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Rezensionen von cosmea:

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Das Leben eben

Die Straße von Robert Seethaler

Im neuen Roman von Robert Seethaler geht es um das Leben von Menschen in einer namenlosen Stadt. Sie alle leben in der Heidestraße, die Unternehmer profitabel verändern wollen, nachdem es ihnen gelungen ist, die Mieter zu vertreiben, die hier jahrzehntelang gewohnt haben. Der Autor portraitiert das Leben dieser Menschen, von denen die meisten bis zum Schluss namenlos bleiben, über einen Zeitraum von einem Jahr, von einem Heidestraßenfest zum nächsten.

Da gibt es einen Jungen, der unzählige Tauben mit Hilfe einer Steinschleuder tötet, einen völlig überarbeiteten Arzt, einen sehr gewaltbereiten jungen Mann, der bei der kleinsten Provokation ausrastet, die Heimleiterin eines Seniorenheims, eine Nichte, die in die Wohnung ihrer Tante eingezogen ist, eine verliebte Blumenhändlerin, einen Pfarrer, der in den Ruhestand geht und einen überforderten Kommissar mit zu wenig Personal. In Hunderten von kurzen Texten wird aus ständig wechselnder Perspektive erzählt, was ihnen widerfährt, was sie denken und wovon sie träumen.
Der Verzicht auf eine stringente Handlung erschwert die Lektüre, bis man sich an den ständigen Perspektivwechsel gewöhnt hat und die Figuren anhand ihrer Äußerungen und Gedanken identifizieren kann. Es ist ein Ausschnitt aus dem Leben, wie es nun mal ist, weitgehend ohne herausragende Ereignisse. Der Roman ist von der Struktur und vom Inhalt her ungewöhnlich und insgesamt gar nicht schlecht, gefällt mir aber längst nicht so gut wie andere Bücher des Autors, zum Beispiel “Ein ganzes Leben“ oder “Der Trafikant“.

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Das Leben eben
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Drei Versionen eines Lebens

Die Namen von Florence Knapp

Cora ist mit Gordon verheiratet, einem beliebten und angesehenen Arzt. Sie haben eine 9jährige Tochter namens Maia. Lange bleibt ihr Wunsch nach einem weiteren Kind unerfüllt. Dann wird ein kleiner Junge geboren. Gordon will, dass Cora den Jungen entsprechend der Familientradition Gordon nennt. Aber als Cora und Maia auf dem Weg zur Meldestelle sind, möchte Cora das Kind Julian nennen, während Maia Bear vorschlägt.

Cora fürchtet, dass ein Gordon genannter Sohn die Tradition der dominanten Männer fortsetzt und genauso wird wie sein Vater. Die Autorin hat die originelle Idee, aus den drei Namen unterschiedliche Lebensgeschichten zu entwickeln. In drei Handlungssträngen in Zeitabschnitten von jeweils sieben Jahren wird die 35 Jahre umfassende Familiengeschichte von 1987 bis 2022 aus der Perspektive des Sohnes mit den Namen Bear, Julian und Gordon erzählt. Cora, Tochter Maia und Coras Mutter sind in allen drei Geschichten präsent. Ansonsten gibt es deutliche Unterschiede. In einer Version wird Cora getötet, als ihr Sohn fünf Jahre alt ist, in einer anderen bleibt sie 40 Jahre bei ihrem Mann. Die wichtigste Konstante ist jedoch, dass Gordon dominant und übergriffig ist und Cora in dieser Ehe kein selbstbestimmtes Leben führen kann. Sie darf keine eigenen Freunde haben, hat keinen Zugang zum Fernseher und Telefon und besitzt nicht einmal einen Hausschlüssel. Beim geringsten Fehlverhalten nach Ansicht des Mannes wird sie grausam bestraft. Sie kann ihn nicht anzeigen, denn niemand würde ihr glauben und sie würde das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren.
Die Autorin beschreibt in ihrem packenden Debütroman, welche Folgen eine einzelne Entscheidung wie die Wahl eines Namens für das eigene Kind haben kann, aber vor allem ist es eine schreckliche Geschichte von brutaler Gewalt und kompletter Entmündigung einer Frau in ihrer Ehe, auf die der Klappentext den Leser nicht wirklich vorbereitet. Ein bemerkenswerter und wichtiger Roman, der lange nachwirkt.

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Drei Versionen eines Lebens
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Wer bin ich, und wer darf ich sein?

