich bei Slaughters Georgia-Reihe mit Will Trent um eine langjährige Serie handelt, merkt man nur an den viele Vorgeschichten der Figuren, Abnutzungserscheinungen gibt es aber nicht.
Der Glaube an den Wandel
Die verstummte Frau von Karin Slaughter
Der in Togo geborene Autor, der heute in Kanada lebt, wählt für sein Buch mit Farafina ein fiktives afrikanisches Land.
Die Menschen dort lieben ihr Land, aber es wird regiert von einem Diktator und Meinungsfreiheit ist eingeschränkt.
Das Buch hat eine große Gemengelage an Themen und Problemen der Menschen in vielen afrikanischen Ländern.
Der thematische Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Religion der Massen. Ein weißer Prediger versucht die Menschen des Landes zu missionieren und wird auch tatsächlich von den Massen frenetisch gefeiert, wobei bei Misserfolg die Stimmung auch schnell umschlagen kann. Das Hanso, so der Name des evangelikanen Predigers, die Menschen so faszinieren kann, nehme ich der schlicht gestrickten Figur nicht so ganz ab.
Den Prediger setzt der Autor Kodjo Attikpoé drei junge Menschen als Kontrapunkt. Tavio, Sankar und Biko sind ganz modern eingestellt. Sie diskutieren die Lage des Landes, aber auf mich wirkt es zu theoretisch.
Mitte des Buches nehmen Passagen einer Radiosendung viel Raum ein.
Letztlich hat der Autor schon einige interessante Ansätze und die Protagonisten sind engagiert und wollen Veränderungen herbeiführen, dennoch überzeugte mich die Erzählweise nicht komplett.
Langessay
Meine Nacht im Picasso-Museum von Kamel Daoud
Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud schreibt auf Französisch und schmeißt in diesem Langessay einige interessante Themen zusammen.
Zentral natürlich, wie die Gemälde Picassos auf ihn wirken. Im Vordergrund ist die Ausstellung „Picasso 1932 année erotique“ mit vielen Aktbildern. Kamel Daoud nennt gelegentlich die Namen der Gemälde und es lohnt sich, nach ihnen im web Ausschau zu halten, um den Autor auch visuell durch die Ausstellung begleiten zu können.
Der Untertitel „Über Erotik und Tabus in der Kunst, in der Religion und in der Wirklichkeit“ ist schon zutreffend.
Dann stellt der Autor sich vor, wie die Gemälde mit ihrem erotischen Inhalten auf einen radikalen Islamisten wirken würden und diskutiert somit auch den Blick der Männer auf die Frauen in der arabischen Welt.
Er lässt dann auch die Zerstörung Palmyras durch Dschihadisten 2015 einfließen. Der kulturelle Genozid.
Ich halte den Ansatz des Essays für gut und originell, da es etwas verdeutlicht. Das Essay ist sprachlich gut verfasst und durchdacht.
Chronist seiner Zeit
Berlin - Anfänge einer Großstadt von Hans Ostwald
Hier wird ein intensiver Blick auf das Berlin Anfang des letzten Jahrhunderts geworfen. Der Macher ist Hans Ostwald, der 1940 starb,
Man spürt natürlich das Alter der Texte, aber das störte mich nicht. Umso authentischer!
Ein Vergleich dieses Buches mit Walter Benjamins Berliner Chronik sei gestattet.
Ich kenne Berlin leider nicht so gut, dass ich alles beschriebene von früher mit heute vergleichen kann, aber so einiges kann man sich vorstellen.
Mit den Texten durchstreift der Leser Berlin örtlich wie thematisch.
Hoppegarten mit den Renntagen, Varieté, KaDeWe, Tiergarten und die Stricherszene, Moabit, Berliner Nachtleben mit den Bars und Lokalen, etc.
Manche Texte werden wirklich zu Milieustudien.
Am Anfang und Ende des Buches gibt es ein paar Fotos von Berlin um 1900. Das trägt zur Atmosphäre bei.
Das Leben des Vaters
Glücksritter von Michael Kleeberg
Michael Kleebergs Buch Glücksritter ist, wie der Untertitel Recherche über meinen Vater schon andeutet, ein autobiografischer Text über seinen Vater und dabei stellvertretend für die Generation von Männern, die in den 30ziger Jahren in Deutschland geboren wurden.
Dieses Nachdenken über den Vater begann nach dessen Tod.
Er überlegt auch, wie sich die Verhaltensweisen seines Vaters auf ihn selbst und seine Entwicklung auswirkte. Kleeberg hat sich an seinem Vater und dessen Meinungen oft abgearbeitet.
Es ist ein kritischer Text, aber keine Abrechnung. Gelegentlich gibt es auch amüsante Passagen, wenn der Vater seinen erfolgreichen Schriftstellersohn verschmitzt vorschlägt, doch mal seine italienische Reise aufzuschreiben, wie einst Goethe. Nicht immer nur Probleme, mal was heiteres.
