Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Geri S.:
Außen hübsch, innen spannend - perfektes Gesamtpaket!
Aura - Die Gabe
"Wann kommt endlich die Fortsetzung?" - das war mein erster Gedanke, nachdem ich dieses Buch in nahezu rasantem Tempo verschlungen habe. Die Protagonisten sind so dermaßen authentisch, dass ich mich zwischendurch immer wieder an meine eigene Schulzeit zurück erinnern musste.
Bei den Charakteren sind die verschiedenen Rollen vertreten, die vermutlich jeder aus dem eigenen Leben kennt: es gibt die Zicke, den Schwarm, die beste Freundin, eine Clique von Leuten, mit denen man mal mehr, mal weniger intensiv zu tun hat und in all dem Alltagsleben taucht plötzlich eine Gabe auf, die alles verändert.
Protagonistin Hannah sieht sich nun damit konfrontiert, sowohl die "normalen" Probleme einer Schülerin im Teenageralter und - als wäre dies nicht schon anstrengend genug - auch noch die übernatürlichen Kräfte in den Griff zu kriegen. Ich fand es sehr spannend, ihren inneren Kampf auf beiden Ebenen zu verfolgen, jedoch warf besonders letzteres immer wieder die Frage bei mir auf: "Wie würdest du mit dieser Situation umgehen?". Um ehrlich zu sein, habe ich keine klare Antwort für mich gefunden. Natürlich ist es immer leicht zu kritisieren und sich selbst als Gutmensch zu fühlen, indem man ihr Verhalten verurteilt. Aber letztlich ist sie zum einen nun mal nicht erwachsen und dadurch noch im Nachteil, was geeignete Reflexion des eigenen Tuns angeht und zum anderen spürt man deutlich ihre Überforderung mit dem Ganzen. Ein weiterer Faktor in Bezug auf die Gabe spielt natürlich auch noch mit hinein, aber darauf möchte ich aus Spoilergründen an dieser Stelle nicht eingehen.
Das Ende haut dann so richtig rein und stellt alles gehörig auf den Kopf. Hannah macht eine Entwicklung durch, die sie wahrscheinlich selbst am wenigsten erwartet hätte und der Leser möchte vor Verzweiflung in den Tisch beißen, weil Teil 2 nicht direkt zu haben ist.
Fazit:
Ein gelungener Auftakt einer Trilogie, die nicht nur mit hübschen Covern aufwartet, sondern inhaltlich weit mehr zu bieten hat, als ich es von Jugendbüchern allgemein gewöhnt bin. Auch Erwachsene kommen hier voll auf ihre Kosten, sofern sie in der Lage sind, sich in einen Teenager entsprechend hinein zu versetzen. Klare 5 Sterne von mir!
Rezensionen von niknak:
ine Verwechslung der peinlichen Art
Sexy Boss von Samanthe Beck
Inhalt:
Alles begann mit einem Santa Kostüm und einer Verwechslung. Chelsea Wayne ist der Meinung, dass sich ihr Freund Paul Barrington unter dem Santa Kostüm verbirgt. Deswegen zerrt sie ihn in eine leere Abstellkammer, um mit ihm zu schlafen. Dass sie sich irrte, erfährt sie später, als sich ihr neuer Chef Rafe St.
Sebastian plötzlich in dem Kostüm vorstellt. Damit nimmt das Chaos seinen Lauf.
Mein Kommentar:
Das Buch ist aus der Sicht von Rafe und Chelsea geschrieben. Dadurch dass beide Protagonisten zu Wort kommen, bekommt man als Leser einen breiteren Blickwinkel der Geschichte zu sehen. Dies ist nicht mein erstes Buch der Autorin. Genauso wie die vorherigen konnte mich dieses Buch sehr von sich überzeugen. Es ist immer wieder ein Genuss, ein Buch von ihr zu lesen.
Zu Beginn des Buches erklärt die Autorin, wie sie auf die Idee zu dieser Geschichte kam. Dies fand ich sehr schön, war mir jedoch bereits aus einem ihrer anderen Bücher bekannt. Dadurch kann man einen anderen Bezug zur Handlung herstellen.
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es nahm mich so gefangen. Innerhalb kürzester Zeit habe ich das Buch fertig und ich habe jede Minute davon genossen.