John of John von Douglas Stuart

Nach einem vierjährigen Kunststudium in Edinburgh kehrt der 22jährige John Calum MacLeod genannt Cal auf Bitten seines Vaters nach Hause zurück, um sich um seine Großmutter Ella zu kümmern. Zu Hause bedeutet für ihn Lewis, eine Insel der Äußeren Hebriden. Cal hat enorme Schulden angehäuft und keine Zukunftsperspektive außer so zu leben wie sein Vater und Generationen vor ihm: mit schwerster Arbeit als Tweed-Weber und Schafzüchter, immer am Rande des Existenzminimums.

Cal muss weiter sein Geheimnis vor seinem Vater John und der ganzen Gemeinde wahren, wo jeder alles über die anderen wissen will. John spielt eine wichtige Rolle in der strenggläubigen calvinistischen Gemeinde, wo es üblich ist, einen jungen Mann wie Cal wegen eines angeblichen Fehlverhaltens öffentlich zu stoßen und zu schlagen. Auch sein Vater verliert öfter die Kontrolle und traktiert ihn mit schmerzhaften Fausthieben. Cal hatte vor seinem Weggang einen Geliebten, den jungen Doll Macdonald, der aber nichts mehr von ihm wissen will. Darauf freundet er sich mit Innes MacInnes an, dem besten Freund seines Vaters, der unverheiratet geblieben ist und sich um seinen alten gebrechlichen Vater kümmert. Jeder hat hier ein Geheimnis, wie Cal im Laufe der Geschichte herausfindet. Er erfährt, warum seine Mutter Grace einst seinen Vater und ihn verließ und mit ihrem Schwager eine neue Familie gründete. Er hat sich so nach seiner Heimat gesehnt, aber kann er hier überhaupt leben, ohne sich selbst zu verleugnen und zu verbiegen, nur um die Wärme der vertrauten Gemeinschaft nicht zu verlieren? Wird er in einer solchen Enge ein selbstbestimmtes Leben führen können?
Mir hat dieser atmosphärisch dichte Coming-of-Age-Roman trotz deutlicher Längen gefallen. An äußerer Handlung passiert nicht viel, aber man begleitet Cal gern auf seinem schweren Weg. Den Booker Prize wird der Autor für diesen Roman nicht bekommen, aber eine Leseempfehlung spreche ich trotzdem aus.

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Wer bin ich, und wer darf ich sein?
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Wer wäre Nadim Suri ohne die Frauen?

Das Mosaik der Frauen von Rafik Schami

Said Mardini, ein junger Literaturstudent, flieht aus Damaskus, nachdem er sich durch eine kritische Rede gegen die Diktatur in Lebensgefahr gebracht hat. Er bekommt ein Visum in Deutschland und eine Zulassung an der Universität Heidelberg. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er zunächst mit zahlreichen Jobs.

Später arbeitet er aufgrund seiner vielfältigen Sprachkenntnisse als Simultandolmetscher und wird sehr gut dafür bezahlt. Außerdem schreibt er Romane. Eines Tages bittet ihn ein befreundeter deutscher Arzt um Hilfe. Nadim Suri, ein schwerkranker Patient mit syrischen Wurzeln, der nicht mehr lange zu leben hat, möchte ihm seine Lebensgeschichte erzählen. In der Folge besucht Said den alten Mann an zehn Tagen und hört die Geschichte seines Lebens. Es ist vor allem die Geschichte seiner Beziehungen zu Frauen. Immer wieder verliebt er sich, erlebt großes Glück, aber auch Enttäuschung, Verlust und Trauer. Die Frauen in seinem Leben haben ihn geprägt. Jede von ihnen hat etwas in ihm hinterlassen, das zu einem Mosaiksteinchen als Teil seiner Persönlichkeit wird. Alle zusammen machen das fertige Bild dessen aus, der er am Ende seines Lebens ist.
Neben den Geschichten über die Frauen seines Lebens erzählt Nadim jedoch auch witzige Episoden und Ereignisse, die er von anderen gehört hat. Ein wichtiger Teil dieses Romans ist das Thema Flucht und Vertreibung, die grausame Herrschaft der Diktatoren mit Tausenden von Toten, z.B. in Syrien und dem Irak, wo ein falsches Wort zu Folter und Tod führen kann. Es geht jedoch auch um das Leben der Immigranten in Deutschland, die Reaktion der Deutschen auf die Zuwanderer und ein Plädoyer für mitmenschliches Verhalten. Mir hat Rafik Schamis meisterhaft erzählter Roman im Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter.