Ernster wird es, wenn Kleeberg auf die Kriegsjahre zurückblickt und was es für den Vater bedeuten musste, damals Ausbombung und Kinderlandverschickung zu erleben.
Das Buch funktioniert, weil es kein Roman und doch erzählerisch gestaltet ist.
Mit John Lennon unter einem Dach
Glücksritter von Michael Kleeberg
Der amerikanische Autor Tom Barbash zeigt in seinem Roman „Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ einen Zeitabschnitt in den USA, der meiner Meinung nach sehr gut getroffen ist. Absolut glaubhaft, wie die Jahre 1979 und 1980 porträtiert werden.
Der Originaltitel The Dakota Winters gefällt mir besser als der leicht lächerliche deutsche, ist aber vielleicht nicht so einfach fassbar.
Es spielt an auf ein exklusives Apartment in New York City, in dem Prominenten wie z.B. John Lennon lebte. Und auch die fiktiven Hauptfiguren des Romans, der Late Night Show-Moderator Harry Winter und sein Sohn, der auch der Erzähler des Buchs ist. Diese Figuren-Konstellation ist gelungen und macht es glaubhaft, dass so viele Einflüsse aus Film, Fernsehen, Politik und Musik zusammenkommen.
Wer diese Zeit mag, wird das Buch lieben!
Kai am Steuerrad
Station am Horizont von E.M. Remarque
Station am Horizont ist ein Roman von 1927 und das merkt man ihm auch an. Nicht dass der Roman sprachlich veraltet wäre, es sind die Verhaltensweisen und Dialoge der Figuren, die dieser zeit entstammen. Das alter spricht also nicht gegen den Roman.
Im Mittelpunkt der Dandy Kai, der vom Autorennsport fasziniert ist.
Die Passagen, die diesen Sport und sein Umfeld zeigen, sind gut gelungen und vermitteln dem Leser einen Eindruck.
Neben seiner geliebten Dogge, die Kai auf seinen Reisen begleitet, sind es verschiedene Frauen, die eine Wirkung auf ihn haben.
Das Buch ist kein literarisches Meisterwerk. Man spürt dem Text streckenweise an, dass er ursprünglich in einer Sport-Illustrierten als Fortsetzungsroman erschienen ist. Aber es ist dennoch ein unterhaltsamer Roman.
Nur wenig später aber wird Erich Maria Remarque seinen großen Erfolg Im Westen nichts neues schreiben.
Essays zu Maxim Biller
Im Kopf von Maxim Biller von Kai Sina
Herausgegeben wurde Im Kopf von Maxim Biller von Kai Sina unter Mitarbeit von Tanita Kraaz. Er versammelt Texte von einigen wichtigen Literaturkritiker.
Das einleitende Essay Die Stimmen schrieb er selbst.
Maxim Billers Literatur ist kompromisslos und provokant. Das sind seine Markenzeichen. Billers Werk ist komplex.
Das bietet eine Reihe von Literaturwissenschaftlern über seine Ansätze, Romane und Erzählungen ebenfalls groß auszuholen.
So entwickelt Stefan Zweifel, Ex-Moderator vom Literaturclub, aufregende Thesen und Vergleiche zu David Foster Wallace und Roberto Bolano.
Dana von Suffrin und Galili Shahar schreiben über Im Kopf von Bruno Schulz.
Sicher kein Zufall, dass Biller diesen polnisch-jüdischen Schriftsteller wählte, um eine Novelle über ihn zu machen. Diese Autoren verbindet etwas.
Gut gefallen hat mir auch Volker Weidermanns Beitrag, der Maxim Biller gut durch die Zusammenarbeit im Literarischen Quartett kennt.
Ziemlich witzig ist der Beitrag von Madame Nielsen.
Erwähnen möchte ich auch Daniel Kehlmann, der sich mit Biller Kurzgeschichten auseinandersetzt.
Als augenöffnend erweist sich zum Schluß das Interview von Kai Sina mit Rachel Salamander über Maxim Biller.
Drei Stories
Milkwishes von Kristen Roupenian
Das Buch Milkwishes umfasst 3 perfekt gemachte Stories von Kristen Roupenian.
Sie wirken wie das Ergebnis aus einer Creative Writings-Werkstatt.
Die Handlung der Geschichten sind ziemlich überdreht. Das gilt besonders für die erste, die ich aber doch am meisten mochte.
Die Titelgeschichte hat andere Qualitäten.
Sie ist ruhiger und handelt von trügerischen Erinnerungen.
Es hat Spaß gemacht, mal wieder Kurzgeschichten zu lesen.
Wer von Kristen Roupenians bekannter Geschichte Cat Person begeistert war, wird auch die Stories aus Milkwishes mögen.









