Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Die Geschichte einer Begegnung
Adriatica von Massimo Gezzi
Schauplatz ist eine fiktive Stadt an der adriatischen Küste.
In wechselnden Kapiteln erzählt Massimo Gezzi aus der Perspektive der 19jährigen Emilie und des 68hährigen Tulio, der nach einem Schlaganfall körperlich und seelisch versehrt ist. Zwei eigenwillige Charaktere, das macht das Buch interessant.
Am Anfang ist Emilie mit einer Freundin zusammen. Sie erzählen sich ihre Geheimnisse.
Als sich Emilie und Tullio begegnen spreche sie lange miteinander, fast wie in einem Fieberwahn. Das Buch ist sehr dialogbetont.
Adriatica ist ein herbes Leseerlebnis.
Bildhafte Sprache
Flora von Jonás Zboril
Flora ist
eine Dystopie
geheimnisvoll
soghaft
faszinierend
Ein Paar finden ein fremdartiges Wesen und nehmen es mit. Sie nennen es, das eine bizarre Mischung aus Fleisch und künstlichem ist, Flora und kümmern sich um es, als wäre es ihr Kind.
Während Sara ganz in ihrer Mutterrolle aufgeht und sich dabei in Gefahr bringt, hält Adam auch eine beobachtende Distanz
Durch die bildhafte Sprache des Autors wird man an den Text gefesselt.
Willkommen in Downtown Honolulu
Territorium von Sabrina Janesch
Sabrina Janesch, Autorin von Katzenberge und Sibir hat diesmal einen Roman geschrieben, der in Hawaii Ende des 19.Jahrhunderts angesiedelt ist.
Sprachlich hat das Buch einiges zu bieten. Sie ist ausdruckstark. Als Leser glaubt man selbst den Passatwind zu spüren und den Duft der blühenden Tuberosen zu vernehmen und die Vogelschreie zu hören.
Man wartet auf den Fall der Kokosnuss. Flora und Fauna werden überreich beschrieben. Das erzeugt eine große Dichte und das Ausmaß an Beschreibungen kann einen fast erschlagen.
Im Mittelpunkt stehen Frauen, wie z.B. die Königin von Hawaii und die deutsche Gertude Wolf. Ein paar männliche Figuren gibt es auch. Über die Tiefe der Charakterisierung kann man streiten. Es bleibt ein wenig an der Oberfläche mit den Figuren.
Abschließend soll das außergewöhnlich schön gestaltete Cover nicht vergessen werden. Es ist ein echter Hingucker und passt zum Buch.
Rückkehr in eine fremde Heimat
Thomas Mann - 1949 von Friedhelm Marx; Julian Voloj
Diese ernsthafte, düster gezeichnete Graphic Novel ist eindrucksvoll.
Sie zeigt die Reise von Thomas Mann, der zu der Zeit in den USA lebt, ins geteilte Deutschland 1949 und zeigt die zerrissene Stimmung dort.
Begleitet wird Thomas Mann und seine Frau Katia von Georges Motschan, der ein Freund ist und sie chauffiert.
Motschans Reflexionen geben dem Buch eine weitere, wichtige Ebene.
Der Untertitel Rückkehr in eine fremde Heimat ist gut gewählt.
Thomas Mann hält reden in Ost und West. Das wird ihm zum Teil übel genommen. Mit Blick von heute muss man ihn für seine Entschlossenheit bewundern.
Es ist ein sorgfältig gemachtes Buch!
Das Leben und das Sterben des Franz Fiala
Die Lebensentscheidung von Robert Menasse
Es ist keine Überraschung, dass Robert Menasses vielgelobte Novelle für den Österreichischen Buchpreis nominiert wurde.
Der 58jährige Franz Fiala arbeitet bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Dann will er alles hinwerfen, da es keine Fortschritte gibt und alles sinnlos erscheint. Er fliegt nach Wien, wo seine Mutter bald 89 Jahre alt wird.
Noch während er über die Änderung seines Lebens nachdenkt, trifft ihn eine schwere Krankheit.
Viele Kritiker sehen darin eine Metapher für Europa. Das Buch lässt sich auf verschiedenen Ebenen lesen.
Es ist eine konzentriert gemachte Novelle. Beeindruckend!
Klassenfahrt
Das Knistern im All von Stephan Lohse
Das Knistern im All von Stephan Lohse ist ein Buch, das interessante Ansätze hat, mich aber im Endergebnis nicht überzeugen konnte.
Die Geschichte von einer Klassenfahrt nach Amrun, erzählt aus der Sicht von Matti. Coming-of-Age-Elemente durchziehen das Buch. Sprachlich ansprechend, aber ganz konnte ich mit Lohses Stil nicht anfreunden.