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Die Vergangenheit ist nicht tot

Meeresdunkel von Till Raether

Zwei Familien treffen scheinbar durch eine fehlerhafte Doppelbuchung in der renovierungsbedürftigen Finca Casa de la Vora am Ende einer Bucht auf Mallorca zusammen. Da kein anderes Quartier verfügbar ist, arrangieren sie sich miteinander und kommen zunächst ganz gut miteinander aus. Es gibt jedoch in beiden Familien Probleme.

In der Ehe von Henrike und Hans kriselt es, und deshalb hofft Henrike, dass sie sich durch den gemeinsamen Urlaub wieder näherkommen. Auch bei Marie und Samuel, dem anderen Ehepaar läuft es nicht rund, weil Marie völlig verarbeitet ist und für ihren Chef zu allen Tages- und Nachtzeiten erreichbar sein muss und weil ihr Mann durch falsche geschäftliche Entscheidungen gerade alles in den Sand gesetzt und eine Menge Geld verloren hat. Dann zieht ein Sturm auf – sozusagen im wörtlichen und im übertragenen Sinne, so dass die Situation im Ferienhaus dem klassischen Locked Room Mystery ähnelt, weil sie das Grundstück nicht mehr verlassen können. Einer von ihnen wird ermordet aufgefunden. Die Erklärung für die Ereignisse in der Gegenwart ist in der Vergangenheit zu finden, wie drei Kapitel mit der Überschrift 1995 verdeutlichen. So versteht der Leser nach immer neuen Wendungen und Komplikationen, wie alles zusammenhängt und warum es zu diesem seltsamen Zusammentreffen in der Casa de la Vora kam.
Die Geschichte liest sich eigentlich teilweise nicht schlecht, obwohl sie nicht durchweg spannend ist, aber auf mich wirkt das Ganze sehr konstruiert und teilweise so verworren, dass man den Überblick verliert. Dazu trägt auch die Personenvielfalt bei und einige Besonderheiten, die letztlich entbehrlich sind. Da ist zum Beispiel Juri, der 8jährige Sohn von Marie und Samuel, dessen wichtigste Bezugsperson seine Puppe Hedwig ist und der so frühreif ist, dass es schon wie eine Karikatur wirkt. Welcher Junge in diesem Alter beschäftigt sich denn mit Einsteins Relativitätstheorie? Für mich ist dieser Roman kein Thriller, sondern ein aus Familiendramen zusammengesetztes Puzzle. Falls es eine Fortsetzung geben sollte, werde ich diese jedenfalls nicht lesen.

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Reiche leben gefährlich

Das Gesetz der Elite von Sandrone Dazieri

Der ehemalige Fußballstar Jesús Martinez wird tot in seiner Kryosauna gefunden. Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin, die inzwischen als Privatdetektivin für den Geheimdienst arbeitet, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Als Partner steht ihr Dante Torre zur Seite, der aufgrund seiner traumatischen Kindheitserlebnisse ein besonderes Gespür entwickelt hat und Indizien sieht, die sonst keiner bemerkt.

Schon bald schließen die Ermittler einen Unfall aufgrund eines technischen Defekts aus. Martinez gehörte als Geschäftsmann zu den Superreichen, und die ganz spezielle Sauna war von seinem Unternehmen hergestellt worden. Bald kommen weitere Tote in der Gegenwart und Vergangenheit hinzu, und eine Gruppe fordert im Netz “Tötet die Reichen“. Einige der Toten kannten sich als Jugendliche. Colomba und Dante suchen deshalb nach einem Täter, dessen Motiv weit in die Vergangenheit zurückreicht.
In diesem spannenden Thriller werden nicht nur Kriminalfälle gelöst, sondern es kommen auch andere Themen zur Sprache: Macht, soziale Ungleichheit und der Kampf für Gerechtigkeit zum einen, aber auch Kinderarbeit zur billigen Produktion von Waren und die Idee, Tote nicht zu begraben oder einzuäschern, sondern einzufrieren für ein Leben in der Zukunft oder um sie zu klonen. Die Welt der Superreichen ist dem normalen Leser fremd, aber die behandelten Themen sind von aktueller Bedeutung und gehen uns alle an.
Ich kenne die Vorgänger nicht, aber der Thriller war für mich trotzdem gut verständlich. Er hat mir gut gefallen und wird nicht mein letztes Buch von Dazieri bleiben.

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Reiche leben gefährlich
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Machtkämpfe überall

Die Liebeshungrigen von Karine Tuil

Ein Jahr, nachdem Dan Lehman, der fiktive linke Präsident mit jüdischen Wurzeln, nicht wiedergewählt wurde und gegen die Kandidatin der extremen Rechten verloren hat, kämpft er nach dem plötzlichen totalen Absturz noch immer ums Überleben. Seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda ist nach fünf Jahren nur noch Fassade, die Scheidung eine Frage der Zeit, zumal die attraktive Schauspielerin mit ihrem neuen Film auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen ist.