Am Beginn des Buches ist Chelsea Wayne noch in einer Beziehung. Dies ändert sich jedoch ziemlich plötzlich. Chelsea bestellte für Paul Barrington ein Weihnachtsmannkostüm, das er als Geschäftsführer des Hotels auf der Weihnachtsfeier tragen sollte. Auf der Feier trägt jedoch nicht er das Kostüm, sondern Rafe St. Sebastion. Er hatte mit seiner Firma gerade erst das Hotel übernommen und stellte sich im Santa Kostüm seinen Angestellten vor.
Chelsea ist sehr gut in ihrem Job, wird jedoch von ihrem ehemaligen Partner und Chef Paul sehr klein gehalten. Er verkaufte ihre Ideen als die seinen, bei denen sie nur mitgeholfen hatte. Sie versucht es jedem Recht zu machen und glaubt an die wahre Liebe. Als jedoch die Beziehung mit Paul zu Ende ging, versuchte sie den Rat ihrer besten Freundin zu befolgen - nur Spaß, kein verlieben. Wenn dies nur so einfach wäre.
Rafe St. Sebastian muss drei erfolgreiche Übernahmen in einem Quartal tätigen, um den Vorstandsvorsitz von seinem Vater zu bekommen. Er ist sehr ehrgeizig und will seinen Vater nun beweisen, dass er das Zeug dazu hat. Rafe liebt die Frauen und die Frauen lieben ihn. Nachdem Rafe das erste Mal, auf Grund einer Verwechslung, mit Chelsea geschlafen hat, kann er sie nicht vergessen. Er möchte Chelsea zeigen, dass sie ihn begehrt und dies nicht nur, weil sie dachte, er sei ihr Ex-Freund. Doch höchst ungewöhnlich war, dass Rafe nicht die Finger von ihr lassen kann. Dies passt nicht wirklich zu seiner üblichen Vorhergehensweise und seinem Image.
Es gibt einige Nebencharaktere die die Handlung abrunden. Chelsea und Rafe sind sehr sympathisch und ich habe das Gefühl, ich kenne die beiden. Sie sind gut ausgearbeitet und besitzen eine schöne Tiefe. Man merkt, dass sich mehr hinter den Charakteren befindet.
Zwischen Rafe und Chelsea gibt es meistens eine prickelnde Spannung. Diese führt, so gut wie immer, zu Sex. Die erotischen Szenen kommen in diesem Buch nicht zu kurz, nehmen jedoch auch nicht zu viel Platz in der Handlung ein. Das Knistern in gerade diesen Szenen ist für den Leser sehr gut spürbar.
Mein Fazit:
Wieder einmal ein sehr schönes Buch von Samanthe Beck. Es gibt einen zweiten Teil der Geschichte, die sich um Chelseas beste Freundin Laurie dreht. Dies werde ich auf jeden Fall lesen, denn ich habe "Babycakes" bereits ins Herz geschlossen.
Ich kann das Buch nur empfehlen, für all jede die gerne in eine Geschichte eintauchen. Es war eigentlich von vornherein klar, wie das Buch enden wird, aber ich wusste worauf ich mich einlasse und ich bereue es kein bisschen.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von niknak:
Mit dem Zirkus zum Glück
King of Hearts - Mit dir vereint von L. H. Cosway
Inhalt:
(Klappentext)
Als die 27-jährige Alexis zum ersten Mal ihrem neuen Chef gegenübersteht, weiß sie, dass sie ein Problem hat: Oliver King ist nicht nur einer der erfolgreichsten Investmentbanker der Londoner City, sondern außerdem unfassbar sexy, und er zieht Alexis mit seinem undurchdringlichen Blick augenblicklich in seinen Bann.
Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein professionelles Arbeitsverhältnis. Bald ist die Anziehung zwischen ihnen zu stark, um sie zu ignorieren. Doch Alexis ahnt nicht, dass King etwas vor ihr verbirgt. Ein dunkles Geheimnis, das ihr Leben für immer verändern wird.
Mein Kommentar:
Das Buch ist in der Ich-Perspektive von Alexis Clark geschrieben. Einzig der Epilog wird von Oliver King erzählt. Die Handlung ist in zwei Teile geteilt. Die erste Hälfte "Davor" spielt vor einem einschneidenden Erlebnis und die zweite Hälfte "Danach" eben nachher.
Dieses Buch gehört zu der "Hearts" - Reihe. Ich habe vorher noch kein anderes Buch der Reihe gelesen. Trotzdem hatte ich keine Probleme mit der Handlung. Gerade im zweiten Teil fehlten mir jedoch ein wenig Hintergrundinformationen. Daher würde ich empfehlen mit dem ersten Band der Reihe zu beginnen.
