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Rezensionen von cosmea:

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Stationen des Lebens

Red von Louise Kennedy

Louise Kennedys zweiter Roman “Red“ spielt in den 80er Jahren. Es ist die Zeit der Troubles, der bürgerkriegsähnlichen, fast 30 Jahre dauernden Unruhen in Nordirland, die erst Ende der 90er Jahre durch das Karfreitagsabkommen beendet wurden. Da war es keine gute Idee, dass Roísín McCaffreys Vater Conor als Katholik für die RUC (Royal Ulster Constabulary) arbeitete.

Damit brachte Conor sich und seine Familie in Lebensgefahr. Er verließ später die Familie und lebte fortan mit einer neuen Frau in London. Seine Ex-Frau zog mit der Tochter in den Süden in die Republik Irland. Für das Mädchen war die Umsiedlung schwierig. Sie war immer eine Außenseiterin und wurde in der Schule gemobbt. Dann lernt sie Redmond Camelin - genannt Red - kennen, der ebenfalls anders ist, Geheimnisse vor den anderen verbirgt und der erste ist, der sie versteht. Sie verliebt sich in ihn und sie stehen einander lange Zeit nahe, ohne dass daraus eine Liebesbeziehung wird. Eines Tages verlässt er sein Elternhaus und zieht nach London. Dort findet Roísín ihn einige Zeit später in einem besetzten Haus. Mit Red geht es unaufhaltsam bergab. 2007 versucht Roísín wieder einmal, Red mit Hilfe der Freunde von damals aufzuspüren. Da hat sie ihn schon 20 Jahre nicht mehr gesehen.
Die Autorin zeichnet anhand ihrer Protagonisten ein Bild der irischen Diaspora in London, in dem sich deutlich zeigt, dass die Schatten einer traumatischen Vergangenheit nicht verschwinden, sondern für immer bleiben. Ein Neuanfang ist möglich, aber das Gewicht der Vergangenheit bleibt und damit Angst, Scham, selbstzerstörerische Tendenzen, Abhängigkeit und Gewalt. So muss auch Roísín irgendwann einsehen, dass Red für immer Teil ihres Lebens bleiben wird, aber dass sie ihn nicht retten kann.
Mir hat dieser Roman gut gefallen. Ich mag die Sprache, die Charaktere und die Tatsache, dass der zeitgeschichtliche Hintergrund eine wichtige Rolle spielt.

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Stationen des Lebens
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Ein Trauerredner ermittelt

Niemals geht man so ganz von Andreas Izquierdo

“Niemals geht man so ganz“ ist Andreas Izquierdos zweiter Roman um den Trauerredner Mads Madsen, der wieder zum Ermittler wird. In einer Sommernacht führt er seine geliebte Malteserhündin Bobby in Glücksburg an der Ostsee spazieren, als er eine Frau auf einem Steg entdeckt, die offensichtlich Selbstmord begehen will.

Mads versucht vergeblich, sie vom Suizid abzuhalten, springt ihr sogar hinterher, kann sie aber nicht retten. Vor ihrem Sprung hat Anna Schmidt ihm noch das Versprechen abgenommen, ihrer neunjährigen Tochter eine noch unbekannte Botschaft zu übermitteln und sich um das Kind zu kümmern. Mads muss nun herausfinden, was er der Kleinen mitteilen soll und warum sich die Mutter umgebracht hat. Sie fühlte sich offensichtlich verfolgt und wollte mit ihrem Tod ihr Kind schützen. Schon bald hat Mads sich und sein gesamtes Umfeld in größte Gefahr gebracht. Auch Hauptkommissarin Mills mit ihrem Problem der Aggressionskontrolle kann ihm zunächst nicht weiterhelfen.
Es geht in dieser Geschichte jedoch nicht nur um die Lösung eines Kriminalfalls, sondern auch um Verlust und Trauer und aus diesem Anlass die von Mads mit viel Empathie verfassten Trauerreden. Mads ist zusammen mit seiner Hündin auch in der Lage, schnell das Vertrauen des Waisenkinds zu gewinnen, das fortan mit ihm und Bobby leben möchte. Sein exzentrischer Vater Fridtjof sorgt für eine gewisse Leichtigkeit in der Geschichte, wenn er zum Beispiel drei Seniorinnen dazu bringt, für ihn zu putzen und zu kochen, mit ihnen eine Band gründet und für einen öffentlichen Auftritt bei einem Festival am Strand probt.
Izquierdos Roman ist kein typischer Krimi. Das liegt an den Figuren der Geschichte und dem Verzicht auf brutale Gewalttaten. Der Roman bietet zwar keine große Spannung, ist jedoch unterhaltsam und schnell gelesen.