Kurioserweise beruht der Film auf dem neuen Roman von Marianne, Lehmans erster Frau, mit der er viele Jahre verheiratet war und drei Kinder hat. Er liebt seine Kinder sehr, auch die kleine taubstumme Tochter aus der Ehe mit Hilda. Er hat auch nie aufgehört, Marianne zu lieben und hofft, da wieder anknüpfen zu können, wo er die Beziehung einst beendet hat. Dan ist jedoch Alkoholiker, was einen Neuanfang zusätzlich erschwert und muss sich gegen diverse Anzeigen vor Gericht wehren.
Aus wechselnder Perspektive erzählt der Roman die Geschichte verschiedener Figuren und behandelt dabei nicht nur das Thema Liebe in all ihren Facetten, sondern vor allem auch die Machtkämpfe in allen Bereichen: in der Politik, in der Ehe und allen Beziehungen, in der Filmindustrie und im Literaturbetrieb. Die Autorin zeigt, dass sich Frauen in der Filmbranche besonders häufig gegen dominante übergriffige Männer wehren müssen. Sie macht außerdem deutlich, welche Macht die Medien ausüben, wenn sie Personen im Rampenlicht aufbauen oder Existenzen zerstören. So muss sich Dan Lehman nach seiner Wahlniederlage üble antisemitische Beschimpfungen gefallen lassen und hinnehmen, dass die von ihm geleistete Arbeit nichts mehr gilt. Angesichts dieser Thematik finde ich den deutschen Titel nicht besonders passend gewählt für einen Roman, der im Original “La guerre par d´autres moyens“ (Krieg mit anderen Mitteln) betitelt ist.
Ich kenne die Autorin schon seit vielen Jahren und habe auch ihren neuen Roman sehr gern gelesen. Ich empfehle ihn ohne Einschränkung.

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Folge dem Licht

The Artist von Lucy Steeds

In Lucy Steeds Debütroman “The Artist“ bittet der junge Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 den seit vielen Jahren zurückgezogen in einem alten Haus in der Nähe von Saint-Auguste in der Provence lebenden berühmten Maler Edouard Tartuffe um ein Interview und erhält die Erlaubnis zu einem Besuch.

Vor Ort erlebt er einige Überraschungen. Der Maler, der sich Tata nennen lässt, duldet ihn nur im Haus, wenn er ihm Modell sitzt, beantwortet jedoch keine Fragen. Die zweite Überraschung ist Sylvette genannt Ettie, die junge Nichte des Malers, die alle Pflichten einer Haushälterin erfüllt. Edouard hatte seine von einem verheirateten Mann schwangere Schwester bei sich aufgenommen und die Nichte allein aufgezogen, nachdem seine Schwester ihn wegen eines neuen Partners verlassen hatte. Tatsächlich verhält sich der Onkel jedoch nicht wie ein Ersatzvater, sondern erlaubt Sylvette kein selbstbestimmtes Leben, schon gar nicht, dass sie auch malt und eine künstlerische Karriere anstrebt. Er verhält sich wie ein Tyrann und zerstört gern mal, was Ettie liebt. Im Lauf seines mehr als dreimonatigen Aufenthalts bekommt Joseph Einblick in Edouards künstlerisches Schaffen und schreibt Artikel für seine Zeitung “The Inkling“ auch ohne ein einziges Interview. Außerdem erfährt er Etties Lebensgeschichte und ihr streng vor Tata gehütetes Geheimnis, und die beiden jungen Leute kommen sich näher.
Der Roman führt den Leser sprachgewaltig an die Welt der Malerei heran, lässt die entstehenden Gemälde mit den Mitteln der Sprache lebendig werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt er den für Frauen damals generell schwierigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben und zur Verwirklichung der eigenen Ambitionen. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Er ist allerdings ziemlich handlungsarm, weil die stimmungsvollen Ausführungen über die Entstehung von Kunstwerken doch einen sehr breiten Raum einnehmen. Ein Spannungsaufbau wird auch dadurch weitgehend verhindert, dass der im Jahr 1957 angesiedelte Prolog das zentrale Geheimnis um Ettie enthüllt. Dennoch ist dieses Buch schon wegen seiner poetischen Sprache und dem Einblick in künstlerisches Schaffen sehr empfehlenswert.

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Wem kann man noch vertrauen?