Die Geschichte ist, durch viele unerwartete Handlungen, sehr spannend aufgebaut. Der zweite Teil der Geschichte "Danach" beginnt direkt mit einer großen Überraschung, mit der ich nie gerechnet hätte.
In "Davor" ist Oliver King eine sehr starke Persönlichkeit. Er weiß, was er will, ist jedoch trotzdem ein sehr bodenständiger Charakter. Durch sein Geheimnis hat er eine dunkle Ausstrahlung. Alexis Clark ist die Assistentin von King. Sie wird stark von ihrem Chef angezogen, versucht dies jedoch nicht offen zu zeigen, denn sie hatte King erzählt, dass sie lesbisch sei. Die junge Frau musste sich alles selbst erarbeiten, ist schlagkräftig und kämpft für ihre Ziele.
Die Rollen von Alexis und Oliver sind in "Danach" vertauscht. Oliver King ist total verändert und nicht mehr wiederzuerkennen. Alexis muss nun um die Liebe ihres Lebens kämpfen.
Die beiden Hauptcharaktere waren sehr sympathisch und ich konnte mich gut in Alexis hineinversetzen. Die Nebencharaktere runden das Buch super schön ab.
Mein Fazit:
Das Buch ist zweitweise ziemlich kitschig. Trotzdem hat es mir sehr gut gefallen. Ich würde empfehlen, zuerst die ersten beiden Teile der Reihe zu lesen, da man so leichter der Handlung folgen kann.
Ganz liebe Grüße,
Niknak
Rezensionen von Wolly:
Nicht jedermanns Sache, aber einen Versuch wert
Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi
Für immer ist die längste Zeit ist ein Buch was den richtigen Leser sucht, weshalb es mir etwas schwer fällt darüber zu schreiben.
Je nachdem wer dieses Buch liest, reichen die Meinungen wahrscheinlich von ganz nett bis hin zum neuen Lieblingsbuch.
Es ist eine Geschichte die viel erzählt über den Umgang mit Verlust, die verschiedenen Trauerphasen und allgemein dem zwischenmenschlichen Miteinander.
Gespickt mit vielen Weisheiten und schönen Zitaten haben mich aber vor allem die Erkenntisse überzeugen können. Wenn ein Mensch nicht mehr unter uns weilt und man im Nachhinein feststellt, was man hätte anders machen sollen oder was man nie gesagt hat, aber hätte sagen wollen. Diese Erkenntnisse kamen wunderbar rüber durch die verschiedenen Perspektiven. Wechselnd beschreibt die Autorin die Geschichte aus der Sicht der Mutter, des Vaters und der Tochter. So bekommt man einen ganz direkten Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten.
Dies macht das Buch aber auch zu einem Roman, in dem eigentlich nicht viel passiert auf gefühlt relativ vielen Seiten. Eben ein leises Buch, das zu weilen aber wirklich zäh war. Die Geschichte konnte mich nicht immer fesseln, was aber eben von meinen persönlichen Erfahrungen abhängt. Jemand der vielleicht selbst jemanden auf diese Art verloren hat, wird sich sicherlich toll reinfinden in diese Geschichte und sie vielleicht sogar als hilfreich empfinden, oder zumindest als tröstlich. Ähnliche Erfahrungen helfen vielleicht auch den Charakteren mehr abzugewinnen. Mutter und Vater mochte ich, die Tochter fand ich hingegen ganz furchtbar. Auch manchen Nebenfigur fand ich eher schwierig, andere dagegen gefielen mir gut.
Fazit:
Man sieht, das es ein Buch ist, das generell seine Qualitäten hat, wie beispielweise schöne Zitate, leisen Humor und manch schöne Figur. Trotzdem wird nicht jeder mit diesem Buch glücklich werden. Für mich ist es ganz nett gewesen, aber eben auch nicht mehr daher gibts 3 von 5 Sternen.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Sehr gute Einführung in das Denken Camus'
Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi
Die von Iris Radisch vorgelegte Biographie ist nicht nur gründlich recherchiert, sondern sie bietet auch einen vorzüglichen Zugang, um Camus' Denken zu verstehen. Zu Recht betont die Autorin, dass sich Leben und Denken bei Camus nicht trennen lässt. Gerade der biographische Hintergrund macht erst vieles von dem, was Camus gedacht bzw.
geschrieben hat, wirklich verständlich.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Kritische Auseinandersetzung mit "sozialen" Errungenschaften
Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi
Die Autorin schildert in ihrem Buch meist wenig beachtete Schattenseiten bekannter sozialer Einrichtungen, wie etwa der Tafel, die nur auf den ersten Blick als effektive Hilfestellung für die Betroffenen erscheint, da sie letztlich bloß (meist privat finanzierte) Symptombehandlung bleibt und die Politik aus ihrer Verantwortung entlässt.