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Ein Trauerredner ermittelt
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Drei Leben

Schwestern. Trotz allem von Max Moor

In seinem Debütroman “Schwestern. Trotz allem“ erzählt Max Moor das Leben der Schwestern Gerti, Rudi und Hansi von 1945 bis 1973 mit einem Ausblick auf das Jahr 2016, als nur noch Gerti übrig ist. Nach dem Krieg wird die Familie auseinandergerissen. Erst verlässt der Vater Frau und Kinder, dann stirbt Johanna, die Mutter.

Der Großvater lebt mit seiner rabiaten Tochter Hedwig in deren Haus. Die will keine ihrer Nichten im Haus haben, duldet aber schließlich widerwillig Gerti, die älteste. Die beiden jüngeren Mädchen müssen ins Heim der Barmherzigen Schwestern, die alles andere als barmherzig sind. Hansi wird nach kurzer Zeit von einem liebevollen Paar adoptiert. Sie bleibt ihren Adoptiveltern ein Leben lang verbunden. Dort wachsen auch ihre Kinder aus zwei gescheiterten Beziehungen auf. Nach einer furchtbaren Zeit gelingt Rudi die Flucht, und sie kann endlich ein selbstbestimmtes Leben führen. Die Geschichte der Schwestern ist bewegend und mit viel Empathie erzählt. Sie kämpfen ein Leben lang, jede für sich. Keine weiß, was aus den anderen geworden ist. Erst 27 Jahre später arrangiert Gertis Partner Albert ein Wiedersehen.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen. An die zahlreichen Ausdrücke im österreichischen Dialekt habe ich mich schnell gewöhnt, zumal dem Buch zum besseren Verständnis ein kleines Glossar beigefügt ist. Für mich bekommt die Geschichte durch den Dialekt noch mehr Authentizität. In einem Nachwort schreibt der Autor, dass sein Buch von der Familiengeschichte seiner Frau inspiriert ist. Auch seine Schwiegermutter und ihre Schwestern wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandergerissen und hatten völlig unterschiedliche Lebensläufe. Ich bin sehr gespannt, ob der ehemalige Moderator von ttt seine Schriftstellerkarriere fortsetzt. Sollte dies der Fall sein, werde ich mir seinen nächsten Roman nicht entgehen lassen.

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Drei Leben
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Ein Fall von Splanchnophilie

Der Prätorianer von Tobias Bukkehave

Tobias Bukkehaves Thriller “Der Prätorianer“ ist der Auftakt einer Reihe um das Ermittlerteam Sara Levin und Janus West. Ein Mann, der offensichtlich Opfer eines Ritualmordes wurde, wird gefunden mit lateinischen Wörtern auf der Haut, wertvollen alten Goldmünzen in den Augenhöhlen und grausamen Verletzungen.