Das letzte Buch von Marceau Miller von Marceau Miller

Der Roman von Marceau Miller ist ein ungewöhnliches Konstrukt, denn der fiktive Autor ist zugleich der Protagonist des Romans, dessen Handlung jedoch zum Teil nach seinem Tod spielt. Marceau Miller ist ein überaus erfolgreicher Autor. Nach der Feier mit seinem Verleger zum Erscheinen seines neuen Romans verschwindet er spurlos.

Er liebt das Risiko, fliegt sein Privatflugzeug Savage Bobber und hat lange Zeit riskante Klettertouren ohne jede Absicherung gemacht. Seine Frau Sarah vermutet, dass er sein Versprechen, auf letztere zu verzichten, gebrochen hat und sucht ihn in seinem bevorzugten Klettergebiet. Sie findet seine Leiche unterhalb eines steilen Felsens. Sarah glaubt nicht an einen Unfall und beginnt ihre eigenen Ermittlungen zusammen mit dem pensionierten Polizisten Yves Reynaud und unterstützt von den engsten Freunden Alexis und Rollin Uldry und seiner Frau Karen, mit der sie einen Bootsverleih betreibt. Ein Brief von einer Bank informiert sie über eine große Summe Geld und das Manuskript von Marceaus letztem Buch in einem Tresor. Das rätselhafte Manuskript, das angeblich die Wahrheit über alle rätselhaften Ereignisse der Vergangenheit enthält, bleibt jedoch lange unauffindbar.
Der Leser begleitet die zutiefst verstörte und trauernde Sarah bei ihren Nachforschungen. Was sie herausfindet, lässt sie daran zweifeln, dass sie irgendjemand noch trauen kann. Sie hat das Gefühl, ihren Mann überhaupt nicht gekannt zu haben, und auch ihre Freunde haben sie betrogen und verraten. Fast jeder hat in dieser Geschichte etwas zu verbergen, und nichts hat sich so abgespielt, wie es schien. Obwohl Sarah sich verfolgt und beobachtet fühlt und sogar in Lebensgefahr gerät, obwohl die Medien allen Beteiligten das Leben schwermachen, gibt Sarah nicht auf, bis sie die Wahrheit kennt.
Ich habe den spannenden Roman sehr schnell gelesen und nicht nur die Handlungen mit unzähligen Wendungen, sondern auch Beschreibung der wunderschönen Landschaft am Genfer See auf der französischen und der Schweizer Seite genossen. Allerdings wirkt der Plot schon insgesamt etwas konstruiert und wenig realistisch. Eine dennoch empfehlenswerte unterhaltsame Lektüre.

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Gunni Hilding ermittelt

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt von Mattias Edvardsson

In Mattias Edvardssons neuem Roman steht Polizeimeisterin Gunni Hilding im Mittelpunkt. Die Geschichte spielt im Jahr 1989 in Trelleborg im Süden Schwedens. Gunni arbeitet eigentlich bei der Schutzpolizei, aber der Chef des Dezernats für Gewaltverbrechen beruft sie in sein Team, als ein kleiner Junge vermisst gemeldet und späte ermordet aufgefunden wird.

Es gibt eine Reihe von Verdächtigen, sogar Kinder sind darunter. Fünf Jahre später verschwindet wieder ein Kind, und Gunni sieht die Parallelen, obwohl sie längst nicht mehr im Dezernat arbeitet. Mit ihrer Hilfe gelingt es, die Fälle aufzuklären.
In diesem Roman spielen nicht nur die aktuellen Verbrechen eine Rolle, sondern auch Gunnis traumatische Familiengeschichte. Sie gehörte genau wie ihre Angehörigen zu den Zeugen Jehovas, bis sie aufgrund der falschen Beschuldigungen ihres Ex-Freundes aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Seitdem lebt sie bei ihrer Tante und hat nur noch zu ihrer jüngeren Schwester Gerd Kontakt. Immer wieder geht es um die Zeugen Jehovas und Gunnis Vergangenheit. Dadurch wird der Spannungsbogen um die Kriminalfälle immer wieder unterbrochen. Durch die zahlreichen unerwarteten Handlungsumschwünge ist der Roman jedoch insgesamt spannend genug, und ich habe ihn schnell und mit großem Interesse gelesen. Gunni ist eine sehr sympathische Protagonistin, deren Gerechtigkeitssinn und Empathie beeindruckend sind. Ich werde auf jeden Fall weitere Romane von Edvardsson und speziell um die Ermittlerin Gunni Hilding lesen, zumal “Tatort Trelleborg“ mit einem Cliffhanger endet und zum Weiterlesen einlädt.

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