Ebenso kritisch wird die Praxis der Mikrokredite in Bangladesch gesehen, deren dortiger Initiator Muhammad Yunus (zusammen mit der Grameen Bank) im Jahr 2006 dafür immerhin den Friedensnobelpreis erhielt. Zurück bleiben oft verschuldete und verzweifelte Frauen, denen man anstelle tatsächlicher Hilfe Kredite anbietet, wodurch sie ein Leben lang abhängig bleiben werden.
Das Buch zeigt anschaulich und spannend viele Missstände auf, die vor allem durch den Rückzug staatlicher Hilfen bzw. dem Vordringen neoliberaler Marktmechanismen entstanden sind. Manches ist dabei durch das engagierte Schreiben zu plakativ und holzschnittartig ausgefallen, vor allem gegen Ende des Buches - dort finden sich auch unnötig viele orthographische Fehler, zumindest in der E-Book-Ausgabe.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Würde wird v. a. auf ein menschliches Verdienst bzw. Verhalten reduziert
Eine Art zu leben von Peter Bieri
Im Gegensatz zu herkömmlichen Zugangsweisen versucht Bieri in seinem Buch keinen abstrakt-philosophischen Weg einzuschlagen, sondern spürt anhand konkreter menschlicher Erfahrungen dem Begriff der "Menschenwürde" nach. Er unterscheidet dabei drei Dimensionen menschlichen Handelns: (1) Wie behandeln mich andere Personen? (2) Wie behandle ich andere Personen? (3) Wie behandle ich mich selbst? In jeder dieser Dimensionen könne man seine Würde gefährden und zwar in dem Maße, in dem man seine Selbstständigkeit im Denken, Fühlen und Handeln verliert.
Im Hintergrund dieser Überlegungen steht natürlich die Philosophie Immanuel Kants, für den (die von Vernunft geleitete) Eigenständigkeit das Hauptkriterium menschlicher Würde darstellt.
Der Nachteil dieses Konzeptes der Menschenwürde liegt auf der Hand: Es wird nicht unterschieden zwischen Würde als ein menschliches Verdienst bzw. Verhalten und Würde, die jedem Menschen schon aufgrund seines Menschseins zukommt. Erstere muss man sich erarbeiten, und man kann sie auch wieder verlieren, Letztere ist unveräußerlich, d. h. man kann sie weder verkaufen noch verlieren. Da Bieri diese Unterscheidung nicht beachtet, kann er auch viele Beispiele schildern, in denen Menschen ihre Würde verlieren, was nur im ersten, nicht jedoch im zweiten Sinn von Würde nachvollziehbar ist. Im Grunde muss für Bieri die Aussage, dass die menschliche Würde "unveräußerlich" sei, unverständlich bleiben - zumindest bleibt die Frage, was man darunter verstehen soll, im Buch unbeantwortet.
Eine weitere Schwierigkeit, Menschenwürde als Selbstständigkeit im Sinne Kants zu verstehen, ergibt sich dadurch, dass in dieser Auffassung die Menschenwürde immer dann in Gefahr gerät, wenn die persönliche Selbstständigkeit eingeschränkt wird - zumindest kann dies zu (ungewollten) Abwertungen bestimmter Menschen führen. Aber auch für andere Lebewesen kann das Konzept der Selbstständigkeit kaum eine geeignete Grundlage dafür bieten, diesen auch eine gewisse Würde zuzugestehen.
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Radikale Kritik am derzeitigen Wirtschaftssystem und der dahinter liegenden Ideologie
Laudato si' - Über die Sorge für das gemeinsame Haus von Franziskus I.
Papst Franziskus stellt in seiner neuen Enzyklika 'Laudato si' klar, dass Ökologie und soziale Gerechtigkeit untrennbar verbunden seien - man müsse die Klagen der Armen ebenso hören wie die Klagen der Erde (Nr. 49). Privatbesitz sei aus christlicher Sicht nicht als absolut und unveräußerlich zu sehen; die soziale Funktion jeder Form von Privatbesitz wird betont – denn Gott habe die Welt für alle erschaffen (Nr.
93).