Dem Schauspieler und Schriftsteller Stephan Lohse gelingt es, Mattis Gefühle zu vermitteln. Doch ganz glaubhaft finde ich ihn und seine Mitschüler nicht. Sie wirken wie Figuren aus den Achtzigern, die in die Gegenwart verlegt wurden. Sie repräsentieren meiner Meinung nach nicht die heutige Jugend.
Das Cover mit der Antilope in den Dünen passt gut zum Buch, denn Matti gerät schließlich in einen schwierigen Zustand.
Eigene Assoziationen an die Jugend weckst das Buch mir dann doch nicht. Ich bleibe beim Lesen letztlich distanziert. Das Buch hat mich kalt gelassen.
Immerhin, das Ende ist ganz gut gestaltet.
Angehem zu lesen
Das Tarot Café von Moon Hye Joung
Dieser Roman, der ganz klar dem Genre Healing Fiction zuzuschlagen ist, bietet was man erwartet und ist sehr angenehm zu lesen Die Protagonistin Seryeon, die frisch von ihrem Freund getrennt ist und eine neue Wohnung gefunden hat, legt in einem Café ihren Klienten die Karten und die Karten beantworten deren Fragen.
Meistens geht es um sehr persönliches, wie Beziehungen und persönliche wie berufliche Entwicklungen.
Dass die Antworten ergiebig ausfallen, liegt aber auch an der sensiblen Seryeon. Sie kann gut zuhören und sich einfühlen. Die Klienten sind sehr unterschiedlich, haben aber das Emotionale gemeinsam.
Und auch Seryeon muss ihren Weg finden.
Letztlich ist es ihre Geschichte, die den Roman bestimmt.
Nathalies Geschichten
Die Seine fließt ins Schwarze Meer von Boris Schumatsky
Die Seine fließt ins Schwarze Meer. Ich wusste das nicht.
Boris S. Buch hat viel zu bieten, z.B. das Aufwachsen in Russland, von der jüdischen Existenz und es ist ein Stück weit die Geschichte von Paul Celan. Die wird dem jugendlichen Boris von Nathalie erzählt, die eine Art Tante für ihn war. Sie war in Paris mit dem damals noch recht unbekannten Paul Celan bekannt und begleitete ihn eine Weile, auch während seinen vielen Liebschaften z.
B. mit Ingeborg Bachmann.
Das Buch ist nicht perfekt, z.B. ist es etwas zu ausführlich, kommt manchmal nicht in Schwung, aber dann kommen immer wieder intensive Phasen.
Mir hat der Roman gut gefallen.
Tiere und Orte
oh augen, eigene oper von Nina Temann
Lyrikbände bekommen in letzter Zeit selten Aufmerksamkeit. Daher ist es erfreulich, dass der Band von Nina Temann auf der Debütliste des Österreichischen Buchpreis steht.
Ein schön gestaltetes Buch mit elf Abschnitten und einem Nachwort.
Viele Tiere und Orte (äußerliche wie innere) durchziehen die Texte.
Es beginnt in fasane mit Tieren: Rehe und Fasan.
Zahlreiche weiter Tiere verschiedenster werden im Buch folgen.
Dann kommt schon das relativ lange Titelgedicht, dass sehr ausdrucksstark ist.
"Drastik oben" führt uns den Fluss entlang ins Sumpfgebiet. Es ist eins meiner favorisierten Gedichte in dem Band.
In "Schwemmfeld" bestimmen Einrückungen das Gedicht.
"Lange leier Fluss" hat mir auch gut gefallen, aber eigentlich gibt es kein schwaches Gedicht im ganzen Band.
Es gibt lange und kurze, laute und leise Gedichte. Auffällig, das alles klein geschrieben ist. Es sind Gedichte, bei denen nicht unbedingt Bedeutung oder Message die größte Rolle spielen, sondern Ausdruck und Wirkung der Worte.
Neu-Amerika
Verteidigung eines Gartens von Christina Walker
Der Roman Verteidigung eines Gartens der Österreichischen Schriftstellerin Christina Walker erzählt von zwei Frauen, die sich in einer Kleingartenanlage begegnen. Die junge Didi, die sich hierhin vor dem miesen Freund ihrer Mutter geflüchtet hat und Marianne, die nach dem Tod ihres Mannes alles verloren hat und nur noch im Gartenhaus Zuflucht findet.
Jeder kann in eine schwierige Lage kommen, daher ist man als Leser dicht bei den Figuren und der Situation.
Mit dem Obmann der Gartenanlage Neu-Amerika gibt es Unterstützung. Und doch sind noch Eskalationen zu erwarten.
Verteidigung eines Gartens ist ein Buch, das ich mit Interesse gelesen habe.