Unzählige brennende Kerzen beleuchten die Szene. Saras Bruder Adam, ein in den USA ausgebildeter Profiler von Serienmördern, wird hinzugezogen, denn bald gibt es ein weiteres Opfer. Die Geschwister sind schwer traumatisiert durch ihre Familiengeschichte, denn ihr Vater Christian wurde vor über zehn Jahren in einem Indizienprozess als Mörder verurteilt. Seitdem hat Sara den Kontakt zu ihm abgebrochen, während Adam versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Der Vater ist Historiker und weiß wie der Täter eine Menge über die griechische und römische Mythologie. Außerdem war er einst der Besitzer der gefundenen Goldmünzen. Immer wieder wird durch Fakten und Andeutungen die Verbindung zwischen den Morden und dem Vater hergestellt, ohne dass diese am Ende geklärt wird. Der Leser erfährt einiges mehr durch Kapitel aus der Sicht des Täters, ohne dass eine Identifikation möglich ist. Diese Kapitel und die aufgefundenen Leichen zeigen, dass es sich beim Täter um einen perversen Psychopathen handelt, der an Splanchnophilie leidet, denn er schneidet Organe, vor allem die Leber, aus den Leichen heraus und isst sie.
Nicht nur diese abstoßenden Details haben mich gestört. Der Thriller ist zwar teilweise spannend, aber insgesamt eine wenig plausible Konstruktion, vor allem zum Ende hin, wo ein Täter aus dem Hut gezaubert wird, der im Roman keine Rolle spielt. Es bleiben etliche lose Enden, und Cliffhanger machen übertrieben deutlich, dass es eine Fortsetzung geben wird. Die Charakterisierung der Figuren bleibt blass, und viele Handlungselemente wirken unlogisch und absolut unrealistisch. Insgesamt war dieser Roman für mich eine Enttäuschung.

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Ein Fall von Splanchnophilie
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Wir jagen Schatten von Richard Osman

Endlich mal ein Mordfall
Der Londoner Ex-Cop Steve Wheeler hat zusammen mit seiner Schwiegertochter Amy, einer ehemaligen Personenschützerin, und der bekannten Krimiautorin Rosie d´Antonio die Detektei “Wir finden Mörder“ gegründet. Leider bleiben die Aufträge aus, bis Rosie in einem Fernsehinterview ihre Detektei erwähnt.

Daraufhin kommt eine Anfrage von dem Halbkriminellen Vern Blackmore, der die Leiche eines seiner Leibwächter auf den Stufen seiner Villa in der Toskana gefunden hat. In seiner Tasche hatte der Tote einen Zettel mit dem Namen Jakob Eriksson. Dieses Detail kann Blackmore nur als Warnung, sogar als Todesdrohung verstehen. Eigentlich hat er sich vor Jahren mit seinen Rivalen auf eine Art Nichtangriffspakt geeinigt. Jeder von ihnen sollte unbehelligt seine illegalen Geschäfte mit Drogen und nachgemachten, wirkungslosen Pharmapräparaten machen dürfen, ohne die anderen fürchten zu müssen. Dabei ist Blackmore mit seinen Präparaten scheinbar noch der Harmloseste. Und nun wird einer nach dem anderen ermordet, und nur Vern Blackmore ist am Ende noch übrig.
Die Ermittlungen in Europa und den USA gestalten sich schwierig, und es gibt immer mehr Tote. Der mysteriöse Jakob Eriksson ist nicht zu finden. Die Geschichte hat unendlich viele Wendungen, und es gibt immer neue Verdächtige. Aufgelockert wird die Suche durch humorvolle Szenen und Episoden aus Rosies Liebesleben. Mir gefällt das originelle Ermittlertrio. Der Krimi liest sich nicht schlecht, ist aber nicht besonders spannend. Die Auflösung kann man nicht erraten. Wirklich schlüssig ist sie für mich nicht. Das Ganze wirkt einfach zu konstruiert und ziemlich wirr. Richard Osmans “Der Donnerstagsmordclub“ hat mir da wesentlich mehr zugesagt.