So enttäuschend die bisherigen Ergebnisse der diversen Klimagipfel seien, so deutlich würden sie zeigen, dass Politik immer stärker der Wirtschaft unterworfen werde (Nr. 54). Scharfe Kritik übt der Papst am derzeitigen Wirtschaftssystem, in dem Spekulation und Streben nach finanziellem Ertrag vorherrschen – Umwelt und Menschenwürde würden dabei oft ignoriert (Nr. 56). Der Mensch sei dazu übergegangen, die Natur als bloße Rohstofflieferantin zu sehen, die man bis zur Grenze und darüber hinaus 'auspressen' könne – verbunden mit der Selbsttäuschung ewigen Wachstums (Nr. 106). Die technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen prägen vielfach unseren Lebensstil, der – oft unbewusst – bestimmten Machtinteressen dient (Nr. 107). Der Papst spricht hier vom 'technokratischen Paradigma', dessen Logik heute so dominant geworden sei, dass es schwierig ist, sich ihm zu entziehen (Nr. 108). Dabei tritt er dafür ein, Fortschritt neu zu bestimmen: wenn wirtschaftliche und technologische Entwicklung nicht zu einer besseren Welt und zu einer höheren Lebensqualität führen, dann könne nicht von einem Fortschritt gesprochen werden (Nr. 194).
Wenn Papst Franziskus den weit verbreiteten Relativismus kritisiert, so bezieht er damit keine erkenntnistheoretische Position, sondern prangert jene Haltung an, in der der Mensch sich selbst ins Zentrum stellt, seine eigenen Vorteile absoluten Vorrang haben, und alles andere relativ werde (Nr. 122). Diese Haltung führe nur dazu, andere auszunützen und als bloße Objekte zu behandeln. In der 'unsichtbaren Hand' des Marktes sieht der Papst dieselbe Logik am Werk, da weder auf die Gesellschaft noch auf die Umwelt Rücksicht genommen werde (Nr. 123).
Der Markt produziere einen unwiderstehlichen Konsum-Mechanismus, der dazu führe, dass unnötige Dinge gekauft würden. Der zwanghafte Konsumismus sei auf der individuellen Ebene das Spiegelbild für das techno-ökonomische Paradigma. Freiheit werde mit Konsumfreiheit verwechselt – wir besitzen allzu viele Mittel, um einige dürftige Ziele zu erreichen (Nr. 203). Die Selbstbezogenheit führe dazu, immer unersättlicher zu werden. „Während das Herz des Menschen immer leerer wird, braucht er immer nötiger Dinge, die er kaufen, besitzen und konsumieren kann.“ Dabei gerate nicht nur das Gemeinwohl aus dem Blick, sondern jede Begrenzung durch die Wirklichkeit erscheint inakzeptabel (Nr. 204). Der Papst glaubt, dass es möglich sei, wieder die Fähigkeit zu entwickeln, die Selbstbezogenheit zu überwinden und aus sich heraus- und auf andere zuzugehen. Die Überwindung des Individualismus sei Voraussetzung für einen alternativen Lebensstil, der eine Veränderung in der Gesellschaft möglich macht (Nr. 208). Allerdings reiche es nicht, wenn nur Einzelne ihren Lebensstil ändern. Der Papst fordert eine ökologische Umkehr, die auch eine gemeinschaftliche Umkehr sein müsse (Nr. 219).
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Kapitalismus versus Demokratie
Gekaufte Zeit von Wolfgang Streeck
Es ist ein Verdienst des Autors, viele auf den ersten Blick unübersichtliche und unzusammenhängende Ereignisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen und damit den Spannungsbogen anzudeuten, der in der Entwicklung der letzten Jahrzehnte in Europa stattgefunden hat: Von einem langsamen, aber kontinuierlichen Rückzug des Staates hin zu einer immer stärkeren Betonung wirtschaftlicher Effizienz in allen Lebensbereichen.
Griff im Nachkriegskapitalismus der Staat - z.B. durch inflationspolitische Maßnahmen - noch steuernd in die Geschicke wirtschaftlichen Lebens ein, so änderte sich dies spätestens in den 1970er und 1980er Jahren, als der Staat durch immer größere Aufnahmen von Schulden jene Illusion wirtschaftlichen Wachstums und sozial gerechter Verteilung aufrechterhielt, die seit 2008 mit der Finanzkrise spektakulär in sich zusammenfiel. Seither sehen sich viele Euro-Staaten zu einer 'inneren' Abwertung gezwungen, d. h. es müssen Produktionsleistungen verbilligt werden - z.B. durch längere Arbeitszeiten oder Kürzung von Sozialleistungen -, weil das Mittel der Geldabwertung innerhalb des Euro-Raumes für wirtschaftlich schwächere Länder nicht mehr möglich ist.