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Ein problematischer Neuanfang

Das Krähenzimmer von Carolin Frey

Lottas Beziehung mit dem Rechtsanwalt Quentin scheitert, und sie verliert ihren Job. Sie steht vor dem Nichts und beschließt, in den kleinen Ort Geleekow an der Ostsee zu fahren, wo sie die glücklichsten Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. In Geleekow besitzt die Familie ihrer ehemaligen Stiefmutter Helen die Villa Sturmmöwe.

Nach all den Jahren liegt der Schlüssel immer noch an derselben Stelle, und sie verschafft sich Zugang zum Haus, ohne Helen zu informieren. Am nächsten Tag taucht der Immobilienverwalter Justus Juric auf. Sie einigen sich darauf, dass Lotta für ihn arbeitet und für die halbe Miete eine Weile dort wohnen kann. Doch Lotta merkt schnell, dass die Idylle trügt. Seit ihrer Ankunft fühlt sie sich verfolgt, und die Bewohner des Ortes, vor allem ihre unmittelbare Nachbarin, begegnen ihr ausgesprochen feindselig. Schon bald häufen sich mysteriöse Vorfälle wie nächtliches Klopfen und Kinderlachen. In unterschiedlicher Form wird ihr mehrfach die Botschaft übermittelt, sie solle verschwinden. Lotta hat sich zwar mit einer jungen Frau namens Nele und ihrem Bruder Bo und mit Friedrich, einem Freund der beiden angefreundet, aber die Atmosphäre wird immer bedrohlicher. Sogar ihr Ex-Freund Quentin hat sie irgendwie aufgespürt und bedrängt sie. Als Lotta sich intensiver mit der Geschichte der Villa und des Ortes Geleekow beschäftigt, kommen immer mehr düstere Fakten ans Licht, zum Beispiel das plötzliche Verschwinden einer Mieterin der Villa und der Tod einer jungen Mieterin ein Jahr zuvor sowie Morde und im 17. Jahrhundert sogar Hexenverbrennungen.
Carolin Freys Thriller wird aus drei Perspektiven erzählt: Neben der von Lotta sind da noch die Einträge einer Unbekannten in einem lange Zeit unauffindbaren Tagebuch und die zwölf Regeln eines unbekannten Mannes, die sich auf Lotta beziehen. Der Thriller lebt von der immer düsterer und bedrohlicher werdenden Atmosphäre und ist außerordentlich spannend, weil der Leser immer wieder andere Personen verdächtigt und die Auflösung erst zum Schluss erfolgt. Mir hat Freys Debütroman gut gefallen.

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Ein problematischer Neuanfang
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Kristiane hält allen Stürmen stand

Hinaus in den Wind von Trude Teige

“Hinaus in den Wind“ ist die Fortsetzung der Geschichte um Kristiane Kvalsvik, die Schifferin. Nach dem Tod ihres ersten Mannes Anders hat sie Lars geheiratet, der das Lotsenamt weiterführt. Mit ihm hat sie die halbwüchsige Tochter Konstanze, aus ihrer ersten Ehe den Sohn Anders. Kristiane möchte, dass er der nächste Lotse wird, obwohl ihr Sohn kein Interesse daran zeigt.

Er liebt die Musik und ist ein begnadeter Pianist. Kristiane ist eine angesehene Persönlichkeit auf der Fischerinsel, und auch ihr Mann hat es als Lotse und Geschäftsmann zu etwas gebracht. Dann stört ein Ereignis die Idylle der Fischerinsel. Kristiane findet am Strand ein totes Baby. Starb es eines natürlichen Todes, oder wurde es umgebracht, vor allem, wer ist die Mutter? Kristianes Familie, wird an den Ermittlungen beteiligt, gerät selbst unter Verdacht und wird mehrfach verhört. Kristiane und Lars, deren Ehe aufgrund von Vorfällen in der Vergangenheit nicht besonders glücklich ist, geraten immer mehr unter Druck. Die Gemeinschaft der Fischer hat außerdem das Problem, dass schwedische Fischer verbotenerweise in ihren Gewässern fischen, ihre Fangeinrichtungen zerstören und ihren Fang stehlen. Die norwegischen Fischer erleiden dadurch beträchtliche materielle Verluste.
Auch der neue Roman liest sich sehr gut und macht deutlich, wie schwierig es damals für eine Frau war, sich zu behaupten und ihren eigenen Weg zu gehen. In Krisensituationen schöpft Kristiane immer wieder Kraft aus ihren Begegnungen mit der Natur. Wie es ihr Vater ihr schon beigebracht hat, lehrt auch sie ihre Kinder, sich gegen den Wind zu lehnen und dem Gesang des Meeres zu lauschen. Dem Leser wird die Schönheit der rauen norwegischen Westküste eindrucksvoll und sprachlich gelungen vermittelt. Trude Teige ist wirklich eine hervorragende Autorin.

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Schimpansen, unsere nächsten Verwandten

Die Insel der Schimpansen von John Ironmonger

Die junge Angelica Restorick, genannt Angel, stammt aus dem Ort St. Piran in Cornwall. Sie ist eine begabte und erfolgreiche Turnerin und trainiert für eine Profikarriere. Durch ihr Studium hat sie ihre Faszination für Schimpansen entdeckt. Als sie das Angebot erhält, für zwei Jahre nach Tansania auf die Insel Samaki Island im Viktoriasee zu gehen, um die Kommunikation von Schimpansen zu erforschen, sagt sie begeistert zu.

Haben die Schimpansen eine eigene Sprache? Auf der Insel gibt es eine Kolonie von Schimpansen, die sie zusammen mit Biologen und Rangern vor Ort beobachtet. Sie freundet sich mit den Tieren an und lernt mit Gesten, Mimik und bestimmten Lauten mit ihnen zu kommunizieren. Dabei hilft ihr, dass sie durch ihr intensives körperliches Training in der Lage ist, auf hohe Bäume zu klettern und in den Baumkronen zu schlafen. Wir lernen viel über das Leben der Tiere, die in der Gruppe existierenden Rivalitäten und die Kämpfe, zu denen es kommt, wenn der Anführer stirbt. Dann findet die Idylle ein Ende, weil die Insel an einen Investor verkauft wird, der sich angeblich dem Arten- und Umweltschutz verschrieben hat. Angel und ihren Kollegen ist jedoch sofort klar, dass sie ganz andere Ziele haben und die Forscher so schnell wie möglich vertreiben wollen. Die Geschäftsidee ist in Wirklichkeit die Trophäenjagd. Das Unternehmen will Millionen dadurch verdienen, dass die Superreichen der Welt hier Tiere töten und die Trophäen nach Hause mitnehmen. Es kommt zu einem brutalen Krieg mit zahlreichen Opfern unter Menschen und Tieren, bei dem auch Wilderer mitmischen.
Erzählt wird die Geschichte viele Jahre später von Jeremy Melon, dem Patenonkel von Angels Tochter Victoria und bestem Freund ihres inzwischen verstorbenen Vaters. Er benutzt als Quelle Angels Notizbücher und die Aufzeichnungen unzähliger Gespräche mit ihr. Der Autor beschreibt mit viel Empathie, wie Wildtiere zum eigenen Vergnügen der Jäger und ohne Rücksicht auf bedrohte Tierarten getötet werden und welche Unsummen die Kunden dafür zu zahlen bereit sind. Ein sehr beeindruckender Roman wie schon zuvor “Der Wal und das Ende der Welt.“

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Alles löst sich auf

In die Schweiz von Emma Cline

Der Protagonist dieses neuen Romans von Emma Cline ist David Hastings, Mitte 70. David leidet an Demenz. Er befindet sich im Privatflugzeug seines früheren Chefs in Begleitung des jungen Assistenten Cody auf seiner letzten Reise. Nach einer Zwischenlandung in London, wo er seine Tochter Rebecca trifft, geht es weiter nach Zürich, wo er die legale Möglichkeit zur Sterbehilfe nutzen will, ehe es zu spät ist, denn er muss noch halb bei Verstand sein, um zu verstehen, was mit ihm passieren wird und die notwendigen Dokumente zu unterschreiben.