Besonders brisant ist diese Entwicklung auch unter demokratiepolitischer Sicht: Die wichtigen wirtschaftspolitischen Entscheidungen werden immer weniger in nationalen Parlamenten gefasst, sondern von neoliberal gesinnten Technokraten in Brüssel (vgl. in diesem Zusammenhang auch das Beispiel TTIP). Letztlich läuft die Entwicklung immer mehr auf die Unvereinbarkeit der derzeit praktizierten, neoliberalen Form des Kapitalismus und einer demokratischen Gestaltung gesellschaftlichen Lebens hinaus.
Streeck sieht pessimistisch in die Zukunft: Europa sei auf dem besten Weg, ein neoliberales Korsett für seine Mitgliedsstaaten zu schnüren, das ohne Rücksicht auf kulturelle Unterschiede nur den Profit als einzigen Wert in allen Lebensbereichen anerkennt. Als Lösung schlägt Streeck die Möglichkeit eines geordneten Ausstiegs aus dem Euro vor, denn es sei abwegig zu behaupten, dass "Europa scheitere, wenn der Euro scheitert" (Angela Merkel) - was ja tatsächlich kaum einleuchtend ist ...
Das Buch liest sich streckenweise spannend wie ein Krimi und die darin geschilderten Geschehnisse bergen auch eine Menge (halb-)krimineller Energien. Mit aller Schärfe - und nicht ohne Humor - werden die Entwicklungen des Neoliberalismus in Europa nachgezeichnet. Schade nur, dass die Gedanken sprachlich auf sehr hohem Abstraktionsniveau dargelegt werden - ein Umstand, der vermutlich dazu führt, dass die Lektüre für einen breiteren Leser_innenkreis als zu mühsam erscheint. Hätte man das nicht einfacher sagen können?
Rezensionen von robert.wentz@gmx.at:
Fundierte Lektüre zu geschichtlichen Höhen und Tiefen christlicher Glaubenspraxis
Toleranz und Gewalt von Angenendt Arnold
Der Autor versteht es vorzüglich, auf sachkundige Weise komplexe geschichtliche Zusammenhänge so zu erläutern, dass sie auch wirklich verstanden werden können.
Zu den Verdiensten christlicher Religion zählt der Autor u. a. folgende Bereiche auf:
- die Gottebenbildlichkeit des Menschen, die - ganz im Gegensatz zur antiken Umwelt - dazu geführt habe, dass allen Menschen eine gleiche und unbedingt zu achtende Würde zukommt, also unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht, etc.
- Das christliche Liebesgebot wird nicht nur - wie in Primärreligionen oft üblich - auf Familien- bzw. Stammesangehörige bzw. eine bestimmte Gruppe bezogen, sondern gilt allen Menschen - auch den "Feinden".
- Die Sorge um die Armen galt in der Antike nur unter dem Vorbehalt, dass es einem auch selbst einen Nutzen einbringe. Im Christentum hingegen geschah die Armen-Sorge vorbehaltlos - "eine ganze Gesellschaft wurde für die Armut sensibilisiert und zugleich die Armensorge institutionalisiert" (S. 584).
- Das Christentum habe als einzige Weltreligion die Freiheit als höchtes religiöses Ziel erklärt - denn Christus sei gekommen, um die Menschen "freizukaufen" bzw. zu erlösen. Das habe langfristig zur Abschaffung der Sklaverei geführt.
- Zur Frage der Religionsfreiheit werden einige wichtige Punkte angeführt, die das Christentum neu hervorgebracht habe wie z. B. die Ablehnung der Autorität einer weltlichen Macht in religiösen Dingen oder auch Zwang in Fragen des Glaubens auszuüben, da nur der freie Glaube als wirklicher Glaube gelten könne.
Bei all diesen Punkten gelte es aber zu beachten, dass im Laufe der Geschichte vieles geschehen sei, das nicht mit diesen christlichen Grundsätzen vereinbart werden könne wie z. B. die Kreuzzüge oder die Tötung von Ketzern im Rahmen von Inquisitionsprozessen.
Das Buch zeichnet sich durch eine sachliche und ausgewogene Darstellungsweise aus. Es stellt einen wichtigen Beitrag dar, wenn es darum geht, aus einem vorurteilbehafteten Schwarz-Weiß-Denken auszubrechen.