Sein Langzeitgedächtnis funktioniert noch besser als sein Kurzzeitgedächtnis. Er erinnert sich an Ereignisse der Vergangenheit, seine Schulzeit und seine seit langem gescheiterte Ehe. Vor allem denkt er oft an seinen engsten Freund Tom aus der Internatszeit, bei dem er sich Jahrzehnte nach schlimmen Vorfällen entschuldigen will. Tom wurde damals gemobbt, und David hat zugesehen, sogar mitgemacht. Ihm stattet er einen kurzen Besuch in der Schweiz ab, der sein Fehlverhalten in der Vergangenheit allerdings nicht wiedergutmachen kann.
Erzählt wird die Geschichte aus Davids Sicht, wobei deutlich wird, wie sehr er schon abgebaut hat und auf Codys Hilfe angewiesen ist. Die Gegenwart löst sich zunehmend auf, und er fragt sich, welche Welt nach dieser Welt kommt. Seinen Erinnerungen kann er nicht trauen, und auch dem treu ergebenen Cody vertraut er nicht völlig. Clines Schilderung der letzten Tage im Leben des Demenzkranken ist spannend und ergreifend. Auch der Leser fragt sich wohl nach der Lektüre, was wohl von einem – seinem? – Leben bleibt. Beeindruckend.

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Alles löst sich auf
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Ein etwas anderer Beichtstuhl

Frag nach Susan von Souvankham Thammavongsa

Ich-Erzählerin Ning, 42, war früher eine talentierte Boxerin und betreibt nach einer Zeit als Angestellte in einem anderen Laden seit fünf Jahren ihr eigenes Nagelstudio. Sie und ihre drei Angestellten heißen alle Susan, tragen identische schwarze Kleidung und die gleiche Frisur mit mittellangen Haaren.

Ihre Kundinnen könnten ihre wirklichen Namen ohnehin nicht aussprechen. Im Roman geht es um einen einzigen Arbeitstag in diesem Salon. Beschrieben werden die Leistungen, die das Nagelstudio anbietet, die dafür benötigten Utensilien und die Kunden und Kundinnen selbst - Stammkunden und Laufkundschaft.
Die meisten Kunden sind bereit, auf Fragen zu antworten und geben bereitwillig sehr persönliche Details aus ihrem Leben preis. Ning und ihre Mitarbeiterinnen kommentieren in ihrer eigenen, für die Kunden unverständlichen Sprache, was sie hören und machen sich häufig darüber lustig. Einige Bemerkungen sind ausgesprochen bissig und abfällig. Ning selbst ist ein Mensch, der fast nichts über sich preisgibt, auch nicht gegenüber den Mitarbeiterinnen. Sie bezeichnet sich selbst als einköpfige Familie und lässt keine Nähe zu. Das mag an ihrer Vorgeschichte liegen, daran, dass Trainer Murch sie damals rausgeschmissen hat genauso wie später ihre rabiate Chefin Rachel. Ning fühlt sich zunehmend einsam, vermisst so viele Dinge, die eigentlich zu einem normalen Alltag gehören.
“Frag nach Susan“ ist ein Roman, der abgesehen von der detaillierten Beschreibung eines normalen Arbeitstages im Nagelstudio keine Handlung aufweist. Er beschreibt zwar gesellschaftliche Phänomene wie herabsetzendes Verhalten gegenüber den unteren Schichten der Gesellschaft, vor allem Frauen oder Rassismus gegenüber Einwanderern, aber darüber hinaus passiert nicht viel. Das Ganze wird aufgelockert durch teilweise recht derbe Witze. Für mich war das Buch eher eine Enttäuschung, mit Sicherheit nicht einer der besten Romane, die ich je gelesen habe.

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